22.01.2026 – Oh Canada

Das heutige frühe Aufwachen wird gesponsert von Muskelkater vom Wasserpogo vorgestern. So gesehen ganz gut, dass der Kurs nächsten Dienstag schon ausgebucht ist und ich erst Donnerstag wieder hingehen kann. Nach ausführlichem morgendlichen Reboot setze ich mich schließlich mit Frühstück direkt an den Schreibtisch und beginne die täglichen Verpflichtungen.

Cranberry-Pistazien-Müsli, kanarische Crowdfarming-Banane, Sencha mit Zitronengras mit Mark-Carney-Zitat-Tasse

Dann ein langer Call mit einer ehemaligen Kollegin (Südengland), in dem wir uns auf den neusten Stand bringen und sich Noosa und Maggie (ihre Hündin) nach langer Zeit wieder sehen. Sehr schön. Hinterher beschäftige ich mich mit Vorbereitungen für einen Termin morgen, bis der Hunger zurückkommt, dann geht es in die Küche.

Spaghetti al Limone mit Basilikum und Pistazien

Der Nachmittag vergeht mit Merz-Rede in Davos (kein Kommentar), Judicial-Committee-Hearing in Washington (nur in Auszügen) und weiteren Vorbereitungen. Dann heißt es auch schon in Schale werfen. Kurz nach 17 Uhr verlasse ich die Wohnung und fahre mit S- und U-Bahn nach Charlottenburg.

Der Ku‘damm im Dunkeln gaukelt immer vor, ich würde in einer mondänen Stadt wohnen und wäre entsetzlich underdressed. Zum Glück trage ich Kleid und Blazer unter dem dicken Wintermantel. So passe ich dann ganz gut ins Ambiente des Neujahrsempfangs der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft, die dieses Jahr genau wie die deutsch-kanadischen diplomatischen Beziehungen ihr 75jähriges Jubiläum feiert. Ein guter Zeitpunkt, weltpolitisch gesehen.

Ich nehme mir unter Umgehung amerikanischer Softfrinks ein tschechisches Bier (die kanadischen Weinflaschen sind noch zu) und lausche den festlichen Ansprachen. Unter anderem hat die neue kanadische Botschafterin Vera Alexander heute einen der ersten offiziellen Auftritte – und spricht natürlich auch über Premierminister Carneys Rede. Dann stellt sie das Logo zur 75-Jahr-Feier vor: eine Verschmelzung von Ahornblatt und Eichenblatt, rot-weiß und schwarz-rot-gold, entworfen von einer Berliner Künstlerin. Der kleine weiße Zacken unten kommt vom Cursor und gehört nicht zum Logo.

Botschafterin an Logo

Danach widme ich mich dem wieder sehr guten Buffet und Gesprächen mit verschiedensten Anwesenden – Mitgliedern, Botschaftsangehörigen, Austausch-Alumnis, Reiseplanenden…

Beim anschließenden Kanada-Quiz räume ich direkt bei der ersten Frage wieder einen Preis ab (nicht wie im letzten Jahr zwei), weil ich als Schnellste weiß, dass Rod Stewart kein Kanadier ist. Ansonsten wiederholen sich viele Fragen vom letzten Jahr, andere sind nicht mein Fachgebiet (Das wichtigste Exportgut Kanadas nach Deutschland? Eisenerz!). Etwas enttäuschend finde ich (und andere), dass es keine Heated-Rivalry-Frage gibt. Das Quiz verdient Überarbeitung!

Nach dem Quiz ist dann auch der Wein offen und ich trinke noch ein Glas eines zu lieblichen Chardonnays aus Niagra und empfehle einer Frau aus Vancouver Weine aus Nova Scotia. Im Ausgleich erfahre ich, dass Mark Carney seine Rede selbst geschrieben hat – eine andere Gästin war mit in Davos. Und wir reden über North of North und Atarnajuat und was für verstaubte Vorstellungen die Deutschen von den Inuit haben.

Bald darauf mache ich mich auf den Heimweg, morgen geht es wieder früh raus. Mit S- und Straßenbahn geht es zurück in den Pberg und nach einem kurzen Check-in mit dem Liebsten direkt ins Bett.

21.01.2026 – Kartoffeln für alle

Sehr früh (aber immerhin nicht mitten in der Nacht) aufgewacht und dann diesmal einfach wach geblieben und den Tag in Angriff genommen. So sitze ich nach der Hälfte des morgendlichen Reboots schon ungewöhnlich früh beim Frühstück und bald darauf, nach dem Rest des Reboots, am Schreibtisch.

Cranberry-Schoko-Müsli mit Hafermilch, Crowdfarming-Orange, schwarzer Tee

Ich fleißele vor mich hin, bis ich gegen Mittag erst ein Webinar und dann ein Meeting habe, für das die Kamera an sein und ich mich also in Schale werfen muss. Das erlaubt mir dann aber auch, direkt danach rauszugehen und eine Erledigungsrunde zu drehen. Die Sonne sonnt, es ist kalt. Ich gehe einen Brief bei einer Behörde einwerfen, das geht deutlich schneller als mit der Post und kostet statt Porto nur Schritte, und kehre dann bei der örtlichen Bibliothek ein, in der heute welche von den 4000 Tonnen Kartoffeln für Berlin verteilt werden. Jede*r nur eine Tüte, keine Selbstbedienung!

Das ist kein Cheat im Sinne der Keine-Lebensmittel-kaufen-Challenge, weil ich ja nichts kaufe, sondern helfe, Verschwendung zu vermeiden – so gesehen genau im Geiste der Challenge. Trotzdem verlängert es natürlich mein Durchhaltevermögen, denn meine letzten Kartoffeln habe ich gestern gekocht und der Rest davon steht für später auf dem Speiseplan.

Wieder zuhause gibt es das letzte Vogelhochzeitsnest und ein paar Walnüsse, dazu einen Sencha. (Technisch gesehen habe ich die Vogelhochzeitssachen auch gar nicht gekauft, wo bleibt meine Rechnung?)

Dann schaue ich mir die Rede des amerikanischen Präsidenten in Davos an, die weit weniger interessant (weil erwartbarer) ist, als die von Mark Carney gestern. Historisch trotzdem spannend, rhetorisch auch (gibt Rhetorik ja in gut und schlecht) und emotional eher in die andere Richtung aufwühlend als gestern, Stichwort Rassismus, persönliche Angriffe auf weibliche Politikerinnen, Beschimpfungen, Lügen… DJT versucht, die Schilder wieder aufzustellen, die Carney gestern abgeräumt hat. Mit mäßigem Erfolg immerhin, der Applaus bleibt verhalten aber einige Leute stehen dabei trotzdem auf.

Ich mache mir früh Abendbrot, wärme die Kartoffeln von gestern auf und backe dazu eine Ofenkäse, den ich auf Geheiß des Foodie-Internets vorher mit Knoblauch, Zitronenschale, Thymian, Pfeffer und Weißwein (hier stattdessen Sherry, wegen Challenge) aufpeppe. Sehr gut, nächstes Mal noch mehr Zitrone!

Dann gibt es nochmal anderthalb Stunden Webinar, bis 20:30, bevor es Zeit für Feierabendunterhaltung ist. Meine sorgfältig kuratierte kanadalastige Threads-Timeline hat gestern nach der Carney-Rede ein sehr tolles Meme kreiert: „Don‘t ask my why I know this but Mark Carney [blank]“, wobei dann jeweils kanadische Stereotype oder Referenzen auf kanadische Kulturerzeugnisse eingefügt werden, mit denen ausgedrückt werden soll, wie kanadisch (und damit halt gut) Mark Carney ist. Es geht um Höflichkeit, Eishockey, Heated Rivalry, Alanis Morrisette, Schitt‘s Creek, Anne of Green Gables, The Vinyl Café, das metrische System, Tim Horton‘s… you name it. Ich erkenne etwa 75 % der Referenzen und bin besonders stolz auf mich, dass ich „I‘m pretty sure that Mark Carney‘s dog ended a war“ verstehe. Das bezieht sich auf den Film „The Dog who Stopped the War“, in der deutschen Fassung „Der Schneeballkrieg“, einen frankokanadischen Kinderfilm aus den 80ern, den ich in den 90ern geliebt habe und mir deshalb in den 00ern auf DVD gekauft habe. Das Abendprogramm steht! (Leider ist meine DVD eine anglokanadische Synchronisation, ohne französische Tonspur, die hätte ich gerne zum Testen meines Verständnisses ausprobiert)

Danach geht es dann ins Bett für noch ein paar Seiten Roman vor dem Einschlafen…

20.01.2025 – Wasserpogo und Mixed-Heritage-Salat

Vom Wecker geweckt worden, das passiert ja auch nicht so oft – meist stelle ich keinen oder werde eh vorher wach. Heute aber ganz ordentlich und „wie es sich gehört“ den Tag begonnen, den morgendlichen Reboot in Teilen im Bett absolviert, dann Frühstück mit „endlich wieder Frischobst“ (war ja nur ein Tag Pause).

Crowdfarming-Orange an Spekulatius und weißem Tee mit Aloe Vera

Dann geht es auch direkt los, mit Straßenbahn und U-Bahn nach Mitte, zum Sport. Die Bahnfahrt reicht für die tägliche Französisch- und Italienisch-Lektion und ich bin auch noch rechtzeitig da, um vor dem Kurs eine Viertelstunde im Whirlpool zu sitzen und mir die Muskeln warm massieren zu lassen. Im Ergebnis ist dann das Poolwasser natürlich gleich nochmal kälter, aber so kommt auch Herr Kneipp zu seinem Recht. Die Trainerin ist wieder die coole von letzter Woche, die lauthals mitsingt und ich dann eben auch wieder. Der Teil für Schultern und Arme verlangt mir heute alles ab, zwischendurch drohen beide abzufallen.

Nach dem Kurs geht’s schnurstracks ins Dampfbad, dann kalt duschen und kurz ruhen, dann in die Sauna, nochmal kalt duschen, nochmal kurz ruhen, dann warm duschen. Der Ruheraum ist hier leider so schwach beleuchtet, dass man nicht lesen kann. Müsste mir meinen E-Reader mitbringen (und den vorher mit Strom und Inhalt beladen). Deshalb sind die Ruhephasen rather kurz, aber das passt, es ist ja auch noch ein langer Tag vor mir. Nach ziemlich genau zwei Stunden verlasse ich den Fitnesstempel wieder und fahre zurück nach Hause.

Dort ist erstmal Zeit für Essen, ich habe Hunger mitgebracht und mache mir aus Kartoffeln, Bohnen, letztem Thunfisch und letztem Ei einen Salat, der gebürtig irgendwo zwischen Nizza und Sizilien angesiedelt sein muss. Verfeinert wird er mit Kapern, Oregano, Zitrone, Olivenöl, weißem Balsamico und natürlich Salz und Pfeffer. Dazu Minztee. Die Katzen freuen sich über die leere Thunfischdose.

Um danach gar nicht erst mittagsschwer zu werden, setze ich mich dann direkt an den Schreibtisch und arbeite Dinge ab. Es steht eine wilde Mischung an aus täglichen Erledigungen, Formalitäten, Telefonaten, Terminschiebereien und Recherchen. Als ich zwischendurch mal nach den Katzen schaue, sind die im besten Sinne des Wortes ganz herzig zusammen auf der Couch.

Relativ früh bekomme ich dann auch schon wieder Abendbrothunger, aber nur so wenig, dass ich nichts koche, sondern Stullen improvisiere – eine mit Kräuterfrischkäse und eine mit Butter, Bergkäse und Pflaumen-Chutney. Damit es nicht zu langweilig wird, gibt es noch einen Mangopudding hinterher.

Beim Essen denke ich über meine Challenge nach, inzwischen habe ich einen ganzen Monat keine neuen Lebensmittel gekauft, heute auf Instagram Tag 24 gepostet (habe erst einige Tage nach dem Einkauf Idee und Elan gehabt, mich derart herauszufordern). Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich überhaupt so lange durchhalte, aber viele Vorräte sind einfach immer noch kaum geschrumpft. Was aber sehr bald sehr eng werden wird sind einerseits herzhafte Dinge für aufs Brot (aber Butterbrote sind ja auch a thing) einerseits und Proteinquellen andererseits. Soll ja alles gesund und ausgewogen bleiben. Mal sehen, ob ich den Januar noch zu Ende bekomme (vielleicht kombiniert mit ein wenig Auswärtsessen).

Zum Essen schaue ich die historisch und rhetorisch bedeutsame heutige Rede von Mark Carney in Davos und lese ein bisschen Nachrichten. Dann geht es mit dem Roman in die Badewanne (unter anderem den Chlor aus den Haaren waschen) und bald darauf früh zu Bett.

19.01.2026 – Vorgezogene Vögel

Ein Aufwachen zu ungünstiger Zeit (gegen 4) führt zu knapp zwei Stunden Wachliegen und dann schlafe ich kurz vor der Resignation doch nochmal für zwei Stunden ein und bin dann eigentlich ausgeschlafen aber trotzdem ziemlich groggy, als der Tag beginnt. (Kurz nachgeschlagen, ob ich das kursivieren muss, weil ich es aus dem Englischen so gar nicht kenne, aber doch, ist ein englischer Begriff. Dort wahrscheinlich noch viel veralteter als im Deutschen.) So hole ich mir das Frühstück ins Bett und fange den Tag langsam an.

Blaubeer-Cassis-Müsli, schwarzer Tee

Ich vollende den morgendlichen Reboot und nehme dann ebenfalls noch vom Bett aus an einem spannenden anderthalbstündigen Webinar teil, bevor ich endgültig aufstehe und dann direkt noch Yoga mache, es läuft!

Sonne über Berlin, glücklicher Kater

Ich lasse Nimbin draußen in der Sonne chillen, während ich das Katzenklo reinige, den Müll wegbringe und nach der Post sehe. Dann ist auch schon Aufbruchzeit und ich fahre mit der S-Bahn rüber zur Grünen Woche, wohin der Dorfbäckermeister die Vogelhochzeit mitgebracht hat. Es ist zwar ein paar Tage zu früh, aber in der Diaspora nimmt man ja, was man kriegen kann. Und so halte ich nach einem kurzen Plausch das wertvolle Backwerk in der Hand und fahre mit der U-Bahn weiter zu den Ellis nach Mitte.

Hier gibt es Tee zu Vögeln und Nestern und weil Mama Mama ist auch noch aufgeschnittene Äpfel und Birnen – hatte ich ja qua Challenge beides schon länger nicht mehr. Außerdem stopft Mama mir eine kaputte Schafwollsocke von Oma und wir unterhalten uns zu dritt über dieses, jenes und welches. Die Zeit verfliegt und es ist schon 19 Uhr, als ich wieder aufbreche und mit U-Bahn und Straßenbahn zurück in den Pberg fahre. Hier wurde inzwischen meine Obstkiste geliefert – zwei Tage später als geplant, aber einen Tag früher als erwartet.

Die Avocados müssen noch nachreifen, also kann ich meinen ursprünglichen Essensplan beibehalten und mich erstmal dem Rest vom pürierten Kürbis widmen. Der wird mit Zwiebeln, Knoblauch, Rosmarin und Wasser zu einer Sauce. Dazu bereite ich die letzten drei Fertigklöße zu, zerkleinere sie in Gnocchi-Größe, vermische sie mit der Sauce und gebe ordentlich Bergkäse und Pfeffer drüber – ein Gedicht, wenn ich so sagen darf!

Zwischendurch kommt die Eilmeldung, dass es draußen Polarlichter zu sehen geben soll, aber von meinem Balkon aus eher nicht so – wohl zu hell hier und ich bin inzwischen zu gemütlich, um nochmal richtig raus zu gehen. Zum Glück tun das genügend andere Leute, so dass ich immerhin jede Menge schöne Fotos sehen kann.

Ich versuche es nach dem Essen kurz mit Weiterlesen im Geschichtsbuch, aber der Kopf ist noch zu voll vom Tag (Gespräche, Geopolitik, dies das). Stattdessen höre ich dann eine kanadischen Bücherpodcast (halb aus Nova Scotia, halb aus Calgary) und komme so gut Richtung Bettschwere und Leselust – jetzt aber Belletristik! Lese ich also im Bett noch ein neues Buch vom Weihnachtsstapel an: Aisha Muharrar – Loved One, bis mir die Augen zufallen. (Aisha ist Drehbuchautorin, unter anderem von Parks & Recreation und The Good Place – zwei der besten Comedy-Serien dieses Jahrtausends und ich kenne sie ursprünglich als Freundin und Stammgästin der Gilmore Guys, ein Gilly ist sie nämlich auch und das merkt man sowohl ihren Serien als auch dem Buch an…)

18.01.2026 – Sonntagsruhe

Ein ganzer Tag ohne Termine und Verpflichtungen, herrlich! Ich liege morgens nach fertig absolvierten Reboot noch im Bett und überlege, was ich alles sinnvolles tun könnte und habe einiges an Ideen.

Erstmal aber Frühstück, gleich mit etwas mehr Fantasie: Das von gestern einbehaltene Brötchen gibt es mit Butter und Honig bzw. Zitronenmarmelade. Außerdem reichere ich eine Teil des pürierten gebackenen Kürbis‘ mit frisch gemörsertem Koriander, Kreuzkümmel und Chili ab und backe mir dazu eine TK-Breze auf. Ein paar Walnüsse und die letzte Mandarine gibt es auch. Ab jetzt ist außer Zitronen kein Frischobst mehr im Haus, aber die neue Obstkiste kommt ja Dienstag schon.

Nach dem Essen beschäftige ich mich eine Weile mit der Plattensammlung der Liebsteneltern, die ja inzwischen vollständig bei mir lagert, und katalogisiere weiter fleißig. Heutige Highlights unter anderem: Pink Floyd, Leonard Cohen, Klassik, Psychedelik und Politisches („Ich bin emanzipiert“ von Joana). Ich lege mir zwischendurch eine der Platten – irische Pub-Songs, verlegt in den 60ern in Frankreich – auf und stelle so fest, dass mein Plattenspieler also noch funktioniert. Kann aber nur 33 und 45 rpm, für die 78-rpm-Aufnahmen aus den 50ern muss also noch eine andere Lösung gefunden werden.

Ich pausiere nach einer Weile und hebe mir den letzten Schwung Platten für einen anderen Tag auf. Stattdessen denke ich über das 2016-Meme nach, das gerade durch die sozialen Medien geistert. Nach landläufiger Meinung fing die weltweite Misere ja 2016 an, als Bowie starb, der Brexit beschlossen wurde und dann Trump das erste Mal gewählt wurde. Kurz davor war die Welt für viele noch in Ordung und an diese Zeit erinnert man sich jetzt nostalgisch. Ich sehe den Punkt, habe aber das „Problem“, dass 2016 sich für mich irgendwie wie vorgestern anfühlt. Bis auf die großen politischen Verwerfungen war der Alltag gar nicht so anders als heute. Zudem lebte ich mit den gleichen Katzen in der gleichen Wohnung und bekomme von Facebook und Google auch ständig Erinnerungen an diese Zeit vorgesetzt, die nicht sooo anders aussehen als heute.

Klar, privat hat sich bei mir auch einiges getan seit 2016 (Hallo, Liebster, hallo, Teilzeitkind!), aber so richtig bedeutsam als Jahr (und insgesamt sehr anders) war dann eher 2006 – ordentlich Aufruhr im Liebesleben mit starken Coming-of-Age-Vibes, Umzug in meine erste WG, Anfang beim Radio, als rasende Reporterin im Rostocker Nachtleben unterwegs, erstes Immergut, Aufnahme des Master-Studiums… Ich poste ein paar 2006-Fotos und widme mich dann wieder Sullivan‘s Crossing. Staffel 3 ist vor allem menschliches Drama, typisch Nova Scotia sind nur Ausflüge nach Halifax und Lunenburg und die Tatsache, dass die medizinische Versorgung vor Ort schlecht ist und man ewig auf einen Arzttermin wartet. Zum Glück beschließt Maggie im Staffelfinale, eine eigene Praxis aufzumachen…

Als Sonntagssüß bastele ich mir einen Eisbecher aus Lebkuchen, Vanilleeis, heißen TK-Pflaumen und Zimt. Soll ja keiner denken, ich würde darben, nur weil ich immer noch nicht einkaufen war.

Zum Abendbrot gibt es dann die Mystery-Dose aus dem Tiefkühlfach, die sich als Rest eines jamaikanischen Eintopfs mit Kartoffeln, Pastinaken, Möhren, Sellerie, Kokosmilch und Kaffirlimettenblättern entpuppt, sehr lecker!

Ich denke, ich komme noch eine Weile ohne Einkaufen hin. Dienstag die Obstkiste, Mittwoch hole ich mir von den 4000 Tonnen Kartoffeln und der Vorratsschrank hat auch noch ein paar Asse im Ärmel. Ob ich bis Ende des Monats durchhalte, wenn die nächste Gemüsekiste kommt, weiß ich aber nicht, evtl. brauche ich vorher mal Milch und anderes Frisches…

17.01.2026 – Samstägliches

Neben dem Liebsten aufzuwachen ist grundsätzlich erstmal sehr super. Ich erledige still meine morgendlichen Dinge während er noch schläft und als er wach wird, gibt es Kaffee und den lauten Teil des Reboots (die Sprachstudien). Dann bleiben wir noch eine ganze Weile liegen, fühlen in uns und den Tag hinein und befinden, dass der Liebste wohl eine Erkältung ausbrütet. Das hatte ich schon so im Gefühl, während er schlief und wird jetzt von ihm bestätigt.

Wir lassen den Tag daher noch ruhiger angehen, als vorher gedacht, erledigen ein paar Dinge in meiner Wohnung und gehen dann erstmal frühstücken (meine Challenge lässt grad kein angemessenes Wochenendfrühstück zu zweit zu). Dafür probieren wir eine Location in der Gegend aus (also neu für Frühstück, ich hab da schon manchmal Gebäck zum Mitnehmen gekauft) und sind sehr überzeugt vom Rührei mit Sucuk. Ich habe mir extra etwas ausgesucht, was ich zuhause grad nicht nachbauen kann (es gibt nur noch ein Ei und Obst ist so gut wie alle, frisches Gemüse auch) und bin sehr zufrieden mit mir. Am Ende bleibt ein Brötchen über, das ich mit nach Hause nehme – zählt nicht als Einkauf, finde ich.

Einkaufen tun wir dann trotzdem noch, im Drogeriemarkt, keine Lebensmittel. Dann geht es wieder zurück ins Warme und vergleichsweise Trockene. Wir erledigen noch eine letzte Sache, dann bricht der Liebste auf nach Südberlin, um sich auszukurieren und ich koche mir eine große Kanne Kräutertee und lege mich zu den Katzen auf die Couch. Ich lese mich durch den Anfang von Samin Nosrats Good Things, bis der Mittagsschlaf überhandnimmt.

Nach diesem lese ich noch ein ganzes Stückchen weiter und snacke mich dabei weiter durch die Weihnachtssüßigkeiten (und die letzte karamellisierte gebackene Banane aus dem Restaurant gestern).

Nebenbei schreibe ich mit dem Freund in Pittsburgh, der sich bei mir für die Strafzölle seines Präsidenten entschuldigt und mit dem Indiejungen, der heute eine Umwälzpumpe repariert. Wir bekommen beide einen angemessenen Ohrwurm.

Zum Abend hin gibt es noch ein winziges Abendessen – den Rest Bohnen-Spinat-Süppchen von gestern, mit Zitrone, Olivenöl und Harissa, und einem Ginger Ale dazu.

Den Rest des Abends verbringe ich mit dem Rest der zweiten Staffel Sullivan‘s Crossing – heutige Kanadismen: Sweetgrass-Zeremonie als Glücksbringer vor einer wichtigen Zäsur, Lobsteressen beim ersten Date und die Kanadierin zeigt dem Amerikaner, wie man die Biester auf- und kleinkriegt. Apropos: Soeben hat der kanadische Premierminister Carney einen Deal mit China gemacht, nach dem China die Zölle auf Meeresgetier senkt – die Lobsterfischerei in Nova Scotia feiert. Und so zieht sich das Zollthema durch den Tag.

16.01.2026 – Gourmetfreitag

Adäquat geschlafen, dann gemütlich in den Tag gestartet und nach der Hälfte des morgendlichen Reboots erstmal ein schönes Frühstück gemacht.

Matcha (ohne Latte, ich muss Milch sparen), Kardamomschnecke, aufgebacken, letzte Kiwi, ein paar Walnüsse

Beim Frühstück mache ich den Rätsel-Teil vom Reboot, dann direkt schon wieder Yoga. Eine etwas anstrengendere Runde heute, aber ich kann nur die Sachen nicht, die ich auch vor meinen Stürzen schon nicht konnte und plötzlich Sachen wieder, die lange nicht gingen. Juhu! Danach Duschen und schick machen für einen Videocall, der länger geht als gedacht aber auch sehr angenehme ist.

Hinterher etwas Gewusel – Müll wegbringen, nach der Post gucken (noch nicht da) und dann erstmal Mittagessen kochen. Ich mische TK-Spinat und Dosenbohnen, koche beides in Acqua Faba mit Parmesanrinde und etwas Tomatenmark und gebe dann Zitrone, Pfeffer und Olivenöl oben drauf, dazu eine Scheibe Brot – sehr leckeres, gesundes, ausgewogenes Mittagessen und eine Portion für morgen bleibt auch übrig.

Danach weiter häusliches – ich sauge die Wohnung durch, hole ein Päckchen vom Späti ab, dass dort hingezögert wurde, obwohl ich definitiv zuhause war, ärgere mich, dass das Bestellte zu klein ist und ich also noch weitere To Dos auf der Liste habe und backe nebenbei den letzten Kürbis vor, um ihn dann zu pürieren und bei Bedarf schneller verwenden zu können.

Dann ruhe ich mich nochmal kurz ein wenig aus, bevor es Zeit ist, zur Abendverabredung aufzubrechen. Der Liebste und ich haben einer Freundin zum runden Geburtstag ein chinesisches Gourmetessen geschenkt. Ich fahre also mit Straßenbahn und U-Bahn nach Kreuzberg. Der Bus am Schluss fährt mir vor der Nase weg und so laufe ich am Schluss nochmal zwanzig Minuten, durch inzwischen wieder recht kaltes Berlin. Es folgt ein sehr toller Abend mit insgesamt vier Stunden Essen, dazu für mich zwei Yuzu Spritz und Wasser, die anderen trinken Tsingtao.

Thunfisch-Sashimi mit roter Bete, Wasabi und Sojabohnen | Konjakwurzel-Nudeln mit Knoblauch, Chili und Sesamöl | Gedämpfte marinierte Auberginen mit Ingwer | Roastbeef-Carpaccio mit Koriander und Chili
Pak Choi mit Chilifäden und Pilzsauce | Gedämpfte Edamame
Schweinerippchen in Honig-Senf-Sauce
Brokkoli mit Knoblauchstreuseln und Barbecue-Sauce
Frühlingsrollen mit Rindfleisch und Wasserkastanien (erst nach der Hälfte hastig fotografiert)
Jakobsmuscheln auf Tofu
Rosa Entenbrust Peking-Style mit Gemüse, Pfannkuchen und Hoisin-Sauce
Gedämpfte Dumplings mit Schweinefleisch und Ingwer | Gebratene Dumplings mit Garnelen, Wasserkastanie, Ei und Bambus
Warme Hefedumplings mit Schoko-Nougatfüllung und Vanillesauce | Heiße gebackene Banane in Zuckersirup, der dann in Eiswasser gehärtet wird

Am Anfang essen wir mit viel Elan alles auf, ab den Frühlingsrollen fällt das langsam schwerer. Bei den Jakobsmuscheln (ich esse zwei) fragt mich der Liebste, wie mein Histaminfüllstand ist. Erst da fällt mir auf, dass die Kombi aus viel fermentiertem, Meeresfrüchten, Zitrus, Alkohol, Kohlensäure und generell viel Essen vielleicht gar nicht so gut ist. Von der Peking-Ente und den Dumplings koste ich dann jeweils nur noch vorsichtig. Beim Dessert übernimmt dann allerdings der Zweitmagen und ich kann nochmal richtig zuschlagen.

Zum Abschluss bekommt der Liebste einen Bambusschnaps, von dem ich auch koste. Dann zahlen wir kurz vor Mitternacht die Zeche und wir zwei lassen uns luxuriös im Taxi zurück in den Pberg schaukeln, füttern die Katzen und fallen dann erschöpft und vollgefressen, aber glücklich, ins Bett. In dem Restaurant hatten wir übrigens vor über sechs Jahren unser zweites Date, gut möglich, dass das mit ein Grund für den Erfolg dieser Beziehung ist…

15.01.2025 – Gesundheitstag

Ich schlafe heute insgesamt sehr lange, mit Pausen zwar, aber das Defizit von gestern ist glaube ich wieder ausgeglichen. Weil ansonsten außer am Nachmittag keine Termine anstehen, beschließe ich, den Schwung auszunutzen und setze mir Yoga und einen Spaziergang auf den Tagesplan. Dass ich dann rund ums Frühstück herum noch einen Podcast zu Gesundheitsthemen höre, ist dann Zufall aber passt auch gut. Wie immer bei solchen Themen bleibe ich skeptisch, nehme mir aber ein paar Punkte mit, die mir schlüssig bzw. leicht umsetzbar erscheinen:

  • Wir atmen nachts einen halben Liter Wasser aus, es ist also klug, den Tag gleich mit Wassertrinken zu beginnen
  • In der Erkältungszeit für feuchte Schleimhäute und „nicht Frieren“ (besonders an den Füßen) sorgen, hilft Ansteckungen vorzubeugen
  • Richtiges Atmen (ruhig, tief und am besten durch die Nase) tut sehr viel für Entspannung und Gesundheit

Ansonsten noch interessant, dass es wohl eine gute Idee wäre, regelmäßig ein ausführliches Blutbild zu machen, um eventuelle Mängel oder stille Entzündungen feststellen zu können, die sich langfristig zu „richtigen“ Krankheiten auswachsen können. Und dass zum Beispiel Verletzungen sich langfristig auch auf andere Organe auswirken können. Aber das ist dann schon wieder alles mit mehr Aufwand (und dran Glauben) verbunden und wird also eher unwahrscheinlicher umgesetzt werden.

Achja, Frühstück ist heute Erdbeer-Müsli mit Ostfriesentee und Mandarine. Es kommt außerdem die Nachricht, dass sich die Obstkiste verspätet, ich werde also nicht mit Frischobst hinlangen, bis das soweit ist.

Nach dem Frühstück setze ich mich eine Runde an den Schreibtisch und erledige die täglichen Dinge, dann ist es Zeit für Yoga (zum zweiten Mal diese Woche, yay!) und trotz ein bisschen Schmerzen behindert mich die Arm-Schulter-Situation heute nicht, viel mehr eingeschränkt bin ich durch mangelnde Beweglichkeit und verkürzte Muskeln in Beinen und Rücken. Aber vielleicht ändert sich das ja jetzt, wenn ich wieder mehr Yoga machen kann, bald?

Dann Duschen, Anziehen, Wasserflasche schnappen (Schleimhäute!) und hinaus in den Wintertag. Der Großteil von Schnee und Eis scheint weggetaut, der Anschein trügt aber, sobald ich den dicht besiedelten Bereich verlasse. Warm ist es trotzdem ziemlich, ich brauche weder Mütze, Schal noch Handschuhe. Ich laufe durchs Neubaugebiet zu den Schrebergärten, wo es teilweise schon ordentlich schlittrig ist, dann ein Stück durch den Park, aber nur ebenerdig, die Wege sind Eis mit Wasser oben drauf.

Also nicht richtig durch Wald und Flur, sondern dann durch die nächsten Kleingartenanlagen. Noch keine Schneeglöckchen in Sicht, aber in manchen Beeten stehen Kohlsorten bereit zum Ernten und an einigen Bäumen hängen noch verfaulte Äpfel, ob die Vögel sich da bedienen?

Apropos Vögel, in der einen Anlage gibt es eine Voliere mit vielen bunten Vögeln, als Bildungsprojekt für die Großstadtkinder. Dort gibt es auch Infotafeln zur Historie der Anlage, von der Gründung um die Jahrhundertwende – neben einer städtischen Müllkippe – bis zur Schlacht um Berlin, bei der der „Hauptweg“ durch sowjetische Truppen entstanden ist.

Von der Kleingartenanlage geht es weiter um den Jüdischen Friedhof herum, schon interessant, was damals alles „vor den Toren der Stadt“ angelegt wurde. Gegenüber vom Friedhof ist die Brauerei, in der heute auf jeden Fall Betrieb ist, es riecht stark nach Hopfen und Malz, wie früher in Rostock, da wohnte ich auch nahe der Brauerei. Mek ist hier neulich auch langgefahren und hat über den Duft gebloggt, fällt mir ein. Und da komme ich auch schon an der Kneipe vorbei, in der er dann gelesen hat. Von dahin ist es nur noch ein kleines Stück bis zum Weißen See.

Der Park um den See ist eine einzige Eisbahn und ich bin mehrmals kurz davor, zu fallen, bleibe aber standhaft. Noch kein Sturz diesen Winter, yay! Ich laufe die Wasser-Route, vom Weißen See über die zwei anderen Teiche und dann durch den Rest von Weißensee wieder nach Hause.

Auf diesem Baum kletterte das Teilzeitkind vor jetzt fast 6 Jahren mit vielen anderen Kindern, während die Eltern besorgt drumherum standen und in regelmäßigen Abständen „Abstand!“ riefen…
Wasser Nummer 3

Pünktlich zum Webinar um 15 Uhr bin ich wieder zuhause und wähle mich ein. Nebenbei mache ich mir einen kleinen Snack-Teller, um die Zeit bis zum Abendbrot zu überbrücken.

Letzte Fenchelsamentaralli, letzte eingelegte Auberginen, Bergkäse, Grana Padano

Im Webinar geht es um UNESCO-Weltkulturerbestätten in indigenen Siedlungen in Kanada, ich hatte es so ähnlich schon letztes Jahr auf einer Konferenz gehört, aber diesmal waren die Fragen im Anschluss andere. Danach telefoniere ich erst mit dem Liebsten und dann mit den Ellis. Letztere waren auch mit im Webinar, so dass wir uns gleich noch dazu austauschen können.

Und dann ist quasi schon wieder Abendbrotzeit. Heute sind Pellkartoffeln dran, mit letztem Quark, auf die freue ich mich schon eine Weile und ich muss auch Kartoffelvorräte abbauen. Dieser Tage hole ich mir nämlich kostenlos welche von den 4000 Tonnen Kartoffeln für Berlin, schon aus Prinzip! Während die Kartoffeln kochen, knacke ich Walnüsse, auch der Vorrat muss angegangen werden, außerdem Omega-3!

Omega-3 hat auch das Leinöl zum Quark, außerdem esse ich die letzten Spreewaldgurken auf. Jetzt habe ich kein schnelles Snack-Gemüse mehr, alles was noch da ist, bedarf der Zubereitung. Aber ich habe ja auch immerhin schon seit 26 Tagen nicht eingekauft, da darf das auch so sein.

Nach dem Essen gucke ich weiter Sullivan‘s Crossing, auch hier mit vielen Gesundheits- (bzw. Krankheits-)Themen, aber dafür gibts auch wieder ein bisschen echtes Nova Scotia in einer Hurricane-Folge. So richtig mit Alert, Storm Chips und ausfallendem Telefonnetz…

Ruhe vor dem Sturm

14.01.2026 – Ein mittwochiger Tag

Irgendetwas weckt mich kurz nach 5 und dann ist es mit dem Schlafen auch schon vorbei, hmpf. Ich sehe das kurz nach 6 ein und beginne den morgendlichen Reboot so noch bevor die Mitbewohnerin aufsteht. Als sie weg ist, starte ich in den lauteren Teil des Reboots und dann hält mich irgendwann auch nix mehr im Bett. Als der Liebste anruft, sitze ich schon beim Frühstück.

TK-Breze mit Butter und Mandarine, italienischer Kakao, Weißer Tee mit Aloe Vera

Danach die obligatorische erste Einheit am Schreibtisch, bevor ich mich um das Katzenklo kümmere, bevor ich mich in die Badewanne lege. Mit nassen Haaren dann zweite Schreibtischrunde und ein Webinar. Zum Mittagessen gibt es dazu den Rest des Aloo Gobhi und einen letzten Pudding.

Danach lese ich weiter in The Rediscovery of America, heute geht es um New France, also das spätere Kanada, und die Dynamiken zwischen den Iroquois, den Algonquin und den Europäer*innen. Nebenbei knabbere ich ein bisschen Gesundes statt Süßkram: Pistazien, Walnüsse, Wildfeigen und Cranberries.

Ziemlich zu Ende der täglichen Dosis Lektüre ist dann doch noch Zeit für Mittagsschlaf, aus dem ich rechtzeitig erwache bevor die Mitbewohnerin zurück kommt. Sie packt heute einen großen Koffer mit Dingen für ihre Familie in der Ukraine, dessen Abholung sich leider vom Nachmittag bis tief in den Abend verzögert. Hoffentlich kommt trotzdem am Ende alles dort an, wo es hinsoll und gebraucht wird.

Mein heutiges Abendbrot wird wieder ein Spannenderes. Ich habe aus meinem präventiven Quarantäneweihnachtseinkauf so Fertigknödel im Beutel da, davon mache ich mir die Hälfte – interessanter Fertigungsprozess mit Quellen, Aufkochen, Simmern und Abschrecken. Ergebnis ist okayish. Dazu gibt es grüne TK-Bohnen und aus den letzten Weißwürsten (ebenfalls TK-) einen Weißwurstgulasch, mit Butterschmalz-Mehlschwitze, Zwiebeln und süßem Senf. Erstaunlich lecker!

Den Rest des Abends verbringe ich mit dem Rest der ersten Staffel Sullivan‘s Crossing, in dem es leider mehr um menschliches Drama und weniger um die schöne Landschaft und Kanadismen geht. Aber ich bleibe dran und werde berichten! Gegen 23 Uhr dann quasi früh ins Bett und erstmal ganz viel Schlafen!

13.01.2026 – Wasserpogo

Ich erwache vor dem Wetter und draußen hat das große Tauen eingesetzt. Es gibt eine Glatteiswarnung, aber bis ich los muss, hat sich die in Wohlgefallen und Schneematsch aufgelöst. Optisch ist das mit dem bald fehlenden Schnee ja schon schade, aber ist auch schön, dass jetzt morgens nicht mehr ganz so viel Wasser innen an den Fenstern hängt und weggesaugt werden muss. Dafür ist es ordentlich neblig heute Morgen.

Ich schaffe den Großteil des morgendlichen Reboots, bevor ich aufstehen muss und mache mir dann zum Frühstück fix ne Stulle mit Käse und Zitronenmarmelade, eine Mandarine und dazu einen vietnamesischen Kaffee, den ich meistenteils dann mit nach draußen nehme. Ohne Eis kann ich auch fehlerfrei im Gehen trinken ohne Angst vor Stürzen haben zu müssen.

Mit Tram und U-Bahn fahre ich nach Mitte (der Fernsehturm versteckt sich geisterhaft) und gehe zum Sport. Ich habe gerade noch genug Zeit, mich eine Viertelstunde lang von den Düsen im heißen Whirlpool massieren zu lassen, bevor mein Kurs losgeht. Der Pool ist weniger tropisch als letztes Mal, aber auch nicht so arktisch wie neulich. Die Trainerin ist sehr cool, macht schon wieder andere Übungen (Wer hätte gedacht, dass AquaFitness so vielseitig ist?) und singt lauthals bei der sehr gut ausgewählten Musik mit. Ich dann natürlich auch. Besonders angetan hat es mir ihre Choreo zu „Should I Stay Or Should I Go“, die genauso auch auf Tanzflächen ohne Wasser hätte stattfinden können. Aber auch Schattenboxen zu „…Baby One More Time“ passt wie die Faust aufs Auge.

Nach dem Kurs geht es erst ins Dampfbad und dann in die Sauna. Kurz kalt duschen, Kreislauf regulieren, warm duschen, eincremen, anziehen, Haare anföhnen (Ist ja nicht mehr so kalt!) und dann bin ich auch schon wieder auf dem Heimweg. Zuhause ist direkt Zeit fürs Mittagessen – eine große Portion vom gestrigen Aloo Gobhi am Schreibtisch, an dem ich meinen täglichen Verpflichtungen nachgehe. Heute gibt es dazu Pflaumen-Chutney, denn Abwechslung muss sein.

Sport und Essen sorgen dann doch recht nachdrücklich für Suppenkoma und ich lege mich bei erster Gelegenheit ein Stündchen hin und mache späten Mittagsschlaf.

Zum danach wieder Hochkommen gibt es leckeren Ostfriesentee (mit Hafermilch statt Kaffeesahne), den letzten Gin-Stollen und Lebkuchen. Dazu lese ich weiter in meinem Geschichtsbuch und lerne heute staunend darüber, wie viele Indigene als Sklaven gefangengenommen wurden und als solche auch nach Europa, Afrika und die Karibik gekommen sind. Es entstanden geradezu Diasporae (Diasporas?), etwa in London. Und wie stark die ersten Kontakte mit Europäer*innen schon vor der Besiedelung Amerikas durch diese die indigene Bevölkerung durch Epidemien reduziert hatten, so dass sie deutlich weniger widerstandsfähig waren, als es dann wirklich losging.

Ich schaffe wieder etwa 30 Seiten, bis es Zeit für die heutigen Webinare ist. Die beleuchten witzigerweise KI von zwei völlig verschiedenen Seiten. Im ersten geht es darum, was man tun kann, um technisch auf dem Laufenden zu bleiben und im Arbeitsleben auch langfristig mithalten zu können. Im zweiten wird das Thema eher politisch beleuchtet – von einer Wissenschaftlerin, einem CEO einer Tech-Firma und einer Europapolitikerin. Tenor: Wir kommen an KI nicht mehr vorbei, aber wir müssen sie anders gestalten, mehr Geld in die Forschung stecken, um Ressourcen zu schonen statt nur die Blase weiter zu füttern, ethischer handeln, regulieren und digital souveräner werden. Spannend!

Zum Abendbrot dann die letzte Süßkartoffel, gebacken, mit Kräuterfrischkäse, Bergkäse, Röstzwiebeln und TK-Petersilie, dazu Tee aus frischem Zitronengras.

Stand der Challenge übrigens: Seit 20. Dezember keine Lebensmittel nachgekauft, bisher noch keinen echten Mangel gespürt. Manchmal muss ich Dinge ersetzen, etwa Oliven mit Kapern oder Kaffeesahne mit Hafermilch. So langsam ist das Ende in Sicht was frisches Obst angeht (außer Zitronen), aber am Wochenende kommt schon die nächste Obstkiste. An Gemüse habe ich noch einen Kürbis, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch und die Tage kann ich mir weitere Kartoffeln kostenlos abholen (schon aus Prinzip!). Gemüse habe ich außerdem noch im Tiefkühler (Bohnen und Spinat, dort auch Pflaumen und Himbeeren) und in der Konserve (Bohnen, Mais, Rotkohl und Tomaten). Ansonsten sehe ich noch keine größeren Engpässe auf mich zukommen, weil ich meine Ernährung entsprechend anpasse und zum Beispiel weniger Brot esse. Ich mache eine Liste mit Sachen, die mir fehlen und die ich irgendwann mit als erstes nachkaufen werde und eine gedankliche Liste mit Dingen, die ich essen will, bevor die Saison vorbei ist (Blutorangen und Artischocken, vor allem) – wenn mir die nicht außer Haus irgendwann unterkommen, werde ich sie mal cheatmäßig kaufen müssen. Ansonsten kommt die nächste Gemüsekiste Ende des Monats, mal sehen ob ich bis dahin noch durchhalte.

Abendunterhaltung dann wieder Sullivan‘s Crossing, nicht ganz so spannend wie gestern (mehr Telenovela, weniger Nova Scotia), aber jetzt bin ich hooked