26.06.2025 – Remix

Diese Nacht hatte mit erholsamem Schlaf so wenig zu tun wie ich mit einer gewissen Bundestagspräsidentin. Noosa hat sich seit einer Weile angewöhnt, mich regelmäßig anzustupsen, und zwar mit ausgefahrenen Krallen. Auf eine ganz neckisch-kuschelige Art, aber das tut trotzdem weh und reißt zuverlässig aus dem Schlaf. Das fand diese Nacht so oft statt, dass ich mir im Dämmerzustand ganz wilde Szenarien ausmalte, in denen ich von vier Katzen umgeben bin, die mich anstupsen und rotieren. Anyway, viele kurze Schlafphasen, keine davon wirklich erholsam.

Dann Weckerklingeln um halb 7 und komplett durcheinanderer morgendlicher Reboot. Ich lese das Internet nur halb leer, stehe dann direkt auf, füttere die Katzen und gehe aus dem Haus. Der orangene Kater von gegenüber ist auch schon wach.

Mit Tram und Tram in die Facharztpraxis, wo ich zum Blutabnehmen bestellt bin. Die durchführende Dame ist so früh am Morgen schon ordentlich genervt von der Welt, zumindest von den jungen Leuten mit ihrer Work-Life-Balance. Ich versuche es mit sanfter Gegenrede, aber sie ist für Argumente wenig offen. Kurz nach 8 bin ich dann wieder draußen und spaziere durch den nahegelegenen Park.

Auf einer Bank setze ich mich eine Weile hin, esse eine mitgebrachte Zuckerwaffel, blogge, mache Französisch und Italienisch. Dann erst ist der unterbrochene Reboot abgeschlossen. Mit Tram und U-Bahn geht es weiter zu den Eltern, die morgen wieder für sechs Monate nach Nova Scotia fliegen. Wir frühstücken zusammen und ich helfe bei der Restevernichtung. Dann bekomme ich die alte Videokamera und ein paar Hi8-Kassetten übergeholfen, zum Sichten und Digitalisieren. Es sind Aufnahmen von Zuhause drauf und von Reisen, von Kindheit und Jugend (meiner). In einem kurzen Ausschnitt sehe ich die beste Freundin aus diesen Tagen und einen der beiden Jungen aus Thüringen, die wir gemeinsam auf Sprachreise in England kennengelernt haben und die später beide, einmal einzeln und einmal gemeinsam auf ein Wochenende vorbeikamen. Das wird ein verrückter Trip down Memory Lane, wenn ich mir das in Ruhe anschaue. Auch mal googlen, was die jetzt so machen…

Ich nehme dann noch einen Thymian mit, der auf meinen Balkon umziehen darf – neben den Rosmarin vom letzten Jahr – und dann verabschieden wir uns bis nach Weihnachten. Ich nehme die U-Bahn zurück zum Alex, kaufe dort im Asialaden noch Matcha und vietnamesischen Kaffee und fahre dann mit der Tram zurück in den Pberg. Kurz in die Apotheke und zum Briefkasten und dann voll bepackt wieder hoch in die Wohnung. Die Mitbewohnerin ist von ihrer Reise zurück, schwärmt vom Strand und findet Berlin zu kalt. Ich schwitze.

Dann probiere ich mein zum Geburtstag bekommenes Matcha-Set aus und versuche mich an einem ersten echten Iced Matcha Latte mit Erbsenmilch. Damit geht es auf den Balkon, tief durchatmen und den Thymain bewundern.

Nächstes Mal die Milch noch aufschäumen…

Dann überfällt mich bleierne Müdigkeit und weil ich noch Zeit habe, lege ich mich noch ein Stündchen hin und schlafe, bevor am Nachmittag ein dreistündiges Webinar ansteht. Daran nehme ich dann wieder auf dem Balkon teil. Um 18 Uhr ist es vorbei, gerade rechtzeitig, bevor Sturm und Gewitter hier durchziehen. Ich sichere schnell noch alles und verziehe mich nach Drinnen, muss sogar das Licht anmachen. Nebenbei Telefonat mit dem Liebsten, der gerade das Teilzeitkind im Empfang nimmt, das zum Glück vom Turnen nach Hause gefahren wurde und nicht allzu nass geworden ist. Bald darauf ist das Gewitter vorbei, die Sonne zurück und ich setze mich wieder raus.

Ich esse den Rest Feta von gestern und mache mir dann aus Gurken, Tomaten, Zwiebeln (alles Crowdfarming), Knoblauch, Olivenöl und Semmelbröseln eine Art Gazpacho zum Abendbrot.

Dazu lese ich endlich in Eric Pfeil – Ciao Amore Ciao weiter und höre die entsprechenden Stücke dazu. Diese Tätigkeit begleitet mich dann durch den Abend, in die Badewanne und ins Bett. Nach den 40 ersten Songs mache ich gegen 23 Uhr das Licht aus.

25.06.2025 – Extrem-Fußing

Gemütliches Aufwachen mit dem Liebsten und Kaffee im Bett, wenn auch mit Wecker, da das Teilzeitkind in die Schule muss und die morgendlichen Abläufe zumindest aus der Ferne zu beobachten sind. Alle sind etwas müde nach gestern, aber irgendwann ist das Kind dann doch rechtzeitig unterwegs und bei uns wird’s wieder gemütlich. Als der Liebste dann mit der Arbeit anfangen muss, mache ich mir Frühstück und verziehe mich ins Wohnzimmer für meine Sprachaktivitäten.

Mein nächster Tagesordnungspunkt heute sind Partyvorbereitungen – am Sonnabend wollen wir hier unsere Geburtstagsparty vorbereiten und bis dahin haben wir viele Termine und wenig Zeit. Ich verbringe also eine ganze Weile damit, die Gemeinschaftsräume der Wohnung besuchsfein zu machen, trage viele Dinge ins Kinderzimmer und bringe Müll weg. In einer Meetingpause des Liebstens öffnen wir ein Paket, das hier vor Monaten (sagt der Liebste) oder Jahren (vermute ich) für einen Nachbarn abgegeben wurde, der inzwischen schon längst nicht mehr hier wohnt und nie danach gefragt hat. Darin ein paar gefälschte Markenfußballschuhe in Männergröße. Ich esse etwas kalte Pizza von gestern zum Mittag und gehe dann ins Draußen.

Die Schuhe stelle ich in den Tauschschrank am Nachbarschaftsladen, aus dem das Teilzeitkind regelmäßig Firlefanz (eins der Boomerwörter des Jahres) mit nach Hause bringt, von dem ich heute schon einiges in sein Zimmer getragen habe. Dann bringe ich Pfandflaschen weg und kaufe für die Party ein. Getränke haben wir zum Glück schon heute früh vom Bett aus bestellt.

Wieder zurück muss ich dringend die Füße hochlegen, das Schrittziel ist längst erreicht. Kurz nach mir kommt dann das Teilzeitkind etwas aufegebracht aus der Schule und dann gibt es erstmal Frust-Ramen und Chillung.

Bald muss ich aber los, denn ich habe mir für heute – drei Monate und einen Tag nach dem Fuß-Unfall – zum ersten Mal wieder einen Sportkurs gebucht. Ich laufe zum Fitnessstudio und steige kurz danach in den Pool. Das Einsteigen geht schmerzmäßig noch, aber der Pool ist heute nicht beheizt und ganz schön kalt. Schnell bewegen. Im Wasser zu sein ist sehr toll und das Bewegen an sich auch. So ein AquaFitness-Kurs hat aber auch sehr viele Elemente, die dem Fuß wehtun und die ich deswegen nur sanft oder gar nicht mitmache. Dafür aber kaum Schmerzen in der Schulter und im Ellenbogen, aber der Unfall ist ja jetzt auch schon über zehn Monate her.

Am Ende bin ich dann ziemlich ausgepowert und das Aussteigen über die Leiter tut richtig doll weh. Ich humpele mit letzter Kraft ins Dampfbad und dann bin ich erstmal eine Viertelstunde lang sehr zufrieden mit mir und der Welt. Dann Humpeln in den Ruheraum, dort wieder sehr zufrieden. Bei dem Wetter könnte man auch super auf der Dachterrasse relaxen, aber nein, dort finden jetzt anstrengende Sportkurse statt. Dann lieber drinnen chillen.

Es folgt eine Runde Sauna – die mittelheiße und nochmal Ruheraum. Angesichts des Wetters und der anhaltenden Fußschmerzen schenke ich mir den Saunagang in der ganz heißen und humple zurück in die Umkleide. Der Heimweg nach Pberg wird lang und schmerzhaft, aber komischerweise tut der Fuß nach ein paar Minuten laufen nicht mehr weh. Beim Aussteigen aus der U-Bahn dann wieder, beim Einsteigen in die S-Bahn schon nicht mehr. Selbes Bild beim Aussteigen aus der S-Bahn. Das hatte ich jetzt schon öfters so, mal die Physiotherapeutin fragen.

Wieder zuhause erwarten mich zwei verhungernde Katzen, die umgehend versorgt werden müssen. Außerdem hat jemand aufs Bett gekotzt, das muss also auch noch neu bezogen werden. Erst dann kann ich gepflegt auf dem Balkon zusammenbrechen, mir einen dekadenten Burger mit Mac & Cheese, Avocado, Pommes und Feta-Bites bestellen und wie verabredet die Freundin in Frankreich anrufen. Das Essen kommt um 21 Uhr, das Telefonat endet kurz vor Mitternacht. Ab ins Bett!

24.06.2025 – Liebstengeburtstag

Sehr gestückelte Nacht und das ganz ohne Gewitter. Am Ende wache ich zehn Minuten vor dem auf sehr früh gestellten Wecker auf und beginne den morgendlichen Reboot mit allem, was dazugehört. Gegen 8 rufe ich beim Liebsten an und gratuliere das erste Mal heute. Das ist vor seinem ersten Kaffee, daher bleibt das Gespräch kurz. Etwas später stehe ich auf und bereite mich auf einem Arbeitstag im Bett-Office vor. Heute gibt es gleich früh fünf Stunden Webinar am Stück, dabei kann ich es ruhig gemütlich haben.

Milchkaffee, Apfel, Müsli mit Joghurt und Blutorangenmarmelade

Tatsächlich sind es fünf Webinare mit dazwischen jeweils 10-15 Minuten Pause, die ich für Dinge wie Orgakram, Korrespondenz oder Sachen packen nutze. In der letzten Pause bastle ich aus der letzten Crowdfarming-Bete, die ich neulich schon mitgekocht hatte, Eiern, Crowdfarming-Gurke und veganer Fleischwurst eine dekonstruierte kalte Suppe als Salat zum Mittag.

Nach der letzten Session klappe ich den Laptop zu, gehe duschen und ziehe mich an. Dann ziehe ich mit Sport-/Übernachtungstasche, zwei Beuteln voller Geschenke und einem Paket los, durch abklingenden leichten Regen mit zwei S-Bahnen nach Südberlin.

Dort bauen der Liebste und das Teilzeitkind gerade das Geschenk auf, dass er sich selbst gemacht hat – einen neuen Schreibtisch-/Gaming-Stuhl. Das dauert ein wenig, aber in den Pausen werden dann fleißig andere Geschenke ausgepackt, drei von mir und zwei von meinen Eltern an den Liebsten, zwei von meinen Eltern und eins von Freund*innen nachträglich ans Teilzeitkind. Es ist viel Geburtstag dieser Tage.

Als alles ausgepackt ist und der Stuhl fertig aufgebaut, muss dieser natürlich erstmal eingeweiht werden und ich nutze die Gelegenheit für ein Nickerchen auf dem Sofa.

Bald darauf ist es Zeit für das Abendessen beim Stammitaliener, wir drei plus die Mitbewohnerin der beiden plus der beste Freund des Liebsten samt Gattin. Wir werden freundlich begrüßt, es gibt Gratulationen vom ganzen Team und dann erstmal Prosecco für alle außer dem Kind, das aber eine Limo im Proseccoglas bekommt.

Danach ganz regulär Sarti Spritz (bzw. Apfelschorle), diverse Antipasti, dreimal Pizzax dreimal Pasta und Wein. Drei von uns nehmen noch einen Nachtisch (man darf raten, wer) und dann gibt es die Rechnung und den Digestif.

Antipasti
Spaghetti ai frutti di mare
Besoffene Pflaumen in Rotwein mit Vanilleeis

Als wir zuhause ankommen ist es halb 11 und nach dem Teilzeitkind gehen auch wir direkt ins Bett – nach insgesamt fünf Sorten Alkohol (Prosecco, Sarti, Cattaratto, Rotwein, Limoncello) schlafe ich sehr schnell ein.

23.06.2025 – Stormy Weather

Trotz Hitze erstaunlich viel geschlafen – eigenes Bett und so, aber auch einfach mal wieder Zeit. Spektakulär jedoch das minikurze Gewitter, dass sich mittendrin und sehr laut gefühlt direkt über dem Haus entlud, so dass mein dadurch aufgewachtes Hirn kurz darüber nachdachte, zum Telefon zu greifen und nach sich verändernden Frontverläufen zu gucken. Dann dachte mein Hirn aber auch, dass es vielleicht Sirenen gegeben hätte. Dann, dass die ja in Berlin nicht funktionieren. Dann, dass keine der Warn-Apps angesprungen war und auch ansonsten niemand in Panik zu sein schien. An der Stelle setzte dann der Regen ein und ich konnte beruhigt wieder einschlafen.

Morgens dann alles etwas kühler als gestern und auch erstmal ohne Termindruck. Der übliche Reboot mit Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Liebstentelefonat, Rätseln. Dann gibt es Frühstück – erst für die Katzen, dann für mich. Ich mache mir ein schönes großes kaltes Rosenwasser-Lassi, außerdem die Reste der ‘Nduja-Spaghetti von gestern, einen Apfel und eine Pistazien-Schnitte, so wichtig.

Frühstück auf dem Balkon, dann Podcast auf die Ohren und eine ganze Menge „das bisschen Haushalt“ – Aufräumen, Wäsche waschen, Katzenklos, Staub saugen, Bad putzen, Müll bereitstellen, Geburtstagsgeschenke für den Liebsten verpacken… Immer wieder mit Pausen, denn zumindest in der Wohnung ist es noch ordentlich warm. Hinterher kurz in die (lauwarme) Badewanne und dann habe ich nochmal etwas Zeit zum Füße hochlegen und blättere durch eins meiner Geburtstagsbücher, was mich direkt motiviert, auch den Rest Zitronen-Trenette von gestern aufzuessen – verfeinert mit gutem Olivenöl und ein paar Peperoncini-Flocken, wenn schon, denn schon.

Noch ein wenig Orgakram und dann ist es Zeit für den heutigen Aufbruch ins Draußen. Auf dem Weg zum Müllplatz stockt mein Podcast, wodurch ich merke, dass ich das Telefon oben liegen gelassen habe – danke an die moderne Technik. Mit dem Telefon geht es dann weiter, vorbei an diesem Arrangement, das mich vermuten lässt, wie Johnny Depp und Vanessa Paradis auf den Namen ihrer Tochter gekommen sein könnten.

Ich laufe zur Physiotherapie – erste Session für den Fuß, etwa drei Monate nach dem Sturz. Die Physiotherapeutin ist ganz erstaunt, dass ich gar nicht wegen Arm und Schulter komme, aber wir werden schauen, ob und wie wir das alles kombinieren können. Erstmal ein bisschen Anamnese, erste Übungen und dann Manuelle Therapie.

Währenddessen zieht sich draußen der Himmel zu und genau als ich wieder losgehe, stürmt es und regnet wie aus Kübeln. Ich stelle mich erstmal kurz unter und fische die zufällig eingesteckte Jacke aus dem Rucksack, dann checke ich den Regenradar. Leider ist keine schnelle Besserung in Sicht, also beiße ich die Zähne zusammen und laufe zur S-Bahn – Termine, Termine, keine Zeit, keine Zeit, zu spät, zu spät. Die S-Bahn kommt dann aber nicht. Also erst steht noch eine Verspätung dran, mit der ich trotzdem gerade so pünktlich wäre, dann aber die Info, dass aufgrund der Witterung der gesamte S-Bahn-Verkehr zum Erliegen gekommen ist. Puh, das ist dann doch ne größere Sache.

Ich überlege kurz, durch Regen und Sturm nach Hause zu laufen, entscheide mich dann aber, auf Umwegen an mein Ziel zu kommen. Mit drei verschiedenen U-Bahnen fahre ich nach Neukölln und als ich da aussteige ist das Wetter schon wieder Geschichte und ich bin nur zehn Minuten zu spät bei meiner Veranstaltung – es lebe der Berliner ÖPNV, immer wieder und trotz allem!

Ich bin bei einem Informations- und Netzwerkabend von Flipped Job Market, die mir auf der re:publica begegnet sind. Anderthalb Stunden lang geht es nochmal um das Gerne-Prinzip und dann konkreter in die Arbeit der Damen – immer noch sehr spannend und nochmal mit etwas anderem Fokus als damals auf der re:publica. Danach komme ich mit den anderen Gäst*innen, den Gastgeberinnen und einigen Alumni der angebotenen Kurse ins Gespräch und bekomme viele spannende Einblicke in andere (Arbeits-)Welten. Es ist dann schon fast halb 10 als ich mich verabschiede.

Die S-Bahn-Strecken liegen immer noch brach, also fahre ich mit zwei U-Bahnen und einer Tram zurück nach Hause und bin so nochmal fast eine Stunde unterwegs (unregelmäßiger Verkehr, einmal in die falsche Richtung eingestiegen…). Zuhause dann kurzer Sturm-Check, aber alles in Ordnung auf dem Balkon und die Katzen sind nur hungrig, aber wohlauf. Also erst wieder Katzen füttern, dann mich (Stulle, Gemüse) und dann geht es kurz nach 11 müde und zufrieden aber mit schmerzendem Fuß ins Bett.

22.06.2025 – What a Day

Als ich kurz nach 7 erwache ist es noch schön kühl – also, im Hotelzimmer. Ich lese mich durchs Internet und blogge und dann ist es auch schon 9 und ich stehe auf und gehe im kurzen Kleidchen hinunter zum Frühstück, das wir im Innenhof einnehmen – zum Glück im Schatten.

Das Highlight des Buffets ist der Pancake-Automat

Dann geht’s wieder nach oben – Zähne putzen, Packen und Französisch und Italienisch absolvieren, bis es Zeit für den Check-out ist (die Frühstückszeit endet eine Stunde vor dem letzten Check-out-Zeitpunkt). Dann geht es mit Gepäck und wenigen Worten durch große Hitze zum Bahnhof. Ich kaufe mir noch einen kalten Eistee, dann steigen mein Bruder und ich in den Zug nach Berlin, seine Freundin nimmt den nach weiter nördlich. Rückfahrt zu dritt im Sechserabteil, sehr angenehm. Die Mitfahrerin steigt am Südkreuz aus, der Bruder am Hauptbahnhof, ich am Gesundbrunnen. Zwanzig Minuten später werde ich zuhause von den Katzen begrüßt.

Ich werfe mein Gepäck ab, füttere die Katzen, gieße die Pflanzen, siebe das Katzenklo durch, telefoniere mit dem Liebsten, der eben vom Klassenausflug zurückgekehrt ist, ziehe das durchgeschwitzte Kleidchen aus und ein anderes an und bin eine halbe Stunde nach meiner Rückkehr schon wieder unterwegs. Inzwischen sind es um die 34 Grad. Mit Tram und U-Bahn geht es zum Biergarten am Gleisdreieck, wo eine Freundin ihren Geburtstag nachfeiert. Zum Glück sitzen wir im Schatten. Statt Bier gibt es für alle wettergemäß alkoholfreies, für mich Fassbrause.

Wir erzählen und erzählen, bis die anderen alle wieder zurück zu ihren Kindern müssen. Ich bleibe noch eine knappe Stunde sitzen, schlürfe Wasser und mache Kreuzworträtsel. Dann zurück zur U-Bahn und noch ein Stück weiter gen Westen, in die lukanische Trattoria, von der Creezy immer so schwärmt. Hierhin habe ich meine Eltern und meinen Bruder zu meinem Geburtstagsessen eingeladen. Es sind immer noch mindestens 33 Grad und wir verzichten weiter auf Alkohol, trinken stattdessen limonata.

Home is where the Beach is
Mit Thunfisch gefüllte Zucchiniblüten, Burrata mit Zitronenschale, peperoni cruschi, warme ‘Nduja auf Brot als Vorspeisen
Hausgemachte Pasta: Zitronentrenette mit Zitronen-Basilikum-Pesto, lukanische Spaghetti all’amatriciana mit ‘Ndjuja, Pappardelle con polpette
Panna cotta mit frischer Erdbeersauce, Erdbeer-Granità

Der Ausflug ins tiefste Schöneberg lohnt sich, es gibt hier vieles, was man anderswo nicht bekommt und alles ist wirklich sehr gut zubereitet. Teuer ist es auch, aber dafür ist ja Geburtstag. Ich komme wieder!

Neben dem Essen gibt es viel zu erzählen und zu planen und natürlich auch noch Geburtstagsgeschenke. Ich nehme einen gut gefüllten Beutel für mich und einen gut gefüllten Beutel für den Liebsten und das Teilzeitkind (samt Anleitung) mit nach Hause.

Dort treffe ich gegen 23 Uhr wieder ein. Jetzt sind es nur noch 25 Grad und damit ist es draußen etwas kühler als drinnen. Ich reiße also die Fenster auf und mache Durchzug im Schlafzimmer.

Ich packe das Gepäck vom Wochenende aus, baue meinen Geburtstagsgabentisch auf und sitze dann noch bis kurz vor Mitternacht draußen auf dem Balkon und atme tief durch, von Noosa bekuschelt, der Hitze egal ist.

21.06.2025 – 42

Ich erwache früh, wie gerade mal wieder immer, diesmal weil so viel los ist in der Wohnung. Die Mitbewohnerin des Liebsten verlässt früh das Haus, das Teilzeitkind steht gegen 7 auf und bäckt für mich Nutella-Erdbeer-Blätterteigtaschen. Ich döse und kuschele mich ins Bett und an den Liebsten, der dann auch bald wach wird und uns Kaffee macht. Das nimmt das Teilzeitkind als Zeichen, zu mir ins Bett zu krabbeln, mit mir zu kuscheln, mir zu gratulieren und mich zu fragen, ob und wie ich mein Frühstücksei haben möchte. Hachz. Ich stehe also bald auf, als die Teigtaschen aus dem Ofen kommen, und freue mich über den gedeckten Tisch. Große Kinder sind toll, habe ich im Internet schon öfter gelesen.

Wir frühstücken, dann packen der Liebste und das Teilzeitkind ihre Sachen für den Klassenausflug und ich wähle mich in meinen heutigen Workshop ein, der mich die nächsten viereinhalb Stunden beschäftigen wird.

Um 14:30 klappe ich den Laptop zu, packe ihn ein und verlasse mit noch einer Blätterteigtasche auf die Hand die Wohnung. Mit S- und S-Bahn geht’s zum Südkreuz und von da mit dem Zug eine Stunde südwestlich – nachdem ich den richtigen Zug am richtigen Gleis gefunden habe, die Deutsche Bahn macht das mal wieder nicht ganz einfach. Die Zugfahrt reicht für Französisch, Italienisch und ein wenig Geburtstagskorrespondenz, dann ist auch schon wieder Aussteigen angesagt. Mein Bruder holt mich ab und wir laufen durch die Altstadt von Halle zum Hotel – nicht ohne unterwegs direkt noch zwei Bekannte von früher zu treffen. Da ist man einmal in Sachsen-Anhalt und schon…

Im Hotelzimmer gibt’s die nächsten Geschenke. Dann kurz umziehen und frisch machen. In der Lobby treffe ich die anderen und dann geht’s weiter durch die Stadt und zu einer dringend benötigten Eisdiele.

Joghurt-Honig-Cashew, Gurke, Lavendel-Zitrone

Nach dem Eis laufen wir weiter durch die Stadt dann in den Park. An mehreren Stellen gibt es zur Fête de la Musique Livemusik (oder dann im Park Elektromucke).

Unser Ziel ist die Freilichtbühne auf einer Insel in der Saale. Hier kurz durch die Ticketkontrollen, dann gibt es „Abendbrot“.

Einzige vegetarische Alternative wären Pommes gewesen, oder trockene Brötchen. Auch das ist Sachsen-Anhalt. Wir holen uns was zu trinken und setzen uns in den Schatten und erzählen.

19:30 geht es dann los – Vorband Dritte Wahl. Ich bleibe noch hinten, wo weniger los ist, mein Bruder und seine Freundin stürzen sich ins Gedränge vor der Bühne. Leider haben Dritte Wahl nur 30 Minuten Zeit. Sie nutzen diese für ein Potpourri ihrer größten Sauf- und Weltverbesserungssongs. Die alten Hippies.

So wie ihr seid
…Zeit bleib stehen!

Weil das alles relativ zivilisiert zuzugehen scheint, nutze ich die Umbaupause um mich vorn zu den anderen zu gesellen. Die Gelegenheit, eine Legende aus nächster Nähe zu sehen, muss man ja nutzen. Um 20:30 stakst Iggy Pop auf die Bühne, wirft innerhalb der ersten zehn Sekunden seine Weste von sich und rockt sich dann in bekannter Oben-Ohne-Tracht durch sein Set.

The Passenger
Lust for Life

Bei I Wanna Be Your Dog wird mir dann doch ein bisschen viel gerempelt und das Histamin nach Radler und Weinschorle kickt auch – ich gehe wieder nach hinten zum FOH. Hier ist der Sound auch besser.

Nightclubbin‘
Real Wild Child (Wild One)

Die anderen kommen dann auch bald nach und zum Ende hin haben wir dann nochmal richtig guten Sound. Gegen 22 Uhr ist alles vorbei und dunkel wird es auch nach und nach. Wir stehen noch ein wenig beim Merch-Stand von Dritte Wahl, ich kaufe mir eine Jacke, und halten nach bekannten Gesichtern Ausschau. Dann laufen wir zurück in die Stadt, trinken noch einen Gin Tonic (bzw. für mich einen Gin mit Pfefferminztee, Zuckersirup und Zitrone) und werten den Abend aus.

Halb 1 müssen wir den Freisitz verlassen und gehen zurück ins Hotel. Kurz nach 1 ist Licht ist das Licht aus. This is 42.

20.06.2025 – Ruhe vor Sturm

Das mit dem frühen Wecken an heißen Sommertagen setzt sich fort – heute wird der Rasen im Innenhof gemäht. Ob das ökologisch sinnvoll ist in der aktuellen und sich weiter ankündigen Hitzewelle vermag ich nicht zu sagen, auf jeden Fall ist es morgens um 7 unangemessen laut. Immerhin komme ich so dazu – in einer Mähpause – vor seinem Meetingmarathon nochmal mit dem Liebsten zu telefonieren.

Dann normaler morgendlicher Reboot und irgendwann heißt es Aufstehen. Um 11 habe ich ein Webinar und vorher bekommen die Katzen und ich Frühstück. Meins besteht aus Müsli (Dark Chocolate Raspberry), Espresso Tonic auf viel Eis und den Resten von Crowdfarming-Wassermelone und -Nektarinen.

Danach lege ich mich in die (lauwarme) Badewanne und lausche einem Autorengespräch mit David A. Robertson in der kanadischen Botschaft. Der Liebste hat zuletzt seine Bücher verschlungen, das Teilzeitkind hat mehrere geschenkt bekommen. Leider war die Veranstaltung nichtöffentlich, aber dafür gibts ja die Aufzeichnung.

Danach nochmal eine Runde Aktivität mit Podcast auf den Ohren – Pflanzen versorgen, Wassernäpfe auffüllen, Katzenklos durchsieben, Müll runterbringen, Rucksack packen… Und dann ist plötzlich einfach noch ein bisschen Zeit und ich entscheide mich für eine Siesta auf dem Sofa, bei dem ich direkt für eine gute Stunde tief und fest wegratze und gerade pünktlich wieder aufwachen um rechtzeitig aus dem Haus zu kommen.

Mit S- und U-Bahn geht es nach Südberlin zum Stammitaliener, wo ich mit Handschlag und duzen (bzw. „tu-en) begrüßt werde. Wir plaudern auf Italienisch, ich bekomme einen Limoncello Spritz und setze mich an den gedeckten Tisch. Wenig später kommt der Liebste dazu und als letztes trifft das Teilzeitkind ein, das sich schick gemacht hat und noch etwas länger im Bad brauchte.

Bruschette, Focaccia, zwei Sorten Carpaccio
Spaghetti neri mit Krabben und Zucchini
Panna cotta

Das Teilzeitkind bricht als erstes wieder auf, es muss noch mit seiner Bestie telefonieren. Der Liebste und ich trinken noch unseren Wein aus und schlendern dann gemütlich hinterher. Dann ist Chillen angesagt – für mich auf der Couch, für den Liebsten vor dem Rechner. Als das Kind mit Telefonieren fertig ist, macht es sich bettfertig und kommt nochmal kuscheln. Wir suchen nach einem Reim auf zweiundvierzig, aber dann geht es unverrichteter Dinge doch schlafen. Dafür kommt der Liebste dann kuscheln, nickt kurz vor Mitternacht und wacht dann auf, als meine Eltern anrufen, um mir zu gratulieren. Dann gratuliert er mir auch und ich bekomme erste Geschenke, bevor wir schlafen gehen.

19.06.2025 – Kannste abhaken

Wer kennt noch diesen Smash Hit von Mike Lehmann aus den 90ern? Als Überschrift gewählt, weil ich mich heute von To Do zu To Do durch den Tag hangle. Beim ersten scheitere ich schonmal, denn Ausschlafen klappt nicht, wenn schon kurz nach 7 draußen Radau ist. Im Haus gegenüber werden große Dinge aus einem Fenster in einen Container geworfen. Wenn mich nicht alles täuscht, aus der Wohnung der Spy Granny, wie mein ehemaliger pakistanischer Mitbewohner sie nannte. Als der Hase und ich hier vor 13,5 Jahren einzogen, wohnte gegenüber ein älteres Ehepaar, die täglich gemeinsam am Fenster saßen und rausguckten. Irgendwann nur noch sie, das war dann wohl kurz bevor der pakistanische Mitbewohner einzog. Nimbin setzte sich oft ins Küchenfenster und guckte ihr entgegen. Nochmal ein paar Jahre zieht dann jetzt also vermutlich jemand Neues ein. Tschüß, Spy Granny, auf Dich!

Der Morgen beginnt also früh und ich hake ab: Internet leer lesen, Bloggen, mit dem Liebsten kommunizieren (schriftlich, er fährt heute ins Büro), Französisch, Italienisch, Rätsel. Die Katzen sind bei der Hitze träge und drängeln nicht nach Frühstück, also mache ich erstmal nur meins. Es gibt Wassermelonen-Kirsch-Smoothie und Brot mit Käse, Rührei und Tomate. Natürlich haben die Katzen dann Interesse, als ich mich zum Essen hinsetze und bekommen auch noch was.

Schon beim Aufstehen habe ich den „Alles gesagt“-Podcast mit Heidi Reichinnek entdeckt, der mich durch den Tag begleiten wird. Sehr spannend, für mich vor allem ihre Backstory – die Kindheit und Jugend, Kairo, Libanon, wissenschaftliche Arbeit und Jugendhilfe… Und natürlich die Meinung zu den ganz aktuellen Brennpunkt-Themen und wie man manchmal merkt, dass sie konsequent Parteibeschlüsse vor evtl. eigene Meinungen stellt. Das ist dann auch einer der Gründe, warum ich nicht für die Politik geeignet wäre, schätze ich. Ein bisschen anstrengend, wie Jochen immer wieder mit westlichen und bürgerlichen Klischees über die Linke stichelt, bei denen ich teilweise denke, dass die alte BRD angerufen hat (Planwirtschaft? RAF? ACAB?). Christoph mal wieder sympathischer.

Der Podcast eignet sich hervorragend als Untermalung für diverse Tätigkeiten. Ich räume die Küche auf, reinige den Katzenbrunnen, lasse Geschirrspüler und Waschmaschine laufen, kümmere mich um Pflanzen und Wassernäpfe, lege Wäsche zusammen, bereite Müllbeutel vor, miste aus… Dann pausiere ich den Podcast kurz für eine Yoga-Session und mache ihn hinterher wieder an, während ich mich ausgehfein mache. Ich bringe den Müll weg und laufe zu einem Café in der Nähe, wo ich mit einer Verbandskollegin auf Kaffee (Iced Latte) und Kuchen (Mohn-Pfirsich-Streusel) verabredet bin.

Wir spielen Catch up und tauschen uns eine gute Stunde lang über unsere aktuellen Projekte und Vorhaben aus. Dann begleite ich sie noch zur Kita, wo sie ihr Kind abholt, und laufe dann weiter zur S-Bahn – jetzt wieder mit Podcast auf den Ohren. Ich fahre nach Moabit, gehe zu einer Facharztpraxis und hole ein Rezept ab. Dann direkt in die Apotheke und zurück in den Pberg. Hier einkaufen, ich behalte mir Drogeriemarkt vor, kriege dann aber doch alles im Supermarkt. Wieder zuhause Lebensmittel verräumen, Geschirrspüler ausräumen, Wäsche aufhängen und dann ist auch schon Abendbrotzeit.

Ich bereite eine litauische kalte Rote-Bete-Suppe (Šaltibarščiai) nach ungefähr diesem Rezept zu (angereichert mit veganer Fleischwurst, ohne saurer Sahne und mit schwarzem statt weißem Pfeffer) und verbrauche dabei Crowdfarming-Gemüse. Eine rote Bete habe ich noch übrig, aber die ist jetzt immerhin schon gegart.

Nach dem Essen mache ich eine Podcast-Pause und gucke die von Herrn Buddenbohm empfohlene Springsteen-Doku bei arte. Hinterher spielt der Player einfach einen Konzertmitschnitt vom Boss und wer wäre ich, mich dem zu verweigern? Und weil ich dann grad gedanklich so schön im guten Amerika bin, gibt es noch ein bisschen Josh Johnson auf YouTube (und Vorfreude auf in zwei Wochen im großen Sendesaal). Danach dann aber wieder Podcast, der hört sich ja auch nicht von alleine und begleitet mich ins Bett.

18.06.2025 – Warmzeit und Weltraum

Wir sind definitiv wieder zurück im Sommer – passt ja auch, wo der bald offiziell anfängt. Erstes Aufwachen gegen 6, nochmal weiterdösen, dann Telefonat mit dem Liebsten, Internet leer lesen, Bloggen, Französisch-Tagesaufgaben – gleich wieder gelevelt, Italienisch, Rätsel… Dann aufstehen, Katzen versorgen, Millenial-Kaffee in der amerikanischen Edition machen (Espresso aus der Mokka, viel Eis, Hafermilch), dazu den letzten Bagel, mit Mandelcreme und einem Rest Nudossi bzw. Blutorangenmarmelade, dazu Nektarinen und Melone… Balkonfrühstück.

Es ist nicht ganz so heiß wie gestern. Ich erledige Orgakram, recherchiere Dinge und dann wechsele ich irgendwann nach Drinnen auf die Couch und nehme am ersten Webinar des Tages teil.

Danach Duschen und Flatterkleid überwerfen und dann und schaue den Rest der wichtigen Dokumentation über die emanzipierten ostdeutschen Jungs drüben in Hollywood und in der ganzen Welt und frage mich mal wieder, wie das alles passieren konnte. Und wie Teile davon durch die Anwälte der Beteiligten gekommen sind oder ob der ganze Beziehungsdrama-Teil nicht doch ein bisschen geskriptet ist. Andererseits mag die Gegenseite ja scheinbar auch Aufmerksamkeit…

Anyway, es ist eine angenehmere Beschäftigung als die mit dem Aufstieg des Faschismus und der weiter eskalierenden Kriege. Die hängen ja eigentlich auch alle irgendwie zusammen, in der Nachbetrachtung sind wir vermutlich längst in WKIII.

Heute aber ist Sommer in Berlin und inspiriert von den ostdeutschen Jungs und ihrer Mama koche ich mir zum späten Mittagessen/frühen Abendessen Senfeier mit Kartoffel-Steckrüben-Püree und Gurkensalat. Alles Crowdfarming-Gemüse. Die Gurken kommen während des Kochprozesses mit der nächsten Lieferung an.

Tomaten, Gurken, Zucchini, Karotten, Rote Bete, Zwiebeln, Kartoffeln

Nach dem Essen folgt das zweite Webinar des Tages und danach ziehe ich mir noch etwas über das dünne Flatterkleidchen und Socken an die Füße, bevor ich in die Zauberstiefel steige, denn auch heute gibt es wieder einen Außentermin. Ich bin mit dem Lieblingsnachbarn und einer Freundin zum Science Slam im Planetarium verabredet. Mein erstes Mal dort, obwohl ich seit 13,5 Jahren hier im Kiez wohne, seit 17 Jahren wieder in Berlin und seit fast 42 Jahren eh regelmäßig in der Stadt bin. Es wird jedenfalls Zeit.

Wir treffen uns draußen, setzen uns auf die Stufen und nehmen noch ein Getränk zu uns, dann geht es nach drinnen und oben und in die bequemen Liegesessel in der Kuppel.

Es wird unterhaltsam geslammt, mit drei naturwissenschaftlichen und einem geisteswissenschaftlichen Beitrag. Es geht um kotzende neutrophile Zellen, Molekularzeitkino, einsame weiße Zwerge und um Eltern, die die Arbeitslosigkeit ihrer Kinder krank macht.

Danach gibt es eine Siegerehrung und dann zeigt das Planetarium nochmal, was es eigentlich kann. Der Projektor wird hochgefahren und wir begucken uns den aktuellen Sternenhimmel über Berlin und fahren dann raus ins Weltall, unendliche Weiten und so. Wir fliegen bis raus aus unserer Galaxie, die ja auch nur eine von Millionen ist.

Ziemlich coole und schwindelerregende Erfahrung, ich muss hier auf jeden Fall nochmal mit dem Liebsten hin eine ausführlichere Session besuchen. Und aufs Hörspielkino unter dem Sternenhimmel habe ich jetzt auch Lust bekommen.

Als wir nach 22 Uhr wieder rauskommen ist es dunkel geworden. Kühl aber noch nicht wirklich. Zuhause setze ich mich noch mit einem Lillet Tonic auf den Balkon, Noosa kuschelt sich auf meinen Bauch und schnurrt. Ich lese, dass die Welt wider Erwarten immer noch steht, beantworte aufgelaufene Nachrichten und gucke dann zum Runterkommen TikTok.

Und dann kriege ich, das passiert fast nie, kurz vor 1 nochmal Hunger. Also nochmal zum Kühlschrank und dann gibt es ein mehrgängiges Gelage – ein Rest Cornichons in Gouda gewickelt, ein Rest Camembert mit einer reifen Tomate, den Rest Senfsauce von heute Mittag mit grünen Erbsen angereichert. Hat ja keiner gesagt, dass man ungesundes Zeug essen muss, wenn einen nachts spontan Hunger überkommt. Starkes Gefühl von kurzen Sommernächten und jugendlicher Freiheit. Kann man mal haben, so kurz vor 42. Danach dann aber schnell ins Bett!

17.06.2025 – Ist ja schon Geburtstagswoche

Wie die Zeit rennt, wenn man Spaß hat (und die Weltpolitik sich überschlägt. Mir wird heute Morgen bewusst, dass ich wirklich ganz ganz bald Geburtstag habe und der Liebste dann auch und zum Glück hat mein erprobtes Hirn da schon fast ohne meine bewusste Beteiligung einiges geplant, so dass ich mich jetzt kurz vorher weitgehend zurücklehnen und die Dinge geschehen lassen kann. Aber der Countdown läuft!

Ansonsten ist es sehr schön, wieder im eigenen Bett zu schlafen und außer den Katzen auch eine komplett sturmfreie Wohnung zu haben. Mehrmals am Tag fällt es mir auf und ich lasse bewusst die Badtür auf oder laufe nackt durch die Wohnung (also, wenn ich es gerade bin, ich ziehe mich dann nicht extra aus).

Ausführlichster morgendlicher Reboot, dann Balkonfrühstück im dünnen Sommerkleidchen, mit Sonnenbrille und Sonnenhut. Und dann denke ich, ich müsste jetzt an den Schreibtisch, komme aber noch rechtzeitig auf den Gedanken, dass ich den Laptop auch auf den Balkon holen kann.

Bürokratie, Behördenkram, Recherchen… Irgendwann ist es schon Nachmittag und ich mache mir ein beigefarbenes, aber sehr leckeres Mittagessen aus angemachtem Crowdfarming-Rettich und Käsebroten. Und weil ich dann ein bisschen Luft habe, fange ich die neue Staffel über die zwei erfolgreichen jungen Ostdeutschen an, die jetzt in LA wohnen und habe viel Spaß dabei.

Und dann ist auch bald Zeit, aufzubrechen. Heute Abend steht mein nächstes Timeleft-Dinner an, diesmal mit einer reinen Frauenrunde und in Friedrichshain. Die Location ist in einem Coworking Space hinter der East Side Gallery, mehr neues Berlin wird es heute nicht mehr.

War ich letztes Mal noch die jüngste Teilnehmerin, bin ich heute mit Abstand die Älteste. Die anderen kommen aus Heidelberg, Vilnius, Zielona Góra, London, Rom, Delhi und Ankara. Sie sind zwischen 23 und 35 Jahren alt und zwischen einem Monat und zehn Jahren in Berlin. Obwohl die Location selbst durch die Anordnung und die laute Musik nicht gut geeignet ist, um sich in großer Gruppe kennenzulernen, geben wir uns große Mühe, tauschen Sitzplätze durch und am Ende haben alle mit allen geredet, sich gut verstanden und Kontaktdaten ausgetauscht. Das Essen ist auch super, ich habe unbestimmten whitefish mit Muscheln, Butter und Queller und dazu Broccolini mit Peperoni und Mandeln und einen Matcha-Hagebutten-Mocktail.

Die letzte Timeleft-Runde endete nach einer guten Stunde als alle aufgegessen haben. Heute bestellen wir eine zweite Runde Getränke, werfen einen Blick auf die Terrasse und bleiben dann noch bis halb 11 sitzen. Erst dann macht sich die Reisegruppe Prenzlauer Berg gemeinsam auf den Heimweg, während Friedrichshain, Kreuzberg und Grünau schon früher aufgebrochen sind. Neu für mich: Am Ende tauschen alle selbstverständlich Instagram-Profile aus, statt Telefonnummern. Ich sehe nicht, dass diese Generation sich in Massen von Meta abwenden wird…