13.01.2026 – Wasserpogo

Ich erwache vor dem Wetter und draußen hat das große Tauen eingesetzt. Es gibt eine Glatteiswarnung, aber bis ich los muss, hat sich die in Wohlgefallen und Schneematsch aufgelöst. Optisch ist das mit dem bald fehlenden Schnee ja schon schade, aber ist auch schön, dass jetzt morgens nicht mehr ganz so viel Wasser innen an den Fenstern hängt und weggesaugt werden muss. Dafür ist es ordentlich neblig heute Morgen.

Ich schaffe den Großteil des morgendlichen Reboots, bevor ich aufstehen muss und mache mir dann zum Frühstück fix ne Stulle mit Käse und Zitronenmarmelade, eine Mandarine und dazu einen vietnamesischen Kaffee, den ich meistenteils dann mit nach draußen nehme. Ohne Eis kann ich auch fehlerfrei im Gehen trinken ohne Angst vor Stürzen haben zu müssen.

Mit Tram und U-Bahn fahre ich nach Mitte (der Fernsehturm versteckt sich geisterhaft) und gehe zum Sport. Ich habe gerade noch genug Zeit, mich eine Viertelstunde lang von den Düsen im heißen Whirlpool massieren zu lassen, bevor mein Kurs losgeht. Der Pool ist weniger tropisch als letztes Mal, aber auch nicht so arktisch wie neulich. Die Trainerin ist sehr cool, macht schon wieder andere Übungen (Wer hätte gedacht, dass AquaFitness so vielseitig ist?) und singt lauthals bei der sehr gut ausgewählten Musik mit. Ich dann natürlich auch. Besonders angetan hat es mir ihre Choreo zu „Should I Stay Or Should I Go“, die genauso auch auf Tanzflächen ohne Wasser hätte stattfinden können. Aber auch Schattenboxen zu „…Baby One More Time“ passt wie die Faust aufs Auge.

Nach dem Kurs geht es erst ins Dampfbad und dann in die Sauna. Kurz kalt duschen, Kreislauf regulieren, warm duschen, eincremen, anziehen, Haare anföhnen (Ist ja nicht mehr so kalt!) und dann bin ich auch schon wieder auf dem Heimweg. Zuhause ist direkt Zeit fürs Mittagessen – eine große Portion vom gestrigen Aloo Gobhi am Schreibtisch, an dem ich meinen täglichen Verpflichtungen nachgehe. Heute gibt es dazu Pflaumen-Chutney, denn Abwechslung muss sein.

Sport und Essen sorgen dann doch recht nachdrücklich für Suppenkoma und ich lege mich bei erster Gelegenheit ein Stündchen hin und mache späten Mittagsschlaf.

Zum danach wieder Hochkommen gibt es leckeren Ostfriesentee (mit Hafermilch statt Kaffeesahne), den letzten Gin-Stollen und Lebkuchen. Dazu lese ich weiter in meinem Geschichtsbuch und lerne heute staunend darüber, wie viele Indigene als Sklaven gefangengenommen wurden und als solche auch nach Europa, Afrika und die Karibik gekommen sind. Es entstanden geradezu Diasporae (Diasporas?), etwa in London. Und wie stark die ersten Kontakte mit Europäer*innen schon vor der Besiedelung Amerikas durch diese die indigene Bevölkerung durch Epidemien reduziert hatten, so dass sie deutlich weniger widerstandsfähig waren, als es dann wirklich losging.

Ich schaffe wieder etwa 30 Seiten, bis es Zeit für die heutigen Webinare ist. Die beleuchten witzigerweise KI von zwei völlig verschiedenen Seiten. Im ersten geht es darum, was man tun kann, um technisch auf dem Laufenden zu bleiben und im Arbeitsleben auch langfristig mithalten zu können. Im zweiten wird das Thema eher politisch beleuchtet – von einer Wissenschaftlerin, einem CEO einer Tech-Firma und einer Europapolitikerin. Tenor: Wir kommen an KI nicht mehr vorbei, aber wir müssen sie anders gestalten, mehr Geld in die Forschung stecken, um Ressourcen zu schonen statt nur die Blase weiter zu füttern, ethischer handeln, regulieren und digital souveräner werden. Spannend!

Zum Abendbrot dann die letzte Süßkartoffel, gebacken, mit Kräuterfrischkäse, Bergkäse, Röstzwiebeln und TK-Petersilie, dazu Tee aus frischem Zitronengras.

Stand der Challenge übrigens: Seit 20. Dezember keine Lebensmittel nachgekauft, bisher noch keinen echten Mangel gespürt. Manchmal muss ich Dinge ersetzen, etwa Oliven mit Kapern oder Kaffeesahne mit Hafermilch. So langsam ist das Ende in Sicht was frisches Obst angeht, aber am Wochenende kommt schon die nächste Obstkiste. An Gemüse habe ich noch einen Kürbis, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch und die Tage kann ich mir weitere Kartoffeln kostenlos abholen (schon aus Prinzip!). Gemüse habe ich außerdem noch im Tiefkühler (Bohnen und Spinat, dort auch Pflaumen und Himbeeren) und in der Konserve (Bohnen, Mais, Rotkohl und Tomaten). Ansonsten sehe ich noch keine größeren Engpässe auf mich zukommen, weil ich meine Ernährung entsprechend anpasse und zum Beispiel weniger Brot esse. Ich mache eine Liste mit Sachen, die mir fehlen und die ich irgendwann mit als erstes nachkaufen werde und eine gedankliche Liste mit Dingen, die ich essen will, bevor die Saison vorbei ist (Blutorangen und Artischocken, vor allem) – wenn mir die nicht außer Haus irgendwann unterkommen, werde ich sie mal cheatmäßig kaufen müssen. Ansonsten kommt die nächste Gemüsekiste Ende des Monats, mal sehen ob ich bis dahin noch durchhalte.

Abendunterhaltung dann wieder Sullivan‘s Crossing, nicht ganz so spannend wie gestern (mehr Telenovela, weniger Nova Scotia), aber jetzt bin ich hooked