07.09.2025 – CCT 2025 – Tag 3

Heute Nacht etwas unruhiger geschlafen, denn nebenan lagen eine Cousine samt kleinem Kind, das mittendrin unvermittelt „Mama, Tee!“ sagte. Ab da nur noch gestückelt gedöst, aber trotzdem insgesamt recht lange geschlafen. Irgendwann fange ich an, das Internet leer zu lesen, zu bloggen und die täglichen Rätsel zu machen. Dann ist schon ordentlich Frühstücksbetrieb und ich schnipple Obst und zeige, wo Sachen sind und decke den Tisch und hole den Sekt raus… Irgendwann sind alle da und setzen sich an die reich gedeckte Tafel.

Nach dem Essen wieder ein wilder Mix an Aktivitäten. Die einen waschen ab, die anderen spielen, eine geht werkeln und der Rest führt hochpolitische Gespräche – alles wie immer. Nach und nach verlagert sich das Geschehen dann wieder nach unten an den Steg, bzw. in den See. Ich folge, nachdem ich meine Französisch- und Italienisch-Übungen erledigt habe.

Das Wasser fühlt sich ähnlich an wie gestern, die Luft etwas wärmer. Ich schwimme ordentlich und verabschiede mich innerlich von dem Gedanken, am Dienstag nochmal ins Freibad zu gehen. Der See ist ein viel schönerer Abschluss der Draußenbadesaison und am Mittwoch habe ich eh wieder Drinnen-Chlorstrampeln eingeplant.

Viel zu schnell vergeht der Nachmittag und dann geht auch schon wieder das große Packen, Aufräumen und Resteverteilen los. Die Potsdamer Cousine fährt mit den Kindern als erste los (morgen ist erster Schultag!), ich schließe mich den Friedrichshainer Cousinen im nächsten Auto an. Mein Bruder und seine Freundin bleiben noch bis morgen und genießen die Ruhe nach dem Sturm.

Eine gute Stunde brauchen wir bis zurück in die Stadt und nehmen explizit einen Weg, der uns nicht über das Chaos von A100 und Elsenbrücke führt. Im Radio laufen die 100 besten Disco-Hits, auch der Haussender feiert den letzten Sommersonntag – zum Glück sagt der Wetterbericht anderes, was ja auch der Grund dafür ist, dass die Freibadsaison verlängert wurde.

In Friedrichshain verabschieden wir uns und ich fahre mit U-Bahn und Tram zurück in den Pberg (ab morgen fährt auch die Ringbahn wieder durch, juhu!).

Zuhause erstmal Katzen kuscheln, dann auspacken und auf den Balkon. Ich mag nicht kochen und nicht Stulle essen, also bestelle ich zum ersten Mal seit wirklich langem mal wieder etwas, ist ja Sonntag. Ich bin auch ganz aus der Übung – erst bestelle ich etwas aus Versehen zum Liebsten und muss direkt danach stornieren (Er sitzt auch gerade mit dem Teilzeitkind beim Stammitaliener und feiert Ferienabschluss, sonst könnte er das ja essen…), dann stelle ich eine fast baugleiche Bestellung für hier zusammen, aber das Restaurant nimmt derzeit keine Bestellungen entgegen. Beim dritten Versuch klappt es dann. Ich überbrücke die Wartezeit mit Katzenklos durchsieben und dann ist das Essen auch schon da.

Frühlingsrollen, Wan Tans, gedämpfte Dumplings, Tofu-Spieß, Salat – alles vegan, dazu drei Dips und hinterher Mango-Crêpe-Kuchen. Pflaumen-Kardamom-Limo vom Balkon und im Hintergrund ein Kater-Plüscharsch

Ich telefoniere beim Essen mit dem inzwischen heimgekehrten Liebsten. Dann lese ich in Kairos weiter, nehme das Buch dann mit in die Badewanne (das Seewasser muss aus den Haaren raus) und später mit ins Bett. Draußen ist Blutmond, aber dafür müsste ich raus auf die Straße und das Internet ist eh voll mit Fotos. Also lesen. Die Kost wird immer schwerer, ab der Hälfte ungefähr ist nicht mehr nur der Altersunterschied verstörend, sondern auch (psychischer) Missbrauch. Ich lese bis nach Mitternacht, dann fallen mir die Augen zu.

06.09.2025 – CCT 2025 – Tag 2

Diese Ruhe im Wald! Und die Cousine neben mir schläft viel ruhiger als die Katzen. Außer einer kurzen Unterbrechung gegen 7 schlafe ich wie ein Stein bis nach 9. Dann koche ich mir einen Tee und laufe mit der Tasse zum See hinunter, von wo mir aber schon mein Bruder und die Cousins mit Kaffee in der Hand entgegenkommen, und zwar frisch gebadet. Dann geht es ans Frühstück machen für neun Erwachsene und zwei Kinder.

Wir speisen an der großen Tafel im Wald. Dann müssen die Cousins aufgrund kernfamiliärer Verpflichtungen schon wieder los, zurück an die Ostsee. Für die anderen geht es an Haus- und Gartenarbeiten oder hinunter auf den Steg. Nach einer Weile ziehe ich mich von da zurück für den ausführlichen morgendlichen Reboot. Hinterher sitze ich wieder mit unten und alle warten, dass es die Sonne endlich über die Bäume schafft – Herbst eben. Dann wird aber endlich ausführlichst gebadet und geschwommen, das Wasser hat immerhin immer noch 22 Grad! Hinterher wieder warm werden klappt oben auf der Lichtung im prallen Sonnenschein und mit einer Tasse Tee besser. Als alle wieder wohltemperiert sind, geht es hinüber in den Hafen vom Dorf, Eisbecher essen.

Erdbeerbecher mit bei mir Milchreis-, Haferkeks- und Quark-Orangeneis

Zurück zuhause ist es dann Zeit für den kategorischen Aperitif auf dem Steg – wir können es ja auch nicht ändern!

Zum Glück ist die Küche so klein, dass danach nicht alle Abendbrot machen können. Ein paar von uns bleiben also sitzen und freuen sich über den See.

Dann großes Pastaessen an der Tafel unter den Bäumen – mit Pilzsauce, Tomaten-Gemüse-Sauce und zwei Sorten Pesto, dazu Feta, Salate und Reste vom Grillfleisch, je nach Wunsch. Der Abend klingt dann mit einem Erdbeer-Daiquiri an der Feuerschale aus, gegen Mitternacht schon liegen alle in den Federn…

05.09.2025 – CCT 2025 – Tag 1 #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Ich erwache zunächst kurz vor 5 und kann dann erstmal gute zwei Stunden nicht mehr einschlafen – war doch nicht so klug, gestern Abend keine Schmerztablette mehr zu nehmen. Dann ratze ich aber doch noch mal weg bis kurz vor halb 9 der Liebste anruft. Danach dann der übliche morgendliche Reboot (Timelines, Bloggen, Französisch, Italienisch, Wordle, Connections, Strands, Mini Crossword, Spelling Bee, Past Puzzle, Ciddle, Foodguessr), Balkonfrühstück (aus Gründen die Reste panierter Auberginen, Tsatsiki und Pflaumen) und Matcha Latte, dann Medikamente, Physio-Übungen, Rotlicht auf den Rücken, tagfein machen, Rucksack fürs Wochenende machen und dann geht es um 12 aus dem Haus.

Heute beginnt nämlich das jährliche CCT, das Cousins- und Cousinentreffen. Vor Jahren als Enkeltreffen mit Oma gestartet, inzwischen schon seit 13 Jahren ohne Oma… Dafür mit zwei Nichten zweiten Grades (der Neffe zweiten Grades zahnt gerade und bleibt daher zuhause). Dieses Jahr machen wir das Treffen bei Brüderchen und Freundin im Haus am See. Ich fahre mit zwei Trams nach Friedrichshain, steige dort zu Bruder und Freundin ins Mietauto und dann fahren wir raus nach Brandenburg.

Erstmal fahren wir einen Getränke- und einen Supermarkt an und kaufen für ein Wochenende mit neun Erwachsenen und zwei Kindern ein. Dann geht es raus an den See. Auto ausladen, Einkäufe verräumen, Restekuchen aufwärmen und mit Eis dekorieren und dann erstmal Päuschen unter Bäumen.

Die weitere Wartezeit überbrücken wir mit einem traditionellen Sektchen mit Erdbeeren und dann kommt schon das erste weitere Auto an – die Potsdamer Cousine mit ihren beiden Kindern. Sie bekommen eine Führung über das Grundstück, Sekt bzw. O-Saft und dann sitzen wir erstmal unten auf dem Steg.

Als Nächstes kommen die beiden Rostocker Cousins an, bekommen ebenfalls die Führung springen dann direkt ins Wasser. Kurz darauf trudeln die beiden Friedrichshainer Cousinen plus einem Anhang ein und bekommen die Tour. Der Münchner Cousin hat leider keine Zeit dieses Wochenende.

Jetzt kommt langsam Bewegung in die Meute – zwei Zelte werden aufgebaut, einige springen nochmal in den See, der Grill wird gereinigt, Gemüse wird geschnippelt, Salate werden zusammengebaut und die große Tafel unter den Bäumen wird erweitert und beleuchtet. Als endlich alles fertig ist, ist es schon dunkel. Das Essen ist kaum sichtbar, aber köstlich und die Gesellschaft natürlich wunderbar.

Nach dem Essen gehen die beiden Kinder ein bisschen Fernsehen und bald darauf ins Bett. Die Erwachsenen kümmern sich um den Abwasch und wechseln von der Tafel an die Feuerschale. Es gibt diverse Getränke und viel zu erzählen und zu lachen. Nach und nach verschwinden denn alle in die Betten, ich gehöre gegen 1 zu den Letzten und vergesse diesmal nicht die Schmerztablette.

04.09.2025 – Regeneration

Gestern noch den Sporttermin für heute abgesagt und den Tag dann nach dem morgendlichen Reboot und Kuchenfrühstück mit Rotlichtlampe und sanftem Yoga begonnen – es geht bergauf mit der Schulter. Trotzdem noch unsicher, ob ich es zu meinem Abendtermin schaffe, aber die Zweifel lassen über den Tag hin nach.

Statt Schreibtisch dann heute aber Sofa mit Füße hoch, auch da kann ich produktiv sein. Organisatorisches, ein bisschen Denksport, Recherchen und dann geht sogar noch ein Projekt nach draußen. Läuft. Zum späten Mittagessen gibt es Reste von Auberginen und Tsatsiki, dann dusche ich nochmal heiß, lese beim Haaretrocknenlassen weiter in Kairos und breche dann kurz nach 17 Uhr auf Richtung Mitte.

Dort habe ich noch ein wenig Zeit und erledige Einkäufe im Drogeriemarkt (Wo ich schon den rückenfreundlichen Rucksack dabei habe…) und dann geht es zum Networking-Event. Drei mal 20 Minuten wird an insgesamt fünf Tischen zu verschiedenen Themen diskutiert, danach gibt es Catering und freies Plaudern.

Ich nutze die Zeit neben dem Essen (Caprese-Wrap, Lachs-Avocado-Bagel, Buttermilchhühnchen in scharfer Tomatensauce, Salat mit Ziegenfrischkäse und Feigen…) und spreche nochmal ausführlicher mit ein paar Leuten, die ich in den drei Diskussionsrunden getroffen habe. Es wird dann direkt auf LinkedIn vernetzt und teilweise auf der Heimfahrt schon hin und her geschrieben.

Schon 20:30 ist das Event nämlich wieder vorbei und ich laufe zum x-ten Mal in der letzten Woche wieder durch den Bahnhof Friedrichstraße (auch das sonst nie so oft). Der kommt heute auch im Buch vor, das passt gut. Wieder zuhause ein kurzer Plausch mit der Mitbewohnerin, einen Gin Tonic mixen als Muskelrelaxans und dann geht es auf den immer noch warmen Balkon, weiterlesen.

Als das Getränk alle ist, ist es auch kühl. Noch eine Runde Rotlicht und dann geht es ab ins Bett.

03.09.2025 – Erzwungene Langsamkeit

Verrückt, jetzt ist der Schulter-/Rückenschmerz vom Sonntag zurück, nachdem er schon quasi vergessen war. Mitten in der Nacht weckt er mich und dann ist erstmal alles schwierig. Positionen finden, in denen es kurzzeitig geht, sich unter unterdrücktem Schreien in diese Positionen bewegen, zwischendurch von zwei Katzen bekuschelt, bekrallt und weiter räumlich eingeschränkt werden, diverse Versuche zur Schmerzlinderung (Ibuprofen innerlich, Voltaren äußerlich, Toilettengänge, Physio-Übungen, Massagekissen, Heizdecke unter das Bettlaken applizieren…) jeweils unter Schmerzen… Nach knapp zwei Stunden beginnen sie in der Gesamtheit zu wirken und ich kann nochmal ein bisschen einschlafen.

Iced Matcha Latte, Pflaumenkuchen, Aprikosen

Beim Aufwachen ist es besser, aber ich bleibe den ganzen Tag eingeschränkt. Ausführliche Physioübungen, mehr Ibuprofen, immer wieder dehnen, immer wieder Massagekissen… So komme ich irgendwie durch den Tag, vermeide aber alle nicht nötigen Anstrengungen. Ein frühmorgendliches Webinar klemme ich mir und werde mir später die Aufzeichnung anschauen. Später sitze ich aber doch am Schreibtisch und bin produktiv. Zwischendrin mache ich mir aus Crowdfarming-Gemüsen panierte Aubergine mit Tsatsiki – sehr lecker!

Danach versuche ich Mittagsschlaf, lese aber schmerzbedingt hauptsächlich in Jenny Erpenbecks Kairos und nicke nur zwischendurch mal kurz weg. Bisher liest es sich gut, wenn ich den Altersunterschied der Protagonist*innen ausblende, kann ich mich auch gut hineinfühlen. Mal gucken, was noch kommt.

Am späten Nachmittag mehr Schreibtischarbeit und nochmal zwei Webinare. Dann mixe ich mir einen Gin Tonic zur (körperlichen) Entspannung und gehe in den monatlichen Call mit meiner Mentorin, der gute Impulse gibt. Für die direkte Umsetzung bin ich aber zu unkonzentriert und kann auch langsam echt nicht mehr sitzen. Stattdessen geht es halb 10 in die heiße Badewanne, um 10 vor die Rotlichtlampe (Ergänzung zu den vorherigen Maßnahmen, ein Vorschlag der Mentorin – ich hatte ganz vergessen, dass ich eine habe…) und dann mit Buch ins Bett. Inzwischen geht es ein bisschen besser und ich kann ganz manierlich einschlafen, durch nicht, aber es gibt keine so furchtbare Phase wie letzte Nacht. Baby Steps…

02.09.2025 – Schön langsam

Nach dem ersten Aufwachen kurz nach 6 nochmal ordentlich weggeratzt und dann erst nach 9 wach gewesen. Wie wundervoll das war! Möglicherweise hatte ich etwas Schlaf nachzuholen. Ausführlicher morgendlicher Reboot noch im Bett und aufstehen dementsprechend erst gegen 11. Manchmal ist es auch schön, Klischees zu entsprechen. Dann mache ich mir aber ganz unklischeehaft ein aufwendiges Frühstück und bereite aus Crowdfarming-Tomaten, -Paprika und -Chilis, einer Zwiebel, Knoblauch und einem Rest passata Shakshuka zu – mit zwei Eiern, TK-Koriander und einem Bagel. Dazu der letzte Joghurt, die letzte Moltebeerenmarmelade und ein grüner Tee.

Damit geht es dann direkt an den Schreibtisch, denn es ist kühl und regnerisch, was möglicherweise zum späten Wachwerden und Aufstehen beitrug. Ich erledige die notwendigen Dinge und nehme dann an einem ganz spannenden Webinar teil, das noch einige Nacharbeiten nach sich zieht.

Am späten Nachmittag zieht es mich dann nochmal aufs Sofa und ich lese Die Möglichkeit von Glück aus. Sehr viele Gedankenanstöße über die Beschaffenheit der ostdeutschen Seelen, auch wenn ich mir daraus keine allgemeingültigen Erklärungen für heutige Wahlergebnisse ableiten mag. Eher mal selbst reflektieren und abgleichen mit meinem Umfeld von damals, den Erzählungen und Erlebnissen. Bei einigem ahne ich schon, dass etwas dran ist, wenn auch nicht in der Vehemenz wie im Buch. Nunja, Denk- und Gesprächsstoff für die nächsten Wochen. Ich lege dann auch gleich noch die nächste Lektüre an und leihe mir Jenny Erpenbecks Kairos aus, das in meiner Blase sehr unterschiedlich besprochen wird, thematisch aber gut anschließt.

Das Loslesen muss ich aber verschieben, denn ich habe heute tatsächlich noch einen Termin im Draußen und muss mich also stadtfein machen und rechtzeitig das Haus verlassen. Sonst bin ich quasi nie in Neukölln und noch viel nier am Tempelhofer Feld, jetzt häufen sich die Male plötzlich. Ich bin ein bisschen zu früh am Treffpunkt und schaue also nochmal kurz auf dem Feld nach dem Rechten. Es ist gerade Regenpause und sofort wieder voll. Verstehe jetzt inzwischen die Leute, die jegliche Randbebauung ablehnen.

Um 19 Uhr dann Treffen mit einer Timeleft-Bekanntschaft von vor dem Urlaub. Wir setzen uns vor ein Bistro in ihrem Kiez, essen und trinken sehr gut und haben uns viel zu erzählen. Anders als letzte Woche in Kreuzberg taucht aber nicht gleich die halbe Nachbarschaft auf und verwickelt mich in Gespräche. Dafür gehen wir zu zweit sehr tief ins Detail und schmieden gegen Ende noch ordentlich Pläne. Ein schöner Abend!

Rote-Bete-Spätzle mit Walnüssen, Pfifferlingen und Babyspinat, Yuzu-Holunder-Spritz, später noch Ingwer-Tee

Gegen halb 11 wird es kühl, ich werde müde und der Rücken goutiert den Stuhl nicht mehr. Also fahre ich mit U-Bahn und Tram nach Hause, versorge die Katzen und mache mich bettfertig. Dann lade ich mir noch Tidal herunter und ziehe meine Musik von Spotify dahin um (mit nur sehr wenig Streuverlust, es fehlen am Ende fünf Songs von meinen 1611 Lieblingssongs, das werde ich verschmerzen können). Bis meine Premium-Mitgliedschaft bei Spotify abläuft, werde ich beides noch parallel nutzen, dann Spotify nur noch zum Hitster spielen und halt bei Bedarf, aber mit Werbung.

01.09.2025 – September und Berlin fast ohne Besuch

Gegen 6 klingelt der Wecker der Mitbewohnerin, gegen 7 verlässt sie das Haus, gegen 8 klingelt der Wecker des Besuchs und als sie eine halbe Stunde später los ins Büro fährt, bin ich auch schon aufgestanden für eine vernünftige Verabschiedung. Danach gibt es Matcha Latte und Pflaumenkuchen zum Balkonfrühstück und einen ausführlichen morgendlichen Reboot inklusive endlich wieder Physio-Übungen. Hinterher versetze ich die Wohnung nachbesuchlich wieder in ihren Originalzustand zurück und setze mich eine erste Runde an den Schreibtisch.

Gegen Mittag fahre ich hinüber zum alten Büro und gehe mit dem Besuch und drei anderen ehemaligen Kolleg*innen essen. Für mich gibt es ein Sushi-Menü und vietnamesischen Eistee mit unter anderem Pfirsich.

Dann geht es noch auf einen Kaffee hoch ins alte Büro, ein bisschen gucken, was sich seit dem letzten Mal verändert hat (nicht so wahnsinnig viel) und dann heißt es endgültig Abschied nehmen vom Besuch – für sie geht es nach Feierabend direkt zum Flughafen und nach Hause nach Madrid. Die anderen sehe ich bestimmt früher wieder, aber sie bekommen auch eine Verabschiedung. Dann fahre ich wieder zurück nach Hause und setze mich mit Limettenwasser und Nimbin wieder an den Schreibtisch.

Einigermaßen früher Feierabend heute, ich bin ein bisschen ausgelaugt von den vielen vielen Schritten und Worten der letzten Tage und gönne mir ein ausgiebiges Nachmittagsschläfchen mit beiden Katzen auf der Couch. Danach gibt es Tomatenbrot (südstaatlerisch mit Mayo), Pflaumen und Schokolade zum Abendbrot, außerdem ein von der Mitbewohnerin spendiertes Eis.

Den Rest des Abends vertiefe ich mich völlig in Anne Rabes Die Möglichkeit von Glück, das mich ganz schön mitnimmt und durchschüttelt. Ich lese es mit Noosa und dem Rest Federweißer (jetzt fast zuckerfrei) auf der Couch, später in der Badewanne und noch später im Bett. Eigentlich könnte ich es auch gleich ganz durchlesen, aber dann übermannt mich die Müdigkeit doch noch, bevor der Besuch gegen 1 in Madrid landet. Dann also morgen!

31.08.2025 – Berlin mit Besuch – Tag 3

Puh, nachdem die letzten Tage ein wilder Ritt waren (und mich die Schulterschmerzen den Großteil der Nacht vom Schlafen abhielten), lassen wir den heiligen Sonntag wie es sich gehört ruhiger angehen – auf Berliner Art, versteht sich.

Als wir beide ausreichend wach sind (und nach dem morgendlichen Reboot bei mir, inkl. Voltaren äußerlich und Ibu innerlich), treffen der Besuch und ich uns auf eine Wostok-Limo auf dem Balkon – Estragon-Ingwer für mich, Tannenwald für sie. Dann machen wir uns tagfein und gehen fürs Frühstück hinunter ins Stammcafé. Es gibt Avocado-Bagels, Cookies (für mich Ingwer) und Iced Coffee Latte bzw. Heiße Schokolade. Außerdem viel Sonne, viel Atmen, viel Reden.

Nach dem Bezahlen laufen wir durch eine andere Ecke vom Kiez zur S-Bahn und fahren zum Treptower Park. Ein Getränk auf die Hand vom Kiosk und dann spazieren wir zum Sowjetischen Ehrenmahl.

Dann setzen wir uns ans Wasser, begucken Seerosen, Hausboote und eine arabische Geburtstagsfeier und ich erzähle dem Besuch von Kiezdeutsch, das mit viel wallah immer wieder zu uns herüberklingt.

Isch telefoniere noch kurz und dann gehen wir Ausflugsboot. (Ups, das war cringe von mir.) Am Pier treffen wir den Liebsten und dann geht es auf eine gut dreistündige Bootstour nach Osten, über Köpenick bis auf den Müggelsee und zurück, mit Schörlchen und Kuchen und weiterhin viel Sonne. Hinter uns erzählen sich zwei gesetzte Damen in tiefstem Berliner Dialekt von ihren Erfahrungen mit Dating-Apps und vergleichen Erlebnisse mit dem gleichen Mann.

Kurz nach 18 Uhr legen wir wieder an, verabschieden den Liebsten an der S-Bahn und fahren zurück auf den Balkon für einen Aperitivo mit weiter fermentiertem Federweißer.

Dann gibt es zum Abendbrot die Reste vom Flammkuchen und Before Sunset und Before Midnightfull circle moment. Dann geht es kurz nach 23 Uhr, im Vergleich zu den letzten Tagen also ungewöhnlich früh ins Bett, nach auch „nur“ 10.800 Schritten. Dafür mit Aloe Vera auf dem Sonnenbrand, der sich trotz Eincremen als zusätzliche Schmerzquelle auf meinen Schultern breitgemacht hat. Ich schlafe trotzdem erstaunlich gut.

30.08.2025 – Berlin mit Besuch – Tag 2

Die Nacht ist länger als die letzte, das ist schonmal sehr super. Leider wache ich mit Schulterschmerzen auf, das ist viel weniger super. Ich knalle mir eine Ibu rein, um Schonhaltungen zu vermeiden und komme so eigentlich ganz gut durch den Tag. Nach dem morgendlichen Reboot steht erstmal ein typisch deutsches Frühstück auf dem Balkon auf dem Plan. Brötchen, Frühstücksei, man kennt das. Für den französischen Besuch hingegen ist das schon das erste touristische Erlebnis heute. Ergänzt wird das typisch Deutsche um südafrikanischen Rooibos-Cappuccino, Brunost und Moltebeerenmarmelade aus Norwegen und Blutorangenmarmelade aus Italien.

Nach dem Essen machen wir uns tagfein – heute ist wieder richtig Sommer – und laufen dann mit einer Wegmate für das richtige Berlin-Feeling los durch den Prenzlauer Berg. In der bayerischen Bäckerei gibt es zwei Brezn für später, dann geht es durch den Mauerpark und mitten ins Gewühl des Zug der Liebe, der heute stattfindet. Wir sind pünktlich zum offiziellen Startpunkt da, aber natürlich dauert es noch anderthalb Stunden, bis sich der Zug in Bewegung setzt. Bis dahin schauen wir uns ein bisschen die verschiedenen Wagen und das Publikum an, kaufen vielleicht letzte Beeren am Erdbeerhäuschen und bekommen Nachricht von indischen Freund*innen des Besuchs aus Dublin, die zufällig auch gerade in Berlin sind. Wir abreden uns für später.

Der Schöpfer und Organisator des Zug der Liebe ist ein ehemaliger Kollege (und Vorgesetzter) von mir. Kurz vor Beginn laufen wir uns über den Weg und quatschen kurz, aber er ist natürlich schwer beschäftigt und koordiniert nebenbei mit Polizei, Sanitätern und den verschiedenen Wagenfahrer*innen. Dann setzt sich der Zug langsam in Bewegung und wir uns mit ihm. Elektronische Musik ist ja nicht so meins, aber es ist ja für diverse gute Zwecke, außerdem unterstütze ich einen Freund und kann dem Besuch ein bisschen von der Berliner Clubkultur zeigen.

Wir laufen/tanzen hinter drei verschiedenen Wagen die Danziger Straße hinunter, aber dann drängt langsam die Zeit und wir biegen in den vergleichsweise sehr ruhigen Kollwitzkiez ab. Der Markt am Kollwitzkiez ist am Nachmittag viel entspannter als am Vormittag, ich bin ganz überrascht. Wir können ganz gemütlich an den Ständen entlangschlendern und der Besuch kauft sich an einem Stand eine Auswahl veganer Lakritzsorten. Dann geht es weiter zum Wasserturm, wo wir eine kleine Rast im Park einlegen, unsere Füße ins Gras halten und Lakritze (sie) bzw. Brezn naschen.

Dann melden sich die Freund*innen aus Dublin wieder, ihre Sightseeing-Tour hat am Checkpoint Charlie geendet, und ich lotse sie in ein Eiskaffee am Gendarmenmarkt, wohin wir jetzt mit der U-Bahn aufbrechen. Wir kommen zeitgleich dort an und auch gleichzeitig mit ein paar unangekündigten Regentropfen. Wir essen Eis (Walnuss-Feige/Ananas) und erzählen. Danach geht es zu viert weiter, durch die historische Mitte, über den Schlossplatz, zum Hackeschen Markt und ins Scheunenviertel.

Gegen 7 liefern wir die Beiden an einem deutschen Restaurant ab und fahren weiter zu unserem nächsten Programmpunkt. Lange Nacht der Museen ist heute nämlich auch. Mit zwei S-Bahnen geht’s zum Potsdamer Platz. Hier snacken wir an einem der Marktstände ein paar Arepas und wollen dann den Bus nehmen. Der fährt aber einfach an der Haltestelle vorbei, also laufen wir eben zu Fuß weiter nach Schöneberg.

Dort gehen wir zunächst ins Schwule Museum und lernen einiges über LGBTQIA+-Geschichte in Deutschland, unter anderem über die Zeit des Nationalsozialismus und über lesbische Hausbesetzerinnen im Berlin der 70er und 80er Jahre. Es gibt auch eine Sonderausstellung zur Geschichte in der Ukraine von früher bis heute. Sehr interessant.

Als Nächstes sind wir mit dem Liebsten zum Abendbrot verabredet – in einem deutschen Restaurant in der Nähe. Was wir vorher nicht wussten: Aktuell findet in Berlin auch die Folsom Europe statt. Die Straßen und auch das Restaurant selbst sind voll von überwiegend Männern in Lack-, Leder-, Bondage- oder Furry-Aufmachung. Das ist noch ein bisschen mehr Schöneberg, als ich dem Besuch vorausgesagt hatte. Für 21 Uhr haben wir erst einen Tisch bekommen, jetzt wissen wir auch, wieso. Es ist immer noch warm genug, um draußen zu sitzen. Der Liebste ist kurz nach uns da, trifft den Besuch zum ersten Mal und dann erzählen wir und genießen Pfifferlingscremesuppe und Wiener Schnitzel bzw. Königsberger Klopse, Wein(-schorle) und Bier während um uns herum die Luzie abgeht. Perfektes Timing.

Gegen 11 legt man uns die Rechnung auf den Tisch – der Außenbereich muss jetzt schließen. Wir sind aber eh satt und zufrieden. Der Liebste fährt zurück nach Südberlin (wir sehen uns morgen wieder) und wir laufen weiter zum Nollendorfplatz und dort zum Urban Art Museum. Hier gibt es jede Menge Street und Wall Art, Graffiti, Stencils, Pastings, Sticker etc. und in den oberen Stockwerken kann man heute exklusiv noch einiges an Konzeptkunst sehen und die Künstler*innen kennenlernen.

Wir verbringen etwa eine Stunde im Museum, dann ist die Luft endgültig raus und wir fahren mit zwei U-Bahnen und Tram zurück nach Hause. Gegen halb 2 fallen wir in unsere Betten, nach über 20 Kilometern und über 28.000 Schritten.

29.08.2025 – Berlin mit Besuch – Tag 1

Die Katzen und ich schlafen ganz gut auf der Ausklappcouch, aber es ist doch alles sehr aufregend und daher eine kurze und gestückelte Nacht. Kurz vor 8 ist sie vorbei und da sitzt der Besuch sogar schon mit Tee an meinem Schreibtisch und arbeitet. Ich mache mir einen Matcha Latte (Kuhmilch, die ich für den Kuchen gekauft hatte) und taue auf dem Balkon beim morgendlichen Reboot langsam auf.

Gegen 10 gibt es dann gemeinsames Balkonfrühstück mit Pflaumenkuchen und jeder Menge Obst. Der Besuch geht danach zurück an die Arbeit, ich mache mich tagfein, klappe das Sofa zurück, winke durch den Besuchslaptop einmal nach Dublin zu einer ehemaligen Kollegin und setze mich dann mit dem eigenen Laptop aufs Sofa. Gegen 14 Uhr macht der Besuch Feierabend und überreicht mir dann erstmal meine Mitbringsel aus Madrid – yummy!

Dann brechen wir auf ins Berlin-Abenteuer. Wir nehmen die Tram zum Alex und die U-Bahn zu meinen Ellis. Erst die Pflicht (Post und Blumen), dann die Kür. Wir laufen hinüber in den Westen (nach Kreuzberg), die Oranienstraße entlang bis zum Kotti, dann die Skalitzer bis zum Lausitzer Platz. Ein kurzer Rundgang durch die Markthalle, die am Nachmittag erstaunlich leer ist und dann erstmal lecker Gözleme mit Spinat und Käse und hausgemachter Zitronenlimo.

Hinterher geht es durch den Görli und Kreuzkölln, ein bisschen am Kanal entlang und dann rüber nach Neukölln. Erst den hipsterigen Teil, dann den arabischen.

In einem Café in der Karl-Marx-Straße gönnen wir den Füßen eine Pause, schlürfen Anis- bzw. Kardamomtee und gucken arabische Musikvideos an.

Dann wird es wieder hipsteriger – wir laufen zum Tempelhofer Feld, holen uns zwischendurch ein Eis (für mich Weiße Schokolade-Mandel-Kokos und Maracuja), hören einer Weile einer brasilianischen Straßenmusikerin zu und spazieren dann einmal quer über das Feld bis nach Tempelhof – zwischendurch kommt endlich die Sonne raus.

Drüben angekommen steigen wir in die U-Bahn zurück nach Mitte, am Alex in die Tram. Zurück im Pberg noch kurz in den Supermarkt für Frühstücksdinge für morgen. Kurz vor 21 Uhr sind wir wieder zuhause, basteln uns einen Flammkuchen mit Crème fraîche, Crowdfarming-Gemüse und wokem Käse und dann sitzen wir mit Flammkuchen und Federweißer gegen halb 10 beim Abendessen – spanische Verhältnisse!

Hinterher gibt es noch Before Sunrise, den der Besuch noch nicht kennt, der aber perfekt zum Tag des Laufens (16,9 km!) und Redens passt. Gegen Mitternacht fallen uns die Augen zu und es geht in die Heia.