06.07.2024 – Programmreicher Sonnabend

Ich erwache sehr früh, vor halb 7 und beschäftige mich ein Stündchen still, bevor ich zum Glück nochmal für zwei Stunden einschlafe. Dann gemütliches Wachwerden und Herumtrödeln im Bett, mit zwei Liebstentelefonaten dazwischen, bis es irgendwann kurz vor 12 Zeit zum Aufstehen und Frühstücken wird. Es gibt herzhafte Stullen, den Rest Wassermelone und Sanddornschorle auf dem Balkon – es ist heiß heute. Ab dann wird es emsig.

Ich räume in meinem Zimmer umher (und sauge ein wenig Staub), um Platz für eine Möbelaufbausituation zu schaffen, bringe den Kompost herunter und reinige den Eimer (inkl. schon wieder diverser Fruchtfliegen in diversen metamorphosen Zuständen. Dann koche ich eine große Kanne Kaffee und lasse den Liebsten herein. Wir trinken beide Kaffee auf Eis – er mit Hafermilch und ich mit Tonic – und hören Musik, während wir das Geburtstagsgeschenk meiner Eltern aufbauen. Fairerweise muss man sagen, dass der Liebste hauptsächlich baut und ich zuarbeite, anreiche usw. Allerdings hat er besagtes Stück auch schonmal aufgebaut und kann sich so schneller in die Anleitung reindenken als ich. Außerdem ist es sein Akkuschrauber… 😉

Zukünftig weniger Chaos rund ums Bett dank doppelter Abstellfläche und etwa zehnmal mehr Stauraum. Außerdem bessere Lichtverhältnisse.

Nach etwa anderthalb Stunden sind wir fertig. Der Liebste geht nochmal duschen, dann treffen wir den Lieblingsnachbar, der heute Geburtstag hat, auf ein Eis. Für mich gibt es Sorbet – Grapefruit und Kirsch mit Schokostückchen.

Wir schlecken und erzählen und spazieren noch eine Runde, bis erste Tropfen vom Himmel kommen. Dann geht es wieder nach oben und ans Auf- und Einräumen der neuen Zimmergestaltung plus nochmal Saugen, Müll runterbringen, Katzenklos sauber machen und Sachen packen. Inzwischen unwettert es richtig und wir sitzen mit Mate und Radler auf dem Balkon und warten ab. Als der Regenradar günstig aussieht, laufen wir mit Umweg über den Supermarkt los und fahren mit zwei S-Bahnen nach Schöneberg, wo ein Freund des Liebsten zur Sommerparty eingeladen hat.

Auf dessen Dachterrasse wird wie beim letzten Mal gegrillt und wieder ist es eine große, linke, queerfeministische Gesellschaft. (Ich wollte linksgrün schreiben, aber der Liebste wies darauf hin, dass dort niemand grün ist.) Bei der Gelegenheit treffe ich auch endlich mal zwei jahrzehntelangjährige Freund*innen des Liebsten, die ich bisher nur aus Erzählungen bzw. virtuellen Kanälen kenne. Sehr schön. Wir plaudern bei Salaten, Halloumi und Maiskolben – der Liebste auch bei Würsten – und verfolgen nebenbei die stattfindenden Fußballspiele. Besonders das zwischen Niederlande und Türkei ist interessant, da es erstens in Berlin stattfindet und zweitens alle dafür sind, dass die Türkei jetzt rausfliegt, nachdem es gestern schon die Deutschen getroffen hat. Man erhofft sich eine ruhigere letzte EM-Woche dadurch. Der Plan geht auf, der Himmel bleibt auch trocken und so halten wir es noch eine ganze Weile auf der Dachterrasse aus, bis wir uns auf den Heimweg nach Südberlin machen.

05.07.2024 – Gemäßigtes Tempo #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Früh davon aufgewacht, dass der Mitbewohner ungewöhnlich früh wach ist. An den meisten Tagen geht er irgendwann zwischen 8 und 9 in die Küche, macht sich Kaffee und Müsli und verschwindet dann zu um 9 in seinem Zimmer an den Schreibtisch. Heute ist er schon gegen halb 8 am Start – wichtige Präsentation später, viel Aufregung. Na gut, bin ich halt wach und spüre in mich hinein. Meine Nebenhöhlen scheinen ein wenig zu zu sein. Ich mache den ersten COVID-Test seit einer ganzen Weile (negativ) und beschließe, es heute ruhig angehen zu lassen. Viel Alternativen habe ich ja aktuell eh nicht.

Als ich mit Internetrunde, Bloggen, Sorbisch, Norwegisch und Italienisch durch bin (und zwischendurch mit dem Liebsten telefoniert habe), mache ich mir Frühstück. Es gibt zwei Käsebrote mit Marmelade (Feige bzw. Erdbeere), letzten Joghurt mit Sanddornsaft und Aprikosen, Wassermelone und Mango-Ananas-Tee. Ich esse erst auf dem Balkon, aber es ist ganz schön frisch und außerdem wollen die Katzen auf meinen Schoß, also nehme ich doch alles mit ins Bett.

Nach dem Essen lese ich das „Mann vom Meer“-Buch zu Ende, das ging erstaunlich schnell. Als nächstes versuche ich mich mal an dem To Do, das ich schon länger auf der Liste habe. Ich will Bücher aussortieren, die ich nicht oder nicht wieder lesen werde und an denen ich auch sonst nicht hänge oder denen ich keinen gesteigerten kulturellen Wert beimesse. Ziel: Weniger Ballast, mehr Platz im Regal, evtl. etwas Geld damit verdienen. Ich gehe die ersten Paar Regalfächer durch und schaue, was davon sich über die üblichen Ankaufplattformen loswerden ließe. Es ist aber eher ernüchternd, die wenigsten Bücher werden dort gesucht und nur bei zweien gäbe es überhaupt einen Wert von über einem Euro bei Ankauf. Ich lasse das Ganze also erstmal wieder und nehme mir stattdessen vor, immer wenn ich zu meinen Eltern oder zum Liebsten fahre, einen Stapel Bücher für die dortigen Bücherzellen mitzunehmen. Überprüfen kann ich ja trotzdem und wenn ich dann mal einen größeren Stapel Verkaufbares zusammenhabe, tue ich das.

Jetzt ziehe ich mich endgültig an und gehe eine Runde nach draußen. Es stehen ein paar Besorgungen an und ich möchte auf dem Weg mal an den Brombeeren vorbeischauen und gucken, ob da so früh im Jahr schon was zu holen ist.

Ich finde eine kleine Handvoll reife zum Naschen, besonders weiter oben. Anscheinend waren hier schon Kinder oder Hunde am Werk.

Dann geht es weiter zum Einkaufen. Im Bio-Supermarkt haben sie gerade aus Jubiläumsgründen praktische Einkaufstaschen, von denen aufgrund des schicken Artischocken-Aufdrucks eine in meinen Korb wandert. Ich denke darüber nach, dass ich eine Vorliebe für Blüten und Knospen habe und wirklich sehr gerne Artischocken, Kapern und Zucchiniblüten esse – am liebsten jeweils frittiert. Außerdem gibt es gerade Stachelbeeren und ich kaufe mir eine kleine Schale – meine ersten in dieser Saison.

Im Drogeriemarkt kaufe ich Mitbringsel für einen Baby-Antrittsbesuch am Wochenende (das Baby ist allerdings schon fast zehn Monate alt, man kommt ja zu nichts) und dann gehe ich schon wieder nach Hause.

Dort koche ich inzwischen sehr hungrig die berühmte Tomatensauce von Marcella Hazan unter Verwendung einer der Tropea-Zwiebeln, die die Mamma vom Mitbewohner letzte Woche gekauft hat. Blöderweise merke ich zu spät, dass ich keine Butter mehr im Tiefkühlschrank habe und die offene nicht mehr reicht. Also muss ich mit Olivenöl auffüllen und es riecht alles nicht ganz so verführerisch wie beschrieben. Also denke ich mir nach einer Weile, dass ich ja auch sonst noch abwandeln kann und gieße etwas Kochwein dazu (es gibt noch Geburtstagsreste) und verfeinere mit Oregano und süßen Peperoni.

Der Mitbewohner hat inzwischen Feierabend und Wochenende und serviert zu diesem Anlass einen Campari Soda, von dem mir gleich leicht im Kopf wird. Ich esse die Riesenportion Mezze Linguine ohne Schwierigkeiten auf und habe noch eine große Portion Tomatensauce für später mal übrig. Dazu gibt es dann Wasser mit Himbeersirup, Limette und Orange.

Es ist dann noch etwas Zeit bis zum Anpfiff. Ich liege auf der Couch und lese in einem anderen Mammutprojekt weiter – nach der kurzen „Erholung“ mit Mann jetzt also wieder Grass. Das geht immer nur mit ausreichend Muße und ohne Bettschwere. Ich schaffe ein halbes Kapitel, dann habe ich eine Ausrede weil die Fußballsache losgeht. Ich bin hin- und hergerissen und würde es diesem deutschen Team sogar gönnen, aber am Ende finde ich es auch ein bisschen amüsant, dass Spanien gewinnt (vor allem wegen der lauten Schreie aus dem Hinterhof, für mein Tippspielergebnis ist es nicht so gut). Der Liebste und ich hatten uns so auf Elfmeterschießen gefreut und dann…

Beim zweiten Spiel haben wir da mehr Glück, dafür ist das Spiel vor dem Elfmeterschießen echt ziemlich langweilig. Ich spiele nebenbei die ganze Zeit auf dem Handy. Als Frankreich gewonnen hat ist es kurz vor Mitternacht und ich mache mich bettfertig. Dort fange ich dann noch eine leichte Lektüre für Zwischendurch an, der Grass ist weder inhaltlich noch physisch leicht genug fürs Bett. Das liest sich wirklich gut weg und ist interessant, aber irgendwann fallen mir die Augen zu.

04.07.2024 – Schlottenburg

Erstaunlich früh aufgewacht heute und dann zumindest den Morgen und Vormittag über viel Zeit gehabt, trotz anberaumten „Termins“. So viel Zeit, dass es nach dem Frühstück (Sanddorn-Joghurt mit Müsli, Orangensaft, Espresso Tonic) noch für Bett neu beziehen, Zimmer aufräumen und Wohnung saugen reicht. Damit bin ich dann gegen 12 fertig und mache mich auf den Weg Richtung Charlottenburg, wo ich eine Verabredung zum Mittagessen habe.

Spinat-Ingwer-Wantans mit Erdnusssauce, Papaya-Salat mit Tofu, Hibiskus-Nelken-Drink

Ich treffe mich mit einer ehemaligen Kollegin am Savigny-Platz (Hier bin ich so gut wie nie, mal wieder schön!) und wir haben uns viel zu erzählen, über Vergangenes, Aktuelles, Gesundheitliches und Karrierewege. Als sich unsere Wege trennen, beschließe ich, noch ein wenig durch diese Gegend zu spazieren und hole mir dazu einen Bubble Tea.

Kirschtee mit Aloe Vera und Litschi-Boba, wenig Zucker, wenig Eis

Ich laufe die Kantstraße hinunter Richtung Lietzensee und schreibe einer Freundin, die hier in der Nähe wohnt. Daraus ergibt sich dann, dass ich noch vor dem Lietzensee abbiege und sie mit ihrer Mama und ihren beiden Kindern an deren Kita treffe. Dann gehen wir gemeinsam Besorgungen machen, teilen uns zu fünft eine riesige Kugel Mangoeis, spielen im Innenhof und gehen dann nach oben in die Wohnung, zu Tee und weiteren Spielen. Als die anderen sich zum frühen Abendbrot niedersetzen, breche ich auf und nehme die S-Bahn nach Hause.

Die Katzen haben mich vermisst und wir verbringen eine kuschelige Zeit zusammen auf der Couch, während ich Stullen zum Abendbrot esse und gucke, was den ganzen Tag über so in der Welt passiert ist. Weil mir fröstelig ist, lege ich mich danach in die Badewanne und dann schon gegen 21 Uhr ins Bett. Eine gute Stunde verbringe ich noch mit Lesen, mit dem Liebsten telefonieren und einem Auge auf den UK-Wahlen, aber ich will dann doch nicht mehr bis zu den Exit Polls warten, sondern mache kurz nach 22 Uhr das Licht aus und hoffe auf langen, erholsamen Schlaf, der dir möglicherweise aufkommende Erkältung in Schach halten kann.

03.07.2024 – Kur zuhause

Für heute habe ich wieder einen Programmpunkt geplant, am späten Vormittag geht es zu kurähnlichen Aktivitäten ins Fitnessstudio – erst AquaFitness, dann ein bisschen Schwimmen, dann Dampfbad, dann zwei Saunagänge. Ein bisschen wie in einer antiken römischen Therme, nur dass alle versuchen, möglichst wenig miteinander zu sprechen und dass ich zwischen den Saunagängen im Ruheraum auf dem Kindle lese. Auf dem Heimweg schreibe ich einer besorgten Kollegin, die mir schon längere Zeit zu einer Kur geraten hatte, dass ich sozusagen Kur zuhause mache.

Dann wird gekocht. Durch das WG-Leben plus in der letzten Woche Besuch gibt es aktuell vier Packungen Eier im Kühlschrank. Ich schnappe mir die mit dem frühesten Mindesthaltbarkeitsdatum, koche alle sechs und bastle mir einen Eiersalat daraus – mit Kapern, sauren Gurken, Dill, Remoulade und Kaviarcreme. Dazu gibt es den Rest Sockeye-Wildlachs mit ordentlich Meerrettich, auf Brot, und den Tonic-Mocktail von neulich.

Müde und pappsatt lege ich mich danach hin und schlafe erstmal ein. Dann lese ich erst The Land Where Lemons Grow zu Ende (es fehlten nur noch die Kapitel über den Karneval von Ivrea und über Cedri/Zitronatzitronen) und dann endlich auch den Zauberberg. Jetzt kann ich endlich ohne Spoiler den Wikipedia-Artikel durchlesen, den ich hier ständig verlinke! Dabei stoße ich auf die beiden Verfilmungen – in der ersten wird Hans Castorp vom Vater eines Bekannten gespielt, die zweite kann man sich auf YouTube ansehen, was ich direkt tue. Gibt dem ganzen Erlebnis nochmal einen ganz anderen Spin, als Film ist das alles viel aufgeregter, spöttischer und lebendiger, als was mir die Stimme in meinem Kopf vorgelesen hat.

Noch später am Abend schaue ich zwei Folgen Succession, man will ja auch da vorankommen. Und dann fange ich vor dem Einschlafen noch das nächste Buch an – ich bleibe im Thema, denn es liegt noch was zum Anlegen auf meinem Bücherstapel: Mann vom Meer. Da fällt dann gleich am Anfang wieder vieles zusammen – Hiddensee, das Schreiben vom Zauberberg, die Liebe zur Ostsee, Elisabeth Mann Borgese, die ich mir immer in ihrem Haus am Strand in Nova Scotia vorstelle… So schläft es sich schön ein.

02.07.2024 – Hallo Trägheit, my old friend

Von der gestrigen Hirn-Überaktivität heute fast schon ins Gegenteil, überbordende Trägheit, gekippt – das ist so auch nicht ideal, es gilt den sweet spot zu finden. Ganz stimmt es auch gar nicht, denn ich nehme heute fast zwei Stunden lang an einem Videocall teil, putze die Katzenklos, nehme eine IKEA-Lieferung an (Aufbau und Bilder demnächst) und mache mir leckeres Essen.

Müsli mit Sanddornquark, Wassermelone, Tee mit Hafermilch, O-Saft
Heilbuttfilet mit Knoblauch, Dill und Zitrone aus dem Ofen, dazu Reis mit Erbsen – does not photograph well aber schmeckt gut
Stulle mit Käse und Tomate, Stulle mit Räucherlachs und Gurke, Aprikosen

Dazwischen heute viel im Zauberberg weitergelesen und quasi als Sekundärliteratur nach über 20 Jahren nochmal Die Manns angeschaut. Das habe ich damals in der Abizeit mehrfach gesehen, zuletzt am Tag vor dem Deutsch-Abi. So konnte ich meinen recht fadenscheinigen Aufsatz über Klaus Manns Mephisto mit jeder Menge biographischer Details anfüttern, was meine damalige Deutschlehrerin dazu brachte, mir komplett unverdiente 13 Punkte zu geben (und mir das auch noch zu sagen). Die Zweitkorrektur brachte realistischere 7 Punkte, woraufhin die Drittkorrektur anstand und ich schließlich 8 bekam – ganz schön schlecht für ein Leistungkursfach, das zog meinen Schnitt ganz schön nach unten. Wir wollen das aber nicht dem Film anlasten, der ist gut.

Ein bisschen Fußball gibt es auch – das Oranje-Spiel habe ich fast komplett gesehen. Beim zweiten Spiel fand ich die Manns dann insgesamt wieder spannender, bekam aber durchs Feuerwerk dann durchaus mit, dass die Türkei den neuen Geheimfavoriten aus dem Turnier gekickt hat.

01.07.2024 – Cool down

Nicht nur gehen sowohl die Temperatur als auch jede Menge Regen runter, ich befinde mich jetzt auch in einer Cool-down-Phase. Während die letzten beiden Wochen noch voller Aktivitäten und Vorbereitungen und Feiereien waren, liegt jetzt eine längere Strecke ohne größere geplante Vorkommnisse vor mir, was mir hoffentlich Gelegenheit geben wird, endlich ein bisschen abzuschalten, zu entspannen, den Stress hinter mir zu lassen und im Hier und Jetzt zu sein. To be statt to do wäre das Ziel.

Wie dringend das nötig ist, merke ich, als ich nach dem Frühstück auf dem Balkon sitzen bleibe und mich um meine Sprachkurse kümmere – sollte ja eigentlich eine entspannende Tätigkeit sein, ich gehe schließlich meinen Interessen nach, ganz ohne externe Motivation. Und ja, es macht Spaß, aber auch: Ich versuche, möglichst keine Fehler zu machen und so schnell wie möglich durchzukommen, klicke oft schon weiter, sobald das erlösende Häkchen da ist, ohne mir alles in Ruhe durchzulesen oder mir die Lösung nochmal anzuhören. Ich optimiere auf Zwischenergebnisse und Zeit, nicht auf langfristigen Lernerfolg. Und während das passiert, bin ich im Kopf immer schon drei Schritte weiter:

„Was steht als nächstes an, welche Reihenfolge an Schritten ist am sinnvollsten, wäre es nicht viel entspannender, wenn ich noch irgendwie Yoga, Meditation und einen Spaziergang einbaue? Was wollte ich nochmal alles machen, wenn ich endlich Zeit habe? Wie kann ich die frei gewordene Zeit so optimieren, dass ich das Meiste raushole? Achso, ich lerne ja gerade Norwegisch, da war was. Und außerdem wollte ich ja aufhören mich zu optimieren! Du musst Dich jetzt wirklich mal effizient entspannen, Mensch!“ Und so geht das immer weiter.

Ein bisschen hilft, als sich Noosa auf meinen Schoß setzt, kurz bevor ich meinen nächsten Programmpunkt abspielen will und ich dann doch noch etwas länger sitzen bleibe. Zumindest, bis es mir auf dem Balkon zu kühl wird. Dann gehe ich doch rein, lasse mir ein Bad ein und höre mir in der Wanne einen TED-Talk zu Selfcare an. Danach geht es dem Kopf ein bisschen besser. Ich bleibe auch noch eine ganze Weile im Bademantel auf dem Bett liegen und zwinge mich geradezu dazu, erst noch auf dem Handy zu spielen und mit drei Kolleg*innen zu schreiben (ausschließlich über Nicht-Arbeitsdinge, es geht um Konzerte, Wahlergebnisse und hoffentlich bald anstehende Berlinbesuche), bis ich mit meinem Tag weitermache.

Dann kommt Lebensmittel durchsortieren, Essensplan machen, Einkaufen und Mittagessen – es gibt Kartoffelsalat mit geräuchertem Sockeye-Wildlachs, hausgemachtem Honig-Senf-Dressing und Holunderblütenwasser.

Danach lege ich mich wieder hin, lese ein paar Seiten im Zauberberg und schlafe dann für anderthalb Stunden tief und fest ein. Jetzt bin ich ganz zufrieden mit mir und meiner Entspannung und verschiebe meine anderen für heute geplanten Aktivitäten mit angemessener Trägheit auf irgendwann später.

Als ich wieder richtig munter bin, ist es gar nicht mehr lange bis Fußball, also bleibe ich einfach liegen und lese weiter. Die beiden Fußballspiele schaue ich mit mehr oder weniger Konzentration an, während beide Underdogs leider verlieren. In der Pause dazwischen mache ich mir Abendbrot – ich habe trockenes Brot eingeweicht und mache daraus jetzt mit Büffelmozzarella, Tomaten und Basilikum eine Art Salat – sehr lecker!

Weiter gelesen wird auch noch, im Zauberberg und in den Nachrichten – in den USA wird gerade die Demokratie abgeschafft und Trump bekommt ordentlich Aufwind. Das zusammen mit Frankreich, Italien, Slowakei und nicht zuletzt der AfD macht keine gute Laune.

Kurz vor Mitternacht ist das Elfmeterschießen vorbei und ich gehe Zähneputzen und ins Bett.

30.06.2024 – Ganz langsam

Unruhige Nacht und früh aufgewacht, aber alle drei. Als der Liebste kurz vor halb 7 (an einem Sonntag!) aufsteht, um Kaffee zu kochen, ist das Teilzeitkind schon aus den Federn und bereitet sich auf einen Ausflug vor. Ich trinke meinen Kaffee aus und geselle mich dazu – alles eingepackt? Eine gute Stunde später wird das Kindelein abgeholt und wir verziehen uns nochmal ins Bett. Irgendwie bin ich aber jetzt grad wach und relativ energiegeladen, also stehe ich doch wieder auf und räume die Küche auf, während der Liebste wieder einschläft. Ich frühstücke erst Kuchen und dann Nudelsalat und Orangensaft und kümmere mich auf dem Sofa ausgiebig um meine Schlafstudien. Der Liebste kommt dazu, frühstückt Jambalaya und dann liegen wir wieder beide im Bett und ICH schlafe nochmal ein. Zweites Frühstück ist dann Jambalaya und Espresso Tonic und dann habe ich wieder einen Energieschub, ziehe mich an, packe meinen Kram zusammen und fahre nach Hause – immer achtsam sein mit der Energie!

Zuhause erwartet mich eine Wohnung mit nur noch einem (schlafenden) Italiener – der Besuch ist gestern abgereist. Dafür sind Fruchtfliegen eingezogen, um deren Bekämpfung ich mich erstmal ausgiebig und mit Funny-Van-Dannen-Ohrwurm kümmere. Der Rest des Tages wird dann wieder ganz geruhsam.

Ich verbringe den Nachmittag und Abend auf meinem Bett vor der aufklappbaren Glotze und schalte munter zwischen Fußball (England-Slowakei im letzten Drittel spannend und am Ende leider unglücklich für die Slowaken, Georgien-Spanien durchgehend spannend, schade Georgien!), Succession und Kaulitz & Kaulitz hinterher (nach Lektüre dieser guten Einordnung im Musikexpress).

Kapitalismus-TV in drei sehr unterschiedlichen Ausprägungen, davon Succession die unangenehmste, dafür aber wenigstens fiktional. Zwischen all dem auch noch erste Hochrechnungen aus Frankreich, die auf die Stimmung schlagen. Da hilft dann wirklich nur noch K&K-Eskapismus, der wirklich überraschend unterhaltsam ist. Sehr wholesome, die Beiden. Und bei dem Nachnamen und der Herkunft sind die ja auf jeden Fall auch eigentlich Sorben, von daher all power to them!

29.06.2024 – Noch ne Feier

Und damit schließt sich der Kreis, der Monat in dem das Teilzeitkind, ich und der Liebste Geburtstag haben, ist vorbei und heute ist dann der Tag der letzten Feierei. Wir lassen den Morgen noch gemütlich angehen und machen uns gegen 11 auf den Weg, um vorletzte Einkäufe zu erledigen. Einmal Supermarkt und Wochenmarkt bitte. Dazwischen gehe ich auf Wunsch eines einzelnen Kindes mit ebenjenem durch mehrere Schreibwarenläden auf die Suche nach der neuesten äddischn der Stifte, die man haben muss, um auf dem Schulhof mithalten zu können. Im dritten werden wir fündig, nehmen dann aber den Bus für den Rückweg um schneller zu sein.

Dort gibt es Frühstück und danach beginnt die heiße Phase der Vorbereitungen. Ich räume den Tisch ab und mache Nudelsalat, bringe Altglas und Müll weg, stelle Getränke kalt und ziehe nochmal los, um die allerletzten Einkäufe zu erledigen, derweil gehen der Liebste und das Teilzeitkind in den Extrem-Aufräum- und Putzmodus.

Pünktlich mit noch etwas Luftholzeit sind wir fertig und haben dann nochmal Ruhe, bis mit ordentlicher Verspätung nach und nach die Gäst*innen eintrudeln. Als genügend Publikum da ist, koche ich mit dem Teilzeitkind (also das Teilzeitkind kocht und ich assistiere) sein berühmtes Jambalaya.

Es läuft Musik, es wird geschlemmt, die eine oder andere Flasche Sekt wird geöffnet – später ergänzt um Agua de Valencía und Wildberry Lillet. Das Italien-Spiel kriegen wir nur im Nachhinein über Eilmeldungen mit und sind ganz froh, heute nicht beim Stammitaliener zu sitzen. Stattdessen spielen wir Hitster, wie könnte es anders sein, und im Team mit einem Gast aus des Liebsten weit entfernter Jugendzeit räume ich ordentlich ab.

Das Deutschland-Spiel läuft dann auf dem Fernseher, auch wenn nur eine Hälfte der Anwesenden gebannt zuguckt – aber sonst hätte sich die Runde zu schnell aufgelöst, das kann ja keiner wollen. Erst mit der Unwetterunterbrechung bekommt es die Aufmerksamkeit aller – wir kramen reihum unsere liebsten Songs mit Wetterbezug hervor. Irgendwann während der zweiten Halbzeit geht das Teilzeitkind ins Bett. Wir sitzen noch und erzählen, bis gegen halb 1 auch die letzten Gäst*innen den Heimweg antreten und fallen dann todmüde ins Bett.

28.06.2024 – Für länger

Morgens noch fast im Halbschlaf mit dem Liebsten telefoniert, der einen langen Tag vor sich hat. Dann gemütliches Wachwerden und morgendliche Dinge tun, inkl. schon wieder Balkongießen (Sommerhitze ist noch da), Duschen, Haare an der Luft trocknen lassen und den letzten Rest Geburtstagskuchen zum Frühstück.

Gegen 11 gehe ich nach Draußen und spaziere zur Arztpraxis, wo meine aktuelle Diagnose nochmal bestätigt und die Krankschreibung verlängert wird. Auf dem Heimweg werde ich kurz vor Schluss noch ordentlich nass, als wieder ein heftiger Regenguss niedergeht – ohne Gewitter heute, es bleibt auch danach heiß.

Die Krankschreibung und fortschreitende Abwesenheit in alle Systeme eingetöckelt und kurz mit meiner Chefin geschrieben, dann geht es nochmal nach draußen, ein paar notwendige Dinge einkaufen. Zum Mittag gibt es Salat aus der Supermarkttheke.

Am Nachmittag packe ich meinen Rucksack fürs Wochenende und fahre nach Südberlin zum Liebsten. Dann ist erstmal wieder Chillzeit. Ich schreibe länger mit der Kollegin und Freundin in Frankreich, dann bestellen wir Abendbrot für die freitägliche TV-Dinner-Runde und der Liebste geht auch nochmal schnell was einkaufen.

Erst kommen die Burger und Pommes an, dann ist der Liebste wieder da, dann kommt das Teilzeitkind vom Turnen zurück. Wir machen es uns auf der Couch gemütlich und schauen eine Doku über archäologische Untersuchungen im römischen Reich (Pompeji, Sizilien, Meeresgrund). Mein Kopf bekommt Ideen für die Herbstferien – echt nervig, dass die in Berlin seit ein paar Jahren immer so spät im Jahr liegen.

Hawaii Burger mit Süßkartoffelpommes und Coleslaw

Nach dem Essen backe ich noch einen neuen Geburtstagskuchen, denn morgen steigt die Party des Liebsten. Dank mehrerer Runden Gehzeit kann ich nebenbei zwei Folgen Succession gucken. Gegen halb 1 ist der Backofen wieder soweit abgekühlt, dass er den Kuchen über Nacht aufnehmen kann und wir gehen schlafen.

27.06.2024 – Passiverholung

Nachdem der gestrige Tag körperlich ganz schön anstrengend war, setze ich heute auf die eher passive Art der Erholung. Bis auf ein bisschen Haushalt (Wäsche, Katzenklos, Pflanzen gießen), bleibe ich heute einfach liegen.

Unter anderem lese ich wieder viel im Zauberberg weiter und überlege, wie diese Art der Kur wohl für mich wäre – fünf ausgiebige Mahlzeiten am Tag, dazwischen Spaziergänge und lange Liegekuren bei jedem Wetter auf dem Balkon. Eigentlich ganz erstrebenswert, wären da nicht die vielen anderen Patient*innen, mit denen man ständig Kontakt hat und das fehlende WLAN…

In meiner Wohnung ist auch viel Kontakt, der italienische Besuch ist immer noch da und ab und zu schrecke ich auf, weil die Gespräche wie Streit klingen, aber einzelne Wortfetzen und zwischendurch Lachen deuten immer wieder darauf hin, dass sich alle lieb haben. Ich verstehe übrigens viel, wenn sie mit mir reden und wenig, wenn sie untereinander reden, denn natürlich sprechen sie „Dialekt“ – im Italienischen sind diese sehr stark ausgeprägt bzw. oft eher Regionalsprachen. Wie man auf der Karte sieht, ist das Abbruzzesische mit dem Kampanischen verwandt, das ich von Il Professore und seiner Familie kenne und ein bisschen merke ich das beim Zuhören.

Zum Mittagessen gibt es eine Portion vom primo der anderen – Spaghetti, die in der Pfanne gekocht wurden, in der vorher diverse Zwiebeln zubereitet wurden. Die Mamma vom Mitbewohner hat im Biomarkt Zwiebeln entdeckt, die denen aus Tropea ähneln. Die hat sie in der Pfanne angebraten, so lange, bis sie ein weicher Brei wurden, dann mit kochendem Wasser aufgegossen und darin dann die Spaghetti zubereitet, ähnlich wie diese, und am Ende Pecorino darüber gerieben. Danach bin ich so platt, dass ich mehrfach wegdöse. Zum richtigen Mittagsschlaf kommt es aber nicht, weil genau im falschen Moment ein Gewitter losdonnert und ich wieder wach werde, dann regnet es ordentlich, so dass selbst auf meiner Nicht-Wetterseite des Hauses die Fensterscheiben vor Regen schwimmen.

Ich lese also weiter und probiere nebenbei ausgiebig das neue Massagegerät aus – Nacken und Schultern, oberer und unterer Rücken, Beine… Macht Spaß und tut gut. Als ich genug gelesen habe, gucke ich weiter Succession und damit geht dann auch der Abend schnell rum. Die Tage fliegen nur so dahin im Moment.