Heute weckt mich der Wecker, keine Katze. Auch mal schön. Der Wecker klingelt, weil ich am Vormittag einen Termin habe und trotzdem meinen morgendlichen Reboot in aller Ruhe und ohne Stress absolvieren möchte und das klappt auch sehr schön. Irgendwann ist dann Zeit fürs Frühstück und das besteht heute aus Blaubeer-Cassis-Müsli, Hafermilch, der letzten kanarischen Banane, einer Mandarine und einem Espresso Tonic (aufgrund der winterlichen Stimmung ohne Eis).

Die letzte Banane lässt mich daran denken, dass irgendwann in nicht allzuferner Zukunft das letzte Frischobst alle sein wird, ebenso wie das letzte frische Gemüse, das man roh verspeisen kann (Spoiler: heute Abend). Bevor ich dann leben muss wie die Menschen „früher“, also von Lagergemüse und haltbar Gemachtem, habe ich dann immer noch einiges aus dem Tiefkühler zur Verfügung danach halt immer noch: getrocknetes, eingekochtes, fermentiertes, konserviertes. Was für ein Wohlstand – solange der Strom nicht ausfällt, natürlich, solidarische Grüße in den Südwesten der Stadt.
Für den Termin am Vormittag sperre ich die Katzen aus dem Arbeitszimmer aus (auch dieses ein ganz schönes Privileg, ich weiß) und muss dann ganz schön viel lautes Gemaunze ignorieren (privilegierte Katzen sind das auch). Direkt hinterher werden sie erstmal ausführlich bekuschelt und dann haben sie mich wieder lieb.
Bis zum Mittagessenhunger vergeht noch etwas Zeit, aber als es soweit ist, gibt es den Rest Reis von gestern mit Zwiebeln, TK-Bohnen, Ei und Chilisauce.

Danach kümmere ich mich um ein paar Haushaltsdinge, traue mich aber nicht, den Müll rauszubringen, weil ich auf einen angekündigten Anruf von einem Dienstleister warte, für den ich in Schreibtischnähe sein will, um Sachen nachschauen zu können. Der Anruf kommt natürlich nicht, ich bringe den Müll dann erst raus, als das Tageslicht schon weg ist. Hmpf. Danach ist erkläre ich den aktiven Teil des Tages für beendet, mache es mir auf dem Sofa gemütlich und telefoniere.
Am Abend dann nehme ich mir einen großen Batzen Zeit (Privileg!) und gucke die kompletten drei bzw. sechs Teile Ku‘damm 77. Wir auch bei den vorherigen Iterationen habe ich jede Menge verschiedene Emotionen dazu. Historisch ist es spannend und es gibt schön viele starke Frauenfiguren. Man merkt, dass bewusst auf Diversität geachtet wird (Hautfarben, Herkünfte, Sexualitäten), manchmal zu offensichtlich bzw. ahistorisch (die Jugendliche in den 70ern, die allen erklärt, dass die Homosexualität ihres Vaters etwas völlig Normales ist), aber gleichzeitig wird eine Figur (schon in der ersten Staffel) komplett rehabilitiert, die eine Frau vergewaltigt hat und später wird sich sogar verliebt und geheiratet. Ja was denn jetzt, liebe Serie, guckt Ihr mit modernen Ansprüchen auf die Welt oder mit denen von „damals“? Ansonsten wird in den Kritiken bemängelt, dass es jetzt in dieser Staffel. komplett telenovela-artig wird mit unrealistischen Geschehnissen, Plot Twists und neu reingeschriebenen verschollenen Verwandten. Alles richtig, aber das war schon von Anfang an so: Was in den vier Staffeln in der Familie an Drama passiert könnte auch ein ganzes Jahr Marienhof/Verbotene Liebe füllen, mindestens. (Those were the days…)
Zwischendrin gibt’s irgendwann auch noch Abendbrot, nämlich die wirklich allerletzte Gurke als Salat, eine TK-Breze, veganen Kochschinken und Käsewürfel mit Pfirsich-Chutney, dazu letzten Apfelsaft als Schorle. Gaumen und Magen fühlen sich sehr privilegiert und gehen mit dem Rest von mir gegen Mitternacht zufrieden schlafen.



















































