14.12.2024 – Recent History und Zukunftsweisendes

Heute morgen steht ein Besuch bei der Tagesklinik – bzw. der angeschlossenen Spezialpraxis – an, in der ich diesen Sommer so oft war. Ein komisches Gefühl, den gleichen Weg wieder zu gehen, nur diesmal nicht in Flip Flops und Flatterkleidchen, sondern in Stiefeln und Wintermantel. Als wäre das alles ewig her, dabei liegen nur gut drei Monate dazwischen. Zufriedenstellender Besuch jedenfalls, das ist alles auf einem guten Weg und wenn es keine gravierenden Entwicklungen zum Besseren oder Schlechteren gibt, muss ich da erstmal nicht mehr hin und kann in der normalen Fachpraxis weiter behandelt werden. Sehr schön, auch der Hinweis, dass mein Medikament wahrscheinlich gar nicht sooo immunsuppressiv ist – ich kriege jetzt vielleicht „statt vier Infekten im Jahr fünf“, aber die werden dadurch nicht schlimmer oder langwieriger. Na mal gucken.

Herbstflora im Pberg

Auf dem Heimweg noch in der Apotheke vorbei und dann ist erstmal wieder Couchen angesagt – der Termin war so früh, dass ich gar nicht alles von der Morgenroutine geschafft habe. Jetzt also Französisch, Italienisch und Handyspiel jeweils mit den Tagesaufgaben. Dann knurrt auch schon der Magen und ich bereite mir aus vorhanden Vorräten eine leckere Pasta zu.

Linguine mit Lachs, Spinat, Veggie-Sahne, Ingwer, Knoblauch und Apfelessig statt Weißwein – Olivenöl, Pfeffer und Salz sind auch dran

Beim Essen telefoniere ich nochmal ausführlicher mit dem Liebsten, der auch gerade Mittagspause macht, und wir schmieden Pläne. Danach ist mir nach Mittagsschlaf, so langsam holt mich der Restinfekt wieder ein. Ich sage meine heutige Italienischstunde ab, weil ich mich echt platt fühle und lege eine längere Siesta ein.

Auch ohne die Italienischstunde habe ich heute noch drei Termine im Kalender. Erst ein Webinar zu den US-Wahlen – wissenschaftlich erklärt – und etwaigen Lehren, die man für die anstehenden deutschen Wahlen ziehen kann. Danach ein langes Kennenlerngespräch mit einer Mentorin, die mich (mindestens) das nächste Jahr über begleiten wird. Ein sehr guter Einstieg, bei dem wir überraschend viele Gemeinsamkeiten feststellen! Diesen Termin überziehe ich dann so weit, dass ich erst später zum nächsten Treffen im Adulting-Projekt komme, was aber gar nicht so schlimm ist heute. Wir sind heute eine kleine Gruppe und so zeitlich recht flexibel. Kurz vor halb 10 ist Feierabend. Ich esse noch eine Portion Pasta, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und lege mich dann vor dem Schlafengehen nochmal in die Badewanne, den Input des Tages verarbeitend.

13.11.2024 – Augen auf in Brandenburg

Heute klingelt der Wecker, denn ich möchte ein vorhandenes Zeitfenster so gut wie möglich ausnutzen. Also beginne ich die Morgenroutine früher, frühstücke dann die Kokosmilchcouscousmangoreste von gestern und einen heißen Birnensaft und fahre dann mit der Tram zum Alex, um in den RegionalExpress zu steigen. Eine gute Stunde später steige ich im Brandenburgischen aus, in einer wirklich kleinen Kreisstadt. In diesem Kreis wohnen seit ich denken kann und auch schon ein wenig davor meine Tante und ihre Familie. Deshalb kenne ich die Gegend ganz gut, die Kreisstadt selbst jedoch vor allem aus Erzählungen – aus Zeiten, bevor sie vor 15 Jahren ein „Bad“ vorangehängt bekam. Deshalb heißt sie in meinem Kopf auch hartnäckig ohne Bad. Der Freund, der mich am Bahnhof abholt, ist erst seit letztem Jahr regelmäßig hier in Bad Kreisstadt.

Wir drehen zuerst eine kleine Sightseeing-Runde, steigen zur Burg hinauf und laufen durch die Altstadt. überraschend hügelig ist es hier, außerdem gibt es viel Kopfsteinpflaster und Backsteinbauten, aber das ist typisch für die ganze Gegend. In einer engen Innenstadtstraße steht dann das Haus des Freundes, an dem er seit letztem Jahr nun herumwerkelt. Verwandle 200 Jahre altes Haus, das viel Modernisierung und Verschlimmbesserung durchgemacht hat und zuletzt von Messie-Preppern bewohnt wurde in ein schönes, nachhaltiges Haus, das modernen Standards genügt und dabei die ursprüngliche Architektur wieder zum Glänzen bringt. Benutze dazu vor allem Deine einige Kraft, Ideen und Expertise, während Du eigentlich einen Akademiker-Vollzeitjob in Berlin hast und die Hälfte der Zeit über in Potsdam wohnst und Deine Kinder betreust. So ungefähr. Wo nehmen manche Leute bloß den Enthusiasmus und vor allem die Energie her?

Es ist total beeindruckend, was der Freund unter diesen Bedingungen schon alles geschafft hat und ich kann mir – durch viel Staub und Schutt watend – schon gut vorstellen, wie es hier einmal aussehen könnte.

Nach der Baustellenbesichtigung ist es Zeit für Mittagessen. Bad Kreisstadt hat 11.000 Einwohner*innen, aber die Restaurantauswahl ist beeindruckend und kann es (fast) mit meinem Kiez in Berlin aufnehmen. Statt Döner, Asia-Imbiss, Griechisch, Vietnamesisch, Steakhaus, gutbürgerlicher Gaststätte oder Chinesisch entscheiden wir uns erst für Nepalesisch, aber weil dieses Restaurant außer der Reihe zu hat, landen wir dann bei Indisch.

Hier gibt es Chai und Mango Lassi und dann für uns beide ein Lamm Curry mit Ananas, Ingwer und Co. Dazu unterhalten wir uns lang und breit über den Zustand der Welt, Deutschlands und unsere eigene Situation in dem allem. Es geht viel um Wahlen und Wahlkampf, berufliche Pläne, private Vorstellungen und auch vergangene (gemeinsame) Schulzeiten bzw. die alte „Heimat“ und ihre Bewohner*innen. Nach dem Essen haben wir noch ein wenig Zeit, bis mein Zug geht, setzen uns um die Ecke in ein libanesisches Café, trinken Tee mit Kardamom und knabbern Kekse. (11.000-Einwohner*innen, Brandenburg, plattes Land, Leute! Migration fetzt!)

Ich nehme einen recht frühen Nachmittagszug (die fahren hier zweimal die Stunde direkt nach Berlin) und überlasse den Freund wieder seiner Baustelle (Er hört beim Rackern gerade Vorlesungen aus Yale, hat er erzählt). Zurück am Alex steige ich wieder in die Tram, steige aber ein paar Stationen früher aus. Ich muss heute noch zwei Pfanddosen abgeben und gehe dazu in eins der italienischen Restaurants, in dem ich schon mal mit dem Liebsten gut gespeist hatte. Heute nur gucken und Dosen abgeben! Dann laufe ich die restliche Strecke nach Hause und erreiche mein Schrittziel.

Zuhause angekommen habe ich noch genau zehn Minuten bis mein heutiges Webinar beginnt. Ich mache mir etwas zu trinken und lege mich auf die Couch. Das Webinar ist leider thematisch nicht ganz, was ich brauche und verlangt zudem mehr Interaktivität, als ich heute noch in mir habe. Ich breche also ab, bevor ich in Breakout Rooms gesteckt werde um mich über Erfahrungen auszutauschen, die ich nicht habe, und geselle mich stattdessen virtuell zum Liebsten, der gerade ein Hearing aus dem US-Kongress live im Stream verfolgt. Sehr spannend und hat mal nix mit Trump zu tun!

Als es vorbei ist, telefonieren wir nochmal ausführlich und dann verbringe ich den Rest des Abends mit Nachlesen der politischen Entwicklungen des Tages (Das neue Kabinett Trump wird ein wahres Horrorkabinett.) und zum Runterkommen dann mit ein paar Folgen This Is Us.

12.11.2024 – Vom Sofa ins Draußen

Sooooo, ab heute werden hier wieder andere Seiten aufgezogen! Der Hals weht zwar noch ab und zu und manchmal huste ich, aber das ist alles auf einem guten Weg und fühlt sich stark abklingend an. Von daher heißt es heute raus aus den Federn und direkt mal Bett neu beziehen nach dem Liegemarathon (und nachdem Noosa ihr zu eilig heruntergeschlungenes Frühstück aufs Laken gekotzt hat). Mein eigenes Frühstück hingegen bekommt mir sehr gut (Müsli, Kaki, Tee) und dann geht es ins Draußen. Eine Runde zu Drogeriemarkt und Haustierbedarf (gestern Abend hatte es noch den Katzenstreueimer zerlegt).

Wieder zuhause dann das erste Webinar des Tages, das anderthalb Stunden geht, ziemlich inspirierend ist und mich einen guten Schritt weiter bringt. Danach mache ich mir Mittag (Stulle, Paprika, Tomaten) und gucke den zweiten Hanson-Abend nach. Ähnliches Gefühl wie gestern: Ist gut, aber wird vom Hintergrundwissen überschattet. Ich bin kurz davor, das Thema für mich abzuschließen, dann reißen die letzten Songs mich doch wieder mit. Es ist ein Kreuz. Das alles übrigens, nachdem nicht nur Joey Kelly (wie zu erwarten war), sondern auch Farin Urlaub sich an einem Album von Flake beteiligen. Joey kann ich verschmerzen, der ist lange mit Rammstein befreundet und kann wohl nicht aus seiner Haut (und ist nicht so zentral für mein Fandom) aber Farin?? Really??

Bevor es mir zu gemütlich wird, gehe ich wieder raus und drehe eine größere Runde bis zu meinem nächsten Termin. Wir besprechen die Ergebnisse vom MRT neulich, ich habe Krankengymnastik gewonnen und die Aussicht, dass sich das alles noch eine Weile hinziehen wird und wenn es sich zu lange hinzieht, müsse man vielleicht nochmal die Chirurgie hinzuziehen. Leider gibt es für meine Situation kein Wunder aus der Weltraumforschung, sagt der Orthopäde. Und, dass ich jetzt mit Gymnastik loslegen muss, notfalls unter Schmerzmittel. Aber auch: Wenn‘s wehtut, auf den Körper hören. Ja was denn nun?

Wieder zuhause (Schrittziel erreicht!) buche ich direkt Termine bei meiner Physiotherapeutin. Dann Telefonat mit dem Liebsten und eine Folge This Is Us, bevor es Zeit fürs nächste Webinar ist. Das ist ein bisschen weniger mitreißend als heute Mittag, weil es technische Probleme gibt und außerdem beim Urschleim anfängt. Ich höre zu und ziehe nebenbei meinen Social-Media-Profilen Herbstklamotten an.

Zum Abendbrot soll es dann die nächste reife Crowdfarming-Mango geben. Den ganzen Tag habe ich mich auf Milchreis aus Kokosmilch gefreut, aber die Reisbeutel sind leider mottenbefallen. Also nehme ich stattdessen Couscous, geht auch und sogar viel schneller.

Danach weitere Folgen This Is Us, bis es Zeit für einen Livestream aus Chicago ist. In dessen Folge schreibe ich noch ein paar Freund*innen in den USA und dann ist es auch schon Mitternacht und Bettgehzeit.

11.11.2024 – Vom Bett aufs Sofa

Es ist Montag und damit gedanklicher Neustart, zumindest ein bisschen. Erst einmal beginnt der Tag nach einem kurzen Plausch mit dem Liebsten mit einem Webinar um 8:30 (in Worten: acht Uhr dreißig – unchristliche Zeit!), das ich noch vom Bett aus verfolge. Ist dann aber dafür sehr spannend, es geht darum, wie man in Unternehmen „Haltung“ transportieren kann – nach innen und nach außen und kommt natürlich auch nicht ohne aktuelle Bezüge aus. Nach dem frühen Input bin ich einerseits geistig motiviert, lasse es aber körperlich noch ruhig angehen. Den eigentlich für heute geplanten Ausflug ins Brandenburgische sage ich ab, in der Hoffnung, ihn am Mittwoch nachholen zu können.

Stattdessen belege ich Bagel, koche Tee und schneide Obst und setze mich aufs Sofa. Zweiter Teil der Morgenroutine mit Bloggerei, Französisch, Italienisch, Rätseln usw. Dann schaue ich mir in Ruhe den Dokumentarfilm an, den ein Cousin am Wochenende geschickt hat, aus den frühen 70ern, Protagonist*innen größtenteils meine Familie. Ist schon verrückt, die jüngeren Versionen von Onkel, Tante (Papa war als Student laut Film gerade im Praktikum), Großeltern etc. zu sehen, die man so nur vom Foto kennt, in Mimik und Gestik aber trotzdem genau – und dazu die Stimmen und Dialekte von Uroma und Uropa, die ich beide nicht mehr kennengelernt habe. Tolles Erlebnis!

Als Nächstes (und völligen Kontrast) schaue ich mir die Aufzeichnung vom Live-Stream des gestrigen Hanson-Konzerts in Los Angeles an, die Akustik-Version, also im Prinzip das, was ich neulich in Toronto live gesehen habe. Schon erstaunlich, wie anders das aus der Nähe wirkt und wie stark das zwischenzeitlich angeeignete Wissen um die politischen Einstellungen der Band(e) den Genuss beeinflusst. Ich muss zwar immer noch viel mitsummen, gewinne aber langsam eine zynische Distanz, auch weil Taylor am Wahltag und am Morgen danach Posts auf Instagram hinterlassen hat, die an der tröstlichen Vorstellung zweifeln lassen, dass er als einziger der Drei stabil geblieben ist (und man sieht, dass auch er das Kreuz der georgisch-orthodoxen Kirche trägt, die wahnsinnig homophob ist). Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Drang, (für mich) zu canceln (verkürzendes Buzzword) und dem Vorsatz der Ambiguitätstoleranz, an das Gute im Menschen glauben, Gemeinsamkeiten statt Unterschiede betonen, an das Gute im Menschen glauben und mich auf die positiven Aspekte konzentrieren. Morgen werde ich mir noch den heute stattfindenden zweiten, also elektrischen Teil anschauen und vielleicht bin ich dann soweit, das Kapitel für mich ad acta zu legen.

Schon während des Konzerts (es ist inzwischen früher Nachmittag), beschließe ich, mir zu Genesungsförderung eine Pho zu bestellen. Sissi Chen berichtete neulich auf TikTok über die ihrer Meinung nach beste Pho Berlins und ich wohne genau im Liefergebiet. Zur Pho bestelle ich noch vietnamesische Frühlingsrolle (leider überwürzt und langweilige) und vietnamesischen Kaffee (leider völlig unzureichend verpackt und durch zur Hälfte verkleckert). Dir Pho selbst hingegen ist sehr gut, auch wenn der von Sissi gepriesene Knoblauch leider nicht dabei ist, und liefert mir Mittag- und Abendessen in einem.

Der Kaffee sorgt dafür, dass ich heute zum ersten Mal seit Tagen keinen Mittagsschlaf brauche (gestern waren es sogar zwei Schlafe (?)), sondern stattdessen produktiv werde – Spülmaschine, zwei Waschmaschinengänge, Müllbeutel wechseln – bevor ich mich wieder auf geistige Tätigkeit zurückziehe und mich mehrere Stunden mit Recherche, Reflexion und Planung beschäftige. Als die Konzentration dann nachlässt, gönne ich dem Geist noch ein paar Folgen This is Us (inkl. der in der Jack stirbt, trotz Wissens kann man kaum hingucken), bis es Zeit ist ins Bett zu gehen.

10.11.2024 – Bett-Tag die Dritte

Der Hals, der Husten, der graue November. Gleich früh am Tag klären der Liebste und ich ab, das in beiden Haushalten noch Seuchenzelt ist (trotz negativer Tests) und alle im Bett bleiben, die nicht raus müssen. Somit fällt Kaffee und Kuchen bei den Ellis leider aus, ansonsten ist es aber für einen Novembersonntag nach einer Woche in der Trump zum Präsidenten gewählt wurde ein absolut valides Vorgehen. Vielleicht einfach die nächsten Monate im Bett bleiben?

Thematisch geht es auch heute wieder ähnlich weiter wie die letzten Tage – Weltpolitik, deutsche Politik, This is Us. Mit einer Ausnahme: Heute läuft mein Bibliotheksbuch Februar 33. Der Winter der Literatur von Uwe Wittstock ab, das lese ich also auch schnell noch zu Ende. Tag für Tag erzählt es, wie von der Wahl von Hitler zum Reichskanzler bis zur danach schnell angesetzten Reichstagswahl innerhalb weniger Wochen alles eskaliert und aus der Restdemokratie eine Diktatur wird, mit Gewalt, Folter, Mord und vielen, die fliehen müssen. Sehr erbauliche Lektüre in diesen Zeiten. Nicht. Aber wichtig und gut geschrieben und darum empfehlenswert!

Essenstechnisch wird es heute zweimal spannend. Zum Einen hat mich der Buddenbohmsche Hinweis auf finnische Suppe neulich auf die Kombination Lachs und Kartoffeln gebracht, die ich aber heute dann viel einfacher umgesetzt habe (kein Fischfond im Haus) – als lauwarmer Kartoffel-Räucherlachs-Romana-Salat mit einem Dressing aus vegetarischer Sahne, Forellenkaviar, süßem Senf, Apfelessig und Dill. Die richtige Suppe mache ich auch noch irgendwann, heute kommt mir die Inspiration der Schwester eines Ex-Freundes zu Hilfe, die uns an ihrem Küchentisch in Schöneberg vor ungefähr 20 Jahren Pellkartoffeln mit Butter, Pfeffer und Romanasalat zusammengerührt servierte. Danke K.! (Gleich mal gegoogelt, sie ist inzwischen verheiratet, trägt die Haare braun statt blond und lebt im fränkischen Thüringen, guck an.)

Zum Abendbrot später mache ich mir in Ermangelung des ausgefallen Kuchens die restlichen Pflaumenknödel von neulich warm, mit Butter und Zimtzucker.

Zum Ausklang des Abends noch eine Serienfolge in der Badewanne und dann ist auch dieser Sonntag Geschichte.

09.11.2024 – Husten und Demokratie-Fangirling

Ein erneuter Bett-Tag, größtenteils, inzwischen mit mehr Husten. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, also wiederholt sich der Tag von gestern größtenteils.

Ein Unterschied ist, dass ich am Nachmittag (nach Gnocchi-Reste-Essen und anschließendem Mittagsschlaf) einmal aufstehe, um das Katzenklo durchzusieben und einkaufen zu gehen – vor allem für ein paar fehlende Medikamente und Ingwer, aber natürlich kaufe ich dann doch noch den Rest des Einkaufszettels leer. Hätte bestimmt noch eine ganze Weile mit meinen Vorräten durchgehalten, aber zwischendurch einfach mal ne Stulle essen hat schon auch was und Brot samt Belag waren weitgehend alle.

Abendbrot

Im Discounter übrigens die merkwürdige Situation, dass alle Self-Service-Kassen belegt sind, dafür die normale frei. Nehme also kurz den Kopfhörer ab und habe eine menschliche Interaktion. Ungewohnt, aber passt ja zum Vorsatz des Community Buildings im Alltag.

Und weil ich ja grad so Demokratie und Freiheit fangirle, gucke ich dann abends im rbb-Livestream die große Freiheitskaraokeshow vom ehemaligen Mauerstreifen und bin tatsächlich emotionalisiert von den Menschenmassen, die anlässlich von 35 Jahren Mauerfall zusammen „People have the Power“, „Keep on rocking in the free World“ und „z.B. Susann“ singen. Ein versöhnlicher Abschluss dieser Woche (wenn man ausblendet, dass kurz vorm Jubiläum der Reichspogromnacht antisemitische Übergriffe auf Fußballfans gab…). Der 9. November ist ja außerdem auch Republikgeburtstag, aber eben auch Jahrestag vom Hitlerputsch. Immerhin kam der damals noch in den Knast, aber später eben auch wieder. Und schon ist das Gedankenkarussell wieder bei Trump angelangt. Verflixte Welt.

08.11.2024 – Zivilisiertes Gammeln

Als ich vor mehr als 20 Jahren (waaaah) im Studium eine Arbeit über Winston Churchill schrieb, beeindruckte mich vor allem seine Tagesgestaltung. Sehr viel Bett und Badewanne, gerade auch während der Arbeitszeit, damit kann ich mich gut identifizieren und da sich meine seit Tagen formierenden Halsschmerzen inzwischen zu echtem Husten ausgeweitet haben und mich auch ansonsten nichts zwingt, bleibe ich heute einfach im Bett liegen.

Die Zeit reicht gerade für die Morgenroutine, das Liebstentelefonat und eine Schüssel Müsli mit Apfel und Banane, dann steht mein erster „Termin“ für heute an. Ein Online-Vortrag über die Aufholjagd der SPD im brandenburgischen Landtagswahlkampf (wer erinnert sich noch?) von einem Vertreter der führenden Agentur, die auch jetzt im anstehenden Bundestagswahlkampf mitspielen wird. Selten war ein Themen-Timing so passend. Spannende Einblicke, wie Wahlkampf an sich funktioniert, wie es zur Themensetzung kommt, wie gezielt bestimmte Personengruppen angesprochen werden (können) usw. Für die Bundestagswahl sei trotz aktueller Umfragewerte noch alles drin, sagt der Vortragende. Und: Schon aus logistischen Gründen wäre eine Wahl im Januar oder März nicht zu stemmen. Über die USA wird auch kurz gesprochen, darüber wie viel wichtiger der digitale Wahlkampf auch in Deutschland wird, es aber doch noch große Unterschiede zwischen den beiden Ländern gibt.

Auch im weiteren Tagesverlauf beschäftige ich mich weiter mit den beiden „Lagen“, lese, sehe, höre vieles dazu und teile interessantes in den sozialen Netzwerken. Zum späten Mittagessen mache ich mir Gnocchi mit Erbsen, Basilikum und Ricotta-Trüffel-Pfeffer-Sauce (war fertig ein Geschenk zum Geburtstag).

Zum frühen Abend hin baue ich gesundheitlich weiter ab und verschiebe einen eigentlich angesetzten Videocall auf nächste Woche. Das ist auch gut so, als der eigentlich hätte stattfinden sollen, schlafe ich gerade tief und fest ein und bin dann eine gute Stunde lang wie im Koma.

Als ich wieder wach bin, gehe ich zum „gemütlichen“ Teil des Abends über, schaue die zweite Staffel The Diplomat zu Ende und noch ein paar Folgen This is Us. Morgen kann ich ja (theoretisch) ausschlafen.

07.11.2024 – Tag Zwei im Tunnel

Besser (bzw. überhaupt) geschlafen, der Körper holt sich, was er braucht, zumindest das Minimum. Das Kindelein hat heut die erste Stunde Ausfall, der Morgen kann also geruhsam starten. Irgendwann ist das Kind aus der Tür, kurz danach hat der Liebste die ersten Meetings, ich liege im Bett und vergrabe mich in die Timelines. Dann stehe auch ich auf, bewege mich zumindest bis zum Sofa und frühstücke Brot mit Spekulatiuscremw und eine Clementine – Winter-Modus is on.

Ich schaue mir an, wie die Late Show Hosts die gestrigen Tag verarbeitet haben und bewundere, wie sie in der Situation immer noch lustig sein können. Dann gucke ich die Statements der deutschen Politik zu gestern Abend an. Lenkt wenigstens ein bisschen von dem globalen Drama ab. Später wähle ich mich in ein Webinar ein, in dem es um Kommunikationsstrategien und Zusammenarbeit mit noch unbekannten neuen Menschen/Gruppen geht. Das könnte demnächst wichtig werden, passt also überraschend gut in den Tag.

Als das Teilzeitkind aus der Schule kommt ist für mich dann Aufbruch angesagt, denn ich bin noch verabredet. Während der Pandemie habe ich online an einer Schulung teilgenommen und eine der Mitteilnehmenden von damals ist gerade für eine Konferenz in der Stadt. Wir treffen uns auf einen Kaffee in Mitte und machen daraus einen Walk & Talk an der Spree entlang. Historischer Hafen, Roland, Fischerinsel…

Dann verabschieden wir uns und ich ziehe zu meinen Eltern weiter, die seit Montag wieder im Lande sind. Dort dann erstmal schnell gucken, ob die Welt noch steht, schließlich war ich eine gute Stunde nicht in den sozialen Netzwerken unterwegs. Das Gespräch dreht sich dann natürlich auch viel um die Situation, hüben wie drüben, plus die Geschehnisse in Nova Scotia seit ich vor ziemlich genau einem Monat dort abgereist bin. Schließlich gibt es noch Pasta mit Pilzen und Reste-Shakshuka, bevor ich mich auf den Heimweg mache.

Da ich von Mitte aus komme, fahre ich mit der Tram an der Wohnung des parteilosen Verkehrsministers vorbei und laufe nicht wie sonst dort lang, so überblicke ich auf die Schnelle nicht, ob sich an der Polizeischutzstärke seit Dienstag etwas verändert hat – vermutlich nicht. Zuhause angekommen freuen sich zwei hungrige Katzen über mich, werden gefüttert und dann geht es wieder auf die Couch, mit Birnenlimo und Schokolade.

Abendunterhaltung dann erst das sehr gute Reel von AOC über den Wahlausgang, Faktoren die dazu beitrugen und was man jetzt tun sollte. Ganz am Ende ein erster wichtiger Tipp, den wir uns alle für den Alltag vornehmen sollten: Gemeinschaft aufbauen. Nachbarschaft, Buchclubs, Kochabende mit Freunden, Menschen zusammenbringen und Netzwerke schaffen, Solidarität aufbauen für die Zeit, wenn wir sie brauchen werden. Und ganz generell: Koalitionen formen mit denen, die auch gegen den Faschismus sind, auch gegen die Übermacht der Milliardäre, auch gegen den Klimawandel. Sie sagt, es kommt darauf an, wie immer in der Geschichte, eine vereinte Arbeiterklasse im Kampf gegen den Faschismus zu organisieren. Jetzt gehöre ich nicht zur Arbeiterklasse, aber man kann das sicherlich auch großzügiger denken. Viel Denkanstoß jedenfalls und gute Vorsätze bei mir.

Und dann ganz spät noch Habecks Video zur Ankündigung der Ankündigung. Witzige Social Media, Taylor-Swift-Referenz, Aufbruchstimmung et al. Noch Dienstagabend hätte mich das elektrisiert, ich sage ja schon seit Wochen, dass die Vernünftigen in dieser Welt sich viel von Kamala Harris‘ Kampagne abgucken können. Seit Dienstagnacht hat das jetzt einen schalen Beigeschmack. Ich hoffe, die neuesten Erkenntnisse aus dem Wahlergebnis fließen noch in die weitere Kampagne ein, Kanzler Robert wäre wahrscheinlich die beste Chance, die wir haben, um weiter zu kommen.

06.11.2024 – Doom & Gloom und zwei Reden

Gegen halb 7 habe ich die Augen zugemacht, bin kurz weggedöst und dann erscheinen vor meinem inneren Auge Tim Walz und seine Kinder und Douglas Emhoff und seine Kinder und dann bin ich wieder wach, gucke auf mein Handy und Trump hat Pennsylvania und damit rechnerisch endgültig gewonnen. An Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Der Liebste neben mir hat es zum Glück nicht mitbekommen und bekommt so zumindest ein-zwei Stunden mehr Schlaf als ich, während ich diverse sozialen Medien und Nachrichtenseiten doomscrolle und nicht fassen will, dass das wirklich die Welt ist, in der wir leben. Irgendwann schlägt der Liebste die Augen auf und fragt: „Wie schlimm ist es?“ „Sehr.“

Dann scrollen wir beide. Nebenbei schreibe ich teilnahmsvolle Nachrichten an meine Freund*innen in den Staaten, die teilweise gerade noch schlafen und erst viel später antworten werden – mit Dingen wie „Literally the worst. It makes me so sick to my stomach“, „Oh my god noooooo“ und „I want to fucking die“. Anderen schreibe ich nicht, die posten später glückliche Bilder vom Familienausflug und rote Herzen auf Instagram. Der Riss geht wirklich mitten durch da drüben, noch stärker als hier.

Gegen 10 stehe ich auf und lege mich direkt wieder in die Badewanne. Zum wirklichen Entspannen kommt es dabei natürlich nicht, aber die Wärme und das Wasser tun gut. Danach gehen der Liebste und ich an die frische Luft, ein bisschen Natur, Bäume, Wasser sehen, im Versuch, nicht vollends depressiv zu werden. Nebenbei telefonieren wir mit dem Liebstenpapa, dem es ähnlich geht wie uns.

Als wir zurück kommen, eskapiert der Liebste In die Welt des E-Sports, die zuverlässig heute wieder ein Live-Turnier liefern, das ihn ein wenig ablenken kann (auch wenn sein Team nicht so performt, wie von ihm gewünscht, aber das ist er ja gerade gewöhnt, höhö). Ich eskapiere ins Sprachen lernen und Handy spielen und „This is us“ gucken, bis das Teilzeitkind aus der Schule kommt. Es hat schon von seinen Lehrer*innen gehört, was passiert ist, versteht die Amerikaner*innen nicht und will jetzt erstmal Suppe. Also kocht es die, für sich und uns. Und Suppe hilft auch erstmal ein bisschen. Wir sprechen über die Schule und alles mögliche alltägliche und das tut auch gut.

Später gibt es Reste der Pasta von gestern zum Abendbrot, dazu besprechen wir dann weiter die Geschehnisse in der Welt und versuchen, die Fragen des Kindes zu beantworten. Warum wählen die Amerikaner*innen so jemanden? Warum findet Trump Putin gut? Warum glaubt er nicht an den Klimawandel? Warum ziehen die Leute nicht weg aus Amerika? Schwere Fragen, wir tun unser Bestes. Nur als das Kind dann der Meinung ist, dass es in Deutschland alles besser ist und hier sowas nicht passieren kann, halten wir uns zurück und sagen lieber nichts.

Später, als das Kind schon im Bett ist und wir uns auch zumindest hingelegt haben, verfolge ich das Geschehen in Deutschland. Der Kanzler kanzlert und hält eine beeindruckende Presseansprache, der Wahlkampf hat begonnen. Ein wenig Genugtuung verspüre ich über das Schicksal des Herrn CL, aber ansonsten verspricht das alles nichts Gutes. Wenig später dann die concession speech von Kamala Harris, auffallend kalt gegen Tim Walz, ansonsten aber wie erwartet eine gute Rede und eine, die Mut macht. Das brauche ich heute auch noch, um halbwegs schlafen zu können.

05.11.2024 – WG-Casting und Wahlnacht #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Ich erwache früh und schlafe nochmal ein, bis der Liebste anruft, bevor er in sein erstes Meeting geht. Weil ich mich nach all der Kälte und dem Schlafmangel der letzten Tage leicht angeschlagen fühle, beschließe ich, so lange wie möglich im Bett zu bleiben. Ausführliche Morgenroutine, Katzenkuschelei, Frühstück (die erste Crowdfarming-Mango ist nachgereift), amerikanische Late Night Shows von gestern… Mittagessen auch noch (vertrocknetes Brot, das ich vom Liebsten gerettet hatte, eingeweicht und aufgebacken, mit Zeug drauf, u. a. mit Ziegenkäse überbacken, dazu Crowdfarming-Kaki).

Dann ist irgendwann doch dringend Aufstehzeit, eins meiner beiden WG-Castings heute findet nämlich tatsächlich statt (und das andere hat immerhin abgesagt). Die Kandidatin ist sehr nett und wir unterhalten uns lange, sie vor allem auch mit Nimbin, während Noosa scheu unterm Bett bleibt.

Als sie aufbricht, mache auch ich mich bereit, um nach Südberlin zu fahren und mit dem Liebsten den Wahlkrimi zu gucken. Unterwegs kaufe ich noch Snacks ein, wir werden viel Nervennahrung brauchen.

Der Liebste hat vorausschauend einen großen Pott vegane Bolognese gekocht. Vor dem Abendbrot jedoch lege ich mich nochmal kurz hin und versuche zu schlafen – bis die Mitbewohnerin des Liebsten klingelt, weil sie ihren Schlüssel vergessen hat. Das war es also mit Schlafen für die nähere Zukunft.

Ab 22 Uhr gucken wir intensiv CNN, erst noch hoffnungsvoll, später vorsichtig optimistisch, dann zunehmend pessimistischer und schließlich fassungslos. Zwischendurch schreibe ich mit der Freundin des Pittsburghers und wir sprechen uns gegenseitig Mut zu. Kurz nach 6 sieht alles furchtbar aus und wir beschließen, ins Bett zu gehen. Mit einem letzten Funken Hoffnung, dass nach dem Schlafen doch noch ein Wunder auf uns wartet…