20.03.2026 – Ganz schön viel Tag

Der Wecker klingelt um 6, da hänge ich schon seit einer halben Stunde im morgendlichen Reboot. Gegen 7 stehe ich auf, mache mir einen Kaffee zum Mitnehmen und gehe dann kurz vor der Mitbewohnerin aus dem Haus. Auf dem Weg zur Straßenbahn stelle ich fest, dass mein Zug eine knappe Stunde Verspätung haben wird und stelle mich also auf längeres Warten am Bahnhof ein. Dort angekommen hole ich mir einen Grießbrei mit Obst zum Kaffee.

Beim Essen stelle ich fest, dass es noch eine andere Zugverbindung gibt, die nur kurz nach meiner ursprünglichen fährt und insgesamt kürzer ist, so dass ich nur wenig verspätet ankommen soll. Dann nehme ich also die und bekomme sogar noch einen Sitzplatz. Ich nutze die Fahrt bis Halle für Französisch, Italienisch und Rätsel. In Halle muss ich geplant 20 Minuten auf die S-Bahn nach Leipzig warten, gemeinsam mit Hunderten anderen Menschen. Außerdem ist es ganz schön kalt, sonst hätte ich überlegt, mir in der Altstadt schnell ein Eis am Automaten zu holen (beim letzten Mal Halle war es sehr heiß). So aber bleibe ich auf dem Bahnsteig stehen, der sich immer weiter füllt. Die S-Bahn verspätet sich dann um 25 Minuten und kommt so zu stehen, dass ich zwischen zwei Türen bin und damit keine Chance habe, noch reinzukommen. Die nächste fährt fünf Minuten später an einem anderen Bahnsteig. Hunderte Menschen laufen die Treppe runter, um dort hinzugelangen, inzwischen ist die Abfahrt auf den ursprünglichen Bahnsteig aber das Nachbargleis verlegt und Hunderte Menschen laufen wieder hoch. Diesmal komme ich rein, wir erobern die 1. Klasse und ich komme nach fast einer Stunde engem Stehen auf einem Kasten zum Sitzen. Beide S-Bahnen fahren am Ende fast zeitgleich los und am Ende bin ich knapp weniger als eine Stunde zu spät am Messegelände, wer weiß, wie es mit meiner ursprünglichen Verbindung gelaufen wäre, da hätte ich in Bitterfeld in die S-Bahn umsteigen müssen, bei vermutlich ähnlichen Bedingungen.

Die Masse walzt sich dann auf die Messehallen zu, zum Glück kann ich dann aber zum Ausstellendeneingang abbiegen und komme zügig rein, dann noch unseren Stand finden, die Kolleginnen begrüßen und dann kann ich endlich ablegen, kurz durchatmen und dann verspätet meinen „Dienst“ antreten (auf der Fahrt und beim Stehen in Halle habe ich schon ein paar Dinge auf dem Handy erledigt). Jetzt aber Hands on Sachen machen! Wir unterhalten uns mit Besucher*innen, verteilen Goodies, erklären, was wir machen und bereiten gleichzeitig alles für eine Signierstunde vor, die gleich bei uns am Stand stattfindet. Zwischendurch kommen immer wieder Kolleginnen vorbei, die Termine auf der Messse haben – Gespräche mit Kontakten und aktuellen wie potenziellen Kund*innen oder Moderationen auf der Bühne – und hier ihre Basis haben. Zukünftig werde ich bei solchen Gelegenheiten auch Termine haben, aber da ich erst so frisch dabei bin, habe ich heute noch den „leichteren“ Job, unterstütze am Stand und mache nebenbei Fotos für Social Media.

Zwischen der ersten und der zweiten Signierstunde (letztere mit einer laaaaaaaangen Reihe von Fans, davon einige in Cosplay-Outfits) drehe ich eine kleine Runde durch unseren Bereich der Halle, schaue mich um, sammle ein paar Goodies von anderen ein und telefoniere mit einem Dienstleister.

Nach der zweiten Signierstunde hole ich mir an einem Stand draußen Pommes, dann wird es langsam ruhiger. Zeit für entspannte Gespräche mit den Kolleginnen (heute tatsächlich keine Männer vor Ort), dann besuche ich ein Gespräch, das eine Kollegin auf der Bühne moderiert, poste auf LinkedIn über den Messetag und bin dann noch zum Stand eines Partners geladen, der sich unseren Tisch ausgeliehen hat, um Sekt auszuschenken.

Blöderweise habe ich kurz vorher ein Déja-vu zu einer Situation vor ungefähr einem Jahr: Ich esse ein Gummibonbon von denen, die uns eine Partnerin spendiert hat und ziehe mir damit die Krone aus dem Zahn. Verdammt. Ich bringe sie in einer leeren Tic-Tac-Schachtel unter und rufe meine Zahnärztin an. Aus meinen Recherchen vom letzten Mal habe ich noch im Kopf, dass man die Krone eigentlich nach spätestens 48 Stunden wieder reinmachen soll, was blöd ist, da ich in Leipzig bin und es Freitag ist. Die Zahnärztin beruhigt mich aber, gibt mir einen Termin für Montag und sagt, dass ich bis dahin kaltes, heißes, hartes und klebriges meiden soll und zwischendurch immer mal Zahnpasta oder Elmex Gelee auftragen soll. Immerhin.

Daher aber jetzt kein Sekt für mich und auch nur kleine Schlucke Wasser, die ob der Kälte ganz schön weh tun, ebenso wie die kalte Luft draußen, als wir unseren Stand schließen, den Tisch zurückholen und uns auf den Weg zum Bahnhof machen. Die anderen bleiben noch weiter in Leipzig, ich erreiche mit etwas Mühe und Rennerei noch meinen Zug zurück nach Berlin und bin froh, wieder sitzen zu können.

Um 20 Uhr bin ich am ersten Bahnhof in Berlin, steige aus und laufe zur Wohnung der besten Freundin des Liebsten, die mit dem Liebste und dem Teilzeitkind schon mit dem Abendessen auf mich wartet. Ich schenke dem völlig begeisterten Teilzeitkind einen Känguru-Beutel, verteile Känguru-Sticker an alle und trinke dann erstmal sehr viel lauwarmes Wasser. Zum Essen gibt es Spinatpastete, Tomaten-Radieschen-Salat und vegane Mousse au Chocolat mit Birnen, das kann ich alles gut essen, kaue halt auf der anderen Seite.

Wir erzählen bis etwa halb 10, dann ist Aufbruch. Wir Drei laufen zusammen zum Bahnhof, dann fahren die beiden Anderen zurück nach Südberlin und ich nehme die Ringbahn nach Hause. Gegen halb 11 bin ich da, füttere die Katzen und setze mich nochmal kurz an den Laptop, etwas Dienstliches erledigen, das vorher auf dem Handy nicht geklappt hat, das ich aber sonst gleich morgen früh machen müsste. Kurz nach 23 Uhr liege ich dann völlig erschöpft im Bett und schlafe sehr schnell ein.