Der Wecker klingelt um 6, ich bin schon kurz nach 5 wach und mache Französisch und Italienisch. Um 6 gibt’s Kaffee ans Bett, das Teilzeitkind geht ins Bad und kurz danach stehen wir auch auf. Alle packen, was zu packen ist und kurz vor halb 8 rollen wir los. Nach zwei-drei Stunden Musik beginnen wir neu mit dem Herr-der-Ringe-Hörspiel, man kann ja nicht immer nur Känguru hören. Halb 1 sind wir an der Fähre in Puttgarden (Huch, Fehmarn ist ganz schön schön im Hellen) und müssen dann aber eine Stunde warten, bis die überübernächste Fähre Platz für uns hat.
Auf ins Abenteuer
Wir essen Pommes, Schnitzel und Lachsbrötchen und gehen dann an Deck und lassen uns den Wind um die Nase wehen. Nach einer Dreiviertelstunde legen wir in Lolland an. Hallo, Dänemark – eine Premiere fürs Teilzeitkind. Wir fahren auf dem schnellsten Weg von Lolland nach Falster nach Bogø nach Seeland und zu unserem heutigen Campingplatz südlich von Kopenhagen.
Dann erstmal kurz durchschauen und auspacken, dann laufen wir an den Strand. Das Teilzeitkind hüpft natürlich direkt ins Wasser, der Liebste und ich waten darin herum – dank flacher Bucht aber ziemlich weit rein. Der Fuß macht erstaunlich gut mit!
Wieder zurück gehen die anderen beiden Duschen und ich mache meine Physioübungen im Freien.
Dann fahren wir mit dem Auto zum nächsten Bahnhof, nehmen die Regionalbahn nach Kopenhagen und betreten gegen 19:30 den Tivoli.
Erstmal gibt es Fransk Hotdogs für alle zum Abendbrot, dann fahren der Liebste und das Teilzeitkind mit diversen Achterbahnen und anderen Attraktionen, während ich gemütlich auf Parkbänken sitze und mein neues Buch anfange – Lars Mytting – Ein Rätsel auf blauschwarzem Grund, ich stimme mich auf Norwegen ein.
Später machen wir noch eine Pause und essen dänisches Softeis mit verschiedenen Toppings. Dann singt ab 21 Uhr Lis Sørensen live ihre größten Hits, allen voran „Brændt“, das ihr auf jeden Fall alle kennt, wenn auch wahrscheinlich nur die Coverversion.
Gegen 22 Uhr wird es langsam dunkel und wir verlassen den Park, nehmen den Zug zurück und dann sind wir gegen 23 Uhr zurück in unserer Hütte. Das Teilzeitkind macht sich bettfertig und der Liebste und ich nehmen noch einen Schlummwein auf der Terrasse, für mich mit den letzten Provianthimbeeren drinnen. Um Mitternacht liegen auch wir in den Federn.
Morgen geht’s los in den Urlaub und alles heute ist darauf ausgerichtet. Zum Frühstück gibt’s die letzte Pflaume, den letzten Apfel, die letzte Milch im Matcha Iced Latte und Bagel mit Mandelmus und zwei Sorten Marmelade. Morgendlicher Reboot auf dem Balkon, Physio-Übungen, Katzenklos, Staub saugen, Müll wegbringen, Duschen, Anziehen…
Dann mal kurz durchatmen, bis die Lichtenberger Freundin sich meldet und ich mit der zu spät gelieferten Crowdfarming-Kiste zur S-Bahn laufe und ihr das gute Gemüse überlasse. Wieder zuhause gibt es den letzten veganen Fleischsalat zum Mittagessen und dann fange ich fast direkt mit dem Packen an und atme erst das nächsten Mal durch, als das erledigt ist.
Die Camping-Sachen sind schon beim Liebsten…
Letzte Absprachen mit der Mitbewohnerin, dann trage ich meine Sachen nach unten und kurz darauf fährt der Liebste mit dem inzwischen abgeholten Mietwagen vor. Wir fahren nach Südberlin, sacken das Teilzeitkind ein und fahren einen großen Einkauf für die nächsten Tage machen. Dann zum Liebsten nach Hause, ausladen und erstmal schnell zum Stammitaliener und Abendbrot essen – da ist es schon nach 19:30.
Heute nur ein Gang (und Gratis-Bruschetta und Gratis-Grappa hinterher), dann geht’s zum Liebsten und es wird weiter gepackt, geräumt, gesäubert usw. Bei der Gelegenheit bekomme ich noch meine letzten Geburtstagsgeschenke, die der Liebste am Wochenende aus dem Westen mitgebracht hat. Perfekte Ergänzung zum Urlaubsgepäck!
Das Teilzeitkind verschwindet gegen 22 Uhr ins Bett, wir eine gute halbe Stunde später. Morgen klingelt der Wecker früh!
Erster Ferientag, kein Regen, nur grau. Zunächst beginnt der Tag ganz normal und gemütlich. Ich mache mir nach frühem Aufwachen einen Matcha Latte, kuschele mich auf dem Balkon in meine Decke und lese das Internet leer, blogge und telefoniere mit dem Liebsten. Dann stellt sich doch noch Hunger ein und ich mache mir einen Bagel mit dem letzten Ei, dem vorletzten veganen Fleischsalat und dem vorletzten Apfel.
Frühstück an Daily Show mit Josh Johnson und Colbert-Monolog
Französisch, Italienisch, Rätsel, Physio-Übungen und dann ist es auch schon Zeit für Anziehen und Packen für einen langen Tag einmal rund um Berlin. Für die Bahnfahrten habe ich Ulf Poschardt im Hotel Matze dabei und das ist über weite Strecken wirklich genau so unangenehm, wie man es sich vorstellt, wenn man jahrelang auf Twitter war. Zwischenzeitlich sagt er auch mal vernünftige Dinge und wirkt gar nicht so furchtbar schlimm, aber dann kommen wieder so Brecher (im wahrsten Sinne des Wortes), gerade zu Wirtschaftspolitik, aber auch zu allen rechten Tropes, die so im Umlauf sind (Migration, Kriminalitätsstatistik, Klimaaktivist*innen, Heidi Reichinnek…). Anyway, es hält mich wach.
Erste Station ist gegen 12 Uhr die Wohnung meiner Cousine im Friedrichshain (OK, ich habe natürlich zwei Cousinen im Friedrichshain, eine davon eben), wo ich etwas abhole und wir uns bei einem kühlen Getränk schnell updaten. Schon auf dem Weg dahin bekomme ich mit, dass auf Teilen der Ringbahn Pendelverkehr ist. Also fahre ich dann stattdessen mit der U-Bahn weiter bis zum Brandenburger Tor (die U-Bahn hält mehrfach ohne Erklärung länger mitten auf der Strecke) und steige dort dann in die S-Bahn nach Südberlin um, auf die ich auch einige Zeit warten muss.
So komme ich erst 20 Minuten später als geplant beim Liebsten an und wir können uns nur recht kurz Herzen, Küssen und Abklatschen, bevor ich mit dem Teilzeitkind wieder aufbreche und er zurück an die Arbeit geht. Mit dem Ferienkindelein geht es weiter zur Eisdiele, aber leider nicht hinein, sondern wir treffen davor kurz vor 14 Uhr ein befreundetes Kind und gehen mit dem weiter zur S-Bahn und fahren nach Nordberlin. Unterwegs erzählen sich die beiden alles mögliche, was sich seit ihrem letzten Treffen ereignet hat und vergleichen Zeugnisse, Lehrpläne und Klassenfahrten. Pädagogisch wertvoll hole ich nicht mein Handy raus, sondern gucke die meiste Zeit aus dem Fenster, höre mit einem halben Ohr zu und mische mich nur bei Themen ein, wo ich hoffentlich nicht cringe bin.
Nach 17 Stationen S-Bahn warten wir neun Minuten auf einen Bus und fahren mit dem nochmal ein Stück, dann laufen wir zum verabredeten Treffpunkt für den Kindergeburtstag eines weiteren Kindes, das beide noch länger nicht gesehen haben und kaum wiedererkennen. Man wächst ja in dem Alter unheimlich und verändert sich auch im Kleidungsstil. Zum Glück erkenne ich recht zweifelsfrei die Mutter des Kindes, die ich vorher nochmal gegoogelt habe und die Mutter erkennt dann auch nacheinander die beiden Kinder und kann sie mit ihrem eigenen zusammenführen. Es ist jetzt 15 Uhr.
Ich verabschiede mich und laufe weiter zu einer anderen S-Bahn und fahre mit der zurück nach Mitte. Um 16 Uhr sitze ich in der Lobby eines Hotels am Potsdamer Platz und warte auf einen Bekannten aus Pittsburgh, den ich 14 Jahre nicht gesehen habe. Trotzdem erkennen wir uns direkt, wir sind in der Zeit nur beide etwas älter und runder geworden (wir sehen aber auch ab und an Fotos voneinander auf sozialen Medien). Als erstes laufen wir gemeinsam in die Mall und der Bekannte kauft im Souvenirshop Postkarten. Dann nehmen wir die U-Bahn, fahren in den Prenzlauer Berg und essen DIE Currywurst.
Hinterher kauft sich der Bekannte noch ein T-Shirt vom legendären Imbiss und ist ganz erstaunt, dass ihm die Dame ein XL verweigert und XXL hinlegt. Er wollte mir vorher nicht glauben, dass deutsche Größen kleiner sind als amerikanische, wo er sich doch Deutsche immer so groß und kräftig vorstellt. Wir laufen dann direkt weiter zu dem kleinen indonesischen Café um die Ecke, wo ich letztes Jahr mit unseren gemeinsamen Pittsburgher Freund*innen war, schicken ihnen ein Selfie und machen dann „Kaffee und Kuchen“ auf Indonesisch.
Latte Macchiato und Pandan-Taro-Kuchen für den Herrn, Iced Mango Matcha Latte und Pandan-Kirsch-Kuchen für mich
Danach nehmen wir die Tram für bessere Aussicht und fahren zurück nach Mitte, vorbei an Hackeschem Markt und Neuer Synagoge. Wir laufen Unter den Linden lang zum Brandenburger Tor, blicken von weitem auf den Reichstag und machen dann am Holocaust-Mahnmal eine Pause. Dann geht es durch den Tiergarten und vorbei am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zurück zum Potsdamer Platz. Ich überlasse den Bekannten am Hotel seinem Jetlag und fahre wieder mit der U-Bahn los. Gegen 20 Uhr gucke ich in der Wohnung meiner Ellis nach Post und Blumen, dann geht es weiter zum Alex und mit der Tram nach Hause.
Gegen 21 Uhr und nach 21.232 Schritten (15 km) zu Fuß und etwa 65 km ÖPNV sitze ich mit Zitronenwasser und Katzen wieder auf dem Balkon, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und kann dann nur noch stumpf in mein Telefon gucken, bis ich gegen Mitternacht ins Bett wechsle. What a Day.
Heute regnet es den ganzen Tag, mal mehr, mal weniger. Irgendwann werde ich rausgehen müssen, aber erstmal bleibe ich drinnen und erledige Dinge. Frühstück mit Müsli, Apfel und Tee, morgendlicher Reboot, Katzenklos säubern, Wäsche abnehmen und verräumen, Physio-Übungen, Liebstentelefonate und dann in der Badewanne ein paar Late-Night-Sachen von gestern nachgucken (Colbert natürlich und diese Woche ist Josh Johnson der Host der Daily Show!).
Zwischendurch trudeln Zeugnisinfos ein – das Teilzeitkind hat endlich Sommerferien. Ich suche zu Vergleichszwecken mein eigenes 5.-Klasse-Zeugnis raus – Ergebnis ähnlich, allerdings bin ich überrascht über die 4 in Sport – so früh schon? Und: Achja, das war der Tag wo es die Zeugnisse zum Geburtstag gab. Wir gingen dann mittags Pizza essen, am Hauptmarkt. Mit Ananas (!!!1elf)
Dann fühle ich mich schon wieder mittäglich und mache mir zu den Reis-Resten von gestern Kabeljau und Bohnen. Und warme Crowdfarming-Pflaumen mit Mascarpone-Sahne.
Es regnet immer noch stark, also gucke ich erstmal zwei Dokus über Nazis. Eine aktuelle aus der Lausitz und eine ältere aus Mecklenburg, beide empfehlenswert. Bei der älteren ist noch Corona und alle tragen Masken und begrüßen sich mit den Ellenbogen (außer der Nazi).
Dann endlich ein Nachlassen im Regen. Ich werfe mir die Regenjacke über, bringe Katzenkacke zum Müll und frequentiere dann Drogeriemarkt, Haustierbedarf und Apotheke – alles Urlaubsvorbereitung. Dann mache ich den zweiten COVID-Schnelltest in zwei Tagen (ich hatte Kontakt, bin aber negativ). Zur Belohnung gibt es hinterher heiße Schokolade mit Marshmallows und trockenen Regenblick auf dem Balkon.
Abends dann wieder Filme. Erst einen norwegisch-polnisch-deutschen Film über polnische Arbeiter*innen in einer norwegischen Lachsfabrik und übers Schwulsein in einer Männerwelt: Norwegian Dream. Und dann, weil das COVID-Thema heute so virulent ist und ich grad erst Spaß mit einem Apatow-Film hatte noch The Bubble. Ein wirklich schlecht bewerteter Film, der am Anfang ziemlich witzig ist und sich dann unheimlich zieht. Ein Zeitdokument eben. Dazwischen Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl – alles Resteverwertung, aber wie immer lecker.
Ich bin ja an sich keine Freundin des Klimawandels und habe durchaus Kritik an Hitzewellen zu unpassenden Jahreszeiten. Jetzt jedoch, Mitte Juli, würde eigentlich so ein bisschen mehr Sonne ganz stimmig sein. Heute immerhin noch am Vormittag und auch so, dass es mir auf dem Balkon irgendwann im Verlauf des morgendlichen Reboots zu warm wird.
Fertig-Porridge, letzte Stücke Crowdfarming-Wassermelone, Cassis-Sirup in Selters – den Kaffee gab’s schon im Bett
Als ich dann mit allen Häuslichkeiten soweit durch bin und dasselbe verlassen möchte, ist es draußen bereits grau und Regen angesagt. Ich ziehe mir also eine Regenjacke über T-Shirt, Rock und Zauberstiefel und ziehe trotzdem los. Unten begegnen mir die Nachbarn samt neuem Nachwuchs, von dessen Existenz ich neulich komplett überrascht wurde. Letzten Herbst hatten wir viel miteinander zu tun, als ich in Kanada war und der Nachbarsjunge und sein Vater sich um die Katzen gekümmert haben. Seitdem haben wir uns immer mal gesehen und gegrüßt und bei organisatorischen Dingen geschrieben. Neulich nun hörte ich ein Baby weinen. Das ist im Berliner Sommer mit lauter offenen Balkontüren erstmal nichts ungewöhnliches. Nochmal ein paar Tage später sah ich den Nachbarn mit einem Kinderwagen und heute nun endlich das Dreiergespann (der Sohn war wohl noch in der Schule). Ein bisschen beruhigt: Selbst die Kolleg*innen der Nachbarin haben nichts gesehen, bis sie in Mutterschutz ging.
Bevor es dann richtig lospladdert laufe ich schnell zur Tram. Ich erledige ein paar Dinge in Mitte und kehre auf dem Heimweg noch schnell im Supermarkt ein. Noch ist der Regen aushaltbar, auf dem Rückweg sogar nur noch nieselig.
Mittagessen mit Bagel, veganem Fleischsalat, Heringshappen, Sardellencreme, Tomate und Pflaume
Nach dem Essen telefoniere ich mit dem Liebsten während draußen jetzt so richtig die Welt untergeht. Ich verschiebe den zweiten Erledigungsgang – nur hier im Kiez – auf morgen und lese stattdessen Sophie Hardcastle – Breathing Under Water zu Ende. Mittendrin kommt die verspätete Crowdfarming-Lieferung an. Eine der Auberginen ist angedätscht und muss heute noch verarbeitet werden.
Auberginen, Zucchini, Mais, Kartoffeln, Mais, Paprika und Knoblauch – die Juli-Kiste
Ich entscheide mich für chinesische Aubergine nach diesem Rezept mit Reis und TK-Koriander, dazu ein Peroni.
Zum und nach dem Essen ziehe ich wieder DVDs aus dem Regal – erst Cry-Baby, den ich seit dem Iggy-Pop-Konzert nochmal sehen will und der all die Jahre später immer noch ganz cool ist. Und dann nochmal was mit mehr Bildungsauftrag: Ich schaue die Marcel-Pagnol-Verfilmungen Der Ruhm meines Vaters und Das Schloss meiner Mutter, die ich als Kind rauf und runter gesehen habe, aber: auf Französisch! Mit dem ersten Film klappt das ganz gut, den kann ich eh fast auswendig. Beim zweiten fällt es mir etwas schwerer, aber insgesamt kann ich sagen: Das tägliche Lernen bringt schon was.
Bei allen drei Filmen lese ich natürlich auf dem Second Screen Trivia nach und google einigen Leuten hinterher. Beim Schauspieler des ruhmreichen Vaters kommt da beachtliches/erschreckendes zu Tage. Manchmal gut, wenn man weniger weiß.
Ein Tag quasi ohne Termine – der letzte verbliebene am Abend wird wegen des angekündigten Starkregens abgesagt. In der Konsequenz beschließe ich, heute häuslich zu bleiben und meine Vor-Urlaubs-To-Do-Liste anzugehen. Aber erst nach dem Balkonfrühstück und dem morgendlichen Reboot.
Müsli, Apfel, Pflaume, Sencha
Danach dann einiges an Erledigungen – allgemeine Haushaltsadministration, aber auch vorausschauendes Wäschewaschen, Imprägnieren von Regenjacke und Wanderstiefeln, anstehende Reinigung des Katzenbrunnens, Vervollständigung von Packlisten… Teils in den Pausen, teils als Untermalung gucke ich mir die Sommerinterviews von Merz und Weidel an und bekomme einen Ohrwurm vom Zentrum für politische Schönheit.
Zum Mittagessen gibt es eine Seafood-Ramen-Suppe, die der Liebste und das Teilzeitkind aus Geruchsgründen abgewählt hatten, mir schmeckt sie sehr gut – im Prinzip Miso-Suppe mit Nudeln mit ein bisschen mehr Fischigem. Kommt trotzdem nicht auf die Packliste für den Urlaub, denn ich muss mir ja mit den beiden Zelt bzw. Hütten teilen, da gehen nur Konsensgerüche – Ramen-Suppen hingegen werden wieder in großen Mengen mitgeführt werden, die haben uns letztes Jahr im #nurregen-Urlaub mehrmals die Stimmung gerettet.
Für die ersten Tage sieht der Wetterbericht allerdings bisher vielversprechend aus. Nicht hochsommerlich warm, aber sonnig und vor allem trocken. Nach des Liebsten Feierabend halten wir ein Planungsmeeting und recherchieren, planen und buchen die ersten Übernachtungen. Wie es aussieht, könnte es diesmal schwieriger (und teurer) werden, Hütten zu bekommen, da im Gegensatz zum letzten Jahr Hochsaison ist. Aber im Notfall finden wir sicherlich immer was für unser Zelt. Daumendrücken für wenig Regen also bitte! Die ersten beiden Tage sind von langen Autofahrten bestimmt, da sind jetzt wohlweislich Hütten an landschaftlich schönen Orten und mit WLAN vorgebucht.
Zum Abendbrot gibt es Wassermelonen-Gurken-Salat und Grilled Cheese Sandwich. Die Resteverwertung vorm Urlaub hat hart eingesetzt, vornehmlich Shelfcooking und jeder Neukauf wird wohl überlegt. Morgen kommt allerdings voraussichtlich die letzte Crowdfarming-Kiste an (eine Woche verspätet), da werden die Überreste dann aber an Mitbewohnerin (die kaum kocht) und die Lichtenberger Freundin verteilt werden – alles schon geplant. Zum und nach dem Essen gibt es den Rest der vierten Staffel The Bear, die eigentlich so gut enden könnte. Sieht aber so als wäre die 5. Staffel schon bestätigt und natürlich werde ich die dann auch wieder gucken.
Den Rest des Abends verbringe ich mit der Lektüre von Sophie Hardcastle – Breathing under Water. Als mir die Augen zufallen, habe ich noch etwa ein Viertel Buch vor mir, das schaffe ich also auch noch vor dem Urlaub. Bisher flasht es mich noch nicht ganz so wie Below Deck, aber gut ist es definitiv trotzdem und das Meer spielt wieder eine Hauptrolle.
Vor dem extra gestellten Wecker aufgewacht – hallo heißer Sommertag! So bleibt überraschend noch Zeit für einen Teil des morgendlichen Reboots und einen Iced Matcha Latte mit Johannisbeersirup auf dem Balkon, bevor ich kurz vor 10 in die Stadt aufbreche.
Mit Tram und U-Bahn geht es in die Straße, wo die Ellis wohnen. Wir (der Cousin von vorgestern, seine Freundin, sein Kind, der Liebste und ein Freund vom Cousin, der vor zwei Jahren beinahe mein Mitbewohner geworden wäre) treffen uns zum Frühstück in der Pelmeni-Bar von vorgestern. Ich bin schon bei Ankunft komplett durchgeschwitzt – hatte ich erwähnt, dass es heiß ist?
Lachs-Blini und Hibiskus-Eistee
Wir schmausen und erzählen aber das eigentliche Highlight ist, endlich das Kind des Cousins live und in Farbe zu erleben – es ist nämlich noch recht neu, gerade mal ein halbes Jahr alt, und witzigerweise dem Papa wie aus dem Gesicht geschnitten, was in Bewegung noch viel mehr auffällt, als auf Fotos. Und es hat die ganze Zeit gute Laune und grinst und schäkert.
Nach dem Essen verabschiedet sich der Liebste nach Südberlin und wir anderen drehen noch eine kurze Runde und sitzen dann auf der Fischerinsel am Historischen Hafen noch ein bisschen im Schatten, erzählen, gucken aufs Wasser und das Kind wird fleißig herumgereicht und lässt sich das ziemlich gut gefallen. Nur im Kinderwagen will es eher nicht liegen.
Dann ist es wieder Zeit für Aufbruch, der Cousin muss heute noch beruflich in den tiefen Westen, Freundin und Kind zurück nach Norden. Der Beinahe-Mitbewohner geht Richtung Mitte spazieren und ich fahre mit U-Bahn und Tram zum Weißen See.
Im Schatten am Wasser ist die Hitze gut auszuhalten und wenn man sitzt, weht sogar ein leichtes Lüftchen. Dafür, dass außerhalb des Strandbads aufgrund von Unglücksfällen ein strenges Badeverbot herrscht, sind an Teilen des Sees extrem viele Menschen im Wasser. Mir reicht das Sitzen und lesen. Irgendwann kriege ich ein Hüngerchen, spaziere einmal um den See, stelle fest, dass das ehemalige Café jetzt ein griechisches Restaurant ist, hole mir am Strandbad eine Butterbrezel und setze mich dann nochmal woanders zum Lesen hin.
Irgendwann zieht sich der Himmel zu und ich nutze den gefühlten leichten Temperaturabfall für den Heimweg. Dort angekommen mache ich mir einen Wassermelonen-Smoothie mit Thymian und Ingwer, gebe Vanilleeis dazu und setze mich mit diesem sommerlichen Dessert/Getränk raus auf den Balkon.
Dann ganz in Ruhe Französisch, Italienisch, Sprachrätsel. Gelesen habe ich für heute genug, also mache ich mit den Filmen weiter. Allerdings nicht mit DVDs aus dem Regal, denn die könnte ich nicht ohne weiteres auf dem Balkon gucken (irgendwo liegt noch mein externes Laufwerk, aber ich bin heute zu faul zum Suchen), sondern ich schaue, was die Streaming-Dienste bieten. Auch hier finde ich genug Klassiker für einen Rewatch. Ich meine, ich hätte alle drei Filme des Abends schon mal gesehen, aber es ist bei allen ewig her und war wohl nur einmal und ich habe sehr viel vergessen.
Pasta mit Baked Beans, frischen Tomaten, Knoblauch und Basilikum an Balkon-Kino
Ich bringe also mein Filmwissen mit Punch-Drunk Love, Larry Crowne und Forgetting Sarah Marshall wieder auf Vordermann, während die Temperatur langsam von 30 über 28 auf 26 Grad sinkt. Irgendwann muss ich im Wohnzimmer das Licht anmachen, damit ich später den Weg nach Drinnen finde. Gegen Mitternacht sind es dann nur noch 24 Grad, der dritte Film ist vorbei und ich gehe schlafen.
Puh, nach den ganzen Aktivitäten der letzten Tage (und dem vielen gemischten Alkohol gestern Abend) kommt mir ein Tag gänzlich ohne äußere Verpflichtungen sehr recht. Ich beginne ihn mit einer Mate im Bett, dann brauche ich dringend FeSaZu (Fett, Salz, Zucker) in den Magen und mache mir ein half English mit Ei, Bohnen, Tomate, überbackenem Bagel, Spreewaldgurke und Crowdfarming-Pflaume.
Noch dazu ist der Sommer zurück, also so mit Sonne und Temperaturen und so. Schon nach kurzer Zeit wird es mir auf dem Balkon schon wieder zu warm und ich wechsle nach drinnen – manchen kann man es wohl nie recht machen (genau was Jesus gesagt hat!).
Hier dann in Ruhe Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel und mit dem Liebsten telefonieren als er zurück in Berlin ist. Dann schnappe ich mir das gestern begonnene Buch, Ronya Othmann – Die Sommer, und lese mich fest. Wieder eine Ecke der Welt (Kurdistan im Allgemeinen, aber auch speziell der Teil, der in Syrien liegt), über die ich sehr wenig weiß (außer, dass Feine Sahne Fischfilet da viele Hilfsgüter hingebracht und ein Lied darüber gemacht haben), dazu eine Religion (und/oder eine Ethnie, die Jesiden), über die ich sehr wenig weiß, Dorfleben, das ganz anders ist, als hier bei uns, gesehen durch Kinderaugen eines in Deutschland aufwachsenden Kindes. Und dann wird es älter und Krieg und Gewalt kehren zurück.
Ich kann eine Menge anlegen – Rafik Schami über Syrien, mein Geografie-Vortrag über Aleppo in der elften Klasse, Erzählungen von Bekannten aus Pakistan und dem Libanon, die syrischen Geflüchteten in Deutschland („unsere“ waren syrische Christen) und die holprige Geschichte des Familiennachzugs… Ich biege öfter ins Internet nach und lese Dinge nach – Geografie, Geschichte, Religion, Kulinarik, Musik.
Zwischendurch Mittagsschlaf, der muss sein, und dann Wassermelonen-Feta-Minz-Salat.
Das Buch trägt mich bis halb 10, so viel gibt es da zu denken und abzubiegen und anzulegen. Ab dem späten Nachmittag habe ich wieder draußen gesessen, jetzt wird es zu dunkel zum Lesen, aber da ist das Buch auch vorbei.
Drinnen auf dem Sofa mache ich dann noch mit dem Projekt „DVD-Regal durchschauen“ weiter und gucke mal wieder Finding Nemo. Will ich eigentlich schon seit Jahren, im Prinzip seit ich das Teilzeitkind kenne. Das fand aber als Kleinkind den Anfang zu gruselig und inzwischen mag es keine Animationsfilme mehr, also kam es nie dazu. Jedes Mal, wenn ich Clownfische sehe (letztes Jahr in Bergen, Dienstag im Zoo), denke ich daran, dass ich den Film wieder sehen will und heute mache ich es einfach.
Der ist gut gealtert, tatsächlich. Aber auf der großen Leinwand war er noch toller, damals. Ich habe den glaube ich zweimal im Kino gesehen, jedenfalls meine ich, dass ich ihn schon kannte, als ich meine beiden kleinen Cousinen damals ins Kino einlud. Die große Kleine wird dieser Tage 30, die kleine im Herbst 27. Damals war es für die Kleine einer ihrer ersten Kinobesuche, wenn nicht der erste und sie saß eigentlich die ganze Zeit über auf meinem Schoß, guckte fasziniert auf die Leinwand und riss den Arm hoch, als die Frage „Will hier noch jemand ein Eis?“ kam. Da hatten die beiden aber schon Sprite und Popcorn und wir konnten sie überreden, dass sie kein Eis braucht. Demnächst ist sie seit fünf Jahren verheiratet, wie die Zeit vergeht.
Das Wetter ist zwar morgens noch eher grau, aber ansonsten fühlt sich der Tag ferienhaft an. Kein Wecker, keine frühen Termine, erstmal ganz entspannt wach werden (wenn auch trotzdem sehr früh) und routiniert in den morgendlichen Reboot starten. Internet leer lesen, bloggen, nicht mit dem Liebsten telefonieren weil heute er im Zug sitzt, Französisch, Italienisch, Rätsel, Physio-Übungen (seit die neuen dazugekommen sind jetzt mit Yogamatte, mal gucken, ob ich die in den Urlaub mitnehme oder einfach auf die Campingplatzwiesen hoffe), Frühstück, Badewanne.
Müsli, Iced Matcha Latte ohne Extras, Crowdfarming-Pflaumen
Haare anföhnen und dann noch ein bisschen trocknen lassen, dann geht es los in die Stadt, denn Pläne habe ich ja trotzdem. Mit Tram und U-Bahn fahre ich zur Wohnung der Ellis, gucke nach der Post und den Pflanzen und empfange dann einen Cousin (Wo zaubert sie die nur immer alle her?? Das ist ja ein unerschöpflicher Quell an Cousins und Cousinen! True dat!), der dort mit Freundin und Kind das Wochenende über schläft. Freundin und Kind sind gerade anderweitig beschäftigt und kommen später nach, aber wir beziehen schonmal die Betten und gehen dann die Pelmeni-Bar ausprobieren, die vor einiger Zeit in der Straße aufgemacht hat. Wir essen allerdings (vegetarischen) Borscht und Wareniki und der Cousin berichtet von seinen Aufenthalten in Russland und der Ukraine.
Vegetarischer Borscht, gemischte Wareniki
Dann zeige ich dem Cousin noch die Buchhandlung im Aufbauhaus und laufe alleine weiter durch Kreuzberg und zurück nach Mitte.
Springbrunnen im ehemaligen Luisenkanal
Am Engelbecken kommt die Sonne endlich raus und dann setze ich mich da ins Gras, fange ein neues Buch an und beobachte nebenbei Blässhuhnküken (die erbärmlich rufend ihrer Mama hinterherschwimmen) und Schildkröten.
Engelbecken mit BlässhuhnkükenSich sonnende Schildkröten
Anderthalb Stunden und ein Liebstentelefonat später laufe ich weiter, über die Spree, am Yaam vorbei, den Streetfoodmarkt am Ostbahnhof entdeckend, und zur Wohnung von Brüderchen und Freundin. Fünf Altbaustockwerke weiter komme ich keuchend oben an und dann weihen wir den neuen Esstisch mit einem ordentlichen Aperitivo ein – der Spritz hat die doppelte Größe wie im Restaurant.
Aperol Spritz und Spezereien
Eine weitere Stunde später muss ich wieder los, denn ich bin um die Ecke zu meinem nächsten Timeleft-Dinner verabredet, heute wieder gemischtgeschlechtlich und damit überraschenderweise auch wieder mit höherem Altersdurchschnitt. Eine sehr angenehme Runde heute mit Menschen aus Portugal, Frankreich, Großbritannien und Niedersachsen. Wir reden natürlich wieder viel über das Leben in Berlin, das Leben als Expat in Deutschland, Arbeitnehmerrechte hier und da, Feiertage, Weltpolitik (die USA bekommen sehr viel Fett weg) und dann aber auch ganz viel einfach über gutes Essen, vergleichende Kulinarik in unseren Ländern und Restauranttips. Sehr gut zusammengesetzte Runde, Chapeau, Timeleft-Algorithmus! Die Nichtdeutschen sind auch sehr begeistert, dass sie eine Ossi und eine Wessi zugewürfelt bekommen haben, die sie mit ihren Fragen löchern können.
Schmorgurke mit Hirschschinken an neuen Kartoffeln und BirnenradlerRhabarberkuchen und Birnen-Riesling-Spritz
Um 22 Uhr macht der Außenbereich zu. Wir zahlen und spazieren weiter zum nächsten Späti, wo wir dann mit weiteren Getränken und einer Tüte Chips nochmal zwei Stunden draußen sitzen und erzählen. Erst gegen 23 Uhr muss ich mir eine Jacke überziehen.
Mango-Lime Cider und Salt & Vinegar Chips
Gegen Mitternacht drücken allen die Blasen und wir verabschieden uns. Ich fahre mit zwei Trams zurück in den Pberg, füttere zuhause noch die Katzen und liege Dreiviertel 1 in den Federn.
Der Wecker klingelt um 8 und quasi zeitgleich ruft der Liebste an, bevor er ins erste Meeting muss. Wir winken uns kurz verschlafen zu. Dann stehe ich auf, mache mir einen warmen Matcha Latte und beginne, das Internet leer zu lesen, bis um 8:30 mein Webinar beginnt. Anderthalb Stunden später kann ich fertig lesen und bloggen. Erst dann stehe ich auf und mache mir den Rest vom Frühstück – einen Bagel mit Spiegelei, Käse und Pflaumenchutney und die restlichen Crowdfarming-Pfirsiche, dazu Pfefferminztee mit Zitrone.
Dann Physioübungen, Duschen, Anziehen, Kram zusammenpacken und gegen 12 verlasse ich die Höhle und fahre mit Tram und S-Bahn zum Hauptbahnhof – dabei war ich doch gerade erst da! Heute aber steige ich selber in einen ICE und fahre nach Leipzig – am Friedhof mit dem Fräulein vorbei, das heute sechsten Todestag hat. Ich winke ihm zu.
Zwei Stunden nach Verlassen der Wohnung stehe ich im größten Sackbahnhof Europas, kurz danach steige ich in eine Straßenbahn und nochmal kurz danach sitze ich bei meinem Cousin am Tisch und esse ein vom gestrigen Kindergeburtstag übrig gebliebenes Stück Apfelkuchen. Dann schnappen wir uns die beiden kleinen Kinder und gehen nach draußen. Erst in die Galerie ein paar Häuser weiter, wo der Gurkenbrunnen bestückt werden muss.
Dann geht es in ein Café um die Ecke, wo es im Kellergeschoss des Hauses Kunst und vegane, glutenfreie Kuchen gibt. Wir lassen uns Espresso Tonics schmecken (die Erwachsenen) und testen drei verschiedene Kuchen – sehr lecker, schönes Ambiente, kann man wieder machen!
Um 16 Uhr öffnet die Galerie und ich bekomme quasi eine Privatführung der Exponate, die sich mit der Kolonialisierungsgeschichte der Lausitz, des Spreewalds und der Sorb*innen beschäftigt (noch bis 9. August im Kunsthaus Neu Deli und wohl dauerhaft auf Google Maps.)
Später gehen wir ganz in der Nähe in den originalen Schrebergarten und kehren dort in der Gaststätte ein (für den Biergarten selbst regnet es zu stark). Wir essen Schnitzel oder Nudeln und ich trinke Himbeerbrause.
Dann geht es mit sehr sehr vollen Bäuchen zurück in die Wohnung, wo bald noch weitere Familienmitglieder eintreffen, die heute einen Umzug erledigt haben und entsprechend geschafft und voller Geschichten von Möbeln, Waschmaschinen und Co. stecken. Die anwesenden Gen-Z-„Kinder“, die ich zuletzt gesehen habe, als sie noch richtige Kinder waren, sind ganz großartig und machen mir Hoffnung für die Zukunft.
Mirabellenzweig an Wohnzimmer
Wir sitzen und erzählen bis Dreiviertel 10, dann verabschieden sich die großen Kinder und ich und ich fahre mit der Straßenbahn zurück zum Sackbahnhof. Wieder anderthalb Stunden ICE, S-Bahn, Tram. Zweieinhalb Stunden von Haustür zu Haustür, das ist echt gut machbar. Halb 1 falle ich todmüde ins Bett, nach zwölfeinhalb Stunden Daytrippin‘.