Der Tag beginnt mit Nachrichten. Die USA brechen das Völkerrecht, greifen Venezuela an und entführen den dortigen Präsidenten. Und in Südberlin gibt es einen riesigen Stromausfall aufgrund eines Kabelbrands, der wahrscheinlich kein Unfall war, der wohl bis Donnerstag anhalten wird. Die gute Nachricht dazu: Obwohl der Kabelbrand nicht weit vom Liebstenhaus stattfand, ist der Liebste selbst quasi nicht betroffen (kein Internet bis zum frühen Nachmittag, ansonsten läuft alles) und der Stromausfall endet auch wenige Meter vorm Haus der Teilzeitkindmama – familiär also alle nochmal so richtig schön Glück gehabt.

Ich verbringe einen halben morgendlichen Reboot im Bett, packe dann meinen Kram zusammen, esse ein paar Plätzchen als Basis für die Tabletten und fahre dann mit einem vietnamesischen Kaffee nach Südberlin.

Die Bahnen fahren auch, ich nutze die Fahrtzeit für Französisch, Italienisch und Rätsel. Beim Liebsten warten schon er selbst, das Teilzeitkind, die neue Mitbewohnerin und deren Freund mit dem Brunch auf mich.

Es gibt Ei, Börek, Brot, Aufstriche, Käse, Wurst, Snickers Spread und auf meinen Wunsch Litschis, Mandarinen und eine riesige Blutorange, dazu O-Saft, Tee und Kaffee. Und es gibt jede Menge Kennenlerngespräche – das Leben in Berlin, in Dänemark, Estland und Südkorea, Serien, Politik und vieles mehr. Ein sehr internationales Mahl.

Nach dem Essen fahren die beiden Neuen zu IKEA, der Liebste macht Platz im Keller, das Teilzeitkind räumt sein Zimmer auf und ich gehe einkaufen (Lebensmittel für diesen Haushalt sind von meiner Challenge ja ausgenommen). Dann gehen das Teilzeitkind und ich ein Projekt an und lösen sein Geburtstagsgeschenk von vor sieben Monaten ein: Wir machen Dubai-Schokolade.
Zuerst schneiden wir Unmengen Kadayıf ein und braten es in Butter an. Einen Teil brauchen wir für die Schokolade, den Rest frieren wir für zukünftige Kunafa ein. Dann schmelzen wir weiße Schokolade und sind schon ein bisschen dekorativ mit den Formen, die danach kurz in den Tiefkühler wandern, während wir die erste Hälfte dunkle Schokolade (Zartbitter und Vollmilch im Verhältnis 1:3) schmelzen und das Pistazienmus (100 % Pistazie, wenn schon denn schon) mit dem Kadayıf und geben noch den Rest weiße Schokolade und ein Päckchen Vanillezucker dazu, weil das Teilzeitkind Sorge hat, dass es nicht süß genug werden könnte.


Als Nächstes kommt eine Schicht dunkle Schokolade in die Formen und wird gekühlt, dann kommt die Füllung drüber und eine zweite Schicht Schokolade oben drüber, bevor wieder gekühlt wird.


Mit der übrigen Schokolade dekoriere ich eine Mandarine, soll ja keiner sagen, wir würden uns nicht gesund ernähren.

Während dann alles kühlt, beseitigen wir das Chaos in der Küche und dann können wir die Schokolade auch schon aus den Formen holen.


Wir stellen fest, dass die kleinen Tafeln sich besser für ohne Füllung eignen, die großen aber ganz hervorragend geworden sind. Und wir stellen fest, dass das alles ganz schön süß und mächtig und lecker ist. Wir naschen nur ein bisschen und wickeln den Rest dann ein und lagern ihn im Kühlschrank.
Es folgt der zweite Versuch eines Geburtstagstelefonats mit dem Nifftenkind, beim ersten Mal war es umringt von Gastkindern und nicht aufnahmefähig. Jetzt ist die Party vorbei und es kann uns Zaubersand zeigen und das Abendbrot, es gibt norddeutsch schlicht „Gesichter und Seesterne“ aus Kartoffeln bzw. Fisch.
Danach brauchen wir auch dringend etwas herzhaftes und ich bereite alles für Tortilla Wraps vor – Mais-Weizen-Tortillas, Avocado-Creme, Salat, schwarze Bohnen, veganes Hähnchen mit Zitrone, Schmand, Mozzarella und Tabasco. Der Einkauf hier ist ja legal, aber ich kann ihn ja auch nutzen, um dann Dinge zu essen, die mir zuhause bald fehlen würden und mir so das Durchhalten erleichtern…


Den Rest des Abends verbringen wir mit einem Weihnachtsgeschenk des Liebsten an sich selbst: Valheim in der Deluxe-Brettspiel-Version. Mit dem Auspacken, Sortieren und Aufbauen ist der Liebste eine gute Stunde beschäftigt.

Und dann spielen wir die Tutorial-Kampagne durch, die nach den ersten Mühen der Ebene richtig Spaß macht, auch wenn sie das Ganze sehr verkürzt und Schritte auslässt. Ich habe ordentlich Respekt davor, demnächst mal eine normale Kampagne zu spielen und da alles zu bedenken, was es an Währungen, Fertigkeiten, Waffenarten, Gegenständen usw. gibt. Zum Glück habe ich den Liebsten dabei, der das Ganze in der Theorie (und von Hunderten PC-Stunden) schon kennt und sich so richtig reinnerden wird und das Teilzeitkind, das sich sehr schnell ins System eingefuchst hat und außerdem begnadet gut gewürfelt hat. Trotzdem sehe ich das Spiel langfristig eher in Wochenendrunden zwischen dem Liebsten und seinen Buddies.
Gegen 23 Uhr falle ich todeserschöpft ins Bett, der Liebste spielt noch ein bisschen die PC-Variante und das Teilzeitkind verschiebt seine Bettgehzeit durch Lateinlernen. Montag geht die Schule wieder los!