Was für ein Tag. Nach mittelguter Nacht (ausreichend Schlaf, aber mit vielen Unterbrechungen) erledige ich den Großteil des morgendlichen Reboots vom Bett aus, stehe dann auf, füttere die Katzen, löffle schnell Müsli in mich hinein und fahre dann mit Tram und U-Bahn nach Mitte. Pünktlich zwei Minuten vor Kursbeginn gleite ich ins Wasser und dann habe ich eine Dreiviertelstunde Gelegenheit, richtig wach zu werden. Gelenkschonendes Ganzkörper-Workout und einzig die Schulter zwickt bei einer Übung ein bisschen. Sehr schön. Danach geht es für Aufwärmen und Entspannung noch fünf Minuten in den Whirlpool und schon bin ich wieder unterwegs…
Bei den Ellis schaue ich nach Post und Blumen, handle mir einen Ablesertermin nächste Woche ein und entscheide mich dann, das nächste Webinar nicht bequem vom Sessel aus zu besuchen, sondern nebenbei schon wieder nach Hause zu fahren. Auf dem Weg zur U-Bahn geht es los. U-Bahn, Fußweg, Tram, Fußweg… Zuhause koche ich direkt Mittagessen und verarbeite eine der Crowdfarming-Zucchini zu Zoodles (Eigentlich müsste es ja „einen“ heißen, der zucchino ist ja männlich. Oder noch eigentlicher eine „der“ zucchine, Plural. Spaß mit Lehnwörtern…).
Zu den Zoodles gibt es eine Sauce aus Olivenöl, Thunfisch, Kapern, Knoblauch, Crowdfarming-Tomaten, Oregano, Salz, Pfeffer und etwas Limettensaft. Kurz vor Koch-Ende ist das Webinar vorbei und dann setze ich mich mit Essen und Lektüre aufs Sofa, die Mate zur Verhinderung des Suppenkomas.
Danach geht es eine Weile an den Schreibtisch, auch da wollen Dinge getan und erledigt werden. Nebenbei werfen draußen vor dem Balkon große Dinge ihre Schatten voraus.
Schon vor einigen Wochen lag eine Einladung zum Hofkino bei Popcorn und Softdrinks im Briefkasten. Heute ist es endlich soweit und bis auf ein bisschen Wind spielt das Wetter mit. Um 18:30 gehe ich hinunter, hole mir Snacks und Getränke ab und plaudere mit den ersten Nachbar*innen. Als der Wind ausreichend nachlässt, wird die Leinwand aufgeblasen, gegen 19:30 wird es dunkel genug, um den Film zu starten – wir gucken Zwei zu eins, der genauso gut und unterhaltsam ist, wie es die Besetzungsliste wünschen ließ.
Passenderweise geht es um die Wendezeit und eine Hausgemeinschaft, die mit vereinten Kräften Dinge tut. Die Bewohner*innen meines Hauses finden sich zusammen und nehmen uns jetzt unsererseits auch ein bisschen zivilen Ungehorsam vor…
Foto-Copyright gehört einer mir persönlich bekannten Nachbarin
Gegen 21:30 ist der Film vorbei, letzte Kinder werden ins Bett gescheucht und ich ziehe mich zum Aufwärmen und Chlor abwaschen (die Duschen im Fitti sind immer noch außer Betrieb) in die Badewanne zurück.
Die Katzen feiern des Nachts wieder eine Kuschelparty und lassen mich so ausgiebig teilhaben, dass ich mittendrin knapp zwei Stunden wachliege. Bis zu einer Zeit, zu der man die Nacht auch einfach für beendet erklären könnte. Da liegen sie dann aber beide gerade wieder still und ich erinnere mich der alten Binse, dass junge Mütter einfach dann schlafen sollten, wenn die Babys schlafen und drehe mich nochmal um. Locker nochmal anderthalb Stunden rausgeholt, bis der Liebste sich zum Morgentelefonat meldet!
Insofern verschiebt sich der morgendliche Ablauf deutlich nach hinten. Irgendwann sitze ich mit Ostfriesentee, Porridge und Obstteller in eine Decke gewickelt auf dem Balkon beim Frühstück. Es ist kühl und stürmisch und fühlt sich herbstlich an (außer mit Blick auf die sommerlichen Temperaturen am kommenden Wochenende).
Nach dem Essen ist mir nach noch mehr Koffein, also mache ich mir noch einen Matcha Latte und setze mich damit an den Schreibtisch.
Erste Amtshandlung E-Mails lesen. Stellt sich heraus, dass soeben zwei Pakete für mich bei der Nachbarin im Hochparterre abgegeben wurden sind – und hier mal wieder niemand geklingelt hat. Ich hole die schnell ab und packe aus. Crowdfarming hat schon wieder ordentlich Gemüse geliefert, leider einiges schon ganz schön angedätscht, ich werde mich um zeitnahe Verarbeitung kümmern müssen.
Im zweiten Paket sind unter anderem zwei Paar Jeans als Ersatz für die nicht passende von letzter Woche. Auch davon passt eine nicht, die zweite ist fast ein bisschen weit, passt aber ansonsten gut, die wird behalten. Hosengrößen werden mir immer ein Mysterium bleiben. Ich trage im Alltag zwei mit Bundweiten weit unter denen, die jetzt in neu nicht passen. Aber gut, eine passende Jeans mehr ist ja schon mal ein Gewinn. Dann aber wirklich Schreibtischarbeit über mehrere Stunden.
Ziemlich spät am Nachmittag gibt es dann das doggy bag vom gestrigen Antipasti-Teller zum Mittagessen. Danach Physio-Übungen, Haushaltsdinge, zwei Gänge zum Müllplatz und einen zur Packstation, die zweite Jeans zurückschicken. Hinterher ein bisschen Couchen und Atmen und dann ist schon wieder Zeit für Aufbruch. Heute Abend ist mein nächstes Timeleft-Dinner, diesmal in einem mexikanischen Restaurant in Friedrichshain.
Von den angekündigten fünf Frauen kommt eine wegen eines spontanen Meetings eine Dreiviertelstunde zu spät und eine taucht gar nicht auf. Trotzdem ist es auch in kleinerer Runde (drei Deutsche, eine Amerikanerin) sehr nett. Evtl. sind kleinere Runden insgesamt besser, wir kommen viel tiefer ins Reden als bei bis zu acht Personen. Wieder einmal bin ich die Älteste, die anderen sind alle so um die 30, plus/minus ein paar Jahre.
Fällt aber fast gar nicht auf (naja, ihnen vielleicht mehr), außer bei bestimmten Themen. Sie haben viel mehr in der Berliner (App-)Dating-Welt erlebt als ich und können mehr Geschichten erzählen, die die üblichen Klischees bedienen (offene Beziehung, Ghosting, wankelmütige Herren). Und Cocktailbars und Kostümparties spielen eine größere Rolle in ihren Leben als in meinem. Ansonsten viele Übereinstimmungen und natürlich dringt die Politik auch wieder in die Gespräche rein. Die Amerikanerin ist schon seit sechs Jahren hier und sehr froh darüber, arbeitet an Staatsbürgerschaft. Eine der anderen arbeitet in einer amerikanischen Firma und darf deswegen jetzt auf Arbeit keine Pride- und Diversity-Veranstaltungen mehr abhalten. Die dritte trägt gerne Swing- und Rockabilly-Outfits und traut sich nicht mehr, damit in der Öffentlichkeit herumzulaufen, weil sie nicht für ein trad wife gehalten werden möchte. Wir sind mitten im backlash und es suckt ganz furchtbar…
Das Essen ist ganz OK, aber nichts Besonderes. Dieser Aspekt von Timeleft ist irgendwie unterwältigend, ich habe zwar ein paar neue Restaurants entdeckt, aber bisher nichts wirklich Aufregendes. Vielleicht ist nach diesem Abo-Zeitraum dann auch erstmal wieder gut.
Gegen 22 Uhr mache ich mich mit der Teilnehmerin, die morgen früh ins Büro muss (die anderen arbeiten morgen remote) auf den Heimweg Richtung Pberg, gegen 23 Uhr liege ich im Bett und hoffe auf besseren Schlaf.
Der Wecker des Liebsten hat einen sehr gemeinen und lauten Ton. Meiner schleicht sich ja mehr so langsam an und je nachdem, wie tief ich schlafe, bemerke ich ihn sofort oder erst nach 30 Sekunden, aber er weckt mich zuverlässig. Der vom Liebsten ist BLAAARGH da und man steht quasi im Bett. Aus Gründen. Immerhin habe ich kurz nachdem ich mich von dem Schreck erholt habe bereits eine Tasse Kaffee in der Hand und kann dem Rest des Morgens gelassen entgegen sehen.
Indessen packt das Teilzeitkind den Rest seiner Sachen für die Klassenfahrt. Während der Liebste sein erstes Meeting absolviert, beaufsichtige ich ein wenig, dass alles mitkommt und führe Debatten über Proviant, Schuhe und Regenjacken. Gelöst werden alle drei erst nach Meeting-Ende, der Liebste hat qua Amt da mehr Authorität. Kurz vor 9 brechen die beiden auf zum Bahnhof und ich beschäftige mich mit morgendlichem Reboot, tagfein machen und telefonischem Techniksupport für die Liebstenmama. Als der Liebste zurück ist, muss er direkt ins nächste Meeting und ich fahre auch Richtung Schreibtisch.
In der S-Bahn mache ich Französisch und Italienisch, auf dem Heimweg kaufe ich schnell Milch, Eier und Obst ein und dann bin ich auch schon bei den Katzen, die mich freudig erwarten. Schnell Ostfriesentee (jetzt neu mit Kaffee- statt Schlagsahne), Müsli und Obstteller zaubern, dann geht es an die Arbeit.
Am frühen Nachmittag mache ich eine Pause, trinke mehr Tee, esse Shrimp-Ramen, plausche mit der Mitbewohnerin und denke über ein Schläfchen nach, aber dann reiße ich mich doch zusammen, lege Wäsche zusammen und mache dann weiter. Von 17 bis 18:30 noch ein Webinar und dann wird der Laptop zugeklappt und ich laufe schon wieder los – Abendessenverabredung mit der besten Freundin.
Antipasti, Brot, Weißwein und LeitungswasserPasta – bei mir leicht verwackelte Bigoli alla gricia
Wir erzählen uns unsere Urlaube, Aktuelles von Männern, Kindern, Eltern und Jobs und arbeiten uns dann über Popkultur zu Politik und allgemeiner Weltlage vor. Weil das Essen so mächtig war, gibt es zum Nachtisch nur je eine Orangina. Kurz nach 22 Uhr laufe ich wieder heim, die beste Freundin fährt mit dem Fahrrad – all das für sie übrigens nach einem 10-Stunden-Arbeitstag, man wundert sich.
Zuhause gleite ich noch in die Badewanne – eine beginnende Nach-Kongress-Erkältung will in die Schranken gewiesen werden – und dann geht es kurz nach 23 Uhr ins Bett.
Früh, aber nicht zu früh erwacht, damit kann ich durchaus arbeiten, wenn vorher durchgeschlafen wurde. Nach gemütlicher Morgenroutine im Bett folgt leicht hektisches Aufstehen, Katzen füttern und Packen, denn das Frühstück wird heute erst in Südberlin eingenommen. Die Ringbahn fährt wieder, die U-Bahn mir hingegen vor der Nase weg. Zehn Minuten hungrig herumsitzen am Westhafen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Nur drei Minuten nach der Zeit komme ich im Stamm-Frühstückslokal an, etwa drei Minuten vor dem Liebsten und dem Teilzeitkind, dem auch ein Bus vor der Nase weggefahren ist, als es aus Brandenburg anreiste. Jetzt aber wieder: alle drei zusammen. Sofort eskalieren wir bei der Frühstücksbestellung.
Es gibt Eggs Benedict UND Croissant, süßes Frühstück UND French Toast UND Rührei, was muss das muss. Mit vereinten Kräften essen wir alles auf, nur der Taleggio vom italienischen Frühstück des Liebsten bleibt übrig, weil er ihm zu schimmelkäsig ist, dem Teilzeitkind erst recht, und ich einfach komplett vollgefuttert bin. Mit letzter Kraft erreichen wir die heimische Couch und dann braucht yours truly erstmal einen ausführlichen Mittagsschlaf.
Ich wache dazu auf, dass der Liebste die vegane Bolognese für heute Abend ansetzt (und dabei laut Musik hört). Die Gemüsebrühe zog schon seit vor dem Frühstück vor sich hin. Als die komplette Sauce vor sich hinköchelt, gehen der Liebste und ich nochmal für einen Spaziergang nach draußen und obwohl der an der Eisdiele entlang führt, will das Teilzeitkind nicht mit – es ist noch satt vom Frühstück.
Sauerkirsch-Marzipan und Primo-Fiore-Zitrone
Wir drehen eine große Runde durch die angrenzenden Grünanlagen und kommen an Orten vorbei, die wir in der Pandemiezeit oft besucht haben, seitdem kaum noch. Wenn die positiven Zukunftserzählungen fehlen, verfällt man in Nostalgie, habe ich neulich auf dem Kongress gelernt. Dass wir die Pandemiezeit inzwischen nostalgisch sehen, sagt einiges über den Zustand der Welt und die Zukunftsaussichten. Aber nein, nicht in Trübsal versinken, wir brauchen positive Narrative und Zuversicht und vielleicht wird ja doch alles gar nicht so schlimm wie befürchtet. AfD-Politiker verlieren vor Gerichten und bei Stichwahlen und heute bei der NRW-Kommunalwahl verlieren sie im Vergleich zur Bundestagswahl. Das ist doch ein Anfang, vielleicht fällt uns für den Rest auch noch etwas ein.
Wieder zuhause nochmal Ruhen, dann ist es Zeit fürs Abendessen (zu viert mit der Mitbewohnerin) und dann den Sonntagsfilm. Heute endlich Das Leben des Brian. Das Teilzeitkind ist erst verunsichert über Terry Jones als Brians Mutter und ob die Bergpredigt das mit dem geteilten Brot ist und warum das alles von den gleichen Leuten gespielt wird, aber dann hat es doch eine Menge Spaß. Interessant für uns: Es lacht kaum über die vielen Sprachfehlerwitze, die für unsere Generation wohl das Highlight waren. Die Jugend von heute ist erfreulich unableistisch! Aber die Produktionsqualität, die war 1979 noch nicht so gut, muss das Kind anmerken.
Dann geht das Kindelein aufgeregt ins Bett – morgen ist Klassenfahrt – und der Liebste und ich gucken vor dem Schlafengehen noch eine Folge Étoile zusammen, die für die die Serie einen Emmy für die beste Choreographie bekommen hat, obwohl sie bereits abgesetzt war. Überhaupt ist sie wohl nur wegen Quoten abgesetzt, die Bewertungen auf IMDB sind durchweg hervorragend. Schade, schade!
Rekuperation bezeichnet auf dem Gebiet der Technik die Rückgewinnung von Energie, sagt Wikipedia. Ich gewinne heute auch Energie zurück, erst durch etwa zehn Stunden Schlaf mit nur einer kurzen Unterbrechung nach neun Stunden, dann durch sehr viel Nichtstun. Natürlich nicht ganz nichts, wo kämen wir denn da hin.
Relativ früh am Tag schreibe ich einen Rückblick auf den Kongress und nehme Gesprächsfäden mit neuen Kontakten wieder auf, wobei mein LinkedIn-Post ohne LLM auskommt. Dann werde ich mir meiner normalen morgendlichen Routinen wieder gewahr und ich gucke erstmal, was der Rest der Welt so getrieben und geschrieben hat über Nacht, verblogge meinen eigenen Freitag bei Chai Latte, Obst und Pistazien, mache Französisch, Italienisch und englische Rätsel und telefoniere mit dem Liebsten. Alles wieder normal.
Irgendwann gibt es Bagel und mehr Obst zum zweiten Frühstück, dann widme ich mich den beiden gestern angekommenen Paketen, probiere Kleidung an und sortiere nach „Behalten und Waschen“, „Gefällt mir nicht“ (zwei) und „Passt mir nicht“ (zwei). Kategorie 1 kommt in die Waschmaschine, Kategorie 2 und 3 werden auf zwei verschiedene Pakete verteilt und die Retoure vorbereitet. Dann höre ich ein paar Podcasts und wusele dabei durch die Wohnung, den Normalzustand von Anfang der Woche wieder herstellend.
Irgendwann klopft früh der Abendbrothunger an. Ich mache aus einem halben Crowdfarming-Butternut und einer Handvoll Kartoffeln ein Ofengemüse. Nach dem Wäscheaufhängen ist es fertig.
Es folgt ein Verdauungsspaziergang zur Packstation. Ich hätte auch einfach nur zum Späti gehen können, aber ich hab in den letzten Tagen wirklich genug mit Leuten geredet, die ich nicht kenne. Also ein paar Schritte mehr (auch gut fürs Gesamtgefüge) und dann eben Scannen, Drucken, Kleben. Das sind die Momente, wo ich sehr froh über die Techniken aus der Zukunft bin.
Als ich wieder zuhause bin, will ich es mir gerade auf der Couch gemütlich machen, da klingelt es und die Nachbarin von nebenan bringt versprochene Äpfel und Birnen aus dem Hof vorbei. Sie haben einen Teleskoppflücker und hatten in der Haus-WhatsApp-Gruppe gefragt, wer noch Interesse hat – das Fallobst wird immer so schnell faulig.
Äpfel und Birnen von den Bäumen im Innenhof
Dann aber wirklich Couch! Erstmal ausführliches Telefonat mit den Ellis in Kanada (heute vor einem Jahr bin ich nach Nova Scotia geflogen, die Zeit rennt wirklich!), dann lese ich den neulich begonnenen Island-Krimi (Lilja Sigurðardóttir – Das Netz) zu Ende und höre dabei ganz klischeehaft Björk, was erstaunlich gut zu den weiblichen Hauptfiguren passt. Das Buch ist dann schneller vorbei als gedacht, weil in der eBook-Datei am Ende jede Menge Leseproben sind. Mal schauen, ob ich mir irgendwann den zweiten und dritten Band hole, vielleicht, wenn es sie irgendwo umsonst gibt. Ich bin mit dem aktuellen Ende eigentlich ganz einverstanden und finde das Technologie CH fast erzwungene Weiterlesen irgendwie befremdlich. Die Netflixisierung der Kriminalliteratur oder so.
Stattdessen fange ich erstmal die nächste Trilogie an, deren erstes Buch ich mir in der Bibliothek vorbestellt hatte, nochmal norwegischer Historienroman, diesmal aber Weltliteratur von einer antifaschistischen Autorin: Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter. Ich komme allerdings nicht mehr weit, gegen 23 Uhr bin ich schon wieder fast am Einschlafen.
Den ganzen Tag mit Menschen kommunizieren wäre ja voll okay, wenn ich dann nicht auch noch die halbe Nacht mit Katzen kommunizieren müsste. Etwa alle anderthalb Stunden will sich da eine bewegen oder mit mir spielen oder sonst irgendwie Kontakt aufnehmen. Und beim zweiten Mal, kurz nach 3 also, bleibe ich dann heute einfach wach. Vermutlich hat das Nachbarsbaby den Kater geweckt, das schreit nämlich gerade ein bisschen. Dann schläft erst das Baby wieder und dann der Kater und dann kommt stattdessen halt die Katze an und verlangt Zuwendung. Kaum hat die sich endlich gemütlich hingelegt, fängt der Kater wieder an… Es ist kein Runterkommen mehr und dann springt auch noch das Gedankenkarussell an und plötzlich fehlen zum Weckerklingeln nur noch 45 Minuten und dann ist es jetzt also auch egal.
Also: Ausführlichster morgendlicher Reboot noch im Bett (Immer das Positive sehen: Gestern musste ich Italienisch noch in der Tram machen und die Rätsel irgendwann am Nachmittag). Dann Liebstentelefonat (und Teilzeitkind-Telefonat, das trödelt heute Morgen ein bisschen) gegen halb 8, kurz danach aufstehen, anziehen, Katzen füttern und mit Mate los zum Alex und zum Kongresszentrum. Die Mate ist schnell leer und mir bleibt noch Zeit, mir ein Kirschteilchen und einen Cappuccino zu holen.
Damit setze ich mich auf einen Platz in den Kuppelsaal, mache ein Foto, poste das in meine Instastory, will gerade ins Teilchen beißen, da gleitet mir das Handy vom Oberschenkel, ich fasse hektisch mit rechts nach und schütte mir dabei mit der linken Hand großflächig Cappuccino über Blazer, Rock und Telefon. Evtl. wäre mehr Nachtschlaf eine gute Idee gewesen. Ich säubere mich notdürftig mit Taschentüchern, bekrümele mich beim Frühstücken zusätzlich ordentlich mit Blätterteig und trete dann den strategischen Rückzug an, als ich mitbekomme, dass der Minister sich verspätet. Eine nach hinten verschobene Session würde mir den ganzen Zeitplan auseinanderfleddern. Stattdessen also raus, Sitzecke, in Ruhe fertig frühstücken und Cappuccino trinken (erstaunliche Diskrepanz zwischen verschütteten Volumen und besudelter Fläche) und ziehe mich dann auf die Toilette zurück, um mit Wasser und Seife einen bestmöglichen Zustand wiederherzustellen.
Zum Nachhausefahren und Umziehen fehlt mir die Zeit, die nächste Session wartet schon. Hier treffe ich auf die (inzwischen) Ehefrau eines Freundes und ehemaligen Kollegen und es gibt ein bisschen Smalltalk bevor es losgeht. Danach ist erstmal Kaffeepause (höhö) und ich beschränke mich lieber auf Eistee und ein kurzes Gespräch mit einem Networking-Kontakt von gestern. Hinterher geht es in die nächste, sehr unterhaltsame Session, danach in eine Live-Podcast-Aufnahme mit Bodo Ramelow, die man bereits hier nachhören kann. Große Empfehlung, es geht u. a. um die Geschehnisse im thüringischen Landtag damals, um Kemmerich und seinen Parteiaustritt gestern, um die fragwürdige Haltung der CDU zur Linken und die Fakten hinter Ramelows Hymnen-Shitstorm.
Die Mittagspause verbringe ich draußen im Gespräch mit lauter mir noch fremden Fachkolleginnen, immer schön das Netzwerk erweitern! Eine davon ist nicht auf LinkedIn, ich werde wohl eine E-Mail schreiben müssen, wie ungewöhnlich! Einen coolen Job hat sie trotzdem, das geht also auch (noch).
Nach dem Essen geht es passend zu einer Podiumsdiskussion über die Zukunft des Essens – Nachhaltigkeit, Nahrungssicherheit, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft… Sehr spannend!
Danach wird es sehr witzig mit Ricarda Lang und Carline Mohr. Erwartbar viele Witze (vielfach über Markus Söder), aber auch tiefsinniges, darüber, wie Humor marginalisierten Gruppen Macht und Deutungshoheit (zurück)gibt, oder wie Ricarda in ihrer Zeit als Parteivorsitzende sehr viel Zeit und Energie investiert hat, um nicht als „zu jung“ oder „zu links“ rüberzukommen und darüber ganz vergessen hat, sie selbst zu sein. Nehme das als Mahnung für mich selbst mit, obwohl mir langsam niemand mehr vorwerfen kann, zu jung zu sein. Zu wach auch nicht, ich habe mich extra für was Witziges entschieden, um nicht einzuschlafen.
Zum Abschluss dann noch eine Runde Presseclub, dann geht der Kommunikationskongress ganz schnöde und schnell zu Ende. Kein Konfetti, kein Singen, Dank und Abschluss in zwei Minuten abgefrühstückt – bin etwas unterwältigt. Völlig übermüdet und kaffeebefleckt stapfe ich durch die gleißende Sonne über den Alex zur Tram. Ab der Weltzeituhr singt eine Frau mit Plüschmütze „White Rabbit“ von Jefferson Airplane und das passt irgendwie alles sehr gut zusammen.
Zuhause noch schnell Pakete von Nachbars abholen, dann geht es aufs Bett. Telefonate nachholen mit der besten Freundin, dem Liebsten und der Rostocker Freundin, die gerade in Grenada weilt. Spontane Rostockpläne fassen, weil im Fediverse jemand den Anstoß gibt, das besagte Wochenende noch frei ist und der Liebste eh unterwegs. Und viel atmen. Gegen 18 Uhr koche ich mir Spaghetti aglio olio e peperoncino mit frischem Crowdfarming-Chili, werfe extra Butter und Parmesan rein und Tomaten und Basilikum oben drauf.
Gegen halb 8 überlege ich, ob ich jetzt nicht langsam mal schlafen könnte, gehe dann aber vernünftigerweise doch erst noch mit dem Buch in die Badewanne. Um 9 ist dann aber endlich Schicht im Schacht (und auch eh schon dunkel, verdammter Herbst!)
Halb 6 macht eine Katze „Mau?“ – ich weiß nicht welche und es war auch augenscheinlich nicht an mich gerichtet, aber wach bin ich jetzt trotzdem. Und ein bisschen aufgeregt ob des Tagesplans, also versuche ich gar nicht erst, nochmal einzuschlafen. Stattdessen ausführlicher morgendlicher Reboot noch vor dem Weckerklingeln und dann hinein in den Tag.
Gegen 8 verlasse ich das Haus, nehme die Tram zum Alex und laufe dann rüber zum Kongresszentrum, in dem ich noch nie war. Anders als im Haus des Lehrers nebenan. (Kurzer Flashback zu der Nacht im September (?) 2007, als ich erst einmal abends und dann ganz früh morgens da oben auf dem Dach stand, um den Sonnenaufgang über dem Alex (Platz, Bahnhof und im Hintergrund der Fernsehturm) für eine Zeitraffereinstellung zu filmen. Das war für eine Doku, Regisseur war der Vater der Kalkbrenners… Und ich glaube zu DDR-Zeiten war ich auch mal im Haus des Lehrers und habe Apfelkuchen gegessen. Kann das jemand verifizieren?
Rauszoomen macht lustige Perspektiven
Heute aber jedenfalls Kongress, zum ersten Mal – sowohl in dem Gebäude als auch auf dem Kommunikationskongress. Die letzten Jahre habe ich den auch schon immer beäugt, dieses Jahr habe ich erstmals Zeit und Budget, dabei zu sein. Erstes Learning: Getränke und Essen sind hier inklusive, es gibt den ganzen Tag über ein flying Buffet. Das erklärt dann u. a., warum das Early Bird Ticket sechsmal so viel kostet, wie das für die re:publica. Hätte ich mir also die Wegmate vom Balkon und die gut gefüllte Brotdose sparen können. Bevor es richtig losgeht, treffe ich noch auf eine der neuen Bekanntschaften von gestern und wir plaudern uns ein wenig warm.
Frühstücksdose
Dann startet der Kongress mit Glückskeksen und einer Trommelgruppe – letzteres trifft mich unerwartet, gut, dass das nicht morgen früh passiert, nach der Partynacht.
Ein paar warme Worte zur Eröffnung und dann gibt es eine mitreißende (und witzige) Keynote von Luisa Neubauer, die erklärt, was an der Klimawandel-Thematik brillante, wenn auch gefährliche Kommunikationsarbeit ist. Die Kurzfassung: Wären die Kommunikator*innen der Fossilindustrie nicht so gut, gäbe es bereits seit den 50er Jahren wirksame Maßnahmen gegen die globale Erwärmung und wir würden das Ganze auch nicht so sehr als individuelle Aufgabe sondern als das strukturelle Problem sehen, das es ist. Gegenmaßnahme erstmal: Positive Geschichten vom Klimaschutz erzählen und erklären, dass es um uns alle geht. Auch gelernt: Das schöne Wort Petromaskulinität.
Nach der Keynote folgt eine Session auf die nächste. Ich habe mir ein Programm zusammengestellt, das zu meinen Interessen passt und laufe von Workshop zu Networking zu Podiumsdiskussion zu Vortrag zu Best-Practice-Beispiel zu Landesgruppen-Lunch zu Erfahrungsaustausch zu nochmal Best Practice zu nochmal Networking zu nochmal Erfahrungsaustausch zu nochmal Keynote, diesmal von Joschka Fischer.
Der ordnet die aktuelle weltpolitische Lage ein, rüttelt auf und mahnt und lobt den Bundeskanzler tatsächlich für seine Außenpolitik. Alles garniert mit ein paar warmen Worten für seine eigene Partei und für die Jugend – und mit Zuversicht. Das gibt nicht unerwartet Standing Ovations und hinterher Selfie-Wünsche von jungen Kommunikator*innen. Ich laviere mich um die Menschentraube herum, werfe mich auf dem Klo in Abendgarderobe und fahre dann mit der S-Bahn rüber zur Friedrichstraße (schon wieder dort!).
Im Admiralspalast findet die Abendveranstaltung statt. Erstmal ordentlich am Buffet eindecken und wieder spannende Gespräche führen. Dann geht es ins eigentliche Theater hinein. Erst eine atemberaubende Tanzperformance (Und im Hinterkopf die Frage, warum das zum Programm gehört… beeindruckend ist es aber trotzdem.) Dann werden Preise verliehen und es gibt ein Live-Gespräch mit einem bekannten Springer-Journalisten und Podcaster – schon der zweite heute, vom ersten habe ich nur die letzten Sekunden mitbekommen, während ich mir einen guten Platz für Joschka gesichert habe. Diesmal geht es um Einblicke ins Berliner Politikprozedere und das ist dann doch ganz spannend.
Danach endet der offizielle Teil und die Party beginnt. Ich überlege noch kurz, was Roulette und Zigarren nun mit Kommunikation zu tun haben, überzeuge mich, dass auf der Tanzfläche vermutlich eh wieder nur die übliche Berliner Tanzmusik gespielt werden wird und entscheide mich dann gegen 22 Uhr für den Rückzug. Mein Akku ist leer, der Kopf ist voll und morgen früh geht’s in Tag 2…
Kurz nach 5 schalten die Katzen von Schlafen auf cat fight um und damit ist dann auch meine Nacht vorbei. Wirklich erstaunlich, wie diese beiden reizenden Biester, die etwa elf Jahre lang völlig unauffällig vor sich hin lebten, ungefähr seit Vollenden des zwölften ihre Krallen mehr nutzen (gegen mich), ihre Stimmbänder ausreizen und sich gegenseitig verprügeln. Im Alter wird man wohl wunderlich.
Ich bin bei weitem nicht ausgeschlafen, aber habe so Zeit für gemütlichen morgendlichen Reboot im Bett und dann Balkonfrühstück mit Ostfriesentee.
Danach geht es mit Badesachen unter der Kleidung sehr pünktlich los nach Mitte. Die Wilhelm-Anton-Amo-Straße begrüßt mich mit antirassistischem Enthusiasmus, die Duschen im Fitti hingegen sind heute nicht verfügbar.
Dann eben noch mit Nachtschweiß hinein in den Whirlpool – im eigentlichen Pool tummelt sich noch der vorherige Kurs. Nach einer Viertelstunde sind die durch und dann ziehe ich ein paar Bahnen, bis mein Kurs beginnt. Rhythmisches Chlor-Gestrampel, Fuß und Schulter machen erstaunlich gut mit, keine individuellen Abwandlungen nötig. Hinterher ungeduscht abtrocknen, anziehen und chlorduftig mit der U-Bahn zur Wohnung der Ellis düsen. Briefkasten, Pflanzen, nächste U-Bahn, Tram. Hallo, Wohnung, hallo Katzen!
Hier schon wieder ausziehen und erstmal ausgiebig Duschen und Haarewaschen. Dann ziehe ich wieder etwas an, hänge die nassen Sachen auf und mache mir zum Mittagessen Stüllchen deluxe und Apfelschorle.
Nach dem Essen werde ich schrecklich müde und will mich gerade zum Mittagsschlaf/Nachholschlaf hinlegen, als mir auffällt, dass der Katzenbrunnen auffällig still ist. Aus ist er gar. Ich werde heimwerkerisch aktiv, baue die Pumpe auseinander, reinige alle Teile (große Kalkkrümel vom Berliner Wasser, leicht angegelbt von Katzenspeichel) und dann geht der Brunnen wieder an und plätschert beruhigend zu meiner Siesta.
Gegen 16 Uhr bin ich dann auch wieder an, brauche ein bisschen, um den Nebel im Kopf zu vertreiben und ziehe mich dann schon wieder aus und um für die Abendveranstaltung. Auf dem Weg dahin erfolgt noch ein kleiner Kiezspaziergang, bei dem ich ein Geburtstagsgeschenk abhole und Serendipity-mäßig noch zu Ergänzungen dazu komme. Gut, dass ich wegen des Rückens einen Rucksack dabei habe. Dann geht es mit Tram und U-Bahn wieder nach Mitte, aber diesmal steige ich eine Station früher aus.
Ich verspüre ein leichtes Hüngerchen, freue mich auf das Catering später und hoffe auf ein bisschen Knabberkram zwischendurch. Den gibt es, und zusätzlich auch noch Currywurst mit Baguette, vegan oder mit Fleisch.
Ich sitze draußen und schmause und komme mit zwei anderen Teilnehmenden ins Gespräch. Der Berliner duzt, die Angereiste siezt zunächst, ein Phänomen, das sich durch den Abend zieht. Ich erfahre einiges über den Arbeitsalltag meiner Mitbewohnerin aus anderer Perspektive und dann geht es auch schon hinein zur Verbandssitzung. Schöne Zusammenfassung der Aktivitäten der letzten zwei Jahre, dann unvermeidlicher langer Abstimmungs- bzw. Wahlblock, aber insgesamt erfreulich gut organisiert und ausformuliert. Nach guten zwei Stunden checke ich schon mal für den morgen beginnenden Kongress ein (kein echtes pre:publica-Feeling trotzdem) und dann gibt es endlich Abendbrot.
Zum Essen gibt es Weinschorle und weitere Gespräche mit drei anderen Teilnehmenden, von denen ich eine bereits hier aus Berlin kenne, die anderen sind von außerhalb angereist.
Gegen halb 10 gehen dann langsam die Lichter aus bei mir und ich laufe schnell zur U-Bahn. Die nächsten beiden Tage werden lang und intensiv! Halb 11 bin ich mit Tee im Bett und telefoniere noch mit dem Liebsten, der von seiner ereignisreichen Dienstreise glücklich zu Hause ist. Geschlafen wird mal wieder erst nach Mitternacht. Licht aus!
Gut geschlafen und dann morgendlicher Reboot im Bett, sans Liebstentelefonat, denn der ist auf Dienstreise und dort schon im Büro. Irgendwie fühlt es sich herbstlich an, so dass ein Ostfriesentee als Koffeinschub passend erscheint. Den aber mit Decke und Katzen auf dem Balkon.
Nebenbei wird es wärmer und dann knallt die Sonne wieder so, dass ich schwitze und die Decke weg muss. Telefonat stattdessen mit dem Bruder, dann ist Frühstückszeit. Mehr Tee (Kräuter), Bagel mit Belägen, Gurke, Smoothie aus Orange, Granatapfelkernen und Apfelsaft.
Dann kommt der Fleißteil des Tages. Er beginnt mit Physio-Übungen und Yoga, dann Laptop-Zeit. Mitten in einem Webinar klingelt es an der Wohnungstür. Ich öffne zeitgleich mit der Nachbarin, draußen steht ein junger Mann, der uns etwas verkaufen will, womit wir sparen können. Die Nachbarin und ich sagen unisono: „Sorry, ich bin gerade in einem Call.“ und schließen die Türen wieder. Auf dem Weg zurück ins Webinar fällt mir auf, wie witzig das war und ich schreibe der Nachbarin das. Sie sieht das auch so. Wir versichern uns, dass uns der junge Mann ein bisschen leid tut, schicken uns Fotos von unseren Calls und verabreden uns für demnächst auf ein Getränk. So bringt man Menschen zusammen!
Später am Nachmittag habe ich Lust auf Draußensein und Eis essen, schließlich wollte ich heute ja eigentlich ins Freibad. Dann ist es mir aber schon auf dem Balkon zu fröstelig und ich esse stattdessen den letzten Tiramisu-Schaumkopf und arbeite noch ein bisschen weiter. Dann aber ziehe ich mich wärmer an und gehe mit einer Granatapfel-Dattel-Limo in der Hand nach draußen. Kleine Spazier- und Einkaufsrunde durch den Kiez. Drogeriemarkt, Späti (allerdings überzeugt mich dort die Obst- und Gemüseauswahl ausnahmsweise nicht) und dann doch Discounter. Hier gibt es erstaunlich ansprechendes saisonales Obst und auch die anderen Dinge, die noch fehlen.
Aprikosen, Trauben, Feige, Kiwibeeren
Beim Ostmampfen auf dem Balkon dann endlich Telefonat mit dem Liebsten in der Ferne. Danach entdecke ich ein witziges Bild in diesem Internet („ASAP in Italian means Aperol Spritz and pasta“) und bin inspiriert fürs Abendessen. Bei mir gibt es Sarti Tonic und Pasta, das Getränk hat eine äußerst interessante Färbung.
Ich koche Pasta mit roten Zwiebeln und Zucchini (Am Wochenende bewahrheitete sich, dass man im Sommer nicht aufs Land kann, ohne Zucchini übergeholfen zu bekommen…), unterhalte mich mit der Mitbewohnerin, die sich gerade einen Salat schnippelt und setze mich dann mit Pasta und Laptop wieder auf den Balkon für ein spannendes Webinar, das die ersten Monate Trump 2 aus sprach- und kommunikationswissenschaftlicher Sicht analysiert.
Danach bleibe ich im Thema und höre Pod Save America, während ich die letzten Haushaltsdinge des Tages erledige. (Andere Nachrichtenthemen meines Tages außerdem: Anschlag aufs Stromnetz in Adlershof, Angriff auf Hamas-Führer in Katar, Unruhen in Nepal, Regierungskrise in Frankreich, Wahlergebnisse in Norwegen. Und Katapult gibt es jetzt auch in Sachsen.)
Beim Müllrunterbringen treffe ich den Nachbarn mit dem frischen Baby und ich erfahre Neues aus dem Familienalltag. Mit so vielen nahewohnenden Personen an einem Tag habe ich ja ewig nicht gesprochen!
Nun also wirklich: Der Urlaub ist (schon länger) vorbei, die Ferien jetzt auch, genau wie die Sommersonntage im Radio, und der Sommer neigt sich auch gefährlich dem Ende zu, fürchte ich. Dazu ist auch noch Montag, es passt alles ganz gut zusammen. Mein Terminkalender ist allerdings erstaunlich leer für diese Konstellation, so dass ich den Morgen erstmal ganz ruhig angehen kann. Vollständiger morgendlicher Reboot im Bett (Timelines und Feedreader leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel, Liebstentelefonat, alles von schnurrenden bzw. schlafenden Katzen bekuschelt und mit Hafer-Cappuccino in der Hand), dann Balkonfrühstück.
Danach kümmere ich mich erst ein wenig um Haushaltsmaintenance (Pflanzen, Katzen, Waschmaschine) und dann geht es an den Schreibtisch. Es gibt wieder einiges zu organisieren, strukturieren, recherchieren, korrespondieren und formulieren, „der Zukunft zugewandt“, sozusagen.
Fleißiger Kater an Birnen-Rosmarin-Limo
Als die wichtigen und dringenden Dinge geschafft sind, mache ich Pause und esse von dem leckeren Borschtsch, den die Mitbewohnerin gekocht hat – mit Paprika, nach dem Rezept ihrer Oma, sehr gut und außerdem besonders, weil die Mitbewohnerin sich normalerweise maximal Pasta mit Pesto macht. „Einmal im Jahr kann man ja“, sagt sie. Unbedingt!
Dann bricht die Mitbewohnerin auf und ich schiebe eine sehr schöne Yoga-Einheit ein, bei der ich ausnahmsweise mal die ganze Zeit sehr gut mitkomme. Liegt vermutlich daran, dass alle Asanas im Liegen stattfinden und vor allem gedehnt und geatmet wird. Trotzdem: Toll und gerne wieder.
Hinterher nehme ich den Laptop mit aufs Sofa und mache noch ein bisschen weiter Kram, bevor ich einen Feierabendbeschluss fasse und Kairos auslese. Gegen Ende wird es wieder ein bisschen weniger gruselig, dafür spannende Darstellung der Ereignisse und um die Wende – das deckt sich mit vielem, was ich aus meinem Umfeld über diese Zeit gehört habe, ist aber gerade für Lesende aus anderen Teilen des Landes (und der Welt) erhellend, wie ich aus Rezensionen weiß. Spannende Lektüre insgesamt.
Zum Abendbrot dann Pellkartoffeln, Quark, Leinöl und Gurkensalat. Dazu schaue ich – gestern war mir das nach dem See zu düster, heute nach dem Buch passt es – die ersten vier Folgen der aktuellen Staffel Wednesday. Wieder sehr viele schöne Details und witzige Oneliner, auch wenn mich die Handlung selbst nicht so fesselt. Ich finde es faszinierend, wie viele Kinder in meinem Umfeld die Serie (zumindest Staffel 1) gesehen haben und wie präsent die Figur in Kinderköpfen ist. Die Serie ist vermutlich zu Recht ab 16 und ich bin nicht sicher, ob das zwölfjährige Teilzeitkind für alle gruseligen Aspekte schon bereit wäre.
Kurz nach 11 gehe ich schlafen und fange zur etwas seichteren Lektüre nach Hans und Katharina erstmal einen Islandkrimi an, der kostenlos auf meinem neuen E-Reader drauf war. Liest sich gut weg auf den ersten Metern bis zum Einschlafen.