Sehr früh (aber immerhin nicht mitten in der Nacht) aufgewacht und dann diesmal einfach wach geblieben und den Tag in Angriff genommen. So sitze ich nach der Hälfte des morgendlichen Reboots schon ungewöhnlich früh beim Frühstück und bald darauf, nach dem Rest des Reboots, am Schreibtisch.

Ich fleißele vor mich hin, bis ich gegen Mittag erst ein Webinar und dann ein Meeting habe, für das die Kamera an sein und ich mich also in Schale werfen muss. Das erlaubt mir dann aber auch, direkt danach rauszugehen und eine Erledigungsrunde zu drehen. Die Sonne sonnt, es ist kalt. Ich gehe einen Brief bei einer Behörde einwerfen, das geht deutlich schneller als mit der Post und kostet statt Porto nur Schritte, und kehre dann bei der örtlichen Bibliothek ein, in der heute welche von den 4000 Tonnen Kartoffeln für Berlin verteilt werden. Jede*r nur eine Tüte, keine Selbstbedienung!

Das ist kein Cheat im Sinne der Keine-Lebensmittel-kaufen-Challenge, weil ich ja nichts kaufe, sondern helfe, Verschwendung zu vermeiden – so gesehen genau im Geiste der Challenge. Trotzdem verlängert es natürlich mein Durchhaltevermögen, denn meine letzten Kartoffeln habe ich gestern gekocht und der Rest davon steht für später auf dem Speiseplan.

Wieder zuhause gibt es das letzte Vogelhochzeitsnest und ein paar Walnüsse, dazu einen Sencha. (Technisch gesehen habe ich die Vogelhochzeitssachen auch gar nicht gekauft, wo bleibt meine Rechnung?)
Dann schaue ich mir die Rede des amerikanischen Präsidenten in Davos an, die weit weniger interessant (weil erwartbarer) ist, als die von Mark Carney gestern. Historisch trotzdem spannend, rhetorisch auch (gibt Rhetorik ja in gut und schlecht) und emotional eher in die andere Richtung aufwühlend als gestern, Stichwort Rassismus, persönliche Angriffe auf weibliche Politikerinnen, Beschimpfungen, Lügen… DJT versucht, die Schilder wieder aufzustellen, die Carney gestern abgeräumt hat. Mit mäßigem Erfolg immerhin, der Applaus bleibt verhalten aber einige Leute stehen dabei trotzdem auf.
Ich mache mir früh Abendbrot, wärme die Kartoffeln von gestern auf und backe dazu eine Ofenkäse, den ich auf Geheiß des Foodie-Internets vorher mit Knoblauch, Zitronenschale, Thymian, Pfeffer und Weißwein (hier stattdessen Sherry, wegen Challenge) aufpeppe. Sehr gut, nächstes Mal noch mehr Zitrone!

Dann gibt es nochmal anderthalb Stunden Webinar, bis 20:30, bevor es Zeit für Feierabendunterhaltung ist. Meine sorgfältig kuratierte kanadalastige Threads-Timeline hat gestern nach der Carney-Rede ein sehr tolles Meme kreiert: „Don‘t ask my why I know this but Mark Carney [blank]“, wobei dann jeweils kanadische Stereotype oder Referenzen auf kanadische Kulturerzeugnisse eingefügt werden, mit denen ausgedrückt werden soll, wie kanadisch (und damit halt gut) Mark Carney ist. Es geht um Höflichkeit, Eishockey, Heated Rivalry, Alanis Morrisette, Schitt‘s Creek, Anne of Green Gables, The Vinyl Café, das metrische System, Tim Horton‘s… you name it. Ich erkenne etwa 75 % der Referenzen und bin besonders stolz auf mich, dass ich „I‘m pretty sure that Mark Carney‘s dog ended a war“ verstehe. Das bezieht sich auf den Film „The Dog who Stopped the War“, in der deutschen Fassung „Der Schneeballkrieg“, einen frankokanadischen Kinderfilm aus den 80ern, den ich in den 90ern geliebt habe und mir deshalb in den 00ern auf DVD gekauft habe. Das Abendprogramm steht! (Leider ist meine DVD eine anglokanadische Synchronisation, ohne französische Tonspur, die hätte ich gerne zum Testen meines Verständnisses ausprobiert)
Danach geht es dann ins Bett für noch ein paar Seiten Roman vor dem Einschlafen…