20.07.2025 – Familie, See, Balkonkino

Vor dem extra gestellten Wecker aufgewacht – hallo heißer Sommertag! So bleibt überraschend noch Zeit für einen Teil des morgendlichen Reboots und einen Iced Matcha Latte mit Johannisbeersirup auf dem Balkon, bevor ich kurz vor 10 in die Stadt aufbreche.

Mit Tram und U-Bahn geht es in die Straße, wo die Ellis wohnen. Wir (der Cousin von vorgestern, seine Freundin, sein Kind, der Liebste und ein Freund vom Cousin, der vor zwei Jahren beinahe mein Mitbewohner geworden wäre) treffen uns zum Frühstück in der Pelmeni-Bar von vorgestern. Ich bin schon bei Ankunft komplett durchgeschwitzt – hatte ich erwähnt, dass es heiß ist?

Lachs-Blini und Hibiskus-Eistee

Wir schmausen und erzählen aber das eigentliche Highlight ist, endlich das Kind des Cousins live und in Farbe zu erleben – es ist nämlich noch recht neu, gerade mal ein halbes Jahr alt, und witzigerweise dem Papa wie aus dem Gesicht geschnitten, was in Bewegung noch viel mehr auffällt, als auf Fotos. Und es hat die ganze Zeit gute Laune und grinst und schäkert.

Nach dem Essen verabschiedet sich der Liebste nach Südberlin und wir anderen drehen noch eine kurze Runde und sitzen dann auf der Fischerinsel am Historischen Hafen noch ein bisschen im Schatten, erzählen, gucken aufs Wasser und das Kind wird fleißig herumgereicht und lässt sich das ziemlich gut gefallen. Nur im Kinderwagen will es eher nicht liegen.

Dann ist es wieder Zeit für Aufbruch, der Cousin muss heute noch beruflich in den tiefen Westen, Freundin und Kind zurück nach Norden. Der Beinahe-Mitbewohner geht Richtung Mitte spazieren und ich fahre mit U-Bahn und Tram zum Weißen See.

Im Schatten am Wasser ist die Hitze gut auszuhalten und wenn man sitzt, weht sogar ein leichtes Lüftchen. Dafür, dass außerhalb des Strandbads aufgrund von Unglücksfällen ein strenges Badeverbot herrscht, sind an Teilen des Sees extrem viele Menschen im Wasser. Mir reicht das Sitzen und lesen. Irgendwann kriege ich ein Hüngerchen, spaziere einmal um den See, stelle fest, dass das ehemalige Café jetzt ein griechisches Restaurant ist, hole mir am Strandbad eine Butterbrezel und setze mich dann nochmal woanders zum Lesen hin.

Irgendwann zieht sich der Himmel zu und ich nutze den gefühlten leichten Temperaturabfall für den Heimweg. Dort angekommen mache ich mir einen Wassermelonen-Smoothie mit Thymian und Ingwer, gebe Vanilleeis dazu und setze mich mit diesem sommerlichen Dessert/Getränk raus auf den Balkon.

Dann ganz in Ruhe Französisch, Italienisch, Sprachrätsel. Gelesen habe ich für heute genug, also mache ich mit den Filmen weiter. Allerdings nicht mit DVDs aus dem Regal, denn die könnte ich nicht ohne weiteres auf dem Balkon gucken (irgendwo liegt noch mein externes Laufwerk, aber ich bin heute zu faul zum Suchen), sondern ich schaue, was die Streaming-Dienste bieten. Auch hier finde ich genug Klassiker für einen Rewatch. Ich meine, ich hätte alle drei Filme des Abends schon mal gesehen, aber es ist bei allen ewig her und war wohl nur einmal und ich habe sehr viel vergessen.

Pasta mit Baked Beans, frischen Tomaten, Knoblauch und Basilikum an Balkon-Kino

Ich bringe also mein Filmwissen mit Punch-Drunk Love, Larry Crowne und Forgetting Sarah Marshall wieder auf Vordermann, während die Temperatur langsam von 30 über 28 auf 26 Grad sinkt. Irgendwann muss ich im Wohnzimmer das Licht anmachen, damit ich später den Weg nach Drinnen finde. Gegen Mitternacht sind es dann nur noch 24 Grad, der dritte Film ist vorbei und ich gehe schlafen.

19.07.2025 – Ruhetag, Lektüre, Rewatch

Puh, nach den ganzen Aktivitäten der letzten Tage (und dem vielen gemischten Alkohol gestern Abend) kommt mir ein Tag gänzlich ohne äußere Verpflichtungen sehr recht. Ich beginne ihn mit einer Mate im Bett, dann brauche ich dringend FeSaZu (Fett, Salz, Zucker) in den Magen und mache mir ein half English mit Ei, Bohnen, Tomate, überbackenem Bagel, Spreewaldgurke und Crowdfarming-Pflaume.

Noch dazu ist der Sommer zurück, also so mit Sonne und Temperaturen und so. Schon nach kurzer Zeit wird es mir auf dem Balkon schon wieder zu warm und ich wechsle nach drinnen – manchen kann man es wohl nie recht machen (genau was Jesus gesagt hat!).

Hier dann in Ruhe Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel und mit dem Liebsten telefonieren als er zurück in Berlin ist. Dann schnappe ich mir das gestern begonnene Buch, Ronya Othmann – Die Sommer, und lese mich fest. Wieder eine Ecke der Welt (Kurdistan im Allgemeinen, aber auch speziell der Teil, der in Syrien liegt), über die ich sehr wenig weiß (außer, dass Feine Sahne Fischfilet da viele Hilfsgüter hingebracht und ein Lied darüber gemacht haben), dazu eine Religion (und/oder eine Ethnie, die Jesiden), über die ich sehr wenig weiß, Dorfleben, das ganz anders ist, als hier bei uns, gesehen durch Kinderaugen eines in Deutschland aufwachsenden Kindes. Und dann wird es älter und Krieg und Gewalt kehren zurück.

Ich kann eine Menge anlegen – Rafik Schami über Syrien, mein Geografie-Vortrag über Aleppo in der elften Klasse, Erzählungen von Bekannten aus Pakistan und dem Libanon, die syrischen Geflüchteten in Deutschland („unsere“ waren syrische Christen) und die holprige Geschichte des Familiennachzugs… Ich biege öfter ins Internet nach und lese Dinge nach – Geografie, Geschichte, Religion, Kulinarik, Musik.

Zwischendurch Mittagsschlaf, der muss sein, und dann Wassermelonen-Feta-Minz-Salat.

Das Buch trägt mich bis halb 10, so viel gibt es da zu denken und abzubiegen und anzulegen. Ab dem späten Nachmittag habe ich wieder draußen gesessen, jetzt wird es zu dunkel zum Lesen, aber da ist das Buch auch vorbei.

Drinnen auf dem Sofa mache ich dann noch mit dem Projekt „DVD-Regal durchschauen“ weiter und gucke mal wieder Finding Nemo. Will ich eigentlich schon seit Jahren, im Prinzip seit ich das Teilzeitkind kenne. Das fand aber als Kleinkind den Anfang zu gruselig und inzwischen mag es keine Animationsfilme mehr, also kam es nie dazu. Jedes Mal, wenn ich Clownfische sehe (letztes Jahr in Bergen, Dienstag im Zoo), denke ich daran, dass ich den Film wieder sehen will und heute mache ich es einfach.

Der ist gut gealtert, tatsächlich. Aber auf der großen Leinwand war er noch toller, damals. Ich habe den glaube ich zweimal im Kino gesehen, jedenfalls meine ich, dass ich ihn schon kannte, als ich meine beiden kleinen Cousinen damals ins Kino einlud. Die große Kleine wird dieser Tage 30, die kleine im Herbst 27. Damals war es für die Kleine einer ihrer ersten Kinobesuche, wenn nicht der erste und sie saß eigentlich die ganze Zeit über auf meinem Schoß, guckte fasziniert auf die Leinwand und riss den Arm hoch, als die Frage „Will hier noch jemand ein Eis?“ kam. Da hatten die beiden aber schon Sprite und Popcorn und wir konnten sie überreden, dass sie kein Eis braucht. Demnächst ist sie seit fünf Jahren verheiratet, wie die Zeit vergeht.

18.07.2025 – Summertime

Das Wetter ist zwar morgens noch eher grau, aber ansonsten fühlt sich der Tag ferienhaft an. Kein Wecker, keine frühen Termine, erstmal ganz entspannt wach werden (wenn auch trotzdem sehr früh) und routiniert in den morgendlichen Reboot starten. Internet leer lesen, bloggen, nicht mit dem Liebsten telefonieren weil heute er im Zug sitzt, Französisch, Italienisch, Rätsel, Physio-Übungen (seit die neuen dazugekommen sind jetzt mit Yogamatte, mal gucken, ob ich die in den Urlaub mitnehme oder einfach auf die Campingplatzwiesen hoffe), Frühstück, Badewanne.

Müsli, Iced Matcha Latte ohne Extras, Crowdfarming-Pflaumen

Haare anföhnen und dann noch ein bisschen trocknen lassen, dann geht es los in die Stadt, denn Pläne habe ich ja trotzdem. Mit Tram und U-Bahn fahre ich zur Wohnung der Ellis, gucke nach der Post und den Pflanzen und empfange dann einen Cousin (Wo zaubert sie die nur immer alle her?? Das ist ja ein unerschöpflicher Quell an Cousins und Cousinen! True dat!), der dort mit Freundin und Kind das Wochenende über schläft. Freundin und Kind sind gerade anderweitig beschäftigt und kommen später nach, aber wir beziehen schonmal die Betten und gehen dann die Pelmeni-Bar ausprobieren, die vor einiger Zeit in der Straße aufgemacht hat. Wir essen allerdings (vegetarischen) Borscht und Wareniki und der Cousin berichtet von seinen Aufenthalten in Russland und der Ukraine.

Vegetarischer Borscht, gemischte Wareniki

Dann zeige ich dem Cousin noch die Buchhandlung im Aufbauhaus und laufe alleine weiter durch Kreuzberg und zurück nach Mitte.

Springbrunnen im ehemaligen Luisenkanal

Am Engelbecken kommt die Sonne endlich raus und dann setze ich mich da ins Gras, fange ein neues Buch an und beobachte nebenbei Blässhuhnküken (die erbärmlich rufend ihrer Mama hinterherschwimmen) und Schildkröten.

Engelbecken mit Blässhuhnküken
Sich sonnende Schildkröten

Anderthalb Stunden und ein Liebstentelefonat später laufe ich weiter, über die Spree, am Yaam vorbei, den Streetfoodmarkt am Ostbahnhof entdeckend, und zur Wohnung von Brüderchen und Freundin. Fünf Altbaustockwerke weiter komme ich keuchend oben an und dann weihen wir den neuen Esstisch mit einem ordentlichen Aperitivo ein – der Spritz hat die doppelte Größe wie im Restaurant.

Aperol Spritz und Spezereien

Eine weitere Stunde später muss ich wieder los, denn ich bin um die Ecke zu meinem nächsten Timeleft-Dinner verabredet, heute wieder gemischtgeschlechtlich und damit überraschenderweise auch wieder mit höherem Altersdurchschnitt. Eine sehr angenehme Runde heute mit Menschen aus Portugal, Frankreich, Großbritannien und Niedersachsen. Wir reden natürlich wieder viel über das Leben in Berlin, das Leben als Expat in Deutschland, Arbeitnehmerrechte hier und da, Feiertage, Weltpolitik (die USA bekommen sehr viel Fett weg) und dann aber auch ganz viel einfach über gutes Essen, vergleichende Kulinarik in unseren Ländern und Restauranttips. Sehr gut zusammengesetzte Runde, Chapeau, Timeleft-Algorithmus! Die Nichtdeutschen sind auch sehr begeistert, dass sie eine Ossi und eine Wessi zugewürfelt bekommen haben, die sie mit ihren Fragen löchern können.

Schmorgurke mit Hirschschinken an neuen Kartoffeln und Birnenradler
Rhabarberkuchen und Birnen-Riesling-Spritz

Um 22 Uhr macht der Außenbereich zu. Wir zahlen und spazieren weiter zum nächsten Späti, wo wir dann mit weiteren Getränken und einer Tüte Chips nochmal zwei Stunden draußen sitzen und erzählen. Erst gegen 23 Uhr muss ich mir eine Jacke überziehen.

Mango-Lime Cider und Salt & Vinegar Chips

Gegen Mitternacht drücken allen die Blasen und wir verabschieden uns. Ich fahre mit zwei Trams zurück in den Pberg, füttere zuhause noch die Katzen und liege Dreiviertel 1 in den Federn.

17.07.2025 – Daytrippin‘

Der Wecker klingelt um 8 und quasi zeitgleich ruft der Liebste an, bevor er ins erste Meeting muss. Wir winken uns kurz verschlafen zu. Dann stehe ich auf, mache mir einen warmen Matcha Latte und beginne, das Internet leer zu lesen, bis um 8:30 mein Webinar beginnt. Anderthalb Stunden später kann ich fertig lesen und bloggen. Erst dann stehe ich auf und mache mir den Rest vom Frühstück – einen Bagel mit Spiegelei, Käse und Pflaumenchutney und die restlichen Crowdfarming-Pfirsiche, dazu Pfefferminztee mit Zitrone.

Dann Physioübungen, Duschen, Anziehen, Kram zusammenpacken und gegen 12 verlasse ich die Höhle und fahre mit Tram und S-Bahn zum Hauptbahnhof – dabei war ich doch gerade erst da! Heute aber steige ich selber in einen ICE und fahre nach Leipzig – am Friedhof mit dem Fräulein vorbei, das heute sechsten Todestag hat. Ich winke ihm zu.

Zwei Stunden nach Verlassen der Wohnung stehe ich im größten Sackbahnhof Europas, kurz danach steige ich in eine Straßenbahn und nochmal kurz danach sitze ich bei meinem Cousin am Tisch und esse ein vom gestrigen Kindergeburtstag übrig gebliebenes Stück Apfelkuchen. Dann schnappen wir uns die beiden kleinen Kinder und gehen nach draußen. Erst in die Galerie ein paar Häuser weiter, wo der Gurkenbrunnen bestückt werden muss.

Dann geht es in ein Café um die Ecke, wo es im Kellergeschoss des Hauses Kunst und vegane, glutenfreie Kuchen gibt. Wir lassen uns Espresso Tonics schmecken (die Erwachsenen) und testen drei verschiedene Kuchen – sehr lecker, schönes Ambiente, kann man wieder machen!

Um 16 Uhr öffnet die Galerie und ich bekomme quasi eine Privatführung der Exponate, die sich mit der Kolonialisierungsgeschichte der Lausitz, des Spreewalds und der Sorb*innen beschäftigt (noch bis 9. August im Kunsthaus Neu Deli und wohl dauerhaft auf Google Maps.)

Später gehen wir ganz in der Nähe in den originalen Schrebergarten und kehren dort in der Gaststätte ein (für den Biergarten selbst regnet es zu stark). Wir essen Schnitzel oder Nudeln und ich trinke Himbeerbrause.

Dann geht es mit sehr sehr vollen Bäuchen zurück in die Wohnung, wo bald noch weitere Familienmitglieder eintreffen, die heute einen Umzug erledigt haben und entsprechend geschafft und voller Geschichten von Möbeln, Waschmaschinen und Co. stecken. Die anwesenden Gen-Z-„Kinder“, die ich zuletzt gesehen habe, als sie noch richtige Kinder waren, sind ganz großartig und machen mir Hoffnung für die Zukunft.

Mirabellenzweig an Wohnzimmer

Wir sitzen und erzählen bis Dreiviertel 10, dann verabschieden sich die großen Kinder und ich und ich fahre mit der Straßenbahn zurück zum Sackbahnhof. Wieder anderthalb Stunden ICE, S-Bahn, Tram. Zweieinhalb Stunden von Haustür zu Haustür, das ist echt gut machbar. Halb 1 falle ich todmüde ins Bett, nach zwölfeinhalb Stunden Daytrippin‘.

16.07.2025 – Touriboot

Wieder ein früher Wecker, aber heute steht der Liebste sogar noch davor auf. Kaffee im Bett und teilweiser morgendlicher Reboot. Als das Teilzeitkind zur Schule losgeht, stehen auch die anderen auf und so verbringe ich ein wenig Zeit mit dem Nifftenkind, während der Liebste schon arbeitet und die Liebstenschwester sich fertig macht. Dann gibt es Frühstück in der frisch gestrichenen Küche (für den Liebsten am Schreibtisch) und ich esse mein Sushi von gestern Abend auf. Ungewöhnlicher Geschmack gegen 8:30, aber es muss ja weg und ist trotz allem lecker.

Danach weiter Nifftenkindbespaßung – u. a. mit einem maritimen Mau-Mau und einem schaukelnden Teddy. Gegen 11 dann brechen wir drei auf und lassen den Liebsten weiter arbeiten. Mit zwei S-Bahnen geht es zum Hauptbahnhof (unterwegs Stationen zählen – spannend, genau wie gestern in der U-Bahn fahren wir genau neun Stück!), einmal quer durch und über die Brücke. Wenige Minuten vor Abfahrt betreten wir das gebuchte Ausflugsschiff und lassen uns dann eine Stunde durchs historische Zentrum von Berlin schippern. Ich habe die gleiche Tour schon ein- oder zweimal gemacht und lerne nichts wirklich Neues, aber ein paar Kleinigkeiten vergisst man ja doch, Stichwort „höhere Beamtenlaufbahn“.

Als wir wieder anlegen wird es gerade richtig warm. Wir treffen einen Freund aus der Usedom-Crew zum Mittagessen an der Salatbar des Edekas an der Invalidenstraße und verbringen seine Mittagspause gemeinsam.

Dann bringe ich die Liebstenschwester und das Nifftenkind zurück zum Bahnhof und setze sie in den Zug. Schön war’s! Als der Zug (mit nur einer Minute Verspätung!) losfährt, nehme ich die S-Bahn zum Alex und von da die Tram nach Hause in den Pberg. Die Sonne ist inzwischen weg, es hat angefangen zu regnen und es gibt eine Unwetterwarnung. Auf dem Heimweg von der Haltestelle werde ich so richtig nass, aber das Gewitter geht erst richtig los, als ich schon drin bin. Die Katzen freuen sich über meine Rückkehr und dann gehen wir zu dritt auf die Couch.

Ich hole Französisch und Italienisch von heute Morgen nach, dann übermannt mich ein dringender Mittagsschlaf, der über eine Stunde dauert. Den Rest des Nachmittags verbringe ich dann mit Podcasts – die Kaulitzens haben geliefert, bei Keep on Singing geht es um „Break Free“ und Anne Will hat jemanden zur Richterinnensache zu Gast. Dabei mache ich mir dann schon Abendbrot – der Rest Romana-Salat muss weg und wandert mit Gurke, Tomate und Balkonkräuter-Joghurt-Dressing in eine große Schüssel. Dazu Käsebrot und Pfirsiche.

Ab halb 9 habe ich einen einstündigen Call mit meiner Mentorin, dann schauen wir getrennt aber parallel noch die zweite Halbzeit des EM-Viertelfinales Norwegen gegen Italien. Ich bin unschlüssig, für wen ich sein soll, denn nächste Woche fahre ich ja nach Norwegen und unter Männerfußball-Maßstäben wäre Norwegen sicher der Underdog. Am Ende freue ich mich aber tatsächlich über den italienischen Sieg – Liebe geht eben doch durch den Magen. Hinterher schaue ich noch – es ist ja Mittwoch – das neue Josh-Johnson-Special über Trump und Epstein und dann gehe ich aus Vernunftsgründen gegen Mitternacht ins Bett.

15.07.2025 – Ferienprogramm

Ich erwache kurz vor 6, als die Mitbewohnerin des Liebsten zur Arbeit geht. Halb 7 klingeln die Wecker von Teilzeitkind und Liebsten. Kurz danach gibt es Kaffee im Bett. Ich lese und blogge und mache Französisch und Italienisch. Halb 8 geht das Teilzeitkind los zur Schule, um 8 klingelt der Handwerker, der heute die Küche und das Wohnzimmer malert und dann beginnt der Liebste zu arbeiten. Ich wechsle bald darauf ins Zimmer des Teilzeitkinds, wo die Liebstenschwester und das Nifftenkind auch noch gemütlich auf der Gästematratze herumlümmeln. Da wir die Küche nicht nutzen können, bestellen wir uns ein Frühstück bei der schwedischen Kaffeekette und essen es als Picknick im Kinderzimmer (der Liebste am Schreibtisch).

Avocado-Sandwich, Kardamomschnecke und Iced Matcha Latte mit Vanillesirup

Danach ziehen wir uns nacheinander an, das Nifftenkind guckt zwei Folgen Blippi und bespielt ausführlich das Zimmer des riesengroßen Teilzeitkinds und dann ist Zeit für Aufbruch: Wir fahren zu dritt mit der U-Bahn zum Zoo. Größter Anziehungspunkt sind die Pandababys, von denen aber nur eins gerade draußen ist und von einer Pflegerin gefüttert und zur Bewegung animiert wird.

Dann schauen wir uns weite Teile vom Rest des Zoos an und sehen vor allem viele dicke Hinterteile – vom Pandapapa, von Elefanten, von Nashörnern und Tapiren und einem kleinen Flusspferd… Dazu Löwen, Giraffen, Antilopen und Augen und Maul von den größeren Flusspferden.

Steinböcke
Elefantenpopos
Flusspferdteile

Im Streichelzoo geht es dann hoch her, mit Ziegen, Schafen, Meerschweinchen, Kaninchen und einem Pony.

Und schon ist es Zeit fürs Mittagessen. Wir kehren zu gesundem Essen mit Spätzle, Salat, Backkartoffel und Obst ein. Das Aufregendste daran ist der Spatz, der mitten durch die Hütte fliegt und mich mit dem Flügel am Ohr trifft.

Also bis draußen der Regen anfängt jedenfalls. Am Anfang geht es noch, da schauen wir noch bei den Pinguinen vorbei, aber dann wird es immer heftiger und vor allem das Nifftenkind ist gar nicht amüsiert. Also fliegen wir aus dem Zoo und ins Aquarium, wo wir nochmal anderthalb Stunden enthusiastisch herumgucken.

Dann ist erstmal Schluss mit Tieren und wir kehren ein paar hundert Meter in dem Café ein, von dem aus man einen guten Blick aufs Paviangehege hat. Wir bestellen Pancakes und French Toast (und Iced Mango Matcha Latte) und lassen es uns gut gehen.

Wenig später stoßen die in Berlin lebende Liebstencousine samt Mann und Kind und dann auch der Liebste und das Teilzeitkind hinzu. Eine große Familienrunde! Es gibt viel zu erzählen und Affen zu gucken.

Dann muss das Liebstencousinenkind langsam nach Hause, weil die Abendroutine startet. Wir nehmen die U-Bahn zurück nach Südberlin, gehen noch schnell einkaufen und finden uns dann im Restaurant für unser eigenes Abendessen ein. Die anderen essen Wan Tans und gebratene Nudeln, Ich lasse mir Sushi schmecken.

Wir beschließen, hinterher noch einen Absacker beim Stammitaliener zu nehmen. Das Teilzeitkind flitzt schnell nach Hause und holt seine Lateinhausaufgaben und dann sitzen wir noch eine ganze Weile draußen auf der Terrasse bei Spritzen und Schorlen. Sehr gemütlich.

Dann aber wird es langsam Schlafenszeit fürs Nifftenkind. Der Liebste geht es bettfertig machen, wir anderen trinken noch aus bzw. machen Latein fertig und sprechen über das anstrengende Leben von Zwölfjährigen. Dann geht es auch für uns nach Hause. Nach und nach verschwinden alle in den Betten und der Liebste und ich machen heute schon deutlich vor 11 total kaputt das Licht aus.

14.07.2025 – Familienzeit

Ein Morgen ohne Regen, wie geht denn das? So zieht es mich recht früh vom Bett auf den Balkon, mit einem kleinen Umweg über die Küche.

Heute warmer Matcha Latte

Internet leer lesen, Bloggen, Liebstentelefonat, Französisch, Italienisch, Sprachrätsel und dann noch fix ins Bad bevor die Mitbewohnerin da rein muss. Dann packe ich schonmal meinen Rucksack vor und nutze die letzten knapp zwei Stunden vor Besuch zum Weiterlesen bei Francesca Melandri. Leider nicke ich zwischendurch immer wieder ein, so dass am Ende noch etwa 20 Minuten Buch übrig bleiben, als es an der Tür klingelt und meine Cousine (die derzeit einzige in ihren 30ern, fällt mir ein, alle anderen sind – teilweise gerade eben noch – in den Zwanzigern oder schon Ü40, Ü50 und bei den Halb-Cousin*innen auch schon Ü60) kommt vorbei.

Wir kümmern uns aufopferungsvoll um den Rest Kuchen (mit Eis), sitzen aufs dem Balkon und erzählen. Dann schauen wir nochmal gemeinsam in die alten Familienvideos rein und freuen uns über die lieben Menschen. Am Ende nimmt die Cousine die Videos mit, um sie zu digitalisieren und ich breche auf und laufe schwerbepackt zur Physiotherapie. Dort gibt es heute Abschlussübungen auf der Mathe und weil die Therapeutin noch Zeit hat ein bisschen Manuelle Therapie für den Fuß und Urlaubsplanungsgespräche.

Danach laufe ich weiter bis zum Gesundbrunnen (Schrittziel schon jetzt erreicht) und fahre von da bis zur Friedrichstraße. Hier steige ich aus und treffe die Liebstenschwester und das Nifftenkind, die gerade aus Bremen eingetroffen und noch etwas erschlagen von der großen Stadt sind. Die Nifftenkindhand wandert von Mamas Hand in meine und dann steigen wir in die nächste S-Bahn ein und fahren weiter nach Südberlin. Dort laufen wir zum Stammeisladen und treffen in der Schlange den Liebsten und das Teilzeitkind.

Meine Sorten: Mojito und Guave

Mit dem Eis laufen wir zum Liebsten und ruhen uns alle ein wenig aus. Dann ist auch schon wieder Zeit für den Aufbruch zum Stammitaliener.

Sarti Lemon Spritz, Bruschetta
Ravioli mit Scampi und Pfifferlingen

Nach dem Essen gehen die Kinder ein bisschen die Gegend erkunden und die Erwachsenen bekommen ein zweites Getränk. Bald geht es jedoch nach Hause, denn das Nifftenkind ist nicht müde! und das Teilzeitkind muss morgen in die Schule. In dieser Reihenfolge gehen sie dann auch ins Bett. Wir Großen hängen noch ein bisschen auf dem Sofa rum und schaffen es dann auch noch vor Mitternacht in die Falle.

13.07.2025 – Sonntagslektüre

Ein gemütlicher Sonntag, wie er im Buche steht. Immer noch regnerisch, keine Zwänge rauszugehen (außer einmal den Müll runterbringen), und beide für heute avisierte Verabredungen werden verschoben. Vor mir liegt eine Menge Zeit und Muße. Schön.

Heute der Matcha mal ganz klassisch, ohne Extras, dazu Müsli mit Aprikose und Pfirsich

Ich mache es mir wieder auf dem Balkon gemütlich und gucke hinaus in den Regen. Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Sprachrätsel… Irgendwann dann der Wechsel in die Badewanne mit ausführlicher Haarpflege. Hinterher ist schon wieder ein kleines herzhaftes Hüngerchen da.

Und dann geht’s in den Lesesessel. Von Francesca Melandri habe ich schon fast alles gelesen, sie kam mir als erstes als Geschenk der Liebsteneltern auf den Bücherstapel und ich habe durch ihre Bücher schon viel gelernt über italienische Geschichte – Südtirol, die bleiernen Jahre, die Kolonialzeit. In Kalte Füße geht es um die Kriegserfahrungen ihres Vaters im Zweiten Weltkrieg und den späteren Umgang damit, angestoßen von Putins Angriffskrieg auf die Ukraine – die Schauplätze sind nämlich ähnliche bis die gleichen. Und gemeinsam mit Francesca Melandri lerne ich wieder viel über Geschichte, über Geschichtsschreibung und kollektive Verdrängung. Über Faschismus und Kommunismus in Italien, über Kolonialismus und Imperialismus und die vielen Indigenen, die von Russland über die Jahrhunderte kolonialisiert wurden. Ich lese mich schnell fest und mache nur irgendwann eine Pause, um diesen Kuchen zu backen.

Pfirsich-Tarte als Galette mit einer letzten Aprikose und Crowdfarming-Pistazien

Danach brauche ich dringend einen Mittagsschlaf. Bis zum Abendbrot lese ich hinterher noch weiter, google zwischendurch immer wieder Dingen nach und lerne, was ich alles nicht weiß über europäische (und asiatische) Geschichte. Einzig verwundert bin ich mal wieder über die langen Ausführungen, dass wir im Westen ja Krieg gar nicht mehr gekannt hätten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dabei tobte in den 90ern der Krieg genau neben Italien und teilweise unweit von Südtirol, wo Francesca Melandri viel Zeit verbringt. Das Srebrenica-Andenken war gerade erst groß in den Medien. Aber war halt kein „richtiger Angriffskrieg“ und schwappte nicht über die ehemaligen jugoslawischen Grenzen über, nehme ich an.

Zum Abendbrot backe ich mir den Rest vom Radicchio und eine Tomate plus den Rest Ziegenkäse. Soooo lecker!

Statt Lesen geht es dann mit Filmen weiter, wieder zwei DVDs aus dem Regal. Passend zum Ukraine-Thema schaue ich zunächst Everything is Illuminated, das sich mit der jüdischen Geschichte der Ukraine beschäftigt (Das Land hat eine sehr bewegte Geschichte und die Menschen standen mal auf der guten, mal auf der schlechten Seite. Wie wohl überhaupt alle Länder.) Ich hatte vergessen, dass Odessa so eine große Rolle spielt, die Stadt, aus der meine Mitbewohnerin kommt und die in den letzten Wochen öfter Ziel von Angriffen war. Und ich hatte vergessen, dass Alex von dem Sänger von Gogol Bordello gespielt wird, den ich im Februar erst als Support Act der Dropkick Murphys sah. So hängt doch alles mit allem zusammen.

Als zweiten Film nehme ich mir A Serious Man vor, den habe ich damals auch nur das eine Mal gesehen. Wieder amerikanische Juden, wieder ein Rückblick ins ukrainische Shtetl, wenn‘s läuft dann läufts. Der zweite Anknüpfungspunkt ist, dass der Film neulich auf der Liste der 100 besten Filme des 21. Jahrhunderts in der New York Times auftauchte und ich das Gefühl hatte, ihn erst guten Gewissens als „gesehen“ abzuhaken, wenn ich ihn ein zweites Mal anschaue und die Erinnerung wieder wachrufe.

Nach so viel schweren Themen braucht es dringend noch ein bisschen TikTok-Quatsch, um wieder runter zu kommen und schlafen zu können.

12.07.2025 – Rainy Day Woman

Ich erwache zu Regen und die Wettervorhersage lässt für heute auch nicht viel anderes erwarten. Das passt ja eigentlich ganz gut zu so einem freien Wochenendtag. Und natürlich ist der Regen gut, nach all der Dürre. Wie wir aber wissen, wäre öfter und gleichmäßiger Regen viel besser und gesünder für alles. Und noch mehr und: Ich freue mich auch schon wieder auf die Sonne und die sommerlichen Temperaturen, die für die nächste Woche angesagt sind. Verdammtes Paradoxon…

Heute jedenfalls erstmal ganz groß Gemütlichkeit. Ich mache mir ein Wochenendfrühstück mit allen Schikanen (Frühstücksei, Milchkaffee, schwarzer Tee, Bagel mit veganer Schinkenspicker bzw. Butter und Honig, Radieschen, Joghurt mit den letzten Erdbeeren und einem Pfirsich) und esse das warm eingekuschelt auf dem Balkon, während ich in den Regen hinausgucke.

Dann telefoniere ich mit dem Liebsten, der mich auf Ideen bringt und habe kurz einen Anflug von Aktivität, es gäbe heute noch ein Konzert in Potsdam und dazwischen könnte man ja auch noch Kunst gucken gehen. Aber dann fällt mir ein, dass an einem regnerischen Sommersonnabend in Berlin die Galerien bestimmt voller Tourist*innen sind und dass es auch in Potsdam regnet und ich kuschele mich tiefer in meinen Liegestuhl und verwerfe die Aktivität.

Aber an den Schreibtisch setze ich mich dann doch noch kurz, es gibt ein paar Kleinigkeiten zu regeln. Danach beäuge ich Regenradar und Paketverfolgung und schleiche mich kurz zum Supermarkt, ein paar Kleinigkeiten kaufen. Dabei werde ich nur benieselt, das ist OK. Wieder zuhause geht es mit Tee und Musik in den Sessel. Heute fühle ich mich seelisch gefestigt genug, um mir die drei Stunden Doku über globalen rechten Terror, organisierten Hass im Netz und die Zusammenhänge sowohl mit Donald Trump als auch den Reichsbürgern und anderen Faschos in meiner Heimatregion anzuschauen. In der letzten Folge geht es auch um den Widerstand und da kommen einige unterstützenswerte Leute vor, die ich zum Teil in echt und und zum Teil aus dem Internet kenne. Nichts davon ist wirklich ganz neu, aber so geballt ist es nochmal heftig und ich finde es immer schwieriger, über Trump (und Merz, Spahn & Co.) zu lachen.

Resteessen (Chana Masala) an Doku und Noosa

Nach Doku und Mittagessen ist Lesezeit. Ich lese Wir kommen zurecht von Annika Büsing zu Ende und kann eine Empfehlung aussprechen. Ist aber richtig, dass ich mir das Buch mitgenommen habe – deutscher Problemroman ist nicht das Genre des Liebsten, genauso wenig wie deutscher Problemfilm. Zwischendurch klingelt es und meine Crowdfarming-Kiste kommt an. Nachdem sie gestern fehlgeleitet wurde muss ich heute einen der Pfirsiche direkt entsorgen und ein paar angrenzende direkt essen. Boah sind die lecker, fast so aromatisch wie Weinbergpfirsiche, nicht zu vergleichen mit Supermarkt-Plattpfirsichen!

Plattpfirsiche, Pflaumen, Melone und eine aufgegangene Tüte Pistazien

Als das Buch zu Ende ist, mache ich mir dann auch noch Abendbrot – es gibt Salat aus Romana-Salat, Radicchio, Tomaten, Avocado, Aprikosen und Büffelmozzarella mit einem Dressing aus Olivenöl, Balsamico, Knoblauch, Basilikum und Ahornsirup.

Den Abend bestreite ich dann mit zwei Filmen aus dem DVD-Regal. Das Wetter ist danach und irgendwie fehlt mir das Interesse an der Fußball-EM. Stellt sich heraus, dass ich weniger Fußball-Fan als Event-Fan bin und bis auf ein paar Posts auf Social Media findet diese EM in meinem sozialen Umfeld (und in den großen Medien) kaum statt. Also alte Filme. Ich fange mit Garden State an, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe und der mich immer noch nicht vom Hocker reißt. Sorry, aber ich bin in dieser Dichotomie Team Elizabethtown, den kann ich immer wieder sehen.

Danach noch Ferris Bueller‘s Day Off, nachdem der Liebste und das Teilzeitkind den letztes Wochenende gesehen haben/sehen wollten. Ich will ja mitreden können und habe den auch nur ein einziges Mal vor ewigen Zeiten gesehen. Wirklich unterhaltsam, aber ich hoffe, das Teilzeitkind nimmt sich kein allzu großes Beispiel an Ferris, habe aber da so meine Befürchtungen. Gibt es Studien, wie der Film das Schwänzverhalten in den 80ern beeinflusst hat? Wenigstens weiß ich jetzt, warum der Liebste letztes Wochenende so enthusiastisch zu Twist and Shout getanzt hat, obwohl er sonst nicht als Beatles- oder Isley-Brothers-Fans auffällt…

11.07.2025 – Bewegung und Gespräch, überraschend viel Zitronengras und Obst

So ein Wecker für halb 8 macht also heute, dass ich halb 7 munter werde. Weil ich denke, dass ich den Wecker für 7 gestellt habe, bleibe ich einfach wach und starte den morgendlichen Reboot, nur um dann um 7 festzustellen, dass sich nochmal einschlafen vielleicht doch gelohnt hätte. Egal. Da die Mitbewohnerin kurz nach 7 aufbricht, traue ich mich kurz danach, für das Frühstück den Mixer anzuwerfen. Ich bereite einen Matcha zu und nutze diesen als Flüssigkeit um Erdbeeren zu pürieren. Eiswürfel und Hafermilch dazu, nochmal durchmixen, fertig ist ein Strawberry Smoothie Iced Matcha Latte. Dazu gibt es Bagel mit Mandelcreme und Honig bzw. Blutorangenmarmelade (inspiriert von den Honigbrötchen, die Momo bei Meister Hora vorgesetzt bekommt – ich könnte viel öfter Honig essen!).

Das frühe Aufstehen macht, dass ich ohne Hektik und mit fast komplettem morgendlichen Reboot das Haus verlassen kann, auf dem Weg zur Tram mit dem Liebsten telefoniere und dann mit Tram und U-Bahn bis zum fancy Fitnessstudio fahren, einchecken, mich umziehen und noch ein paar Minuten vor einer massierenden Whirlpool-Düse sitzen kann, bevor kurz nach 10 der AquaFitness-Kurs beginnt. Spannender Kurs heute, mit ordentlich viel Italo Disco zum Einstieg und einem Fokus auf Bewegung ohne zu viel auf der Stelle zu rennen, das tut dem Fuß gut. Erst gegen Ende (und erst nach der Schulter) fängt er ein bisschen an zu meckern. Hinterher schwimme ich noch zwei Bahnen, dann wechsle ich vom Schwimm- ins Dampfbad. Im Ruheraum hinterher (der hier leider wenig ruhig ist), lese ich weiter in Füreinander sorgen und entscheide mich dann nach etwa einer halben Stunde, weitere Saunagänge für heute bleiben zu lassen und mir stattdessen noch ein Mittagessen zu gönnen.

Wieder draußen setze ich mich erstmal auf eine Parkbank und telefoniere mit dem Liebsten, dann erkunde ich die Mittagsoptionen in der Nähe. Das günstige Business-Lunch-Running-Sushi von früher ist der Pandemie zum Opfer gefallen, aber eins meiner anderen Lieblingsrestaurants aus alten Bürozeiten ist noch da und so lenke ich meine Schritte zum vormals „geheimen Laoten“. Die Bento Box gibt es immer noch, kostet nur wenig mehr als früher und ist immer noch erstaunlich bezahlbar. Ich packe mir Laotisches Curry, vietnamesischen Glasnudelsalat mit Rindfleisch, Lachs- und Avocado-Maki hinein und dazu gibt es wie früher hausgemachten grünen Eistee mit Limette, Zitronengras und Ingwer.

All das für 15 €!

Es schmeckt hervorragend, auch wenn das laotische Curry etwas weniger raffiniert ist als früher. Möglicherweise ging mir das letztes Mal schon so und ich habe es nur vergessen? Oder sie haben einfach am Zitronengras gespart. Am Nebentisch typische Mittagspausengespräche von Menschen, die trotz Freitag heute kein Homeoffice haben – spannend. Dann ruft die Liebstenschwester an und ich gebe Tipps für den Berlinbesuch nächste Woche. Und es gibt einiges an Benachrichtigungen und Nachrichten abzuarbeiten, die aufgelaufen sind, während ich im Gym war. (Hier in Mitte fühlt es sich falsch an, Fitti zu sagen…) Die Regierungskoalition ist möglicherweise dabei, sich selbst zu zerlegen, es ist alles wenig erbaulich – bis auf die Reaktionen der bündnisgrünen und linken Fraktionsspitzen. Das wird noch spannend werden, hoffentlich nicht zu spannend.

Nach dem Essen laufe ich zu meinen Eltern und gucke nach Post und Blumen. Ich nehme eine Anrufbeantworternachricht per Sprachnachricht auf und schicke sie weiter nach Nova Scotia. Sind die Dinger doch noch für was gut. Dann einmal kurz ausruhen und mit der Lichtenberger Freundin besprechen, was wir mit unserem heutigen Treffen genau anfangen. Im Anschluss gehe ich wieder los – durch den Regen, mal wieder – und hole im vietnamesischen Späti noch Obst und eine Mate mit Pfirsich-Zitronengras-Geschmack, bevor ich mit U- und S-Bahn nach Lichtenberg fahre.

Bei der Freundin geht es dann für etwa sieben Stunden einfach aufs Sofa. Die Knochen sind müde und wir haben uns viel zu erzählen. Nebenbei snacke ich ein Pfund Sauerkirschen und mindestens vier große Aprikosen weg (und eine Handvoll gesalzene Erdnüsse) – ich brauche dann heute kein Abendbrot mehr. Gegen 10 mache ich mich auf den Heimweg, der heute ungewöhnlich lange dauert. Der Fußgängertunnel am Ostkreuz ist gesperrt, ich muss einen längeren Umweg machen. Dann fährt die Ringbahn nicht und bevor ich jetzt ewig nach dem Schienenersatzverkehr suche, fahre ich stattdessen zum Alex und nehme von dort die Tram. Bis ich gemütlich im Bett liege vergehen so fast anderthalb Stunden statt der erwarteten Dreiviertelstunde. Mehr als 13.000 Schritte stehen zu Buche, hallo Fuß! Ich lese dann noch weiter im Roman und mache witzigerweise genau um Mitternacht das Licht aus.