Dank spätem ins Bett Gehen heute mal ein bisschen länger geschlafen, respektive eigentlich nur später aufgewacht. Laaaaaangsamer morgendlicher Reboot und dann irgendwann Frühstück und auf die Couch.

Nach dem Frühstück wird der Jahresrückblick gebloggt, danach geht es in die Küche. Heute Abend fahren wir wie jedes Silvester seit ich den Liebsten in meinem Leben habe, mit zwei Jahren Pause wegen Corona, wieder zur gleichen Silvesterparty. Diesmal bin ich für das Buffet-Mitbringsel zuständig, weil der Liebste noch arbeiten muss. Es gibt also was aus dem Vorrat, denn meine Challenge macht auch vor Silvester nicht halt. Ich bastle den Blumenkohlsalat nach, den es bei einem der Workshops in diesem Jahr gab, muss aber einige Zutaten mangels Vorrat austauschen. Statt Kichererbsen also rote Linsen, statt Mango-Chutney eine Mischung aus Pflaumen- und Pfirsich-Chutney, statt gemischten Nüssen Pistazien. Das Koriandergrün muss ich ganz weg lassen, das ist neulich alle geworden. Schmeckt aber so auch alles sehr gut, aber wird viel matschiger aufgrund der Linsen, die nicht bissfest bleiben wollen.

Dann ist auch schon Zeit fürs Mittagessen. Ich hole den Rest Kartoffelsalat aus dem Kühlschrank, der inzwischen richtig gut durchgezogen ist und brate den Rest Wiener nach alter Mama-Art an, diesmal gibt’s Curry-Ketchup statt Senf dazu. Auf eine verrückte Art ist das jetzt in der Kombination irgendwie ein Remix des alten Heiligabendessen-Konflikts zwischen meinem Bruder und mir. Ursprünglich gab es da nämlich bei uns immer Linsen, leicht indisch mit Kardamom und so, mit Tomatensauce und diesen Würstchen. Bis irgendwann Oma und Opa das erste Mal Weihnachten da waren und es eben Omas Kartoffelsalat mit ganzen Würstchen gab, den ich seither jedes Weihnachten haben wollte. Ich glaube, wir haben eine ganze Zeit lang beides machen müssen und essen heute ja Heiligabend normalerweise getrennt bzw. in den Traditionen der jeweiligen Schwiegerfamilien.

Nach dem Essen dann Bastelstunde: Ich stelle Mikrowellen-Popcorn her und fädele eine Schärpe daraus. Dann Mittagsschlaf zu einer Folge Ted Lasso, die ich mehrfach neu starten muss. Und dann ist auch schon Aufbruchzeit. Ich packe wie jedes Jahr einen kleinen Übernachtungsrucksack und mein Kostüm, außerdem den Schlafsack und was fürs Buffet. Wie jedes Jahr holt mich der Liebste mit einem Mietwagen ab, weil wir am Silvesterabend nicht voll bepackt mit den Öffis unterwegs sein wollen, um raus nach Brandenburg zu fahren. Jedes zweite Jahr ist das Teilzeitkind dabei, dieses Jahr nicht.
Wie jedes Jahr irren wir vor Ort ein bisschen herum, bis wir das richtige Haus bzw. die richtige Straße finden. Wie jedes Jahr weigern wir uns, uns die Adresse zu merken. Wie jedes Jahr werden wir freudig begrüßt und beziehen dann unser „Zimmer“, eine Nische im ersten Stock, die sonst zum Nähen bzw. Ankleiden verwendet wird und jedes Jahr mit einem Vorhang als unser Zimmer abgetrennt wird. Zu zweit schläft es sich da großzügig, zu dritt wird es alle zwei Jahre etwas enger, das Kind wächst ja. Heute aber alles easy. Wir ziehen uns um und posieren dann vor der Fotowand der Filmriss-Party.

Das Buffet ist gut gefüllt, die Musik läuft, nach und nach trudeln die Gäst*innen ein und werden die Verkleidungen bewundert. Wir unterhalten uns gut und vergessen für eine Weile die Welt da draußen. Kurz vor Mitternacht geht es warm eingepackt raus auf die Straße. Es gibt Sekt und Wunderkerzen und jede Menge Feuerwerk von anderen Partygäst*innen, der Nachbarschaft und der näheren Umgebung. Same Procedure und so… Vielleicht klappt es ja dann nächstes Jahr mit dem Böllerverbot. Schön anzusehen ist es trotzdem.
Ich denke an letztes Jahr zurück und gucke auch heute wieder mit gemischten Gefühlen auf den Jahreswechsel. Letztes Jahr sah die Weltlage schon düster aus, dieses Jahr noch mehr. Privat sah ich letztes Jahr mit leuchtenden Augen in die Zukunft, dieses Jahr ist es deutlich verzagter. Mal gucken, was da kommen mag…
Nach etwa einer halben Stunde gehen wir wieder rein und bald wird die Musik auch wieder aufgedreht. Zu später Stunde tanzen auch wir in einem Rock-Indie-Punk-Block ordentlich mit und ich muss ein bisschen grinsen, wie in einem Einfamilienhaus im Berliner Speckgürtel, wo mehr als ein Fünftel der Bevölkerung AfD wählt, ein bunter Haufen toller Menschen gemeinsam zu Antifascista von ZSK pogt.
Ich halte länger durch als letztes Jahr, aber als gegen halb 3 auch der Liebste schlapp macht, gehen wir einfach beide sehr früh (noch vor den Kindern) ins Bett. Der Liebste schläft sofort, ich wenig später. Irgendwann höre ich, wie auch der Rest der Party unerwartet früh die Segel streicht, da ist es irgendwas zwischen 3 und 4, glaube ich…