Gute Nacht in des Liebsten Bett bis auf eine lautstärkebedingte Wachphase mittendrin. Gegen 8 dann starte ich in den morgendlichen Reboot und der Liebste bringt Kaffee. Da ist das Teilzeitkind schon zur Sonntagmorgenschicht vor dem Fernseher und isst kalte Pizza von gestern. Gegen 10 dann stehen wir auf, der Liebste holt Brötchen und dann gibt es nochmal Frühstück in Familie, gefolgt von GeWi lernen. Bin ein bisschen erstaunt, was die Kindelein von heute so wissen müssen, bzw. auch, was nicht und erzähle Geschichten von früher und wie wir auf der stummen Karte wirklich alle Länder von Europa zeigen können mussten plus die größten Flüsse und Gebirge für den Fall der mündlichen Leistungskontrolle. Ist ja auch wichtig, ausreichend cringe und nervig zu sein, sonst kann das Kind ja nicht rebellieren.

Nach dem Essen gehen der Liebste und ich ins Fitnessstudio, beide in der Vorahnung, dass dort angesichts des Feiertags besonders viel los sein könnte. Ich witzele noch, dass da bestimmt die ganzen Dudes abhängen, deren Frauen heute mit dem Bollerwagen umherziehen aber dann ist es tatsächlich wahnsinnig voll, in allen Geschlechtern. Wir schwimmen bzw. aquasporteln (ich) ein bisschen und wollen dann zum gemütlichen Teil übergehen. Weil Frauentag ist, sind das Dampfbad und die Aufgusssauna für den Liebsten gesperrt, was ein bisschen schade ist, weil er das Dampfbad so mag und von den beiden anderen Saunen eine defekt ist und sich in der anderen die Dudes stapeln. Ich lasse mich bedampfen und gehe in die angenehm leere Aufgusssauna (ohne Aufguss) und dann treffen wir uns zum Lesen und Ruhen wieder.
Der Liebste ist inzwischen echt genervt – von den vielen Männern, die nicht einsehen wollen, warum sie nicht ins Dampfbad und die Sauna dürfen und sich über die Bevorzugung von Frauen beklagen. Mehrere gehen trotzig trotzdem rein und müssen vom Personal entfernt werden, andere erklären allen, ob sie es hören wollen oder nicht, wie ungerecht das alles ist und in der Dudesauna war wohl allgemein Pöbellaune. Der Liebste fühlt sich sehr unwohl in seinem Geschlecht und findet es dann auch OK, bald darauf zu gehen.
Wir werden vom Teilzeitkind abgeholt und fahren dann mit zwei U-Bahnen nach Mitte zum nächsten Programmpunkt, der etwas Erläuterung bedarf. Anscheinend gibt es in Amerika eine Kette für frittiertes Huhn, die aktuell in (zumindest deutschsprachigen) sozialen Medien sehr gehypet wird. Diese Kette gibt es in Deutschland nicht, was natürlich den Hype unter deutschen Kids verstärkt. Ein Laden in Berlin hat es nun geschafft, dass Creators (und vermutlich viele bezahlte Influencer*innen) verbreiten, dass er genauso gut wäre wie besagte amerikanische Kette. Ich habe weder von dem einen noch dem anderen jemals gehört aber das Teilzeitkind muss da hin und wer wäre ich, wenn ich einem Foodie im Weg stünde?
Das Kindelein ist furchtbar aufgeregt, vor allem, als es dann den Laden aus den Videos erkennt und sieht, dass Leute genau da sitzen, wo die Leute in den Videos da auch sitzen. Wir dürfen dann trotzdem gemütlich in einer Diner Booth sitzen, aber erst nachdem wir versprechen, dort später Fotos vom Kind zu machen.

Es gibt dann für alle sehr okaye Chicken Tenders, gute Pommes, die Haussauce, die aber nicht so gut ist, wie das Internet das Kind hat glauben machen (oder sie ist einfach nicht so gut, wie das amerikanische Original, vermutet das Kind), leckeres Knoblauchbrot aus Brioche (mit Brot, Butter und Knoblauch kann man auch herzlich wenig falsch machen), Coleslaw für den Liebsten, Fried Pickles für mich und Apfelschorle bzw. Sprite. Man kann das machen. Muss man aber auch nicht. Aber jetzt bin ich halt voll cool, weil ich in dem gehypeten Laden war. Ätsch.
Wir machen dann noch diverse Fotos vom glücklichen Kind, der Liebste nennt mich „Instagram Stepmom“ und dann fahren die beiden zurück nach Südberlin und ich laufe durchs sonnige Mitte zu den Ellis.
Dort gibt es gemütliche Gespräche und Urlaubsplanungen, bis um 18 Uhr die Prognose aus BaWü kommt, dass zumindest Hagel aber wohl auch insgesamt die CDU (und die SPD, völlig verdient) abgewatscht wurden. Mir entfährt ein kurzer Jubel, es gibt politisch grad so selten was zu freuen. Dann gehe ich los und kehre mit U-Bahn und Straßenbahn nach Pberg zurück.
Die Katzen sind hoch erfreut über meine Anwesenheit, denn die bedeutet frisches Futter und mehr Kuschelpotenzial. Ich telefoniere mit der Liebstenschwester und dem Nifftenkind für noch mehr Urlaubspläne und dann lese ich weiter in dem Buch, das ich im Fitnessstudio angefangen habe. Ist zwar von einem Mann, aber immerhin von einem mit sorbischen Wurzeln, immer auf das Positive konzentrieren!