29.01.2026 – Streak gerissen

Ich wache kurz vor dem Weckerklingeln seltsam erholt auf, dann höre ich ein leises, heiseres Miauen an der Balkontür, das schnell lauter wird, als ich die Tür aufmache. Huch, Nimbin hat draußen geschlafen und Noosa hat, pragmatisch wie sie ist, nicht Bescheid gesagt, sondern sich über mehr Platz im Bett und mehr Aufmerksamkeit von mir gefreut. Der arme schwarze Kater ist ganz kurz erbost und meckert, dann guckt er nach dem Futter, dann kuschelt er sich schnurrend an mich und wärmt sich wieder auf. Eine Viertelstunde später ist alles wieder wie es soll – sind halt insgesamt doch eher Wildtiere, obwohl sie die Vorzüge einer warmen Wohnung und regelmäßig servierter Mahlzeiten sehr zu schätzen wissen. Ich bin trotzdem ganz froh, dass die Minusgrade im Moment nicht mehr so tief gehen (und es auf dem Balkon auch ein Katzenklo gibt).

Ich lese Blogs und schreibe Blog und dann muss ich auch schon aufstehen. Schnelles Frühstück aus Lebkuchen und kanarischer Banane, den letzten vietnamesischen Kaffee in den Becher und schon geht es ins Draußen. Ganz schön schlitterig auf den Wegen, aber ich komme unfallfrei zur Straßenbahn. In Mitte ist besser geräumt, Umsteigen klappt gut und von der U-Bahn zum Fitnessstudio ist es komplett unproblematisch. Kurz darauf sitze ich im Whirlpool und lasse mich noch ein paar Minuten wachmassieren, bis der Kurs losgeht.

Statt Aquapogo ist heute eher Aquadisco dran, aber das passt auch sehr gut. 45 Minuten laufen gefühlt alle Tanzfilme der 70er und 80er durch (Grease, Saturday Night Fever, Footloose, Dirty Dancing) und für Pulp Fiction ist auch noch Zeit. Und für „Walking on Sunshine“. Ich fühle mich wie im Studentenclub der Nuller Jahre und komme vor lauter Mitsingen mehr aus der Puste, als er der reine Sport verlangt. Unbedingt wieder öfter tanzen, sage ich mir. Sehr gut übrigens: Arm und Schulter machen nach anderthalb Jahren fleißig mit, tun nur ganz leicht weh, und vom Fuß merke ich schon nach einem Dreivierteljahr gar nichts mehr.

Es folgen Dampfbad, Ruheraum, Sauna, Ruheraum, Duschen, Cremen, Anziehen, Föhnen und dann bin ich nach knapp zwei Stunden schon wieder draußen. Am Alex kaufe ich mir noch einen neuen Zweitbikini (anprobieren erst später, habe ich jetzt keinen Nerv mehr und zurückbringen geht ja trotzdem) und dann geht es wieder zurück nach Hause. Ich bringe noch fix den Müll runter und dann gibt es Mittagessen am Schreibtisch.

Selbst gebackenes Brot, letzter Kräuterfrischkäse, Avocado mit Limette

Ich bin ein paar Stunden alleine fleißig, dann habe ich anderthalb Stunden Workshop mit zehn anderen und dann ist Feierabend. Schnell Sachen packen und wieder los, diesmal nach Südberlin. Dort, auf dem Weg von der S-Bahn zur Liebstenwohnung, reißt dann doch mein Streak: Ich war ja so stolz darauf, diesen Winter trotz aller Glätte und viel Draußensein noch nicht einmal gestürzt zu sein. Tja. Ein abschüssiger, ungestreuter Weg mit überfrorenem Kopfsteinpflaster und ohne Beleuchtung bringt mich ins Schlingern, der volle Rucksack zieht mich zusätzlich nach hinten und dann liege ich. Nicht ohne vorher noch unsanft mit dem linken Arm auf der Gehwegbegrenzung aufzukommen. Natürlich mit dem Linken, warum Schmerz und Verletzungen unnötig verteilen?

Ich ärgere mich, versuche dann aufzustehen, was aufgrund der Glätte des Untergrunds nicht gelingt, rutsche dann auf dem Po bis nach unten, wo es eisfreie Stellen gibt, und rappele mich dort wieder auf (mit Mühe, wegen Rucksack). Dann stapfe ich frustriert zum Liebsten und lasse meinen Unmut an ihm und dem Teilzeitkind aus. Zum Glück gibt es dann aufgetautes Roastbeef von Weihnachten, Klöße, Rotkraut, Sauce und ein Glas Wein und dann geht es schon wieder.

Den Abend verbringe ich mit dem Liebsten auf der Couch, während sich an Arm und Hand ein paar ordentliche Blutergüsse bilden. Ansonsten fühlt sich alles etwas sore an, scheint aber nicht ernsthaft verletzt zu sein. Nervig, aber ein ganz anderes Erlebnis als vor anderthalb Jahren, als ich wochenlang trotz Schmerzmitteln nicht richtig schlafen konnte und den Gang zum Arzt aufgrund anderer Prioritäten unverantwortlich verschleppt habe. Das hier wird in ein paar Tagen vergessen sein. Trotzdem früh ins Bett, morgen klingelt der Wecker wieder früh!

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