08.12.2024 – Erst wenig, dann viel Adventssonntag

Der Sonntag beginnt mit einem Weckerklingeln, das ist ja an sich schon ein Verbrechen an der Menschlichkeit. Allerdings klingelt der Wecker, damit ich genug Zeit für entspanntes im Bett Herumlümmeln, für Internet leer lesen, Bloggen, Französisch und Italienisch machen und mit dem Liebsten telefonieren habe, bevor ich dann ernsthafte Verpflichtungen habe. Es folgen Katzen füttern, Zähne putzen und Frühstück machen (Filmjölk, Müsli, Apfelsine. Heiße Schokolade mit Vanille aus dem Adventskalender. Mate.) und dann sitze ich nämlich kurz vor 10 am Schreibtisch und wähle mich in den heutigen Webinar-Workshop ein. Viereinhalb Stunden geht der. So.

Das fühlt sich ganz wenig sonntäglich oder adventlich an, sondern so richtig nach Arbeit, und ist es ja auch. Eine gute Gelegenheit mal auszuprobieren, wie so ein Leben ist, das nicht von Arbeitswoche und Wochenende geprägt ist, sondern in dem die Grenzen verschwimmen und beides nie ganz endet. Bin noch unschlüssig, aber es hat definitiv seinen Reiz. Danach jedenfalls muss dringend Adventssonntagsgefühl nachgeladen werden. Ich ziehe mich warm an und fahre mit der (viel zu vollen, es gibt Verzögerungen wegen „Personen im Gleis“) Ringbahn nach Neukölln und spaziere rund um den Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt. Schöne Gegend jedes Mal, man müsste mal wieder außerhalb des Weihnachtsmarkts hin. Der Weihnachtsmarkt ist auch schön, auch wenn er sich jetzt immer weiter füllt und ich träge Menschenmassen schwierig finde. Passenderweise bin ich in den nächsten Wochen schon zu mindestens zwei weiteren Weihnachtsmarktbesuchen verabredet. Uiuiui.

Meine Runde endet dann am Stand von Freund*innen, die hier Dinge verkaufen, um Gelder für ihr Projekt Afrika Rise zu sammeln, das mit Akteuren vor Ort Berufsschulen in Uganda aufbaut und so Vernetzung und Austausch zwischen Uganda und Deutschland fördert. Ich nasche Plätzchen, kaufe Kinderpunsch und gucke, ob ich etwas von den Produkten zu Weihnachten verschenken will. Die Kinderbücher wären vielleicht was, aber das Kind auf der Geschenkeliste, das altersmäßig in Frage kommt, ist bereits versorgt. Ich schwatze mit den Freund*innen und dann holen wir uns ein paar Stände weiter koreanisches Feuerfleisch im Brötchen.

Danach traue ich mich auch an den Glühwein, der genau wie der Kinderpunsch mit typischen ostafrikanischen Aromen verfeinert ist. Trinken für den guten Zweck und um weitere interessierte Besucher*innen anzulocken.

Irgendwann wird es dann trotz warmer Sachen und Glühwein ganz schön kalt. Ich verabschiede mich und mache mich auf den Heimweg. Diesmal ist die Ringbahn „nach einem Notarzteinsatz“ unregelmäßig und daher voll. Es läuft aber auch ein glücklicher kleiner Junge mit Syrienflagge durch die Gegend und die Stimmung ist allgemein auch besser als auf dem Hinweg.

Als ich wieder zuhause bin ist es gerade mal 18 Uhr, fühlt sich aber schon viel später an. Ich bleibe kulinarisch im Weihnachtsmarktthema und bestelle mir eine Raclette-Pizza und Apple Cinammon Bread und dazu einen Alibi-Salat. Davon esse ich jeweils die Hälfte, der Rest wird morgen mein Mittagessen.

Und dann heißt es ausgiebig Couchen und Weihnachtsfilme gucken. Erst das etwas merkwürdige Love The Coopers, das aber zumindest mit der Besetzung punkten kann und dann das jährliche Pflichtprogramm mit The Holiday. Kurz vor Mitternacht falle ich zufrieden ins Bett.

07.12.2024 – Schlemmen und Tanzen

Nach dem späten Einschlafen gestern wird es ein sehr langsamer und gemütlicher Morgen. Ich wache zwar schon gegen 9 auf, aber bis ich wirklich aufstehe ist es schon ordentlich spät – zumal ich mir das Frühstück ins Bett hole – die Filmjölk ist wirklich lecker geworden – und dann die Katzen auf mir liegen habe, so dass es am Ende schon nach 13 Uhr ist, als ich das Bett endgültig verlasse. Zwischendurch habe ich immerhin schon mal Wäsche gewaschen, die ich jetzt gleich aufhängen kann.

Noch ein bisschen Kram erledigen hier und da und dann sitze ich gegen 14 Uhr noch für zwei Stündchen fleißig am Schreibtisch. Denn 16 Uhr ist schon wieder Aufbruch, Termine, Termine! Durch die Dämmerung und bei kaltem Regen geht es zur S-Bahn und mit der nach Gesundbrunnen. Dort treffe ich den Liebsten, das Teilzeitkind und die beste Freundin des Liebsten in einem Fischrestaurant.

Für meine beiden picky eaters gibt es ausgezeichnete Fish & Chips, mit der besten Freundin des Liebsten hingegen teile ich mir die/den/das schon seit Monaten ersehnte Seafood Boil. Mit Handschuhen und später noch einer Zange bewaffnet machen wir uns konzentriert ans Werk und haben am Ende erstaunlich saubere Klamotten. Krabben, Garnelen, Muscheln, Calamari, Krebse, Kartoffeln, Mais und Cajun-Sauce mit den Händen verspeist… So lecker alles, große Empfehlung!

Hinterher geht es mit der U-Bahn weiter nach Kreuzberg. Weil wir noch ein bisschen Zeit haben, trinken wir in einem Café erst noch Tee und Kakao, dann wird es Zeit für den ersten Clubbesuch des Teilzeitkinds (11). Das SO36 ist dafür ein guter Ort, überall freundliche Menschen und sehr viel Awareness. Auf seiner ersten Club-Toilette entdeckt das Teilzeitkind einen „AfD-Verbot jetzt!“-Aufkleber und ist direkt begeistert.

Musikalisch bietet der Abend erst eine Ein-Mann-Muse-Coverband, was für einen Song lustig ist und danach bisschen nervt, und danach die Wallerts mit ihrer Humppa-Weihnachtsshow. Das macht schon mehr Spaß, auch dem Kind, das auf einer Erhöhung steht, Ohropax drinnen hat, und sich freut, wie die Erwachsenen abgehen. Allerdings ist es nach Chorprobe, Turntrainining, Fish & Chips und Co. sehr müde und so wird diese erste Kreuzberger Nacht eine eher kurze. Schon gegen halb 10 geht es zurück nach Südberlin für Vater und Kind. Wir anderen bleiben noch fast bis zum Schluss – Humppa ist nett, aber auf die Dauer auch nicht sooo mitreißend – und machen uns gegen 11 auf den Heimweg. Kurz vor Mitternacht liege ich bei den Katzen im Bett und bin sehr zufrieden mit dem Tag.

06.12.2024 – Freundinnen

Ich erwache zu keinem Nikolaus, hatte meine Stiefel nicht geputzt, an den Wanderstiefeln klebt noch Schlamm vom Harz dran und die Winterstiefel sind aus Wildleder. Dafür aber habe ich heute zwei Türchen zu öffnen, weil ich es gestern vergessen hatte, und mixe Double Chocolat und Hazelnut zu heißer Dreifachschokolade mit Haselnuss.

Dazu gibt es den Rest aus der Schwedenmilchflasche mit Crowdfarming-Orange und Müsli. Die selbst angesetzte Filmjölk ist inzwischen ordentlich dick und säuerlich, aber nicht so prickelnd wie die Schwedenmilch. Sie wandert dann jetzt also in den Kühlschrank.

Nach dem Frühstück weitere Häuslichkeiten. Geschirrspüler aus- und einräumen, zwei Pakete auspacken, neue Sportklamotten anprobieren und in die Wäsche tun, neues Laptop-Zubehör anschließen, Staubsaugen, weil ein Silikatgeltütchen aufgegangen ist, Geburtstagsgeschenk fertig basteln und verstauen usw. usw. Zum Mittag dann belegtes Brot, halb sizilianisch. Olivenöl statt Butter, letzter Käse, Anchovis, Oregano, Tomaten. Ich richte an und muss an die Kunstgeschichte als Brotbelag vom Fräulein denken, gucke dann nochmal durch ihren Instafeed, lese dort einen Kommentar von Journelle und schlucke für beide ein Tränchen runter.

Dann sitze ich noch eine gute Stunde fleißig am Schreibtisch, bevor es Zeit ist, nach Schlottenburg aufzubrechen. Die Freundin, mit der ich in meinem Leben vermutlich am meisten gemeinsame (Alltags-)Zeit verbracht habe – sechs Jahre Uni und dann nochmal zehn Jahre Arbeit im gleichen Team – hat Geburtstag. Wir feiern mit ihrer Mama, ihrem Partner und den beiden Kindern – zwei andere Freundinnen mit ihren Kindern mussten aus medizinischen Ursachen bei den Kindern absagen, der Rest der Familie kommt Montag, wenn das große Kind Geburtstag feiert. So ist Geburtstag in den 40ern, wenn man Kinder hat.

Es werden Geschenke geöffnet, es gibt Käsekuchen, Schokomuffins und Plätzchen, die Kinder (fast 4 und fast 2) werden bespielt und zwischendurch schaffen wir Erwachsenen sogar, uns zu unterhalten. Nach dem Abendbrot gibt es für das große Kind, mich und die Freundin noch eine Runde Uno (das dritte Spiel gewinnt natürlich das Kind) und zwei Vorlesegeschichten. Dann werden die Oma und ich verabschiedet und die Kinder gehen ins Bett. Beim Schuheanziehen finde ich doch noch einen Nikolaus im Stiefel. ❤

Zurück zuhause wandere ich schnurstracks mit einer Tasse Tee in die Badewanne und liege danach eigentlich früh im Bett. Nichts aufreibendes mehr gucken heute, denke ich. Und lese ein bisschen. Und schaue dann nochmal durch die Timelines und sehe da, dass es jetzt eine Doku über Jule Stinkesocke gibt und dass in der auch das Fräulein erwähnt wird. Zack, wieder hellwach. Ich denke an meine Zeit mit dem Fräulein und habe Angst, was in der Doku vorkommt und dann ggf. wieder durch die (sozialen) Medien geht. Also gucke ich noch die ersten anderthalb Folgen, bis zu dem Teil über das Fräulein. Weniger schlimm als ich befürchtet habe, aber ohne große Selbstkritik durch den SPIEGEL.

Dann bin ich natürlich weiter hellwach, aufgewühlt und nachdenklich. Erinnere mich an das erste Kennenlernen damals, beim Subbotnik im Schrebergarten einer Freundin. Da hatte ich schon hie und da vom Fräulein gehört, aber noch nicht intensiv ihr Blog und so gelesen, das kam danach. Der gemeinsame Heimweg mit ihr und dem Hasen, das viele Lachen. Später das Wiedersehen am Abend der Goldener-Blogger-Verleihung, wo ich ihren besten Freund seit Jahren kennenlernte und sich ihr Internetleben und ihr reales Leben vermischten. Die vielen Chats seitdem. Das Wiedersehen gemeinsam mit dem Hasen, vietnamesisches Essen, Eis und Reden auf dem Spielplatz. Das Reden nach Schicksalsschlägen, die fiktiven Geschichten über ihre Schwester und das ganz reale Angebot eines Schlüssels für Notfälle (ihrer für mich). Später noch ein Treffen in einem jüdischen Restaurant und dann wieder mit ihrem besten Freund. Und dann unser letztes Treffen zum Sushi-Essen, da wirkte sie etwas neben sich – der Stress im neuen Job dachte ich, nicht wissend, dass da womöglich schon die Recherchen anklopften.

Ein paar Wochen später die Enthüllungen, während ich mit wenig Empfang auf dem Immergut war. Der beste Freund schickte mir den Paywall-Artikel als PDF. Große Bestürzung, Ratlosigkeit und Sorge. Wieder zuhause schrieb ich nochmal mit ihr. Dann war große Stille. Nochmal ein paar Wochen später schrieb mir der beste Freund, dass sie tot ist. Wir verabredeten uns, fuhren gemeinsam zur Beerdigung und saßen hinterher mit ihren Eltern und alten Freund*innen bei Kaffee und Kuchen in der Wohnung, teilten schöne Erinnerungen und lernten nach und nach das Ausmaß und Realität von Fiktion zu trennen. Später kam noch ein Dankesbrief von den Eltern und einmal im Jahr schickt der beste Freund Fotos vom Grab.

Vieles davon vergraben unter all dem, was seitdem passiert ist, aber heute kommt das alles nochmal hervor.

Danach brauche ich gute zwei Stunden Berieselung und Ablenkung mit lustigen und kulinarischen TikTok-Videos und am Ende einen fachfremden Podcast, um irgendwann nach 3 doch noch einschlafen zu können.

05.12.2024 – Heute mal Tagebuch schreiben #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Erstaunlich gut geschlafen im „fremden“ Bett beim Liebsten. Der hat keine Krallen, sabbert mich nicht an und bewegt sich nachts erfreulich wenig. Sogar der Arm hat kaum wehgetan. Dafür verlässt aber des Liebsten Mitbewohnerin schon 6:30 das Haus und wir werden beide davon wach. Dafür gibt es dann Kaffee ans Bett und ganz langsames in den Tag schleichen, weil hier ja auch niemand laut schnurrt. Kuschelig ist es trotzdem und ab und an bekomme ich ein Handy vors Gesicht gehalten und soll was Lustiges angucken oder lesen.

Kurz vor 8:30 stehe ich selber auf und wechsle mit dem Laptop ins Wohnzimmer für ein anderthalbstündiges Webinar mit vielen spannenden Inputs. Dann geht es mit Frühstück nochmal zurück ins Bett, auch wenn der Liebste schon lange arbeitet. Jetzt sind auch die täglichen Rätsel und Sprachaufgaben dran. Um 12 dann wieder aufs Sofa für noch eine Stunde Webinar. So langsam muss ich mir Zeitslots in meine Tage einbauen für die vielen Vor- und Nacharbeiten zu den Inhalten der Webinare.

Ab 13 Uhr ziehe ich mich endgültig an, verabschiede mich vom Liebsten und laufe dann bei schönem Sonnenschein zur S-Bahn (unterwegs dem Stammitaliener winken, der gerade eine Lieferung zum Auto trägt). Mit S-Bahn und Tram geht es in den Pberg zurück. Weil ich noch eine Viertelstunde Wartezeit habe, erledige ich schnell ein paar Einkäufe, dann ist es Zeit für meinen Grippeimpftermin in der Apotheke mit dem besten Wartebereich ever. (Covid-Impf Nr. 7 war ja schon vor Kanada dran)

Der Impfmann macht klare Ansagen: Kein Sport, keine Sauna, nicht zu heiß duschen oder baden, Arsch auf die Couch. Das entspricht ungefähr meinen Plänen für den Rest des Tages, passt also gut. Ich mache mich zu Fuß auf den Heimweg und bestelle mir nebenbei ein spätes Mittagessen zum Mitnehmen beim Asia-Streetfood-Laden des Vertrauens. Zur Überbrückung der Wartezeit und weil es sich gerade gut ergibt noch mehr Einkäufe, für einen Geburtstag morgen. Dann schnell Essen fassen und auf nach Hause.

Die Katzen bekommen ihr Essen noch, bevor ich überhaupt abgelegt habe, dann aber mache ich es mir auf der Couch bequem und schlemme ein Bao Bun mit scharfer Aubergine, Pommes mit Mayo und Apfel-Dumplings mit dicker Vanillesauce. Dazu gibt es den Quittensirup von neulich mit Sprudelwasser. Meine Befürchtung, das zwei Sternanisdingsis zu viel sind (im Rezept stehen sogar drei) bestätigt sich. Der Anis overpowered nicht nur den Zimt, sondern auch die Quitten selbst ordentlich. Der Sirup eignet sich also weniger gut für Quittensaft-Imitation, dafür aber wahrscheinlich gut zum Verfeinern von (alkoholischen) Getränken.

Nach dem Essen werde ich wenig überraschend schläfrig und ratze direkt weg. Quasi im Halbschlaf telefoniere ich nochmal kurz mit dem Liebsten, der einen überraschenden Wasserschaden hat, weil die neu eingezogenen Nachbarn oben drüber ihre Waschmaschine nicht korrekt angeschlossen hatten, ist aber alles schon geregelt, so dass ich direkt weiterschlafen kann. Zwei Stunden komatös, ob nun von zu kurzem Nachtschlaf oder der guten Impfe sei dahingestellt. Spätestens nach dem Aufwachen jedenfalls tut die Gegend um den Einstich jedenfalls ordentlich weh. Praktischerweise nach dem Aufwachen klingelt auch der Paketbote und bringt zwei Pakete, die ich aber erst morgen auspacken werde.

Punkt 20 Uhr schaue ich die Tagesschau live, was ungefähr nie vorkommt, dann folgt um 20:15 ein banaler Weihnachtsfilm auf Netflix (der mit Lindsay Lohan) und hinterher gibt es noch ein paar Folgen The Bear. Ganz schön hektisch, diese Serie! Macht dann nochmal ordentlich wach, so dass ich später noch lange im Bett lesen muss, bis ich gegen 2 endlich wieder einschlafe.

04.12.2024 – Zitronen, goldene

Die Katzen verwundern immer wieder – morgens erstmal die Krallen ausfahren um mich zu wecken, dann aber gar nicht auf Frühstück bestehen, sondern sich nach kurzer Kuschelei einfach anders wieder hinlegen und weiterpennen. Ich dann aber auch, unterstützt von Podcasts, die sich in mein Unterbewusstsein graben und meine Träume beeinflussen. Irgendwann ist dann aber richtig wach und dann beginnt der Tag, spätestens als der Liebste zum morgendlichen Check-in anruft. Danach dann wieder gemütliches Herumsandeln im Bett, bis ich wirklich aufstehe ist es fast Mittag, aber ich habe schon das halbe Tagwerk vollbracht.

Ob der späten Stunde gibt es herzhaftes Frühstück, mit Käsebrot, Tomaten (von der nun ehemaligen Mitbewohnerin hinterlassen) und die letzte Kaki. Dazu heute heiße Schokolade mit „Pumpkin“-(Spice?!)-Geschmack aus dem Adventskalender. Dann nochmal konzentriertes Arbeiten an Dokumenten, bevor der Haushalt meine Aufmerksamkeit erfordert – jede Menge Wäsche abnehmen und verräumen, Geschirr desgleichen, Katzenklo säubern, Quittensirup-Flaschen entkleben, Filmjölk-Ansatz verkosten und nochmal Bakterien nachlegen (Vielleicht ist es nicht warm genug in der Küche?), duschen, anziehen, Rucksack packen und dann los.

Mit Tram und U-Bahn geht es Richtung Ellis. Auf dem Weg gucke ich mein Spotify Wrapped an und bin underwhelmed. Sowohl für Top Songs als auch Top Artists scheinen mir zu wenige Plays auszureichen und die Erkenntnisse darüber hinaus sind äußerst schmal. Das Internet sieht das ähnlich, womöglich liegt es wirklich am Feuern der Analyse-Teams, eine andere Theorie besagt, dass Daten verloren gingen und man aus den Resten was zusammengestoppelt hat, das erklärte auch die verspätete Auslieferung. Jedenfalls, ja, ich habe dieses Jahr mal zwei-drei Tage Taylor Swift gehört, um den Hype zu verstehen und zu wissen, wie die Songs heißen, die ich kenne, aber das macht sie noch nicht zu meinem Top Artist und ich brauche auch keine Videobotschaft von ihr.

Der Rest der Top 5 passt dann eher, auch wenn ich es mir nicht eingestehen will: Hanson, Kelly Family, Jimmy Kelly, NOFX (hihi). Liegt aber vermutlich daran, dass ich da aus Nostalgie auch manchmal ganze Alben höre, während andere Artists eher songweise in meinen Playlists liegen. Bei den Top Songs sind auch zwei vorn, die der Beginn meiner „Aufwachen“-Playlist sind, das ist womöglich korrekt, aber langweilig. Witzig und passend ist, dass ich 2.999 verschiedene Songs gehört habe und der Liebste nur 723…

Bei den Ellis dann quasi nachgeholtes Adventskaffeetrinken mit Stollenkuchen (der richtige Stollen ruht jetzt erstmal), Pfefferkuchen aus der Heimat, Apfel und Tee, dazu Gespräche über Familiengeschichte und Politik, alles wie immer.

Ich halte mich aber nur eine gute Stunde auf – Termine, Termine – und fahre dann mit Bus und S-Bahn nach Südberlin weiter. Dort den Liebsten begrüßen und seine neue Brille bewundern, kurz Sachen abwerfen und umpacken und dann geht es schon wieder mit zwei U-Bahnen zurück „in die Stadt“, diesmal nach Kreuzberg. Dort treffen wir den besten Freund des Liebsten samt Gattin in einem vietnamesischen Lokal. Für mich gibt es Guananbana-Saft (aka Soursop aka Sauersack), ein Vorsüppchen und dann Reismehlpfannkuchen mit Garnelen.

Und weiter geht die wilde Fahrt, noch eine Station U-Bahn und ein bisschen laufen und dann sind wir im Festsaal Kreuzberg zur 40-Jahre-Geburtstagsgala der Goldenen Zitronen. Der Liebste und ich sind ein etwa undankbares Proleten-Publikum, weil wir vor allem die alten Sachen mögen und der ganze neuere Kram uns musikalisch etwas zu verkopft und verkünstelt ist, aber die wenigen alten Songs, die gespielt werden, machen viel Spaß. Nur einer führt zu einem noch Stunden nach Konzertende andauernden Rant des Liebsten, aber darüber breiten wir hier mal den Mantel des Schweigens. Mich versöhnt auf jeden Fall der letzte Song, wegen dem ich eigentlich hingegangen bin. Sorry an die vor Ort getroffene Berliner Cousine, die ein richtiger Fan ist und wirklich begeistert war. 😉

Als wir wieder rauskommen ist es kalt und regnet und so nehmen wir uns dann ein Taxi, statt eine Stunde lang mit den Öffis nach Hause zu fahren. Bis wir wirklich schlafen, dauert es dann auch noch eine ganze Weile (Stichwort Rant).

03.12.2024 – Häuslichkeiten

Heute den Gedanken der Zwischen-den-Jahren-Freiheit so richtig embraced und erstmal wieder sehr lange im Bett liegengeblieben – also über die normale Morgenroutine hinaus und direkt noch Korrespondenz und Bankgeschäfte mit erledigt. Dann ist es irgendwann schon halb 12 und so langsam sollten die Katzen mal was essen – und ich auch. Also mache ich die Weihnachtsplaylist an und stehe auf.

Heute gibt es heiße Schokolade mit Vanille im Adventskalender, für die Katzen Fleisch-Mix aus der Tüte. Dann setze ich die gestern gekaufte Milch in einem großen Glas mit einem Esslöffel Schwedenmilch an und hoffe auf baldige Bakterienvermehrung. Weitere Schwedenmilch landet mit Sanddorngelee und Nuss-Müsli in der Frühstücksschüssel.

Der Balkon blüht noch

Nach dem Essen bleibe ich direkt in der Küche und widme mich den letzte Woche gekauften Quitten. Eine hat sich leider schon komplett der Fäulnis hingegeben, aber aus den anderen Dreien mache ich Sirup und Konfekt, allerdings letzteres mit Flotter Lotte statt Pürierstab und dadurch weniger Fummelei beim Schälen und Entkernen. Das darf dann alles auf dem Balkon abkühlen, während ich die Überzuckerung mit Käsebrötchen und dem Rest Raita vom Sonntag bekämpfe.

Auch danach bleibe ich im schöpferischen Bereich und widme mich wieder der Weihnachtsgeschenkbastelei, während im Hintergrund Little Women läuft. Die Version ist nett, kommt aber nicht an die mit Winona Ryder, Claire Danes und Kirsten Dunst heran, mit der ich aufgewachsen bin. Zu wenig linear, zu wenig weihnachtlich. Reicht aber trotzdem als Untermalung, um das Geschenk in der vierten Sitzung endlich fertig zu bekommen. Danach bin ich müde und könnte ein Nickerchen gebrauchen. Da aber gleich mein heutiges Webinar beginnt, mache ich mir stattdessen schnell noch den Rest Pasta von gestern warm und lasse mich dann eine Stunde lang inspirieren und setze fleißig Bücher auf meine Wunschliste.

Kurz nach Webinar-Ende kommt die potenzielle neue Mitbewohnerin auf ein Glas Wein vorbei und wir erörtern das Wie und Wann. Alles noch etwas unklar, aber wir hoffen jetzt einfach mal das Beste. Sucht jemand ein WG-Zimmer in der Nähe der Wuhlheide? Je schneller sich ein*e Nachmieter*in findet, desto schneller kann sie bei mir einziehen…

Nachdem sie wieder weg ist, trinke ich noch die letzten zwei Gläser Wein aus, telefoniere mit dem Liebsten und schaue dann weiter The Bear, bis mir die Augen zufallen und ich ins Bett wechsle.

02.12.2024 – Vier Wäschen für ein Halleluja

Ein bisschen mit dem Gedanken aufgewacht, dass jetzt aktuell so viel Zeit zu haben auch ein bisschen so ist, wie verlängerte Weihnachtsferien. Die herrlich langsame Zeit zwischen den Jahren, nur angenehm verlängert. Das mal ein wenig auskosten, wie Herr Buddenbohn formulieren würde. Entsprechend wird dann auch direkt die nichtkonfessionelle Winterfeiertagsplaylist angeschmissen (Evtl. fehlen mir hier noch Diwali- und Kwanzaa-Songs?) und mit dem heutigen Adventskalender-Inhalt (heiße Schokolade mit Ingwer) plus Kaki, Clementine und Croissant zum Frühstück in die Badewanne gelegt.

Danach setze ich mich gemütlich aufs Sofa und plane den Tag und die Woche vor. Unter anderem werde ich den Tag über gleich vier Maschinen Wäsche waschen, was an sich übertrieben scheint, aber am Ende doch irgendwie Sinn ergibt. Es kam nämlich ein Paket mit neuen Winterklamotten an, außerdem blieb letzte Woche Dreckwäsche liegen, dann ist endlich mal eine Ladung Wollwäsche voll und jemand (nicht hier) hier hat aus Ärger über den Auszug der Mitbewohnerin wo drauf gepinkelt, wo nicht draufgepinkelt werden sollte – macht am Ende vier.

Zwischendrin gibt es eine Mittagspause mit Stulle und Birnen-Fenchel-Salat. Dazu schaue ich mir das Interview von Caren Miosga mit Christian Lindner an, um den Puls zwischendurch auch mal in Wallung zu bringen. Schön aber, wie ihm die Expert*innen leicht passiv-aggressiv sagen, dass er keine Ahnung hat und sich schleunigst schleichen sollte.

Kurz danach kommt Mama vorbei, die in der Nähe beim Sport war, und wir bringen uns bei einer Tasse Tee auf den neuesten Stand. Dann gehe ich noch kurz mit raus und erledige ein paar Einkäufe, aber da ist es schon wieder dunkel. Wieder drinnen habe ich einen lange geplanten Videocall und dann ist es auch schon wieder Zeit fürs Abendbrot. Ich mache aus dem Rest Blumenkohl eine sizilianische Pastavariation mit Sardellen, Pinienkernen, Rosinen und Safran, dazu geröstete Semmelbrösel statt Käse.

Abends schaue ich ein paar Folgen The Bear, das mir gestern nochmal wärmstens empfohlen wurde und dann ist auch bald schon wieder Schlafenszeit. Winterschlaf, so wichtig!

01.12.2024 – Driving Home for Advent

Dieser Sonntag beginnt etwas früher als die letzten Tage, weil ein paar von uns schon um 10 aufbrechen müssen. Frühstück mit allen Schikanen deshalb schon für alle um 9. Als die erste Charge abgereist ist, sitzen wir anderen erstmal noch gemütlich über unseren Heißgetränken und kommen in unserem eigenen Tempo im Tag an. Dann aber heißt es auch für uns anziehen, Sachen packen und das Ferienhaus übergabefertig machen. Das zieht sich bis kurz nach 12 Uhr, dann wird das Auto freigekratzt und es geht bei strahlendem Sonnenschein über diverse Autobahnen zurück nach Berlin.

Dort noch kurze Besichtigung der „neuen“ Wohnung der einen Cousine – sie wohnt da jetzt schon deutlich über ein Jahr, aber wie das so ist bei Menschen in unserem Alter und in der großen Stadt: Ich war noch nie da. Dann laufe ich mit der anderen Cousine zur Bahn, verabschiede mich und fahre mit der S-Bahn zurück in den Pberg.

Die Katzen begrüßen mich freudig und hungrig, die Wohnung ist ansonsten wieder leer – vorgestern ist die Mitbewohnerin ausgezogen. So muss ich aber wenigstens nicht gleich alles aufräumen, sondern kann den Tag gemütlich auf dem Sofa ausklingen lassen. Dazu gibt es die erste heiße Schokolade aus dem Adventskalender (mit Haselnuss), südindische gelieferte Leckereien (Samosas mit Kichererbsen-Salat, Joghurt, Tamarindensauce und Koriander-Chili-Chutney und Käse-Chili-Dosa mit Daal, Kokoschutney und Raita), den letzten Folgen This Is Us und dann einer Konzert-Doku über Bruce Springsteen, die Lust auf den nächsten Sommer macht.

30.11.2024 – Warm und Trocken am Brocken

Es ist ganz schön kalt geworden über Nacht. Beim Frühstück wird erstmal aufgearbeitet, wer wann geschnarcht hat und alle Beteiligten verzeihen sich gegenseitig. Dann schmieden wir Pläne für den Tag. Das Wetter soll schön bleiben, daher steht zunächst einmal eine Wanderung an.

In zwei Autos fahren wir ein ganzes Stück um den Brocken herum bis Schierke, von wo aus wir dann tatsächlich hinansteigen – wenn auch nicht ganz bis oben, dem frühen Sonnenuntergang geschuldet. Trotzdem gut, da oben herumzulaufen, die Aussicht und Ruhe zu genießen und einfach zu erzählen. Klimawandel und Borkenkäfer bleiben weiterhin Thema, die Nationalparksbroschüre macht aber zumindest Mut, dass sich die Natur erholt und nach dem Aussortieren der künstlichen Aufforstung dann wieder ein einheimisches natürliches Gleichgewicht herstellen wird.

Auf der Heimfahrt teilen wir uns auf – eine Gruppe fährt nochmal einkaufen, die andere kocht schon mal Tee und Kaffee und heizt die Sauna an. Der Nachmittag und frühe Abend vergeht mit Wellnessprogramm – Badewanne für die einen, Sauna für die anderen, Kamin für alle.

Zum Abendbrot dann Resteessen statt nochmal loszuziehen, um lokale Forelle zu essen. Es gibt mehr Nudeln und außerdem Kartoffelsuppe mit ebenfalls lokalen Halberstädter Würstchen.

Den Nachtisch (Vienetta und Ananas-Kompott) in Erinnerung an Oma und Opa und an die ehemalige Strandeisdiele in Warnemünde gibt es dann auf dem Sofa, während auf dem Fernseher nochmal die alte Doku über die Widerstandsgeschichte unserer Familie läuft.

Danach lassen wir den Abend mit Just One und Hitster ausklingen und gehen wieder in Schichten ins Bett, ich so gegen 1.

29.11.2024 – Harz 7

Erstaunlich gut geschlafen im fremden Bett, so kann das gerne weitergehen hier. Dreiviertel 10 bin ich mit allem fertig, was zum Morgen im Bett dazugehört und gehe nach unten, wo schon zwei von sieben Kaffee trinkend an ihren Laptops sitzen und arbeiten. Ich setze mich mit Tee und Orangen (she feeds you tea and oranges that have come all the way from China) und einem halben Spritzkuchen dazu. Nach und nach steht auch der Rest auf und dann gibt es eine große Frühstücksrunde mit allem Drum und Dran – Eier, Lachs, Tomate-Mozzarella usw.

Insgesamt drei von uns müssen heute arbeiten, aber am Ende haben wir alle fünf unsere Laptops vor uns und tun Dinge. Ich kümmere mich um ein paar Erledigungen, kommuniziere mit alten und voraussichtlich neuen Mitbewohnerinnen und bastle weiter am Weihnachtsgeschenk. Gegen 14 Uhr ist dann Aufbruch ins Draußen. Vier von fünf gehen spazieren/wandern – am Fluss entlang, durch den Borkenkäfer-geplagten Wald, vorbei an riesigen Felsen bis hin zu dem, was hier Wasserfall heißt.

Danach ist das Schrittziel erreicht und es gibt Kaffee, Kakao und Quarkbällchen. Zwei von fünf brechen zum Einkaufen auf, der Rest macht es sich auf den Sofas bzw. in der Badewanne gemütlich. Dann kehren die Beiden zu dritt zurück, mit einem Rostocker Cousin im Gepäck. Jetzt ist es an der Zeit, mit der Abendbrotzubereitung zu beginnen. Wir schnippeln Salat und belegen insgesamt vier ausgedehnte Fertig-Pizzateige mit allem was das Herz begehrt und mit der Ankunft des zweiten Rostocker Cousins sind wir dann auch für dieses Mal vollständig und schaffen die Pizzen fast – Grüße an den Münchener Cousin gehen raus, mit Dir hätten wir alles verputzt!

Zwei von vier Pizzen

Dazu gibt es dann noch diverse Getränke und Snacks und Gespräche – Familiäres, Politik, WG-Leben, Berufliches… Gegen Mitternacht verabschieden sich die Männer ins Bett, die Frauen sitzen noch. Kurz vor 2 mache ich den Abflug, am Ende bleiben die drei Schwestern übrig.