Unruhige Nacht im Sinne von öfter mal wach gewesen (in einem Haus mit zweistelliger Anzahl Menschen, die stark zeitversetzt schlafen gehen bzw. aufstehen und einer unzufriedenen Katze) aber dabei doch innerlich sehr ruhig gewesen und mit großer Freude neben dem Liebsten erwacht. Die Phase des Internet Leerlesens, Kuschelns, zwischendurch wieder Einschlafens, zieht sich bis etwa 11 Uhr, dann gehen wir leise nach unten und treffen erst auf eine weitere Person, die die Nacht bereits für beendet erklärt hat. Wir trinken Kaffee schaffen schon einmal Platz und Voraussetzungen für Frühstück. Nach und nach trudeln weitere Erwachsene ein, die Kinder kommen zum Schluss, waren aber auch am längsten wach.
Ab gegen 12:30 gibt es ein umfangreiches Neujahrsfrühstück mit Eiern, Lachs, Heringssalat usw. Als die Tafel irgendwann aufgehoben wird und überzähliges Essen verteilt wird, greife ich zwei Stücken Käse ab, was meine Durchhaltefähigkeiten für meine #loosyisstdiekücheleerchallenge auf jeden Fall ausbauen wird. Dann tagfein machen, Haus aufräumen, Abwasch machen usw. Wir sammeln unsere Siebensachen zusammen und fahren dann zurück nach Berlin (diesmal, ohne auf der Hälfte der Strecke nochmal umzukehren, weil jemand etwas vergessen hat – Premiere!). Der Liebste setzt mich zuhause ab und fährt dann weiter nach Südberlin.
Ich packe aus, versorge die Katzen, die die Nacht gut überstanden haben, und führe Neujahrstelefonate mit den Ellis und dem Brüderchen. Dann geht es gepflegt auf die Couch.
Der Rest des Tages ist geprägt vom Rest der zweiten Staffel Ted Lasso – hätte gar nicht erwartet, dass das so düster werden kann.
Gegen 18 Uhr bin ich bereit für die nächste Mahzeit – eine große Portion Blumenkohlsalat, ein überbackenes Brot und Spreewaldgurken, dazu Estragon-Ingwer-Limonade. Um 21 Uhr dann die letze Mahlzeit des Tages: Heiße TK-Pflaumen mit Vanilleeis und Zimt.
Gegen Mitternacht wechsle ich ins Bett, gucke dann aber auf YouTube noch Teile der Inauguration von Zohran Mamdani nach, im Besonderen die Reden von ihm, Bernie Sanders und AOC. Ist ja nicht falsch, sich ein bisschen Hoffnung fürs neue Jahr reinzutun, dann schläft es sich auch besser. Im September dann Berlin-Wahl! (Meine erste E-Mail des Jahres war 0:30 die Einladung zum Wahlhelfen vom Bezirksamt Pankow…)
Dank spätem ins Bett Gehen heute mal ein bisschen länger geschlafen, respektive eigentlich nur später aufgewacht. Laaaaaangsamer morgendlicher Reboot und dann irgendwann Frühstück und auf die Couch.
Bagel mit Quark und Johannisbeergelee bzw. Honig, Kiwi, Pistazien, Wildfeigen, Gewürztee mit Zitrone UND Zitronengras
Nach dem Frühstück wird der Jahresrückblick gebloggt, danach geht es in die Küche. Heute Abend fahren wir wie jedes Silvester seit ich den Liebsten in meinem Leben habe, mit zwei Jahren Pause wegen Corona, wieder zur gleichen Silvesterparty. Diesmal bin ich für das Buffet-Mitbringsel zuständig, weil der Liebste noch arbeiten muss. Es gibt also was aus dem Vorrat, denn meine Challenge macht auch vor Silvester nicht halt. Ich bastle den Blumenkohlsalat nach, den es bei einem der Workshops in diesem Jahr gab, muss aber einige Zutaten mangels Vorrat austauschen. Statt Kichererbsen also rote Linsen, statt Mango-Chutney eine Mischung aus Pflaumen- und Pfirsich-Chutney, statt gemischten Nüssen Pistazien. Das Koriandergrün muss ich ganz weg lassen, das ist neulich alle geworden. Schmeckt aber so auch alles sehr gut, aber wird viel matschiger aufgrund der Linsen, die nicht bissfest bleiben wollen.
Dann ist auch schon Zeit fürs Mittagessen. Ich hole den Rest Kartoffelsalat aus dem Kühlschrank, der inzwischen richtig gut durchgezogen ist und brate den Rest Wiener nach alter Mama-Art an, diesmal gibt’s Curry-Ketchup statt Senf dazu. Auf eine verrückte Art ist das jetzt in der Kombination irgendwie ein Remix des alten Heiligabendessen-Konflikts zwischen meinem Bruder und mir. Ursprünglich gab es da nämlich bei uns immer Linsen, leicht indisch mit Kardamom und so, mit Tomatensauce und diesen Würstchen. Bis irgendwann Oma und Opa das erste Mal Weihnachten da waren und es eben Omas Kartoffelsalat mit ganzen Würstchen gab, den ich seither jedes Weihnachten haben wollte. Ich glaube, wir haben eine ganze Zeit lang beides machen müssen und essen heute ja Heiligabend normalerweise getrennt bzw. in den Traditionen der jeweiligen Schwiegerfamilien.
Nach dem Essen dann Bastelstunde: Ich stelle Mikrowellen-Popcorn her und fädele eine Schärpe daraus. Dann Mittagsschlaf zu einer Folge Ted Lasso, die ich mehrfach neu starten muss. Und dann ist auch schon Aufbruchzeit. Ich packe wie jedes Jahr einen kleinen Übernachtungsrucksack und mein Kostüm, außerdem den Schlafsack und was fürs Buffet. Wie jedes Jahr holt mich der Liebste mit einem Mietwagen ab, weil wir am Silvesterabend nicht voll bepackt mit den Öffis unterwegs sein wollen, um raus nach Brandenburg zu fahren. Jedes zweite Jahr ist das Teilzeitkind dabei, dieses Jahr nicht.
Wie jedes Jahr irren wir vor Ort ein bisschen herum, bis wir das richtige Haus bzw. die richtige Straße finden. Wie jedes Jahr weigern wir uns, uns die Adresse zu merken. Wie jedes Jahr werden wir freudig begrüßt und beziehen dann unser „Zimmer“, eine Nische im ersten Stock, die sonst zum Nähen bzw. Ankleiden verwendet wird und jedes Jahr mit einem Vorhang als unser Zimmer abgetrennt wird. Zu zweit schläft es sich da großzügig, zu dritt wird es alle zwei Jahre etwas enger, das Kind wächst ja. Heute aber alles easy. Wir ziehen uns um und posieren dann vor der Fotowand der Filmriss-Party.
Das Buffet ist gut gefüllt, die Musik läuft, nach und nach trudeln die Gäst*innen ein und werden die Verkleidungen bewundert. Wir unterhalten uns gut und vergessen für eine Weile die Welt da draußen. Kurz vor Mitternacht geht es warm eingepackt raus auf die Straße. Es gibt Sekt und Wunderkerzen und jede Menge Feuerwerk von anderen Partygäst*innen, der Nachbarschaft und der näheren Umgebung. Same Procedure und so… Vielleicht klappt es ja dann nächstes Jahr mit dem Böllerverbot. Schön anzusehen ist es trotzdem.
Ich denke an letztes Jahr zurück und gucke auch heute wieder mit gemischten Gefühlen auf den Jahreswechsel. Letztes Jahr sah die Weltlage schon düster aus, dieses Jahr noch mehr. Privat sah ich letztes Jahr mit leuchtenden Augen in die Zukunft, dieses Jahr ist es deutlich verzagter. Mal gucken, was da kommen mag…
Nach etwa einer halben Stunde gehen wir wieder rein und bald wird die Musik auch wieder aufgedreht. Zu später Stunde tanzen auch wir in einem Rock-Indie-Punk-Block ordentlich mit und ich muss ein bisschen grinsen, wie in einem Einfamilienhaus im Berliner Speckgürtel, wo mehr als ein Fünftel der Bevölkerung AfD wählt, ein bunter Haufen toller Menschen gemeinsam zu Antifascista von ZSK pogt.
Ich halte länger durch als letztes Jahr, aber als gegen halb 3 auch der Liebste schlapp macht, gehen wir einfach beide sehr früh (noch vor den Kindern) ins Bett. Der Liebste schläft sofort, ich wenig später. Irgendwann höre ich, wie auch der Rest der Party unerwartet früh die Segel streicht, da ist es irgendwas zwischen 3 und 4, glaube ich…