06.06.2025 – Back to the Island

Das war eine wirklich, wirklich kurze Nacht. Erst haben Don und Elon meinen Adrenalinspiegel so hochgefahren, dass ich ewig nicht einschlafen konnte und immer nochmal gucken musste, ob es was Neues gibt, dann beschließen Noosa und Nimbin gegen 5 Uhr morgens einen eigenen cat fight direkt neben mir im Bett abzuhalten und dann bin ich halt wach. Tolle Wurst. Mit zunehmendem Alter werden die beiden schrulliger und kabbeln sich und mich gefühlt häufiger als als kleine niedliche Kitten oder Jungkatzen. Jedenfalls bin ich dann wach und schon mit Lesen und Bloggen durch, bevor der Liebste sich zur Arbeit an den Schreibtisch setzt und vorher mit mir telefoniert.

Dann lange Spracheinheit – In Französisch mit B1 angefangen, in Italienisch den Wortschatzkram abgeschlossen. Da habe ich jetzt nur noch ein paar übersprungene Lektionen zu absolvieren und dann bleiben Übungen, Übungen, Übungen. Laut App dürfte mein Level da jetzt bei B2 liegen, praktisch im Alltag ist es wahrscheinlich drunter, weil mir die (produktive) Sprachpraxis fehlt. Dann die New-York-Times-Rätsel (tatsächlich auch immer eine Englisch-Übung, besonders Connections und Spelling Bee, obwohl ich mein Englisch eher bei C2 als bei C1 verorten würde) und dann ist auch schon der Reboot erledigt.

Die Katzen verlangen schon länger Frühstück, ich mache mir jetzt auch welches – Rest-Ricotta, mit Erbsenmilch und Orangenblütenwasser glatt gerührt, dazu Erdbeer-Granola und TK-Ananas – eine Reminiszenz an die tolle cassata estiva damals auf Procida. Pfirsichsaft gibt es auch noch dazu – ein italienischer Morgen. Und ein Glas Aspirin Complex, denn jetzt ist mal kurz Action verlangt und der Infekt hat mich immer noch ein bisschen in seinen Klauen.

Aspirin Complex hat auf mich eine ähnliche Wirkung wie Ketamin auf Elon Musk, ich reiße mich aber zusammen, poste keine Beleidungen ins Internet, mache keine verbotenen Gesten und springe nicht bauchfrei in die Luft, sondern packe meinen Rucksack fürs Wochenende und gehe nochmal in die Apotheke und die Drogerie. Dann ein kurzer Schnack mit der Mitbewohnerin, eine kurze Diskussion in der Haus-Chatgruppe (es gibt mal wieder ein Problem mit dem Warmwasser, aber ich bekomme es delegiert) und dann steige ich schon ins Auto, mit dem der Liebste und das Teilzeitkind vorgefahren sind. Ostsee, wir kommen!

Der Liebste ist bereits eine Dreiviertelstunde durch Stadtverkehr und Baustellen gefahren und ordentlich geladen. Das Teilzeitkind ist genervt. Es bekommt meine Noise-Cancelling-Kopfhörer aufgesetzt und schaut zufrieden aus dem Fenster, während ich des Liebsten Sounding Board werde, bis wir 20 Minuten später aus der Stadt raus und auf der Autobahn sind. Ab da fällt alle Spannung ab, das Teilzeitkind nimmt die Kopfhörer wieder ab, der Liebste macht das Känguru an, ich schließe die Augen und döse ein wenig.

Wir hören das erste Känguru-Buch ganz von Anfang an. Der Liebste und das Teilzeitkind sprechen auswendig mit, ich höre es erst zum dritten oder vierten Mal und freue mich nur. Lachen tun wir alle – an Dösen ist nicht zu denken. Irgendwann geht es darum, dass Marc-Uwe immer im Präsens schreibt, weil das direkter und authentischer wirkt. Ich fasse mir unauffällig an die eigene Nase.

Wir fahren durch die Uckermark und durch Vorpommern und plötzlich sind wir schon an der Brücke und dann auf der Insel. Noch kurzer Einkauf im Supermarkt und dann sind wir als eine der ersten Parteien an unserer Location für das lange Wochenende angekommen und beziehen unser Zimmer. Nach und nach trudeln die anderen ein, die Liebstenschwester, ihr Mann, das Nifftenkind und jede Menge Freund*innen mit Kindern, Hunden und einem Baby. Am Ende sind wir fast 50 Individuen, die sich um unsere Terrasse gruppieren, auf der drei Grills laufen und die sich irgendwie als der Nukleus für diesen Abend herauskristallisiert hat.

Von uns Dreien verschwindet das Teilzeitkind als erstes im Bett (es hat noch fernzusehen), ich folge gegen 23 Uhr und werfe nochmal ordentlich Medikamente ein. Als der Liebste ins Bett kommt, bekomme ich das noch so halb mit, aber ansonsten verschwindet der Partylärm von draußen irgendwo im dichten Nebel und ich schlafe schnell, tief und unglaublich fest ein.

05.06.2025 – On the Mend #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Vermutlich hat sich wieder eine Katze bewegt, jedenfalls bin ich gegen 7 Uhr wach. Der Liebste auch, daher telefonieren wir ungewöhnlich früh und gleich als ersten Schritt des morgendlichen Reboots. Danach lese ich das Internet leer und auf meiner Runde durch die Blogs stoße ich bei Herrn Buddenbohm auf zwei sehr inspirierende Videos, die ich mir direkt angucke. Zack, Mindset für heute geshifted, manchmal ist es komisch. Bevor ich mein eigenes Blog fülle, mache ich mir eine schöne große Tasse Ostfriesentee mit Mascarpone-Sahne.

Ich blogge Tee schlürfend und mache dann ausführlich erst Französisch und Italienisch. Beim Französischen dauert es, bis die Tagesaufgaben erfüllt sind, dafür erledige ich gleich die Friends Challenge mit der Nichte zweiten Grades mit, die mich schon wieder als Partnerin ausgesucht hat. Das Kind ist neun, da helfe ich doch gerne. Im Italienischen schließe ich einen weiteren Abschnitt ab, nicht mehr lange und ich habe das laaaaaange Wortschatz-Kapitel hinter mir, mal sehen, was dann kommt.

Gegen halb 12 stehe ich auf und mache mir Frühstück, es gibt Sauerteigbrot mit Mascarpone und der letzten Feigenmarmelade, dazu den letzten Apfel und die Probiermate, die ich letzte Woche beim Verlassen der re:publica geschenkt bekommen habe. Damit gehe ich raus auf den Balkon und nehme von da aus am heutigen Webinar teil. Irgendwann fängt es an zu regnen, aber mein Balkon ist ja überdacht und ich lasse mich nicht stören.

Die Erkältung scheint weiter auf dem Rückzug, auch wenn mein Taschentuchverbrauch weiterhin hoch ist. Mit Podcast auf den Ohren widme ich mich am Nachmittag weiteren Haushaltsdingen, für die ich gestern noch zu kaputt war. Und danach mache ich etwas ganz verrücktes und hole zum ersten Mal seit dem Sturz meine Yogamatte hervor und mache mir ein Video an. Erstaunlich vieles geht schon wieder, dafür tun Schulter und Fuß in Situationen weh, an denen ich es gar nicht so erwartet hätte. Und die normalen Sonnengruß-Flow-Geschichten lasse ich noch aus. Aber Dehnungen, Öffnungen etc. tun gut, mein Orthopäde wäre stolz auf mich.

Jetzt ist es Zeit, auszuruhen. Ich lese das Buch zu Ende, das ich mir auf der re:publica nach Session und Workshop gekauft habe (und fange direkt mit der Umsetzung an) und danach in dem anderen Sachbuch weiter, das ich schon eine Weile länger lese – Belletristik dann wieder an einem anderen Tag. Zwischendurch telefoniere ich mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind über die Wochenplanung und gebe Wünsche für den Einkaufszettel durch.

Zum frühen Abendbrot mache ich mir Hirse mit Tomaten, Zucchini, Basilikum und ordentlich Knoblauch. Dazu gibt es den Livestream von Merz‘ Besuch im Weißen Haus. Wie erwartet ein skurriles Gespräch, mit unerwartet sehr viel Referenz auf vergangene Weltkriege. Immerhin ist Merz länger als Trump und schlägt sich ganz OK. Selbst Trump ist erstaunlich normal (also bis auf das übliche Weaving, seine Auslassungen zum zweiten Weltkrieg und seine Falschaussagen zur amerikanischen Wirtschaft natürlich). An der Stelle ahnt noch niemand, was aus der Situation über den Abend verteilt noch wird, aber Elon Musk guckt den Livestream auch und seine Kommentare fallen weniger gemessen aus als meine.

Ich lege mich nach dem Stream erstmal in die Badewanne und mache mich danach bettfertig. Wieder im Bett dann entspinnt sich das gesamte Ausmaß des X-Truth-Social-Meltdowns zwischen dem reichsten Mann der Welt und dem amerikanischen Präsidenten. Meine Timelines drehen durch und ich bereue, schon Zähne geputzt zu haben, so viel Lust bekomme ich auf Popcorn. Trumps Auslassungen zum zweiten Weltkrieg sind jedenfalls kein Thema mehr und ich befürchte, dass auch Merz‘ Vorstöße für die Unterstützung der Ukraine nach dieser Schlammschlacht keinen großen Widerhall mehr finden werden.

Die ganze Situation und ihre Beobachtung auf Threads, Bluesky, Mastodon, Instagram und TikTok (und vielleicht das viele Koffein von Ostfriesentee und Mate) machen, dass ich noch sehr lange keine Ruhe finde und erst weit nach Mitternacht einschlafe.

04.06.2025 – So halb

(Einschub: Ich blogge ja immer am Morgen danach, hier also eine Link-Empfehlung aus der Zukunft des eigentlichen Tagebuch-Geschehens: Bei Herrn Buddenbohm gibt es „morgen“ zwei tolle Videos zu sehen, in denen Menschen auf sehr weise und gleichzeitig unterhaltsame Art Tipps für ein gutes Leben geben. Die beiden noch vor dem Bloggen anzusehen hat meinen Morgen heute sehr bereichert!)

Heute geht es so halb besser, der/die/das Virus scheint zunächst auf dem Rückzug, vielleicht ist das aber auch nur Wunschdenken. Jedenfalls wage ich mich nach dem morgendlichen Reboot (Endlich Französisch A2 auf Duolingo abgeschlossen!) tatsächlich aus dem Bett hinaus und auf den Balkon. Zu Müsli und Tee gibt es gegen Mittag ein Webinar, das gleich noch zu weiteren Handlungen führt. Außerdem habe ich ein bisschen Wohnungs-Admin zu tun, u. a. haben Fliegen mal wieder die Küche übernommen und es wird Zeit, entschlossen zurückzuschlagen. So verlasse ich das Haus sogar ganz und bringe den Biomüll nach unten. Dann noch das Bett neu beziehen, um der Krankheit klarzumachen, dass ich bereit für einen neuen Abschnitt bin. Und dann… Muss ich mich erstmal dringend ausruhen.

Zum Mittag gibt es Salat aus Crowdfarming-Tomaten, roter Zwiebel, frischem Basilikum und Ricotta, dazu Sauerteigbrot. Danach bin ich so erschöpft und müde, dass ich mich „nur mal kurz“ hinlege, während ich die Doku über Annalena Baerbocks Zeit als Außenministerin laufen lasse. Das Ergebnis ist, dass ich volle Kanne wegratze und auch nachdem ich wieder richtig wach bin, nicht nochmal hochkomme. Virus doch noch da, würde ich sagen. Nach dem Schlafen ist der Kopf wieder wattig und verschleimt. Ich würde ja gerne weiter lesen, sehe mich aber nicht in der Lage und gucke stattdessen im Internet herum.

Am frühen Abend habe ich dann noch ein Webinar, das mich ein wenig ratlos zurück lässt. Inhaltlich bleibt es hinter meinen Erwartungen zurück, aber es setzt eine Menge Gedanken in Gang. Das Format ist englischsprachig, das Publikum international, aber in Deutschland lebend. Die Vortragende ist Deutsche und trägt offensichtlich Inhalte vor, die sie sonst auf Deutsch präsentiert. Ihr Englisch ist so holprig, dass ich mich kaum auf den Inhalt konzentrieren kann, weil mir jeder kleiner Fehler, jede unelegante Formulierung und jede falsche Übersetzung sofort ins Ohr sticht – von der Aussprache ganz zu schweigen, die lächele ich weg. Ich bin mit sowas in den letzten Jahren ja zum Glück sehr viel großzügiger geworden und korrigiere sogar meine Eltern nur noch selten (Grüße gehen raus ;)), aber heute fällt es mir schwer.

Zumal der Vortrag wie gesagt inhaltlich auch nicht viel hergibt aber mit großem Enthusiasmus und Selbstüberschätzung vorgetragen wird und die begleitende Präsentation (ganz stolz: „Mit KI erstellt!“) mit genauso wenig Liebe gemacht zu sein scheint. Die Texte sind jedenfalls nicht mit KI übersetzt, sonst wäre die Sprache besser, dafür gibt es in den Bullet Points sogar Füllwörter, die in der gesprochenen Sprache einfach durchrieseln würden, aufgeschrieben als Überschrift einer Folie aber völlig deplatziert wirken. Beispielzitat vom Vortrag aus dem Gedächtnis: „And then you have something like Covid neunzehn, ja, so a pandemic, ja…“

Ich fühle mich nicht gut dabei, so herablassend darüber zu denken und zu schreiben, vielleicht habe ich in den letzten Tagen auch einfach viel zu viele gute Präsentationen gesehen (live und im Nachklapp bei der re:publica), aber gleichzeitig ist es auch nicht schlecht fürs eigene Selbstbewusstsein, zu wissen, dass ich sowas in gut und weitgehend ohne Fehler aus dem Handgelenk schütteln könnte. Hätte gerne einen Korrekturlauf gemacht, aber leider ist auch das ja eine Fähigkeit, die heutzutage nicht mehr gefragt oder bezahlt wird. Wäre nur schön, wenn man die KI dann auch effektiv nutzen würde. So, genug gerantet.

Meine Gehirnzellen sind aufgebraucht, also suche ich Berieselung. Netflix bietet mir eine neue Kategorie an: „Düster, intensiv und trostlos“ – da kann ich ja gleich Nachrichten gucken, nein danke! Stattdessen finde ich My Big Fat Greek Wedding 3 und da ich einen soft Spot für alles habe, was von Play Tone kommt („Es hat ein Loch, es hat Rillen, das ist ne Play Tone Platte!!!“) und außerdem seichte Unterhaltung mit gutem Essen, Sonne und Meer vertragen kann, gucke ich mir den natürlich an. Ich erinnere mich quasi nicht an Teil 2, was dafür spricht, dass Teil 3 wieder besser ist. Hinterher noch ein Special von Matteo Lane, das allerdings zu weiten Teilen das ist, was der Liebste und ich letztes Jahr live im Tempodrom gesehen haben – trotzdem einige Lacher dabei.

Danach habe ich noch ein bisschen Luft, bis ich bettmüde bin, und schaue doch noch zwei re:publica-Sessions, die von Heidi Reichinnek und die von Cy Linke, die ein multimediales Gesamtkunstwerk ist. Ich bin dankbar für meinen eigenen Familienchat, in dem es hauptsächlich Essensfotos und Gesundheitsstati gibt.

03.06.2025 – Vorschriftsgemäß

Heute nun also endlich keine Termine und ziemlich heftig einen sitzen (einen Virus nämlich, der weiterhin für Verrotztheit und neu auch für ordentlich Husten sorgt), also bleibe ich ganztägig im Bett und tue, was angemessen ist – viel trinken, lesen, schlafen.

Auf dem Brot ohne Camembert ist ein Pecorino mit Pistazien, der mir neulich beim online Einkaufen in den Warenkorb gehüpft ist – sehr lecker

Ich lese fleißig weiter in Gabrielle Zevins Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow, das in meiner Blogroll schon ausgiebig rezipiert wurde, zum Beispiel bei Frau Novemberregen und der Kaltmamsell. Ich bin ebenso angetan wie die beiden und habe dem Liebsten schon angekündigt, dass ich das Buch an ihn weiterreichen werde, er hat schon aus meinen Erzählungen extrapoliert, welche Arten von Computerspielen darin vorkommen und da er sich mit sowas in seiner Freizeit ab und an *hüstel* beschäftigt, ist das wahrscheinlich ein sehr gutes Buch für ihn, auch wenn es sich auch viel um echte Menschen und ihre Beziehungen zueinander dreht und erstaunlich wenig Fantasy-Elemente enthalten sind.

Als ich nach einer Beim-Lesen-Einschlafen-Pause wieder erwache habe ich eine E-Mail bekommen, dass meine Crowdfarming-Gemüsekiste beim Nachbarn liegt (der mit dem Tesla mit dem „Elon sucks“-Aufkleber). Ich werfe mir schnell etwas über und hole die Kiste ab.

Etwas herausfordernd diesmal – die Rübe wird interessant, für den Rettich werde ich mal Richtung Bayern gucken für Rezepte und der grüne Spargel kann am Wochenende hoffentlich vergrillt werden. Mit dem Rest komme ich klar.

Irgendwann am Nachmittag stelle ich fest, dass der vierte Bridget-Jones-Film inzwischen online verfügbar ist und gucke mir den an. Passt in die Reihe und ist wahrscheinlich besser als der dritte, aber an sich ist das Thema halt auch irgendwie durch. Und ich komme jetzt in das Alter, in dem die Heartthrobs meiner Jugend (hier: Hugh Grant und Colin Firth, aber ja auch Brad Pitt und Johnny Depp, wobei die eh problematisch sind) plötzlich alte Männer sind, und das wo ich doch immer noch quasi im Teenager-Alter… Hmmm.

Lieber schnell wieder weiterlesen…

02.06.2025 – Verstrahlt im Stadtbild

By rights sollte ich heute einfach den ganzen Tag im Bett liegen und mich auskurieren, viel Flüssigkeit zu mir nehmen, mich von Unterhaltungsprogramm berieseln lassen und zwischendurch immer wieder einschlafen. Tatsächlich habe ich aber zwei dringende To Dos auf der Liste und kann nur ein drittes absagen. Von daher bekommt Berlin mich heute nochmal von meiner besten Seite (nicht) zu sehen. Aber erst später.

Erstmal schlafe ich erstaunlich gut und viel, mit Pausen zwar, aber doch deutlich mehr als im Zelt. Dann gibt es Porridge mit TK-Früchten und Tee mit Ingwer, einem Rest Orangensaft und Kräutern vom Balkon: Melisse, Minze, Salbei und Thymian. Internet leer lesen und Bloggen dauert heute alles länger, mein Geist ist arg verschleimt, der Taschentuchverbrauch weiter hoch. Französisch kriege ich wieder etwas ausführlicher hin, aber Italienisch schenke ich mir noch, dieser Streak ist nicht sooo wichtig, da ich das einfach schon seit Jahren mache und es so im Hintergrund mitläuft, mal mehr, mal weniger intensiv, und ich außerdem für einen Lifetime-Account bezahlt habe und jetzt is ah Wurscht. Bei Französisch läuft grad ein Jahr lang Bezahl-Account, der Streak ist sehr hoch und ich bin außerdem kurz davor, A2 zu beenden. Klappt in den nächsten Tagen.

Kurz nach 13 Uhr dann quäle ich mich aus dem Bett und mache mich fertig, um ins Draußen zu gehen. Heute dann auch pflichtbewusst mit Maske. Weil alles heute langsamer geht, verlasse ich das Haus gegen 14 Uhr und fahre mit zwei Trams zu einem Augenarzttermin, auf den ich seit Monaten gewartet habe. Dafür geht dann alles erstaunlich schnell, straff organisiert und kompetent voran. Einzig mit Zahlen hat es der Herr Doktor nicht so, da muss ich nochmal nachrecherchieren, ab welcher kumulierten Menge meines täglichen Medikaments ich öfter als einmal im Jahr vorbeikommen sollte – die von ihm zuerst genannte überschreite ich mit der täglichen Dosis, die zweite genannte passt nicht zu dem Zeitraum, den ich auf die Schnelle im Internet finde. Egal, ich mache erstmal mit den jährlichen Kontrollen weiter.

Was ich nicht bedacht habe – war bei dem Stümperaugenarzt im Oktober nämlich nicht so – ist, dass ich für die Prozedur Augentropfen bekommen würde und danach a) schlechter sehen und b) sehr lichtempfindlich sein würde. Ergo habe ich keine Sonnenbrille dabei, was ich beim Hinaustreten in den gleißenden Juni-Sonnenschein sofort bereue. Und ich habe halt noch das zweite To Do auf der Liste und muss noch nach Weißensee. Aufgrund von Streckenänderungen (danke BVG!) kann ich aber mit einer Tram durchfahren und muss nicht wie sonst umsteigen. Dann noch die richtige Hausnummer und das richtige Klingelschild finden (nicht so einfach mit den geweiteten Pupillen) und dann kann ich mein Camping-Equipment von der lieben Mitfestivalerin entgegennehmen.

Der Rückweg würde zu Fuß eine gute Viertelstunde dauern. Ich bin aber dolle erkältet, habe einen kaputten Fuß, meine Augen sind arg zusammengekniffen, weil alles blendet und ich habe eine schwere IKEA-Tasche dabei. Zum Glück kann ich auch abkürzen und drei Stationen Bus fahren! Spätestens den Mitfahrenden muss ich jetzt wie eine typische Berliner Nachtgestalt vorkommen. Tellergroße Pupillen, benebelt im Kopf, rote Nase, humpelnd/torkelnd und mit einer Ikea-Tasche mit undefinierbarem Zeug unterwegs. Gut, dass ich so schnell wieder zuhause bin. Ich hänge die nassgewordenen Camping-Sachen auf den Balkon und krieche direktemang wieder ins Bett.

Um die Augen zu schonen, mache ich mir einen Podcast an und selbige zu. Wenig überraschend schlafe ich direkt wieder ein. Wie gut! Als ich wieder wach werde, sind die Pupillen schon fast wieder bei Normalgröße angekommen und ich habe langsam wieder Hunger, bin aber zu kaputt, um mich in die Küche zu stellen. Also bestelle ich nochmal was thailändisches – Wan Tans mit Spinat und Ingwer, Erdnuss-Dip und Pad Thai mit Tofu. Gut die Hälfte vom Pad Thai bleibt dabei für morgen übrig.

Zum und nach dem Essen schaue ich zwei re:publica-Talks (von tante und von Annika Brockschmidt), dann reicht es wieder mit Anspruch für heute. Den Rest des Nachmittags und Abends bestreite ich mit der Netflix-Miniserie Sirens. Schon wieder eine Satire über superreiche exzentrische Menschen in einem schönen Haus am Meer mit vielen Menschen, Presse, einer vermeintlich abgedrehten reichen Frau und ihrem vermeintlich normalerem reichen Mann und mit Meghann Fahy als Außenseiterin. Hatte ich ja gerade erst mit The Perfect Couple, aber funktioniert auch hier gut. Und Julianne Moore und Willem Dafoe spielen auch noch mit, was will ich mehr?

01.06.2025 – Der lange Weg zum Bett

(Bevor es untergeht: Heute ist Kindertag, die Eltern haben uns selbstverständlich gratuliert, ich fand aber zu keiner Zeit ein neues Buch oder ein kleines Lego vor, wie früher üblich. Nun ja.)

Erstes Aufwachen kurz nach 2 Uhr, die Shout Out Louds haben gerade ihren Gig beendet, von mir unbezeugt, denn ich liege mit Matschbirne und benebelt seit drei Stunden im Zelt und leide vor mich hin. Jetzt müsste ich eigentlich aufs Klo und wäre ich zuhause, würde ich das auch tun. Hier aber müsste ich mich in die Stiefel zwängen und sie gut zuschnüren und zwischen lauter angeheiterten Feiernden weit vom Vollbesitz meiner geistigen Kräfte entfernt etwa fünf Minuten im Dunkeln über den Zeltplatz laufen, anstehen und ggf. auf eine schon nicht mehr ganz saubere Toilette gehen, zum Händewaschen wieder anstehen und dann das ganze retour. Das mag ich mir nicht zumuten. Ich setze mir meine Stirnband-Kopfhörer auf, mache mir ein Hörbuch an, suche eine neue Liegeposition und versuche es nochmal mit dem Schlafen.

Etwa alle Stunde liege ich wieder wach, der Vorrat an Taschentüchern und taschentuchähnlichen Materialien geht bedenklich zur Neige. Gegen 7 ist es draußen hell, fast alle liegen in ihren Zelten, nur von einer Ecke ganz weit weg dringt immer noch Partymusik hinüber. Jetzt wage ich den Toilettengang und nehme mir gleich noch jede Menge Klopapier für die Nase mit zurück ins Zelt. Gegen 9 dann beginne ich mit dem eigentlichen Aufstehprozess. Ein weiteres Mitglied der Bezugsgruppe hat schon Kaffee gemacht und so sitzen wir beide aus unterschiedlichen Gründen kaputt und schlürfen leise unseren Kaffee. Ich frühstücke Reste (Würstchen, Ei, Apfel) und nach und nach werden die anderen auch wach.

Blöderweise kommt dann nochmal Regen, so dass ich am Ende ein feuchtes Zelt abbauen muss. Die Campingsachen kann ich einer Mitreisenden mitgeben, die mit dem Bulli zurück zu uns in den Kiez fährt. Mit Rucksack und Proviantbeutel mache ich mich dann kurz vor 11 auf den Weg Richtung Bahnhof. Der Pendelzug kommt erst in einer halben Stunde und weil es wieder nach Regen aussieht, gönne ich mir ein Taxi. Am Bahnhof muss ich dann eine weitere Stunde warten, habe aber zum Glück Internetempfang und kann die Zeit gut nutzen. Für weiteres Nasenklopapier muss ich 50 Cent für eine Toilettennutzung bezahlen.

Der Zug ist nach dem langen Wochenende und mit den vielen Festivalrückreisenden heillos überfüllt, ich bekomme diesmal einen etwas bequemeren Sitzplatz auf der Treppe. Leider fährt der Zug aktuell nur bis Oranienburg, dort müssen dann alle in die S-Bahn umsteigen, die erst 20 Minuten später losfährt und dann eine Dreiviertelstunde braucht. Ich habe aber einen normalen Sitzplatz abbekommen. Mir tun die Mitreisenden leid, denn ich huste und schniefe vor mich hin und habe keine Maske dabei. Da fällt mir die Frau auf der Hinfahrt ein, die ähnlich unterwegs war, ob ich mich vielleicht bei ihr angesteckt habe? Oder vielleicht bei einem der x Kinder auf dem Kindergeburtstag letztes Wochenende oder bei einem der 30.000 Menschen auf der re:publica? Vielleicht war das auch alles etwas viel in den letzten 10 Tagen…

An der Bornholmer Straße steige ich dann nochmal um und dann bin ich gegen 14 Uhr endlich endlich zuhause. Die Treppen hoch sind sehr anstrengend. Ich werfe alles ab, begrüße die Katzen, packe die dringendsten Sachen aus und lasse mich in die Badewanne gleiten. Vier Tage Festivalschmutz lösen sich im Wasser. Kurz danach ziehe ich um ins Bett, telefoniere mit dem Liebsten und bestelle mir was vom Thai.

Tom Kha mit Tofu, Papayasalat, Klebreis mit Mango, Ginger Ale

Ich schmecke fast nichts und lasse den Großteil des Salats für später übrig. Zum und nach dem Essen gucke ich ein bisschen re:publica nach (die Session mit Sarah Bosetti), merke aber schnell, dass ich heute für nix Anspruchsvolles mehr zu gebrauchen bin. Ich gucke The Four Seasons zu Ende und dann noch Nonnas und dann ist es auch schon wieder nach 10 und ich versuche zu schlafen. Statt des erhofften Alltags nach dem Wahnsinn der letzten Tage nun also erstmal dicke fette Erkältung (kein Covid, sagt der Test)…

31.05.2025 – Immergut Tag 3 in der Krank-Edition

Der Plan war, noch länger zu schlafen als gestern und mich den Tag über viel zu schonen, damit ich abends durchhalte um 1 die Shout Out Louds angucken kann, die das ausschlaggebende Argument für mich waren, auch dieses Jahr wieder zum Immergut zu fahren (sie und dass es eben das 25. ist). Tja, dicker Hals und schmerzendes Schlucken machen den Plan zunichte, ich bin wieder gegen 8 wach und gehen 9 treibt mich die Hitze aus dem Zelt (es sind 18 Grad, aber halt Sonne auf Zelt). Ich verlege mich aufs Symtom-Management und hole mir am Kaffeestand einen Ingwer-Zitrone-Tee und einen doppelten Espresso, dazu noch zusätzliche Zitrone am Zelt, außerdem Schmerztablette und normales Festivalfrühstück. Einer der Mitreisenden versorgt mich noch mit Vitamin C und Zink in rauhen Mengen. In der Kombination macht das alles in etwa die Wirkung von Aspirin Complex und ich fühle mich gestärkt.

So kann ich wie geplant aufbrechen zum Spaziergang durch den Wald hin zum Fußballturnier. Fiete und Schiete sind als Moderation angesagt aber wie schon letztes Jahr ist einer von beiden beruflich in Brüssel und wird nur zwischendurch per Telefonschalre involviert. Mit dem anderen, der ja auch mein Duolingo-Kumpan ist, schaffe ich zwischen Musik und Moderation ein kurzes Gespräch, bei dem er Mückenspray verweigert. Erschlagene Mücken werden eingesammelt und via Dose demnächst mit ins Mökki nach Lappland genommen, wo der Herr aus toten Mücken Kunst macht. Neben dem Zuhören nutze ich den Aufenthalt am Stadion wie immer vor allem für die örtlichen Annehmlichkeiten – es gibt ein Wasserklosett und angemessenen Internetempfang.

Nachdem die Kindermannschaft im Siebenmeterschießen souverän den fünften Platz verteidigt hat und nur noch das Spiel um Platz 3 und das Finale anstehen, mache ich mich langsam auf den Rückweg. Der Plan ist, sich nochmal drei Stunden hinzulegen und dann erst ab 18 Uhr auf dem Gelände zu sein. Für eine gute Stunde klappt das auch, ich lese und döse immer wieder weg. Dann aber wird es auf dem Zeltplatz zu laut und hektisch und im Zelt zu heiß. Ich fülle meine Wasserflasche nochmal für heute Nacht auf, packe meine Sachen fürs Gelände zusammen und treffe auf dem Weg dahin nochmal eine alte Bekannte aus Rostock.

Dann suche ich mir ein ruhiges, schattiges Plätzchen auf dem Gelände, lausche der dargebotenen, ruhigeren Musik und lese einfach dort weiter. Wie schön, dass es solche Orte gibt, an denen alle einfach ihren Bedürfnissen nachgehen, nett zueinander sind und niemand komisch guckt. Allerdings fehlt halt doch der eingeplante Nachmittagsschlaf. Irgendwann hole ich mir für den zweiten Koffeinkick des Tages einen Chai Latte und noch ein wenig später Falafel mit Reis und Salat.

Laura Lee & The Jettes sind die erste Band, die ich mir ganz bewusst (und sogar teilweise im Stehen an der Bühne) ansehe. Danach ist aber direkt wieder sitzen angesagt. Je später der Abend, desto mehr vernebelt mein Kopf, die Halsschmerzen haben sich ein wenig beruhigt (vor allem, seit ich die ganze Zeit Kaugummi kaue und so minzigen Speichel da lang schicke), dafür fängt inzwischen die Nase derbe an zu laufen und die Nebenhöhlen gehen zu.

Ich treffe eine alte Berliner Freundin wieder, die ich seit einigen Jahren irgendwie nur noch auf dem Immergut sehe (die ehemalige regelmäßige Minigolfrunde hat sich irgendwann aus den Augen verloren) und wir haben uns viel zu erzählen. Dann spielt Erobique und ich schaffe sogar ein bisschen Tanzen. Danach muss ich mich wieder setzen und mir wird langsam klar, dass ich mir Shout Out Louds abschminken muss. Vorher spielen noch zwei andere Bands und ich bin jetzt schon völlig durch. Während Isolation Berlin auf der Bühne stehen, gebe ich resigniert auf und kehre über den Umweg zum Kompostklo ins Zelt zurück. Um 23 Uhr mache ich die Augen zu, denn zwischen Shout Out Louds und mir liegen noch zwei Stunden, zwei Zeltplanen und ein DJ-Set, so dass ich definitiv nichts davon werde hören können. Verdammter Mist. Der Rest ist Nebel.

30.05.2025 – Immergut Tag 2 – Keine Fotos

Die Blase drückt gegen 8 so stark, dass mir nichts weiter übrig bleibt, als mir etwas überzuziehen, in die Stiefel zu schlüpfen und einmal quer über den Zeltplatz zum Kompostklo zu stapfen – dieses Jahr übrigens kostenlos, bin begeistert! Durch die aufwendige Prozedur bin ich dann richtig wach, lege mich aber nochmal ins Zelt. Gelegenheit für Umziehen und erstes Frühstück (Pistazienwaffel, Apfel) und etwas Duolingo – für richtiges Internet reicht der Empfang hier im Zelt leider nicht. Nach und nach werden allerdings auch die anderen wach und dann gibt es in größerer Runde Kaffee, zweites Frühstück (Käsebrot, Würstchen, Ei und Zuckerwaffel) und ein bisschen besseren Empfang für einen kurzen Nachrichtenüberblick.

Um 11:30 beginnt auf dem Marktplatz die Frühstücksrunde, bei der ein ehemaliger Radiokollege von mir (und begnadeter Musiker natürlich, bekannt von Passadeena, Talking to Turtles und Das Paradies) das Matineeorchester bildet. Es gibt Geplauder mit Musiker*innen und Festivalorganisator*innen, einen Cocktail-Wettbewerb und den Wetterbericht. Es folgt ein Quiz zu 25 Jahren Immergut, für das sich ein ehemaliger Kneipenquiz-Kumpan zu mir gesellt. Dazu trinke ich ganz gesundheitsbewusst eine Maracuja-Traubenschorle. Nach dem Quiz geselle ich mich nochmal kurz zur Runde an den Zelten, esse noch eine Kleinigkeit und dann geht es auch schon aufs Gelände. Mit Himbeer-Kokos-Eis höre ich mir eine Lesung von Charlotte Brandi an und mache es mir dann liegend gemütlich für das erste Konzert und die zweite Lesung des Tages. Das ist eigentlich der schönste Teil vom Immergut: Auf der Wiese liegen, in den Himmel schauen, Text und Musik lauschen und zwischendurch auch gerne nochmal wegdämmern.

Überhaupt findet heute fußbedingt wieder sehr viel im Sitzen oder Liegen statt, was den Genuss ein wenig schmälert, da ich die meisten Konzerte nur aus der Ferne erlebe, ohne richtig von der Stimmung mitgerissen zu werden. Ich kompensiere das mit leckerem Essen und Getränken (Espresso Tonic zum Wachwerden nach dem Nickerchen bei Lesung 2, frische Pasta mit veganer Bolognese und Salat, Erdbeerbowle, Pommes mit Mango-Chili-Mayo) und Begegnungen mit Bekannten – eine plus ihre drei Kinder aus Berlin, eine gemischte Rostock-Berlin-Gruppe, ein paar Rostocker*innen.

Heute ist es etwas wärmer als gestern und ich habe auch noch mit einem zusätzlichen Thermo-Pulli vorgesorgt, so dass das viele Nicht-Bewegen leichter zu ertragen ist. Bauchschmerzen habe ich auch keine, yeah. Dafür fängt der Hals langsam an zu meckern, was sich über Nacht noch zu ausgewachsenen Schluckbeschwerden ausdehnen wird. Erstmal aber alles soweit OK.

Musikalisch reißt mich leider wenig vom Hocker, es fehlt wohl die Komponente des Gemeinschaftsbads vor der Bühne. Aber ich halte durch bis Bilderbuch spielen, sehe Teile der Show inkl. des einen großen Hits (der bei der Crucchi Gang aber schöner ist) im Stehen und mache mich dann auf den Weg Richtung Zelt und Schlafsack. Gerade als ich in den schlüpfe, schallt noch der zweite große Hit über den Platz, so dass ich dann zufrieden gegen halb 1 die Augen zu machen kann. Morgen dann der Tag mit den großen musikalischen Highlights, hoffentlich.

29.05.2025 – Immergut Tag 1 – Keine Fotos

Ohne Wecker pünktlich um 7 aufgewacht, was auch ganz gut ist, da ich so quasi ohne Stress ins nächste Festival starten kann. Nach dem morgendlichen Reboot gibt es Müsli mit TK-Kirschen und TK-Ananas und ordentlich O-Saft (nochmal ordentlich Vitamine tanken!), dann wird ausgiebig geduscht, Katzen- und Pflanzenversorgung betrieben und Rucksack und Proviant gepackt. Nach einem weiteren Liebstentelefonat geht es kurz nach 12 los zum Bahnhof. Der RegionalExpress ist feiertäglich voll und ich bekomme einen Platz auf dem Boden – der Fuß ist nicht amüsiert. Dafür kommt auf der Fahrt aber die Nachricht, dass das neuste Geschwisterkind des Teilzeitkinds geboren wurde – passgenau zwischen diverse andere Geburtstage, so ist das gut.

In Neustrelitz heißt es dann ein bisschen warten, bis der Pendelzug die Meute weiter zum Festivalgelände bringt. Dort ist dann nochmal warten am Eingang, aber das findet in der Sonne, bei Kiefernduft und Vorfreude statt – großes Zuhausegefühl bei meinem elften Immergut! Mit Bändchen versorgt finde ich schnell die Bezugsgruppe und kann erstmal ablegen und ankommen. Wir warten noch auf zwei Bullis, als die sorgfältig eingeparkt sind, können die letzten Zelte, unter anderem meins, aufgebaut werden. Dann gibt es erstmal was zum Anstoßen („Ihr habt Champagner? Dann trinken wir erst den und danach den Cremant!“ Festivals haben sich verändert, seit ich jung war.) Dann noch fix Mittagessen (mitgebrachtes Brot mit Käse, Wiener, Ei und ein paar Erik-Pflaumen) und dann geht es aufs Festivalgelände.

Die erste Künstlerin habe ich verpasst, von der zweiten (Sofie Royer) kriege ich immerhin das Ende mit, klingt gut. Richtig dabei bin ich dann bei Mel D, die richtig schöne Musik macht und beeindruckend und ungewöhnlich singt. Problematisch ist, dass der Fuß kein langes Stehen oder Tanzen erlaubt und ich mir immer schnell Sitzgelegenheiten suchen muss. Nicht bewegen bedeutet dann natürlich auch schnell frieren, zumindest bei den derzeitigen Temperaturen. Die restlichen Bands höre ich dann eher von weitem, sie klingen mal besser und mal schlechter. Irgendwann hole ich mir eine heiße Schokolade und ein paar Tacos. Die anderen testen Pasta, Pizza, Burger, Pommes… Gyros, Burritos, Crepes usw. gibt es auch noch – alles vegetarisch oder vegan. Wir werden gut versorgt.

Irgendwann habe ich nicht nur mit Fuß und Kälte zu tun, sondern auch mit Bauchschmerzen – Endometriose? Histamin? Beides? Man weiß es nicht. Ich nutze also die Neuerung des Menstruationszelts zum ersten Mal. Hier kann man gemütlich auf Sofas, Decken und Kissen chillen, mit Wärmflaschen, Decken und Gratis-Tee. Menstruationsprodukte kriegt man auch umsonst (so wie übrigens auch auf der re:publica), aber da habe ich keinen Bedarf. Und man kann sich auch gegen Pfand Wärmegurte ausleihen, das probiere ich vielleicht in den nächsten Tagen mal.

Heute sitze ich nur eine gute Stunde gemütlich, ruhe den Fuß aus, wärme den Bauch und lausche der Musik von der Bühne. Und dann gehe ich gegen 23 Uhr einfach ins Zelt. Die großen musikalischen Highlights kommen erst noch, ich muss Kräfte sparen. Sehr gut übrigens: Ich bin mit Thermoleggins, warmen Socken und Fleecedecke so gut ausgerüstet, dass ich die ganze Nacht über nicht einmal friere. Nacht 10/10, gerne wieder.

28.05.2025 – Letzter Tag re:publica

Der Streak der gut durchschlafenen Nächte ist wieder abgerissen, aber egal, der Tag wird gut! Nach dem morgendlichen Reboot (zu testender neuer Begriff für die Abfolge „Internet leer lesen – Bloggen – Sprachen lernen – Rätsel – Mit dem Liebsten telefonieren“) stehe ich auf, mache wieder Müsli zum Mitnehmen (heute White Chocolate Berry mit TK-Ananas und -Kirschen sowie Joghurt), schnappe mir eine Wegmate vom Balkon und laufe los in den Regen. Ich bin ja kein Regenschirm-Mensch, aber eine Regenjacke hätte der Situation gut getan. In der Tram verwende ich viel Zeit, mit meinem langen Rock meine Brillengläser zu trocknen ohne sie zu verschmieren. In der U-Bahn dann nochmal.

Da ich etwas später dran bin als an den beiden letzten Tagen (erste Session in meinem Plan erst halb 11, Maja Göpel gucke ich später nach), dauert der Einlass nicht so lange, dafür ist die Kaffeeschlange kurz und ich kann mir noch einen heißen Tee (Ceylon Breakfast) holen, um die nassen Klamotten auszugleichen. Den gibt es dann zu Müsli und Tipps zu gelingendem hybriden Zusammenarbeiten im Team von einer Arbeitspsychologin der VBG. Dann geht es auf Stage 2 thematisch ähnlich aber doch ganz anders weiter damit, wie psychische Gesundheit im Internet und den sozialen Medien verhandelt wird, Stichwort Selbstdiagnosen (Alle haben ADHS) oder Verstärkung von tatsächlichen Symptomen.

Danach bleibe ich gleich sitzen, denn es folgt die obligatorische Session von Marcus John Henry Brown, der eindrucksvoll zeigt, wie man eine gute Präsentation hält und trotzdem happy und mental gesund bleibt (grob zusammengefasst, in den 30 Minuten steckt noch sehr viel mehr, von beeindruckenden Zahlen über gutes Storytelling bis zu witzigen alten Fotos, unbedingt nachgucken!)

Danach laufe ich ein bisschen herum und gucke mir wieder Rahmenprogramm an. Ich hole den gestern zum Bedrucken abgegebenen Beutel ab und habe jetzt eine sehr gut aussehende Erinnerung an die Konferenz, mit der ich beim Immergut passend auftreten kann.

Zwischendurch kommt auch die Sonne kurz raus, so dass ich nochmal im Hinterhof stehe und mich aufwärme. Bei der Gelegenheit hole ich mir gleich noch den veganen Brat Dog zum Mittagessen, der OK ist, aber auch nicht mehr und nicht so lange satt macht wie die Mittagessen an den vorherigen Tagen. In der Schlange komme ich mit einer anderen Besucherin ins Gespräch, weil der Verkäufer uns beide siezt, was nicht zum (gefühlten) Altersunterschied passt (Die vor uns wurden geduzt!). Kontakte knüpfen, so wichtig!

Es folgt eine sehr amüsante Session darüber, wie Popkultur und Nerdtum die Welt retten kann, mit Beispielen von Jules Verne und Mary Shelley im 19. Jahrhundert über Star Trek und Star Wars bis hin zu Pikachu und K-Pop auf Demonstrationen. Auch unbedingt nachzugucken, auch wenn dem Vortragenden ein Übersetzungsfehler unterläuft, der meinen inneren Sprachnerd enttäuscht, Stichwort Rudy Giuliani bei SNL nach 9/11.

Als ich wieder rauskomme, entdecke ich, dass es im Makerspace wieder Mate zu verkosten gibt. Damit habe ich vor Jahren (2018 oder 2019?) schonmal gute Erfahrungen gemacht. Ich mache mir eine Tasse und darf sie immer wieder auffüllen – das mache ich im Laufe des Nachmittags dreimal. Erst aber setze ich mich damit ein bisschen hin und lege den Fuß hoch, der an Tag 3 mit viel Herumlaufen jetzt doch anfängt, zu schmerzen.

Um 16 Uhr dann stehe ich am Stand einer Initiative für Wissensvermittlung zu Pflanzen und Ernährung, verkoste Brot mit Möhrenblätterpesto und mache dann beim Gemüse-Tinder mit, bei dem wir lernen, welche Pflanzen man gut nebeneinander anbauen kann und welche eher nicht, teilweise mit Erklärung, teilweise sind es nur jahrhundertealte Erfahrungswerte, für die es immer noch keine wissenschaftliche Begründung gibt.

Beim Herumlaufen danach entdecke ich nach drei Tagen endlich zum ersten Mal die Kaltmamsell, die gerade am Affenfelsen im Gespräch mit drei weiteren geschätzten Damen aus der Timeline ist, die ich noch nicht persönlich kennengelernt habe und geselle mich dazu. Das Gespräch mäandert zwischen re:publica-Eindrücken, Dialekt-Feinheiten, Politik und anderen Timeline-Menschen hin und her. Am Ende verabschieden wir uns alle wieder in unterschiedliche Richtungen bzw. Sessions.

Bei mir sind es Notes of Berlin, die gezeigt und eingeordnet werden. Ich bin mir relativ sicher, dass ich so eine Session schon mal auf einer re:publica gesehen habe, aber es ist halt jedes Mal wieder witzig. Ich nehme mir vor, im Stadtbild noch mehr als zuvor auf die Zettel zu achten und witzige Exemplare einzuschicken.

Und dann ist auch schon wieder Ende – Closing Ceremony. Nächstes Jahr findet die re:publica früher statt, also vermutlich nicht in der gleichen Woche für das Immergut. Mal sehen, ob ich es wieder mitmache (Das denke ich jedes Mal, aber der Termin steht schon wieder im Kalender und wenn die Early Bird Tickets rauskommen, werde ich wahrscheinlich wieder zuschlagen und dann schauen wir mal, ob es am Ende alles klappt.) Dann noch Singen (Es ist erst vorbei, wenn die dicke Stage gesungen hat) und nostalgisch an 2020 denken, als wir remote gesungen haben und Nimbin es ins offizielle Video geschafft hat.

Hinterher mache ich mich schnell auf den Heimweg, keine Zeit für Emotionalitäten oder um noch zu tanzen. Der Fuß tut außerdem immer noch weh. Unterwegs kaufe ich letzte Dinge fürs Immergut ein, morgen ist ja Feiertag) und dann geht es nach Hause. Ich versorge die Katzen, koche Pasta mit Tomaten und Thunfisch und telefoniere mit dem Liebsten.

Währenddessen werde ich zu einer WhatsApp-Gruppe von ehemaligen Kolleg*innen hinzugefügt, eine Reunion ist angedacht. Alle fügen alle hinzu, deren Telefonnummern sie noch haben. Die Gruppe wächst und wächst, ist zum Glück stummgeschaltet, und es werden jede Menge Insider und Anekdoten ausgetauscht. Bis ich gegen Mitternacht ins Bett gehe sind etwa 300 Menschen in der Gruppe, Tendenz steigend. Bin gespannt, ob die Reunion wirklich irgendwann stattfindet und ob wir das Olympiastadion dafür anmieten werden müssen. Zum Glück ist das nicht meine Baustelle…