22.09.2025 – Schniefberieselung

Ich erwache kurz vor dem Weckerklingeln, nicht durch Katzen sondern durch Halsweh. Verdammte Axt, jetzt hat das viele Ausruhen gestern wohl bewirkt, dass die Erkältung aufholen konnte, vor der ich die letzten Wochen über weggelaufen bin. Aufstehen muss ich aber trotzdem, weil Außentermin.

Nach nur halbem morgendlichen Reboot und ohne Frühstück verlasse ich bald darauf die Wohnung, fahre zum Alex, kaufe mir was beim Bäcker und fahre weiter zu den Ellis. Hier Post und Blumen, dann Tee kochen, Franzbrötchen frühstücken, Französisch und Italienisch machen und nebenbei auf den Handwerker warten, der die Rauchmelder austauscht.

Earl Grey, Inuit-Tasse auf Schach-Tisch, dazu Franzbrötchen

Als der wieder weg ist, trinke ich noch den Tee aus und mache mich dann auf den Heimweg. Ursprünglich hatte ich meinen Laptop dabei und überlegt, die Gelegenheit für eine Art Bürotag zu nutzen, aber zu den Halsschmerzen fängt jetzt auch noch die Nase an zu laufen. Ich sage meine Kino-Verabredung für abends ab und fahre mit Umweg über Asiamarkt und Supermarkt nach Hause, koche mir Ingwer-Thymian-Tee, friere entsteinte Pflaumen für winterliche Gelüste ein und setze mich dann mit Schnittchenteller an den heimischen Schreibtisch.

Die Zitrussaison beginnt mit Satsumas!

Ein Weilchen arbeite ich noch, aber am mittleren Nachmittag streiche ich die Segel und lege mich wieder ins Bett. Erst gucke ich die gestrige Folge von John Oliver (über Jimmy Kimmel und Bernd das Brot), aber dann ist auch Schluss mit ernsthaftem Input. Mal auf den Körper hören und so. Der schnieft vor sich hin und das Gehirn verlangt nach seichter Berieselung. Nichts leichter als das, dafür gibt es ja Streamingdienste.

My Life with the Walter Boys und die neue Staffel With Love, Meghan bringen genau die richtige Portion harmlos-herzig für den Hintergrund, während ich im Vordergrund fleißig Rätsel löse und dann ein neues Handyspiel ausprobiere. Dabei muss man anhand von ein paar Hinweisen und mit viel Logik Figuren den richtigen Positionen in Stammbäumen zuordnen. (A ist die Großmutter von B, aber sie sind nicht blutsverwandt. Bs Onkel hat eine Krankenschwester geheiratet, deren Schwager der Bruder von C ist, dessen Enkel D genau wie seine Mutter E eine Brille braucht. So in etwa.)

Mittendrin mache ich mir zum Abendbrot einen Rest Crowdfarming-Butternut und eine kleine Crowdfarming-Süßkartoffel als Ofengemüse, dazu den Rest Baba Ghanoush, Radieschen und Crowdfarming-Gurke. Soll keiner sagen, ich würde die Erkältung nicht mit gesunder Ernährung bekämpfen!

21.09.2025 – Hauptamtlich Liegen

Der große und von langer Hand vorbereitete Plan für heute: Liegen. Klappt mit kurzen Unterbrechungen sehr gut. Erst schlafe ich bis nach 9 Uhr, dann kommt der Großteil des morgendlichen Reboots noch im Bett. Zwischendrin fällt mir aber auf, dass der letzte Sommertag heute schon am Nachmittag enden wird, also verlege ich mein Liegen dann recht bald in den Liegestuhl auf dem Balkon und mache mir vorher noch Frühstück.

Großer Iced Matcha Hafer-Latte, Obstteller mit Apfel und Birne aus dem Innenhof, Crowdfarming-Trauben und Supermarkt-Feige. Daneben trocknen Crowdfarming-Chilis in der Sonne.

Weiterer Reboot und Liebstentelefonat, dann hole ich mir meinen Sonnenhut und meinen E-Reader, trinke eine Estragon-Ingwer-Limonade und lese weiter in Sigrid Undsets Kristin Lavranstochter. Gegen 12 brauche ich festere Nahrung und mache mir einen Schnittchenteller.

Tomate und Gurke von Crowdfarming, Radieschen aus dem Supermarkt, genau wie Brot und Butter. Drei Sorten Aufschnitt und Manchego aus Madrid, Brunost aus Norwegen

Irgendwann zwischen 14 und 15 Uhr kommt dann Wind auf und die Sonne ist um die Hausecke rum. Da jetzt auch noch Regen angesagt ist und mir sowieso die Augen zufallen, liege ich im Bett weiter. Vorher kommen die Chilis, die jetzt definitiv draußen nicht mehr weiter trocknen werden, in den Backofen. Ich lese noch ein bisschen, dann tiefer Mittagsschlaf.

Als ich wieder aufwache, lese ich noch ein bisschen weiter und wechsle dann das Medium. Morgens beim Feedreader lesen bin ich auf die Miniserie Miss Austen aufmerksam geworden, die gerade in der arte-Mediathek ist. Die gucke ich jetzt einfach durch, das passt sehr gut zum Liegen, es sind tolle Schauspielerinnen (vor allem Frauen nämlich) am Start und jetzt muss ich natürlich noch herausfinden, wie nah an der Wahrheit die Serie ist. Das ist natürlich schwer, denn es geht in der Serie auch darum, wie Zeitdokumente zu Jane Austens Leben aus Gründen abhanden kommen, vielleicht also alles nur Spekulation…

Zwischen Folge zwei und drei mache ich mir Abendbrot. Ein Teil des Baba Ghanoush aus Crowdfarming-Auberginen von Donnerstag wird zur Sauce für Pasta, getoppt mit Feta, Crowdfarming-Granatapfelkernen und Crowdfarming-Pistazien – sehr lecker, sehr mediterran, wenn auch nicht „länderrein“.

Nach vier Folgen viktorianisches England darf es dann nochmal etwas seichteres sein. Wednesday ist mir für heute zu düster, aber die neue Staffel von My Life with the Walter Boys ist da und das hittet quasi den Spot. Gegen 22 Uhr dann Chilis aus dem Ofen holen, Badewanne einlassen und plantschen. Bettruhe kurz nach 23 Uhr.

20.09.2025 – Auf der Koffeinwelle reitend

Ich hatte ja gehofft, mehr schlafen zu können als letzte Nacht, aber Noosa wollte mich halb 5 wecken und dann bin ich erstmal zweieinhalb Stunden damit beschäftigt, geeignete Schlafpositionen zu finden, werde dabei aber immer wieder von der kleinen Schnurr- und Krallmaschine gestört. Nimbin schläft derweil ruhig zu meinen Füßen, übernimmt aber zwischendurch, wenn seine Schwester doch mal eine Pause braucht. Um 7 gebe ich auf, denn in einer halben Stunde klingelt eh der Wecker. Bis dahin habe ich schon das Internet leer gelesen und gebloggt. Dann Französisch, Italienisch, Rätsel und schon ist Aufstehzeit. Ab jetzt ist alles auf Wachbleiben ausgelegt, denn der Tag wird lang und anstrengend.

Nach dem Duschen, Anziehen, Packen und Katzenfüttern gibt es zum schnellen Frühstück Aspirin Complex und einen Rest Dubai-Schokolade – Koffein, Zucker und leicht angeschlagen fühle ich mich auch, mein Verdauungsapparat schläft aber noch. Um 9 verlasse ich die Wohnung und fahre mit der S-Bahn nach Friedrichshain, wo sich in einem woken Coworking Space 27 Menschen für ein siebenstündiges Präsenz-Seminar versammeln. Auf dem Weg hole ich mir noch ein pastel de nata für etwas Substanz im Magen.

Bei Ankunft gibt es dann erstmal einen starken Kaffee und ein etwas Obst, bevor wir uns draußen in der Sonne ein bisschen kennenlernen. Drei Teilnehmerinnen kenne ich schon recht gut von anderen Veranstaltungen, einige andere vom Sehen, der Rest ist neu. Das Seminar wechselt zwischen kurzen Vortragseinheiten und praktischen (Gruppen-Übungen) hin und her. Also viel Bewegung, viel Gespräch, viel Austausch. Mitte des Vormittags brauche ich die nächste Cola. Zum Mittag holen wir uns dann im Supermarkt nebenan Salate und danach gibt es den nächsten Kaffee und ein bisschen Schokolade.

Nach Seminarende fahre ich mit S- und U-Bahn nach Kreuzberg und laufe dann 20 Minuten weiter nach Neukölln und aufs Tempelhofer Feld. An diesem letzten kompletten heißen Sommertag ziehen überall Grillrauchschwaden über das Gelände – sieht in echt noch bedrohlicher aus als auf dem Foto.

Ich kaufe mir an einem Stand eine Butterbrezel und eine Mate und suche mir meine Bezugsgruppe. 18 ehemalige Kolleg*innen plus zwei daraus entstandene Kinder haben sich auf Picknickdecken versammelt und viel zu erzählen. Viele davon habe ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen, bei einigen war es zuletzt in Pandemiezeiten, einige vor erst zwei oder drei Jahren auf einer Trauerfeier. Es werden zwei sehr schöne Stunden, dann muss ich schon wieder los. Mit zwei U-Bahnen geht es von Neukölln zurück nach Kreuzberg. An einem Dönerladen in der Straße, wo ich neulich saß, hole ich mir eine Halloumi-Box mit Pommes und bekomme noch einen Mozzarella-Stick geschenkt. Dann gehe ich in die ehemalige WG des Liebsten und trinke mit seinem ehemaligen Mitbewohner einen Espresso, bis der Liebste auch ankommt. Zu dritt geht es dann zu Fuß hinüber nach Friedrichshain und dann mit der Partytram noch ein Stück nach Norden.

Hier feiert in einem Club der beste Freund des Liebsten seinen 50. Geburtstag. Seine Eltern und Schwiegereltern sind da, seine Kinder auch, und dazwischen jede Menge Freund*innen aus den Jahren dazwischen und von heute. Das Geburtstagskind trägt pinkes Basecap, buntes T-Shirt, skinny Jeans und orangene Sneaker und pustet bunte Seifenblasen durch die Gegend. Und es wirkt kein bisschen albern! So geht 50. Bis 22 Uhr stehen wir draußen, es ist immer noch warm, danach geht es rein.

Ich bin schon völlig platt, schaffe es dann aber nach einem Bier sogar noch für einen Song (Emininem – Without Me) auf die Tanzfläche. Ansonsten ist viel Erzählens, hier sind lauter Menschen, mit denen der Liebste zur Schule gegangen und aufgewachsen ist. Ich hingegen würde mich wundern, wenn zu meinem 50. mehr als zwei ehemalige Schulkamerad*innen auftauchen. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit…

Gegen halb 12 gehen bei mir langsam die Lichter aus. Ich verabschiede mich vom Liebsten, winke den anderen und fahre mit U-Bahn und Tram nach Hause. Gegen halb 1 liege ich wieder im Bett, Nimbin zu meinen Füßen und neben meinem Gesicht bringt sich Noosa schon mal in Stellung…

19.09.2025 – Voller Freitag

Heute weckt mich Noosa erst halb 7, das sind ja quasi paradiesische Zustände, wenn wir nicht erst halb 1 ins Bett gegangen wären und ich dann noch lange wachgelegen hätte. Ich habe Zeit mich zu sortieren, bis um 7 der Wecker klingelt und ich Kaffee für den Liebsten und mich koche. Wir liegen und schlürfen und zeigen uns mit möglichst wenig Sprechen die Geschehnisse der Welt auf unseren Telefon-Displays. Dann muss der Liebste auch schon los und ich blogge zumindest noch, bevor ich aufstehe. Kamerafein machen, Katzen füttern, Rest Kaffee und Obstteller fürs Frühstück anrichten und dann geht’s hinein ins Online-Barcamp.

Knapp drei intensive Stunden mit über 400 Teilnehmenden aus NGOs und anderen Institutionen und über 60 Sessions dazu, wie man KI für Gutes verwenden kann. Es gibt viel zu Ethik, Nachhaltigem und Rechtlichem, ich habe mir aber zwei eher praktische Sessions herausgepickt, mit Anwendungsbeispielen für den (Arbeits-)Alltag, die über das normale Prompten in LLMs hinausgehen. Davon ab nehme ich vor allem den Appell mit: Ja, KI ist in vielerlei Hinsicht ambivalent zu betrachten, aber wir werden a) nicht umhin kommen, zu lernen, damit umzugehen und b) autoritäre Kräfte nutzen sie und um da gegenhalten zu können, müssen wir „Waffengleichheit“ schaffen. Wir als Zivilgesellschaft müssen KI mit Mut statt Wut nutzen, um die guten Informationen zu verbreiten, faktenbasiert zu glänzen, komplexe Themen für alle zugänglich zu machen und sie personalisierter zu verbreiten, alles mit dem Ziel eines „menschenfreundlichen Planetenüberlebens“ (wörtliches Zitat einer Vortragenden).

Gegen 13 Uhr dann ein ausgewogenes Mittagessen – Bagel mit Baba Ghanoush, Lomo bzw. Chorizo, Manchego, Crowdfarming-Gurken und -Tomaten und Radieschen. Danach geht es zurück an den Schreibtisch, die täglichen Dinge erledigen und dann einen Geschenkgutschein basteln. Außerdem will das eben gelieferte Katzenfutter verräumt werden.

Danach sitze ich auf dem Balkon (Willkommen zurück, Sommer!) und lese nach, was in der Welt passiert ist und gucke mir vor allem die relevanten Ausschnitte von Jon Stewart, Stephen Colbert, Seth Meyers und Jimmy Fallon zur staatlichen Zensur von Jimmy Kimmel an. Noch ist der Widerstand da und laut, mal sehen, welche Medienunternehmen als nächstes einknicken. Disney bekommt zumindest im Moment ordentlich Widerspruch zu spüren und meine Timelines sind voll von gekündigten Disney+-Konten. Wer noch Argumente braucht, hier erklärt Marc-Uwe Kling, wieso.

Jetzt ist Zeit, die Französisch- und Italienisch-Lektionen vom Morgen nachzuholen und das tägliche Rätsel-Kontingent abzuarbeiten. Danach geht es ins Draußen, den Gutschein ausdrucken und Papeterie kaufen, beides im Drogeriemarkt. Wieder zuhause werden zwei Geburtstagsgeschenke übergabefertig verpackt. Mit dem einen mache ich mich dann auf nach Friedrichshain, wo das Brüderchen zu einem nachträglichen Geburtstagsumtrunk geladen hat. Mit stetig wachsender Runde sitzen wir um den großen Tisch, trinken um, erzählen und essen Kürbissuppe, Pizza und Apfelkuchen.

Gegen halb 11 streiche ich hundemüde die Segel, morgen wird wieder ein früher, voller und noch viel längerer Tag als heute. Eine Stunde später liege ich im Bett und versuche, dieser Nacht ein wenig mehr Schlaf abzutrotzen.

18.09.2025 – Quasi Ruhetag und viel Essen

Die nächsten zwei Tage werden sehr voll, deswegen lege ich heute quasi ein verfrühtes Wochenende ein. Langer, ausführlicher und gemütlicher morgendlicher Reboot im Bett. Ich stehe erst auf, als der Paketbote die Obstkiste bringt, was aber mal wieder einen Tag früher ist als angekündigt (und gar nicht mal so spät am Tag).

Saisonwechsel – die Mangozeit beginnt und die Granatäpfel sind sehr klein und niedlich

Dann Frühstück (drinnen, heute ist draußen so richtig Herbst, bevor am Wochenende ein letztes Sommeraufbäumen auf dem Plan steht) mit Bagel, Ahornsirupcreme, Blutorangenmarmelade, Chai und Obst.

Es folgen ein paar Haushaltsdinge, ein paar Laptop-Dinge (aber heute vom Sofa aus, der Schreibtisch sieht mich morgen lange genug). Beim Papiermüll Wegbringen entdecke ich, dass aus den Betonritzen am Müllplatz eine tragende Tomatenpflanze sprießt. Mal gucken, ob ich den Moment abpassen kann, wenn die Früchte nicht mehr weiter reifen (und sie ggf. drinnen zu Ende reifen lassen kann) oder ob mir jemand zuvorkommt.

Zum späten Mittagessen gibt es einen Salat aus Restkartoffeln mit Crowdfarming-Gurke und Radieschen.

Danach stecke ich die drei Crowdfarming-Auberginen in den Ofen, stelle die Waschmaschine an und telefoniere lange und ausführlich mit der Freundin in Frankreich. Zwischendurch wird aus den Auberginen ein Baba Ghanoush.

Gegen halb 7 sind wir fertig mit Telefonieren. Ich hänge die Wäsche auf, püriere das Baba Ghanoush einmal durch und räume die Küche auf und schon ist der Liebste da. Kurze Pause auf dem Balkon, bis seine Allergietabletten wirken, und dann sitzen wir beim Abendbrot. Es gibt von der Freundin aus Madrid mitgebrachten spanischen Aufschnitt (Lomo, Chorizo und Salchichon, außerdem Manchego), Baba Ghanoush, Tomaten und Radieschen, dazu Brot und spanischen Rotwein.

Zum und nach dem Essen schauen wir Étoile zu Ende und sind immer noch traurig, dass Amazon nicht genug dafür getan hat, dieser Serie das passende Publikum zuzuführen. Das ist wirklich großes Fernsehen, aber nicht für jeden Geschmack. Für unseren schon, nur mit einer Entwicklung am Ende sind wir nicht zufrieden, aber das wäre in Staffel 2 sicherlich wieder geradegebogen worden…

17.09.2025 – Sport und Kino

Was für ein Tag. Nach mittelguter Nacht (ausreichend Schlaf, aber mit vielen Unterbrechungen) erledige ich den Großteil des morgendlichen Reboots vom Bett aus, stehe dann auf, füttere die Katzen, löffle schnell Müsli in mich hinein und fahre dann mit Tram und U-Bahn nach Mitte. Pünktlich zwei Minuten vor Kursbeginn gleite ich ins Wasser und dann habe ich eine Dreiviertelstunde Gelegenheit, richtig wach zu werden. Gelenkschonendes Ganzkörper-Workout und einzig die Schulter zwickt bei einer Übung ein bisschen. Sehr schön. Danach geht es für Aufwärmen und Entspannung noch fünf Minuten in den Whirlpool und schon bin ich wieder unterwegs…

Bei den Ellis schaue ich nach Post und Blumen, handle mir einen Ablesertermin nächste Woche ein und entscheide mich dann, das nächste Webinar nicht bequem vom Sessel aus zu besuchen, sondern nebenbei schon wieder nach Hause zu fahren. Auf dem Weg zur U-Bahn geht es los. U-Bahn, Fußweg, Tram, Fußweg… Zuhause koche ich direkt Mittagessen und verarbeite eine der Crowdfarming-Zucchini zu Zoodles (Eigentlich müsste es ja „einen“ heißen, der zucchino ist ja männlich. Oder noch eigentlicher eine „der“ zucchine, Plural. Spaß mit Lehnwörtern…).

Zu den Zoodles gibt es eine Sauce aus Olivenöl, Thunfisch, Kapern, Knoblauch, Crowdfarming-Tomaten, Oregano, Salz, Pfeffer und etwas Limettensaft. Kurz vor Koch-Ende ist das Webinar vorbei und dann setze ich mich mit Essen und Lektüre aufs Sofa, die Mate zur Verhinderung des Suppenkomas.

Danach geht es eine Weile an den Schreibtisch, auch da wollen Dinge getan und erledigt werden. Nebenbei werfen draußen vor dem Balkon große Dinge ihre Schatten voraus.

Schon vor einigen Wochen lag eine Einladung zum Hofkino bei Popcorn und Softdrinks im Briefkasten. Heute ist es endlich soweit und bis auf ein bisschen Wind spielt das Wetter mit. Um 18:30 gehe ich hinunter, hole mir Snacks und Getränke ab und plaudere mit den ersten Nachbar*innen. Als der Wind ausreichend nachlässt, wird die Leinwand aufgeblasen, gegen 19:30 wird es dunkel genug, um den Film zu starten – wir gucken Zwei zu eins, der genauso gut und unterhaltsam ist, wie es die Besetzungsliste wünschen ließ.

Passenderweise geht es um die Wendezeit und eine Hausgemeinschaft, die mit vereinten Kräften Dinge tut. Die Bewohner*innen meines Hauses finden sich zusammen und nehmen uns jetzt unsererseits auch ein bisschen zivilen Ungehorsam vor…

Foto-Copyright gehört einer mir persönlich bekannten Nachbarin

Gegen 21:30 ist der Film vorbei, letzte Kinder werden ins Bett gescheucht und ich ziehe mich zum Aufwärmen und Chlor abwaschen (die Duschen im Fitti sind immer noch außer Betrieb) in die Badewanne zurück.

16.09.2025 – Dienstag

Die Katzen feiern des Nachts wieder eine Kuschelparty und lassen mich so ausgiebig teilhaben, dass ich mittendrin knapp zwei Stunden wachliege. Bis zu einer Zeit, zu der man die Nacht auch einfach für beendet erklären könnte. Da liegen sie dann aber beide gerade wieder still und ich erinnere mich der alten Binse, dass junge Mütter einfach dann schlafen sollten, wenn die Babys schlafen und drehe mich nochmal um. Locker nochmal anderthalb Stunden rausgeholt, bis der Liebste sich zum Morgentelefonat meldet!

Insofern verschiebt sich der morgendliche Ablauf deutlich nach hinten. Irgendwann sitze ich mit Ostfriesentee, Porridge und Obstteller in eine Decke gewickelt auf dem Balkon beim Frühstück. Es ist kühl und stürmisch und fühlt sich herbstlich an (außer mit Blick auf die sommerlichen Temperaturen am kommenden Wochenende).

Nach dem Essen ist mir nach noch mehr Koffein, also mache ich mir noch einen Matcha Latte und setze mich damit an den Schreibtisch.

Erste Amtshandlung E-Mails lesen. Stellt sich heraus, dass soeben zwei Pakete für mich bei der Nachbarin im Hochparterre abgegeben wurden sind – und hier mal wieder niemand geklingelt hat. Ich hole die schnell ab und packe aus. Crowdfarming hat schon wieder ordentlich Gemüse geliefert, leider einiges schon ganz schön angedätscht, ich werde mich um zeitnahe Verarbeitung kümmern müssen.

Im zweiten Paket sind unter anderem zwei Paar Jeans als Ersatz für die nicht passende von letzter Woche. Auch davon passt eine nicht, die zweite ist fast ein bisschen weit, passt aber ansonsten gut, die wird behalten. Hosengrößen werden mir immer ein Mysterium bleiben. Ich trage im Alltag zwei mit Bundweiten weit unter denen, die jetzt in neu nicht passen. Aber gut, eine passende Jeans mehr ist ja schon mal ein Gewinn. Dann aber wirklich Schreibtischarbeit über mehrere Stunden.

Ziemlich spät am Nachmittag gibt es dann das doggy bag vom gestrigen Antipasti-Teller zum Mittagessen. Danach Physio-Übungen, Haushaltsdinge, zwei Gänge zum Müllplatz und einen zur Packstation, die zweite Jeans zurückschicken. Hinterher ein bisschen Couchen und Atmen und dann ist schon wieder Zeit für Aufbruch. Heute Abend ist mein nächstes Timeleft-Dinner, diesmal in einem mexikanischen Restaurant in Friedrichshain.

Von den angekündigten fünf Frauen kommt eine wegen eines spontanen Meetings eine Dreiviertelstunde zu spät und eine taucht gar nicht auf. Trotzdem ist es auch in kleinerer Runde (drei Deutsche, eine Amerikanerin) sehr nett. Evtl. sind kleinere Runden insgesamt besser, wir kommen viel tiefer ins Reden als bei bis zu acht Personen. Wieder einmal bin ich die Älteste, die anderen sind alle so um die 30, plus/minus ein paar Jahre.

Fällt aber fast gar nicht auf (naja, ihnen vielleicht mehr), außer bei bestimmten Themen. Sie haben viel mehr in der Berliner (App-)Dating-Welt erlebt als ich und können mehr Geschichten erzählen, die die üblichen Klischees bedienen (offene Beziehung, Ghosting, wankelmütige Herren). Und Cocktailbars und Kostümparties spielen eine größere Rolle in ihren Leben als in meinem. Ansonsten viele Übereinstimmungen und natürlich dringt die Politik auch wieder in die Gespräche rein. Die Amerikanerin ist schon seit sechs Jahren hier und sehr froh darüber, arbeitet an Staatsbürgerschaft. Eine der anderen arbeitet in einer amerikanischen Firma und darf deswegen jetzt auf Arbeit keine Pride- und Diversity-Veranstaltungen mehr abhalten. Die dritte trägt gerne Swing- und Rockabilly-Outfits und traut sich nicht mehr, damit in der Öffentlichkeit herumzulaufen, weil sie nicht für ein trad wife gehalten werden möchte. Wir sind mitten im backlash und es suckt ganz furchtbar…

Das Essen ist ganz OK, aber nichts Besonderes. Dieser Aspekt von Timeleft ist irgendwie unterwältigend, ich habe zwar ein paar neue Restaurants entdeckt, aber bisher nichts wirklich Aufregendes. Vielleicht ist nach diesem Abo-Zeitraum dann auch erstmal wieder gut.

Gegen 22 Uhr mache ich mich mit der Teilnehmerin, die morgen früh ins Büro muss (die anderen arbeiten morgen remote) auf den Heimweg Richtung Pberg, gegen 23 Uhr liege ich im Bett und hoffe auf besseren Schlaf.

15.09.2025 – Neue Woche

Der Wecker des Liebsten hat einen sehr gemeinen und lauten Ton. Meiner schleicht sich ja mehr so langsam an und je nachdem, wie tief ich schlafe, bemerke ich ihn sofort oder erst nach 30 Sekunden, aber er weckt mich zuverlässig. Der vom Liebsten ist BLAAARGH da und man steht quasi im Bett. Aus Gründen. Immerhin habe ich kurz nachdem ich mich von dem Schreck erholt habe bereits eine Tasse Kaffee in der Hand und kann dem Rest des Morgens gelassen entgegen sehen.

Indessen packt das Teilzeitkind den Rest seiner Sachen für die Klassenfahrt. Während der Liebste sein erstes Meeting absolviert, beaufsichtige ich ein wenig, dass alles mitkommt und führe Debatten über Proviant, Schuhe und Regenjacken. Gelöst werden alle drei erst nach Meeting-Ende, der Liebste hat qua Amt da mehr Authorität. Kurz vor 9 brechen die beiden auf zum Bahnhof und ich beschäftige mich mit morgendlichem Reboot, tagfein machen und telefonischem Techniksupport für die Liebstenmama. Als der Liebste zurück ist, muss er direkt ins nächste Meeting und ich fahre auch Richtung Schreibtisch.

In der S-Bahn mache ich Französisch und Italienisch, auf dem Heimweg kaufe ich schnell Milch, Eier und Obst ein und dann bin ich auch schon bei den Katzen, die mich freudig erwarten. Schnell Ostfriesentee (jetzt neu mit Kaffee- statt Schlagsahne), Müsli und Obstteller zaubern, dann geht es an die Arbeit.

Am frühen Nachmittag mache ich eine Pause, trinke mehr Tee, esse Shrimp-Ramen, plausche mit der Mitbewohnerin und denke über ein Schläfchen nach, aber dann reiße ich mich doch zusammen, lege Wäsche zusammen und mache dann weiter. Von 17 bis 18:30 noch ein Webinar und dann wird der Laptop zugeklappt und ich laufe schon wieder los – Abendessenverabredung mit der besten Freundin.

Antipasti, Brot, Weißwein und Leitungswasser
Pasta – bei mir leicht verwackelte Bigoli alla gricia

Wir erzählen uns unsere Urlaube, Aktuelles von Männern, Kindern, Eltern und Jobs und arbeiten uns dann über Popkultur zu Politik und allgemeiner Weltlage vor. Weil das Essen so mächtig war, gibt es zum Nachtisch nur je eine Orangina. Kurz nach 22 Uhr laufe ich wieder heim, die beste Freundin fährt mit dem Fahrrad – all das für sie übrigens nach einem 10-Stunden-Arbeitstag, man wundert sich.

Zuhause gleite ich noch in die Badewanne – eine beginnende Nach-Kongress-Erkältung will in die Schranken gewiesen werden – und dann geht es kurz nach 23 Uhr ins Bett.

14.09.2025 – Familiensonntag

Früh, aber nicht zu früh erwacht, damit kann ich durchaus arbeiten, wenn vorher durchgeschlafen wurde. Nach gemütlicher Morgenroutine im Bett folgt leicht hektisches Aufstehen, Katzen füttern und Packen, denn das Frühstück wird heute erst in Südberlin eingenommen. Die Ringbahn fährt wieder, die U-Bahn mir hingegen vor der Nase weg. Zehn Minuten hungrig herumsitzen am Westhafen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Nur drei Minuten nach der Zeit komme ich im Stamm-Frühstückslokal an, etwa drei Minuten vor dem Liebsten und dem Teilzeitkind, dem auch ein Bus vor der Nase weggefahren ist, als es aus Brandenburg anreiste. Jetzt aber wieder: alle drei zusammen. Sofort eskalieren wir bei der Frühstücksbestellung.

Es gibt Eggs Benedict UND Croissant, süßes Frühstück UND French Toast UND Rührei, was muss das muss. Mit vereinten Kräften essen wir alles auf, nur der Taleggio vom italienischen Frühstück des Liebsten bleibt übrig, weil er ihm zu schimmelkäsig ist, dem Teilzeitkind erst recht, und ich einfach komplett vollgefuttert bin. Mit letzter Kraft erreichen wir die heimische Couch und dann braucht yours truly erstmal einen ausführlichen Mittagsschlaf.

Ich wache dazu auf, dass der Liebste die vegane Bolognese für heute Abend ansetzt (und dabei laut Musik hört). Die Gemüsebrühe zog schon seit vor dem Frühstück vor sich hin. Als die komplette Sauce vor sich hinköchelt, gehen der Liebste und ich nochmal für einen Spaziergang nach draußen und obwohl der an der Eisdiele entlang führt, will das Teilzeitkind nicht mit – es ist noch satt vom Frühstück.

Sauerkirsch-Marzipan und Primo-Fiore-Zitrone

Wir drehen eine große Runde durch die angrenzenden Grünanlagen und kommen an Orten vorbei, die wir in der Pandemiezeit oft besucht haben, seitdem kaum noch. Wenn die positiven Zukunftserzählungen fehlen, verfällt man in Nostalgie, habe ich neulich auf dem Kongress gelernt. Dass wir die Pandemiezeit inzwischen nostalgisch sehen, sagt einiges über den Zustand der Welt und die Zukunftsaussichten. Aber nein, nicht in Trübsal versinken, wir brauchen positive Narrative und Zuversicht und vielleicht wird ja doch alles gar nicht so schlimm wie befürchtet. AfD-Politiker verlieren vor Gerichten und bei Stichwahlen und heute bei der NRW-Kommunalwahl verlieren sie im Vergleich zur Bundestagswahl. Das ist doch ein Anfang, vielleicht fällt uns für den Rest auch noch etwas ein.

Wieder zuhause nochmal Ruhen, dann ist es Zeit fürs Abendessen (zu viert mit der Mitbewohnerin) und dann den Sonntagsfilm. Heute endlich Das Leben des Brian. Das Teilzeitkind ist erst verunsichert über Terry Jones als Brians Mutter und ob die Bergpredigt das mit dem geteilten Brot ist und warum das alles von den gleichen Leuten gespielt wird, aber dann hat es doch eine Menge Spaß. Interessant für uns: Es lacht kaum über die vielen Sprachfehlerwitze, die für unsere Generation wohl das Highlight waren. Die Jugend von heute ist erfreulich unableistisch! Aber die Produktionsqualität, die war 1979 noch nicht so gut, muss das Kind anmerken.

Dann geht das Kindelein aufgeregt ins Bett – morgen ist Klassenfahrt – und der Liebste und ich gucken vor dem Schlafengehen noch eine Folge Étoile zusammen, die für die die Serie einen Emmy für die beste Choreographie bekommen hat, obwohl sie bereits abgesetzt war. Überhaupt ist sie wohl nur wegen Quoten abgesetzt, die Bewertungen auf IMDB sind durchweg hervorragend. Schade, schade!

13.09.2025 – Rekuperation

Rekuperation bezeichnet auf dem Gebiet der Technik die Rückgewinnung von Energie, sagt Wikipedia. Ich gewinne heute auch Energie zurück, erst durch etwa zehn Stunden Schlaf mit nur einer kurzen Unterbrechung nach neun Stunden, dann durch sehr viel Nichtstun. Natürlich nicht ganz nichts, wo kämen wir denn da hin.

Relativ früh am Tag schreibe ich einen Rückblick auf den Kongress und nehme Gesprächsfäden mit neuen Kontakten wieder auf, wobei mein LinkedIn-Post ohne LLM auskommt. Dann werde ich mir meiner normalen morgendlichen Routinen wieder gewahr und ich gucke erstmal, was der Rest der Welt so getrieben und geschrieben hat über Nacht, verblogge meinen eigenen Freitag bei Chai Latte, Obst und Pistazien, mache Französisch, Italienisch und englische Rätsel und telefoniere mit dem Liebsten. Alles wieder normal.

Irgendwann gibt es Bagel und mehr Obst zum zweiten Frühstück, dann widme ich mich den beiden gestern angekommenen Paketen, probiere Kleidung an und sortiere nach „Behalten und Waschen“, „Gefällt mir nicht“ (zwei) und „Passt mir nicht“ (zwei). Kategorie 1 kommt in die Waschmaschine, Kategorie 2 und 3 werden auf zwei verschiedene Pakete verteilt und die Retoure vorbereitet. Dann höre ich ein paar Podcasts und wusele dabei durch die Wohnung, den Normalzustand von Anfang der Woche wieder herstellend.

Irgendwann klopft früh der Abendbrothunger an. Ich mache aus einem halben Crowdfarming-Butternut und einer Handvoll Kartoffeln ein Ofengemüse. Nach dem Wäscheaufhängen ist es fertig.

Butternut-Kürbis, Kartoffeln, Knoblauch, Rosmarin, Pfeffer, Salz, Olivenöl, Frischkäse, Parmesan

Es folgt ein Verdauungsspaziergang zur Packstation. Ich hätte auch einfach nur zum Späti gehen können, aber ich hab in den letzten Tagen wirklich genug mit Leuten geredet, die ich nicht kenne. Also ein paar Schritte mehr (auch gut fürs Gesamtgefüge) und dann eben Scannen, Drucken, Kleben. Das sind die Momente, wo ich sehr froh über die Techniken aus der Zukunft bin.

Als ich wieder zuhause bin, will ich es mir gerade auf der Couch gemütlich machen, da klingelt es und die Nachbarin von nebenan bringt versprochene Äpfel und Birnen aus dem Hof vorbei. Sie haben einen Teleskoppflücker und hatten in der Haus-WhatsApp-Gruppe gefragt, wer noch Interesse hat – das Fallobst wird immer so schnell faulig.

Äpfel und Birnen von den Bäumen im Innenhof

Dann aber wirklich Couch! Erstmal ausführliches Telefonat mit den Ellis in Kanada (heute vor einem Jahr bin ich nach Nova Scotia geflogen, die Zeit rennt wirklich!), dann lese ich den neulich begonnenen Island-Krimi (Lilja Sigurðardóttir – Das Netz) zu Ende und höre dabei ganz klischeehaft Björk, was erstaunlich gut zu den weiblichen Hauptfiguren passt. Das Buch ist dann schneller vorbei als gedacht, weil in der eBook-Datei am Ende jede Menge Leseproben sind. Mal schauen, ob ich mir irgendwann den zweiten und dritten Band hole, vielleicht, wenn es sie irgendwo umsonst gibt. Ich bin mit dem aktuellen Ende eigentlich ganz einverstanden und finde das Technologie CH fast erzwungene Weiterlesen irgendwie befremdlich. Die Netflixisierung der Kriminalliteratur oder so.

Stattdessen fange ich erstmal die nächste Trilogie an, deren erstes Buch ich mir in der Bibliothek vorbestellt hatte, nochmal norwegischer Historienroman, diesmal aber Weltliteratur von einer antifaschistischen Autorin: Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter. Ich komme allerdings nicht mehr weit, gegen 23 Uhr bin ich schon wieder fast am Einschlafen.