21.03.2026 – Nostalgie

So richtig ausschlafen wäre nach der Woche gut gewesen, stattdessen geht es mit Unterbrechungen bis etwa halb 8. Dafür dann aber ganz langsames Wachwerden und ausführlicher morgendlicher Reboot im Bett. Zum Frühstück gibt es dann Brot mit Avocado und Ei, Croissant mit Erdbeer-Bananen-Aufstrich und Matcha Latte.

Ich hetze mich nicht und mache dann noch ganz in Ruhe To Dos – Katzenklo, Katzenbrunnen, Katzenfutter vom Balkon in die Küche räumen, Rucksack packen, Duschen, Anziehen… Schon nach kurzer Zeit wird klar, dass ich heute nicht den ersten Zug nehme. Also noch Zeit für Mittagessen zuhause – mehr Misosuppe und immer noch ein Rest für morgen Abend.

Dann geht es zum zweiten ausgesuchten Zug und kurz vor 15 Uhr steige ich in den RegionalExpress nach Rostock. Ich schlafe erstmal hemmungslos eine Stunde ein, dann höre ich die Känguru-Rebellion zu Ende und lese weiter in meinem Buch. Nach zweieinhalb Stunden steige ich in Rostock aus und laufe bei schönstem Sonnenschein durch die alte Heimat. Im alten Stamm-Supermarkt stelle ich mir eine Salatschüssel zum Abendbrot zusammen, dann geht es weiter zur Freundin in der KTV. Wir essen und erzählen.

Gegen halb 8 laufen wir los in den alten Stammclub, wo heute Angelo Kelly mit seiner Band spielt. Als der seine Tour „Ready to Rock“ angekündigt hat und ein Konzert hier dabei war, musste ich einfach zuschlagen. So viel Nostalgie auf einen Haufen! Morgen spielt er in Berlin, aber das hätte mich nicht genug gereizt. Ich gehe zum offiziellen Eingang rein, zeige mein Ticket und bekomme eine Stempel. Die Freundin, die regelmäßig für den Club arbeitet, nimmt den Hintereingang, zahlt nix und trifft mich bereits mit einem Gratisbier am Tresen. Ich kaufe mir auch eins und dann quatschen wir weiter.

Als das Konzert losgeht, fragt sie mich nach den ersten Takten, ob er wirklich mit seiner aktuellen Single einsteigt, was ich erst ein paar Takte später bestätigen kann. Die Freundin hat den Beschreibungstext für die Webseite geschrieben und sich deswegen durch das Promomaterial gehört. Dafür kennt sie den Rest der Songs nicht, ich hingegen schon. Der zweite Song ist einer meiner Favoriten aus seiner ersten Solophase vor rund 20 Jahren, bevor er ausgiebig erst mit seinen Kindern und dann wieder mit seinen Geschwistern unterwegs war. Der dritte Song ist einer der großen Hits von vor rund 30 Jahren. Danach zieht sich die Freundin in die Raucherlounge zurück und ich laufe durch den Club, in dem ich so viel Zeit zugebracht habe, so oft auf der Gästeliste stand, so viele Konzerte gesehen, so viele Interviews im Backstage geführt und so viele Nächte durchtanzt habe. Das Meiste davon ist auch schon an die 20 Jahre her.

Und dabei höre ich einem Musiker zu, den ich zum ersten Mal vor 37 Jahren auf der Straße spielend erlebt habe, dann das erste Mal bei einem riesigen Open Air vor 30 Jahren und dann jahrelang regelmäßig in großen Hallen und auf Open Airs, später in Kirchen, Zirkuszelten und Theatern, dann im Kurpark vor nicht einmal 100 Leuten, nachdem ich ihn fürs Radio interviewt hatte und bevor ich ihm ein Konzertticket von genau 10 Jahren vorher gezeigt hatte und er mir darauf ein Autogramm gegeben hatte – das ist diesen Sommer 20 Jahre her! Danach immer mal wieder in mittelgroßen Venues und schließlich noch dreimal wieder riesig groß, vor auch schon wieder fast 10 Jahren. Und jetzt eben hier, im ehemaligen Wohnzimmer, wo er Geschichten von früher erzählt, von Leuten, die ich kenne, in Rostocker Tonfall mit amerikanisch-irischem Einschlag. Da kommt einiges zusammen, emotional.

Die Musik ist OK. Die Musiker sind großartig, die Songs halt wie immer irgendwie noch ausbaufähig. Vier Songs gibt es aus der großen Zeit der 90er und frühen Nuller, da wird laut mitgesungen, der Rest ist gemischt aus der ersten Solophase und der jetzigen. Und nach etwa anderthalb Stunden ist dann auch schon wieder Schluss.

Ich setze mich mit der Freundin, die zur Zugabe wieder in den Saal kam, zurück in die Raucherlounge und wir trinken noch ein Bier, erzählen mit den Einheimischen (Erstaunlich viele sind hier, die „zufällig“ oder „nur aus Neugier“ heute vorbeigekommen sind.) Und dann sind wir irgendwann müde und laufen nach Hause, gegen Mitternacht liege ich in den Federn.

Smile For The Picture (VÖ 2008)
I Can‘t Help Myself (VÖ 1996)
Rollin‘ (VÖ 2026)
Nothing (VÖ 2008)
Once In A While (VÖ 1994, geschrieben 1992 in Warnemünde)