09.06.2025 – Die Rückkehr der Sonne

Wir haben inzwischen eine gewisse Routine. Irgendwann morgens steht das Kind auf und macht sich im Bad fertig, etwa eine halbe Stunde später geht es los, Brötchen holen und der Rest der Familie deckt den Tisch. Zu sechst auf der Terrasse, heute Morgen ist es besonders kalt und windig dabei, aber auf den Zimmern haben wir keinen Tisch, der groß genug wäre. Einer der Herren macht Rührei, das Nifftenkind hat heute Morgen schon Schokocroissants gebacken. Als wir das Frühstück beenden, klart es langsam auf und das Grau am Himmel nimmt nach und nach eine überraschend ungraue Farbe an.

Am späten Vormittag trifft sich eine ganze Meute und geht zum Minigolf, andere Grüppchen gehen an den Strand. Die Liebstenschwester und ich liegen auf der Terrasse und rätseln und lesen.

Dann brechen wir irgendwann auf in Richtung Fish & Chips, wo wir auf die Minigolfbande stoßen. Von Fish & Chips geht’s weiter zu Eis (heute Rhabarber), Kaffee und Torte.

Dann nochmal in größerer Runde an den Strand. Das Wasser hat 16 Grad, die Luft 17. Das Teilzeitkind geht all in, einige wenige andere auch. Der Rest sitzt warm eingepackt im Sand und trotzt dem Wind.

Wieder zurück gibt es nochmal Sonne auf der Terrasse und Lesen, bis der Grill angeschmissen wird.

Heute Abend ist die Runde kleiner, über den Tag sind schon einige wieder Richtung Heimat aufgebrochen, weil Schule oder Arbeit rufen. Wir grillen weg, was wir können, aber es bleibt trotzdem viel übrig, was wieder mit nach Hause kommt. Nach dem Essen gewinne ich souverän eine Runde Hitster, die Kinder dürfen noch einen Film gucken. Am Ende sitzt ein kleines letztes Grüppchen noch bei uns auf der Terrasse, hört Musik und erzählt. Der Liebstenschwager serviert mir einen Gin Tonic aus dem Gin, den wir ihm aus Nova Scotia mitgebracht haben. Dann geht’s ins Bett.

08.06.2025 – Wind und Wasser

In guter alter Urlaubstradition regnet es heute. Viel. Morgens aber erstmal nur sporadisch, so dass wir noch halbwegs gemütlich auf der Terrasse frühstücken können. Die Kinder haben Brötchen geholt und weil Sonntag ist gibt es auch Croissants auf dem Bäckerschiff. Nach dem Essen machen Menschen Dinge und ich setze meinen morgendlichen Reboot fort. Irgendwann dann beschließe ich die Mahlzeit und räume den Tisch ab (die anderen haben gedeckt), räume die Küche auf, gehe duschen und ziehe mich an.

Gegen 13 Uhr bin ich bereit für den Tag, gestählt und gewappnet und eine Regenpause ist auch gerade. Deshalb schlage ich dem Liebsten vor, an den Strand zu spazieren. Wir melden uns bei den anderen ab und ziehen los. Eine Viertelstunde später setzen wir uns am Strand hin, machen ein Foto und dann fällt der erste Regentropfen.

Also gehen wir eben wieder zurück, denken wir uns. Die ersten fünf Minuten regnet es sanft, aber wir haben ja wasserfeste Schuhe und Regensachen an. Die zweiten fünf Minuten regnet es heftig und wir finden uns damit ab, dass wir wohl vollständig durchnässt zuhause ankommen. Die letzten fünf Minuten stürmt und hagelt es mit zunehmender Körnergröße und es wird richtig unangenehm. Wieder zurück melden wir unsere Rückkehr, stellen fest, dass das Teilzeitkind sicher und trocken bei jemandem drinnen sitzt und kümmern uns dann erstmal um uns. Alle Klamotten ausziehen, auswringen und aufhängen, dann unter die heiße Dusche. Ich ziehe mir direkt den Schlafanzug wieder an und lege mich ins Bett, der Liebste besorgt einen Fön und fönt unsere Schuhe trocken – die zwei Paar, die wir anhatten und die zwei, die auf der Terrasse standen und auch komplett durch sind.

Ich verbringe zwei Stunden im Bett, lese und schreibe Nachrichten. Dadurch verpasse ich eine Runde Hitster und die Liebstenschwester bringt mir Pancakes vorbei. Irgendwann dann stehe ich wieder auf als der erste Grill an ist und ziehe die dreckigen Klamotten von gestern wieder an, die sind immerhin trocken. Es regnet und stürmt und wir rotten uns auf wenigen Terrassen zusammen. Der Liebste bedient den Gasgrill, erst später flaut der Wind etwas ab und wir können einen zweiten Holzkohlegrill anwerfen. Die Stimmung ist unterschiedlich gut, je nachdem, wer wo und wie trocken den Nachmittag verbracht hat und wer wie lange auf sein Grillgut warten muss.

Irgendwann geht der Feueralarm in allen Zimmern los, weil in einem Knoblauchbaguettes aufgebacken wurden, ohne die Dunstabzugshaube anzumachen. Es dauert und ist laut und einige Kinder sind sehr verschreckt. Als die Alarme endlich abgestellt sind, beruhigt sich die Lage zusehends. Die meisten Kinder verteilen sich zu Spiel oder Fernsehen auf die Zimmer, die meisten Eltern hängen draußen zusammen ab und versuchen warm und trocken zu bleiben und die Stimmung hochzuhalten.

Ich wickle mich in eine Decke ein, trinke heißen Tee und führe mehr oder wenige tiefsinnige Gespräche. Morgen sollen 11 Stunden Sonne folgen, wir können es alle kaum erwarten.

07.06.2025 – Ferienkommunismus mit Kindern

Kurz vor 8 steht der Liebste auf und macht Kaffee und damit mich und das Teilzeitkind auch wach. Morgendlicher Reboot, dann gibt es Frühstück auf der Terrasse. Das Kindelein hat Brötchen geholt, große Kinder sind toll. Später verteilen sich die großen Menschenmaschen auf verschiedene Gruppen. Eine Gruppe geht Richtung Strand, eine Gruppe fährt einkaufen – vor uns liegen zwei Feiertage – und eine Gruppe (me, myself and I) legt sich einfach wieder ins Bett. Ich lese das Stasi-Buch zu Ende, schlafe zwischendurch immer wieder ein, und rekonvalesziere weiter.

Das Buch bleibt bis zum Ende spannend und wirft viele neue Fragen bei mir auf. Und weiterhin gibt es faktische Ungenauigkeiten, die meinen Lesefluss unterbrechen. Da es aber ja eh nicht nur eine Wahrheit gibt, gucke ich über die hinweg und nehme mir stattdessen vor, endlich irgendwann mal die einschlägigen Museen zu besuchen. In Bautzen haben wir mal mit der Klasse eine Führung durch den Stasiknast gemacht und in Rostock habe ich teilweise im alten Stasigebäude studiert und auch mal ein paar Gedenktafeln gelesen, aber in Berlin, in der Zentrale, war ich noch nie. Außerdem bei Gelegenheit mal die Familie weiter ausfragen. Und im Freundeskreis, da gibt es auch ein paar einschlägige Erfahrungen.

Am Nachmittag trudeln langsam alle wieder ein und ich stehe dann auch mal auf. Eine Stulle später geht’s mir besser und ich geselle mich mit Vita Cola zu den anderen. Bald wird auch schon wieder der erste Grill angeschmissen.

Wir sind wie gesagt fast 50 Wesen hier, davon zwei Hunde, ein Baby und 17 Kinder in verschiedensten Größen, wobei das Teilzeitkind – um einen Monat nur – das zweitälteste ist. Dazu diverse Eltern, Bonuseltern und allein angereiste Erwachsene. Eine Gruppe spielt Kubb, ich selbst werde in eine Runde Hitster verwickelt. Die Liebstenschwester und ich dürfen aus Gründen der Fairness kein Team bilden und treten als Einzelkämpferinnen an, gegen drei Teams aus mehr Personen. Gewinnen tut dann ein Zweierteam, aber es geht ja um den Spaß am Spiel.

Danach übernehme ich die musikalische Leitung für eine Weile, bis die großen Kinder genug vom Kubben haben und mich als DJ für sich entdecken. Um mich herum dann also Kinderdisco auf Zuruf mit den größten Hits von Deine Freunde bis Die Prinzen. Die anderen Erwachsenen ziehen sich erlöst auf eine andere Terrasse zurück, hören eigene Musik und tun Erwachsenendinge.

Nach und nach werden Kinder weggepflückt und ins Bett gesteckt, gegen 23 Uhr die letzten. Dann ist meine Aufgabe erledigt und ich geselle mich noch für ein Stündchen oder so zu den anderen Großen, bevor es zurück ins wohlverdiente Bett geht.

06.06.2025 – Back to the Island

Das war eine wirklich, wirklich kurze Nacht. Erst haben Don und Elon meinen Adrenalinspiegel so hochgefahren, dass ich ewig nicht einschlafen konnte und immer nochmal gucken musste, ob es was Neues gibt, dann beschließen Noosa und Nimbin gegen 5 Uhr morgens einen eigenen cat fight direkt neben mir im Bett abzuhalten und dann bin ich halt wach. Tolle Wurst. Mit zunehmendem Alter werden die beiden schrulliger und kabbeln sich und mich gefühlt häufiger als als kleine niedliche Kitten oder Jungkatzen. Jedenfalls bin ich dann wach und schon mit Lesen und Bloggen durch, bevor der Liebste sich zur Arbeit an den Schreibtisch setzt und vorher mit mir telefoniert.

Dann lange Spracheinheit – In Französisch mit B1 angefangen, in Italienisch den Wortschatzkram abgeschlossen. Da habe ich jetzt nur noch ein paar übersprungene Lektionen zu absolvieren und dann bleiben Übungen, Übungen, Übungen. Laut App dürfte mein Level da jetzt bei B2 liegen, praktisch im Alltag ist es wahrscheinlich drunter, weil mir die (produktive) Sprachpraxis fehlt. Dann die New-York-Times-Rätsel (tatsächlich auch immer eine Englisch-Übung, besonders Connections und Spelling Bee, obwohl ich mein Englisch eher bei C2 als bei C1 verorten würde) und dann ist auch schon der Reboot erledigt.

Die Katzen verlangen schon länger Frühstück, ich mache mir jetzt auch welches – Rest-Ricotta, mit Erbsenmilch und Orangenblütenwasser glatt gerührt, dazu Erdbeer-Granola und TK-Ananas – eine Reminiszenz an die tolle cassata estiva damals auf Procida. Pfirsichsaft gibt es auch noch dazu – ein italienischer Morgen. Und ein Glas Aspirin Complex, denn jetzt ist mal kurz Action verlangt und der Infekt hat mich immer noch ein bisschen in seinen Klauen.

Aspirin Complex hat auf mich eine ähnliche Wirkung wie Ketamin auf Elon Musk, ich reiße mich aber zusammen, poste keine Beleidungen ins Internet, mache keine verbotenen Gesten und springe nicht bauchfrei in die Luft, sondern packe meinen Rucksack fürs Wochenende und gehe nochmal in die Apotheke und die Drogerie. Dann ein kurzer Schnack mit der Mitbewohnerin, eine kurze Diskussion in der Haus-Chatgruppe (es gibt mal wieder ein Problem mit dem Warmwasser, aber ich bekomme es delegiert) und dann steige ich schon ins Auto, mit dem der Liebste und das Teilzeitkind vorgefahren sind. Ostsee, wir kommen!

Der Liebste ist bereits eine Dreiviertelstunde durch Stadtverkehr und Baustellen gefahren und ordentlich geladen. Das Teilzeitkind ist genervt. Es bekommt meine Noise-Cancelling-Kopfhörer aufgesetzt und schaut zufrieden aus dem Fenster, während ich des Liebsten Sounding Board werde, bis wir 20 Minuten später aus der Stadt raus und auf der Autobahn sind. Ab da fällt alle Spannung ab, das Teilzeitkind nimmt die Kopfhörer wieder ab, der Liebste macht das Känguru an, ich schließe die Augen und döse ein wenig.

Wir hören das erste Känguru-Buch ganz von Anfang an. Der Liebste und das Teilzeitkind sprechen auswendig mit, ich höre es erst zum dritten oder vierten Mal und freue mich nur. Lachen tun wir alle – an Dösen ist nicht zu denken. Irgendwann geht es darum, dass Marc-Uwe immer im Präsens schreibt, weil das direkter und authentischer wirkt. Ich fasse mir unauffällig an die eigene Nase.

Wir fahren durch die Uckermark und durch Vorpommern und plötzlich sind wir schon an der Brücke und dann auf der Insel. Noch kurzer Einkauf im Supermarkt und dann sind wir als eine der ersten Parteien an unserer Location für das lange Wochenende angekommen und beziehen unser Zimmer. Nach und nach trudeln die anderen ein, die Liebstenschwester, ihr Mann, das Nifftenkind und jede Menge Freund*innen mit Kindern, Hunden und einem Baby. Am Ende sind wir fast 50 Individuen, die sich um unsere Terrasse gruppieren, auf der drei Grills laufen und die sich irgendwie als der Nukleus für diesen Abend herauskristallisiert hat.

Von uns Dreien verschwindet das Teilzeitkind als erstes im Bett (es hat noch fernzusehen), ich folge gegen 23 Uhr und werfe nochmal ordentlich Medikamente ein. Als der Liebste ins Bett kommt, bekomme ich das noch so halb mit, aber ansonsten verschwindet der Partylärm von draußen irgendwo im dichten Nebel und ich schlafe schnell, tief und unglaublich fest ein.

05.06.2025 – On the Mend #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Vermutlich hat sich wieder eine Katze bewegt, jedenfalls bin ich gegen 7 Uhr wach. Der Liebste auch, daher telefonieren wir ungewöhnlich früh und gleich als ersten Schritt des morgendlichen Reboots. Danach lese ich das Internet leer und auf meiner Runde durch die Blogs stoße ich bei Herrn Buddenbohm auf zwei sehr inspirierende Videos, die ich mir direkt angucke. Zack, Mindset für heute geshifted, manchmal ist es komisch. Bevor ich mein eigenes Blog fülle, mache ich mir eine schöne große Tasse Ostfriesentee mit Mascarpone-Sahne.

Ich blogge Tee schlürfend und mache dann ausführlich erst Französisch und Italienisch. Beim Französischen dauert es, bis die Tagesaufgaben erfüllt sind, dafür erledige ich gleich die Friends Challenge mit der Nichte zweiten Grades mit, die mich schon wieder als Partnerin ausgesucht hat. Das Kind ist neun, da helfe ich doch gerne. Im Italienischen schließe ich einen weiteren Abschnitt ab, nicht mehr lange und ich habe das laaaaaange Wortschatz-Kapitel hinter mir, mal sehen, was dann kommt.

Gegen halb 12 stehe ich auf und mache mir Frühstück, es gibt Sauerteigbrot mit Mascarpone und der letzten Feigenmarmelade, dazu den letzten Apfel und die Probiermate, die ich letzte Woche beim Verlassen der re:publica geschenkt bekommen habe. Damit gehe ich raus auf den Balkon und nehme von da aus am heutigen Webinar teil. Irgendwann fängt es an zu regnen, aber mein Balkon ist ja überdacht und ich lasse mich nicht stören.

Die Erkältung scheint weiter auf dem Rückzug, auch wenn mein Taschentuchverbrauch weiterhin hoch ist. Mit Podcast auf den Ohren widme ich mich am Nachmittag weiteren Haushaltsdingen, für die ich gestern noch zu kaputt war. Und danach mache ich etwas ganz verrücktes und hole zum ersten Mal seit dem Sturz meine Yogamatte hervor und mache mir ein Video an. Erstaunlich vieles geht schon wieder, dafür tun Schulter und Fuß in Situationen weh, an denen ich es gar nicht so erwartet hätte. Und die normalen Sonnengruß-Flow-Geschichten lasse ich noch aus. Aber Dehnungen, Öffnungen etc. tun gut, mein Orthopäde wäre stolz auf mich.

Jetzt ist es Zeit, auszuruhen. Ich lese das Buch zu Ende, das ich mir auf der re:publica nach Session und Workshop gekauft habe (und fange direkt mit der Umsetzung an) und danach in dem anderen Sachbuch weiter, das ich schon eine Weile länger lese – Belletristik dann wieder an einem anderen Tag. Zwischendurch telefoniere ich mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind über die Wochenplanung und gebe Wünsche für den Einkaufszettel durch.

Zum frühen Abendbrot mache ich mir Hirse mit Tomaten, Zucchini, Basilikum und ordentlich Knoblauch. Dazu gibt es den Livestream von Merz‘ Besuch im Weißen Haus. Wie erwartet ein skurriles Gespräch, mit unerwartet sehr viel Referenz auf vergangene Weltkriege. Immerhin ist Merz länger als Trump und schlägt sich ganz OK. Selbst Trump ist erstaunlich normal (also bis auf das übliche Weaving, seine Auslassungen zum zweiten Weltkrieg und seine Falschaussagen zur amerikanischen Wirtschaft natürlich). An der Stelle ahnt noch niemand, was aus der Situation über den Abend verteilt noch wird, aber Elon Musk guckt den Livestream auch und seine Kommentare fallen weniger gemessen aus als meine.

Ich lege mich nach dem Stream erstmal in die Badewanne und mache mich danach bettfertig. Wieder im Bett dann entspinnt sich das gesamte Ausmaß des X-Truth-Social-Meltdowns zwischen dem reichsten Mann der Welt und dem amerikanischen Präsidenten. Meine Timelines drehen durch und ich bereue, schon Zähne geputzt zu haben, so viel Lust bekomme ich auf Popcorn. Trumps Auslassungen zum zweiten Weltkrieg sind jedenfalls kein Thema mehr und ich befürchte, dass auch Merz‘ Vorstöße für die Unterstützung der Ukraine nach dieser Schlammschlacht keinen großen Widerhall mehr finden werden.

Die ganze Situation und ihre Beobachtung auf Threads, Bluesky, Mastodon, Instagram und TikTok (und vielleicht das viele Koffein von Ostfriesentee und Mate) machen, dass ich noch sehr lange keine Ruhe finde und erst weit nach Mitternacht einschlafe.

04.06.2025 – So halb

(Einschub: Ich blogge ja immer am Morgen danach, hier also eine Link-Empfehlung aus der Zukunft des eigentlichen Tagebuch-Geschehens: Bei Herrn Buddenbohm gibt es „morgen“ zwei tolle Videos zu sehen, in denen Menschen auf sehr weise und gleichzeitig unterhaltsame Art Tipps für ein gutes Leben geben. Die beiden noch vor dem Bloggen anzusehen hat meinen Morgen heute sehr bereichert!)

Heute geht es so halb besser, der/die/das Virus scheint zunächst auf dem Rückzug, vielleicht ist das aber auch nur Wunschdenken. Jedenfalls wage ich mich nach dem morgendlichen Reboot (Endlich Französisch A2 auf Duolingo abgeschlossen!) tatsächlich aus dem Bett hinaus und auf den Balkon. Zu Müsli und Tee gibt es gegen Mittag ein Webinar, das gleich noch zu weiteren Handlungen führt. Außerdem habe ich ein bisschen Wohnungs-Admin zu tun, u. a. haben Fliegen mal wieder die Küche übernommen und es wird Zeit, entschlossen zurückzuschlagen. So verlasse ich das Haus sogar ganz und bringe den Biomüll nach unten. Dann noch das Bett neu beziehen, um der Krankheit klarzumachen, dass ich bereit für einen neuen Abschnitt bin. Und dann… Muss ich mich erstmal dringend ausruhen.

Zum Mittag gibt es Salat aus Crowdfarming-Tomaten, roter Zwiebel, frischem Basilikum und Ricotta, dazu Sauerteigbrot. Danach bin ich so erschöpft und müde, dass ich mich „nur mal kurz“ hinlege, während ich die Doku über Annalena Baerbocks Zeit als Außenministerin laufen lasse. Das Ergebnis ist, dass ich volle Kanne wegratze und auch nachdem ich wieder richtig wach bin, nicht nochmal hochkomme. Virus doch noch da, würde ich sagen. Nach dem Schlafen ist der Kopf wieder wattig und verschleimt. Ich würde ja gerne weiter lesen, sehe mich aber nicht in der Lage und gucke stattdessen im Internet herum.

Am frühen Abend habe ich dann noch ein Webinar, das mich ein wenig ratlos zurück lässt. Inhaltlich bleibt es hinter meinen Erwartungen zurück, aber es setzt eine Menge Gedanken in Gang. Das Format ist englischsprachig, das Publikum international, aber in Deutschland lebend. Die Vortragende ist Deutsche und trägt offensichtlich Inhalte vor, die sie sonst auf Deutsch präsentiert. Ihr Englisch ist so holprig, dass ich mich kaum auf den Inhalt konzentrieren kann, weil mir jeder kleiner Fehler, jede unelegante Formulierung und jede falsche Übersetzung sofort ins Ohr sticht – von der Aussprache ganz zu schweigen, die lächele ich weg. Ich bin mit sowas in den letzten Jahren ja zum Glück sehr viel großzügiger geworden und korrigiere sogar meine Eltern nur noch selten (Grüße gehen raus ;)), aber heute fällt es mir schwer.

Zumal der Vortrag wie gesagt inhaltlich auch nicht viel hergibt aber mit großem Enthusiasmus und Selbstüberschätzung vorgetragen wird und die begleitende Präsentation (ganz stolz: „Mit KI erstellt!“) mit genauso wenig Liebe gemacht zu sein scheint. Die Texte sind jedenfalls nicht mit KI übersetzt, sonst wäre die Sprache besser, dafür gibt es in den Bullet Points sogar Füllwörter, die in der gesprochenen Sprache einfach durchrieseln würden, aufgeschrieben als Überschrift einer Folie aber völlig deplatziert wirken. Beispielzitat vom Vortrag aus dem Gedächtnis: „And then you have something like Covid neunzehn, ja, so a pandemic, ja…“

Ich fühle mich nicht gut dabei, so herablassend darüber zu denken und zu schreiben, vielleicht habe ich in den letzten Tagen auch einfach viel zu viele gute Präsentationen gesehen (live und im Nachklapp bei der re:publica), aber gleichzeitig ist es auch nicht schlecht fürs eigene Selbstbewusstsein, zu wissen, dass ich sowas in gut und weitgehend ohne Fehler aus dem Handgelenk schütteln könnte. Hätte gerne einen Korrekturlauf gemacht, aber leider ist auch das ja eine Fähigkeit, die heutzutage nicht mehr gefragt oder bezahlt wird. Wäre nur schön, wenn man die KI dann auch effektiv nutzen würde. So, genug gerantet.

Meine Gehirnzellen sind aufgebraucht, also suche ich Berieselung. Netflix bietet mir eine neue Kategorie an: „Düster, intensiv und trostlos“ – da kann ich ja gleich Nachrichten gucken, nein danke! Stattdessen finde ich My Big Fat Greek Wedding 3 und da ich einen soft Spot für alles habe, was von Play Tone kommt („Es hat ein Loch, es hat Rillen, das ist ne Play Tone Platte!!!“) und außerdem seichte Unterhaltung mit gutem Essen, Sonne und Meer vertragen kann, gucke ich mir den natürlich an. Ich erinnere mich quasi nicht an Teil 2, was dafür spricht, dass Teil 3 wieder besser ist. Hinterher noch ein Special von Matteo Lane, das allerdings zu weiten Teilen das ist, was der Liebste und ich letztes Jahr live im Tempodrom gesehen haben – trotzdem einige Lacher dabei.

Danach habe ich noch ein bisschen Luft, bis ich bettmüde bin, und schaue doch noch zwei re:publica-Sessions, die von Heidi Reichinnek und die von Cy Linke, die ein multimediales Gesamtkunstwerk ist. Ich bin dankbar für meinen eigenen Familienchat, in dem es hauptsächlich Essensfotos und Gesundheitsstati gibt.

03.06.2025 – Vorschriftsgemäß

Heute nun also endlich keine Termine und ziemlich heftig einen sitzen (einen Virus nämlich, der weiterhin für Verrotztheit und neu auch für ordentlich Husten sorgt), also bleibe ich ganztägig im Bett und tue, was angemessen ist – viel trinken, lesen, schlafen.

Auf dem Brot ohne Camembert ist ein Pecorino mit Pistazien, der mir neulich beim online Einkaufen in den Warenkorb gehüpft ist – sehr lecker

Ich lese fleißig weiter in Gabrielle Zevins Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow, das in meiner Blogroll schon ausgiebig rezipiert wurde, zum Beispiel bei Frau Novemberregen und der Kaltmamsell. Ich bin ebenso angetan wie die beiden und habe dem Liebsten schon angekündigt, dass ich das Buch an ihn weiterreichen werde, er hat schon aus meinen Erzählungen extrapoliert, welche Arten von Computerspielen darin vorkommen und da er sich mit sowas in seiner Freizeit ab und an *hüstel* beschäftigt, ist das wahrscheinlich ein sehr gutes Buch für ihn, auch wenn es sich auch viel um echte Menschen und ihre Beziehungen zueinander dreht und erstaunlich wenig Fantasy-Elemente enthalten sind.

Als ich nach einer Beim-Lesen-Einschlafen-Pause wieder erwache habe ich eine E-Mail bekommen, dass meine Crowdfarming-Gemüsekiste beim Nachbarn liegt (der mit dem Tesla mit dem „Elon sucks“-Aufkleber). Ich werfe mir schnell etwas über und hole die Kiste ab.

Etwas herausfordernd diesmal – die Rübe wird interessant, für den Rettich werde ich mal Richtung Bayern gucken für Rezepte und der grüne Spargel kann am Wochenende hoffentlich vergrillt werden. Mit dem Rest komme ich klar.

Irgendwann am Nachmittag stelle ich fest, dass der vierte Bridget-Jones-Film inzwischen online verfügbar ist und gucke mir den an. Passt in die Reihe und ist wahrscheinlich besser als der dritte, aber an sich ist das Thema halt auch irgendwie durch. Und ich komme jetzt in das Alter, in dem die Heartthrobs meiner Jugend (hier: Hugh Grant und Colin Firth, aber ja auch Brad Pitt und Johnny Depp, wobei die eh problematisch sind) plötzlich alte Männer sind, und das wo ich doch immer noch quasi im Teenager-Alter… Hmmm.

Lieber schnell wieder weiterlesen…

02.06.2025 – Verstrahlt im Stadtbild

By rights sollte ich heute einfach den ganzen Tag im Bett liegen und mich auskurieren, viel Flüssigkeit zu mir nehmen, mich von Unterhaltungsprogramm berieseln lassen und zwischendurch immer wieder einschlafen. Tatsächlich habe ich aber zwei dringende To Dos auf der Liste und kann nur ein drittes absagen. Von daher bekommt Berlin mich heute nochmal von meiner besten Seite (nicht) zu sehen. Aber erst später.

Erstmal schlafe ich erstaunlich gut und viel, mit Pausen zwar, aber doch deutlich mehr als im Zelt. Dann gibt es Porridge mit TK-Früchten und Tee mit Ingwer, einem Rest Orangensaft und Kräutern vom Balkon: Melisse, Minze, Salbei und Thymian. Internet leer lesen und Bloggen dauert heute alles länger, mein Geist ist arg verschleimt, der Taschentuchverbrauch weiter hoch. Französisch kriege ich wieder etwas ausführlicher hin, aber Italienisch schenke ich mir noch, dieser Streak ist nicht sooo wichtig, da ich das einfach schon seit Jahren mache und es so im Hintergrund mitläuft, mal mehr, mal weniger intensiv, und ich außerdem für einen Lifetime-Account bezahlt habe und jetzt is ah Wurscht. Bei Französisch läuft grad ein Jahr lang Bezahl-Account, der Streak ist sehr hoch und ich bin außerdem kurz davor, A2 zu beenden. Klappt in den nächsten Tagen.

Kurz nach 13 Uhr dann quäle ich mich aus dem Bett und mache mich fertig, um ins Draußen zu gehen. Heute dann auch pflichtbewusst mit Maske. Weil alles heute langsamer geht, verlasse ich das Haus gegen 14 Uhr und fahre mit zwei Trams zu einem Augenarzttermin, auf den ich seit Monaten gewartet habe. Dafür geht dann alles erstaunlich schnell, straff organisiert und kompetent voran. Einzig mit Zahlen hat es der Herr Doktor nicht so, da muss ich nochmal nachrecherchieren, ab welcher kumulierten Menge meines täglichen Medikaments ich öfter als einmal im Jahr vorbeikommen sollte – die von ihm zuerst genannte überschreite ich mit der täglichen Dosis, die zweite genannte passt nicht zu dem Zeitraum, den ich auf die Schnelle im Internet finde. Egal, ich mache erstmal mit den jährlichen Kontrollen weiter.

Was ich nicht bedacht habe – war bei dem Stümperaugenarzt im Oktober nämlich nicht so – ist, dass ich für die Prozedur Augentropfen bekommen würde und danach a) schlechter sehen und b) sehr lichtempfindlich sein würde. Ergo habe ich keine Sonnenbrille dabei, was ich beim Hinaustreten in den gleißenden Juni-Sonnenschein sofort bereue. Und ich habe halt noch das zweite To Do auf der Liste und muss noch nach Weißensee. Aufgrund von Streckenänderungen (danke BVG!) kann ich aber mit einer Tram durchfahren und muss nicht wie sonst umsteigen. Dann noch die richtige Hausnummer und das richtige Klingelschild finden (nicht so einfach mit den geweiteten Pupillen) und dann kann ich mein Camping-Equipment von der lieben Mitfestivalerin entgegennehmen.

Der Rückweg würde zu Fuß eine gute Viertelstunde dauern. Ich bin aber dolle erkältet, habe einen kaputten Fuß, meine Augen sind arg zusammengekniffen, weil alles blendet und ich habe eine schwere IKEA-Tasche dabei. Zum Glück kann ich auch abkürzen und drei Stationen Bus fahren! Spätestens den Mitfahrenden muss ich jetzt wie eine typische Berliner Nachtgestalt vorkommen. Tellergroße Pupillen, benebelt im Kopf, rote Nase, humpelnd/torkelnd und mit einer Ikea-Tasche mit undefinierbarem Zeug unterwegs. Gut, dass ich so schnell wieder zuhause bin. Ich hänge die nassgewordenen Camping-Sachen auf den Balkon und krieche direktemang wieder ins Bett.

Um die Augen zu schonen, mache ich mir einen Podcast an und selbige zu. Wenig überraschend schlafe ich direkt wieder ein. Wie gut! Als ich wieder wach werde, sind die Pupillen schon fast wieder bei Normalgröße angekommen und ich habe langsam wieder Hunger, bin aber zu kaputt, um mich in die Küche zu stellen. Also bestelle ich nochmal was thailändisches – Wan Tans mit Spinat und Ingwer, Erdnuss-Dip und Pad Thai mit Tofu. Gut die Hälfte vom Pad Thai bleibt dabei für morgen übrig.

Zum und nach dem Essen schaue ich zwei re:publica-Talks (von tante und von Annika Brockschmidt), dann reicht es wieder mit Anspruch für heute. Den Rest des Nachmittags und Abends bestreite ich mit der Netflix-Miniserie Sirens. Schon wieder eine Satire über superreiche exzentrische Menschen in einem schönen Haus am Meer mit vielen Menschen, Presse, einer vermeintlich abgedrehten reichen Frau und ihrem vermeintlich normalerem reichen Mann und mit Meghann Fahy als Außenseiterin. Hatte ich ja gerade erst mit The Perfect Couple, aber funktioniert auch hier gut. Und Julianne Moore und Willem Dafoe spielen auch noch mit, was will ich mehr?

01.06.2025 – Der lange Weg zum Bett

(Bevor es untergeht: Heute ist Kindertag, die Eltern haben uns selbstverständlich gratuliert, ich fand aber zu keiner Zeit ein neues Buch oder ein kleines Lego vor, wie früher üblich. Nun ja.)

Erstes Aufwachen kurz nach 2 Uhr, die Shout Out Louds haben gerade ihren Gig beendet, von mir unbezeugt, denn ich liege mit Matschbirne und benebelt seit drei Stunden im Zelt und leide vor mich hin. Jetzt müsste ich eigentlich aufs Klo und wäre ich zuhause, würde ich das auch tun. Hier aber müsste ich mich in die Stiefel zwängen und sie gut zuschnüren und zwischen lauter angeheiterten Feiernden weit vom Vollbesitz meiner geistigen Kräfte entfernt etwa fünf Minuten im Dunkeln über den Zeltplatz laufen, anstehen und ggf. auf eine schon nicht mehr ganz saubere Toilette gehen, zum Händewaschen wieder anstehen und dann das ganze retour. Das mag ich mir nicht zumuten. Ich setze mir meine Stirnband-Kopfhörer auf, mache mir ein Hörbuch an, suche eine neue Liegeposition und versuche es nochmal mit dem Schlafen.

Etwa alle Stunde liege ich wieder wach, der Vorrat an Taschentüchern und taschentuchähnlichen Materialien geht bedenklich zur Neige. Gegen 7 ist es draußen hell, fast alle liegen in ihren Zelten, nur von einer Ecke ganz weit weg dringt immer noch Partymusik hinüber. Jetzt wage ich den Toilettengang und nehme mir gleich noch jede Menge Klopapier für die Nase mit zurück ins Zelt. Gegen 9 dann beginne ich mit dem eigentlichen Aufstehprozess. Ein weiteres Mitglied der Bezugsgruppe hat schon Kaffee gemacht und so sitzen wir beide aus unterschiedlichen Gründen kaputt und schlürfen leise unseren Kaffee. Ich frühstücke Reste (Würstchen, Ei, Apfel) und nach und nach werden die anderen auch wach.

Blöderweise kommt dann nochmal Regen, so dass ich am Ende ein feuchtes Zelt abbauen muss. Die Campingsachen kann ich einer Mitreisenden mitgeben, die mit dem Bulli zurück zu uns in den Kiez fährt. Mit Rucksack und Proviantbeutel mache ich mich dann kurz vor 11 auf den Weg Richtung Bahnhof. Der Pendelzug kommt erst in einer halben Stunde und weil es wieder nach Regen aussieht, gönne ich mir ein Taxi. Am Bahnhof muss ich dann eine weitere Stunde warten, habe aber zum Glück Internetempfang und kann die Zeit gut nutzen. Für weiteres Nasenklopapier muss ich 50 Cent für eine Toilettennutzung bezahlen.

Der Zug ist nach dem langen Wochenende und mit den vielen Festivalrückreisenden heillos überfüllt, ich bekomme diesmal einen etwas bequemeren Sitzplatz auf der Treppe. Leider fährt der Zug aktuell nur bis Oranienburg, dort müssen dann alle in die S-Bahn umsteigen, die erst 20 Minuten später losfährt und dann eine Dreiviertelstunde braucht. Ich habe aber einen normalen Sitzplatz abbekommen. Mir tun die Mitreisenden leid, denn ich huste und schniefe vor mich hin und habe keine Maske dabei. Da fällt mir die Frau auf der Hinfahrt ein, die ähnlich unterwegs war, ob ich mich vielleicht bei ihr angesteckt habe? Oder vielleicht bei einem der x Kinder auf dem Kindergeburtstag letztes Wochenende oder bei einem der 30.000 Menschen auf der re:publica? Vielleicht war das auch alles etwas viel in den letzten 10 Tagen…

An der Bornholmer Straße steige ich dann nochmal um und dann bin ich gegen 14 Uhr endlich endlich zuhause. Die Treppen hoch sind sehr anstrengend. Ich werfe alles ab, begrüße die Katzen, packe die dringendsten Sachen aus und lasse mich in die Badewanne gleiten. Vier Tage Festivalschmutz lösen sich im Wasser. Kurz danach ziehe ich um ins Bett, telefoniere mit dem Liebsten und bestelle mir was vom Thai.

Tom Kha mit Tofu, Papayasalat, Klebreis mit Mango, Ginger Ale

Ich schmecke fast nichts und lasse den Großteil des Salats für später übrig. Zum und nach dem Essen gucke ich ein bisschen re:publica nach (die Session mit Sarah Bosetti), merke aber schnell, dass ich heute für nix Anspruchsvolles mehr zu gebrauchen bin. Ich gucke The Four Seasons zu Ende und dann noch Nonnas und dann ist es auch schon wieder nach 10 und ich versuche zu schlafen. Statt des erhofften Alltags nach dem Wahnsinn der letzten Tage nun also erstmal dicke fette Erkältung (kein Covid, sagt der Test)…

31.05.2025 – Immergut Tag 3 in der Krank-Edition

Der Plan war, noch länger zu schlafen als gestern und mich den Tag über viel zu schonen, damit ich abends durchhalte um 1 die Shout Out Louds angucken kann, die das ausschlaggebende Argument für mich waren, auch dieses Jahr wieder zum Immergut zu fahren (sie und dass es eben das 25. ist). Tja, dicker Hals und schmerzendes Schlucken machen den Plan zunichte, ich bin wieder gegen 8 wach und gehen 9 treibt mich die Hitze aus dem Zelt (es sind 18 Grad, aber halt Sonne auf Zelt). Ich verlege mich aufs Symtom-Management und hole mir am Kaffeestand einen Ingwer-Zitrone-Tee und einen doppelten Espresso, dazu noch zusätzliche Zitrone am Zelt, außerdem Schmerztablette und normales Festivalfrühstück. Einer der Mitreisenden versorgt mich noch mit Vitamin C und Zink in rauhen Mengen. In der Kombination macht das alles in etwa die Wirkung von Aspirin Complex und ich fühle mich gestärkt.

So kann ich wie geplant aufbrechen zum Spaziergang durch den Wald hin zum Fußballturnier. Fiete und Schiete sind als Moderation angesagt aber wie schon letztes Jahr ist einer von beiden beruflich in Brüssel und wird nur zwischendurch per Telefonschalre involviert. Mit dem anderen, der ja auch mein Duolingo-Kumpan ist, schaffe ich zwischen Musik und Moderation ein kurzes Gespräch, bei dem er Mückenspray verweigert. Erschlagene Mücken werden eingesammelt und via Dose demnächst mit ins Mökki nach Lappland genommen, wo der Herr aus toten Mücken Kunst macht. Neben dem Zuhören nutze ich den Aufenthalt am Stadion wie immer vor allem für die örtlichen Annehmlichkeiten – es gibt ein Wasserklosett und angemessenen Internetempfang.

Nachdem die Kindermannschaft im Siebenmeterschießen souverän den fünften Platz verteidigt hat und nur noch das Spiel um Platz 3 und das Finale anstehen, mache ich mich langsam auf den Rückweg. Der Plan ist, sich nochmal drei Stunden hinzulegen und dann erst ab 18 Uhr auf dem Gelände zu sein. Für eine gute Stunde klappt das auch, ich lese und döse immer wieder weg. Dann aber wird es auf dem Zeltplatz zu laut und hektisch und im Zelt zu heiß. Ich fülle meine Wasserflasche nochmal für heute Nacht auf, packe meine Sachen fürs Gelände zusammen und treffe auf dem Weg dahin nochmal eine alte Bekannte aus Rostock.

Dann suche ich mir ein ruhiges, schattiges Plätzchen auf dem Gelände, lausche der dargebotenen, ruhigeren Musik und lese einfach dort weiter. Wie schön, dass es solche Orte gibt, an denen alle einfach ihren Bedürfnissen nachgehen, nett zueinander sind und niemand komisch guckt. Allerdings fehlt halt doch der eingeplante Nachmittagsschlaf. Irgendwann hole ich mir für den zweiten Koffeinkick des Tages einen Chai Latte und noch ein wenig später Falafel mit Reis und Salat.

Laura Lee & The Jettes sind die erste Band, die ich mir ganz bewusst (und sogar teilweise im Stehen an der Bühne) ansehe. Danach ist aber direkt wieder sitzen angesagt. Je später der Abend, desto mehr vernebelt mein Kopf, die Halsschmerzen haben sich ein wenig beruhigt (vor allem, seit ich die ganze Zeit Kaugummi kaue und so minzigen Speichel da lang schicke), dafür fängt inzwischen die Nase derbe an zu laufen und die Nebenhöhlen gehen zu.

Ich treffe eine alte Berliner Freundin wieder, die ich seit einigen Jahren irgendwie nur noch auf dem Immergut sehe (die ehemalige regelmäßige Minigolfrunde hat sich irgendwann aus den Augen verloren) und wir haben uns viel zu erzählen. Dann spielt Erobique und ich schaffe sogar ein bisschen Tanzen. Danach muss ich mich wieder setzen und mir wird langsam klar, dass ich mir Shout Out Louds abschminken muss. Vorher spielen noch zwei andere Bands und ich bin jetzt schon völlig durch. Während Isolation Berlin auf der Bühne stehen, gebe ich resigniert auf und kehre über den Umweg zum Kompostklo ins Zelt zurück. Um 23 Uhr mache ich die Augen zu, denn zwischen Shout Out Louds und mir liegen noch zwei Stunden, zwei Zeltplanen und ein DJ-Set, so dass ich definitiv nichts davon werde hören können. Verdammter Mist. Der Rest ist Nebel.