02.10.2025 – Zeitreise

Gegen 5 streckt sich Noosa und kommt dabei aus Versehen mit der Kralle in mein Gesicht. Also, sagt sie. Ich drehe mich um und versuche weiterzuschlafen, aber irgendwie ist leider der Wurm drin und gegen 6 gebe ich endgültig auf. Ausführlicher morgendlicher Reboot im Bett.

Draußen wird es erst zu einer Zeit hell, zu der ich auch an normalen Tagen meistens schon wach bin, die Verdunkelung an der Balktontür kann also wieder weg. Außerdem sind es da noch nur 2 Grad, gab es nachts eventuell sogar Frost? Verrückt, wie schnell es jetzt mit großen Schritten durch den Herbst geht, vor zwölf Tagen war noch Sommer und 27 Grad.

Der frühe Start ermöglicht es mir, vor der Abreise noch ein paar Dinge zu erledigen, dann heißt es Frühstück (Müsli, Obst), Packen, Proviant vorbereiten (Stulle, Obst) und dann verlasse ich gegen halb 12 das Haus und fahre mit S-Bahn, RegionalExpress, RegionalExpress, Straßenbahn und Straßenbahn in mein Domizil für dieses Wochenende.

Die Menschen unterwegs sind heute wieder erstaunlich unkooperativ. Im ersten RegionalExpress, in dem fast alle Plätze besetzt sind, haben viele Menschen ihr Gepäck auf Sitzplätzen, die Gepäckablagen oben sind komplett frei. Ich finde trotzdem einen Platz, leider nicht am Fenster, denn da sitzt ein Rucksack, und verstaue mein Gepäck demonstrativ an dafür vorgesehenen Orten.

Im zweiten RegionalExpress ist es OK, aber schon am Bahnhof in Rostock stehen wieder Leute am Kopf der Treppe während sich hinter ihnen alles staut. Da ich diesmal wieder auf der anderen Warnowseite schlafe, habe ich nicht mein schönes Ankommensgefühl beim Heraustreten aus dem Bahnhof, sondern steige gleich drinnen in die Straßenbahn um, in der Leute sehr großartig in den Türen stehen können. In der zweiten Straßenbahn auch. Es ist ein Fest. Dann aber steige ich aus, laufe zum Haus meines Cousins, finde den Schlüssel und lasse mich rein und die Welt ist schön.

Ich koche mir Tee, setze mich aufs Sofa und lese. Nochmal einschlafen klappt leider nicht (im Zug hatte ich es auch schon probiert), aber eine gute Stunde später ist er auch schon zuhause. Wir setzen uns nochmal kurz raus in die Sonne, dann an den Küchentisch, während der den Ofen anheizt. Bald darauf kommen seine Freundin, das Kind und der Hund auch nach Hause und dann ist erstmal Trubel und viel Erzählens.

Zum Abendbrot gibt es Ofengemüse, Restepasta und frisch zubereitete Klopse aus selbst gewolltem Wild, dazu ein kleines Glas Wein. Sehr lecker, der Cousin ist ein Klopsspezialist und ich weiß, was ich für das nächste Cousins- und Cousinentreffen auf den Speiseplan setzen werde. Ihr habt es hier zuerst gelesen!

Gegen 20 Uhr dann ziehe ich mich kurz um und laufe dann wieder zur Straßenbahn. Ohne Umsteigen geht es in meine (ganz) alte Hood, aus der ich vor jetzt schon fast 20 Jahren weggezogen bin (so alt bin ich doch noch gar nicht!). Ich laufe im Stadthafen einmal an meiner Jugend vorbei – die Santa Barbara Anna liegt genau an der Bühne, auf der wir mit dem Chor immer aufgetreten sind, neben dem Club, in dem ich dann jahrelang immer war. Vor der Kneipe zum Club treffe ich auf diverse bekannte Gesichter, die sich hier anlässlich des Konzerts von Mumpel, Murks und die Herrscherin der Galaxis versammelt haben.

Auch hier gibt es erstmal wieder viel zu erzählen, dann betritt die Band kaum 20 Minuten nach offiziellem Konzertbeginn die Bühne und fährt ein Feuerwerk an starken Stücken ab.

Virtuose Instrumentalkunst an schrägen Arrangements und fantasievoller Darbietung samt sehr, sehr witzigen Ansagen und Publikumsinteraktion. Alle großen Hits werden gespielt (Katze! Autobahn! Elektrojunge! Allein auf dem Meer!) und es werden von einem großen Huhn mehrere Runden Feuerei (Eierlikör mit Mexikaner) verteilt, die ich aber dankend ablehne.

Hinterher nochmal ein bisschen Quatschen, dann breche ich vernünftig kurz nach 23 Uhr wieder auf. Da ich so weit weg schlafe, brauche ich für den Heimweg fast so lange wie sonst in Berlin – zu den sonst üblichen 15 Minuten Fußweg kommen noch fast 20 in der Straßenbahn plus Wartezeit an der Haltestelle. Ich schleiche mich gegen Dreiviertel 12 ins schon dunkle Haus, der Hund wedelt mit dem Schwanz, steht aber auch nicht nochmal auf. Ich krabbele husch husch ins Bettchen und lese noch rechtzeitig vor Mitternacht die letzten Seiten von Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter – Der Kranz aus, dann ist die Ausleihfrist vorbei und der Tag auch.

01.10.2025 – Produktivitätshack

Das bekommt man also, wenn man früh ins Bett geht – man wacht halb 6 auf und ist auch noch ausgeschlafen. Tse. Weniger erkältet bin ich auch schon wieder, das ist doch schön. Mit so viel Vorlauf bin ich auch mit ausführlichstem morgendlichen Reboot (Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel, Liebstentelefonat) gegen 9 mit allem fertig. Also bis auf den Spelling Bee, der aktualisiert sich immer erst um 9. Perfekte Voraussetzungen, um heute richtig was zu schaffen.

Durch den vielen Schleim im Kopf bin ich in den letzten Tagen für meinen Geschmack produktivitätstechnisch etwas ins Hintertreffen geraten. Heute dann aber! Ich schicke einer Freundin noch einen spannenden Artikel, der auf ein Gespräch Bezug nimmt, das wir die Tage hatten, und DANN stehe ich aber auf. Witzigerweise entspannt sich durch den Link dann aber direkt wieder ein Chat übers im Bett liegen (die Freundin ist auch erkältet und muss trotzdem was arbeiten). Wir halten den Chat am Laufen, fast wie so einen Büro-Chat unter Team-Kolleg*innen.

In dieser Stimmung mache ich mich tagfein, füttere die Katzen, koche Tee, schneide Obst und mische Müsli. Dann verzichte ich wegen gefühltem Wintereinbruch auf ein Frühstück auf dem Balkon sondern verlege dieses direkt an den Schreibtisch. Ich esse während der ersten E-Mails und täglichen Verrichtungen und chatte nebenbei weiter mit der Freundin.

Und dann lege ich einfach so richtig los, deep work. Zwischendrin geben wir uns Zwischenstände durch, ich frage die Freundin zweimal was fachliches zu einem Thema, das ich gerade recherchiere und ansonsten arbeite ich einfach meinen Kram ab. Gegen halb 2 dann machen wir uns beide was zu essen und halten dann eine gute Stunde lang gemeinsam über Videocall Mittagspause (bei mir gibt’s Stulle). Da wir sonst nicht so regelmäßig kommunizieren, haben wir uns viel zu erzählen, kommen nebenbei auch ins Philosophieren… Es ist sehr schön.

Danach mache ich nochmal eine gute Stunde weiter und dann schleimt der Kopf langsam wieder so zu, dass ich den Schreibtisch aufgebe. Aber ich habe richtig was geschafft und nebenbei endlich mal wieder Zeit mit der Freundin verbracht. 10/10, gerne wieder.

Ich wechsle dann aufs Bett, pausiere kurz und habe dann noch ein anderthalbstündiges Webinar. Danach gucke ich nach, was die amerikanischen Late Night Hosts am Montag wieder für ein Feuerwerk abliefert haben – Colbert bei Kimmel, Kimmel bei Colbert, Meyers bei Colbert, außerdem Josh Johnson über Trump bei der UN und zu Tylenol. Sehr fein alles.

Die nächsten Stunden werden dann eher wieder anstrengend, ich fühle mich wie in der Telefonzentrale und jongliere Gespräche mit meinem Onkel, meinem Bruder, meinem Cousin, dem Liebsten, dem Teilzeitkind, meinen Eltern, einer Freundin und der Nachbarin, die ein Paket abholt, während ich eigentlich am Herd stehe und aus der letzten Crowdfarming-Süßkartoffel ein Süppchen zum Abendbrot koche – mit Knoblauch, Ingwer, Kurkuma, Koriander, Kardamom, Cumin, Piment und Chili. Pürieren, bisschen Sahne dazu, bisschen Koriandergrün drüber, fertig.

Als alles geklärt, gekocht und gegessen ist, ist es schon wieder halb 10. ich lege mich nochmal in die warme Badewanne (muss wohl wirklich bald anfangen zu heizen) und gehe dann „beizeiten“ ins Bett.

30.09.2025 – Ernsthaft Herbst jetzt

Es wird jetzt wirklich ernsthaft Herbst, die Zeit der ständig offenen Balkontüren ist vorbei und vielleicht war das jetzt auch die letzte Nacht, in der die zum Schlafzimmer einen Spalt offen bleibt. Ich muss jedenfalls kurz nach dem Aufwachen erstmal kurz – mit viel Überwindung – aufstehen, um sie zu schließen, bevor ich es mir zum morgendlichen Reboot im Bett wirklich gemütlich machen kann. Sieben Grad sind es da draußen gerade. Mal sehen, wie lange ich es noch mit Decke statt Heizen schaffe…

Die Temperatur macht auch, dass mich das Balkonfrühstück nicht locken kann und ich erstmal alles andere erledige, bei Ingwer-Tee mit Honig, die Erkältung ist still going strong. Der Vorteil ist, dass die Sonne auf den Balkon scheint, als ich dann doch Hunger habe und ich, komplett angezogen zumindest, dann doch draußen frühstücken kann.

Es gibt mehr Tee, Crowdfarming-Granatapfel mit Joghurt und Müsli, die letzten Crowdfarming-Trauben und eine Satsuma.

Danach ziehe ich mit noch mehr Tee um an den Schreibtisch und widme mich den täglichen Verrichtungen und ein paar Stunden konzentrierter Arbeit, unterbrochen von ein wenig Haushaltsgedöns und einer Paketannahme für die Nachbarn.

Am Nachmittag kurze Einkaufsrunde draußen (Drogeriemarkt, ein paar Lebensmittel, Haustierbedarf) und nochmal ein bisschen Sonne. Wieder zurück mache ich mir eine Green-Curry-Ramen-Suppe und setze mich nochmal eine Runde an den Schreibtisch. Irgendwann ist dann aber die Luft raus bzw. der Kopf leer bzw. noch genauer der Kopf zugeschleimt. Zeit für den Umzug aufs Bett und ein paar Dokus.

Zum Abendbrot gibt es wieder Schnittchen, diesmal mit Frischkäse und veganem Lachs bzw. wokem Käse, und dazu die letzte Crowdfarming-Mango und den letzten Rest Crowdfarming-Gurke.

Dazu gucke ich zwei Folgen Borgen. Bei den aktuellen politischen Entwicklungen im Land und weltweit tut so ein bisschen Demokratie-Porno* ganz gut, auch wenn gerade die ersten beiden Folgen auch viel Finsteres enthalten. Ich glaube, ein Rewatch könnte eine schöne warme Decke für den anstehenden Herbst werden.

Nach dem letzten Liebstentelefonat und bis zum frühen Einschlafen lese ich dann weiter im norwegischen Mittelalter herum, das aber inzwischen ganz schön melodramatisch daherkommt, weiß nicht, ob ich Band 2 und 3 danach noch lesen will…

*So hat der Liebste mal The West Wing bezeichnet, auch so eine Serie, die eine in dem Glauben wiegt, dass mit der Politik noch alles gut werden kann, wenn die richtigen Leute mit den richtigen Haltungen sie machen.

29.09.2025 – Neue Woche, neues Glück

Mit einigem Enthusiasmus starte ich in den Tag, wechsle schon zur Hälfte des morgendlichen Reboots vom Bett auf den Balkon und frühstücke in schönstem Sonnenschein Müsli, Sharon, Trauben und Satsuma, dazu Matcha pur und einen Rest Kräutertee von gestern.

Den Rest vom Reboot nach dem Frühstück, dann geht es mit mehr Tee an den Schreibtisch. Konzentriertes Arbeiten über mehrere Stunden, bis ein Etappenziel erreicht ist und sich der Kopf langsam wieder daran erinnert, wie erkältet er noch ist. Zeit für eine späte Mittagspause. Ich koche mir Spaghetti mit Butter und Anchovis nach ungefähr diesem Rezept (Petersilienstängel habe ich noch eingefroren, statt Crissini-Krümeln gibt es was aus meinem Semmelbrösel-Vorrat). Bei mir ist die Butter braun geworden, aber schmecken tut es trotzdem sehr gut.

Den Rest des Nachmittags bestreite ich mit langsam dringender werdender Haushaltsmaintenance, u. a. muss zweimal Müll nach unten gebracht werden und beim zweiten Mal Treppe wieder hochkommen habe ich einen Flashback zu meinen schlimmsten Post-Covid-Zeiten. Diesmal beruhigt sich der Puls aber dann doch sehr schnell wieder. Trotzdem lege ich mich dann für den Rest des Tages wieder aufs Bett, gucke mich durch interessante Videos und Dokus (u. a. über das Leben im Pberg zu DDR-Zeiten), esse einen unspektakulären Schnittchenteller zum Abendbrot und lege mich dann gegen 9 mit meinem Buch in die heiße Badewanne.

Im mittelalterlichen Norwegen geht es hoch her, ich bleibe ziemlich lange liegen, bin dann aber kurz vor 23 Uhr doch endlich im Bett und versuche es weiter mit dem Gesundschlafen.

28.09.2025 – Sonntagsruhe

Die dritte Nacht mit Zaubermedizin lief ganz gut, ich wache etwas weniger erkältet auf und habe beim morgendlichen Rundgang durchs Internet tatsächlich Appetit auf Frühstück. Also stehe ich nach dem Bloggen auf, zaubere mir ein Sonntagsfrühstück und setze mich damit in die Sonne auf dem Balkon.

Ostfriesentee mit Sahne, Frühstücksei, Bagel mit Manchego, Bagel mit Mandelmus und Honig, Joghurt mit Crowdfarming-Mango, Crowdfarming-Trauben

Die Mango ist nach dem Nachreifen von „noch ziemlich hart“ auf „extrem lecker!“ gesprungen und macht mich so richtig glücklich.

Ich telefoniere mit dem Liebsten, mache ausführlichst Französisch – die Cousine mit der (und ihrem Kind) ich gerade in einem Friends Quest hänge, hatte die Woche ihr Handy kaputt UND ist jetzt auf einer Wanderreise, so dass ich heute noch 22 Lektionen oder so abreißen muss, damit der Streak nicht reißt. Italienisch in der anderen App ist weit weniger herausfordernd, da mache ich nur die Tagesdosis von einer Wiederholungsübung und einer Lektion. Dann noch die Rätsel und schon ist die Sonne um die Hausecke herum und ich wechsle aufs Sofa.

Die Katzen nehmen auf mir Platz und sind dann immer wieder ein bisschen konsterniert, wenn ich unter ihnen huste. Ansonsten gibt es Tee und ausführliche Zeitungslektüre. Aktuell habe ich Abos für die New York Times, den Guardian und den Tagesspiegel, außerdem gucke ich noch beim Spiegel und der Tagesschau vorbei. Daraus ergibt sich dann eine lange Reihe Tabs, die ich nacheinander abarbeite. Nebenbei arbeiten die Erkenntisse und Gespräche des Workshops gestern in mir und ich denke mal in diese, mal in die andere Richtung, durchdenke Strategien, schmiede Pläne, recherchiere und erweitere meinen Wunschzettel. Ein gemütlicher Sonntag eben, wenn nicht im Laufe des Tages die Rotzerei und Husterei wieder heftiger würden.

Ich gucke den Plan für die nächste Woche an und verschiebe Termine für morgen und übermorgen nochmal – mehr Genesungszeit, bevor es am langen Wochenende an die Ostsee geht. Apropos Ostsee, nach der Lektüre höre ich einen Podcast mit Michel Abdollahi, in dem er (neben vielem Anderen) über seine Arbeit und Auftritte in Mecklenburg-Vorpommern spricht und sagt, dass er vielen Menschen abraten würde, dort Urlaub zu machen. Ich spüre mein white privilege sehr deutlich. Die aktuellen Landtagswahlumfragen sind gruseligst, trotzdem freue ich mich total aufs Krafttanken in Rostock und Warnemünde.

Im Anschluss schaue ich noch Michel Abdollahis Doku über Jamel vor zehn Jahren. Wenn ich mich recht erinnere, hat Birgit Lohmeyer die bei Alles gesagt etwas kritisch betrachtet, vong Methode her, aber interessant ist sie allemal. Spannend auch, wie die NPD-Spitzenfrau von MV in breitem süddeutschen Dialekt versucht, dem Deutsch-Iraner zu erzählen, dass man keine zwei Heimaten haben kann…

Irgendwann ist Abendbrotzeit. Ich gare eine Crowdfarming-Süßkartoffel in der Mikrowelle, schäle und halbiere sie und esse sie mit Hüttenkäse, Oliven, grüner Chili und Röstzwiebeln. Sehr lecker aber nicht sehr fotogen.

Dann folgt das Abendprogramm: Der sehr empfehlenswerte Film Big Night von und mit Stanley Tucci (und Tony Shalhoub, Isabella Rosselini, Allison Janney, Minnie Driver, Liev Schreiber etc. etc.). Von den Dreharbeiten hat Stanley Tucci in seinem Buch Taste erzählt und mit diesem Hintergrundwissen macht der Film gleich noch viel mehr Spaß (der Timpano!!). Aus heutiger Sicht ein bisschen problematisch, dass Tony Shalhoub als Libanesisch-Amerikaner einen italienischen Einwanderer mit passendem Akzent spielt, aber hey, sind ja alles Anwohner des mare nostrum, wie die Römer gesagt hätten. Und wenn er Italienisch spricht, klingt es zumindest für meine Ohren auch sehr echt.

27.09.2025 – Maskiert in Neukölln

Die gegen 9 begonnene Nacht wurde erstmals gegen halb 11 unterbrochen, dann nochmal halb 12, dann erst gegen 4 wieder und am Ende schlafe ich bis zum 6:30-Weckerklingeln. Zweite Nacht Wick MediNait also deutlich besser. Trotzdem bin ich immer noch mitten drin in der Erkältung, Mist. Aber es hilft nichts, auf den für heute angesetzten Workshop fiebere ich seit Monaten hin, genauso lange ist er schon bezahlt und er musste vor sechs Wochen schon einmal verschoben werden. Heute gilts und Fieber habe ich ja immerhin nicht und COVID auch nicht. Ich lese mich durchs Netz und blogge, dann stehe ich auf und tue alles, um den Tag zu überstehen.

Duschen, Frühstück (Müsli mit Hafermilch, Aspirin Complex), Kaffee zum Mitnehmen, Katzen füttern und los zur S-Bahn. In der Bahn trage ich Maske und fange mit Französisch an. Zwischendurch ein Hustenanfall erster Güte, ich bin froh, dass es kurz vorm Aussteigen ist. Dann schnell Kopfhörer ab, Brille ab, Maske ab, die Bescherung mit Taschentüchern abwischen, fertig husten und dann geht es mit euch langsam beruhigenden Hustenreiz durch die Karl-Marx-Straße zum Veranstaltungsort.

Dort gibt es erstmal gemütliche Begrüßung in Sesseln. Ich lasse die Maske drinnen auf, nutze aber jede Gruppenübung und Pause, um raus zu gehen, maskenfrei zu atmen, zu husten, die Nase zu putzen, Tee zu trinken und Obst zu essen. Zum Glück ist das Wetter super und ich finde immer Freiwillige, die zu den Gruppenübungen mit rauskommen, so dass ich nichts verpasse. Darüber thront der blaue Himmel mit Sonne und reifen Trauben in der Weinlaube.

Der Workshop bei Flipped Job Market ist wie erwartet toll und erkenntnisreich und wie ein warmes Solebad für meine durch Krankheit zusätzlich geschundene Gemütsverfassung. In der Mittagspause hole ich mir um die Ecke sehr leckere vegetarische Mantı – ja, ich habe natürlich auf Google Maps recherchiert, wo es das beste Essen gibt. Ein paar Häuser weiter wäre auch das jemenitische Restaurant gewesen, in das mich der ehemalige pakistanische Mitbewohner seit Ewigkeiten einladen will. Da muss ich aber mit mehr Zeit und Hunger hingehen und mit jemandem, der arabisch spricht und sich mit der Küche auskennt. Vielleicht sollte ich das Thema jetzt zum Winter hin mal wieder aufgreifen.

Nach dem Essen gebe ich mir eine zweite Runde Aspirin Complex und komme damit ganz gut durch den Rest des Workshops. In einer der kurzen Pausen am Nachmittag holen zwei Teilnehmerinnen nebenan noch Baklava und Kunafa für alle zum Probieren. Ich bekomme ein klassisches Stück mit Pistazien und ein Stück von dem, was der Verkäufer als „das Beste!“ bezeichnet hat.

Um 18 Uhr ist der Workshop zu Ende. Statt noch lange zu quatschen und zu netzwerken (die Kontakte kommen hinterher per Mail und es gibt sowohl eine Slack-Community als auch regelmäßige Live-Abende wie den, bei dem ich im Juni war) mache ich mich auf den schnellsten Weg zurück ins Bett. In der S-Bahn mache ich Französisch zu Ende. Vom Bett aus telefoniere ich mit dem Liebsten, mache dann Italienisch und Rätsel. Morgendlicher Reboot gegen 20 Uhr abgeschlossen. Dann gibt es den Rest Sushi von gestern zum Abendbrot und dazu ein wenig Kurzweil auf YouTube. Und weil ich heute so viel über Essen gesprochen habe, höre ich mir dann auch noch den neuen Keep on Singing-Podcast an, in dem überraschenderweise Patricia Kelly selbst zu Gast ist und über ihr gestern neu erschienenes Kochbuch spricht. Darin gibt es interessantes über die Ess-, Einkaufs- und Kochmodalitäten der Kelly Family seit den 80er Jahren und erprobte Rezepte aus Irland, Spanien, Frankreich, den USA etc. Superspannend aus so vielen Gründen. Das Buch wandert sofort auf meinen Wunschzettel und dann mache ich nach der letzten Portion Wick MediNait um 23 Uhr das Licht aus.

26.09.2025 – Medizinische Experimente

Wir halten fest: Wick Medinait zeigt einige Wirkungen (unterdrückt Husten, lindert Schnupfen), aber wenn der Kopf nicht schlafen will, hilft es auch nicht. Hab zwei Stunden gebraucht, um einzuschlafen und kurz nach 4 reicht ein Krallenstupser um mich endgültig wieder wach zu machen. Entsprechend gerädert bin ich, als der Tag so richtig beginnt, immer noch (wieder) völlig verrotzt und verhustet auch. Es hilft aber alles nichts, heute müssen ein paar Dinge getan werden.

So gibt es zum Frühstück (neues Müsli, Hafermilch, Crowdfarming-Trauben, Ingwertee) auch ein Glas Aspirin Complex. Auch hier sehr schnelle Wirkung spürbar: Etwa 20 Minuten später bin ich klar im Kopf und verspüre genug Energie, die drei Aufgaben zu erledigen, die für heute anstehen – im Bett-Office. Danach überlege ich sogar, noch weiter zu machen, bremse mich dann aber bewusst. Morgen steht ein richtig langer Tag mit Draußentermin an, ich brauche jede Erholung, die ich kriegen kann. Außerdem lässt die Wirkung auch schon langsam wieder nach.

Also Laptop weg und dann gibt es eine ordentliche Versumpfung im Bett – ein bisschen Lesen, ein bisschen Podcast hören, zwischendurch immer wieder wegdösen. Am späten Nachmittag fällt mir auf, dass ich mal wieder was essen sollte und ich zücke eines der bewährten Erkältungsplacebos und bestelle mir Sushi. Zu jedem Röllchen ordentlich Wasabi, nach jedem Röllchen Ingwer, das freut die Atemwege.

Ungefähr nach der Hälfte schon ist Aufnahmestopp im Magen, ich stelle den Rest direkt in den Kühlschrank, dann kann ich den morgen Abend noch aufessen.

„Abendunterhaltung“ sind dann zwei romantische Komödien. Erst Barbra Streisand und Jeff Bridges in The Mirror has two Faces, dann Ryan Reynolds und Abigail Breslin in Definitely, maybe. Beide sehe ich zum ersten Mal, der erste ist an einigen Stellen nicht gut gealtert, aber insgesamt sehr unterhaltsam, im zweiten spielt Abigail Breslin natürlich die Tochter von Ryan Reynolds, was dachtet Ihr denn? Kann man auf jeden Fall auch gut gucken, nebenbei immer mal an den Liebsten und das Teilzeitkind denken, dessen Mama übrigens heute geheiratet hat, und dabei mehrfach wegdämmern.

Kurz vor 21 Uhr ist der zweite Film vorbei, ich gehe Zähne putzen, appliziere die zweite Dosis Wick Medinait und schlafe diesmal deutlich schneller ein.

25.09.2025 – Im Draußen

Heute hilft alles nichts, ich muss raus aus dem Bett und nach draußen, zweimal sogar!

Wegen des ersten Mals ist der Wecker früh gestellt, ich wache aber noch davor auf, lese und blogge und esse dann ein schnelles Porridge-Obst-Frühstück.

Letztes Instant-Porridge, Crowdfarming-Trauben, Feige, Sharon und Satsuma aus dem Supermarkt, vietnamesischer Kaffee

Der Kaffee kommt dann im To-Go-Becher mit nach draußen, wir haben doch keine Zeit. Immerhin bei schönem Herbstwetter (die Portion Sonne heute nicht auf dem Balkon, sondern auf der Straße) laufe ich eine knappe halbe Stunde zu einem Behördentermin. Ich bin inzwischen so weit aus dem Pandemie-Game raus, dass ich trotz Schniefnase keine Maske dabei habe (Schnelltest war aber negativ), mir kann aber zum Glück geholfen werden. Ein halbstündiger Termin, dann geht es auf dem gleichen Weg zurück nach Hause, bei Ankunft ist das Schrittziel erreicht.

Mit einer Mate (mehr Koffein!) geht es dann an den Schreibtisch. Webinar um 12, danach die üblichen Arbeiten, aber bald zieht es mich zurück ins Bett. Dort weiteres Arbeiten, dann Sprachen lernen… bis mir einfällt, dass ich mal was essen könnte. Es gibt eine schnelle Ramen-Suppe (immerhin Spicy Seafood).

Zwischendrin kommt meine Müsli-Lieferung für die nächsten Monate an (die letzte hat ein gutes halbes Jahr gereicht). Witzige Episode als der Paketbote klingelt: Gleich bei vier Wohnungen gehen die Türen auf, netter Smalltalk mit den Nachbar*innen. Der Gegenübernachbar gibt mir bei der Gelegenheit einen Brief, der aus Versehen bei ihnen gelandet ist und ich ihm den Teller vom dienstäglichen Bananenbrot zurück.

Danach ist die Luft dann auch raus, bzw. nimmt die Verschleimung wieder überhand. Ich beende den Tag mit dem Zuendehören von von Kamala Harris 107 Days (Was für ein Ritt! Auch beim Zuhören und Wiederreinfühlen in den plötzlichen Optimismus und dann den tiefen Absturz… Und wirklich spannend, was sie so an Einblicken preisgibt, auch wenn das natürlich alles sehr biased ist…), unterbrochen nur noch von einem schnellen Gang zur Apotheke vor deren Schließung und dann später einem Knabberteller zum Abendbrot (Verschleimung macht, dass sogar ich mich zwingen muss, zu essen…)

Zwei Sorten Käse, Crowdfarming-Tomate und -Gurke, Supermarkt-Radieschen und -Satsuma, Schmalz-Taralli mit Pfeffer und Pistazien

Dann will ich vernünftig früh schlafen und pfeife mir gegen 22 Uhr zum ersten Mal im Leben Wick Medinait ein. Morgen habe ich viel zu arbeiten und übermorgen einen ganztägigen Workshop, die Erkältung dürfte sich jetzt mal langsam verziehen. Die abschwellende und hustenstillende Wirkung tritt in annehmbarer Zeit ein, Schmerzen habe ich auch keine, dafür ist mir sehr schnell sehr warm, und das mit dem Einschlafen klappt trotzdem sehr lange nicht…

24.09.2025 – Und nochmal

Auch der heutige Tag ist geprägt von Schleim, Halsweh und Husterei. Diesmal gibt es allerdings nichts abzusagen, alle meine Termine finden im Laptop statt.

Zum Frühstück gibt es Käsebrote (der Brunost ist dann also aufgegessen, vom Manchego gibt es noch), Innenhof-Apfel, Crowdfarming-Trauben, Satsuma und Feige aus dem Supermarkt, vietnamesischen Kaffee und eine große Kanne Ingwertee mit Honig. Wie gestern sitze ich dazu auf dem Balkon und blinzele in die Sonne. Allerdings diesmal nur bis 12, denn dann beginnt das erste Webinar des Tages und das besuche ich dann vom Bett aus.

Mittags gibt es den Rest scharfes Süßkartoffel Kürbis-Mais-Feta mit körnigem Frischkäse, Schnittlauch und Koriander.

Ansonsten verbringe ich die Zeit mit den üblichen Dingen im Internet und mehr von Kamala Harris‘ Buch, das ist grad spannender als die norwegische Weltliteratur, um die ich mich demnächst wieder kümmern werde.

Nächstes Webinar um 17 Uhr, dann 30 Minuten Pause zum Abendbrot machen. Es gibt Pasta mit gekochter (!) Crowdfarming-Zucchini, Basilikum und Parmesan.

Um 19 Uhr dann das dritte und längste Webinar des Tages. Danach bin ich platt und gönne mir ein heißes Bad vor dem Schlafengehen.

23.09.2025 – Bett, Balkon, Bett

Die Berieselung gestern war ein bisschen lang, die Nacht entsprechend ein bisschen kurz, aber da ich immer noch verrotzt bin, habe ich ja keine großen Pläne heute, also geht das schon. Noch im Bett liegend sage ich die Kaffeeverabredung am Nachmittag und die Essensverabredung am Abend schweren Herzens ab. Dann geht es mit dem Frühstück raus in die Sonne – jeden Strahl nutzen, solange da noch Strahlen sind!

Selbstgemachter Chai mit Ingwer, Cumin, Kardamom, Nelken, Zimt, Sternanis und schwarzem Pfeffer. Joghurt mit Crowdfarming-Granatapfel, Obstteller mit Crowdfarning-Trauben, Innenhof-Apfel und Satsumas und Feigen aus dem Supermarkt

Ich erledige das Lesen, Bloggen, Sprachen lernen und rätseln schwitzend draußen. Die Sonne knallt, trotz nur 16 Grad. Gegen 13 Uhr ist sie dann um die Hauswand rum und ich gehe zurück ins Bett. Die Nachbarin, mit der ich die Verabredung absagen musste, bringt mir selbst gebackenes Banana Bread mit Pecannüssen vorbei. Die ganz neue Nachbarin holt ihren neuen Kratzbaum ab, den vorher der Paketbote zu mir geliefert hatte. Neue Katzen im Haus! (Und die neue Nachbarin hat gleich nen super Eindruck von mir mit wilden Haaren und roter Nase. Apropos, mal wieder You‘ve Got Mail gucken?)

Am Nachmittag ein bisschen Bett-Office, ein bisschen Instagram-Beratung und auch ansonsten viel Social Media (mein WhatsApp-Foto um den Hinweis ergänzt, dass ich auf Signal bin und in dem Zuge dann auch auf allen anderen privaten Kanälen das gleiche Bild verwendet) und dann amerikanische Late Nights. Ich bin gerade durch damit nachzugucken, was die verbliebenen Hosts gestern zum Rauswurf Jimmy Kimmels sagten, als die Nachricht eintrudelt, dass er ab heute wieder on air sein wird. So langsam ermüdet das ständige Hin und Her der amerikanischen Nachrichten mehr, als die Empörung/Erleichterung jeweils. Anderes Beispiel: Trump findet jetzt, die NATO sollte russische Flugzeuge abschießen, die den Luftraum verletzen. Und dass die Ukraine vielleicht doch alle Gebiete zurückerobern könnte. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Epstein Files veröffentlicht werden sollten.

In diesem Spirit höre ich beim Abendbrot kochen den Anfang von Kamala Harris‘ neuem Enthüllungsbuch über die 107 Tage ihrer Kampagne…

Süßkartoffeln und Kürbis von gestern mit Mais, Sriracha, Eiern, letztem spanischen Aufschnitt und Tonic Water mit TK-Himbeeren

Zum Abschalten von der Welt dann ganz am Ende des Tages noch ein Robert-Redford-Film mit Morgan Freeman, Jennifer Lopez, einem Bären und schöner Landschaft. Muss ja auch mal sein.