16.06.2025 – It‘s Gonna Be A Long Way Home

Der Boss sang das gestern schon ganz richtig. Zum Glück müssen der Liebste und ich aber nicht so früh los, wie der Rest der Reisegruppe und können uns morgens im Hotelzimmer noch Zeit lassen. Kurz vor Check-out wird es dann fast hektisch, aber am Ende klappt alles und wir machen uns auf zum letzten Prager Programmpunkt: Zeit vertrödeln im Kaffeehaus. Ich habe mir ein sehr traditionelles mit ordentlich Geschichte und Blick auf die Moldau ausgeguckt und wir ergattern den perfekten Tisch – gepolsterte Sitzbank, auf der wir nebeneinander sitzend auf den Fluss gucken können und direkt unter dem berühmten Bild mit der grünen Fee.

Wir frühstücken Milchkaffee, frisch gepressten O-Saft, Croque Madame für den Herrn und Hirseporridge für mich, als zweiten Gang noch Mimosa für ihn, Eistee für mich und Aprikosensorbet für beide.

Dazu erzählen wir, lesen Zeitung Internet, recherchieren Dinge und diskutieren über Kunst, Kultur und Politik, wie sich das für Bohemiens in böhmischen Kaffeehäusern gehört. An den Nebentischen weiterhin Menschen in Springsteen-T-Shirts, wir waren Teil einer Invasion.

Irgendwann spazieren wir los in Richtung Bahnhof. Der Liebste kauft noch einen obligatorisch kitschigen Kühlschrankmagnet und wir entdecken zwischen all den Touris und Geschäften eine grüne Oase, den franziskanischen Garten. Ich stoppe und rieche die Rosen, aber entweder ist meine Nase noch vom Infekt geschwächt oder die Blüten haben den Peak Duft noch nicht erreicht, ein bisschen ist aber zu erahnen.

Am Bahnhof besorgen wir Proviant (veganes Sandwich für den Herrn, Linsen-Reis-Quinoa-Hummus-Salat für mich) und mehr Kaffee und dann warten wir, dass unsere Gleisnummer angezeigt wird. Der Zug kommt mit ordentlich Verspätung aus Budapest an, später erfahren wir, dass der Grund angeblich eine Baustelle an der ungarisch-slowakischen Grenze war. Und technische Fehler am Zug, von denen bemerken wir auch während der Fahrt einige. Wir halten mehrmals ungeplant an, während die Bundespolizei an der Grenze stichprobenhaft Personalien checkt (unsere nicht, der Liebste hat extra noch einen Pulli über sein Punkband-Shirt gezogen – hätten wir also doch Absinth und Cannabis kaufen und mitschmuggeln können) kreischt der Lautsprecher furchtbar laute Alarmtöne, danach fällt die Anlage ganz aus.

Zwischen Dresden (noch mehr Verspätung, wir sind jetzt bei über einer Stunde) und Berlin kommt dann Zugpersonal durch und verkündet, dass der Zug es nicht mehr an den Hauptbahnhof (geschweige denn weiter nach Hamburg) schaffen wird und entweder in Lichtenberg oder Südkreuz endhalten wird. Es wird dann Südkreuz. Witzigerweise macht die Ringbahn auch gerade Probleme, weil in Tempelhof Personen über die Gleise marschieren (wieder auf dem Feld eskaliert, wa?), so dass ich verspätet und statt gegen mit dem Uhrzeigersinn Berlin umrunde, noch eine Station mit dem Liebsten zusammen fahren kann, dann an der Beusselstraße aus und in die nächste Bahn umsteigen muss und am Ende erst kurz vor 21 Uhr zuhause bin. D

irekt mal Fahrgastrechte einfordern, dann Katzen und Pflanzen versorgen, mein Bett wieder auf Ursprungszustand zurückbauen und dann geht es mit Girl Dinner und Katzen auf den Balkon.

Pecorino mit Pistazien, Camembert, Rest Chips, tschechische Fanta, Tomaten, Nektarinen und Wassermelone, alles von Crowdfarming

Ich gucke ein bisschen TikTok weg und dann diese Doku über Jugendliche in Bautzen, bei der drei junge Männer interviewt werden und über den Alltag in der Stadt berichten – ein christlicher Absolvent einer sorbischen Schule, der rechts ist, Homosexualität für Sünde hält und für deutsche Kultur einsteht; ein „liberal bis linkes“ Mitglied der Partei „Die Partei“, der findet, dass die Antifa manchmal zu radikal ist, und ein geflüchteter Immigrant, der seit zehn Jahren in der Stadt ist, perfekt integriert wirkt und in nahezu perfektem Deutsch berichtet, wie einige seiner Freunde über die Jahre rechts geworden sind und dass er gerne die Stadt wechseln würde.

Danach ist es dann dunkel und kalt und ich gehe ins Bett.

15.06.2025 – Der wahre Repräsentant der USA

Heute schlafen wir länger und kehren erst gegen halb 11 im Café um die Ecke zum Frühstück ein. Da sind es bereits 29 Grad und die anderen haben die erste Flasche Prosecco schon fast leer – Sektfrühstück, Tradition. Wir bestellen Eier und die zweite Flasche Prosecco.

Da es heiß ist und wir uns schonen müssen für heute Abend, passiert erstmal nicht viel mehr. Essen, Erzählen. Ein zweiter Gang Frühstück gegen Mittag, eine dritte Flasche Prosecco.

Buchteln mit Vanillesauce, Blaubeerknödel mit Zimtbutter und Quark

Dann ist es dringend Zeit für Siesta. Wir stellen uns den Wecker für 15 Uhr, aber schon kurz vorher bin ich wieder wach und mache Bruce Springsteen an, man muss sich ja einstimmen. Dann konzertfertig machen – mehr Ibuprofen, viel Sonnencreme, Sonnenhut, Regenponcho… Um 15:30 verabschieden wir den Liebsten zum Pragspaziergang und fahren zu viert mit der U-Bahn raus zum Flughafen. Bereits beim Umsteigen schallen die ersten „Bruuuuuce“-Rufe durch den U-Bahnhof. Am Flughafen steigen wir aus und müssen durch die Abfertigungshalle nach draußen, wo auf der freien Wiese eine Bühne mit Tribünen und jeder Menge Fressbuden aufgebaut sind. Wir laden unsere Bändchen mit Geld auf, ich setze mich auf die Wiese und die anderen holen Bier und Cider, später Bier, Cider und Pommes.

Es ist heiß, aber kurz vor Konzertbeginn ziehen die ersten Wolken auf. Ich ziehe mir schonmal den Regenponcho über. Gegen 18:35 kommt die E Street Band nach und nach auf die Bühne und stimmt den Summertime Blues an. Der Boss begrüßt das Publikum mit einem fröhlichen „Dobrý večer Praho!” Sechs Lieder später fallen pünktlich zu Rain Maker die ersten Tropfen. Und dann werden daraus Schnüre und alle ohne Poncho sind innerhalb von Minuten bis auf die Haut durchnässt.

Zwischendurch kommen immer wieder die inzwischen bereits bekannten politischen Statements und Songs, hier natürlich mit tschechischen Untertiteln und ergänzt um die letzten Ereignisse – die Armee auf den Straßen, die No-Kings-Proteste. Einen Großteil der Show über regnet es, was der Stimmung keinen Abbruch tut, aber für weniger Fotos und Videos sorgt, damit das Handy nicht nass wird. Immerhin zieht das Gewitter nur entfernt vorbei.

The River
Thunder Road
Intro zu 10th Avenue Freeze-Out

Ein paar mehr Videos gibt es hier. Ich habe gesungen, getanzt und bin sogar ein bisschen gesprungen (Hallo, Fuß!). Insgesamt eine großartige Show, auch wenn Bruce ein bisschen müde wirkt, aber tun wir das nicht alle? Die Politik, die Gesundheit von Patti, das Alter… Gerockt hat er trotzdem und vor allem gegen Ende auch wie gewohnt Party gemacht. Nicht mehr ganz so irre wie bei meinen letzten Besuchen bei ihm, 2012 im Olympiastadion und 1999 in der Wuhlheide, aber erstmal selber 75 werden und alle paar Tage dreistündige Shows spielen, wa? Hoffen wir, dass er seine Rückkehr in die USA gut übersteht oder direkt im europäischen Exil bleibt. Protect Bruce Springsteen at all costs.

Kurz vor 10 ist dann auch Schluss (Beginn und Ende des Konzerts etwa 10 Minuten früher als angekündigt, wir spekulieren, dass man auf den Regenradar guckte und sich die Gelegenheit mit Rainmaker nicht entgehen lassen wollte.). Wir lassen die ersten Massen losströmen, einige essen noch was, und dann laufen wir langsam zur U-Bahn. Mein Fuß ist sehr froh über einen glücklich ergatterten Sitzplatz. Diesmal fahren wir direkt durch zum Wenzelsplatz und laufen von da zurück. Die anderen gehen noch zur Auswertung in eine Kneipe, ich krieche zum Liebsten ins Bett.

14.06.2025 – V Praze

Ein ganzer Tag in Prag, hurra! Er fängt ein bisschen früh an, weil die Frühstückszeit im Hotel nur von 8 bis 9:30 geht, aber das Büffet ist für 8 € ganz OK. Morgen suchen wir uns dann eine andere Frühstückslocation. Vorher reicht es knapp fürs Bloggen, Französisch und Italienisch sind dann hinterher dran. Dann gehe ich noch auf einen Sprung in die „Stadt“ und kaufe in einem Einkaufszentrum mit dm, Rossmann und Nanu Nana Pflaster für meinen Daumen. Er blutet heute Morgen auch nur noch ganz wenig…

10:30 dann Aufbruch. Erste Station ist eine Kirche in der Nähe, in der sich die Heydrich-Attentäter 1942 verschanzten, von Nazi-Truppen belagert und beschossen wurden. Als die Nazis die Krypta fluteten, namen sich die mutigen Antifaschisten das Leben. Ihrer wird in ganz Tschechien am 18. Juni gedacht, aber ein paar Tage früher herrscht auch schon ordentlich Andrang in dem kleinen Museum.

Dann laufen wir weiter zur und über die Moldau, die Sonne brennt. Drüben auf der kleinen Seite geht es zum Glück erstmal durch schattiges Grün. Im Park mehrere Straßenmusikant*innen, die allesamt Blasinstrumente spielen und zum Beispiel „Volare (il blù dipinto del blù)“ oder die kleine Nachtmusik spielen.

Nächste Station ist die Lennon-Mauer, mit vielen friedensbewegten Graffiti, die seit John Lennons Tod besteht und inzwischen ein Touristenmagnet geworden ist.

Lennon-Mauer-Pub mit Yellow Submarine
Wassermann an Mühlrad

Dann geht es noch ein kleines Stück über das Ende der Karlsbrücke (voll, voll, voll) um auf den richtigen Weg Richtung Burg zu kommen. Erstmal jedoch Pause.

Vor einem kleinen Café gibt es Eiskaffee, Espresso Tonic oder Espresso Martini, außerdem Crêpes und Pancakes.

Crêpes mit Apfelstrudelfüllung, Vanilleeis und Karamellsauce

Nach der dringend benötigten Abkühlung und Ausruhphase für meinen Fuß erklimmen wir den steilen Weg hinauf zur Burg. Oben setze ich mich in den Schatten und beobachte die Wachablösung, während die brandeten nach dem Fenster von den Fensterstürzen suchen, den Veitsdom umrunden und sich gegen einen bezahlten Besuch in der Goldenen Gasse entscheiden.

Dann gibt es eine gemeinsame Pause im Biergarten mit Aussicht, mit dem ersten Bier des Tages. Für mich gibt’s das Dunkle, das mir sowohl geschmacklich als auch histamintechnisch mehr zusagt als das Pilsner.

Als alle wieder fit sind, machen wir uns an den Abstieg und dann wieder über die Moldau zurück in die Josefstadt. Vor einem Konzerthaus stoßen wir auf den Prager No-Kings-Protest mit amerikanischen Redner*innen und vielen schönen Schildern. Wir bleiben ein bisschen und fragen uns, ob Bruce Springsteen auch kommt – er ist wie wir gestern in Prag angekommen und seine Fans haben mit ihren T-Shirts die Stadt bereits größtenteils eingenommen. Er kommt aber nicht, zumindest nicht bevor es uns in der prallen Sonne zu heiß wird.

Wir gehen weiter bis zur Spanischen Synagoge, vorbei an dem einzigen Trdelnik-Laden Prags, der am Schabbat schließt (laut Eigenwerbung).

Der Golem

Dann geht es durchs Stadtzentrum und an der astronomischen Uhr vorbei zurück ins Hotel für eine Siesta.

Auch hier keine Muße, um 13 Minuten in der Hitze auf den nächsten Umgang zu warten.

Wir liegen ein Stündchen, dann drängt es die ersten schon wieder Richtung Abendbrot. In einem Restaurant in der Nähe gibt es Bier und eingelegten Käse.

Rinderschulter und Sahnesauce an Semmelknödel, mit Preiselbeeren und dazu Gurkensalat
Trdelnik mit Apfelstrudelfüllung, Haselnusseis und Karamellfüllung.

Kurz nach 7 sind wir satt und spazieren runter zur Moldau, wo es einen Biergarten/Beachbar und Musik gibt. Die anderen trinken Bier, ich Eistee (genug Alkohol, Kohlensäure und Histamin für heute). Wir sitzen, gucken aufs Wasser, beobachten ein Nutria, das immer wieder vorbeischwimmt…

Kurz nach Sonnenuntergang ist schon Last Call, um 10 macht der Laden zu und wir gehen direkt auf unsere Zimmer. Dann nochmal viel Nachbetrachtung der No-Kings-Proteste in den USA (und der politischen Morde am Morgen, der Situation zwischen Israel und Iran, die Korruption der CDU…) und gegen halb 1 geht dann langsam das Licht aus. 18.219 Schritte. Trotz Fuß!

13.06.2025 – Der Prallermann

Zunächst einmal: Liebsten Dank für die enthusiastisch erhobenen Daumen und die schnafte Empfehlung hier, lieber Björn!

Eine spannende Nacht ist das, auf dem ausgezogenen Sofa im Durchgangswohnzimmer mit zwei weiteren Frauen in der Wohnung und zwei kuscheligen Katzen an mir dran. Trotz vieler Unterbrechungen kommt am Ende überraschend okayer Schlaf zusammen. Gegen 7 fühle ich mich wach und starte die morgendliche Runde durchs Internet, nicke dann aber nochmal ein und beginne den Tag dann gegen 9, als die anderen aufstehen. Ich bleibe noch liegen, blogge, telefoniere mit dem Liebsten und setze mich dann mit einer Mate raus auf den Balkon zum Besuch. Als die Intus ist, gibt es Müsli und Obst (Apfel, Crowdfarming-Kirschen) hinterher. Wir sitzen und erzählen – Weltpolitik, Innenpolitik, Musik, gemeinsame Bekannte von früher bis jetze, Reisepläne und meine Geschenke für den anstehenden Liebstengeburtstag… Zwischendurch ein wenig Korrespondenz mit offiziellen Stellen.

Gegen Mittag macht sich der Besuch auf in die große Stadt und ich widme mich den nächsten Schritten – Couch wieder zusammenklappen, Baden, Anziehen, Sachen packen. Die übliche Routine wird dadurch erschwert, dass ich dabei ständig in mein Zimmer muss, die Katzen aber nicht mit rein lassen darf. Ich muss Nimbin ungefähr jedes Mal rausschmeißen, während Noosa immer noch beleidigt irgendwo in der Wohnung versteckt bleibt und erst rauskommt, nachdem ich längere Zeit im Bad war.

Dann ist alles fertig und ich setze mich für Französisch und Italienisch nochmal auf den Balkon. Danach gibt es Mittagessen.

Büffelmozzarella, Crowdfarming-Tomaten und Crowdfarming-Nektarinen, Kartoffelbrot im Doppelten Wortsinn

Als die Mitbewohnerin sich für die Spätschicht fertig macht, klatschen wir nochmal ab – wenn ich am Montag Abend wiederkomme ist sie bereits weg, wir sehen uns so zwei Wochen nicht. Nochmal ein Liebstentelefonat und dann mache ich mich auf den Weg. Mit Rucksack und Beutel zur Tram, mit der Tram zum Alex. Dort eine Horde Polizei umschiffen, die Teile des Bahnhofs abgesperrt hat, in die S-Bahn hüpfen und am Hauptbahnhof wieder aussteigen.

Da wir den ganzen Abend unterwegs sein werden, kaufe ich uns ein fürstliches Mahl im „Prêt“ – je ein Sandwich, ein Nachtisch, ein Getränk und ein Tütchen Chips. Da es nach Tschechien geht, auch noch je eine Flasche Bier im REWE. Noch kurz warten am Gleis, dann fährt der Eurocity ein und bringt bequeme Sitze, viel Bewegungsfreiheit und klasse WLAN mit. Ich tröte darüber auf Mastodon und erlange viel Zuspruch. Am Südkreuz steigt der Liebste zu und ab da wird’s gemütlich. Wir erzählen, lesen, essen Sandwiches (Club für ihn, Hühnchen-Avocado für mich) und Nachtisch (Zitronen-Cheesekcake-Mousse-au-Chocolat für ihn, Kokos-Chia-Maracuja für mich), lassen Brandenburg und Sachsen an uns vorbeiziehen, ärgern uns über eine Männersauftruppe, die aber zum Glück in Bad Schandau aussteigt um zu wandern, und dann geht’s hinüber ins Böhmische – zum ersten Mal für den Liebsten.

Gute anderthalb Stunden später und kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir Prag. Während es langsam dunkel wird laufen wir durch eine einzige große Partyzone – ein Passant nennt es passend „den Prallermann“ – durch die Innenstadt, über den Wenzelsplatz („Václav got to do with it?“), durch die Altstadt und zu unserem Hotel nahe der Moldau. Direkt gegenüber sitzen mein Bruder, seine Freundin und deren Schwippcousin nach ersten Prager Erkundungen, böhmischem Essen und böhmischem Bier in einer fancy Cocktailbar. Wir bekommen unsere Zimmerkarten und das dazugehörige Zimmer gezeigt und gehen wieder runter zur Bar, die leider weder genügend Sitzplätze noch Bier für uns hat.

Dir anderen wollen eh bald ins Bett, also drehen der Liebste noch eine kleine Runde um den Block, entscheiden uns gegen Bier drinnen und für einen lauschigen Platz draußen und landen so bei einem Italiener. Es ist Bellini o‘clock, dazu gibt’s Käseplatte für den Stil und das dolce vita.

Kurzer Flashback nach Venedig damals. Ich schicke auch Fotos an meine ehemaligen Kolleg*innen, die ich letztes Jahr in Prag treffen wollte, was dann nicht mehr geklappt hat, und bekomme prompte liebe Antworten. Der Liebste kommt dann doch noch zu seinem Bier, denn er trinkt schneller als ich. Hinterher spazieren wir noch kurz zur Moldau und blicken auf Burg und Karlsbrücke.

Dann geht es in die Heia. Kurz vor knapp fasse ich noch beherzt mit dem Daumen in meinen Rasierer (der fies in meinem Kulturbeutel lauert) und säble mir ein paar Hautschichten ab, was ordentlich blutet. Mangels Verbandsmaterial improvisiert der Liebste mir einen Druckverband aus Watte-Pad, Klopapier und Haargummi und dann ist gegen Mitternacht wirklich Schlafenszeit.

12.06.2025 – Zielerreichung

Der äußerst gut gefüllte Tag beginnt direkt nach dem Aufwachen mit einem anderthalbstündigen Webinar. Danach dann erstmal der Reboot mit Internet leer lesen, Liebstentelefonat, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätseln und weil ich grad so gut im flow bin direkt noch Yoga oben drauf. Heute mit viel Dehnungen und wenig Sportanteil, das gefällt den müden Knochen und Gelenken, ich kann fast alles mitmachen und muss nur einmal früher aufhören. Wie schon gestern legt sich Noosa zwischendurch immer wieder dazu, hilft bei den Asanas und schläft beim Shavasana halb auf, halb neben mir ein.

Dann ist es Zeit, mich tagfein zu machen. Während des Frühstücks kommt bereits mein Übernachtungsbesuch an und wird direkt auf den Balkon durchgeleitet – die Wohnung ist noch nicht wirklich präsentabel, ich hatte die dazugehörigen Arbeiten für den Nachmittag eingeplant. Jetzt muss ich nämlich erstmal los zu einem Behördentermin. Beim Loslaufen sträubt sich der Fuß noch, so dass ich einen großen Teil der Strecke mit dem Bus fahre. Dann läuft der Termin sehr gut und der Fuß ist wohl auch eingelaufen, so dass ich den Rückweg komplett im Gehen bestreite. Danach aber erstmal wieder Ausruhen und Kaltgetränk genießen auf dem Balkon.

Weißer Tee mit Aloe Vera, Johannisbeersirup, Eis

Ich halte ein Schwätzchen mit dem Besuch und widme mich dann dem geplanten Wohnungsputz, der damit endet, dass mein Zimmer für die nächsten 48 Stunden zur katzenfreien Zone ernannt wird und ich für mich und die Katzen das Sofa ausklappe und beziehe. Dann bringe ich den Müll weg und wir ziehen nochmal los, auf der Suche nach einem Italiener, bei dem man schön draußen sitzen kann und der die Diätrestriktionen des Besuchs akkomodieren kann. Am Helmholtzplatz werden wir schließlich fündig.

Wir speisen und schnacken und schlürfen Spritz (ich Campari, sie Aperol) und beschließen den Ausgang zünftig mit einer passeggiata zur kosheren gelateria.

Blaubeer-Weiße Schokolade und Limette-Basilikum

Zuhause sitzen wir dann noch lange auf dem Balkon und erzählen, irgendwann mit Decken. Als es wirklich dunkel wird (so kurz vor 11) verziehen wir uns in unsere Betten.

11.06.2025 – Juhu, Alltag

Heute nun das, was ich letzte Woche nach Kindergeburtstag, re:publica und Immergut gerne gehabt hätte, aber wegen Erkältung nicht ausleben konnte: Alltag, nur noch leicht eingeschränkt durch Rest-Erkältung, Rest-Schulter und Rest-Fuß.

Ich lese morgens im Bett das Internet leer, telefoniere mit dem Liebsten, blogge, mache meine Französisch- und Italienisch-Lektionen und arbeite die täglichen Rätsel ab. Dann gibt es Frühstück für die Katzen in der Küche und Frühstück für mich auf dem Balkon – mit Porridge, TK-Kirschen und zwei Sorten Tee.

Nach dem Frühstück noch ein bisschen Haushalt und dann geht es an den Schreibtisch. Ich habe zwei Webinare am Stück und das zweite zieht noch eine ganze Menge Nachbereitung nach sich, zu der ich die Reste vom indischen Essen gestern löffle. Mittendrin klingelt dann wieder der Paketbote, für mich gibt es eine Crowdfarming-Kiste mit Wassermelone, Kirschen, Zitronen und Mini-Nektarinen.

Als ich am Schreibtisch für heute fertig bin, versuche ich mich an der nächsten Yoga-Session. Wieder geht einiges erstaunlich gut angesichts der Schulter-Fuß-Situation, anderes noch gar nicht oder ich traue mich noch nicht. Ich werde das weiter beobachten. Danach bringe ich den Müll runter und gehe einkaufen.

Kaum habe ich mich zuhause wieder hingesetzt und die Zauberstiefel ausgezogen, schreibt der Lieblingsnachbar, dass er jetzt zuhause ist. Ich muss noch meinen Ersatzschlüssel bei ihm abholen, weil ich morgen Übernachtungsbesuch bekomme und gehe also seufzend nochmal los. Ich habe aber keine Lust, wieder in die Stiefel zu steigen, also schlüpfe ich nur kurz in Ballerinas und gehe eben besonders vorsichtig. Auf die kurze Strecke geht auch das erstaunlich gut – es wird!

Wieder zurück gibt es zur Belohnung Kirschen und Chillen auf dem Balkon. Dann mache ich mir direkt Abendbrot (es ist halb 7), mit Crowdfarming-Rettich, Crowdfarming-Tomaten und Käsebroten.

Ich telefoniere noch eine Runde und koordiniere diverse Dinge, dann ist es Zeit zum Abschalten und für den Rest der neuen Staffel Ginny & Georgia, sehr beeindruckend wieder und so viele verschiedene Aspekte. Auch viele spannende Stränge für die nächste Staffel, von denen der tatsächliche Cliffhanger der banalste und faulste ist.

10.06.2025 – Schon wieder vorbei

Wie immer an Abreisetagen wacht der Liebste sehr früh auf und ich dann entsprechend auch. Als er aber gegen 6 seinen Kaffee gemacht und getrunken hat, schläft er nochmal zwei Stunden ein und ich folge willig. Um 8 klingelt der Wecker, den sich das Teilzeitkind gestellt hat. Es macht ihn dann nach etwa sieben Minuten aus. Wir liegen schweigend in unseren Betten, aber bald darauf ist dann doch nach und nach Aufstehen angesagt. Vor das Abreisen hat eine höhere Macht noch diverse Schritte gelegt: Tagfein machen, Frühstücken, Lebensmittel aufbrauchen oder einpacken, Sachen packen, Auto einräumen, Aufräumen, Saubermachen, Müll wegbringen, Flaschen sortieren… Im Zuge all dieser Dinge gibt es jede Menge Potenzial für Unmut, zumal alle traurig sind, dass es schon wieder nach Hause geht, es regnet und diverse Parteien zu koordinieren sind.

Zwischendurch mache ich für sieben Personen Rührei aus zwölf Eiern und das Niffenkind zeichnet einen Frosch mit Regenschirm.

Gegen 10:30 checken wir formell aus, gegen 11 verabschieden sich alle von allen und wir steigen ins Auto. Die etwa dreieinhalb Stunden bis zurück in den Pberg verbringen mir mit Känguru hören, das Teilzeitkind mit Snacks essen, Trinken und aufs Klo müssen, der Liebste mit Wachbleiben und auf die Straße konzentrieren und ich freue mich über die vielen, vielen Solaranlagen und Windräder, die unseren Weg durch Vorpommern, die Uckermark und den Barnim begleiten. Egal was die politische Einstellung der Menschen ist, die Realität schafft unaufhaltsam Tatsachen. (Mit irgendwas muss man sich ja Mut machen angesichts der Nachrichtenlage.)

Zuhause steige ich aus dem Auto, nehme die Post aus dem Briefkasten, begrüße die Katzen, versorge selbige und die Pflanzen, packe aus und liege dann sehr bald sehr müde auf dem Sofa. Ich mache Französisch, bestelle Essen (Indisch), mache Italienisch und dann treffen innerhalb von fünf Minuten erst mein Essen und dann eine Katzenfutterlieferung ein.

Shabnam Curry mit Reis, Dal, Raita, Tandoori Paratha Methi, dazu Reis und Salat

Zum Essen schaue ich die erste Folge der neuen Staffel Ginny & Georgia, dann übermannt mich die Müdigkeit und ich schlafe ein Stündchen. Hinterher bin ich so groggy, dass ich meinen Abendtermin verschiebe und stattdessen direkt in die Badewanne wechsle.

Dort lese ich Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow zu Ende (alle drei parallel gelesenen Bücher innerhalb weniger Tage abgeschlossen, yay. Wobei, auf dem Kindle habe ich noch zwei, aber das sind eher so Langzeitprojekte). Wirklich sehr tolles Buch, ich werde versuchen, es dem Liebsten als Nächstes unterzujubeln.

Von der Wanne geht es dann ins Bett zu mehr Katzenkuscheln und mehr Ginny & Georgia, evtl. binge ich die Hälfte der Staffel direkt durch und schlafe viel zu spät ein…

09.06.2025 – Die Rückkehr der Sonne

Wir haben inzwischen eine gewisse Routine. Irgendwann morgens steht das Kind auf und macht sich im Bad fertig, etwa eine halbe Stunde später geht es los, Brötchen holen und der Rest der Familie deckt den Tisch. Zu sechst auf der Terrasse, heute Morgen ist es besonders kalt und windig dabei, aber auf den Zimmern haben wir keinen Tisch, der groß genug wäre. Einer der Herren macht Rührei, das Nifftenkind hat heute Morgen schon Schokocroissants gebacken. Als wir das Frühstück beenden, klart es langsam auf und das Grau am Himmel nimmt nach und nach eine überraschend ungraue Farbe an.

Am späten Vormittag trifft sich eine ganze Meute und geht zum Minigolf, andere Grüppchen gehen an den Strand. Die Liebstenschwester und ich liegen auf der Terrasse und rätseln und lesen.

Dann brechen wir irgendwann auf in Richtung Fish & Chips, wo wir auf die Minigolfbande stoßen. Von Fish & Chips geht’s weiter zu Eis (heute Rhabarber), Kaffee und Torte.

Dann nochmal in größerer Runde an den Strand. Das Wasser hat 16 Grad, die Luft 17. Das Teilzeitkind geht all in, einige wenige andere auch. Der Rest sitzt warm eingepackt im Sand und trotzt dem Wind.

Wieder zurück gibt es nochmal Sonne auf der Terrasse und Lesen, bis der Grill angeschmissen wird.

Heute Abend ist die Runde kleiner, über den Tag sind schon einige wieder Richtung Heimat aufgebrochen, weil Schule oder Arbeit rufen. Wir grillen weg, was wir können, aber es bleibt trotzdem viel übrig, was wieder mit nach Hause kommt. Nach dem Essen gewinne ich souverän eine Runde Hitster, die Kinder dürfen noch einen Film gucken. Am Ende sitzt ein kleines letztes Grüppchen noch bei uns auf der Terrasse, hört Musik und erzählt. Der Liebstenschwager serviert mir einen Gin Tonic aus dem Gin, den wir ihm aus Nova Scotia mitgebracht haben. Dann geht’s ins Bett.

08.06.2025 – Wind und Wasser

In guter alter Urlaubstradition regnet es heute. Viel. Morgens aber erstmal nur sporadisch, so dass wir noch halbwegs gemütlich auf der Terrasse frühstücken können. Die Kinder haben Brötchen geholt und weil Sonntag ist gibt es auch Croissants auf dem Bäckerschiff. Nach dem Essen machen Menschen Dinge und ich setze meinen morgendlichen Reboot fort. Irgendwann dann beschließe ich die Mahlzeit und räume den Tisch ab (die anderen haben gedeckt), räume die Küche auf, gehe duschen und ziehe mich an.

Gegen 13 Uhr bin ich bereit für den Tag, gestählt und gewappnet und eine Regenpause ist auch gerade. Deshalb schlage ich dem Liebsten vor, an den Strand zu spazieren. Wir melden uns bei den anderen ab und ziehen los. Eine Viertelstunde später setzen wir uns am Strand hin, machen ein Foto und dann fällt der erste Regentropfen.

Also gehen wir eben wieder zurück, denken wir uns. Die ersten fünf Minuten regnet es sanft, aber wir haben ja wasserfeste Schuhe und Regensachen an. Die zweiten fünf Minuten regnet es heftig und wir finden uns damit ab, dass wir wohl vollständig durchnässt zuhause ankommen. Die letzten fünf Minuten stürmt und hagelt es mit zunehmender Körnergröße und es wird richtig unangenehm. Wieder zurück melden wir unsere Rückkehr, stellen fest, dass das Teilzeitkind sicher und trocken bei jemandem drinnen sitzt und kümmern uns dann erstmal um uns. Alle Klamotten ausziehen, auswringen und aufhängen, dann unter die heiße Dusche. Ich ziehe mir direkt den Schlafanzug wieder an und lege mich ins Bett, der Liebste besorgt einen Fön und fönt unsere Schuhe trocken – die zwei Paar, die wir anhatten und die zwei, die auf der Terrasse standen und auch komplett durch sind.

Ich verbringe zwei Stunden im Bett, lese und schreibe Nachrichten. Dadurch verpasse ich eine Runde Hitster und die Liebstenschwester bringt mir Pancakes vorbei. Irgendwann dann stehe ich wieder auf als der erste Grill an ist und ziehe die dreckigen Klamotten von gestern wieder an, die sind immerhin trocken. Es regnet und stürmt und wir rotten uns auf wenigen Terrassen zusammen. Der Liebste bedient den Gasgrill, erst später flaut der Wind etwas ab und wir können einen zweiten Holzkohlegrill anwerfen. Die Stimmung ist unterschiedlich gut, je nachdem, wer wo und wie trocken den Nachmittag verbracht hat und wer wie lange auf sein Grillgut warten muss.

Irgendwann geht der Feueralarm in allen Zimmern los, weil in einem Knoblauchbaguettes aufgebacken wurden, ohne die Dunstabzugshaube anzumachen. Es dauert und ist laut und einige Kinder sind sehr verschreckt. Als die Alarme endlich abgestellt sind, beruhigt sich die Lage zusehends. Die meisten Kinder verteilen sich zu Spiel oder Fernsehen auf die Zimmer, die meisten Eltern hängen draußen zusammen ab und versuchen warm und trocken zu bleiben und die Stimmung hochzuhalten.

Ich wickle mich in eine Decke ein, trinke heißen Tee und führe mehr oder wenige tiefsinnige Gespräche. Morgen sollen 11 Stunden Sonne folgen, wir können es alle kaum erwarten.

07.06.2025 – Ferienkommunismus mit Kindern

Kurz vor 8 steht der Liebste auf und macht Kaffee und damit mich und das Teilzeitkind auch wach. Morgendlicher Reboot, dann gibt es Frühstück auf der Terrasse. Das Kindelein hat Brötchen geholt, große Kinder sind toll. Später verteilen sich die großen Menschenmaschen auf verschiedene Gruppen. Eine Gruppe geht Richtung Strand, eine Gruppe fährt einkaufen – vor uns liegen zwei Feiertage – und eine Gruppe (me, myself and I) legt sich einfach wieder ins Bett. Ich lese das Stasi-Buch zu Ende, schlafe zwischendurch immer wieder ein, und rekonvalesziere weiter.

Das Buch bleibt bis zum Ende spannend und wirft viele neue Fragen bei mir auf. Und weiterhin gibt es faktische Ungenauigkeiten, die meinen Lesefluss unterbrechen. Da es aber ja eh nicht nur eine Wahrheit gibt, gucke ich über die hinweg und nehme mir stattdessen vor, endlich irgendwann mal die einschlägigen Museen zu besuchen. In Bautzen haben wir mal mit der Klasse eine Führung durch den Stasiknast gemacht und in Rostock habe ich teilweise im alten Stasigebäude studiert und auch mal ein paar Gedenktafeln gelesen, aber in Berlin, in der Zentrale, war ich noch nie. Außerdem bei Gelegenheit mal die Familie weiter ausfragen. Und im Freundeskreis, da gibt es auch ein paar einschlägige Erfahrungen.

Am Nachmittag trudeln langsam alle wieder ein und ich stehe dann auch mal auf. Eine Stulle später geht’s mir besser und ich geselle mich mit Vita Cola zu den anderen. Bald wird auch schon wieder der erste Grill angeschmissen.

Wir sind wie gesagt fast 50 Wesen hier, davon zwei Hunde, ein Baby und 17 Kinder in verschiedensten Größen, wobei das Teilzeitkind – um einen Monat nur – das zweitälteste ist. Dazu diverse Eltern, Bonuseltern und allein angereiste Erwachsene. Eine Gruppe spielt Kubb, ich selbst werde in eine Runde Hitster verwickelt. Die Liebstenschwester und ich dürfen aus Gründen der Fairness kein Team bilden und treten als Einzelkämpferinnen an, gegen drei Teams aus mehr Personen. Gewinnen tut dann ein Zweierteam, aber es geht ja um den Spaß am Spiel.

Danach übernehme ich die musikalische Leitung für eine Weile, bis die großen Kinder genug vom Kubben haben und mich als DJ für sich entdecken. Um mich herum dann also Kinderdisco auf Zuruf mit den größten Hits von Deine Freunde bis Die Prinzen. Die anderen Erwachsenen ziehen sich erlöst auf eine andere Terrasse zurück, hören eigene Musik und tun Erwachsenendinge.

Nach und nach werden Kinder weggepflückt und ins Bett gesteckt, gegen 23 Uhr die letzten. Dann ist meine Aufgabe erledigt und ich geselle mich noch für ein Stündchen oder so zu den anderen Großen, bevor es zurück ins wohlverdiente Bett geht.