15.04.2025 – Fressende Katzen, blühende Bäume und sehr viel Kommunikation

Der Tag beginnt recht früh mit hungrigen Katzen (wir nehmen das Thema Diät jetzt vorübergehend ernst, solange es mir qua Anwesenheit möglich ist). Ich protokolliere und versuche Medikamente unterzujubeln. Überraschend klappt das bei Noosa deutlich besser als bei Nimbin. Noosa steht nämlich auf Leckerlis und das lässt sich gut verbinden. Nimbin ist aus dem Thema schon eine Weile raus, der ist mehr Typ Nassfutter oder Trockenfutter, je nach Laune. Sobald dann aber das Medikament untergemischt wird (in Leckerli-Anmutung) merkt er das und verliert das Interesse.

Mein Frühstück hingegen esse ich ohne Wehklagen auf. Es gibt einen grünen Smoothie zur Restevertilgung (Postelein, Avocado, Banane, Orange, Quittensaft, Kokosmilch und ein bisschen Salz), einen Kaffee mit Kakao und einem Schwapps Erbsenmilch und, damit noch was „Richtiges“ im Magen landet ein bisschen Erdbeer-Açaí-Müsli mit Joghurt. Draußen natürlich.

Ich mache wieder sehr ausführliche Sprachübungen, solange die Lust ausreicht, und habe dann ein Webinar. Dann geht eine Runde nach ganz draußen, zum Haustierbedarf. Weniger Schritte als gestern, dafür versuchsweise ganz ohne Schmerzmittel. Läuft ganz gut, pun intended. Ich kaufe ein paar zusätzliche Näpfe, Noosas Lieblingsleckerli und ein bisschen Katzenmilch, um Nimbin auszutricksen – der steht zwar nicht auf Leckerli, aber auf Dickflüssiges.

Immer wieder schön, die veredelten Bäume, die in zwei Farben blühen

Wieder zuhause weiter fun with cats – Wahnsinn, wie wenig sie auf einmal futtern, wenn man es genau beobachtet und mit wie wenig über den Tag verteilt sie auskommen. Die Angaben, die auf den Futterverpackungen stehen, sind nicht nur ein bisschen übertrieben, denke ich. Ich bin da sowieso immer schon weit drunter geblieben, damit die faulen Wohnungskatzis nicht zu dick werden, kann das aber wohl noch deutlich weiter reduzieren, wenn auf viele kleine Mahlzeiten verteilt wird. Interessant wird es, wenn keiner zuhause ist. Und nein, Futterautomaten haben wir hier schon ausprobiert, das wird nix, die hackt Nimbin in seiner Gier.

Zum Mittag gibt es weiter Koreanisch-Reste. Heute Kimchi Jeon mit Dip und den restlichen Sojasprossen.

Zum Abendbrot dann den Rest Bulgogi und Kimchi – geschafft! Ab morgen weiter im eigentlich geplanten Essensprogramm für die Woche.

Der Rest des Tages wird bestimmt von Weiterarbeit am Onlinekurs, noch einem Webinar und dann vier längeren Telefonaten – eine gute Stunde mit der Freundin in Lichtenberg, gute zwei Stunden mit der Freundin in Frankreich (u. a. über meine Fußodyssee, witzig dabei: einige medizinische Begriffe kennen wir beide nicht auf Englisch, wir behelfen uns viel mit thingy und mit dem Aufsagen der Begriffe auf Deutsch bzw. Niederländisch und dann verstehen wir) und je etwa 20 Minuten mit meinen Ellis und mit dem Liebsten. Dazwischen noch ein Schwätzchen mit der Mitbewohnerin und ein wenig Schreiberei mit diversen Leuten und dann ist einfach Schluss für heute und Bettgehzeit.

14.04.2025 – Achievements unlocked

Der Wecker soll 6:45 Uhr klingeln, damit der Liebste und ich noch gemütlich Kaffee im Bett trinken können, bevor er zurück nach Südberlin und pünktlich um 9 im ersten Meeting sitzen muss. Natürlich wache ich also gegen 6:15 auf, immerhin nach durchschlafener Nacht. Inzwischen haben wir das perfektioniert, zu viert im Bett. Nimbin schläft noch an meinem Bauch, Noosa zu meinen Füßen (auf ihrem Platz neben meinem Kopf liegt ja der Liebste). Ich schleiche mich aus dem Zimmer und mache Kaffee, das dauert auf meinem E-Herd deutlich länger als auf des Liebsten Induktionsherd, und kurz vor halb trinken wir dann schon.

Eine Stunde später bricht der Liebste auf und mein Tag startet deutlich früher als sonst. Das Internet ist schon leer gelesen, ich blogge und mache sehr ausführlich Französisch und Italienisch und frühstücke dann nur eine Banane, weil ich noch von gestern satt bin. Immerhin auf dem Balkon, wo es schon wieder sehr sonnig und gemütlich ist, und mit den täglichen Rätseln. Dann packt mich der Tatendrang und ich verlasse gegen 10 das Haus Richtung Baumarkt.

Beim Haustierbedarf gibt es montags nicht zuverlässig Katzengras, die Pflanzenabteilung im Baumarkt ist da hingegen wochentagsunabhängig zuverlässig. Außerdem finde ich dort endlich Zitronenmelisse und nehme noch Kriechendes Schönpolster zum Snacken für die Miezen und Lavendel für Optik, Duft und Insekten mit.

Der Fuß verhält sich ganz annehmbar, ist dann aber auch zufrieden, als ich wieder zurück bin, die Pflanzen verteilt und gegossen sind (die Bienenwiesentöpfe zeigen heute erste Triebe!) und wieder auf dem Balkon sitze. 3 km aka 4000 Schritte am Stück scheinen derzeit gut machbar, langsamer und vorsichtiger als sonst halt.

Jetzt aber Ruhepause für die Füße und dafür den Kopf gebrauchen. Ich setze mich an die Hausaufgabe für meine Mentorin und nachdem die ja eine Woche lang in mir mariniert hat, fließt sie ganz easy aus meinem Kopf in meine Finger. Zufrieden schicke ich den Text ab und bin dann eigentlich durch mit dem Tag. Aber erstmal was essen. Der Liebste fand seine Rindfleischsuppe mit Glasnudeln, Ei und Rettich gestern nicht sehr spannend, also werfe ich nach dem Aufwärmen noch einen Teil der Banchans (Kimchi und süß eingelegte Kartoffeln) hinein und streue Koriander drüber. Schmeckt mir sehr gut so.

Dann aber ist wirklich Ausruhen angesagt, denn am Nachmittag droht nochmal ordentlich Aufregung und Anstrengung. Um 17:45 hat sich der Tierarzt angesagt, das heißt, wir müssen ab 17:15 für ihn bereit sein. Die Mitbewohnerin ist zum Glück unterwegs, das macht es einfacher, die Miezen ab 17:15 ins Wohnzimmer zu sperren, das ein Durchgangszimmer mit drei Türen ist. Ich sitze dann in meinem Zimmer und warte auf das Klingeln, während Nimbins Maunzen nebenan immer lauter wird. Diese Katzen sind nicht gerne eingesperrt, vor allem, wenn ich nicht im gleichen Raum bin. Zum Glück kommt der Arzt halbwegs pünktlich, so dass dieser Teil der Tortur nicht allzu lang wird.

Wir gehen rein und natürlich hat sich Noosa hinterm Sofa versteckt, während Nimbin neugierig auf uns wartet und sich auch bereitwillig, wenn auch ein wenig ängstlich streicheln und untersuchen lässt. Unzufrieden wird er erst, als er eine Spritze kriegen soll und daher von mir festgehalten wird, während der Arzt gefühlt ewig in seiner Tasche kramt und raschelt. Die Spritze selbst mag er auch nicht und danach ist er dann auch froh, als ich ihm die Tür aufmache und er raus darf.

Teil 2 wird schwerer, Noosa hat absolut keine Lust auf fremde Menschen, auf eingefangen werden oder hochheben. Im Alltag gurrt und zwitschert sie nur und das immer sehr leise. Jetzt ist sie in Panik und wehklagt in einer Lautstärke, die bei ihr anatomisch gar nicht vorgesehen ist. Nach mehreren Versuchen habe ich sie schließlich – wir nehmen eine Decke zur Hilfe – und sie kann untersucht werden. Ab da ist sie panisch steif und ergibt sich in ihr Schicksal, aber ihr Herzschlag ist sehr, sehr hoch, armes gestresstes Miez. (Nimbins Herzschlag war kaum zu hören, weil er so laut geschnurrt hat.) Auch Noosa kriegt eine Spritze, die zum Glück schneller aufgezogen wird, und darf dann ebenfalls fliehen und verzieht sich beleidigt unter mein Bett.

Ich bekomme noch Instruktionen zur Medikamentengabe in den nächsten Tagen (Nimbin kriegt Pro- und Noosa Antibiotika, das wird ein Spaß…) und dann verabschiedet sich der Tierarzt. Ich rücke die Wohnzimmermöbel wieder an die richtigen Stellen, setze mich erschöpft aufs Sofa und sortiere Medikamente, Gedanken und Updates an die Mitbewohnerin, den Liebsten und den Hasen, der ja quasi der andere Sorgeberechtigte ist.

Mit zwölf sind die beiden ja jetzt theoretisch Senioren, als Wohnungskatzen aber noch hoffentlich weit vom Ende der Fahnenstange entfernt. Organisch scheint alles super, die Zähne sind das einzige „Sorgenkind“ und die Ernährung gehört nochmal optimiert. Die nächsten Tage ist hier Diätprogramm und -protokoll angesagt. Eigentlich bekommen sie weniger, als in allen Fütterempfehlungen steht, trotzdem sind sie beide ganz schön moppelig und vor allem Nimbin erbricht sich aktuell häufiger als man erwarten würde.

Dafür kommt er jetzt auch gleich wieder zu mir und kuschelt und eine Stunde später habe ich auch Noosa wieder auf dem Schoß. Puh. Glück gehabt.

Gegen 20 Uhr mache ich mir Abendbrot und versuche, Nimbin zu seinem die ersten Probiotika einzuverleiben – mit mäßigem Erfolg. Ich hingegen esse meine Portion Reste von gestern (Reis, Korean Fried Chicken, Mandus, Avocado und Tomate) anstandslos auf und gucke dazu und danach die gestern angefangene Woche Richard Osman‘s House of Games zu Ende, bevor ich gegen 22 Uhr todmüde ins Bett falle (die Tierarztrechnung kommt zum Glück erst morgen, sonst würde ich nicht so gut schlafen können).

13.04.2025 – Sunday Sunny Sunday

Die Überschrift ist zu Takt und Melodie des ähnlich lautenden Titels von U2 zu lesen, versteht sich. In Berlin ist dann jetzt nämlich der Sommer ausgebrochen, mit stolzen 22 Grad, in ein paar Tagen sind 26 angesagt. Ich muss mich daran erinnern, dass letztes Jahr die erste Hitzewelle noch früher stattfand, während ich in Valencia saß und fröstelte. Wie der Liebste sagt: Die Temperatur ist nicht gut, aber schön. Wenigstens kommen zwischendurch völlig unabgesprochen ein paar wenige, sehr feine, Regentropfen herunter.

Ansonsten ein physisch überaus chilliger Tag, wie könnte es aktuell auch anders sein – seit drei Wochen der erste ganz ohne Schmerztablette übrigens. Morgen werde ich aber wohl wieder eine einwerfen, da geht es das nächste Mal nach draußen. Heute bewege ich mich nur innerhalb der Wohnung und auf dem Balkon, am meisten beim Bett neu beziehen und Staubsaugen, weil sich der Allergiker auf einen Besuch angesagt hat. Die restliche Zeit bis dahin verbringe ich auf dem Balkon, je nach Sonnenstand und Tageszeit mal im Schlafanzug, mal im Shirt, mal mit Hoodie drüber.

Frühstück mit Pistaziencreme, Holunderkonfitüre, Himbeer-Minz-Wasser, Sencha, Orange und Apfel

Der Liebste kommt dann am Nachmittag, wegen üblicher S-Bahn-Unbill verspätet, dafür aber mit Kuchen.

Käsekuchen, Oreo-Torte mit Blaubeeren, Brownie-Kuchen

Dazu machen wir uns Tee und dann sitzen wir gemeinsam draußen und erzählen. Neben schönen Sachen und Planungen auch über Nazis und Narzissten und ich finde, das wäre auch ein guter Titel für eine Kurzgeschichte, ein Album oder einen Essay. Ich bin natürlich nicht die Allererste mit dem Gedanken, aber der ist ausbaufähig – nicht von mir jedoch, ich beschäftige mich lieber mit schöneren Dingen. Zum Beispiel mit der Essensbestellung und dem kategorischen Aperitif (danke, Känguru!).

Sarti Spritz, mit Zitrone statt Orange, weil die grad schon angeschnitten war

Beim Essen bestellen freute ich mich seit Tagen auf Koreanisch und wählte direkt drei Sachen aus (Kimchi Jeon, Mandus und Korean Fried Chicken). Der Liebste will auch noch zwei Gerichte probieren (eine Rindfleischsuppe und Bulgogi) und dann liefert man uns zu all dem auch noch jede Menge Reis und natürlich Banchan mit und plötzlich sieht der Abendbrottisch so aus:

Die Katzen sind interessiert, die Hälfte vom Reis nicht mal im Bild

Wir bemühen uns redlich, aber fast die Hälfte wandert am Ende in den Kühlschrank und wird für mich wohl zu einer Aufgabe für die nächsten Tage. Zum und nach dem Essen gucken wir die ersten drei Folgen Yellowstone. Das schlägt mir Netflix schon seit Jahren vor, es wurde mir auch schon von verschiedenen Seiten empfohlen, allerdings nur, für wenn ich mental in ausreichend guter Verfassung bin. Neulich war ich das nicht und habe nach einer Minute wieder ausgemacht, als ein verletztes Pferd erschossen wurde. Der Liebste hat gestern das erste Mal reingeguckt und findet auch, dass ich das gucken sollte und also gehen wir es jetzt gemeinsam an. Ist wirklich gut, aber auch wirklich harter Tobak. Um rechtzeitig wieder runter zu kommen, gibt es danach noch zwei Folgen Richard Osman‘s House of Games und dann liegen wir gegen Mitternacht brav im Bett, lassen uns von den Katzen bekuscheln und schlafen problemlos ein.

12.04.2025 – Heimische Abenteuer

Oder heimliche? Heimelige? Auf jeden Fall weiter zuhause, immer noch wegen Fuß. Weil ich ja die Medikamente ausdünnen soll, beschließe ich, die heute erlaubte Tablette erst vor dem Schlafen zu nehmen und mich halt vorher so durch den Tag zu wurschteln. Bei der Gelegenheig kann ich auch gleich mal überprüfen, wie es wirklich um das Befinden steht. Hui, das tut noch ganz schön weh, auch fast nach drei Wochen. Ich verdränge, dass der Orthopäde gesagt hat, ich würde da noch 6-12 Monate was von haben und klammere mich daran, dass ich die Schiene nur noch gute drei Wochen tragen muss und es dann doch hoffentlich schon deutlichst besser ist.

Auch heute fällt der Balkon ziemlich aus, denn als die Sonne endlich hinter den Wolken hervorkommt, ist sie schon längst um die Hausecke rum. Laut Wetterbericht ist das aber der letzte Tag mit diesem Problem für eine Weile.

Erstes Abenteuer heute dann die Badewanne. In der Zwischenzeit habe ich mir dafür eine Matte gekauft, wie so bei kleinen Kindern oder alten Leuten, damit ich nicht noch zusätzlich ausrutschen kann. Trotzdem wackelig beim Aussteigen und sehr froh, als die Schiene wieder sitzt. Das wird noch ein Spaß, wenn ich sie dann irgendwann abnehme und wieder ohne laufen soll.

Zweites Abenteuer ist ein Ausflug ins Draußen – Müll wegbringen und Post holen steht auf dem Programm, optional noch unten ins Café setzen und die Sonne genießen. Die Treppe erinnert mich bereits daran, wie immobil ich bin, vor allem, als die Mitbewohnerin fröhlich an mir vorbei nach unten trabt. Das Draußen selbst ist dann sehr schön.

So richtiger inyour-face-Frühling
Ich mag die Rot-Gelb-Kombi bei Tulpen
Nachbarskater streicheln, direkt nach mir macht ein japanischer Tourist ein Foto, der wahrscheinlich hier ist, um die Weltkulturerbe-Architektur zu bewundern und sich sichtlich freut, eine echte Bewohnerin zu sehen

Im Café bleibe ich dann doch nicht sitzen, Getränke habe ich auch oben und es ist eh grad kein gemütlicher Stuhl frei. Also wieder hoch und den leicht jammerigen Fuß wieder hoch legen. Ich lese ein bisschen und mache mir dann spätes Mittagessen oder frühes Abendbrot, das dritte Abenteuer heute.

Es gibt scharfen Honig-Lachs nach diesem Rezept in einer Bowl mit Reis, Avocado, gekochten Karotten (nach einem Tipp von Stevan Paul koche ich eine Sternanis-Blüte mit, jep, die bringt wirklich was!), Radieschen, Schnittlauch, Koriander und einem Schuss Mirin. Sehr lecker!

Der Rest des Tages und Abends ist dann wieder Berieselung, immerhin auf dem Sofa und nicht im Bett. Ich schaue allerlei Comedy-Formate nach, ein bisschen Pete Buttigieg bei Jon Stewart, drei Folgen La legge di Lidia Poët (eine auf Italienisch mit italienischen Untertiteln, eine auf Italienisch mit deutschen Untertiteln und eine auf Deutsch, weil ich nebenbei Sachen auf dem Handy recherchiere und nicht die ganze Zeit hingucken kann) und vier Folgen Richard Osman‘s House of Games. Dann ist auch schon wieder spät und Bettgehzeit.

11.04.2025 – Wehe, wenn sie losgelassen

Das kann man jetzt auf mich beziehen oder auf meine Füße, aber aktuell halt nur auf den einen. Nachdem es sich gestern Abend schon angekündigt hatte, dass ich gestern zu übermütig war mit der Lauferei, ist heute klar, dass das nicht gut war, ich habe wieder ordentlich Schmerzen im Fuß, deutlich mehr als an den letzten Tagen der Schonung. Ein typisches Muster für mich übrigens, mich voll reinzuhängen, ohne zu merken, dass es zu viel wird und dann in der Konsequenz erstmal gar nicht mehr zu können. Der Liebste mahnt zum Glück recht regelmäßig, denn an dieser Stelle klaffen mein Selbst- und mein Fremdbild oft meterweit auseinander.

Jedenfalls ist heute wieder liegen angesagt und da die Sonne eh kaum mal rauskommt, bleibe ich direkt im Bett, statt auf den Balkon zu wechseln. Es folgt ein Tag voller erschöpftem Medienkonsum, Berieselungszeit it is. Ich schaue North Of North zu Ende, dann den sehr sehenswerten Film Rosenthal in der ZDF-Mediathek, dann die komplette neue Staffel How To Sell Drugs Online (Fast) UND auch noch eine Folge Richard Osman‘s House of Games.

Dazwischen gibt es natürlich auch einiges zu besprechen und koordinieren, ich telefoniere mehrmals mit dem Liebsten, seinem Papa und dem Teilzeitkind (Das sitzt im ICE und braucht Hilfe mit dem Bahn-WLAN, diese Kinder haben wirklich keine Ahnung von Technik ;)), es werden Pläne geschmiedet und Zugtickets gebucht.

Ein weiteres Highlight des Tages ist das Ausprobieren eines neuen Bärlauchpestos mit Orange und Mandeln nach diesem Rezept. Es schmeckt genau so lecker, wie es klingt. Ich mache mir dazu eine Portion Linguine, der Rest wandert mit Öl bedeckt in den Kühlschrank.

Leider scheine ich auch Bärlauch nicht mehr so gut zu vertragen wie früher (da gab es allerdings auch meist nur 1-2 Blätter auf die Stulle oder in den Quark, kein ganzes Büschel ins Pesto), ich habe den ganzen restlichen Tag und einen Teil der Nacht damit zu tun, dazu eh noch Kopf- und Fußschmerzen… Um 22 Uhr geht das Licht aus und der Schlafmodus an.

10.04.2025 – Freiheit

Heute nun also der Tag des nächsten Arzttermins, der ist aber erst nachmittags und bis dahin läuft alles ähnlich wie an allen Tagen. Mit dem Unterschied, dass es mich gleich morgens nach Masala Chai gelüstet und ich also in aller Herrgottsfrühe (oder kurz nach 8) in die Küche gehe und mir einen mache. Mit Ingwer, Kurkuma, Zimt, Steranis, Fenchelsamen, Nelken und Kumin. Tee, Zucker, Erbsenmilch, einmal unfreiwillig überkochen lassen, wie es die Tradition will, und dann zurück ins Bett, Chai schlürfen und der Morgenroutine nachgehen.

Irgendwann später stehe ich dann so richtig auf, mit Anziehen und allem Schnickschnack, mache mir Käsebrote und Gemüse zum Frühstück und setze mich damit und einer Mate raus auf den Balkon, auf den schon wieder ordentlich die Sonne brezelt.

Ich mache ein bisschen Kram auf dem Laptop und habe dann um 12 ein Webinar. Die Katzen erfreuen sich derweil der neuen Pflanzen, Nimbin guckt, Noosa latscht mitten durch.

Dann wird es Zeit für meinen ersten Ausflug ins Draußen seit neun Tagen. Ich bin ganz aufgeregt! Rucksack packen, Jacke anziehen, Müll mitnehmen und dann die Treppe runtergehen! Die Treppe! Schön langsam natürlich. Draußen dann erstmal überwältigendes Freiheitsgefühl, wie nach dem echten Lockdown. Und langsames durch die Welt schleichen, wie nach Covid-Infektion. Nach wenigen Schritten denke ich, dass ich den Fußweg zum Orthopäden wagen kann, alternativ hätte ich ein Taxi gerufen. Ich sehe noch ein paar Reste von der Kirschblüte, aber im Prinzip ist die vorbei. 40 Minuten brauche ich statt der normalen 20 und dann bin ich sehr froh, als ich im Wartezimmer sitzen kann. Der Fuß ist direkt ein bisschen mehr angeschwollen als heute morgen, aber sichtbar auf einem guten Weg. Hämatom nur noch an Zehen und Fessel, bewegen geht gut. Ich soll die Schmerzmittel weiter reduzieren, mich weiter schonen und keine Alpenüberquerung planen, kann mir aber wieder ein bisschen mehr erlauben.

Das mache ich dann auch direkt, verrückt, wie sehr die Psyche beiträgt. Schneller und runder als vorher mache ich mich auf den Rückweg – bis mich der Fuß dann doch wieder bremst und ich mein Tempo reduziere. Trotzdem, jetzt gehe ich halt doch noch schnell eben einkaufen: Verbrauchssachen auffüllen im Drogeriemarkt und im Bio-Supermarkt, wo mir auch noch ein Topf Liebstöckel und ein Piccolöchen für die Mitbewohnerin in den Korb springen. Und neben dem Biomarkt wird grad der Wochenmarkt abgebaut und ich wollte ja endlich Rhabarber essen und da liegt noch ein letztes Bündel aus dem Spreewald. Jetzt aber wirklich heim – ich könnte den schnellsten Weg nehmen oder einen kleinen Umweg machen und noch durch die Straße mit den Psychologial-Support-Magnolien laufen. Dann habe ich sie wenigstens einmal gesehen in diesem Frühling.

Sternmagnolien, fast hinüber

Langsam merke ich deutlich, dass es jetzt reicht mit der Lauferei, aber bis nach Hause muss ich noch, das lohnt nicht mehr fürs Taxi. Immerhin gibt es noch mehr Frühlingsblüten auf dem Weg und direkt ein Verslein in den Kopf.

Wo die Forsythien ihre Blütchen / durch die Hecken stecken

Wieder zuhause räume ich Einkäufe aus, stelle das Liebstöckel zu den anderen Balkonkräutern, übergebe der Mitbewohnerin gratulierend einen Geburtstagspiccolo und koche mir ein schnelles Rhabarberkompott, während ich mit dem Liebsten telefoniere. Dazu gibt es dann Vanilleis und gegessen wird wieder auf dem Bett. Noosa ist so froh, dass ich wieder da bin, dass sie sich vor lauter Freude auf mir aalt dabei völlig selbstvergessen mit dem Hinterkopf im Rhabarber-Vanilleeisgemisch landet. Ich putze das notdürftig mit einem Taschentuch ab, aber um das Finetuning wird sie ihren Bruder bitten müssen, ich werde sie nicht ablecken.

Dann ist erstmal ganz schön tilt. Ich gucke The White Lotus zu Ende und nicke dabei einmal kurz weg. Dann ist es Zeit fürs Abendbrot. Es gibt einen Salat aus Rest-Pellkartoffel, Postelein und Apfel mit Grüner Sauce als Dressing und vegetarischen Wiener Würstchen dazu. Der Rest Grüne Sauce (für eine weitere Mahlzeit irgendwann) wird eingefroren.

Das Spätabendprogramm wird dann von den ersten Folgen North of North bestritten, die seit heute endlich auf Netflix sind. Inuit-Alltag in Nunavut im 21. Jahrhundert, in witzig und authentisch, mit Kehlkopfgesang, kleinen Mädchen, die Caribous schießen, Einflechtung des Residential-School-Themas und all den typischen Klischees von Promiskuität, jungen Eltern, white saviors und schamanischen Visionen – wie bei Netflix üblich natürlich von und mit Inuit kreiert. Unbedingt angucken!

09.04.2025 – Leben auf 81 Quadratmetern

Also bis auf die 13, die im Zimmer der Mitbewohnerin sind, da lebe ich aktuell ja nicht. Ja, es ist immer noch Lockdown-Modus hier. Morgen geht’s wieder zum Orthopäden, das wird der erste Ausflug ins Draußen seit neun Tagen und ich bin zuversichtlich, dass er meine Heilungsbemühungen zu schätzen wissen wird.

Ansonsten hätte ich in den letzten Tagen beinahe darüber geschrieben, wie gut und viel ich derzeit schlafe, trotz Unterbrechungen. Zum Glück habe ich das nicht, gejinxt habe ich es trotzdem. Es wird wohl am Besuch liegen, dass die Katzen eher aufgeregt sind und etwa jede Stunde jemand meine Aufmerksamkeit haben will. Sehr stückelige Nacht heute also und durch einen frühen Wecker dann auch sehr kurz. 8:30 habe ich ein Webinar und da ich mir eine gemütliche Morgenroutine angewöhnt habe, klingelt der Wecker eine Stunde vorher (ganz entspannt wären zwei). Erst nach den 90 Minuten folgen dann das obligatorische Morgentelefonat mit dem Liebsten und die Bloggerei.

Danach ist Frühstückszeit. Ich mache mir tun ersten Mal Dalgona Coffee (wenn schon Lockdown, dann richtig). Dazu gibt es aufgewärmte Croissants aus der Lieferung gestern (leicht plattgedrückt aber sehr lecker) mit Holunderkonfitüre und einen Apfel. Auch bei 9-11 Grad ist es in der Sonne auf dem Balkon warm genug fürs Draußensitzen im T-Shirt. Ballert die Sonne neuerdings stärker oder direkter oder bin ich mit dem Alter empfindlicher geworden? Ich bleibe noch während Französisch und Italienisch draußen, dann zieht sich der Himmel langsam zu. Schnell was langärmeliges drüber ziehen und dann säe ich noch eben eine Runde Bienenwiese aus, im Großteil der verbliebenen Blumentöpfe.

Als Nächstes dann Lebensmittelverarbeitung. Teil der Lieferung gestern waren Kräuter für Frankfurter Grüne Sauce, ich erkenne Petersilie, Sauerampfer, Schnittlauch und Petersilie und dann ist noch eins dabei, das aber laut Recherche weder Pimpernelle noch Borretsch ist. Egal, wird schon schmecken. Ich putze die Kräuter, friere Petersilienstängel für zukünftige Italienisch-Kochereien ein, hacke die Kräuter, gebe Joghurt, Sahne, Senf, Zitrone, Pfeffer, Salz, Muskat und klein gehacktes Ei dazu und stelle das alles in den Kühlschrank.

Nächster Programmpunkt ist die Aufzeichnung eines Webinars, das ich wegen Terminkonflikten verpasst habe. Mitten rein kommt die Ankündigung über die Einigung zwischen CDU und SPD. Also schaue ich mir danach direkt die Pressekonferenz dazu an und lese dann den Koalitionsvertrag – erst sehr gründlich, dann nur noch überfliegend. Um die Feinheiten dürfen sich die Journalist*innen und Expert*innen kümmern, mich interessieren vor allem der Ton, interessante Formulierungen und natürlich die Aufteilung der Ministerien. Ich schicke dem Liebsten Screenshots zu für ihn wichtigen Themen und erinnere mich immer wieder, dass das nur ein Koalitionsvertrag ist, dass nichts davon ab demnächst gilt und dass die Zeit zeigen wird, was tatsächlich angegangen und umgesetzt wird.

Um mich trotzdem nicht zu sehr dabei aufzuregen gibt es Früchtetee und Mohnschnecke – ein bisschen Opium kann nicht schaden.

Irgendwann zwischendurch kommt der Besuch aus dem Zimmer und Noosa ist wieder außergewöhnlich mutig, sie bleibt einfach auf mir sitzen und lässt sich stoisch aus der Ferne bewundern. Heute Morgen ist sie sogar einfach zur Küche spaziert, um den Besuch zu beobachten. Das darf das Teilzeitkind nie erfahren, wenn es hier ist, ist Noosa unter meinem Bett und kommt nur raus, falls das Kind irgendwann schläft. Dann teilen sie sogar gerne ein Bett, bis zu dem Moment, wo das Kindelein sich das erste Mal rührt und Noosa wieder ein Geist wird. Selbst der Hase, der hier ja immerhin fünfeinhalb Jahre gewohnt hat, kriegt Noosa nicht mehr zu Gesicht, wenn er kommt. Wählerisches Miez. Nimbin ist da ganz anders, schon immer furchtloser und in letzter Zeit geradezu übergesellig, jeder neue Mensch könnte ja potenziell was zu essen dabei haben…

Am Abend gibt es dann weitere Folgen The White Lotus und Pellkartoffeln zur Grünen Sauce. Sehr lecker, obwohl ich der Versuchung widerstehe, Leinöl drüber zu kippen. Das wäre evtl. eins der Gerichte, mit denen ich den ehemaligen pakistanischen Mitbewohner doch noch überzeugen könnte, dass deutsches Essen nicht langweilig schmeckt (Es gab da eine lange Diskussion über Gewürze vs. Kräuter). Wahrscheinlich würde er aber trotzdem noch Chili oder wenigstens Gewürzketchup drüberkippen…

08.04.2025 – Leben schön machen

Das Mentorinnengespräch von gestern wirkt nach, heute wird ganz viel gefühlt und gedacht, das muss auch noch ne Weile vor sich hin brauen und ziehen und dann der Bodensatz von der Essenz trennen, bevor ich an die Hausaufgabe gehen kann, die sie mir gestellt hat.

Recht früh am Tag schreibe ich mit einer gesundheitlich eh arg gebeutelten Freundin, die mit COVID flach liegt, und zwar richtig – ja, auch 2025 noch, nach zig Impfungen und schon mehreren Infektionen. Der gemeinsame Lockdown-Modus verbindet, wir recherchieren, ab wann es endlich Erdbeeren gibt (noch 19 Tage bis Erdbeerhäuschen!) und sie empfiehlt mir noch einen anderen Lebensmittellieferdienst als den, den ich letzte Woche genutzt habe. Das probiere ich gleich aus und neben echt gutem zusätzlichen Angebot bekomme ich sehr konkrete Anregungen für das Kochen der nächsten Tage UND die ersten Pflanzen für den Balkon. Wird bestellt.

Apropos Balkon, da sitze ich von Frühstück (Rest Quarkauflauf mit TK-Pflaumen und Zimt) bis etwa halb 2, und zwar im T-Shirt, wobei ich trotzdem ordentlich schwitze. Trotz nur 12 Grad knallt die Sonne den Vormittag über ordentlich und ich trage bereitwillig Sonnencreme auf und muss immer wieder die Sitzposition justieren, damit Kopf, Fuß und Laptop möglichst im Schatten bleiben. Ich nehme da draußen nämlich auch noch an einem Webinar teil, das nochmal ordentlich in der Emotionen- und Gedankenbrühe herumrührt.

Halb 2 bedeckt Zeus dann seinen Himmel und die Sonne ist eh so gut wie um die Hausecke herum, jetzt werden die 12 Grad wahrgenommene Realität und ich wechsle aufs Sofa. Hier viel Denken und Recherchieren und gucken, was die Welt macht. Nebenbei trinke ich einen Smoothie (Restbananen, Restorangen, TK-Himbeeren, Kokoswasser) und esse eine Stulle.

Ich weiß nicht, ob ich schon oft genug gesagt habe, dass sich der Newsletter von Lukas Heinser wirklich sowas von lohnt. Das ist eine der Mails, die ich nicht sofort schnell überfliege, wenn sie eintrudeln. Die hebe ich mir für einen ruhigen Moment auf, lese sie mit Gusto und gerne mit einem Getränk in der Hand. Ich weiß nämlich, dass ich aus der viele neue Tabs aufmachen werde. Seit ich vor knapp 20 Jahren oder so Coffee & TV entdeckt habe, schafft Lukas es immer wieder, Sachen, die mir wichtig sind (Bücher, Musik, Filme und so) so zu beschreiben, dass ich mich darin wiederfinde und Sachen, die ihm wichtig sind, so zu beschreiben, dass ich sie zumindest kennenlernen will. Und dann ist er auch noch ganz schön klug, nicht umsonst war er Bildblog-Chef (als ich mir quasi mit dem Bildblog ein Büro teilte, leider haben wir uns trotzdem nie gesehen), stark gemerkt hat man es auch damals im Podcast mit Friedrich Küppersbusch, auch wenn mir der manchmal insgesamt zu westdeutsch war in Haltung und Sichtweise. Aber auch ganz aktuell ordnet Lukas Sachen so ein, dass ich mich hinterher schlauer und gelassener fühle, zum Beispiel im aktuellen Newsletter. Also – Blog lesen, Newsletter abonnieren, geht für umme oder auch für Geld!

Folgerichtig habe ich dann erstmal von Lukas besprochene Musik auf den Ohren, während es weiter durch den Tag geht. Recherche, Orga, Korrespondenz, Denken, Fühlen. Die Lieferung kommt dann bald an und ich habe zu tun: Einkäufe ver- und Papiertüten wegräumen, frisches Brot in Scheiben schneiden und einfrieren, Kräutertöpfe in die Balkonkästen verteilen.

Zum überwinterten Rosmarin kommen Thymian, Minze, Petersilie, Estragon und Salbei. Der Basilikum steht in der Küche, wo das Licht nicht so direkt ist. Dill, Schnittlauch und Koriander habe ich im Tiefkühlfach, Oregano und weiteres getrocknet. Zitronenmelisse wäre aber noch schön, die gab es leider nicht bei diesem Lieferdienst

Wäsche zusammenlegen und neue aufhängen muss ich auch noch, all das geht mit der aktuellen Fußsituation langsamer als normal. Dann ziehe ich noch von der Couch ins Arbeitszimmer um, für die letzten Webinare des Tages. Meine Mitbewohnerin hat nämlich seit eben für mehrere Tage Besuch – Noosa verhält sich ungewohnt mutig, bleibt aber immer mindestens einen Raum entfernt.

Nach den Webinaren könnte ich mir dann was Schönes kochen von den vielen Gerichten, die ich mir beim Einkaufzusammenstellen vorgestellt habe, muss aber feststellen, dass ich auf keins davon jetzt so richtig Lust habe. Also bestelle ich folgerichtig Sushi, nach dem es mich schon seit Tagen gelüstet. Es gibt eine Rainbow Roll und gebackene Mango mit Erdnüssen und Kokossauce. Beides wirklich gut und lecker, aber optisch hat es unter der Verpackung und Lieferung schon arg gelitten.

Dazu und danach schaue ich die ersten beiden Folgen der eben abgeschlossenen The White Lotus-Staffel (hatte kurz überprüft ob ich lesen möchte, aber dem war nicht so). Nebenbei schreibe ich mit dem baskischen Freund in Liverpool, der heute Geburtstag hat und unglaubliche 33 wird. Wir kennen uns seit er 19 war, haben seinen 20. zusammen über Skype gefeiert und zuletzt gesehen haben wir uns vor inzwischen neun Jahren. Spätestens nächstes Jahr müssen wir das wieder hinkriegen!

Und dann lasse ich den Abend mit einer Woche (fünf Folgen) von Richard Osman‘s House of Games ausklingen. Die hat Lukas heute auch empfohlen, aber das ist einer der Fälle, wo ich vorher schon Fan war (seit die Schwester des Liebsten mich vor 10 Tagen drauf brachte, hust.)

07.04.2025 – Lockdown reloaded

Mit so nem Fuß, der nicht laufen soll, ist man ja ganz schnell wieder im Lockdown-Feeling drin. Inzwischen ist das gut eingeübt, ich kann mich sehr gut beschäftigen, alles Wichtige wird geliefert oder durch andere organisiert, ich nutze den Balkon täglich so lange es die Temperaturen zulassen und langweilig wird mir garantiert nicht, die Tage fliegen nur so vorbei. Und doch, da draußen frühlingt es heftig und an mir vorbei, die blühenden Bäume finden nur auf Fotos statt (und von meiner Freundin in Bielefeld gemalt) und ich musste schon einige spannende Unternehmungen absagen. So langsam würde ich gerne wieder am Leben draußen teilnehmen, vor allem mit Blick auf alles, was ich die nächsten Wochen vorhabe… Und hey, das mit dem Sport hatte ich gerade wieder einigermaßen im Griff, der Arm gerade genug geheilt… Es ist alles unfair, wie mir bekannte Kinder sagen würden.

Heute jedenfalls Balkonzeit bis kurz nach 12, es ist zu wolkig. Zum Frühstück gibt es Quarkauflauf mit Banane und Zimt, die letzte Portion bleibt dann für morgen.

Ausnahmsweise mal gar keine Serien gucken, dafür ein bisschen produktiv sein – Buchhaltung, Dokumentation, Planung, bisschen Onlinekurs…

Zum Mittag Avocadobrot mit Koriander und Tomate, dann ein sehr interessantes YouTube-Video. Ryan Wass ist Amerikaner und macht Videos über Deutschland. Er kennt sich ein bisschen damit aus, aber nicht allzu sehr, es ist eine Außenseiter-Perspektive. In diesem Video macht er den Wahl-o-mat zur letzten Bundestagswahl und es ist sehr interessant, ihn bei seinen Überlegungen zu den einzelnen Fragen zu beobachten. Manche sind einfach, für andere fehlt ihm der deutsche Kontext oder er bewertet sie sichtbar aus amerikanischer Lebenserfahrung heraus. Ich kann zusehen, wie wohlmeinende Leute aus mangelndem Verständnis zu für mich falschen Schlüssen kommen, das ist auch für den deutschen Kontext wichtig. Manchmal liegt es auch an der Übersetzung, er lässt die Fragen vom Browser übersetzen, der Sinn wird manchmal verfälscht und führt in die Irre. Witzig ist auch, dass der Browser den SSW mit „weeks of pregnancy“ übersetzt.

Das Ergebnis am Ende ist faszinierend, seine Zustimmungswerte zu den Parteien liegen zwischen 48 und 62 Prozent und das Feld ist von links nach rechts extrem durchmischt. Der Liebste und ich hatten beide Höchstwerte in den 90ern und mein niedrigster Wert (AfD) war bei 7 %. Das ist dann wohl der Einfluss des politischen Diskurses? Würde jetzt gerne einen Wahl-o-maten für ein Land machen, mit dem ich mich politisch halbwegs auskenne – USA, Kanada, Großbritannien oder Italien wären sicher die vielversprechendsten Kandidaten.

Am frühen Abend bringt der Lieblingsnachbar mir das Paket, das DHL am Samstag nicht bringen wollte – kein Wunder, es hat fast 30 kg und fällt fast auseinander. Ich werde mich ein weiteres Mal über die Verpackung beschweren müssen. Zum Glück hat der Lieblingsnachbar eine Sackkarre.

Noch später habe ich dann noch mein monatliches Gespräch mit meiner Mentorin, wir erzählen uns die letzten Wochen, machen ein paar spannende Übungen und ich bekomme eine Hausaufgabe, die sehr gut passt in die Zeit des gefühlten Lockdowns, ich werde viel zu denken und zu schreiben haben.

Ziemlich spät gibt es dann Abendbrot – Pellkartoffeln mit Butter, Salz, Heringshappen und dem Rest frisches Grünzeug.

Gegen 11 dann plötzlich überwältigende Müdigkeit. Noch fix ins Bad, dann Medikamentencocktail einwerfen (zwei chronische, zwei akute), Fuß salben und neu bandagieren und dann geht es ab in die Heia.

06.04.2025 – Sonntag eben

Routiniertes Nichts- bis Wenigtun inzwischen. So halb hängt ein Besuch des kleinsten Cousins in der Luft, der geboren wurde, als ich für meine mündliche Abiprüfung lernte und inzwischen Medizin studiert (How? When?), aber am Ende ist es so wie oft bei Berlinbesuchen von Auswärtigen: Die Nacht war zu kurz, der Brunch zu mächtig, die Abendpläne rufen schon – wir vertagen uns, beide nicht unglücklich. Dit is Balin.

Mein Brunch ist auch mächtig, aber vor allem mächtig lecker. Inspiriert von des Teilzeitkinds neuer Omelette-Obsession mache ich mir auch eins – orientalisch angehaucht, mit Zwiebeln, Spinat, Cumin und grüner Chili. Dazu Bagel mit Butter und schwedischer Kaviarcreme, Bagel mit Pistaziencreme, Apfel, Schokokaffee und Orangensaft mit Kokoswasser.

Ich verbringe dreieinhalb Stunden mit Kleiner-Parteitag-Gucken, freue mich über viele der Reden, google den Redner*innen hinterher, reibe mich an Habecks Spruch mit der „Zentrumspartei“ und Baerbocks Ansicht, man müsse gerade für die Leute im Osten eben auch kriminelle Ausländer*innen abschieben wollen. An der Stelle bin ich mehr bei Gysi – kriminell ist kriminell und gehört erst einmal durch Rechtssystem geschleust und bestraft, danach kann man immer noch gucken, ob weiter geblieben werden darf oder nicht. Und bei Zentrumspartei rollen sich gleich verschiedenste Fußnägel hoch, historisch wie aktuell betrachtet. Schön aber die Rede von Lukas Beckmann und die vielen Beiträge von jungen Parteilinken, von denen ich jetzt einigen neu auf Instagram folge.

Nach der Politik dann weiter Bildung, eine Folge La legge di Lidia Poët, diesmal mit italienischen Untertiteln und damit ohne Verständnis für alle Feinheiten des Falls, dafür Sprachgefühl trainiert und Smalltalk verstanden. Ist aber anstrengender als mit deutschen Untertiteln, deswegen wechsle ich bald darauf zum nächsten Buch: Morten A. Strøksnes – Das Buch vom Meer, es liest sich heiter und dicht und macht viel Nachschlagen und Recherchieren… Und muss dann auch wieder unterbrochen werden.

Ich bastele mir zum Abendbrot einen Quarkauflauf, nach diesem Rezept, mit TK-Himbeeren dazu.

Nach all den intellektuellen Stimulationen des Tages beschließe ich den Abend mit den letzten Folgen der 5. Staffel Schitt‘s Creek. Das ist genau ausreichend für meine Aufnahmekapazität.