Vergleichsweise gut geschlafen und dann die übliche Morgenroutine aus Internet leer lesen, Bloggen, Französisch-Italienisch-Sorbisch rechtzeitig vor dem Frühstück gegen 10 abgeschlossen. Frühstück wieder drinnen, heute sogar mit Kaminfeuer.
Nach dem Essen die zweite Runde Morgenroutine mit den täglichen Rätseln und Puzzlen und der ersten Runde Handyspiel. Danach mit dem Liebsten telefonieren, Yoga machen (heute nur etwa die Hälfte der vorgegebenen Asanas, von denen einige auch ohne den wehen Arm zu anspruchsvoll gewesen wären), anziehen und pünktlich zu den Wahlprognosen zurück auf der Couch. Zunächst Freude darüber, dass die AfD nicht stärkste Kraft geworden ist (und die FDP weniger Stimmen hat als es ungültige gibt), später dann aber Entsetzen darüber, dass die Grünen es nicht geschafft haben, es nicht für Rot-Schwarz reicht und die AfD eine Sperrminorität hat. Ich telefoniere nochmal mit dem Liebsten, dann gibt es schon wieder Kuchen – heute die Bienenstich-Cupcakes.
Danach wollen wir eigentlich nach draußen, aber genau in dem Moment gehen Regen und Sturm nieder und wir vertagen uns noch etwas. Ich recherchiere Unterkünfte und sichte Anfragen für mein WG-Zimmer. Dann kommt die Sonne raus, ein Nerz schwimmt durch die Bucht und läuft über die nassen Steine, bevor wir ein Foto machen können, und dann fahren wir los in einen anderen Provincial Park mit Strand.
Wieder zuhause machen wir uns auch schon bald an die Abendessenzubereitung. Es gibt Hirschbuletten (Hackfleisch von einer Venison Farm) mit Rotwein-Reduktion und Steinpilz-Sauce (den Steinpilz hat Mama beim Komposteimer leeren gefunden), Salzkartoffeln, Mischgemüse und Mais mit Kräuterbutter (Knoblauch, Frühlingszwiebel und frische Kräuter: Thymian, Oregano, Rosmarin, Petersilie draußen geerntet, Dill und Basilikum frisch gekauft), dazu einen Cabernet Sauvignon – sehr lecker!
Den Abend verbringe ich mit den ersten beiden Folgen der neuen Staffel Kleo, bevor es gegen halb 11 mit Buch ins Bett geht.
Der Morgen beginnt mit der Erkenntnis, dass das gestern Abend spät noch aufgetretene Problem mit in Dusche und Badewanne zurückgestautem Abwasser kein temporäres ist. So wird als erste Amtshandlung gleich erstmal der Klempner angerufen, der trotz Sonnabend sein Bestes gibt, um schnell vorbeizukommen. In der Zwischenzeit gibt es ein erstes Frühstück mit Müsli, Pfirsich und Hafermilch für mich, die Ellis begnügen sich mit Tee, treffen Vorbereitungen und schöpfen Abwasser, damit es nicht überläuft. Nach dem Essen mache ich die heutige Yoga-Runde, so komme ich wenigstens nicht auf die Idee, aufs Klo zu müssen oder zu duschen. Danach telefoniere ich mit dem Liebsten und dann ist der Klempner auch schon da.
Während die Ellis und der Klempner diagnostizieren, kümmere ich mich um meine Französisch-, Italienisch- und Sorbisch-Aufgaben, dann werde ich doch neugierig, ziehe mit ungeduscht etwas über und gehe auch nach Draußen. Der Klempner steht an der Garage auf eine Schaufel gestützt und wartet. Er erklärt mir, dass die Leitung verstopft ist, vermutlich hier an dieser Stelle, und dass man jetzt graben müsse, um an einen Deckel zu kommen, den man dann öffnen könne, um die Verstopfung zu beheben. Die Ellis sind zu den Nachbar*innen gegangen, die seit neustem einen kleinen Bagger haben, um zu fragen, ob sie helfen können. Kurz danach kommen sie mit Nachbar*innen und Bagger zurück und dann wird gebuddelt.
Eine Wulst aus Fett und Klopapier hat sich gebildet, wird mit dem Spaten zerteilt und dann sprudelt das Abwasser wieder fröhlich in den vorgesehenen Tank. Große Erleichterung und Dankbarkeit bei allen Beteiligten. Bevor die Grube wieder zugeschüttet wird, werden wir allerdings versuchen, den Deckel für die Zukunft leichter zugänglich zu machen.
Nach diesem spannenden Tagesbeginn gibt es ein zweites Frühstück, mit Rührei und Schinken und allem Drum und Dran. Danach fahren wir wie letzten Sonnabend zum Farm Stand im Nachbardorf und kaufen Eier, Riesenzucchini zum Füllen und zwei Sorten Cupcakes: Schwarzwälder Kirsch und Bienenstich (zur Erinnerung: die Farm gehört Deutschen). Wieder zuhause geht es dann auf die Couch.
Ich verbringe den Großteil des Nachmittag mit Rätseln – die Schwester des Liebsten hat mir Only Connect ans Herz gelegt, eine BBC-Quizshow in der jeweils zwei Teams gegeneinander antreten und wahnsinnig schwere Fragen vorgesetzt bekommen. Es ist faszinierend, schwer, ausgesprochen unterhaltsam und ein bisschen frustrierend, weil man quasi gar nichts weiß. Große Empfehlung! Ich schaue drei oder vier Folgen, dann ist es Zeit für Tee, Cupcakes und Obst.
Danach sitzen wir zu dritt mit unseren Laptops da, also mache ich weiter mit den Kreuzworträtseln im New York Times Archiv, statt weiter Videos zu gucken. Ich arbeite die ja nach und hänge immer noch fast ein Jahr hinterher, aber heute hole ich fast zwei Wochen auf. Dann gibt es Gemüsesuppe mit Hühnerklein, das vom Essen neulich übrig geblieben ist.
Der Abend geht dann ähnlich weiter, nebenbei läuft das ZDF Magazin Royale vom Freitag über die rechte Unterwanderung kostenloser Anzeigenblättchen in der ostdeutschen Provinz, dort wo es noch weniger echten Lokaljournalismus gibt als in Durchschnittsdeutschland. Es ist nicht überraschend, sowas kennen wir aus Bautzen, aber in der Ballung doch erschreckend – AfD-Sprachrohre verkleidet als neutrale Information, kostenlos in jedem Briefkasten.
Irgendwie wie erschlagen aufgewacht, müde und schlapp, ohne ersichtlichen Grund außer dem zuletzt üblichen (unruhiger Schlaf wegen Schmerzen im Arm und Schulter) – könnte auch den ganzen Tag im Bett liegen bleiben, zumal es draußen auch geregnet hat und jetzt windet und merklich kühler geworden ist. Aber ein bisschen was will ich ja doch haben vom Haus am Meer. Also stehe ich auf zum Frühstück – heute drinnen – und begebe mich dann für eine weitere Session Morgenroutine auf die Couch.
Irgendwann dann doch Yoga (auch drinnen) und Duschen und dann will ich mich dem nächsten Buch widmen, schlafe aber fast direkt ein und halte erstmal ein Stündchen Mittagsschlaf.
Als ich wieder wach bin, ist schon Kaffeezeit angesagt, heute mit Banana Pancakes, Blaubeeren und Ahornsirup.
Dann wieder Liegen und Lesen. Irgendwann zieht es mich auch nochmal nach draußen und ich laufe ein bisschen durch den Wald und gucke ein bisschen aufs Wasser.
Dann nochmal Liegen und schon ist es Zeit fürs Abendessen, heute klassisch deutsch:
Der Tag beginnt zu früh und mit einem Wunder, gegen dreiviertel 7 ruft ein Telekom-Techniker an und sagt, dass er jetzt auf dem Weg zu meiner Wohnung ist. Zum Glück ist der Liebste auch rechtzeitig vor Ort und eine Stunde später habe ich in meiner Wohnung Internet 🤯. Der Liebste und ich telefonieren dann gleich noch ein wenig länger und er lässt mich mit den Katzen sprechen, was extrem niedlich ist. Erst danach lese ich das Internet leer, blogge, mache Französisch, Italienisch und Sorbisch und dann heißt es gegen 10 aufstehen zum vielleicht letzten Frühstück auf dem Deck für dieses Jahr. Die Hitzewelle der letzten Tage (September-Jahrhunderthoch!) ist vorbei, heute ist es bewölkt und schon etwas kühler, ab morgen scheint sich der Herbst endgültig durchzusetzen.
Nach einer angemessenen Verdauungspause probiere ich die neue Yoga-Matte aus, heute auch noch draußen. Es läuft erstaunlich gut und ich kann trotz Arm wieder fast alles machen, Hund geht gut, Plank mehr so halbherzig kurz, am schwierigsten/schmerzhaftesten sind Sachen, wo ich den Arm seitwärts halten oder bewegen muss.
Hinterher sitze ich gemütlich da, gucke aufs Wasser, lausche dem Konzert von Vogelgezwitscher, Möwengeschrei, Loon-Gesang, Reiher-Ruf, Robben-Rülpserei und Getrappel von Eichhörnchen und Streifenhörnchen auf der Jagd nach Eicheln.
Zwischendurch gibt es noch Tee und Reste der gestrigen Quarktorte. Dann geht das große Kochen los, denn heute Abend kommen die Nachbarn vorbei – ein Hühnchen von der Farm im Nachbardorf soll im Ofen landen (Es liegt schon eine Weile im Tiefkühler).
Zwei Sorten Taralli, zwei Sorten Crackers, Dill-Hummus und TaboulehHähnchen, Rosmarinkartoffeln, zwei Sorten Zucchini, Süßkartoffel, Stuffing und GravyDrei Sorten Eis und frische Beeren
Die Nibbles gibt es noch draußen auf dem Deck, den Hauptgang im Esszimmer, den Nachtisch in der Sofa-Ecke, dazu Wein, Bier, Cider und gute Gespräche, hauptsächlich über das Leben und die Leute hier, außerdem Reisen, Musik und natürlich auch wieder ein bisschen Weltpolitik, diesmal vor allem Kapitalismuskritik. Gegen 22 Uhr verabschieden sich die Gäste und ich gehe direkt danach hundemüde ins Bett.
Am sehr frühen Morgen liege ich eine gute Stunde lesend wach, dann schlafe ich nochmal ein und starte dementsprechend später in die morgendliche Routine. Aufstehen dann erst nach 10, zum Frühstück auf dem Deck. Dann nutze ich die Gelegenheit des letzten richtig heißen Tages und gehe in der Bucht baden. Hui, das ist kälter als zuletzt in der Ostsee und viel kälter als in den Seen Brandenburgs und Frankens oder im Freibad. Aber es macht auch richtig wach und nachdem man eine Weile drin ist, geht es eigentlich (vor allem an der Oberfläche). Mama kommt auch noch dazu und dann schwimmen wir beide ein bisschen.
Hinterher lasse ich mich in der Sonne trocknen, dann gehe ich Duschen und setze mich mit Handy, Laptop und Buch aufs Deck. Am frühen Nachmittag dann ist es Zeit für eine kleine Einkaufsrunde. Zuerst fahren wir in die Mall der zweitnächstgelegenen Stadt. Hier kaufe ich mir eine einfache Yogamatte, Sonnencreme und eine neue Sonnenbrille – die alte habe ich vermutlich gestern irgendwo liegen lassen oder sie findet sich in den nächsten Tagen noch an – und dann eine Tüte Gummibonbons. Der Liebste und das Teilzeitkind bekommen ein Beweisfoto.
Währenddessen kaufen die Ellis Kalender mit Inuit-Kunst und versuchen, die Batterie an Mamas Uhr tauschen zu lassen – leider ohne Erfolg, weil die benötigten Batterien aktuell nicht vorrätig sind. Dann fahren wir auch schon wieder Richtung Heimat, halten aber unterwegs noch am Farm Market an und kaufen ordentlich Obst und Gemüse ein – lokale Trauben, Erdbeeren, Blaubeeren, Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Tomaten, Dill, Mais… Es sieht alles schon ordentlich herbstlich aus hier – die ersten Bäume färben sich auch schon gelb und rot, aber überwiegend ist es noch grün.
Wieder zuhause gibt es dann erstmal Kaffee und Kuchen auf dem Deck, heute mit Quarktorte und Trauben.
Danach bleibe ich einfach wieder sitzen und lese mein Buch zu Ende. Wirklich tolles, sehr zu empfehlendes Kinder- und Jugendbuch darüber, dass nicht alle Eltern Kinder haben sollten und nicht alle ohne Kinder schlechte Eltern sind – alles vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs. Nebenbei zirpen die Grillen, der Heatbug macht Lärm, ein paar Möwen kreischen… Alles ganz gut soweit.
Zum Abendbrot gibt es heute Gnocchi-Reste, Salat und kaltes Abendbrot, auch immer noch draußen, während langsam die Sonne über der Bucht untergeht. Sobald die weg ist, wird es kühl und ich gehe – bei offener Tür (mit Fliegengitter) nach drinnen auf die die Couch und schaue die neue Staffel Emily in Paris zu Ende. Dann ist es auch schon fast Mitternacht und Zeit, schlafen zu gehen.
Heute wieder recht früh aufgewacht und dann erstmal knapp vier Stunden mehr oder weniger still im Bett beschäftigt (unter anderem diesen interessanten Interview-Podcast mit Hanson gehört, zur Einstimmung auf das baldige Konzert). Dann geht es zum Frühstück raus aufs Deck. Tischgespräche heute u. a. über Cancel Culture, Settler Culture und die CDU.
Danach setze ich mich eine Runde auf den hier vorhanden Hometrainer, bevor ich unter die Dusche gehe. Die nächsten Stunden dann Chillen und Lesen auf dem Deck, außerdem ein bisschen Kram und Korrespondenz am Laptop erledigen. Es ist wieder sehr heiß, aber im Schatten und mit Wind geht es. Auch hier kann man vom Ufer aus Robben beobachten, die es sich draußen auf den Steinen gemütlich machen und in der Sonne dösen.
Später gibt es Apfelkuchen von der Farm im Nachbarort, theoretisch deutsch aber an kanadischen Geschmack angepasst, mit viel Rührteig und wenig Äpfeln unter den leckeren Streuseln. Dazu mache ich mir eine Art Affogato, aus Espresso, Vanilleeis und Milch. Nach dem Essen ruft der Liebste an und berichtet vom so fern erscheinenden Alltag in Berlin.
Dann wird es auch schon bald Zeit, zu unserer Abendeinladung bei in Kanada lebenden Freunden südafrikanischer Herkunft ein paar Städte weiter. Wir werden mit Getränken und Knabbereien draußen empfangen und sitzen dort, bis es langsam kühler wird, als sich die Sonne hinter die Bäume verzieht. Dann geht die Konversation drinnen munter weiter – Weltpolitik, Klimawandel, kanadische Politik, Pandemie… Es gibt genug zu klagen.
Schließlich bittet die Gastgeberin zu Tisch, es gibt ein extrem leckeres Bobotie, das südafrikanische Nationalgericht, mit toll gewürztem Reis, selbst gemachtem Chutney und zwei Sorten Salat (Tomate-Zwiebel-Koriander und ein gemischter grüner mit u. a. Möhren und Dill), dazu Rotwein.
Bobotie
Zum Nachtisch hat meine Mama am Nachmittag eine Birnentarte mit Honig gemacht, die auch sehr, sehr gut ist.
Auch nach dem Essen erzählen wir noch eine ganze Weile, bis es dann gegen halb 10 wieder über den dunklen Highway nach Hause geht. Dort angekommen verziehe ich mich hundemüde direkt ins Bett und schlafe nach wenigen Buchseiten tief und fest ein.
Diese Nacht ist wieder kürzer, mehr wie das, was ich zuletzt von der anderen Seite des Teichs gewohnt bin, der Jetlag scheint langsam weg zu sein, nur dass ich abends noch recht früh müde werde, was aber auch am Rhythmus der Tage hier liegen kann, wo abends nicht mehr viel passiert, draußen die große Dunkelheit und Stille stattfindet und die Nachrichten und Benachrichtigungen aus Europa schon lange verstummt sind.
Die Millenials mit ihrem Avocado-Toast immer
Frühstück gibt es heute wieder draußen, aber auf einer anderen, windgeschützteren Stelle des Decks. Das Tischgespräch mäandert zwischen Essen, Alltäglichem und der großen Politik hin und her, wie fast immer. Danach noch ein kurzer Moment auf der Couch zum Beenden des Buches und Absolvieren all der täglichen Spiele und Puzzles, bevor ich mich für den Tag fertig mache und mit der am Bahnhof gekauften Zeitschrift wieder aufs Deck setze. Inzwischen ist es so warm, dass der Wind eher angenehm ist. Ich lese und schreibe nebenher allen Leuten zurück, die mich so anschreiben – Pläne schmieden, auf den neusten Stand bringen, zwischendrin noch die eine oder andere E-Mail und dann wieder lesen.
Am frühen Nachmittag gibt es dann Kaffee, Tee und Kuchen und einen gemeinsamen Videoanruf bei meinem Bruder, der heute Geburtstag feiert, ganz ohne uns. Danach brechen wir zu unserem heutigen Ausflug auf, an den Strand eines nahegelegenen Provinzparks. Diesmal gibt es mehr zu Laufen, inkl. durch einen kleinen Bach waten, so dass wir dem Schrittziel schon näher rücken. Vom Strand aus können wir mit bloßem Auge mehrere Robben beobachten, die ihrerseits uns zu beobachten scheinen. Und als ich gerade feststelle, dass es hier doch eigentlich ganz schön ist, fliegt noch ein Weißkopfseeadler über unsere Köpfe und setzt sich in der Nähe auf einen Baum.
Auf dem Weg zurück zum Auto nehmen wir noch einige Birkenpilze vom Wegesrand mit. Zuhause dann erstmal kurze Aperitivo-Zeit mit regionalem Cider auf dem Deck.
Und dann wird gekocht – es gibt Birkenpilze, ergänzt mit Champignons, mit Knoblauch, Thymian und passierten Tomaten als Sauce zu Gnocchi, dazu Pecorino und Rucola.
Den Abend verbringe ich dann auf der Couch, u. a. mit den ersten Folgen der neuen Staffel Emily in Paris – ein Schauen mehr aus Pflichtgefühl, als dass es gut wäre, aber man will ja irgendwie mitreden können. Gegen 23 Uhr geht es mit dem nächsten Buch, einer Empfehlung von Susanne, ins Bett.
Ausgeschlafen bis ziemlich genau um acht, brutto also zehn Stunden, mit nur sehr kurzen Unterbrechungen. Es wird, es wird. In der morgendlichen Stille dann das Internet leer gelesen, gebloggt, Französisch und Italienisch gemacht, mit dem Liebsten telefoniert… Und irgendwann ist auch der Rest wach und es gibt Frühstück, heute mit Müsli und vielen Beeren, Erdnussbutter und Marmelade, dafür aber drinnen, weil wir früher dran sind und es draußen noch zu frisch ist. Nach dem Frühstück geht es auf die Couch für weitere morgendliche Spielereien – Wordle, Strands, Connections, Past Puzzle, Bandle, mein aktuelles Handyspiel… Nebenbei schreibe ich mit der Schwester des Liebsten, die gerade das Selbe tut – auf der Heimfahrt von Berlin, wo sie mit dem Liebsten frühstückte als ich noch schlief.
Irgendwann ist es dann Zeit, den Tag ernsthaft zu beginnen, mit Duschen und Anziehen und so. Dann packe ich meinen Koffer aus und richte mich langfristig in meinem Zimmer ein – ich bleibe ja eine ganze Weile. Danach ist es warm genug, um draußen auf dem Deck zu sitzen. Die Sonne glitzert auf dem Wasser, in der Ferne kreischen Möwen, eine sanfte Brise weht immer mal über das heißer werdende Decke und ich lese mich im letzten der Bücher fest, die ich auf Empfehlung der norwegophilen Cousine ausgeliehen habe: Linn Ullmann – Das Verschwiegene. Angefangen habe ich das schon vor einer Weile, kam aber nicht richtig rein und mir fehlte auch die Muße zum Lesen. Jetzt klappt es und ich lese mit Unterbrechungen weiter, bis es abends halb 11 ins Bett geht.
Die Unterbrechungen:
Am frühen Nachmittag kommt eine Freundin meiner Eltern zu Besuch, die ich bisher erst einmal, nämlich gestern vor elf Jahren, getroffen habe, wie Facebook mich später erinnert. Sie selbst ist Inuk und hat das Wochenende auf einem Retreat hier in der Nähe verbracht, auf dem First Nations (hier in Nova Scotia vor allem Mi‘kmaq), Settlers (europäischstämmige Mehrheitsbevölkerung) und Immigrant*innen zusammenkommen, um gemeinsam das Land (in diesem Fall von einem Schädling befallene Bäume) und sich selbst zu heilen – durch Gemeinschaft, Gespräche und angeleitete Zeremonien. Sehr spannend. Wir essen Pflaumenkuchen, Scones und Obst. Nach zwei Stunden bricht die Freundin wieder auf, sie hat noch einen langen Heimweg vor sich, lädt uns aber ein, sie demnächst zu besuchen.
Direkt im Anschluss brechen wir auf an den Strand, um uns noch ein wenig zu bewegen. Das bedeutet hier erst einmal eine Viertelstunde Autofahrt durch Wald und kleine Dörfer, dann sind wir am offenen Meer. Weil es langsam Richtung Flut geht, ist der hintere Strandbereich schon schwer erreichbar, so laufen wir nicht die ganze Strecke, sondern kürzen ab und gehen durch das Hinterland, an der Lagune entlang, zurück.
Wieder zuhause gibt es dann einen frühen Sundowner (Viel Orangensaft mit wenig Campari), mit dem ich mich dann wieder zum Lesen aufs Deck zurückziehe.
Nach und nach dämmert es und wird wieder frischer, zwei Chipmunks jagen sich vor meinen Augen über das Deck. Als es zu kalt wird, wechsle ich auf die Couch. Die letzte Unterbrechung ist dann das Abendbrot, Reste von gestern, Salat und Brot. Dann wieder Couch. Am Ende des Tages habe ich knapp zwei Drittel des Buchs geschafft.
Ich schlafe ziemlich gut, mit nur einer Unterbrechung, dafür natürlich Jetlag-bedingt noch etwas kurz – kurz vor 6 ist die Nacht vorbei und ich ziehe die Gardine auf und gucke durch die Bäume aufs Meer. Kurz darauf geht die Sonne auf.
Ich lese mich durchs Internet, blogge, telefoniere mit dem Liebsten, der auch noch im Bett liegt (fünf Stunden Zeitunterschied und es ist Sonnabend), mache Französisch und Italienisch (mit Sorbisch hatte ich seit dem Urlaub ausgesetzt, das muss ich jetzt die Tage mal wieder angehen).
Irgendwann kommen die ersten Reaktionen von Papa auf meine Social-Media-Posts, es wird also langsam aufgestanden. Zu dritt versammeln wir uns im Esszimmer und nach einem kurzen Snack (selbstgebackener Keks von Mama) zu meiner Morgentablette fahren wir erst einmal einkaufen und Besorgungen machen. Im Dorf sind Briefe einzuwerfen und Post abzuholen. In der nächsten Stadt holen wir beim Bäcker Vollkorn-Sauerteig-Brot und Scones mit Him- und Blaubeeren. Dann geht es in Supermarkt 1 für Basilikum, Joghurt und frischen Fisch (Wir entscheiden uns für Schwertfisch), in Supermarkt 2 für den Rest des Wocheneinkaufs. Ich habe den Besorgungen meiner Eltern nur Chips und Ginger Ale zuzufügen, meine „Ich bin wieder da“-Staples. Im Liquor Store holen wir dann noch Bier, Wein und für mich Cider und Gummibonbons.
Dann geht es noch zum Farmstand im Nachbardorf für Eier von glücklichen Hühnern, Streuselkuchen mit Apfel und Schwarzwälder-Kirsch-Cupcakes (die Betreiber der Farm sind Deutsche). Mit unserer Beute fahren wir zurück zum Haus am Meer und dann gibt es gegen 11 Uhr Frühstück auf dem Deck, inzwischen ist es warm genug, nachdem wir uns am Morgen noch etwas Warmes überziehen mussten.
Nach dem Essen (und vertrieben von Zuckerwasser-Tropfen aus dem Hummingbird-Feeder über meinem Kopf) setze ich mich Buch an eine andere Stelle des Decks in die Sonne. Ein wenig lesen, ein wenig Dinge im Internet machen und Podcast hören, viel aufs Wasser gucken. In der Sonne ist es sehr heiß, im Schatten und bei Wind eher kühl. Ich verlagere mehrmals meine Position und ziehe Dinge an oder aus, verbringe aber weite Teile des Tages draußen auf dem Deck und mit Blick aufs Wasser. Später gibt es Kaffee, Tee und Kuchen – die Cupcakes und die Scones.
Dann drehen Mama und ich eine Runde ums Haus. Wir ernten Goldrute, um daraus Tee gegen Blasenentzündungen herzustellen, außerdem Brombeerblätter als Beigabe zu weiteren Tees und Minze, Thymian und Oregano fürs Abendessen. Dann ist nochmal Chillen angesagt, bis wir uns zum Kochen in der Küche treffen.
Es gibt Schwertfisch ungefähr nach diesem Rezept von Fabrizia Lanza, dazu Couscous nach Rezept auf der Packung, getränkt mit den Fischsäften und Zucchini-Paprika-Sellerie-Gemüse mit passierten Tomaten. Und Pinot Grigio.
Nach dem Essen nochmal Chillen auf der Couch, aber so langsam fallen mir die Augen zu. Gegen 22 Uhr liege ich hundemüde im Bett und schlafe schnell ein.
Die Nacht ist unruhig, natürlich. Kurz nach 6 gebe ich das Schlafen auf und koche Kaffee für den Liebsten und mich, der Wecker klingelt 6:30. Wir liegen mit den Katzen im Bett und sind müde, aber ich halt auch sehr aufgeregt. Mein Unterbewusstsein hat nachts noch Entscheidungen zum Kofferinhalt getroffen, die umgesetzt werden wollen. Die Yogamatte kommt raus, sie ist zu schwer, mal gucken, ob ich vor Ort Ersatz besorge. Dafür sollte ich einen Gürtel mitnehmen, für die eine Hose. So Sachen. Gegen halb 8 stehe ich endgültig auf, ziehe mich an und packe zu Ende. Als der Liebste auch fertig ist, gibt es nochmal Futter und Kuscheln für die Katzen und dann verlassen wir gegen 8 die Wohnung. Ich schaue nochmal in den Briefkasten und übergebe meinen Schlüssel dann an den Liebsten.
Wir fahren mit Tram und S-Bahn zum Hauptbahnhof, alles ist pünktlich und die Rolltreppen funktionieren. Erst in der S-Bahn dann die Nachricht über den verspätet bereitgestellten Zug – aber für sowas habe ich ja Zeitpuffer eingeplant. Ich kaufe mir frisch gepressten Saft und zwei Stück Gebäck fürs Frühstück im Zug und dann uns beiden mehr Kaffee, den wir noch gemütlich trinken, bevor der Liebste aufbrechen muss, um rechtzeitig zum ersten Meeting am heimischen Schreibtisch zu sitzen. Ich vertreibe mir noch kurz die Zeit und kaufe eine Zeitschrift, dann gehe ich eine halbe Stunde vor neuer Abfahrtszeit zum Gleis, was total gut ist, denn auch auf Verspätungen kann man sich nicht verlassen – zwischenzeitlich sind es nur noch wenige Minuten und hätte ich bis zur angesagten Zeit gewartet, hätte ich ihn verpasst.
So dann gemütliche Zugfahrt nach Frankfurt Flughafen, irgendwo bei Stendal geht es über die Elbe, die noch nix vom anstehenden Hochwasser ahnt. Am Ende kommen wir mit exakt der Verspätung an, die die App am Morgen vorausgesagt hatte, wenigstens das. Ich laufe durchs Terminal in die richtige Abflughalle, checke ein, gehe durch die Security und die Passkontrolle (ohne Kind dabei kann ich diesmal die automatische nutzen und muss nicht anstehen) und liege 37 Minuten später in einem Liegestuhl am Gate. Jetzt zwei Stunden rumbringen bis zum Boarding. Schon im Zug habe ich mein Duolingo auf Französisch umgestellt (zwischen Norwegen und jetzt war es wieder auf Niederländisch) und da ich ja in der Schule sechs und an der Uni ein Jahr Französisch hatte, fliege ich nur so durch die Lektionen. Niedrigschwellige Erfolgserlebnisse, so wichtig. Allzu viel Französisch wird mir in Kanada vermutlich nicht begegnen, es sei denn, wir machen einen Ausflug in die Acadie, aber ich kann ja mit zweisprachigen Beschilderungen und Lebensmittelpackungen üben. Schadet gar nichts, das alles mal wieder vorzuholen. (Zitat aus dem Film Der Ruhm meines Vaters, ständiger Spruch von Marcel Pagnols Vater: „Man soll sich niemals eine Gelegenheit entgehen lassen, sich zu bilden.“)
Das Boarding beginnt pünktlich und geht schnell, der Flieger ist nichtmal halb voll. Man merkt, dass gerade Zwischensaison ist zwischen Sommerferien und Indian Summer und außerdem erst Freitag. Alle Alleinreisenden haben einen freien Platz neben sich, so auch ich. Sobald das Entertainment-Programm verfügbar ist, mache ich mich über die riesige Filmauswahl her. Den Anfang macht Best in Show, den der Besuch neulich empfohlen hat, eine Mockumentary über eine Hundeshow mit unter anderem Eugene Levy und Catherine O‘Hara. Teils sehr brachialer Humor, guckt sich aber gut weg. Dazu gibt es das Standardessen auf diesem Flug: Caserecce mit Tomatensauce.
Als Nächstes gucke ich endlich mal Killers of the Flower Moon mit Robert DeNiro, Leonardo DiCaprio und diversen Cast-Mitgliedern von Reservation Dogs. Toller Film, aber 3,5 Stunden ist echt ein bisschen lang, das hätte man an einigen Stellen straffen können. So bleiben am Ende nur noch knapp 90 Minuten für einen letzten Film, so dass ich zum x-ten Mal meinen Lieblingsfilm, Before Sunset, gucke, der nur 87 Minuten lang ist und mal wieder all the feels herausholt. Der hittet auch jedes Mal different. So gut!
Und Zack!, landen wir auch schon. Um 0:50 deutscher Zeit rollen wir über die Landebahn. Einreise, Toilettengang und Koffer vom Band nehmen dauert eine gute halbe Stunde, nach 40 Minuten sitze ich bei und mit den Ellis im Auto. Es ist halb 9 abends und schon dunkel, im Radio laufen Queen und die Ramones. In einer Stunde und 40 Minuten düsen wir über den Highway nach Hause. Ankunft gegen 3 Uhr morgens deutscher Zeit. Es gibt noch eine Tasse Melissentee und ein paar Pralinen und dann liege ich gegen 4 (23) Uhr im Bett und schlafe bald ein.