30.01.2026 – Nicht mein Tag

Ich wache kurz vorm Weckerklingeln auf und mein Arm schmerzt, ob des gestrigen Sturzes, ein wenig, aber aushaltbar. Trotzdem ärgere ich mich gleich wieder. Dann aber gibt es Kaffee im Bett während das Teilzeitkind sich zum Frühstück Eier brät und dann zur Schule, zu den Zeugnissen und in den Winterurlaub aufbricht. Dann noch weiter im Bett herumsandeln, bis der Liebste arbeiten muss. Das ist mein Zeichen, aufzustehen und den nächsten Kaffee zu machen. Ich koche einmal aufwändig Wasser in der Moka, weil ich den Kaffee vergesse und lasse dann die leere Mikrowelle laufen, während die Tassen mit der Milch noch auf der Küchentheke stehen… Nicht mein Tag.

Zum Frühstück dann Kaffee, O-Saft, Mandarine, Brot mit Snickers Spread, Brot mit Erdbeermarmelade

Nach dem Frühstüch verabschiede ich mich und laufe vorsichtig durch das glatte Draußen zur S-Bahn. Ich fahre bis zur Friedrichstraße und laufe vorsichtig ins Kulturkaufhaus, ein Geburtstagsgeschenk für die beste Freundin besorgen, mit der ich heute Abend verabredet bin. Dann vorsichtig zum Drogeriemarkt, vorsichtig zur anderen S-Bahn und am Alex vorsichtig umsteigen in die Straßenbahn. Ich steige vorsichtig aus der Straßenbahn aus, bin dann einen kurzen Moment unvorsichtig und liege schon wieder auf dem Eis – ein Bein (Knie und Knöchel) schmerzhaft verdreht, das andere Bein knapp nicht unter der Straßenbahn. Drei andere Leute helfen mir auf, denn es ist zu glatt, um Halt zu finden. Ich bedanke mich, halte mich am Ampelpfosten fest und veratme den Schreck, bevor ich vorsichtig den Weg nach Hause humpele, während das Adrenalin weicht und die Schmerzen stärker werden und die im Arm übertönen.

Zuhause warne ich im Treppenhaus noch die Nachbarin, die gerade fröhlich nach unten hüpft, dann packe ich schnell meinen Rucksack aus, koche Tee, füttere die Katzen, hole mir zwei Kühlpacks aus dem Tiefkühlfach und lege mich mit beiden aufs Bett. Erst der besten Freundin absagen, dann mit dem Liebsten telefonieren und dann der Familie Bescheid sagen.

Ich liege da, immer noch ein bisschen voller Adrenalin, kühle Knie und Knöchel und habe ungute Erinnerungen an den anderen Fuß, vor knapp einem Jahr. Am Anfang fühlt es sich ähnlich an, aber im Laufe des Tages scheint sich herauszukristallisieren, dass es diesmal nicht so schlimm wird. Das Knie ist relativ schnell wieder halbwegs OK und schwillt nicht an, nur drumherum weht es ein wenig. Der Knöchel schwillt ein wenig an, aber nichts im Vergleich zu letztem Jahr und ich kann damit auftreten. Ich halte ein Mittagsschläfchen und danach sieht die Welt schon ein bisschen besser aus.

Am Nachmittag koche ich mir Pasta mit Anchovis, Knoblauch, Kapern, Bottarga, Petersilie und Zitrone, dazu geröstete Semmelbrösel. Kurz danach kommt die Gemüsekiste an – einen Tag zu früh und wieder in anderer Zusammensetzung als angekündigt. Es fehlen Kohlrabi, Gurken und Kohl, dafür gibt es Fenchel.

Ich erledige endlich meine heutigen Italienisch- und Französisch-Aufgaben, der Rest vom morgendlichen Reboot ist am Morgen schon passiert. Dann noch ein bisschen Produktivität am Laptop, aber ich übertreibe mal nicht, schließlich bin ich malad. Stattdessen schaue ich die neue halbe Staffel Bridgerton und bin ein wenig enttäuscht, dass die Story so Aschenputtel ist und dass nicht mehr auf Benedicts Bisexualität eingegangen wird, jetzt wo seine Staffel dran ist. Die Serie ist doch sonst so gut mit Repräsentation.

Zum Abendbrot gibt es die reife Tomate aus der Kiste mit der vorletzten Avocado, dem Rest Dosenmais und einem Limettendressing. Dieses Wochenende halte ich meine Keine-Lebensmittel-nachkaufen-Challenge noch durch, aber ich denke am Montag oder spätestens Dienstag werde ich dann doch mal wieder in den Supermarkt gehen. Ich könnte noch eine ganze Weile von Nudeln mit Ketchup, Asianudeln mit Algenbrühe, verschiedenen Gemüsekombinationen und Süßkram leben, aber ich brauche für die Abwechslung und das Wohlbefinden auch wieder (vegane) Milchprodukte, (vegane) Fleisch- und Fischprodukte, Müsli und frisches Obst – die letzte Kiste und schon fast wieder aufgegessen. Ich werde aber mit Bedacht nachkaufen und trotzdem gucken, dass ich weiter Dinge aufbrauche.

Den Rest des Abends verbringe ich dann wieder mit Letterkenny und verarbeite nebenbei die Nachrichtenlage. Der Tag hatte diesbezüglich ja großartig angefangen, mit dem Auftritt von Mark Carney beim Canadian Media Summit und seiner Rede über Heated Rivalry. Dann aber im Laufe des Tages die Nachricht über die Festnahme (und zum Glück spätere Freilassung) von Don Lemon, die neue Ladung Epstein Files, körperliche Funktionen im Oval Office und dann auch noch der Tod von Catherine O‘Hara… it is a lot.

Vor dem Einschlafen mache ich noch ein Erinnerungsfoto vom Arm, der nach dem gestrigen Sturz wohl den Höhepunkt an Bluterguss erreicht hat, und eins vom Knöchel, zu Dokumentations- und Vergleichszwecken – das zeige ich aber nicht, es gibt ja Menschen mit Fußphobie…