24.03.2025 – Überfahrt mit Hindernissen

Also, dieses Gummibärchen gestern (Der Freundeskreis Spannungsbogen darf sich heute über mehrere Bogenschleifen freuen…), das hat mir doch tatsächlich wieder die Teilkrone aus dem Gebiss gezogen, die wir doch gerade erst wieder mühsam eingesetzt hatten. Natürlich nach 21 Uhr an einem Sonntagabend in einer fremden Stadt, bevor ich am Morgen auf eine Fähre steige, um wo hinzufahren, wo es gar keinen Zahnarzt gibt. Hier ein paar Flüche vorstellen. Ich recherchierte schnell, stellte fest, dass ich den eigentlich vorhandenen Notdienst um zwei Stunden verpasst habe und dass aber eine Praxis zwischen mir und dem Fähranlieger liegt und die in der Theorie früh genug aufmacht, schrieb da eine E-Mail hin, schmiss meine Planung für den Morgen um und ging sehr früh schlafen.

Der Wecker hätte dann um 6 geklingelt, aber unter den Voraussetzungen bin ich natürlich vorher wach. Schnell die Nachrichtenlage checken, bloggen, anziehen, Koffer packen und dann tapere ich zum Frühstück hinunter. Schon wieder an ein Loch im Zahn angepasstes Essen – ich entscheide mich für ein gekochtes Ei, Rosinenstuten mit Käse, eine Banane, einen doppelten Espresso, einen Kräutertee und Apfelsaft. Die Getränke gehen alle nur in kleinen Schlucken und am besten eher lauwarm vong Temperatur her. Ich brauche aber auch dringend was in den Magen für die Überfahrt nachher. Also rin damit, dann auschecken und rüber zur Zahnarztpraxis.

Ich bin eine Viertelstunde vor Öffnung da und damit die erste Patientin. Man hat meine E-Mail gelesen und es wird alles klappen – allerdings gibt es vorher noch ein paar Patient*innen mit Termin. Ich warte dann aber nichtmal eine halbe Stunde, dann werde ich kompetent und schnell verarztet – anders als bei meiner Zahnärztin neulich sogar ohne Zuzahlung. Hoffentlich hält es diesmal länger, wenigstens, bis ich wieder in Berlin bin wäre schön. Wieder draußen telefoniere ich erleichtert mit dem Liebsten und rollkoffere dann freudig zum Fähranleger. Den Deich hoch ist noch kein Problem, den Deich entlang auch nicht, die Treppe den Deich hinunter ist dann wieder für den Spannungsbogen. Bei der vorletzten Stufe rutsche ich irgendwie ab, oder vielleicht auch nur der Koffer und ich hinterher – es ist unklar – und verdrehe mir irgendwie den Fuß. Hätte ich mal die Wanderschuhe angezogen, denke ich mir.

Ich sitze kurz und sammle mich und horche in den Fuß hinein. Der tut ein bisschen weh. Ich beruhige mehrere besorgte Menschen um mich herum und stehe dann wieder auf, als ich genug Kraft verspüre, um den Rucksack auf dem Rücken mit hochzukriegen und mich dabei auf den Koffer zu stützen. Die letzten Meter zur Fähre gehen ganz OK, aber mit zunehmenden Schmerzen. Verdammte Axt. Bei meinen Recherchen gestern habe ich gesehen, dass es auf der Insel keinen Zahnarzt gibt, aber zumindest eine Klinik. Von daher ziehe ich jetzt durch. Koffer abgeben, die Gangway hoch humpeln und dann erstmal einen bequemen Platz mit Blick aufs Wasser suchen, an dem ich den Fuß hochlegen kann (der wehe Arm wurde auch wieder in Mitleidenschaft gezogen, aber beruhigt sich dann relativ schnell wieder).

Bis die Fahrt losgeht, habe ich noch Zeit, mir in der Kombüse ein Kühlpack zu besorgen. Damit behandle ich den Fuß so gut es geht während der Überfahrt, bequem ist aber anders. Wenigstens ist die See sehr viel ruhiger als befürchtet. Nach einer Weile habe ich mich soweit beruhigt, dass ich erst Duolingo und Babbel machen kann und dann sogar mein Buch weiterlese. Die Schmerzen halten sich auch in Grenzen, vielleicht ist ja alles nur halb so schlimm.

Nope, es ist doch ganz schön schlimm, merke ich, als ich nach dem Anlegen in Helgoland plötzlich wieder laufen muss. Jetzt ist wirklich jeder Schritt eine Tortur und außerdem kann ich nicht rund laufen, sondern muss mich in kleinen schmerzhaften Tippelschritten voranbewegen. 750 m sind es zum Hotel, ich mache einige Pausen zwischendurch.

Beim Einchecken kurze Verzweiflung, dass mein Zimmer im zweiten Stock ist (kein Fahrstuhl), aber die Inhaberin bringt mir immerhin den Koffer hoch. Jetzt bin ich auch etwas traurig, dass ich um Geld zu sparen auf ein Zimmer mit Meerblick verzichtet habe. Ich sehe mich schon viel Zeit im Liegen verbringen. Wenigstens gibt es den Meerblick aus dem Frühstücksraum und von der Terrasse. Ich ruhe mich kurz aus, besehe die Füße (der linke ist deutlich dicker und färbt sich langsam blau), telefoniere nochmal mit dem Liebsten, optimiere die Schuhsituation packe mir ein Täschchen für das nächste Abenteuer: Besuch in der Inselklinik.

Die ist zum Glück nur vier Minuten zu Fuß entfernt (also mit gesunden Füßen), allerdings geht es ein Stück bergauf. Ich erwische den diensthabenden Arzt noch in Zivil, er kam eben mit mir auf dem Schiff rüber, und werde ausführlich untersucht, inklusive Röntgen. Ein Pfleger schiebt mich im Rollstuhl ins Röntgenzimmer, das ist mal ein Service! Leider kommt dabei raus, dass wohl doch ein Stück vom Sprunggelenk abgesplittert ist, scheinbar bin ich doch mit dem Knöchel an die Treppenstufe gekommen. Ich kriege eine Schiene ungelegt, die ich die nächsten 4-6 Wochen tragen soll, und außerdem genug Schmerzmittel, um bis morgen Vormittag versorgt zu sein, wenn ich es in die Apotheke schaffen muss. Der Arzt verbietet mir Sport, erlaubt aber alles andere. Ich soll bei meinen Gängen über die Insel langsam machen, Pausen einlegen und es nicht übertreiben.

Tolle Wurst, so habe ich mir den Inseltrip nicht vorgestellt! Wieder draußen hole ich mir erstmal ein Krabbenbrötchen – das spartanische Frühstück ist jetzt mehr als sieben Stunden her und die Schmerzmittel brauchen ja auch eine Grundlage. Damit sitze ich in der Sonne, gucke aufs Wasser und update die Familie. Der Liebste sagt nicht zu Unrecht, dass ich wohl einfach nicht für das Draußen gemacht bin und vielleicht zukünftig besser drinnen bleiben sollte. Mal gucken.

Mit Schiene und Schmerzmitteln geht der Rückweg etwas leichter. In meinem Zimmer angekommen lege ich mich erstmal bockig hin und ragenappe ein wenig, ich bin total erschöpft. Am späten Nachmittag dann beschäftigt mich, dass ich noch irgendwann Abendbrot essen muss und dass die nächsten beiden Tage weniger sonnig werden sollen. Also raffe ich mich nochmal auf, taste mich vorsichtig die Treppe hinunter (bergab tut mehr weh als bergauf) und gehe nochmal nach draußen. Vorsichtig laufe ich am Wasser entlang und komme am Fallersleben-Denkmal vorbei (das Deutschlandlied hat er hier geschrieben).

Bald entdecke ich den Fahrstuhl, der ins Oberland fährt. Enthusiastisch kaufe ich mir gleich eine Zwölferkarte und fahre hoch. Hier oben ist gleich die Apotheke, das ist schon mal super. Allerdings hat sie schon zu, aber ich muss ja eh erst oben hin. Daneben ist ein kleiner Lebensmittelladen (der Supermarkt hat eben schon zugemacht) und ich hole mir Snacks und Limo für den Abend und ggf. einen langen Betttag morgen – man muss ja vorbereitet sein. Wenig später sehe ich eins der bestbewertetsten Restaurants der Insel und versuche auf gut Glück einen Tisch zu kriegen. Ich darf am Tresen Platz nehmen.

Ich bestelle mir Mangosaft und Knieper und arbeite mich dann langsam aber stetig durch den Berg Krebsscheren durch. Allerdings merke ich nach der guten Hälfte, wie meine Aufnahmekapazitäten geringer werden. Das Histamin von Krabben gestern, Krabben vorhin und Knieper jetzt macht sich auch bemerkbar. Schweren Herzens lasse ich den Rest zurückgehen, werfe die nächste Dosis Schmerztabletten ein, zahle und mache mich auf den Heimweg. Das Laufen geht jetzt schon immer besser, vielleicht kann ich ja doch noch ein wenig die Insel erkunden in den nächsten Tagen. Jetzt aber erstmal ab ins Bett!

23.03.2025 – Bettenwechsel

Ein weiterer gemütlicher Morgen mit der Freundinnenfamilie. Nachdem das Baby sein Mittagessen hatte, gehen die Freundin und ich mit ihm raus und schieben es mehrfach um einen See in der Nähe. Auch am vierten Tag haben wir uns immer noch viel zu erzählen, deshalb setzen wir uns zwischendurch auch nochmal auf eine Bank.

Nach der Rückkehr heißt es Abschied nehmen, denn heute reise ich weiter. Es geht mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, mit einem „Metronom“ nach Harburg und von da mit dem RegionalExpress über durch das Alte Land und quasi der Elbe folgend bis an ihre Mündung. In Buxtehude denke ich an die vielen Gelegenheiten, in denen Buxtehude in der Sprache vorkommt – und an einen der großen Komponisten, der damals nach Buxtehude gelaufen ist, um einen potenziellen Lehrer zu besuchen – Bach? Beethoven? Ich hab’s vergessen. In Stade denke ich an einen Bekannten aus Uni-Zeiten, der von da kam. In Hemmoor denke ich natürlich an Thees Uhlmann. Und in Cuxhaven dann an ein Mädchen, das ich 1999 auf Sprachreise in England kennenlernte. Sie trank Aloe-Vera-Saft gegen ihre Neurodermitis, erzählte einen Witz über Thunfisch und hieß mit Spitznamen wie ein orangefarbener Comic-Kater.

In Cuxhaven checke ich ein, nehme mir einen Apfel aus dem Alten Land von der Rezeption mit, bringe meine Sachen aufs Zimmer auf Deck 3 und laufe dann los, die Stadt zu erkunden.

Leider bleibt keine Zeit, um bis zum Strand zu laufen, ich sehe also weiterhin nur die Elbe, nicht die Nordsee. Dann kehre ich in einem Fischrestaurant ein und esse Abendbrot.

Kapitänsteller mit Rotbarschfilet, Matjes, Nordseekrabben und Bratkartoffeln, dazu hausgemachter Eistee
Hausgemachte Rote Grütze mit schön dicker Vanillesauce, wahrscheinlich die beste Rote Grütze meines bisherigen Lebens, Dr. Oetker kann einpacken

Dann spaziere ich im letzten Glimmen des Tages zurück in meine Unterkunft. Ich telefoniere mit dem Liebsten, schaue die letzte Folge Marzahn, Mon Amour (wirklich große Empfehlung!) und noch ein bisschen anderen Kram, esse Betthupferl-Gummibärchen, die auf dem Kopfkissen lagen (großer Fehler, aber dazu morgen mehr) und gehe sehr früh schlafen.

22.03.2025 – Mit vier Verkehrsmitteln durch Hamburg

Der Morgen verläuft wieder sehr entspannt und babylastig, heute sogar mit Badesession für das jüngste Gangmitglied. Das bleibt dann hinterher mit Papa zu Hause, während seine Mama und ich in die Stadt fahren. Mit der U-Bahn geht es nach St. Pauli und dann mit dem Fuß hoch hinaus auf den Bunker, von wo aus man einen tollen Blick über die Stadt – und ins Millerntorstadion hinein – hat.

Wieder unten spazieren wir über einen Flohmarkt und kehren dann anlässlich des Indie Book Days in eine kleine Buchhandlung ein, in dem ich meine Reiselektüre um ein weiteres Meer-Buch aus einem unabhängigen Verlag erweitere.

Weiter im Schanzenviertel gibt es ein Eis gegenüber der Roten Flora und dann nehmen wir die S-Bahn und fahren hinüber nach Altona. Hier hat die Freundin früher gewohnt und ich habe sie hier auch zweimal besucht. Wir laufen durch die alte Hood und schauen, was sich verändert hat.

Die nächste Station – den Elbstrand in Övelgönne – erreichen wir mit dem Bus. Durch den Sand und mit Blick auf echte Wellen stapfen wir bis zu einem Café, holen uns Kuchen, Brezel und Kaffee und schauen dann schwatzend aufs Wasser.

Und dann wird es so richtig Hamburg – wir nehmen die Fähre zurück elbaufwärts bis zu den Landungsbrücken, stehen oben auf Deck und lassen uns Wind und Gischt ins Gesicht wehen.

Den Heimweg bewältigen wir dann wieder mit der U-Bahn. Dann erstmal Füße hoch und ausspannen, bevor es zum Abendbrot selbst gemachte Pizza gibt.

Wir beschließen den Abend mit weiteren Folgen Marzahn, mon amour und knabbern einen spannenden nepalesischen Snack – getrocknete saure Lapsi-Beeren, die gesalzen und mit Zucker und Chili gewürzt sind. Ungewöhnlich, lecker und ein bisschen süchtig machend…

21.03.2025 – 20.797 Schritte in Hamburg

Der Morgen verläuft gemütlich und babyzentriert. Gegen 11 schaffen wir es an den Frühstückstisch und gegen 12 bin ich bereit für die Welt da draußen. Erst geht es mit der U-Bahn wieder zurück in die Innenstadt, dann laufe ich durch Speicherstadt und Hafencity hinunter an die Elbe. Nach der Alster ist heute der andere große Fluss dran.

Fast trockener Fleet
Elphi
Rickmer Rickmers, beherbergt verrückterweise einen Escape Room an Bord
Auktionshalle am Fischmarkt

Es ist wieder sonnig und warm (19 Grad!!) und trotz Wochentag ist unheimlich viel los am Wasser. Das gibt sich erst, als ich am Fischmarkt dann Richtung Stadt abbiege und durch Altona nach St. Pauli laufe. Der Beatles-Platz muss natürlich sein, dann geht es durch die Große Freiheit vorbei am Kaiserkeller und am Indra (und am Gruenspan, wo ich 2006 mal als Plus 1 auf der Gästeliste bei Danko Jones war. Das waren noch Zeiten!

Rote Flora

Zwischen St. Pauli und Schanzenviertel beginnt dann das entspannte Hamburg, wo ich mich gleich viel heimischer und zugehöriger fühle als gestern bei den Schickimickis – wobei der Liebste ja behauptet, dass in Hamburg früher selbst die Antifa posh war. Ich finds sehr angenehm, bin aber vielleicht inzwischen auch selbst viel gesetzter. Im Schanzenviertel hole ich mir ein von der Freundin empfohlenes wirklich sehr gutes Franzbrötchen (und einen Espresso Tonic), die ich dann noch übers Messegelände bis in Planten un Blomen trage. Dort esse und trinke ich auf der Wiese sitzend und lasse mich von Enten beobachten.

Überall ist Frühling ausgebrochen, alles grünt und blüht und irgendwie verging dieser Winter unglaublich schnell, finde ich. Ich laufe quer durch den Park, durch den Botanischen Garten und die Wallanlagen entlang. An einem sonnigen Plätzchen bleibe ich nochmal sitzen, lese das nächste Kapitel in der Offenen See und schlafe dabei wieder fast ein.

Im letzten Stück Grünanlage komme ich an dem riesigen befremdlichen Bismarck-Denkmal vorbei und dann stehe ich auch schon wieder über den Landungsbrücken. Ich steige in die U-Bahn und fahre zurück zu meiner Freundin. Dort riecht es bereits sehr köstlich – heute gibt es nepalesisch! Es gibt Dal Bhat (Linsensuppe und Reis) mit Hähnchen und Rettich, Gemüse (in diesem Fall einen Rest Zucchini, was eher untypisch ist) und zwei Sorten Achar, eins eher flüssig, mit Tomaten, Chili und Koriander und eins mit gekochten Kartoffeln, Gurken, Erbsen, Chili und Bockshornkleesamen. Sehr lecker alles (und ordentlich scharf).

Nach dem Essen geht das Baby ins Bett und wir großen schauen noch zwei Folgen Folgen Marzahn, mon amour, trinken alkoholfreies Bier, naschen Schnapspralinen und erzählen noch bis wieder fast Mitternacht.

20.03.2025 – Frühling in Hamburg

Gegen halb 6 macht Noosa ein Geräusch das klingt, als ob ein Handy vibriert. Ich drehe mich wieder um, aber sie ist in Spiellaune und will jetzt Action, bis ich richtig wach bin. Dann halt doch nicht bis zum Weckerklingeln um 7 schlafen, dafür geschieht alles stressfrei und ich komme viel früher los, als gedacht. So kann mir auch der BVG-Streik nichts anhaben, ich fluche nur kurz, als die Rolltreppe an der Friedrichstraße nicht geht und nehme entspannt den Fahrstuhl (nur wegen des Gepäcks). Am Hauptbahnhof habe ich auch noch superviel Zeit und kaufe mir noch ein praktisches Notizbuch in Reisegröße.

Mit nur einer Minute Verspätung steige ich in Hamburg bei strahlendem Sonnenschein aus dem Zug (zwei Wunder in einem Satz!). Ich schließe mein Gepäck weg und laufe dann einfach drauflos, durch das Viertel, in das uns Herr Buddenbohm täglich mitnimmt. Sehr bunt, viele Geschäfte mit außergewöhnlichen Obst- und Gemüsesorten, viel sichtbare Armut. Das haben wir in Berlin so nicht, solche Viertel direkt am Hauptbahnhof. Aber Berlin hat ja auch kein Stadtzentrum. Weil nebenbei eine Freundin anruft und ich so nicht navigieren kann, laufe ich in einem ziemlichen Zickzack, bis ich an die Alster komme. Dort setze ich mich dann in ein Restaurant, draußen ans Wasser, und bestelle mir Cranberry-Saft und ein superleckeres Ceviche (mit Süßkartoffel, Limettensaft und Koriander) zum Mittag. Das ist dann nur hamburgisch teuer und nicht furchtbar teuer, wie alles was nicht auf der Mittagskarte steht. Das Publikum ist entsprechend.

Am Nebentisch junge Männer mit Polohemden und gegelten Haaren und ältere Männer mit schwarzen Anzügen und weißen Hemden, die sich darüber unterhalten, wie ihre Kinder für das Auslandsjahr ihr Motorrad verkaufen mussten und jetzt zum Studium in einer eigenen Wohnung in Berlin wohnen und so Sachen. Ich breche nach dem Essen schnell wieder auf und laufe die Außenalster entlang.

Dann geht es einmal um die Binnenalster, mit einer längeren Pause auf einer Bank in der Sonne, wo ich mein nächstes Buch anfange: Benjamin Myers – Offene See. Zwischendurch gucke ich aufs Wasser und beobachte die Enten. Dasitzen und gucken muss ich üben, das steht in den Tagen noch öfter auf dem Programm.

Nach der Umrundung der Binnenalster besorge ich schnell noch Mitbringsel für meine Gastgeber*innen und spaziere durch die Altstadt, die plötzlich sehr venezianisch aussieht.

So entscheide ich mich für italienisches Gebäck und Macchiato statt Franzbrötchen und Tee und setze mich vor ein italienisches Café.

Dann wird es langsam Zeit, mein Gepäck wieder abzuholen, bevor ich nachzahlen muss. Ich steige damit in die U-Bahn und fahre raus nach Wandsbek, wo meine Freundin inzwischen mit Mann und Baby wohnt. Der Rest des Tages und Abends vergeht mit Erzählen. Wir stellen entsetzt fest, dass wir uns sieben Jahre lang nicht gesehen haben – u. a. war da diese Pandemie und außerdem hat sie auch noch einen Teil der Zeit in Nepal gewohnt. Zum Abendessen gibt es Tagliatelle mit Garnelen, Salat und Wein und irgendwann gegen Mitternacht liegen alle im ihren Betten.

19.03.2025 – Quarkkeulchen, Tapas und Hugh Grant

Morgens im Bett still Sachen machen ist was ganz anderes, als wenn als Reaktion auf die Sachen plötzlich schon kurz nach 8 der Bruder anruft und man dann ganze Sätze sprechen soll, mit Artikulation und allem. Routine im Eimer, aber immerhin erfahre ich so von einer Quarkkeulchen-Möglichkeit, die ich im Laufe des Tages zu einer Tatsächlichkeit manifestieren kann. Erst aber zurück in die normale Routine und mit dem Liebsten telefonieren, Französisch lernen, Italienisch lernen und irgendwann Katzen füttern und frühstücken – auf dem Balkon, solange die Sonne drauf scheint.

Dann gibt es einen Podcast auf die Ohren und erstmal eine Runde Hausarbeit. Damit bin ich überraschend so früh durch, dass immer noch Sonne auf dem Balkon (alles wegen des disruptive Morgens) ist und ich mich mit dem Laptop nochmal raussetze und meinen Onlinekurs weitermache. Irgendwann dann Schatten, Kälte und Wechsel ins Arbeitszimmer.

Am frühen Nachmittag geht es dann hinaus in die Welt. Ich füge mal wieder Puzzlestücke passend ineinander und bringe Sommerkleidung, die seit dem letzten Sommer gewaschen in einem Beutel ausharrte, zur Schneiderei um sie ausbessern zu lassen. Das dauert immer eine ganze Weile, aber ich fahre morgen ja weg und wenn ich wieder da bin, hole ich sie ab und dann kann der Sommer von mir aus kommen (morgen erstmal Frühling). Mit dem nächsten Podcast geht es dann zur S-Bahn, denn die BVG wird gerade wieder bestreikt. Das überlastet natürlich die S-Bahn, so dass ein Stellwerk ausfällt und ordentlich Chaos herrscht. Erst im dritten Anlauf schaffe ich die letzte Station, die mich so nah an die Wohnung der Ellis bringt, dass ich in einer guten Viertelstunde hinlaufen kann.

Dort großes Hallo mit Mama, Papa und Bruder. Die Quarkkeulchen nach Omas Rezept sind fast fertig und kommen dann direkt auf den Tisch.

Den Nachmittag und frühen Abend verbringen wir erzählend – aktuelle Geschehnisse, Pläne, Geschichten von früher, Technologieberatung (Stichwort Entmilliardärisierung, wir sind alle unterschiedlich weit gekommen) und vieles mehr. Irgendwann breche ich wieder auf, mit Streikumwegen dauert der Heimweg gleich eine ganze Stunde, dafür gibt’s die Spree nochmal im Dunkeln und den dritten Podcast des Tages.

Im Moment des Umsteigens bestelle ich mir Tapas zum Abendbrot – seit Tagen das Leben in Madrid zu beobachten hat seinen Preis. Zum Glück komme ich rechtzeitig vor dem Essen zuhause an, kann noch die Katzen füttern und meinen Koffer für morgen vom Schrank holen. Dann erstmal Tapas und zwei Folgen Valeria.

Tortilla, Croquetas mit jambón, frittierte Chipirones mit Rucola, Zitrone, Aioli und Brot

Die zwei Folgen werden mehrfach durch Kommunikation unterbrochen. Die Schwester des Liebsten hat heute unverhofft Hugh Grant live gesehen, berichtet und schickt ein Beweisfoto. Der Liebste berichtet von seinem Tag. Die Freundin in Madrid gleicht Termine ab und bucht ihren Flug nach Berlin im Sommer. So komme ich erst ziemlich spät in meine letzte Badewanne für wahrscheinlich zehn Tage und danach noch später erst zum Kofferpacken.

Reiselektüre, passend

Kurz nach Mitternacht liege ich dann aber doch im Bett und lese mich zum Einschlafen nochmal durch alle Buddenbohmschen Blogeinträge über Helgoland, die nächsten Tage werden doch erstaunlich buddenbohmesk werden, insgesamt.

18.03.2025 – Überraschend produktiv

Eigentlich war ja geplant, dass der Liebste und ich im Pub die Nacht durchtanzen und heute den ganzen Tag brauchen, um wieder halbwegs klarzukommen. Nachdem dann aber gestern (vermutlich) das Histamin einen Strich durch unsere Rechnung gemacht hat, sind wir zu einer ziemlich normalen Zeit und in ziemlich normalem Zustand wach. Selbst die Katzen haben uns gemütlich durchschlafen lassen. So folgt nach gemütlichem Kaffee und allen üblichen morgendlichen Verrichtungen und erstaunlich frühes Aufstehen und dann die Suche nach einer Frühstückslocation.

Ich hatte ja gehofft, dass der hippe Brunchladen, bei dem man sonst immer anstehen muss, an einem Dienstagvormittag ein Plätzchen für uns hat. Nun – wir hätten uns an die Theke setzen können oder an einen von drei Tischen, die für mehr als zwei Leute gedacht sind, mit dem Risiko, dass uns jemand dazugesetzt wird. Das ist uns und vor allem dem Liebsten dann für einen Morgen nach dem Pub doch zu heftig. Ins propalästinensische aber sehr gute arabische Restaurant will ich dann nicht schon wieder. Das andere Frühstückslokal in der Gegend hat zu und so landen wir dann endlich mal in dem vergleichsweise neuen äthiopischen Imbiss am Platz. Es gibt guten hausgerösteten Kaffee, für den Liebsten eine äthiopische Rührei-Version (Eier essen gegen den Faschismus) und für mich ein „Kitcha-Fitfit“ – äthiopisches Brot (kein Injera) mit Gewürzbutter und Joghurt. Sehr lecker und – Achtung – exotisch.

Während des Essens befinden wir uns dann aber gedanklich nicht in Äthiopien sondern in Skandinavien und tauschen Urlaubsideen aus. Das #nurregen-Erlebnis vom letzten Jahr will ausgeglichen werden! Als wir fertig sind, bringe ich den Liebsten zur Bahn, hole mir beim Stammspäti einen Obstsalat und gehe wieder nach Hause. Noch schnell einen Tee kochen, dann beginnt das erste Webinar des Tages.

Nach diesem geht es schon wieder ins Draußen – anlässlich der Pankower Wochen gegen Rassismus findet heute auf dem Markt in dem Plattenbau-Kiez mit dem blauen Wahlergebnis ein Aktionstag statt, das will ich mir ansehen. Es gibt eine Bühne, auf der gerade ein älterer deutsch gelesener Berufsjugendlicher gemeinsam mit einem jüngeren Iraner zweisprachig rappt, während ein rothaariger Schüler aus der Schule nebenan die Beatbox macht und von seinen Klassenkamerad*innen bejubelt wird. Drumherum stehen verschiedene Stände mit Infos, Getränken und Aktivitäten. Man kann Dosenwerfen gegen Rassismus, Siebdrucken gegen Rassismus, Sprayen gegen Rassismus (gerade an den Dosen: ein Mädchen mit Hijab, ein ostasiatisch gelesener Junge und ein wild gelocktes Mädchen, das möglicherweise Vorfahren vom Balkan hat?).

Meine Partei hat einen Stand mit Glücksrad, hinter dem sich Fragen zu rassismusnahen Themen (Was sind Stolpersteine? Wie kann ich Menschen helfen, die rassistisch beleidigt werden?) verbergen. Wer sie richtig beantwortet, erhält Preise wie Sticker, Wildblumensamen, Stifte und Co. Betrieben wird der Stand von meiner Stadtteilgruppe – ich geselle mich ein wenig dazu, lerne Mitglieder kennen und helfe beim Unterhalten der Warteschlange. Genau darum ging es ja bei meinen Vorsätzen: Im Kiez engagieren, Communities bilden und so dem Faschismus etwas entgegensetzen. Ein Anfang ist gemacht.

Irgendwann wird es zu kalt – heute Morgen waren noch -3 Grad und ich bin eigentlich nicht für langes Stehen draußen angezogen – und ich verabschiede mich. Wieder zuhause mache ich mir mehr Tee warm – natürlich hatte ich den vorbereiteten Thermobecher im Flur stehen lassen – und setze mich wieder an den Schreibtisch. Jetzt schaue ich mir eine Webinar-Aufzeichnung von heute Morgen an – halb 9 war trotz allem zu früh.

Danach noch etwas Korrespondenz, Organisation und Behördenpingpong, bevor 19 Uhr das letzte Webinar des Tages ansteht – jetzt schon vom Sofa aus. Im Anschluss telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten, recherchiere ein wenig und lasse dann den Abend mit einigen Folgen Valeria ausklingen.

17.03.2025 – St. Patrick‘s Day, ein bisschen

Dafür, dass ich gestern so lange ferngesehen habe, wache ich viel zu früh auf – gegen 8 kitzeln mich die Sonnenstrahlen an der Nase. Es wird Zeit, die Verdunkelung der Balkontür wieder anzubringen, fürchte ich. Gegen 10 bin ich mit der Morgen-Churchillei soweit durch, auf dem neusten Stand der Dinge in der Welt, gebloggt und Französisch und Italienisch erledigt, und stehe auf. Wegen des Datums und zur Einstimmung auf den Abend gibt es meine St. Patrick‘s Day Playlist auf die Ohren, während ich mir Porridge mit Apfel, Zimt und Zucker und Tee mit Milch zum Frühstück mache.

Gegessen wird warm eingepackt auf dem sonnigen Balkon – es ist schon wieder bannig kalt geworden. Danach erledige ich die dringendsten Haushaltsaufgaben – Staub saugen, Bett neu beziehen und Katzenklo durchsieben und habe dann noch ein wenig Zeit, bis ich losmuss. Weil ich einen körperlich anstrengenden Abend voraussehe, lege ich mich nochmal hin und schaue weiter Valéria und esse zwischendurch nochmal bisschen was für die Grundlage.

Gegen 15 Uhr geht es dann los, in strahlendem Sonnenschein durch die Kälte in die Stadt. Im Irish Pub treffe ich die beste Freundin des Liebsten (die um die Ecke arbeitet) und wir trinken einen ersten Cider, quatschen und warten auf den Liebsten, der bald dazustößt. Im Nebenraum wird schon Live-Musik gespielt. Wenig später kommt der Hase dazu (und dann noch ein Freund von ihm) und wir schwelgen in Erinnerungen an vergangene St. Patrick‘s Days und an die Pubs in Irland. Nach einigen Stunden – ich habe den zweiten Cider fast geschafft, die anderen sind mir schon 1-2 Getränke voraus – meldet sich mein Körper und deutet an, dass ich doch jetzt mal was essen sollte.

Der Hase und sein Kumpel sind schon weitergezogen, die beste Freundin des Liebsten fährt nach Hause, weil sie morgen arbeiten muss und der Liebste und ich gehen vegane Burger essen, bevor wir weiter zum nächsten Pub wollen, dann mit lauterer Musik und mehr Singen und Tanzen.

Beim Burgeressen wird mir dann aber langsam klar, was der Liebste schon vorher bemerkt hat: Das wird heute bei mir nix mehr. Unklar, ob es die viele Kohlensäure ist, das Saure vom Cider, das Histamin im Cider oder das Soja im Burgerpatty… Ich werde müde und kriege Schmerzen und plötzlich rücken Singen und Tanzen in weite Ferne. Schweren Herzens gebe ich die Pläne auf und wir fahren nach Hause und auf die Couch. Mit Liegen und Leitungswasser (und Katzen kuscheln und TikTok gucken) verziehen sich die Schmerzen rechtzeitig wieder, bevor wir gegen halb 11 erschöpft ins Bett gehen und fast sofort einschlafen. So viel zu St.-Patrick‘s-Day-Shenanigans…

16.03.2025 – Sonntagsruhe

Erstmal den fehlenden Schlaf von gestern nachgeholt, dann sieht der Tag gleich viel besser aus. Gleich ganz am Anfang vergewissern der Liebste und ich uns, dass der/die jeweils Andere auch auf Reisen durch die ganze Stadt verzichten will und wir uns ja eh morgen sehen und dann geht der Tag einfach schlumpfig weiter. Gegen Mittag gibt es ein ausführliches Frühstück – leider habe ich Freitag das letzte Ei verbraucht, so dass ich keine angeberischen Eierfotos in die USA schicken kann – aber das wäre ja auch gar nicht nett von mir, nicht? Stattdessen gibt es unter anderem Fischeier und zwischen veganen Schinken und Radieschen ein paar Tupfen Mayonnaise.

Abgesehen von Frühstück, Katzenversorgung und einer Ladung Wäsche findet dann heute nichts Produktives mehr statt. Ausruhen ist ja auch wichtig.

Begleitet wird das erst vom Auslesen des gestern Abend angefangenen Buches: Adam Soboczynski schreibt in „Traumland – der Westen, der Osten und ich“ über sein Aufwachsen in (Polen) Ost und West(-deutschland) und ganz allgemein über das Verhältnis zwischen Ost und West vom Kalten Krieg (und ein wenig davor) bis zur heutigen Putin-Situation. Liest sich gut weg und bringt einige interessante Gedanken mit und auf. Beim Recherchieren des Autors fällt mir auf, dass er nur ein Jahr älter ist als der Liebste (die Erkenntnis drängte sich schon beim Lesen auf), aber ungleich älter, erwachsener, gesetzter und seriöser wirkt. Der Liebste passt schon sehr gut zu mir…

Nach dem Lesen gibt es die Süßkartoffel-Kürbis-Joghurt-Reste von Freitag zum Abendbrot und dann beginne ich eine neue Serie. „Valéria“ spielt in Madrid und Valencia und wurde mir von der Freundin empfohlen, mit der ich Donnerstag Kuchen essen war (und nicht von der in Madrid, die hat nämlich gar kein Netflix). Es geht um vier Freundinnen, ihre Karrieren, Beziehungen, Familiengeschichten, Identitäten, Wohnungssuche, Aktivismus… Bis auf einige Diskrepanzen in punkto Geld und Zeit (wie in fast allen Serien) also ziemlich realistisch.

Ich schaue wieder in Original mit Untertiteln und bin nach kurzer Zeit voll drin, auch wenn es zwischendurch immer wieder seicht ist. Lohnt ich und ich gucke viel länger, als ich sollte…

15.03.2025 – Samstag gehört der Partei

Diese viel zu kurze und zerstückelte Nacht wird ihnen präsentiert von Nimbin, dem Kotzekater. Als ich das Geräusch das dritte Mal höre und dann beim Umdrehen auch noch mit der Hand reinfasse, werde ich widerwillig richtig wach, mache das Licht an und ergreife Maßnahmen. Nun muss man so einem kleinen Kotzibert ja nicht die Haare halten, aber drei Kotzeflecken entfernen, überprüfen, dass die Wassernäpfe gefüllt sind, ein bisschen lüften, das Katzengras in Erinnerung rufen, Trockenfutter auffüllen und kurze Zeit später das Tierchen (bzw. beide) schnurrend an sich rankuscheln lassen, das wird schon gerne angenommen. Ab da schlafen beide Miezen tief und fest, nur ich wache etwa alle Stunde auf, weil ich so eingekesselt bin und wahlweise Rücken, Knie oder Nacken wehtun.

Um 8 klingelt eh der Wecker, so dass ich kurz davor das Schlafen aufgebe und den Tag beginne. Verkürzte Morgenroutine mit viel Kaffee und schnellem Müsli, dann geht es los zur Jahreshauptversammlung der Partei, die mich kürzlich als Mitglied aufgenommen hat. Ich hatte angesichts der vollen und eher trockenen Tagesordnung noch mit mir gerungen, aber spätestens die Freundin in Madrid hat mich gestern beim Telefonieren dann endgültig überredet, hinzugehen. Kurz nach 10 komme ich an, akkreditiere mich, um mit abstimmen zu können, und suche mir einen Platz am Rand.

Um 11 geht es los, mit Formalien und dann einem Gastredner vom Bundesvorstand. Bald darauf beginnen die Mühen der Ebene… Es müssen diverse Posten für das nächste Jahr besetzt werden, der Vorstand wird neu gewählt, andere Posten im Kreisverband selbst sind neu zu besetzen, außerdem Delegiertenposten für diverse andere Gremien. Für jeden Posten stellen sich (großteils) mehrere Kandidat*innen vor, es gibt Rückfragen, Abstimmungen (inkl. technischer Schwierigkeiten) und im Fall von Mehrfachbesetzungen und Delegiertenplätzen auch zwei bis vier Abstimmungen (Frauenplätze, Ersatzplätze für Frauen, offene Plätze, Ersatzplätze für die offenen Plätze)… Es zieht sich. Ich übe mich in Geduld und versuche, meine demokratische Teilhabe wahrzunehmen, in dem ich Kandidat*innen meine Stimme gebe, die eher jung, eher ostdeutsch, eher divers, eher progressiv sind und auch all jenen, die sich explizit für Demokratie und gegen Rechtsruck einsetzen wollen.

Die ganze Zeit über gibt es ein fliegendes Büffet, auf dem immer wieder neue Speisen auftauchen. Zum Mittag gibt es u.a. eine eher orientalisch-indische Linsensuppe und eine italienisch-mediterrane Kichererbsensuppe, außerdem den ganzen Tag über wechselnde Kuchen, Snacks, Obst, Gemüse etc., Wasser (mit Fruchtsirup), Kaffee und Tee. Verpflegung 1+.

Ich sehe einiges an Politikprominenz (aus Bundesvorstand, Bundestag und Abgeordnetenhaus), eine ehemalige Darstellerin aus dem Marienhof, die auch Mitglied des Kreisverbands ist, und dann auch noch einen echten Bekannten aus meinem eigenen Leben – einen Ex-Kommilitonen des Fräuleins, den ich vor sechs Jahren bei ihrer Beerdigung kennengelernt habe. Es gibt ein schönes Wiedersehen.

Im Verlauf des Nachmittags wird klar, dass wir den Zeitplan nicht einhalten werden und der neu gewählte Vorstand beschließt, einen der größten und langwierigsten Tagesordnungspunkte auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Erleichtert mache ich mich so schon gegen 18:20 auf den Heimweg.

Zuhause falle ich völlig erschöpft aufs Sofa, trinke mehr Tee und inhaliere eine Tüte Chips, während ich mich vom Abendprogramm berieseln lasse. Netflix hat eine dänische Dramedy über Liebe, Patchwork und Kinderwunsch für mich vorbereitet, die ziehe ich mir jetzt rein, und zwar richtig im Original mit Untertiteln. Danach noch fix die nächste Staffel Schitt‘s Creek zu Ende, mit nem Podcast mit Bodo Wartke in die Badewanne und dann fange ich im Bett das nächste Buch an, bis mir gegen Mitternacht die Augen zu fallen.