Gestern noch den Sporttermin für heute abgesagt und den Tag dann nach dem morgendlichen Reboot und Kuchenfrühstück mit Rotlichtlampe und sanftem Yoga begonnen – es geht bergauf mit der Schulter. Trotzdem noch unsicher, ob ich es zu meinem Abendtermin schaffe, aber die Zweifel lassen über den Tag hin nach.
Statt Schreibtisch dann heute aber Sofa mit Füße hoch, auch da kann ich produktiv sein. Organisatorisches, ein bisschen Denksport, Recherchen und dann geht sogar noch ein Projekt nach draußen. Läuft. Zum späten Mittagessen gibt es Reste von Auberginen und Tsatsiki, dann dusche ich nochmal heiß, lese beim Haaretrocknenlassen weiter in Kairos und breche dann kurz nach 17 Uhr auf Richtung Mitte.
Dort habe ich noch ein wenig Zeit und erledige Einkäufe im Drogeriemarkt (Wo ich schon den rückenfreundlichen Rucksack dabei habe…) und dann geht es zum Networking-Event. Drei mal 20 Minuten wird an insgesamt fünf Tischen zu verschiedenen Themen diskutiert, danach gibt es Catering und freies Plaudern.
Ich nutze die Zeit neben dem Essen (Caprese-Wrap, Lachs-Avocado-Bagel, Buttermilchhühnchen in scharfer Tomatensauce, Salat mit Ziegenfrischkäse und Feigen…) und spreche nochmal ausführlicher mit ein paar Leuten, die ich in den drei Diskussionsrunden getroffen habe. Es wird dann direkt auf LinkedIn vernetzt und teilweise auf der Heimfahrt schon hin und her geschrieben.
Schon 20:30 ist das Event nämlich wieder vorbei und ich laufe zum x-ten Mal in der letzten Woche wieder durch den Bahnhof Friedrichstraße (auch das sonst nie so oft). Der kommt heute auch im Buch vor, das passt gut. Wieder zuhause ein kurzer Plausch mit der Mitbewohnerin, einen Gin Tonic mixen als Muskelrelaxans und dann geht es auf den immer noch warmen Balkon, weiterlesen.
Als das Getränk alle ist, ist es auch kühl. Noch eine Runde Rotlicht und dann geht es ab ins Bett.
Verrückt, jetzt ist der Schulter-/Rückenschmerz vom Sonntag zurück, nachdem er schon quasi vergessen war. Mitten in der Nacht weckt er mich und dann ist erstmal alles schwierig. Positionen finden, in denen es kurzzeitig geht, sich unter unterdrücktem Schreien in diese Positionen bewegen, zwischendurch von zwei Katzen bekuschelt, bekrallt und weiter räumlich eingeschränkt werden, diverse Versuche zur Schmerzlinderung (Ibuprofen innerlich, Voltaren äußerlich, Toilettengänge, Physio-Übungen, Massagekissen, Heizdecke unter das Bettlaken applizieren…) jeweils unter Schmerzen… Nach knapp zwei Stunden beginnen sie in der Gesamtheit zu wirken und ich kann nochmal ein bisschen einschlafen.
Iced Matcha Latte, Pflaumenkuchen, Aprikosen
Beim Aufwachen ist es besser, aber ich bleibe den ganzen Tag eingeschränkt. Ausführliche Physioübungen, mehr Ibuprofen, immer wieder dehnen, immer wieder Massagekissen… So komme ich irgendwie durch den Tag, vermeide aber alle nicht nötigen Anstrengungen. Ein frühmorgendliches Webinar klemme ich mir und werde mir später die Aufzeichnung anschauen. Später sitze ich aber doch am Schreibtisch und bin produktiv. Zwischendrin mache ich mir aus Crowdfarming-Gemüsen panierte Aubergine mit Tsatsiki – sehr lecker!
Danach versuche ich Mittagsschlaf, lese aber schmerzbedingt hauptsächlich in Jenny Erpenbecks Kairos und nicke nur zwischendurch mal kurz weg. Bisher liest es sich gut, wenn ich den Altersunterschied der Protagonist*innen ausblende, kann ich mich auch gut hineinfühlen. Mal gucken, was noch kommt.
Am späten Nachmittag mehr Schreibtischarbeit und nochmal zwei Webinare. Dann mixe ich mir einen Gin Tonic zur (körperlichen) Entspannung und gehe in den monatlichen Call mit meiner Mentorin, der gute Impulse gibt. Für die direkte Umsetzung bin ich aber zu unkonzentriert und kann auch langsam echt nicht mehr sitzen. Stattdessen geht es halb 10 in die heiße Badewanne, um 10 vor die Rotlichtlampe (Ergänzung zu den vorherigen Maßnahmen, ein Vorschlag der Mentorin – ich hatte ganz vergessen, dass ich eine habe…) und dann mit Buch ins Bett. Inzwischen geht es ein bisschen besser und ich kann ganz manierlich einschlafen, durch nicht, aber es gibt keine so furchtbare Phase wie letzte Nacht. Baby Steps…
Nach dem ersten Aufwachen kurz nach 6 nochmal ordentlich weggeratzt und dann erst nach 9 wach gewesen. Wie wundervoll das war! Möglicherweise hatte ich etwas Schlaf nachzuholen. Ausführlicher morgendlicher Reboot noch im Bett und aufstehen dementsprechend erst gegen 11. Manchmal ist es auch schön, Klischees zu entsprechen. Dann mache ich mir aber ganz unklischeehaft ein aufwendiges Frühstück und bereite aus Crowdfarming-Tomaten, -Paprika und -Chilis, einer Zwiebel, Knoblauch und einem Rest passata Shakshuka zu – mit zwei Eiern, TK-Koriander und einem Bagel. Dazu der letzte Joghurt, die letzte Moltebeerenmarmelade und ein grüner Tee.
Damit geht es dann direkt an den Schreibtisch, denn es ist kühl und regnerisch, was möglicherweise zum späten Wachwerden und Aufstehen beitrug. Ich erledige die notwendigen Dinge und nehme dann an einem ganz spannenden Webinar teil, das noch einige Nacharbeiten nach sich zieht.
Am späten Nachmittag zieht es mich dann nochmal aufs Sofa und ich lese Die Möglichkeit von Glück aus. Sehr viele Gedankenanstöße über die Beschaffenheit der ostdeutschen Seelen, auch wenn ich mir daraus keine allgemeingültigen Erklärungen für heutige Wahlergebnisse ableiten mag. Eher mal selbst reflektieren und abgleichen mit meinem Umfeld von damals, den Erzählungen und Erlebnissen. Bei einigem ahne ich schon, dass etwas dran ist, wenn auch nicht in der Vehemenz wie im Buch. Nunja, Denk- und Gesprächsstoff für die nächsten Wochen. Ich lege dann auch gleich noch die nächste Lektüre an und leihe mir Jenny Erpenbecks Kairos aus, das in meiner Blase sehr unterschiedlich besprochen wird, thematisch aber gut anschließt.
Das Loslesen muss ich aber verschieben, denn ich habe heute tatsächlich noch einen Termin im Draußen und muss mich also stadtfein machen und rechtzeitig das Haus verlassen. Sonst bin ich quasi nie in Neukölln und noch viel nier am Tempelhofer Feld, jetzt häufen sich die Male plötzlich. Ich bin ein bisschen zu früh am Treffpunkt und schaue also nochmal kurz auf dem Feld nach dem Rechten. Es ist gerade Regenpause und sofort wieder voll. Verstehe jetzt inzwischen die Leute, die jegliche Randbebauung ablehnen.
Um 19 Uhr dann Treffen mit einer Timeleft-Bekanntschaft von vor dem Urlaub. Wir setzen uns vor ein Bistro in ihrem Kiez, essen und trinken sehr gut und haben uns viel zu erzählen. Anders als letzte Woche in Kreuzberg taucht aber nicht gleich die halbe Nachbarschaft auf und verwickelt mich in Gespräche. Dafür gehen wir zu zweit sehr tief ins Detail und schmieden gegen Ende noch ordentlich Pläne. Ein schöner Abend!
Rote-Bete-Spätzle mit Walnüssen, Pfifferlingen und Babyspinat, Yuzu-Holunder-Spritz, später noch Ingwer-Tee
Gegen halb 11 wird es kühl, ich werde müde und der Rücken goutiert den Stuhl nicht mehr. Also fahre ich mit U-Bahn und Tram nach Hause, versorge die Katzen und mache mich bettfertig. Dann lade ich mir noch Tidal herunter und ziehe meine Musik von Spotify dahin um (mit nur sehr wenig Streuverlust, es fehlen am Ende fünf Songs von meinen 1611 Lieblingssongs, das werde ich verschmerzen können). Bis meine Premium-Mitgliedschaft bei Spotify abläuft, werde ich beides noch parallel nutzen, dann Spotify nur noch zum Hitster spielen und halt bei Bedarf, aber mit Werbung.
Gegen 6 klingelt der Wecker der Mitbewohnerin, gegen 7 verlässt sie das Haus, gegen 8 klingelt der Wecker des Besuchs und als sie eine halbe Stunde später los ins Büro fährt, bin ich auch schon aufgestanden für eine vernünftige Verabschiedung. Danach gibt es Matcha Latte und Pflaumenkuchen zum Balkonfrühstück und einen ausführlichen morgendlichen Reboot inklusive endlich wieder Physio-Übungen. Hinterher versetze ich die Wohnung nachbesuchlich wieder in ihren Originalzustand zurück und setze mich eine erste Runde an den Schreibtisch.
Gegen Mittag fahre ich hinüber zum alten Büro und gehe mit dem Besuch und drei anderen ehemaligen Kolleg*innen essen. Für mich gibt es ein Sushi-Menü und vietnamesischen Eistee mit unter anderem Pfirsich.
Dann geht es noch auf einen Kaffee hoch ins alte Büro, ein bisschen gucken, was sich seit dem letzten Mal verändert hat (nicht so wahnsinnig viel) und dann heißt es endgültig Abschied nehmen vom Besuch – für sie geht es nach Feierabend direkt zum Flughafen und nach Hause nach Madrid. Die anderen sehe ich bestimmt früher wieder, aber sie bekommen auch eine Verabschiedung. Dann fahre ich wieder zurück nach Hause und setze mich mit Limettenwasser und Nimbin wieder an den Schreibtisch.
Einigermaßen früher Feierabend heute, ich bin ein bisschen ausgelaugt von den vielen vielen Schritten und Worten der letzten Tage und gönne mir ein ausgiebiges Nachmittagsschläfchen mit beiden Katzen auf der Couch. Danach gibt es Tomatenbrot (südstaatlerisch mit Mayo), Pflaumen und Schokolade zum Abendbrot, außerdem ein von der Mitbewohnerin spendiertes Eis.
Den Rest des Abends vertiefe ich mich völlig in Anne Rabes Die Möglichkeit von Glück, das mich ganz schön mitnimmt und durchschüttelt. Ich lese es mit Noosa und dem Rest Federweißer (jetzt fast zuckerfrei) auf der Couch, später in der Badewanne und noch später im Bett. Eigentlich könnte ich es auch gleich ganz durchlesen, aber dann übermannt mich die Müdigkeit doch noch, bevor der Besuch gegen 1 in Madrid landet. Dann also morgen!
Puh, nachdem die letzten Tage ein wilder Ritt waren (und mich die Schulterschmerzen den Großteil der Nacht vom Schlafen abhielten), lassen wir den heiligen Sonntag wie es sich gehört ruhiger angehen – auf Berliner Art, versteht sich.
Als wir beide ausreichend wach sind (und nach dem morgendlichen Reboot bei mir, inkl. Voltaren äußerlich und Ibu innerlich), treffen der Besuch und ich uns auf eine Wostok-Limo auf dem Balkon – Estragon-Ingwer für mich, Tannenwald für sie. Dann machen wir uns tagfein und gehen fürs Frühstück hinunter ins Stammcafé. Es gibt Avocado-Bagels, Cookies (für mich Ingwer) und Iced Coffee Latte bzw. Heiße Schokolade. Außerdem viel Sonne, viel Atmen, viel Reden.
Nach dem Bezahlen laufen wir durch eine andere Ecke vom Kiez zur S-Bahn und fahren zum Treptower Park. Ein Getränk auf die Hand vom Kiosk und dann spazieren wir zum Sowjetischen Ehrenmahl.
Dann setzen wir uns ans Wasser, begucken Seerosen, Hausboote und eine arabische Geburtstagsfeier und ich erzähle dem Besuch von Kiezdeutsch, das mit viel wallah immer wieder zu uns herüberklingt.
Isch telefoniere noch kurz und dann gehen wir Ausflugsboot. (Ups, das war cringe von mir.) Am Pier treffen wir den Liebsten und dann geht es auf eine gut dreistündige Bootstour nach Osten, über Köpenick bis auf den Müggelsee und zurück, mit Schörlchen und Kuchen und weiterhin viel Sonne. Hinter uns erzählen sich zwei gesetzte Damen in tiefstem Berliner Dialekt von ihren Erfahrungen mit Dating-Apps und vergleichen Erlebnisse mit dem gleichen Mann.
Kurz nach 18 Uhr legen wir wieder an, verabschieden den Liebsten an der S-Bahn und fahren zurück auf den Balkon für einen Aperitivo mit weiter fermentiertem Federweißer.
Dann gibt es zum Abendbrot die Reste vom Flammkuchen und Before Sunset und Before Midnight – full circle moment. Dann geht es kurz nach 23 Uhr, im Vergleich zu den letzten Tagen also ungewöhnlich früh ins Bett, nach auch „nur“ 10.800 Schritten. Dafür mit Aloe Vera auf dem Sonnenbrand, der sich trotz Eincremen als zusätzliche Schmerzquelle auf meinen Schultern breitgemacht hat. Ich schlafe trotzdem erstaunlich gut.
Die Nacht ist länger als die letzte, das ist schonmal sehr super. Leider wache ich mit Schulterschmerzen auf, das ist viel weniger super. Ich knalle mir eine Ibu rein, um Schonhaltungen zu vermeiden und komme so eigentlich ganz gut durch den Tag. Nach dem morgendlichen Reboot steht erstmal ein typisch deutsches Frühstück auf dem Balkon auf dem Plan. Brötchen, Frühstücksei, man kennt das. Für den französischen Besuch hingegen ist das schon das erste touristische Erlebnis heute. Ergänzt wird das typisch Deutsche um südafrikanischen Rooibos-Cappuccino, Brunost und Moltebeerenmarmelade aus Norwegen und Blutorangenmarmelade aus Italien.
Nach dem Essen machen wir uns tagfein – heute ist wieder richtig Sommer – und laufen dann mit einer Wegmate für das richtige Berlin-Feeling los durch den Prenzlauer Berg. In der bayerischen Bäckerei gibt es zwei Brezn für später, dann geht es durch den Mauerpark und mitten ins Gewühl des Zug der Liebe, der heute stattfindet. Wir sind pünktlich zum offiziellen Startpunkt da, aber natürlich dauert es noch anderthalb Stunden, bis sich der Zug in Bewegung setzt. Bis dahin schauen wir uns ein bisschen die verschiedenen Wagen und das Publikum an, kaufen vielleicht letzte Beeren am Erdbeerhäuschen und bekommen Nachricht von indischen Freund*innen des Besuchs aus Dublin, die zufällig auch gerade in Berlin sind. Wir abreden uns für später.
Der Schöpfer und Organisator des Zug der Liebe ist ein ehemaliger Kollege (und Vorgesetzter) von mir. Kurz vor Beginn laufen wir uns über den Weg und quatschen kurz, aber er ist natürlich schwer beschäftigt und koordiniert nebenbei mit Polizei, Sanitätern und den verschiedenen Wagenfahrer*innen. Dann setzt sich der Zug langsam in Bewegung und wir uns mit ihm. Elektronische Musik ist ja nicht so meins, aber es ist ja für diverse gute Zwecke, außerdem unterstütze ich einen Freund und kann dem Besuch ein bisschen von der Berliner Clubkultur zeigen.
Wir laufen/tanzen hinter drei verschiedenen Wagen die Danziger Straße hinunter, aber dann drängt langsam die Zeit und wir biegen in den vergleichsweise sehr ruhigen Kollwitzkiez ab. Der Markt am Kollwitzkiez ist am Nachmittag viel entspannter als am Vormittag, ich bin ganz überrascht. Wir können ganz gemütlich an den Ständen entlangschlendern und der Besuch kauft sich an einem Stand eine Auswahl veganer Lakritzsorten. Dann geht es weiter zum Wasserturm, wo wir eine kleine Rast im Park einlegen, unsere Füße ins Gras halten und Lakritze (sie) bzw. Brezn naschen.
Dann melden sich die Freund*innen aus Dublin wieder, ihre Sightseeing-Tour hat am Checkpoint Charlie geendet, und ich lotse sie in ein Eiskaffee am Gendarmenmarkt, wohin wir jetzt mit der U-Bahn aufbrechen. Wir kommen zeitgleich dort an und auch gleichzeitig mit ein paar unangekündigten Regentropfen. Wir essen Eis (Walnuss-Feige/Ananas) und erzählen. Danach geht es zu viert weiter, durch die historische Mitte, über den Schlossplatz, zum Hackeschen Markt und ins Scheunenviertel.
Gegen 7 liefern wir die Beiden an einem deutschen Restaurant ab und fahren weiter zu unserem nächsten Programmpunkt. Lange Nacht der Museen ist heute nämlich auch. Mit zwei S-Bahnen geht’s zum Potsdamer Platz. Hier snacken wir an einem der Marktstände ein paar Arepas und wollen dann den Bus nehmen. Der fährt aber einfach an der Haltestelle vorbei, also laufen wir eben zu Fuß weiter nach Schöneberg.
Dort gehen wir zunächst ins Schwule Museum und lernen einiges über LGBTQIA+-Geschichte in Deutschland, unter anderem über die Zeit des Nationalsozialismus und über lesbische Hausbesetzerinnen im Berlin der 70er und 80er Jahre. Es gibt auch eine Sonderausstellung zur Geschichte in der Ukraine von früher bis heute. Sehr interessant.
Als Nächstes sind wir mit dem Liebsten zum Abendbrot verabredet – in einem deutschen Restaurant in der Nähe. Was wir vorher nicht wussten: Aktuell findet in Berlin auch die Folsom Europe statt. Die Straßen und auch das Restaurant selbst sind voll von überwiegend Männern in Lack-, Leder-, Bondage- oder Furry-Aufmachung. Das ist noch ein bisschen mehr Schöneberg, als ich dem Besuch vorausgesagt hatte. Für 21 Uhr haben wir erst einen Tisch bekommen, jetzt wissen wir auch, wieso. Es ist immer noch warm genug, um draußen zu sitzen. Der Liebste ist kurz nach uns da, trifft den Besuch zum ersten Mal und dann erzählen wir und genießen Pfifferlingscremesuppe und Wiener Schnitzel bzw. Königsberger Klopse, Wein(-schorle) und Bier während um uns herum die Luzie abgeht. Perfektes Timing.
Gegen 11 legt man uns die Rechnung auf den Tisch – der Außenbereich muss jetzt schließen. Wir sind aber eh satt und zufrieden. Der Liebste fährt zurück nach Südberlin (wir sehen uns morgen wieder) und wir laufen weiter zum Nollendorfplatz und dort zum Urban Art Museum. Hier gibt es jede Menge Street und Wall Art, Graffiti, Stencils, Pastings, Sticker etc. und in den oberen Stockwerken kann man heute exklusiv noch einiges an Konzeptkunst sehen und die Künstler*innen kennenlernen.
Wir verbringen etwa eine Stunde im Museum, dann ist die Luft endgültig raus und wir fahren mit zwei U-Bahnen und Tram zurück nach Hause. Gegen halb 2 fallen wir in unsere Betten, nach über 20 Kilometern und über 28.000 Schritten.
Die Katzen und ich schlafen ganz gut auf der Ausklappcouch, aber es ist doch alles sehr aufregend und daher eine kurze und gestückelte Nacht. Kurz vor 8 ist sie vorbei und da sitzt der Besuch sogar schon mit Tee an meinem Schreibtisch und arbeitet. Ich mache mir einen Matcha Latte (Kuhmilch, die ich für den Kuchen gekauft hatte) und taue auf dem Balkon beim morgendlichen Reboot langsam auf.
Gegen 10 gibt es dann gemeinsames Balkonfrühstück mit Pflaumenkuchen und jeder Menge Obst. Der Besuch geht danach zurück an die Arbeit, ich mache mich tagfein, klappe das Sofa zurück, winke durch den Besuchslaptop einmal nach Dublin zu einer ehemaligen Kollegin und setze mich dann mit dem eigenen Laptop aufs Sofa. Gegen 14 Uhr macht der Besuch Feierabend und überreicht mir dann erstmal meine Mitbringsel aus Madrid – yummy!
Dann brechen wir auf ins Berlin-Abenteuer. Wir nehmen die Tram zum Alex und die U-Bahn zu meinen Ellis. Erst die Pflicht (Post und Blumen), dann die Kür. Wir laufen hinüber in den Westen (nach Kreuzberg), die Oranienstraße entlang bis zum Kotti, dann die Skalitzer bis zum Lausitzer Platz. Ein kurzer Rundgang durch die Markthalle, die am Nachmittag erstaunlich leer ist und dann erstmal lecker Gözleme mit Spinat und Käse und hausgemachter Zitronenlimo.
Hinterher geht es durch den Görli und Kreuzkölln, ein bisschen am Kanal entlang und dann rüber nach Neukölln. Erst den hipsterigen Teil, dann den arabischen.
In einem Café in der Karl-Marx-Straße gönnen wir den Füßen eine Pause, schlürfen Anis- bzw. Kardamomtee und gucken arabische Musikvideos an.
Dann wird es wieder hipsteriger – wir laufen zum Tempelhofer Feld, holen uns zwischendurch ein Eis (für mich Weiße Schokolade-Mandel-Kokos und Maracuja), hören einer Weile einer brasilianischen Straßenmusikerin zu und spazieren dann einmal quer über das Feld bis nach Tempelhof – zwischendurch kommt endlich die Sonne raus.
Drüben angekommen steigen wir in die U-Bahn zurück nach Mitte, am Alex in die Tram. Zurück im Pberg noch kurz in den Supermarkt für Frühstücksdinge für morgen. Kurz vor 21 Uhr sind wir wieder zuhause, basteln uns einen Flammkuchen mit Crème fraîche, Crowdfarming-Gemüse und wokem Käse und dann sitzen wir mit Flammkuchen und Federweißer gegen halb 10 beim Abendessen – spanische Verhältnisse!
Hinterher gibt es noch Before Sunrise, den der Besuch noch nicht kennt, der aber perfekt zum Tag des Laufens (16,9 km!) und Redens passt. Gegen Mitternacht fallen uns die Augen zu und es geht in die Heia.
Der Tag fängt ganz typisch an, regelmäßige Blogleser*innen können es bestimmt alles auswendig herunterbeten. Frühstück dann drinnen, es gibt Bagel mit Blutorangen- und Sauerkirschmarmelade, Pfirsich, Feige, Kaktusfeige, Mirabellen und Kaffee mit Kakao und Hafermilch.
Drinnen, weil heute draußen die Welt untergeht. Ich schaue immer mal wieder ob zufällig irgendwo Bill Kaulitz durch den Monsun schwimmt. Ansonsten habe ich aber drinnen volles Programm. Erst die üblichen täglichen Recherchen und Korrespondenzen, dann backe ich einen Pflaumenkuchen und als der im Ofen ist geht die Putzerei los – auf den Ohren dabei durchgängig die Jahrestage.
Probiere die neue Schmetterlingsschnitt-Methode aus, die Mama mir gezeigt hat
Die Intensivputzerei habe ich mir für heute aufgehoben, damit alles noch schön frisch ist, wenn nachher der Besuch aus Madrid ankommt. Neben den üblichen Verrichtungen inkludiert das heute auch Balkon aufräumen und schön machen, Schlaf- und Arbeitszimmer besuchsfein machen und Wohnzimmer so umräumen, dass ich da vier Nächte Hausen kann. Zwischendurch kommt auch noch eine Flaschenpost-Lieferung, der Großteil der Kästen ist leer und volle sind einfach dekorativer. 😉
Zwischendurch gibt es zwei Pausen mit Pflaumenkuchen und dann muss ich mir auch schon überlegen, was ich heute zum Sommerfest des Berufsverbands anziehe, der in einem Innenhof stattfinden soll. Es regnet immer wieder in Strömen. Ich entscheide mich für farbenfrohe, aber heimlich warme Kleidung und ziehe einen Festival-Regenponcho für den Weg über. Dann laufe ich zur Tram, fahre nach Mitte und laufe zur Location. Kaum angekommen stellt sich heraus, dass die Veranstaltung nach drinnen verlegt wurde. Ich muss schnell meinen Blazer ausziehen, mir ist auch so schon zu warm.
Ich unterhalte mich mit drei Menschen intensiver, tausche mit zweien Kontaktdaten aus, smalltalke mit bereits Bekannten, posiere für ein Gruppenfoto, esse leckeres Catering und trinke eine Limo nach der anderen (inkl. eine Cola), um wach und fit zu bleiben, denn der Abend wird noch lang. Zwischendurch kommen Nachrichten aus Madrid, erst von verspätetem Flugzeug, dann vom Boarding.
Gegen halb 10 löst sich das Fest auf. Gemeinsam mit einigen anderen Hartgesottenen trage ich übriggebliebene Burger (Beef, Chicken und Falafel) durch die Stadt und biete sie kostenlos feil. Eine offensichtlich bedürftige Person ist leider nicht ansprechbar genug, um etwas zu essen anzunehmen (schon wach, aber in ihrer eigenen Welt), wir haben eher bei Gruppen von Jugendlichen in Feierlaune Glück und bei einem Straßenmusiker, der auf dem Heimweg von der Schicht ist und uns direkt noch in seine SoundCloud einlädt.
An der Friedrichstraße verabschiede ich mich von den anderen und steige in die Regionalbahn zum Flughafen. Punkt 23 Uhr bin ich an der Ankunft, aber der Flug ist ja verspätet. Genug Zeit, um sich umzuschauen, Leute zu beobachten (Love actually is all around) und darüber nachzudenken, dass ich erst zum dritten Mal am neuen Flughafen bin. Einmal nach Andalusien, einmal nach Venedig. Die Kanada-Reisen begannen alle mit einer Zugfahrt nach Frankfurt. Als ich noch mehr geflogen bin gab es noch Tegel und Schönefeld. Alles neu also immer noch.
Kurz nach halb 12 landet der Besuch, aber bis sie dann endlich aus der Tür kommt ist es fast Mitternacht. Wir laufen zurück ins Terminal mit dem Bahnhof und steigen in die nächste S-Bahn. Schnellere Züge fahren um die Zeit nicht mehr. Wir haben uns aber viel zu erzählen und so ist es ganz OK, dass wir über eine Stunde unterwegs sind – mit Umsteigen am Treptower Park und am Ende nochmal 15 Minuten laufen, weil die Bahn ja nicht bis zu mir durchfährt. Kurze Tour durch die Wohnung noch und dann liegen wir gegen halb 2 in unseren respektiven Betten.
Aufwachen im Liebstenbett kurz vor dem Liebstenwecker. Kurz nach dem Liebstenwecker habe ich einen Kaffee in der Hand und dann scrollen wir gemeinschaftlich durch die Timelines. Eine halbe Stunde später stehe ich auf, mache mich fertig, trinke einen O-Saft und esse ein Schokomüsli. Nochmal eine halbe Stunde später drücke ich dem aufstehenden und an die Arbeit gehenden Liebsten einen Kuss auf den Mund und gehe los zum Fitti.
Nochmal eine halbe Stunde später gleite ich pünktlich um 9 ins Poolwasser und treibe 50 Minuten intensiv Sport. Am Anfang noch extra motiviert, weil beim Aufwärmen die Handvoll U60-jährigen naturgemäß im Becken deutlich agiler und fitter wirken als der Rest. Dann aber geht es ans Krafttraining und Balanceübungen und da sehe ich dann genauso alt aus, wie der Rest. Tut trotzdem gut und der limitierende Faktor ist nur noch die Schulter, nicht der Fuß. Hinterher wechsle ich nahtlos für eine Viertelstunde ins Dampfbad und atme einfach. Dann Ruheraum.
Hier blogge ich und erledige ein wenig Korrespondenz – der Tag ist noch so frisch, ich brauche noch keine meditative Erholung. Danach nochmal kurz in die sehr heiße Sauna auf deren riesiger Fernseher Aufnahmen an Stränden in Island angespielt werden, was zumindest innerlich vor Überhitzung schützt. Äußerlich schwitze ich sehr schnell und da ich heute noch viel vor habe, mache ich die Viertelstunde nicht voll, sondern gehe kalt duschen und dann noch mal kurz ruhen. Dann aber richtig duschen, anziehen und raus in die Welt, die inzwischen richtig warm geworden ist. Mit U- und S-Bahn geht es nach Hause in den Pberg. Auf dem Weg die täglichen Rätsel und schon in Neukölln wähle ich mich dann in ein Webinar ein. Interessanterweise heute mit der Vorsitzenden der Partei, für die ich Mitgliedsbeiträge zahle. Die „kenne“ ich bisher nur aus Zoom Calls mit hunderten Menschen, heute sind wir weniger als 40 und es ist nicht im Parteikontext. Gleich ganz andere Atmosphäre. Da ich unterwegs bin, höre ich trotzdem nur zu und beteilige mich nicht an der Diskussion. Beim Zuhören laufe ich von der S-Bahn nach Hause, mache mir dann einen großen Mittagessenteller und verspeise den Inhalt auf dem Balkon.
Woker Käse und veganes Hähnchen!
Nach dem Webinar ist es Zeit für die täglichen Französisch- und Italienisch-Lektionen. Danach hole ich mir den Laptop auf den Balkon (muss ihn erst unter Tech-Influencerin Noosa hervorziehen) und tue Arbeitsdinge bei Sonnenschein.
Später geht es nochmal eine Runde in den Supermarkt, ein paar Zutaten für kulinarische Vorhaben der nächsten Tage kaufen, vorsorglich jetzt, weil gerade Zeit ist. Um 16:30 gibt es ein präventives Ramen-Süppchen, da ich um 18 Uhr in einer Bar in Kreuzberg verabredet bin und es dort nichts zu essen gibt. Um 17 Uhr muss ich auch schon wieder los – die gegenwärtigen Bauarbeiten allüberall erfordern Umwege. Ich bin dann allerdings doch etwas früher vor Ort als erwartet vor Ort, gönne mir zur Sicherheit noch ein Eis – Pistazie/Bitterorange und streite mich mit mehreren Wespen, wer mehr kriegt – ich gewinne.
Um 18 Uhr dann zur Bar. Meine Bekannte (vom vorletzten Timeleft-Dinner) fragt, ob wir nicht doch was essen wollen und so laufen wir dann einmal um die Ecke in ihre Straße (die auch die ehemalige Straße des Liebsten ist, aus Zeiten vor dem Teilzeitkind) und setzen uns vor ein griechisches Bistro zwei Häuser neben das, in dem der Liebste gewohnt hat. Es gibt Meze und alkoholfreies (italienisches) Bier.
Seit wir in die Straße eingebogen sind, trifft die Bekannte auf Schritt und Tritt Nachbar*innen und wird in Gespräche verwickelt. Nachdem wir sitzen bleiben regelmäßig Passant*innen stehen auf einen Schwatz. Der Besitzer des Bistros scheint der Nukleus der sozialen Verknüpfungen im Kiez zu sein. Hier kommen alle vorbei, hier kennen und duzen sich alle. Man weiß, wer wo wohnt, wer wo arbeitet, wessen Auto wo steht und wer gerade mit wem oder eben nicht mehr. Sehr gemütlich und doch ein bisschen sehr anders als in meinem Kiez. Wobei wir auch einen Nukleus haben, ich muss wohl öfter ins Stammcafé. Der Unterschied ist vermutlich, dass das 19 Uhr zu macht und es dort auch keinen Alkohol gibt. Und hier in Kreuzberg ist alles voller Läden, Gastro, Spätis… Bei mir wird vornehmlich gewohnt.
Wir wechseln vom alkoholfreien Bier zum griechischen Wein und bekommen Oregano-Chips hingestellt und dann setzt sich eine Nachbarin zu uns mit der sich sofort lauter Gemeinsamkeiten auftun – zack, sind wir für den Rest des Abends zu dritt. Später setzt sich auch der Bistrobesitzer zu uns, jemand anders schenkt uns leckere Birnen aus dem Garten, wir plaudern und flachsen… Ich lerne, dass ich als keltischer Baum eine Birke wäre [Edit: Nein, ein Feigenbaum!] und muss mir irgendwann einen Hoodie überziehen, aber dann ist es noch bis spät abends sehr gemütlich.
Gegen halb 11 breche ich dann ganz beseelt auf, der Rückweg ist ja noch lang. Ich laufe die Straße ganz herunter, vorbei an dem Haus, in dem ich mir vor 17 Jahren mal eine Wohnung angesehen habe – mein Leben wäre ja völlig anders verlaufen! Dann spaziere ich hinüber nach Friedrichshain, fahre mit der Partytram zurück in den Pberg und laufe dort das letzte Stück nach Hause, was exakt so lange dauert, wie wenn ich auf die Anschlusstram gewartet hätte. Um Mitternacht falle ich nach über 18.000 Schritten zufrieden ins Bett.
Das Wichtigste zuerst: Jetzt ist wieder Sommer, das Frühstück gibt’s auf dem Balkon! Mit Matcha Latte (warm), Müsli mit Joghurt und Moltebeerenmarmelade, Pfirsich, Feige, Kaktusfeige. Diese ist viel süßer und aromatischer als die rote gestern. Mal sehen, was der Rest zu bieten hat.
Vor dem Frühstück gab’s schon Internet leer lesen, mit dem Liebsten telefonieren und Bloggen im Bett, nach dem Frühstück Französisch, Italienisch, Physio-Übungen. Ich mache mir außerdem Ingwer-Zitronen-Wasser zur weiteren Erkältungsvirenbekämpfung (noch sind sie da…) und sitze dann pünktlich zum heutigen Webinar am Schreibtisch. Das ist sehr inspirierend und führt schon währenddessen aber vor allem danach zu allerlei Aktivitäten und Nacharbeiten. Es werden Termine gemacht. Außerdem die üblichen Recherchen und Korrespondenzen. Der Mittagshunger unterbricht mich, es gibt restliche Gnocchi alla Sorrentina noch am Schreibtisch.
Am Nachmittag trifft die Crowdfarming-Gemüsekiste ein, leider ohne den angekündigten Mais, dafür mit angedetschter Gurke. Ansonsten aber alles super – evtl. gibts für den französischen Besuch am Wochenende Ratatouille? Und ich muss noch überlegen, was ich mit so vielen frischen Chilis mache, deren Schärfe ich nicht einschätzen kann. Evtl. doch erst mal im Ofen trocknen und dann ggf. besser portionieren können? Die zwei Chilis von der Cousinenpflanze sind ja auch noch da und reifen fleißig weiter… Tipps sind willkommen!
Kurz vor 18 Uhr dann Aufbruch nach Südberlin. Der Himmel sieht speziell aus, die darunter stehende S-Bahn ist symptomatisch für die Nahverkehrssituation in der Stadt. Meine nächstgelegene S-Bahn-Station ist Teil von Baumaßnahmen, ich laufe jetzt also immer 15 Minuten zur nächsten, fahre andersherum zum Liebsten und auch dabei fährt heute nix regelmäßig, weil es woanders auf der Strecke eine Signalstörung gibt.
Erstaunlicherweise bin ich trotzdem um 19 Uhr da, ein guter Zeitpunkt, eine Flasche Wein aufzumachen. Die steht schon eine ganze Weile da, wir nehmen nämlich die älteste vorhandene, die erfreulich gut schmeckt und vermutlich ein Geschenk war – ich kaufe ja sonst eigentlich nur italienischen.
Passend zum Wein brät der Liebste ein Stück Kuh und diverses Gemüse und nebenbei haben wir uns einiges zu erzählen.
Nach dem Essen geht es auf die Couch für eine Folge Étoile. Wir haben ja schon vor Monaten angefangen, das nochmal gemeinsam zu gucken, sind aber erst bei Folge 3. Man kommt ja zu nix. Wirklich schade, dass die Serie nach nur einer Staffel abgesetzt wurde, ähnlich wie bei Bunheads. Aber war wohl zu teuer… Gegen 23 Uhr geht’s dann schon ins Bett, denn morgen klingelt der Wecker früh.