22.06.2025 – What a Day

Als ich kurz nach 7 erwache ist es noch schön kühl – also, im Hotelzimmer. Ich lese mich durchs Internet und blogge und dann ist es auch schon 9 und ich stehe auf und gehe im kurzen Kleidchen hinunter zum Frühstück, das wir im Innenhof einnehmen – zum Glück im Schatten.

Das Highlight des Buffets ist der Pancake-Automat

Dann geht’s wieder nach oben – Zähne putzen, Packen und Französisch und Italienisch absolvieren, bis es Zeit für den Check-out ist (die Frühstückszeit endet eine Stunde vor dem letzten Check-out-Zeitpunkt). Dann geht es mit Gepäck und wenigen Worten durch große Hitze zum Bahnhof. Ich kaufe mir noch einen kalten Eistee, dann steigen mein Bruder und ich in den Zug nach Berlin, seine Freundin nimmt den nach weiter nördlich. Rückfahrt zu dritt im Sechserabteil, sehr angenehm. Die Mitfahrerin steigt am Südkreuz aus, der Bruder am Hauptbahnhof, ich am Gesundbrunnen. Zwanzig Minuten später werde ich zuhause von den Katzen begrüßt.

Ich werfe mein Gepäck ab, füttere die Katzen, gieße die Pflanzen, siebe das Katzenklo durch, telefoniere mit dem Liebsten, der eben vom Klassenausflug zurückgekehrt ist, ziehe das durchgeschwitzte Kleidchen aus und ein anderes an und bin eine halbe Stunde nach meiner Rückkehr schon wieder unterwegs. Inzwischen sind es um die 34 Grad. Mit Tram und U-Bahn geht es zum Biergarten am Gleisdreieck, wo eine Freundin ihren Geburtstag nachfeiert. Zum Glück sitzen wir im Schatten. Statt Bier gibt es für alle wettergemäß alkoholfreies, für mich Fassbrause.

Wir erzählen und erzählen, bis die anderen alle wieder zurück zu ihren Kindern müssen. Ich bleibe noch eine knappe Stunde sitzen, schlürfe Wasser und mache Kreuzworträtsel. Dann zurück zur U-Bahn und noch ein Stück weiter gen Westen, in die lukanische Trattoria, von der Creezy immer so schwärmt. Hierhin habe ich meine Eltern und meinen Bruder zu meinem Geburtstagsessen eingeladen. Es sind immer noch mindestens 33 Grad und wir verzichten weiter auf Alkohol, trinken stattdessen limonata.

Home is where the Beach is
Mit Thunfisch gefüllte Zucchiniblüten, Burrata mit Zitronenschale, peperoni cruschi, warme ‘Nduja auf Brot als Vorspeisen
Hausgemachte Pasta: Zitronentrenette mit Zitronen-Basilikum-Pesto, lukanische Spaghetti all’amatriciana mit ‘Ndjuja, Pappardelle con polpette
Panna cotta mit frischer Erdbeersauce, Erdbeer-Granità

Der Ausflug ins tiefste Schöneberg lohnt sich, es gibt hier vieles, was man anderswo nicht bekommt und alles ist wirklich sehr gut zubereitet. Teuer ist es auch, aber dafür ist ja Geburtstag. Ich komme wieder!

Neben dem Essen gibt es viel zu erzählen und zu planen und natürlich auch noch Geburtstagsgeschenke. Ich nehme einen gut gefüllten Beutel für mich und einen gut gefüllten Beutel für den Liebsten und das Teilzeitkind (samt Anleitung) mit nach Hause.

Dort treffe ich gegen 23 Uhr wieder ein. Jetzt sind es nur noch 25 Grad und damit ist es draußen etwas kühler als drinnen. Ich reiße also die Fenster auf und mache Durchzug im Schlafzimmer.

Ich packe das Gepäck vom Wochenende aus, baue meinen Geburtstagsgabentisch auf und sitze dann noch bis kurz vor Mitternacht draußen auf dem Balkon und atme tief durch, von Noosa bekuschelt, der Hitze egal ist.

21.06.2025 – 42

Ich erwache früh, wie gerade mal wieder immer, diesmal weil so viel los ist in der Wohnung. Die Mitbewohnerin des Liebsten verlässt früh das Haus, das Teilzeitkind steht gegen 7 auf und bäckt für mich Nutella-Erdbeer-Blätterteigtaschen. Ich döse und kuschele mich ins Bett und an den Liebsten, der dann auch bald wach wird und uns Kaffee macht. Das nimmt das Teilzeitkind als Zeichen, zu mir ins Bett zu krabbeln, mit mir zu kuscheln, mir zu gratulieren und mich zu fragen, ob und wie ich mein Frühstücksei haben möchte. Hachz. Ich stehe also bald auf, als die Teigtaschen aus dem Ofen kommen, und freue mich über den gedeckten Tisch. Große Kinder sind toll, habe ich im Internet schon öfter gelesen.

Wir frühstücken, dann packen der Liebste und das Teilzeitkind ihre Sachen für den Klassenausflug und ich wähle mich in meinen heutigen Workshop ein, der mich die nächsten viereinhalb Stunden beschäftigen wird.

Um 14:30 klappe ich den Laptop zu, packe ihn ein und verlasse mit noch einer Blätterteigtasche auf die Hand die Wohnung. Mit S- und S-Bahn geht’s zum Südkreuz und von da mit dem Zug eine Stunde südwestlich – nachdem ich den richtigen Zug am richtigen Gleis gefunden habe, die Deutsche Bahn macht das mal wieder nicht ganz einfach. Die Zugfahrt reicht für Französisch, Italienisch und ein wenig Geburtstagskorrespondenz, dann ist auch schon wieder Aussteigen angesagt. Mein Bruder holt mich ab und wir laufen durch die Altstadt von Halle zum Hotel – nicht ohne unterwegs direkt noch zwei Bekannte von früher zu treffen. Da ist man einmal in Sachsen-Anhalt und schon…

Im Hotelzimmer gibt’s die nächsten Geschenke. Dann kurz umziehen und frisch machen. In der Lobby treffe ich die anderen und dann geht’s weiter durch die Stadt und zu einer dringend benötigten Eisdiele.

Joghurt-Honig-Cashew, Gurke, Lavendel-Zitrone

Nach dem Eis laufen wir weiter durch die Stadt dann in den Park. An mehreren Stellen gibt es zur Fête de la Musique Livemusik (oder dann im Park Elektromucke).

Unser Ziel ist die Freilichtbühne auf einer Insel in der Saale. Hier kurz durch die Ticketkontrollen, dann gibt es „Abendbrot“.

Einzige vegetarische Alternative wären Pommes gewesen, oder trockene Brötchen. Auch das ist Sachsen-Anhalt. Wir holen uns was zu trinken und setzen uns in den Schatten und erzählen.

19:30 geht es dann los – Vorband Dritte Wahl. Ich bleibe noch hinten, wo weniger los ist, mein Bruder und seine Freundin stürzen sich ins Gedränge vor der Bühne. Leider haben Dritte Wahl nur 30 Minuten Zeit. Sie nutzen diese für ein Potpourri ihrer größten Sauf- und Weltverbesserungssongs. Die alten Hippies.

So wie ihr seid
…Zeit bleib stehen!

Weil das alles relativ zivilisiert zuzugehen scheint, nutze ich die Umbaupause um mich vorn zu den anderen zu gesellen. Die Gelegenheit, eine Legende aus nächster Nähe zu sehen, muss man ja nutzen. Um 20:30 stakst Iggy Pop auf die Bühne, wirft innerhalb der ersten zehn Sekunden seine Weste von sich und rockt sich dann in bekannter Oben-Ohne-Tracht durch sein Set.

The Passenger
Lust for Life

Bei I Wanna Be Your Dog wird mir dann doch ein bisschen viel gerempelt und das Histamin nach Radler und Weinschorle kickt auch – ich gehe wieder nach hinten zum FOH. Hier ist der Sound auch besser.

Nightclubbin‘
Real Wild Child (Wild One)

Die anderen kommen dann auch bald nach und zum Ende hin haben wir dann nochmal richtig guten Sound. Gegen 22 Uhr ist alles vorbei und dunkel wird es auch nach und nach. Wir stehen noch ein wenig beim Merch-Stand von Dritte Wahl, ich kaufe mir eine Jacke, und halten nach bekannten Gesichtern Ausschau. Dann laufen wir zurück in die Stadt, trinken noch einen Gin Tonic (bzw. für mich einen Gin mit Pfefferminztee, Zuckersirup und Zitrone) und werten den Abend aus.

Halb 1 müssen wir den Freisitz verlassen und gehen zurück ins Hotel. Kurz nach 1 ist Licht ist das Licht aus. This is 42.

20.06.2025 – Ruhe vor Sturm

Das mit dem frühen Wecken an heißen Sommertagen setzt sich fort – heute wird der Rasen im Innenhof gemäht. Ob das ökologisch sinnvoll ist in der aktuellen und sich weiter ankündigen Hitzewelle vermag ich nicht zu sagen, auf jeden Fall ist es morgens um 7 unangemessen laut. Immerhin komme ich so dazu – in einer Mähpause – vor seinem Meetingmarathon nochmal mit dem Liebsten zu telefonieren.

Dann normaler morgendlicher Reboot und irgendwann heißt es Aufstehen. Um 11 habe ich ein Webinar und vorher bekommen die Katzen und ich Frühstück. Meins besteht aus Müsli (Dark Chocolate Raspberry), Espresso Tonic auf viel Eis und den Resten von Crowdfarming-Wassermelone und -Nektarinen.

Danach lege ich mich in die (lauwarme) Badewanne und lausche einem Autorengespräch mit David A. Robertson in der kanadischen Botschaft. Der Liebste hat zuletzt seine Bücher verschlungen, das Teilzeitkind hat mehrere geschenkt bekommen. Leider war die Veranstaltung nichtöffentlich, aber dafür gibts ja die Aufzeichnung.

Danach nochmal eine Runde Aktivität mit Podcast auf den Ohren – Pflanzen versorgen, Wassernäpfe auffüllen, Katzenklos durchsieben, Müll runterbringen, Rucksack packen… Und dann ist plötzlich einfach noch ein bisschen Zeit und ich entscheide mich für eine Siesta auf dem Sofa, bei dem ich direkt für eine gute Stunde tief und fest wegratze und gerade pünktlich wieder aufwachen um rechtzeitig aus dem Haus zu kommen.

Mit S- und U-Bahn geht es nach Südberlin zum Stammitaliener, wo ich mit Handschlag und duzen (bzw. „tu-en) begrüßt werde. Wir plaudern auf Italienisch, ich bekomme einen Limoncello Spritz und setze mich an den gedeckten Tisch. Wenig später kommt der Liebste dazu und als letztes trifft das Teilzeitkind ein, das sich schick gemacht hat und noch etwas länger im Bad brauchte.

Bruschette, Focaccia, zwei Sorten Carpaccio
Spaghetti neri mit Krabben und Zucchini
Panna cotta

Das Teilzeitkind bricht als erstes wieder auf, es muss noch mit seiner Bestie telefonieren. Der Liebste und ich trinken noch unseren Wein aus und schlendern dann gemütlich hinterher. Dann ist Chillen angesagt – für mich auf der Couch, für den Liebsten vor dem Rechner. Als das Kind mit Telefonieren fertig ist, macht es sich bettfertig und kommt nochmal kuscheln. Wir suchen nach einem Reim auf zweiundvierzig, aber dann geht es unverrichteter Dinge doch schlafen. Dafür kommt der Liebste dann kuscheln, nickt kurz vor Mitternacht und wacht dann auf, als meine Eltern anrufen, um mir zu gratulieren. Dann gratuliert er mir auch und ich bekomme erste Geschenke, bevor wir schlafen gehen.

19.06.2025 – Kannste abhaken

Wer kennt noch diesen Smash Hit von Mike Lehmann aus den 90ern? Als Überschrift gewählt, weil ich mich heute von To Do zu To Do durch den Tag hangle. Beim ersten scheitere ich schonmal, denn Ausschlafen klappt nicht, wenn schon kurz nach 7 draußen Radau ist. Im Haus gegenüber werden große Dinge aus einem Fenster in einen Container geworfen. Wenn mich nicht alles täuscht, aus der Wohnung der Spy Granny, wie mein ehemaliger pakistanischer Mitbewohner sie nannte. Als der Hase und ich hier vor 13,5 Jahren einzogen, wohnte gegenüber ein älteres Ehepaar, die täglich gemeinsam am Fenster saßen und rausguckten. Irgendwann nur noch sie, das war dann wohl kurz bevor der pakistanische Mitbewohner einzog. Nimbin setzte sich oft ins Küchenfenster und guckte ihr entgegen. Nochmal ein paar Jahre zieht dann jetzt also vermutlich jemand Neues ein. Tschüß, Spy Granny, auf Dich!

Der Morgen beginnt also früh und ich hake ab: Internet leer lesen, Bloggen, mit dem Liebsten kommunizieren (schriftlich, er fährt heute ins Büro), Französisch, Italienisch, Rätsel. Die Katzen sind bei der Hitze träge und drängeln nicht nach Frühstück, also mache ich erstmal nur meins. Es gibt Wassermelonen-Kirsch-Smoothie und Brot mit Käse, Rührei und Tomate. Natürlich haben die Katzen dann Interesse, als ich mich zum Essen hinsetze und bekommen auch noch was.

Schon beim Aufstehen habe ich den „Alles gesagt“-Podcast mit Heidi Reichinnek entdeckt, der mich durch den Tag begleiten wird. Sehr spannend, für mich vor allem ihre Backstory – die Kindheit und Jugend, Kairo, Libanon, wissenschaftliche Arbeit und Jugendhilfe… Und natürlich die Meinung zu den ganz aktuellen Brennpunkt-Themen und wie man manchmal merkt, dass sie konsequent Parteibeschlüsse vor evtl. eigene Meinungen stellt. Das ist dann auch einer der Gründe, warum ich nicht für die Politik geeignet wäre, schätze ich. Ein bisschen anstrengend, wie Jochen immer wieder mit westlichen und bürgerlichen Klischees über die Linke stichelt, bei denen ich teilweise denke, dass die alte BRD angerufen hat (Planwirtschaft? RAF? ACAB?). Christoph mal wieder sympathischer.

Der Podcast eignet sich hervorragend als Untermalung für diverse Tätigkeiten. Ich räume die Küche auf, reinige den Katzenbrunnen, lasse Geschirrspüler und Waschmaschine laufen, kümmere mich um Pflanzen und Wassernäpfe, lege Wäsche zusammen, bereite Müllbeutel vor, miste aus… Dann pausiere ich den Podcast kurz für eine Yoga-Session und mache ihn hinterher wieder an, während ich mich ausgehfein mache. Ich bringe den Müll weg und laufe zu einem Café in der Nähe, wo ich mit einer Verbandskollegin auf Kaffee (Iced Latte) und Kuchen (Mohn-Pfirsich-Streusel) verabredet bin.

Wir spielen Catch up und tauschen uns eine gute Stunde lang über unsere aktuellen Projekte und Vorhaben aus. Dann begleite ich sie noch zur Kita, wo sie ihr Kind abholt, und laufe dann weiter zur S-Bahn – jetzt wieder mit Podcast auf den Ohren. Ich fahre nach Moabit, gehe zu einer Facharztpraxis und hole ein Rezept ab. Dann direkt in die Apotheke und zurück in den Pberg. Hier einkaufen, ich behalte mir Drogeriemarkt vor, kriege dann aber doch alles im Supermarkt. Wieder zuhause Lebensmittel verräumen, Geschirrspüler ausräumen, Wäsche aufhängen und dann ist auch schon Abendbrotzeit.

Ich bereite eine litauische kalte Rote-Bete-Suppe (Šaltibarščiai) nach ungefähr diesem Rezept zu (angereichert mit veganer Fleischwurst, ohne saurer Sahne und mit schwarzem statt weißem Pfeffer) und verbrauche dabei Crowdfarming-Gemüse. Eine rote Bete habe ich noch übrig, aber die ist jetzt immerhin schon gegart.

Nach dem Essen mache ich eine Podcast-Pause und gucke die von Herrn Buddenbohm empfohlene Springsteen-Doku bei arte. Hinterher spielt der Player einfach einen Konzertmitschnitt vom Boss und wer wäre ich, mich dem zu verweigern? Und weil ich dann grad gedanklich so schön im guten Amerika bin, gibt es noch ein bisschen Josh Johnson auf YouTube (und Vorfreude auf in zwei Wochen im großen Sendesaal). Danach dann aber wieder Podcast, der hört sich ja auch nicht von alleine und begleitet mich ins Bett.

18.06.2025 – Warmzeit und Weltraum

Wir sind definitiv wieder zurück im Sommer – passt ja auch, wo der bald offiziell anfängt. Erstes Aufwachen gegen 6, nochmal weiterdösen, dann Telefonat mit dem Liebsten, Internet leer lesen, Bloggen, Französisch-Tagesaufgaben – gleich wieder gelevelt, Italienisch, Rätsel… Dann aufstehen, Katzen versorgen, Millenial-Kaffee in der amerikanischen Edition machen (Espresso aus der Mokka, viel Eis, Hafermilch), dazu den letzten Bagel, mit Mandelcreme und einem Rest Nudossi bzw. Blutorangenmarmelade, dazu Nektarinen und Melone… Balkonfrühstück.

Es ist nicht ganz so heiß wie gestern. Ich erledige Orgakram, recherchiere Dinge und dann wechsele ich irgendwann nach Drinnen auf die Couch und nehme am ersten Webinar des Tages teil.

Danach Duschen und Flatterkleid überwerfen und dann und schaue den Rest der wichtigen Dokumentation über die emanzipierten ostdeutschen Jungs drüben in Hollywood und in der ganzen Welt und frage mich mal wieder, wie das alles passieren konnte. Und wie Teile davon durch die Anwälte der Beteiligten gekommen sind oder ob der ganze Beziehungsdrama-Teil nicht doch ein bisschen geskriptet ist. Andererseits mag die Gegenseite ja scheinbar auch Aufmerksamkeit…

Anyway, es ist eine angenehmere Beschäftigung als die mit dem Aufstieg des Faschismus und der weiter eskalierenden Kriege. Die hängen ja eigentlich auch alle irgendwie zusammen, in der Nachbetrachtung sind wir vermutlich längst in WKIII.

Heute aber ist Sommer in Berlin und inspiriert von den ostdeutschen Jungs und ihrer Mama koche ich mir zum späten Mittagessen/frühen Abendessen Senfeier mit Kartoffel-Steckrüben-Püree und Gurkensalat. Alles Crowdfarming-Gemüse. Die Gurken kommen während des Kochprozesses mit der nächsten Lieferung an.

Tomaten, Gurken, Zucchini, Karotten, Rote Bete, Zwiebeln, Kartoffeln

Nach dem Essen folgt das zweite Webinar des Tages und danach ziehe ich mir noch etwas über das dünne Flatterkleidchen und Socken an die Füße, bevor ich in die Zauberstiefel steige, denn auch heute gibt es wieder einen Außentermin. Ich bin mit dem Lieblingsnachbarn und einer Freundin zum Science Slam im Planetarium verabredet. Mein erstes Mal dort, obwohl ich seit 13,5 Jahren hier im Kiez wohne, seit 17 Jahren wieder in Berlin und seit fast 42 Jahren eh regelmäßig in der Stadt bin. Es wird jedenfalls Zeit.

Wir treffen uns draußen, setzen uns auf die Stufen und nehmen noch ein Getränk zu uns, dann geht es nach drinnen und oben und in die bequemen Liegesessel in der Kuppel.

Es wird unterhaltsam geslammt, mit drei naturwissenschaftlichen und einem geisteswissenschaftlichen Beitrag. Es geht um kotzende neutrophile Zellen, Molekularzeitkino, einsame weiße Zwerge und um Eltern, die die Arbeitslosigkeit ihrer Kinder krank macht.

Danach gibt es eine Siegerehrung und dann zeigt das Planetarium nochmal, was es eigentlich kann. Der Projektor wird hochgefahren und wir begucken uns den aktuellen Sternenhimmel über Berlin und fahren dann raus ins Weltall, unendliche Weiten und so. Wir fliegen bis raus aus unserer Galaxie, die ja auch nur eine von Millionen ist.

Ziemlich coole und schwindelerregende Erfahrung, ich muss hier auf jeden Fall nochmal mit dem Liebsten hin eine ausführlichere Session besuchen. Und aufs Hörspielkino unter dem Sternenhimmel habe ich jetzt auch Lust bekommen.

Als wir nach 22 Uhr wieder rauskommen ist es dunkel geworden. Kühl aber noch nicht wirklich. Zuhause setze ich mich noch mit einem Lillet Tonic auf den Balkon, Noosa kuschelt sich auf meinen Bauch und schnurrt. Ich lese, dass die Welt wider Erwarten immer noch steht, beantworte aufgelaufene Nachrichten und gucke dann zum Runterkommen TikTok.

Und dann kriege ich, das passiert fast nie, kurz vor 1 nochmal Hunger. Also nochmal zum Kühlschrank und dann gibt es ein mehrgängiges Gelage – ein Rest Cornichons in Gouda gewickelt, ein Rest Camembert mit einer reifen Tomate, den Rest Senfsauce von heute Mittag mit grünen Erbsen angereichert. Hat ja keiner gesagt, dass man ungesundes Zeug essen muss, wenn einen nachts spontan Hunger überkommt. Starkes Gefühl von kurzen Sommernächten und jugendlicher Freiheit. Kann man mal haben, so kurz vor 42. Danach dann aber schnell ins Bett!

17.06.2025 – Ist ja schon Geburtstagswoche

Wie die Zeit rennt, wenn man Spaß hat (und die Weltpolitik sich überschlägt. Mir wird heute Morgen bewusst, dass ich wirklich ganz ganz bald Geburtstag habe und der Liebste dann auch und zum Glück hat mein erprobtes Hirn da schon fast ohne meine bewusste Beteiligung einiges geplant, so dass ich mich jetzt kurz vorher weitgehend zurücklehnen und die Dinge geschehen lassen kann. Aber der Countdown läuft!

Ansonsten ist es sehr schön, wieder im eigenen Bett zu schlafen und außer den Katzen auch eine komplett sturmfreie Wohnung zu haben. Mehrmals am Tag fällt es mir auf und ich lasse bewusst die Badtür auf oder laufe nackt durch die Wohnung (also, wenn ich es gerade bin, ich ziehe mich dann nicht extra aus).

Ausführlichster morgendlicher Reboot, dann Balkonfrühstück im dünnen Sommerkleidchen, mit Sonnenbrille und Sonnenhut. Und dann denke ich, ich müsste jetzt an den Schreibtisch, komme aber noch rechtzeitig auf den Gedanken, dass ich den Laptop auch auf den Balkon holen kann.

Bürokratie, Behördenkram, Recherchen… Irgendwann ist es schon Nachmittag und ich mache mir ein beigefarbenes, aber sehr leckeres Mittagessen aus angemachtem Crowdfarming-Rettich und Käsebroten. Und weil ich dann ein bisschen Luft habe, fange ich die neue Staffel über die zwei erfolgreichen jungen Ostdeutschen an, die jetzt in LA wohnen und habe viel Spaß dabei.

Und dann ist auch bald Zeit, aufzubrechen. Heute Abend steht mein nächstes Timeleft-Dinner an, diesmal mit einer reinen Frauenrunde und in Friedrichshain. Die Location ist in einem Coworking Space hinter der East Side Gallery, mehr neues Berlin wird es heute nicht mehr.

War ich letztes Mal noch die jüngste Teilnehmerin, bin ich heute mit Abstand die Älteste. Die anderen kommen aus Heidelberg, Vilnius, Zielona Góra, London, Rom, Delhi und Ankara. Sie sind zwischen 23 und 35 Jahren alt und zwischen einem Monat und zehn Jahren in Berlin. Obwohl die Location selbst durch die Anordnung und die laute Musik nicht gut geeignet ist, um sich in großer Gruppe kennenzulernen, geben wir uns große Mühe, tauschen Sitzplätze durch und am Ende haben alle mit allen geredet, sich gut verstanden und Kontaktdaten ausgetauscht. Das Essen ist auch super, ich habe unbestimmten whitefish mit Muscheln, Butter und Queller und dazu Broccolini mit Peperoni und Mandeln und einen Matcha-Hagebutten-Mocktail.

Die letzte Timeleft-Runde endete nach einer guten Stunde als alle aufgegessen haben. Heute bestellen wir eine zweite Runde Getränke, werfen einen Blick auf die Terrasse und bleiben dann noch bis halb 11 sitzen. Erst dann macht sich die Reisegruppe Prenzlauer Berg gemeinsam auf den Heimweg, während Friedrichshain, Kreuzberg und Grünau schon früher aufgebrochen sind. Neu für mich: Am Ende tauschen alle selbstverständlich Instagram-Profile aus, statt Telefonnummern. Ich sehe nicht, dass diese Generation sich in Massen von Meta abwenden wird…

16.06.2025 – It‘s Gonna Be A Long Way Home

Der Boss sang das gestern schon ganz richtig. Zum Glück müssen der Liebste und ich aber nicht so früh los, wie der Rest der Reisegruppe und können uns morgens im Hotelzimmer noch Zeit lassen. Kurz vor Check-out wird es dann fast hektisch, aber am Ende klappt alles und wir machen uns auf zum letzten Prager Programmpunkt: Zeit vertrödeln im Kaffeehaus. Ich habe mir ein sehr traditionelles mit ordentlich Geschichte und Blick auf die Moldau ausgeguckt und wir ergattern den perfekten Tisch – gepolsterte Sitzbank, auf der wir nebeneinander sitzend auf den Fluss gucken können und direkt unter dem berühmten Bild mit der grünen Fee.

Wir frühstücken Milchkaffee, frisch gepressten O-Saft, Croque Madame für den Herrn und Hirseporridge für mich, als zweiten Gang noch Mimosa für ihn, Eistee für mich und Aprikosensorbet für beide.

Dazu erzählen wir, lesen Zeitung Internet, recherchieren Dinge und diskutieren über Kunst, Kultur und Politik, wie sich das für Bohemiens in böhmischen Kaffeehäusern gehört. An den Nebentischen weiterhin Menschen in Springsteen-T-Shirts, wir waren Teil einer Invasion.

Irgendwann spazieren wir los in Richtung Bahnhof. Der Liebste kauft noch einen obligatorisch kitschigen Kühlschrankmagnet und wir entdecken zwischen all den Touris und Geschäften eine grüne Oase, den franziskanischen Garten. Ich stoppe und rieche die Rosen, aber entweder ist meine Nase noch vom Infekt geschwächt oder die Blüten haben den Peak Duft noch nicht erreicht, ein bisschen ist aber zu erahnen.

Am Bahnhof besorgen wir Proviant (veganes Sandwich für den Herrn, Linsen-Reis-Quinoa-Hummus-Salat für mich) und mehr Kaffee und dann warten wir, dass unsere Gleisnummer angezeigt wird. Der Zug kommt mit ordentlich Verspätung aus Budapest an, später erfahren wir, dass der Grund angeblich eine Baustelle an der ungarisch-slowakischen Grenze war. Und technische Fehler am Zug, von denen bemerken wir auch während der Fahrt einige. Wir halten mehrmals ungeplant an, während die Bundespolizei an der Grenze stichprobenhaft Personalien checkt (unsere nicht, der Liebste hat extra noch einen Pulli über sein Punkband-Shirt gezogen – hätten wir also doch Absinth und Cannabis kaufen und mitschmuggeln können) kreischt der Lautsprecher furchtbar laute Alarmtöne, danach fällt die Anlage ganz aus.

Zwischen Dresden (noch mehr Verspätung, wir sind jetzt bei über einer Stunde) und Berlin kommt dann Zugpersonal durch und verkündet, dass der Zug es nicht mehr an den Hauptbahnhof (geschweige denn weiter nach Hamburg) schaffen wird und entweder in Lichtenberg oder Südkreuz endhalten wird. Es wird dann Südkreuz. Witzigerweise macht die Ringbahn auch gerade Probleme, weil in Tempelhof Personen über die Gleise marschieren (wieder auf dem Feld eskaliert, wa?), so dass ich verspätet und statt gegen mit dem Uhrzeigersinn Berlin umrunde, noch eine Station mit dem Liebsten zusammen fahren kann, dann an der Beusselstraße aus und in die nächste Bahn umsteigen muss und am Ende erst kurz vor 21 Uhr zuhause bin. D

irekt mal Fahrgastrechte einfordern, dann Katzen und Pflanzen versorgen, mein Bett wieder auf Ursprungszustand zurückbauen und dann geht es mit Girl Dinner und Katzen auf den Balkon.

Pecorino mit Pistazien, Camembert, Rest Chips, tschechische Fanta, Tomaten, Nektarinen und Wassermelone, alles von Crowdfarming

Ich gucke ein bisschen TikTok weg und dann diese Doku über Jugendliche in Bautzen, bei der drei junge Männer interviewt werden und über den Alltag in der Stadt berichten – ein christlicher Absolvent einer sorbischen Schule, der rechts ist, Homosexualität für Sünde hält und für deutsche Kultur einsteht; ein „liberal bis linkes“ Mitglied der Partei „Die Partei“, der findet, dass die Antifa manchmal zu radikal ist, und ein geflüchteter Immigrant, der seit zehn Jahren in der Stadt ist, perfekt integriert wirkt und in nahezu perfektem Deutsch berichtet, wie einige seiner Freunde über die Jahre rechts geworden sind und dass er gerne die Stadt wechseln würde.

Danach ist es dann dunkel und kalt und ich gehe ins Bett.

15.06.2025 – Der wahre Repräsentant der USA

Heute schlafen wir länger und kehren erst gegen halb 11 im Café um die Ecke zum Frühstück ein. Da sind es bereits 29 Grad und die anderen haben die erste Flasche Prosecco schon fast leer – Sektfrühstück, Tradition. Wir bestellen Eier und die zweite Flasche Prosecco.

Da es heiß ist und wir uns schonen müssen für heute Abend, passiert erstmal nicht viel mehr. Essen, Erzählen. Ein zweiter Gang Frühstück gegen Mittag, eine dritte Flasche Prosecco.

Buchteln mit Vanillesauce, Blaubeerknödel mit Zimtbutter und Quark

Dann ist es dringend Zeit für Siesta. Wir stellen uns den Wecker für 15 Uhr, aber schon kurz vorher bin ich wieder wach und mache Bruce Springsteen an, man muss sich ja einstimmen. Dann konzertfertig machen – mehr Ibuprofen, viel Sonnencreme, Sonnenhut, Regenponcho… Um 15:30 verabschieden wir den Liebsten zum Pragspaziergang und fahren zu viert mit der U-Bahn raus zum Flughafen. Bereits beim Umsteigen schallen die ersten „Bruuuuuce“-Rufe durch den U-Bahnhof. Am Flughafen steigen wir aus und müssen durch die Abfertigungshalle nach draußen, wo auf der freien Wiese eine Bühne mit Tribünen und jeder Menge Fressbuden aufgebaut sind. Wir laden unsere Bändchen mit Geld auf, ich setze mich auf die Wiese und die anderen holen Bier und Cider, später Bier, Cider und Pommes.

Es ist heiß, aber kurz vor Konzertbeginn ziehen die ersten Wolken auf. Ich ziehe mir schonmal den Regenponcho über. Gegen 18:35 kommt die E Street Band nach und nach auf die Bühne und stimmt den Summertime Blues an. Der Boss begrüßt das Publikum mit einem fröhlichen „Dobrý večer Praho!” Sechs Lieder später fallen pünktlich zu Rain Maker die ersten Tropfen. Und dann werden daraus Schnüre und alle ohne Poncho sind innerhalb von Minuten bis auf die Haut durchnässt.

Zwischendurch kommen immer wieder die inzwischen bereits bekannten politischen Statements und Songs, hier natürlich mit tschechischen Untertiteln und ergänzt um die letzten Ereignisse – die Armee auf den Straßen, die No-Kings-Proteste. Einen Großteil der Show über regnet es, was der Stimmung keinen Abbruch tut, aber für weniger Fotos und Videos sorgt, damit das Handy nicht nass wird. Immerhin zieht das Gewitter nur entfernt vorbei.

The River
Thunder Road
Intro zu 10th Avenue Freeze-Out

Ein paar mehr Videos gibt es hier. Ich habe gesungen, getanzt und bin sogar ein bisschen gesprungen (Hallo, Fuß!). Insgesamt eine großartige Show, auch wenn Bruce ein bisschen müde wirkt, aber tun wir das nicht alle? Die Politik, die Gesundheit von Patti, das Alter… Gerockt hat er trotzdem und vor allem gegen Ende auch wie gewohnt Party gemacht. Nicht mehr ganz so irre wie bei meinen letzten Besuchen bei ihm, 2012 im Olympiastadion und 1999 in der Wuhlheide, aber erstmal selber 75 werden und alle paar Tage dreistündige Shows spielen, wa? Hoffen wir, dass er seine Rückkehr in die USA gut übersteht oder direkt im europäischen Exil bleibt. Protect Bruce Springsteen at all costs.

Kurz vor 10 ist dann auch Schluss (Beginn und Ende des Konzerts etwa 10 Minuten früher als angekündigt, wir spekulieren, dass man auf den Regenradar guckte und sich die Gelegenheit mit Rainmaker nicht entgehen lassen wollte.). Wir lassen die ersten Massen losströmen, einige essen noch was, und dann laufen wir langsam zur U-Bahn. Mein Fuß ist sehr froh über einen glücklich ergatterten Sitzplatz. Diesmal fahren wir direkt durch zum Wenzelsplatz und laufen von da zurück. Die anderen gehen noch zur Auswertung in eine Kneipe, ich krieche zum Liebsten ins Bett.

14.06.2025 – V Praze

Ein ganzer Tag in Prag, hurra! Er fängt ein bisschen früh an, weil die Frühstückszeit im Hotel nur von 8 bis 9:30 geht, aber das Büffet ist für 8 € ganz OK. Morgen suchen wir uns dann eine andere Frühstückslocation. Vorher reicht es knapp fürs Bloggen, Französisch und Italienisch sind dann hinterher dran. Dann gehe ich noch auf einen Sprung in die „Stadt“ und kaufe in einem Einkaufszentrum mit dm, Rossmann und Nanu Nana Pflaster für meinen Daumen. Er blutet heute Morgen auch nur noch ganz wenig…

10:30 dann Aufbruch. Erste Station ist eine Kirche in der Nähe, in der sich die Heydrich-Attentäter 1942 verschanzten, von Nazi-Truppen belagert und beschossen wurden. Als die Nazis die Krypta fluteten, namen sich die mutigen Antifaschisten das Leben. Ihrer wird in ganz Tschechien am 18. Juni gedacht, aber ein paar Tage früher herrscht auch schon ordentlich Andrang in dem kleinen Museum.

Dann laufen wir weiter zur und über die Moldau, die Sonne brennt. Drüben auf der kleinen Seite geht es zum Glück erstmal durch schattiges Grün. Im Park mehrere Straßenmusikant*innen, die allesamt Blasinstrumente spielen und zum Beispiel „Volare (il blù dipinto del blù)“ oder die kleine Nachtmusik spielen.

Nächste Station ist die Lennon-Mauer, mit vielen friedensbewegten Graffiti, die seit John Lennons Tod besteht und inzwischen ein Touristenmagnet geworden ist.

Lennon-Mauer-Pub mit Yellow Submarine
Wassermann an Mühlrad

Dann geht es noch ein kleines Stück über das Ende der Karlsbrücke (voll, voll, voll) um auf den richtigen Weg Richtung Burg zu kommen. Erstmal jedoch Pause.

Vor einem kleinen Café gibt es Eiskaffee, Espresso Tonic oder Espresso Martini, außerdem Crêpes und Pancakes.

Crêpes mit Apfelstrudelfüllung, Vanilleeis und Karamellsauce

Nach der dringend benötigten Abkühlung und Ausruhphase für meinen Fuß erklimmen wir den steilen Weg hinauf zur Burg. Oben setze ich mich in den Schatten und beobachte die Wachablösung, während die brandeten nach dem Fenster von den Fensterstürzen suchen, den Veitsdom umrunden und sich gegen einen bezahlten Besuch in der Goldenen Gasse entscheiden.

Dann gibt es eine gemeinsame Pause im Biergarten mit Aussicht, mit dem ersten Bier des Tages. Für mich gibt’s das Dunkle, das mir sowohl geschmacklich als auch histamintechnisch mehr zusagt als das Pilsner.

Als alle wieder fit sind, machen wir uns an den Abstieg und dann wieder über die Moldau zurück in die Josefstadt. Vor einem Konzerthaus stoßen wir auf den Prager No-Kings-Protest mit amerikanischen Redner*innen und vielen schönen Schildern. Wir bleiben ein bisschen und fragen uns, ob Bruce Springsteen auch kommt – er ist wie wir gestern in Prag angekommen und seine Fans haben mit ihren T-Shirts die Stadt bereits größtenteils eingenommen. Er kommt aber nicht, zumindest nicht bevor es uns in der prallen Sonne zu heiß wird.

Wir gehen weiter bis zur Spanischen Synagoge, vorbei an dem einzigen Trdelnik-Laden Prags, der am Schabbat schließt (laut Eigenwerbung).

Der Golem

Dann geht es durchs Stadtzentrum und an der astronomischen Uhr vorbei zurück ins Hotel für eine Siesta.

Auch hier keine Muße, um 13 Minuten in der Hitze auf den nächsten Umgang zu warten.

Wir liegen ein Stündchen, dann drängt es die ersten schon wieder Richtung Abendbrot. In einem Restaurant in der Nähe gibt es Bier und eingelegten Käse.

Rinderschulter und Sahnesauce an Semmelknödel, mit Preiselbeeren und dazu Gurkensalat
Trdelnik mit Apfelstrudelfüllung, Haselnusseis und Karamellfüllung.

Kurz nach 7 sind wir satt und spazieren runter zur Moldau, wo es einen Biergarten/Beachbar und Musik gibt. Die anderen trinken Bier, ich Eistee (genug Alkohol, Kohlensäure und Histamin für heute). Wir sitzen, gucken aufs Wasser, beobachten ein Nutria, das immer wieder vorbeischwimmt…

Kurz nach Sonnenuntergang ist schon Last Call, um 10 macht der Laden zu und wir gehen direkt auf unsere Zimmer. Dann nochmal viel Nachbetrachtung der No-Kings-Proteste in den USA (und der politischen Morde am Morgen, der Situation zwischen Israel und Iran, die Korruption der CDU…) und gegen halb 1 geht dann langsam das Licht aus. 18.219 Schritte. Trotz Fuß!

13.06.2025 – Der Prallermann

Zunächst einmal: Liebsten Dank für die enthusiastisch erhobenen Daumen und die schnafte Empfehlung hier, lieber Björn!

Eine spannende Nacht ist das, auf dem ausgezogenen Sofa im Durchgangswohnzimmer mit zwei weiteren Frauen in der Wohnung und zwei kuscheligen Katzen an mir dran. Trotz vieler Unterbrechungen kommt am Ende überraschend okayer Schlaf zusammen. Gegen 7 fühle ich mich wach und starte die morgendliche Runde durchs Internet, nicke dann aber nochmal ein und beginne den Tag dann gegen 9, als die anderen aufstehen. Ich bleibe noch liegen, blogge, telefoniere mit dem Liebsten und setze mich dann mit einer Mate raus auf den Balkon zum Besuch. Als die Intus ist, gibt es Müsli und Obst (Apfel, Crowdfarming-Kirschen) hinterher. Wir sitzen und erzählen – Weltpolitik, Innenpolitik, Musik, gemeinsame Bekannte von früher bis jetze, Reisepläne und meine Geschenke für den anstehenden Liebstengeburtstag… Zwischendurch ein wenig Korrespondenz mit offiziellen Stellen.

Gegen Mittag macht sich der Besuch auf in die große Stadt und ich widme mich den nächsten Schritten – Couch wieder zusammenklappen, Baden, Anziehen, Sachen packen. Die übliche Routine wird dadurch erschwert, dass ich dabei ständig in mein Zimmer muss, die Katzen aber nicht mit rein lassen darf. Ich muss Nimbin ungefähr jedes Mal rausschmeißen, während Noosa immer noch beleidigt irgendwo in der Wohnung versteckt bleibt und erst rauskommt, nachdem ich längere Zeit im Bad war.

Dann ist alles fertig und ich setze mich für Französisch und Italienisch nochmal auf den Balkon. Danach gibt es Mittagessen.

Büffelmozzarella, Crowdfarming-Tomaten und Crowdfarming-Nektarinen, Kartoffelbrot im Doppelten Wortsinn

Als die Mitbewohnerin sich für die Spätschicht fertig macht, klatschen wir nochmal ab – wenn ich am Montag Abend wiederkomme ist sie bereits weg, wir sehen uns so zwei Wochen nicht. Nochmal ein Liebstentelefonat und dann mache ich mich auf den Weg. Mit Rucksack und Beutel zur Tram, mit der Tram zum Alex. Dort eine Horde Polizei umschiffen, die Teile des Bahnhofs abgesperrt hat, in die S-Bahn hüpfen und am Hauptbahnhof wieder aussteigen.

Da wir den ganzen Abend unterwegs sein werden, kaufe ich uns ein fürstliches Mahl im „Prêt“ – je ein Sandwich, ein Nachtisch, ein Getränk und ein Tütchen Chips. Da es nach Tschechien geht, auch noch je eine Flasche Bier im REWE. Noch kurz warten am Gleis, dann fährt der Eurocity ein und bringt bequeme Sitze, viel Bewegungsfreiheit und klasse WLAN mit. Ich tröte darüber auf Mastodon und erlange viel Zuspruch. Am Südkreuz steigt der Liebste zu und ab da wird’s gemütlich. Wir erzählen, lesen, essen Sandwiches (Club für ihn, Hühnchen-Avocado für mich) und Nachtisch (Zitronen-Cheesekcake-Mousse-au-Chocolat für ihn, Kokos-Chia-Maracuja für mich), lassen Brandenburg und Sachsen an uns vorbeiziehen, ärgern uns über eine Männersauftruppe, die aber zum Glück in Bad Schandau aussteigt um zu wandern, und dann geht’s hinüber ins Böhmische – zum ersten Mal für den Liebsten.

Gute anderthalb Stunden später und kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir Prag. Während es langsam dunkel wird laufen wir durch eine einzige große Partyzone – ein Passant nennt es passend „den Prallermann“ – durch die Innenstadt, über den Wenzelsplatz („Václav got to do with it?“), durch die Altstadt und zu unserem Hotel nahe der Moldau. Direkt gegenüber sitzen mein Bruder, seine Freundin und deren Schwippcousin nach ersten Prager Erkundungen, böhmischem Essen und böhmischem Bier in einer fancy Cocktailbar. Wir bekommen unsere Zimmerkarten und das dazugehörige Zimmer gezeigt und gehen wieder runter zur Bar, die leider weder genügend Sitzplätze noch Bier für uns hat.

Dir anderen wollen eh bald ins Bett, also drehen der Liebste noch eine kleine Runde um den Block, entscheiden uns gegen Bier drinnen und für einen lauschigen Platz draußen und landen so bei einem Italiener. Es ist Bellini o‘clock, dazu gibt’s Käseplatte für den Stil und das dolce vita.

Kurzer Flashback nach Venedig damals. Ich schicke auch Fotos an meine ehemaligen Kolleg*innen, die ich letztes Jahr in Prag treffen wollte, was dann nicht mehr geklappt hat, und bekomme prompte liebe Antworten. Der Liebste kommt dann doch noch zu seinem Bier, denn er trinkt schneller als ich. Hinterher spazieren wir noch kurz zur Moldau und blicken auf Burg und Karlsbrücke.

Dann geht es in die Heia. Kurz vor knapp fasse ich noch beherzt mit dem Daumen in meinen Rasierer (der fies in meinem Kulturbeutel lauert) und säble mir ein paar Hautschichten ab, was ordentlich blutet. Mangels Verbandsmaterial improvisiert der Liebste mir einen Druckverband aus Watte-Pad, Klopapier und Haargummi und dann ist gegen Mitternacht wirklich Schlafenszeit.