Schon wieder der frühe Wecker und nach dem langen Abend gestern kommt da insgesamt leider viel zu wenig Schlaf zusammen – vor einem sehr heißen und termingeladenen Tag. Obligatorischer Schnelltest nach der Kontaktnachricht vom Wochenende, dann schnell fertig machen, Zähne putzen, fluchen, frühstücken, nochmal Zähne putzen, dann geht es los Richtung Zahnärztin. Heute ist nochmal eine Füllung mit dem Austausch dran, diesmal im Unterkiefer, also mit einschränkenderer Betäubung und hinterher 3-4 Stunden nichts essen und trinken. Danach noch Abdrücke nehmen für eine neue Knirschschiene und dann darf ich nach einer knappen Stunde runter vom Stuhl. Termin 1 erledigt.
Wie letzte Woche fahre ich zur Zeitüberbrückung in den Mauerpark – heute mit Boxtraining zum Zugucken – und telefoniere dort mit dem Liebsten und mache Sorbisch, Norwegisch und Italienisch. Dann geht es weiter in die Charité zu Termin 2. Heute mit mehr Wartezeit, dann Visite, dann Blutabnahme, dann Behandlung. Dann geht es weiter zur schwedischen Kaffeehauskette, Mitbringsel für später kaufen und Eistee-Date mit dem Hasen, den ich schon wieder eine Weile nicht gesehen habe. Wir sitzen anderthalb Stunden im Schatten und erzählen uns, was in den letzten Monaten so passiert ist und in den nächsten ansteht. Termin 3 abgehakt.
Von da aus geht es dann mit der S-Bahn raus ins Brandenburgische, ehemalige Kolleg*innen besuchen, die dort kürzlich ein Haus gekauft haben. Ich überreiche mitgebrachte Zimt-, Kardamom- und Pekannussschnecken, begrüße den lange nicht gesehenen Hund und bekomme erst eine Führung durch Haus und Garten und dann Eiskaffee und sehr leckere Marillenknödel serviert.
Auch wir haben uns viel zu erzählen, vom persönlich biografischen bis hin zum politischen Umfeld auf dem Land und den anstehenden Landtagswahlen. Immerhin werden jetzt zwei vernünftige Stimmen mehr mitwählen.
Nach guten drei Stunden drehen wir eine Runde mit dem Hund, die mich zurück zum S-Bahnhof bringt und kurz nach 20 Uhr bin ich wieder zuhause. Termin 4 erledigt. Den Rest des Abends liege ich müde auf der Couch und gucke nach, was in der Welt so passiert ist, unterbroche nur von der einzigen halbwegs herzhaften Mahlzeit des Tages, Fladenbrot mit Salami und Käse und dazu einen Pfirsich-Tomaten-Salat.
Der Wecker klingelt früh, Termine Termine. Trotzdem will ich Zeit für Bloggerei und Co. und eben möglichst wenig Hetzerei. Halb 7 also. Kurz nach 8 gehe ich aus dem Haus, soweit alles nach Plan. Nicht nach Plan ist, dass die von mir anvisierte S-Bahn ausfällt, mit der nächsten komme ich zwei Minuten zu spät in der Arztpraxis an, aber der vorherige Termin zieht sich länger hin, also ist auch das zu verschmerzen. Ich muss lernen, mich wegen dieser Art Termine weniger zu stressen. Diesmal übrigens eine neue Strecke zur Praxis ausprobiert, die tatsächlich angenehmer ist, als die sonst. Die bleibt jetzt.
Während des Vorsorgetermins mit der Gynäkologin interessante Gespräche. Sie rantet über Lieferschwierigkeiten bei Medizin, etwa für Geschlechtskrankheiten. Sie sucht gerade nach Alternativen und Off-Label-Anwendungen, vor allem für Patientinnen, die Sexarbeiterinnen sind und deshalb besonders viel Bedarf haben. Später geht es um Patente, die nach China und Indien verkauft wurden, was auch schon zu groben Lieferengpässen führte. Dann um ethische Fragen beim Off-Label-Nutzen, Regulierungen und Empfehlungen. Ein Mittel, dass als Nebenwirkung zu Fehlgeburten führt, kann auch für Abtreibungen eingesetzt werden, was vom Hersteller aber nicht so proklamiert wird – er sitzt in Texas. Und dann sind wir auch schon bei der furchtbaren Entwicklung der Abtreibungspolitik in den USA und außerdem fertig mit der Untersuchung. Ich bekomme noch ein neues Medikament – welches in Berlin hergestellt wird – und dann kann ich los.
Ich habe knappe zwei Stunden, bevor ich in der Tagesklinik erwartet werde, und nehme heute die scenic route durch Teile von Moabit, die ich noch nicht kenne und dann immer die Spree entlang. Besonders schön ist das gegenüber vom Schlosspark Bellevue, ärgerlich ist die riesige Baustelle am Kanzleramt, die zu Umweg ohne Idyll zwingt. Zum Schluss geht es nochmal ausführlich über das Gelände der Charité – ein eigener kleiner Kosmos mit schöner Architektur, einem Shuttle-Service und nach wegweisenden Mediziner*innen benannten Straßen und Plätzen,
Dann wie immer Wartebereich, Visite, Behandlungszimmer. Hinterher laufe ich zur Tram, von der Tram weg dann wieder zu Fuß, mit Stopp in der Apotheke und im Haushaltswarenladen (mit dem Auszug des Mitbewohners brauche ich einen neuen kleinen Topf) und beim Späti. Dann gibt es zuhause die Couscous-Reste von gestern mit ordentlich Olivenöl, Koriander und einem Spritzer Limettensaft, bevor ich mich zum Mittagsschlaf hinlege.
Das wieder Aufwachen bringt COVID-Kontakt-Nachrichten, weswegen ich gleich erstmal einen Test mache. Alles gut aber. Dann bin ich noch ein wenig emsig – Katzenstreu austauschen, Geschirrspüler ausräumen, Pflanzen gießen, Sprachen lernen – bevor ich wieder losmarschiere, diesmal zum Yoga. Heute sind wir zu dritt und die Session ist ganz schön anstrengend, tut aber trotzdem gut. Wieder zuhause gibt es Guacamole aus Avocado, Limette, Tomaten, roter Zwiebel, Koriander und einem Hauch Chili zu Fladenbrot.
Ich telefoniere zum x-ten Mal heute mit dem Liebsten, spiele ein bisschen, schreibe mit Leuten und dann gucke ich ab 23 Uhr den ersten gemeinsamen Wahlkampfauftritt von Kamala Harris und Tim Walz. Das wird gut werden, denke ich. Plötzlich ist es schon ganz schön spät, ich springe noch fix unter die Dusche und liege dann gegen 1 im Bett.
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.
In zwei Stücken à drei Stunden geschlafen (plus noch ein bisschen hinten dran nach der zweiten Pause), dann gemütlich im Bett liegend alle morgendlichen Dinge erledigt – Internet leer gelesen, gebloggt, Sorbisch, Norwegisch und Italienisch gemacht, Wordle und Co. gespielt, mit dem Liebsten telefoniert). Gefühlt viel Energie immer noch nach dem tollen Schlaf gestern und dem faulen Sonntag.
Zum Frühstück mit Müsli gibt es ein paar eingeweichte Feigen, die über Nacht im Wasserbad lagen. Die Idee hatte ich aus dem Internet mit Aprikosen, was noch viel besser schmeckt – fast wieder wie frisch – aber mit diesen Wildfeigen geht es zumindest von getrocknet hin zu der Soft-Variante. Übrigens sind das Wildfeigen, deshalb so klein.
Dann verlasse ich das Haus, laufe wieder bis zur zweiten Tram und fahre damit zur Tagesklinik. Zuglektüre (und Wartebereichlektüre) ist das gestern erwähnte Islandbuch. Bei der Visite erinnere ich den heute Dienst tuenden Arzt daran, was letzte Woche besprochen wurde. Dann geht es in den Behandlungsraum, wieder zu den vier Grazien. Meine Bemühungen übers Wochenende werden gelobt, die Fortschritte gefeiert und dann werde ich wieder fachfraulich versorgt.
Auf dem Heimweg heute wieder Einkehr im Haushaltswarenladen – es braucht noch zwei neue Mokas, eine fürs erste Feriendomizil, zum dauerhaften Parken, eine zweite fürs Zelten – meine sind zu klein oder zu groß, die vom Liebsten ist für Induktion, nicht Gas. Dann erledige ich noch den Wocheneinkauf, heute im Späti, der auch Obst, Gemüse und nichtdeutsche Lebensmittel führt. Ich kaufe hungrig ein, deshalb ist es vielleicht ein wenig viel. Zuhause bastele ich dann einen Wassermelonen-Feta-Minze-Salat, der vor dem Umrühren besser aussieht als hinterher, aber ich mache das Foto leider zu spät.
Nach dem Essen auf dem Balkon lege ich mich für späten Mittagsschlaf hin, bin aber zu aufgeregt, weil ich Post vom Internetprovider im Briefkasten hatte. Also gebe ich schnell auf und schließe stattdessen den Übergangsrouter an. Klappt alles super, bis es nicht mehr klappt. Ich versuche es dreimal an verschiedenen Standorten und rufe dann den ausleihenden Lieblingsnachbarn zur Hilfe. Bis der aus dem Büro kommt, sauge ich die Wohnung und räume vorher ein bisschen auf. Dann probieren wir zu zweit und können dann mit ziemlicher Sicherheit ausschließen, dass es am Router liegt. Auf Providerseite streiken gerade App und Webseite, so dass ich doch wieder in der Warteschleife hänge. Nach einer halben Stunde mit ohrenbetäubender nerviger Musik ist es 20 Uhr und ich werde unsanft rausgekickt, weil ich außerhalb der Geschäftszeiten anrufe – nebenbei habe ich um nicht auszurasten einen weiteren Diamond-Painting-Untersetzer angefangen. Ich fluche und lasse den Mitbewohner und den Lieblingsnachbar meinen Unmut wissen. Dann koche ich Couscous mit Zucchini und Tomaten.
Zum Essen werde ich die erste DVD aus dem Buch über sorbischen Film ein und schaue mich durch die ersten kurzen Dokus. Zwischendurch packt es mich und ich wühle mich nochmal durch die App des Providers, die inzwischen aktualisiert wurde. Jetzt sind die nötigen Seiten und Buttons plötzlich verfügbar und mit ein paar Klicks bin ich plötzlich drin. Hallelujah. Jetzt kann der Mitbewohner an seinen letzten paar Tagen hier in der Wohnung doch noch online sein, auch wenn mein Handy-Hotspot gerade nicht verfügbar ist. Er freut sich über die Neuigkeiten. Ich schaue noch weiter Dokus, bis der Untersetzer fertig ist und gehe dann nach ausführlicher Zahnpflege kurz vor Mitternacht ins Bett.
Ungewohnt lange geschlafen, es wurde aber auch Zeit, mein FitBit war schon sehr unzufrieden mit mir und ich dauermüde. Heute zeigt es über acht Stunden an und das deckt sich mit meiner Wahrnehmung der Welt. Juhu. Außerdem zu Regen aufgewacht, der den Tag großflächig begleiten wird und mich von der latenten Pflicht entbindet, heute rauszugehen und den ersten Tag seit Wochen ohne Termin irgendwie produktiv zu nutzen. Ursprünglich hatte ich gedacht, dass ich ja „am Sonntag dann“ mal mit einem ausführlichen Wohnungsputz starten sollte, aber es ist Sonntag und es regnet und morgen ist auch noch ein Tag! Meine produktiven Taten heute beschränken sich also auf das Notwendigste – eine Maschine Wäsche waschen und aufhängen, die Katzenklos durchsieben, mich und die Katzen füttern.
Bagels mit Käse (zum Frühstücksei mit Forellenkaviar), Mandel-Tonka-Creme, Erdbeermarmelade, Feigenmarmelade, Tee mit HafermilchSencha mit Balkonminze und LimetteLetzte Crowdfarming-Birnen an Buchweizengrütze mit Zimt und ZuckerBagel mit Tomatenfisch und dänischem Gurkensalat
Der heutige Sommersonntag behandelt Songs über das Essen, also muss ich fast den ganzen Tag Radio hören. Dazu bietet es sich an, weitere Untersetzer zu bearbeiten und das mache ich dann auch – am Ende sind drei neue fertig.
Mittendrin klingelt es irgendwann, der Nachbar von gegenüber, den ich nur vom Sehen kenne, holt ein Päckchen ab, das hier für ihn abgegeben wurde. Jetzt habe ich also auch ein Gesicht zu dem Namen und natürlich recherchiere ich gleich mal, was der so macht. Arbeitet für eine große, bekannte NGO – das passt in die Gegend.
Nach dem Sommersonntag höre ich dabei auch noch mein Hörbuch zu Ende und lese danach das nächste Buch aus der Onleihe an, mit dem ich gedanklich nach Island reise – ich weiß, dass es ein Buch ist, über das ich in einem Blog gelesen habe, da es in Island spielt, vermutlich bei Frau Brüllen? Zwischendurch noch einmal die Heimbehandlung anwenden, bevor es morgen wieder in die Tagesklinik geht und dann geht ein entspannter fauler Sonntag entspannt und faul zu Ende.
Der Wecker würde um 8 klingeln, aber ich bin mal wieder schon um 7 wach. Übliche Morgengestaltung, dann schäle ich mich gegen 9 aus dem Bett und betrete als erstes Mal den Balkon. Die ersten Menschen, die ich heute sehe, stehe auf dem Balkon gegenüber und winken – es sind die Musikusine und ihr Mann und nein, das ist nicht überraschend für mich. Ich hatte schon gestern Abend immer wieder Ausschau gehalten, ob sie denn angekommen sind, aber das passierte dann wohl erst, als ich schon im Bett war. Ich versorge die Katzen und die Pflanzen, ziehe mich an und laufe los zu dem veganen Café, in dem ich mit den Beiden, meinem Bruder und seiner Freundin verabredet bin. Der Liebste ist optional, er will erst in Ruhe ausschlafen.
Wir trinken Kaffeegetränke mit Hafermilch, Eistee oder Smoothie, essen Quiche, Waffeln, Grilled Cheese Sandwich oder Brot mit Aufstrichen – alles vegan und superlecker und hübsch angerichtet. Dazu erzählen wir uns von anstehenden und beendeten Reisen (die Musikusine und ihr Mann sind gerade auf der Durchreise von Hiddensee nach Hause) und rundum was sonst so gerade im Leben los ist. Nach guten zwei Stunden sammeln wir alle neun Gepäckstücke der Beiden ein und nehmen alle zusammen die Ringbahn, nur dass wir drei Berliner*innen schon früher aussteigen.
Ich habe etwas Zeit totzuschlagen und schließe mich meinem Bruder und seiner Freundin an beim Bummel durch Friedrichshain und Einkehr im Buchladen. Bei ihrem Supermarkt trennen sich dann unsere Wege und ich laufe weiter durch den neuen Berliner Entertainment District, zur East Side Gallery und dann dahinter ab der Spree entlang.
Dort ist es unerwartet grün und baumreich, das sieht man gar nicht, wenn man auf der Straßenseite entlangfährt – zu Fuß war ich hier seit ewigen Zeiten nicht mehr. Ich laufe die Spree entlang Richtung Westen, muss noch einen kurzen Schlenker machen und lande dann wieder am Strand, wo der Liebste kurz nach mir eintrifft. Passend dazu kommt die Sonne wieder raus.
Wir verbringen hier gute drei Stunden mit Nichtstun, Musik hören, erzählen und jamaikanischem Essen (Jerk Chicken mit Reis oder Dumplings und Gemüse), dann gehen wir gemeinsam zum Bahnhof und fahren wieder in verschiedene Richtungen zurück in unsere Höhlen.
Bei mir steht dann erstmal ein später aber dringend nötiger Mittagsschlaf an, der erst nach 19 Uhr beendet wird – wie immer in letzter Zeit bin ich nach dem Aufwachen dann erst ziemlich matschig. Gegen 20 Uhr raffe ich mich auf und kümmere mich um die ärztlich verordnete Behandlung, dann gibt es noch den Rest Kartoffelsalat mit Käse und Salami (alles Bio) zum Abendbrot. Dazu höre ich ein Hörbuch – das gibt’s bei mir schon seit Monaten zum Einschlafen, aber ich kenne nur Ausschnitte und mir fehlen die Zusammenhänge – für einen Krimi nicht so günstig, das hole ich jetzt nach.
Und weil meine Hände auch Beschäftigung brauchen, hole ich dann endlich mal das Diamond-Painting-Set hervor, dass ich auf Wunsch schon letztes Jahr zum Geburtstag bekommen hatte, schaue mir ein kurzes Tutorial dazu an und bearbeite dann den ersten der vielen Untersetzer, die zum Set gehören. Das macht wirklich Spaß und ist meditativ, ich denke, das mache ich jetzt öfter, um den Kopf auszuschalten.
Der Wecker klingelt schon wieder früh, weil der Liebste ja vor der Arbeit zurück in seine Höhle nach Südberlin muss. Ich schäle mich mühsam aus der Bettdecke, die von zwei schlafenden Katzen beschwert wird, und mache den Kaffee, der zu den Morgen mit dem Liebsten dazugehört. Dann wecke ich eben diesen in zwei Phasen – der Schlaf ist stark in ihm. Wir lesen im Internet und zeigen uns die Sachen, die wir uns sonst schicken würden. Irgendwann muss er dann aufstehen und los. Ich bleibe liegen, ein Weilchen noch.
Halb 9 will ich aufstehen und eigentlich unter die Dusche, da fällt mir ein, dass ich noch mit dem Internetprovider telefonieren muss, je früher desto besser, also mache ich stattdessen das. Für anderthalb Stunden. Mit drei Telefonaten. Mit vier Leuten sprechend. Mit einer guten Stunde nervenzerfetzender Warteschleifenmusik. Nur um dann festzustellen, dass der kompetente junge Mann von letzter Woche weniger kompetent ist, als ich gedacht hatte. Unglaublich frustrierend.
Dann aber Duschen, Frühstücken und Fertigmachen. Ich laufe wieder den ersten Teil des Weges in die Tagesklinik, fahre dann Tram und höre das halbe Leben einer Mitfahrerin, die mit ihrer Mutter telefoniert. In der Klinik Visite, dann Fäden ziehen (auuuuuuuuuuua), dann Behandlung und Einweisung darin, wie ich die Behandlung am Wochenende zuhause fortsetzen kann, bevor es Montag weiter geht. Auf dem Heimweg wieder Dinge einkaufen, diesmal nicht im Drogeriemarkt, sondern im Haushaltswarenladen, aber ich erkenne ein Muster. Zuhause kurzes Ausruhen, bis der Lieblingsnachbar Bescheid gibt, dann ist es Zeit für einen Spaziergang mit Eis – ich nehme völlig untypisch für mich Kinder Bueno, Cappuccino und Pfirsich-Maracuja, aber ich habe Hunger und bin müde, da sind Zitrone, Pistazie und Co irgendwie weniger ansprechend.
Die Runde wird lang, wir haben uns viel zu erzählen, am Ende des Tages zeigt der Schrittzähler über 17.000 Schritte. Wieder zuhause telefoniere ich mit einer Bekannten, dann ein wenig Hauselfentum – Katzenpaket mit Futter und Streu aus- und verräumen, Müll wegbringen und neuen Biomülleimer einweihen, Geschirrspüler ausräumen… Und dann habe ich auch schon frühen Abendbrothunger und mache mir Kartoffelsalat mit Kabeljau und dänischer Remoulade.
Für die Abendunterhaltung greife ich wieder aufs DVD-Regal zurück. Heute gibt es „hoche Literatur“ im Bewegtbild – den Dreiteiler Der Laden. Lange nicht mehr gesehen, neulich hatte ich, als ich faul auf dem Bett lag, mal geschaut, ob der grad in irgendeiner Mediathek ist, war er aber nicht. Gestern dann im unerschöpflichen DVD-Regal entdeckt. Da sage noch wer, es wäre ein Fehler gewesen, die alle aufzuheben und letztes Jahr nochmal einen DVD-Player zu kaufen! Beim Wiedersehen viel nachgedacht – mir war entfallen, dass nur die Mutter sorbisch ist, man hört es aber super im Akzent des Großvaters. Gewundert, dass Esau mit den russischen Soldaten aber so gar nicht kommunizieren kann. Vielleicht muss ich das Buch nochmal lesen, da kommt noch mehr Sorbisches und Niederlausitzer Mundartliches vor, sagt Wikipedia. Vielleicht kann er es da? Wenn nicht ist das ein perfektes Beispiel für die Kolonialisierung. Außerdem: Viel Victim Blaming für gleich vier Frauen, die mit sexualisierter Gewalt zu tun haben, das hatte ich nicht mehr so krass in Erinnerung.
Hui, das wird ein voller Tag – der Wecker klingelt früh und ich kümmere mich als erstes um die Beendigung der Über-Nacht-Anwendung, bevor die normale Morgenroutine beginnt. Dann gemütliches Lesen und Bloggen, Katzen füttern, Weckanruf beim Liebsten und Frühstück. Heute mit Toasterwaffeln, Pflaume und Birne. Zähneputzen und los zur Zahnärztin.
Heute ist die Assistenzzahnärztin dran, Premiere für mich, aber es läuft alles gut. Zwei Füllungen müssen nachgebessert werden, es gibt insgesamt vier Spritzen, der Rest ist halt eher langweilig als unangenehm. Nächste Woche gibt’s die Fortsetzung und dann ist das Thema Zahnärztin für dieses Jahr auch wieder durch.
Nochmal nach Hause fahren lohnt sich nicht wirklich, also fahre ich in den Mauerpark, der auf halber Strecke zwischen Zahnärztin und Tagesklinik liegt. Dort setze ich mich hin und mache meine Sprachübungen, während ich die relative Stille und das Grün genieße. Jemand gießt nacheinander ausgiebig mit einem Rasensprenger und lässt alle, die wollen (u. a. eine Gruppe Kinder) darunter tanzen. Großstadtidyll.
Nach einer knappen Stunde wird es Zeit und ich fahre weiter zur Tagesklinik. Heute gibt es mehr Wartezeit bei der Visite, der Oberarzt ist am Start. Danach wieder Behandlung mit insgesamt vier netten Damen – mein Fall scheint sehr interessant zu sein, die wollen alle immer dabei sein, gucken und mithelfen.
Auf dem Heimweg wieder kurzer Stop im Drogeriemarkt – mir fällt auch jeden Tag noch was auf, was ich brauche, der Einkaufszettel gibt immer was her. Zuhause dann erstmal spätes Mittagessen mit Bagel und Apfel, dann diverse Telefonate, Mails und Chats bis zum späten Nachmittag. Es bleibt noch Zeit für eine kurze Runde durch den Haushalt (Katzenklos, Gießen, Saugen, Geschirrspüler ausräumen), dann muss ich schon wieder los – zum Date mit dem Liebsten.
Wir essen Poutine bei einer bekannten Pommeskette, von der ich noch einen Gutschein habe. Beide entscheiden wir uns für die „Montreal“-Variante mit Champignons und Radieschen und bekommen dafür die Namen „Forest Gump“ und „Starfoxx“ zugeteilt. Schönes Konzept, einfach random Namen zu vergeben, statt den Leuten persönliche Daten abzuverlangen, die ihnen vielleicht sogar unangenehm sind. Schön sind auch die Sprüche, die auf einem Bildschirm durchlaufen und uns die Wartezeit verkürzen.
Nach dem Essen decken wir uns noch mit Snacks ein und gehen dann ins Kino um die Ecke. Der Liebste will dringend Deadpool & Wolverine sehen und weil ich schon von mehreren Seiten gehört habe, wie witzig der ist, habe ich mich schnell überreden lassen, obwohl Superheldenfilme jetzt nicht so mein Ding sind. Und ich lache tatsächlich viel, das hat sich gelohnt, obwohl ich die große Leinwand nicht zwingend gebraucht hätte (und die 30 € für zwei Tickets). Zum Abschluss der Date Night gibt es als Absacker noch einen Gin Tonic auf dem Balkon, bis die Allergietablette für den Liebsten wirkt und wir uns zu den Katzen ins Bett kuscheln.
Nicht sehr gut geschlafen, weil es viel zu denken gibt. Dann relativ früh aufgestanden und noch ein bisschen was im Haushalt gemacht, um das Gedankenkarussell etwas einzufangen. Irgendwann Aufbruch in die Tagesklinik.
Die Visite heute wieder mit dem gleichen Arzt wie gestern, dann geht es zur Behandlung, bei der heute gleich drei nette Damen involviert sind, wir erzählen und scherzen angeregt, bis man mich fertig behandelt wieder in die freie Wildbahn entlässt.
Draußen telefoniere ich erst einmal ausgiebig mit dem Liebsten, kaufe dann noch etwas ein und treffe auf dem Heimweg dann eine Entscheidung, die das Gedankenkarussell bremst. Aus der folgen dann eine ganze Menge E-Mails, Chats und Telefonate, die sich den Rest des Tage über erstrecken. Zwischendurch auch nochmal ein Telefonat mit dem inzwischen recht ungeliebten Internetprovider und mehrere mit dem Liebsten, der spannende Abenteuer in und um seine Wohnung erlebt – inkl. Sprung vom Balkon und MacGyver-Einsatz.
Dann ist es plötzlich schon ganz schön spät, ich mache mir Pellkartoffeln mit einem Rest Heringshappen und lege zur Abendunterhaltung The Kids are all right ein, folge aber nicht ganz aufmerksam, weil mir zwischendurch immer wieder Sachen einfallen, die ich schnell nachschauen will, bzw. nochmal mit dem Liebsten telefoniere und Pläne schmiede. Er sagt, er hat mich lange nicht mehr so gelöst und mit mir und der Welt zufrieden gesehen. Den Film kenne ich aber eh und er ist auch in Versatzstücken gut.
Später im Bett lese ich Tom Feltons „Jenseits der Magie“ aus und weiß jetzt ein bisschen mehr über britische Schauspieler*innen, die Dreharbeiten zu Harry Potter und die schönen und weniger schönen Seiten von Los Angeles. Kann man gut lesen, sehr wholesome.
Heute geht es nach gemütlichem Morgen (Frühstück drinnen, auf dem Balkon ist es um diese Zeit zu heiß) wieder in die Klinik und wieder laufe ich ein Stück des Weges. Anders als gestern, hält sich die Wartezeit heute in Grenzen und findet außerdem auf solch stylischem Stuhl statt:
Heute erstmals Visite, ich bin als vierte Patientin dran (Männer und Frauen werden hier in unterschiedlichen Zimmern verarztet). Heute ist ein anderer Arzt am Start, außerdem die PJlerin von gestern und noch eine andere Dame. Gute Nachricht: Der Befund der Untersuchung von letzter Woche ist da und ich habe von den beiden zur Auswahl stehenden Krankheiten die weniger blöde Diagnose. Dann muss ich nochmal kurz warten, während mit dem Oberarzt Rücksprache gehalten wird (Vermutlich ist das der Arzt von gestern? Alles etwas unübersichtlich mit den vielen Menschen und die Webseite ist dazu nicht ganz aktuell.)
Dann darf ich ins Behandlungszimmer und die nette Dame von gestern lobt meine Durchführung der über-Nacht-Anwendung und geht dann selbst ans Werk und versorgt mich kompetent und zugewandt.
Nach der Behandlung ist für heute schon wieder Schluss und ich nutze die unverhofft freie Zeit, um bei den Ellis nach Post und Blumen zu sehen. Dabei nehme ich den langen, schönen Fußweg am Fluss entlang.
Etwa in der Mitte mache ich Pause unter einem Baum im Park, esse meinen mitgebrachten Bagel (heute selbst geschmiert). Die Stadt ist voller Tourist*innen, außerdem fallen mir unter den Brücken ganze Wohnlandschaften inkl. Sitzecken und Zelten auf. Ein anderes Phänomen sind viele Vans und Bullis, die abseits der Tourigebiete am Fluss stehen und in denen teilweise ganze Familien instatauglichen Urlaub zu machen scheinen. Van Life ist real (selbst in meinem Viertel sah ich gestern einen Bus-Urlauber mit Hund, der es sich neben seinem Gefährt in einem Klappstuhl gemütlich gemacht hatte, direkt auf dem Asphalt).
Nach dem Stop bei den Ellis nehme ich dann U-Bahn und Tram nach Hause und falle völlig erschöpft auf die Couch – Zeit für Mittagsschlaf! Als ich wieder erwache fühle ich mich müde und matschig und sage den heutigen Yoga-Termin an. Stattdessen gibt es Telefonate mit dem Liebsten, den Rest Pasta von gestern und als Abendunterhaltung passend zum US-Wahlkampf Man of the Year aus dem DVD-Regal. Dann wieder Über-Nacht-Abwendung vorbereiten und ab ins Bett.
Empfehlenswert:
Bekannte von mir sind gerade mit ihren vier Kindern im Urlaub auf RV-Tour durch US-Nationalparks und bloggen beeindruckend darüber
Die Daily Show von Montag hatte einen großartigen Monologue von Jon Stewart, der die wichtigste Woche der jüngeren US-Geschichte verpasst hat und dann ein tolles Interview mit Pete Buttigieg
Nach unruhiger Nacht (anhängliche Katzen, Gedankenkarussell) klingelt der Wecker schon halb 7, damit ich den Tag gemütlich beginnen kann und trotzdem rechtzeitig aus dem Haus komme. Ich lese und blogge im Bett, dann werden die Katzen, die Pflanzen und ich gefüttert bzw. getränkt, bevor ich meinen Kram für den Tag zusammenpacke und losgehe. Im Laufen telefoniere ich mit dem Liebsten, dabei fällt mir auf, dass ich vergessen habe, mir Stullen zu schmieren. Also auch noch Proviant einkaufen unterwegs. Kurz vor 9 stehe ich dann bei der Krankenkasse und warte auf Einlass, zwei nach 9 habe ich einen Stempel auf meiner Verordnung und laufe weiter zur Tram, die mich in die Klinik bringt.
9:40 bin ich nach einigem Suchen bei der richtigen Anmeldung und ziehe eine Wartenummer, die aber falsch ist, wie sich herausstellt, als ich nach 20 Minuten aufgerufen werde – Tagesklinik ist also nicht ambulant, sondern stationär. Hätte ich das selbst am Automaten ausgewählt, hätte ich das auch gesehen, da wird es nämlich explizit so aufgeführt. Leider hat mir ein Mitarbeiter der Charité schon nach ambulant oder stationär gefragt, bevor ich überhaupt am Display war und dann für mich gedrückt (und dem Herrn vor mir extra noch erklärt, dass ambulant wäre, wenn man nicht demnächst eine OP hätte). Ich ziehe dann jedenfalls nochmal eine Nummer und warte dann über eine Stunde, dass diese aufgerufen wird.
Nach einer Weile hole ich meine Kopfhörer hervor und nutze die Zeit für Sorbisch-Norwegisch-Italienisch. Die Aufnahme selbst geht dann recht schnell und ich kann mich mit meiner Patient(innen?)akte auf die Suche nach meinem Bestimmungsort machen. Spoiler: Er ist nicht dort, wo ich letzte Woche war und dann auch noch nicht dort, wo ich als nächstes denke, dass er ist. Beim dritten Versuch bin ich richtig und habe noch 10 Minuten bis zu meinem Termin zu überbrücken. Ich werde in den Wartebereich geschickt, nehme mir dort einen Kaffee (es gibt auch Tee und Wasser) und esse etwas von meiner Laugenstange mit Käse – das Frühstück ist schon über vier Stunden her.
Dann heißt es wieder warten. Ich lese, mache Kreuzworträtsel, bin froh, dass es hier WLAN gibt… Irgendwann werde ich zur Arztaufnahme gerufen. Eine PJlerin misst meinen Blutdruck und erfasst nochmal Daten, dann kommen die Assistenzärtin von letzter Woche und ein anderer Facharzt von letzter Woche dazu, der bekommt berichtet und darf auf nochmal gucken. Ich bekomme nochmal erklärt, was in dieser Woche alles passieren soll, dann werde ich zurück in den Wartebereich geschickt.
Wieder sitze ich etwa eine Stunde herum, dann werde ich ins nächste Zimmer gerufen, wo die Assistenzärztin und eine weitere Dame vom medizinischen Personal warten. Es wird nochmal geguckt, dann eine Anwendung ausgewählt, mir erklärt und für Zuhause mitgegeben. Wiederherstellung morgen, die Befunde von letzter Woche sind auch noch nicht da. Völlig verdattert stehe ich also kurz nach 14 Uhr schon wieder draußen und mache mich dann mit einem Umweg über die Drogerie auf den Heimweg.
Kurz nach 3 bin ich zuhause und setze mich mit dem Rest Laugenstange, eisgekühlter Limo, Buch und Katzen auf den schattigen Balkon, bis mir die Augen zufallen. Dann erstmal ausgiebiger Mittagsschlaf, bis der Mitbewohner nach Hause kommt. Wir besprechen ein bisschen seine Umzugsmodalitäten und sortieren Küchenkram auseinander. Dann kommt der Lieblingsnachbar vorbei und leiht mir einen Router, mit dem wir die nächsten Wochen internetmäßig überbrücken können, sobald die Datenkarte vom Provider eingetroffen ist (bisher nicht, dabei sollte sie spätestens heute kommen).
Dann bin ich ausreichend munter für noch ein wenig Aktivität – ich imprägniere meine Regenjacke neu, siebe die Katzenklos durch und retourniere die nun nicht mehr gebrauchten Geräte über die Packstation an den Provider. Dann koche ich mir Abendbrot und telefoniere nebenbei mit meinem Bruder. Das Gericht ist inspiriert von Rachels Kolumne über Pasta alla Nerano, die es auch gerade bei den Kaltmamsells zu essen gab. Ich habe allerdings nur zwei Sorten Käse und nehme es auch mit den verschiedenen Zubereitungsschritten nicht so genau, trotzdem sehr lecker.
Die Abendunterhaltung kommt anlässlich der eingeschränkten Internetsituation aus dem DVD-Regal. In Vorbereitung auf Norwegen schaue ich seit langem mal wieder Elling, der relativ gut gealtert ist. Gegen halb 11 ist der Film vorbei, ich telefoniere nochmal mit dem Liebsten und bereite dann meine Anwendung für die Nacht vor. Kurz darauf ist das Licht aus und ich schlafe schnell tief und fest.