Der Tag lässt sich gut an, noch ein letztes Mal Frühlingswetter, wenn auch schon etwas kühler, bevor die Wetteruhr nochmal zurückgedreht wird. Balkontüren auf, erstmal Yoga (immer noch mit angezogener Handbremse, es ist unanständig, für wie viele Asanas man seine Arme und Schultern braucht) und dann Frühstück draußen. Den Onlinekurs fange ich dann auch noch draußen an, aber als die Sonne um die Hauswand rum ist, wird es auf dem Balkon zu kühl und ich wechsle ins Arbeitszimmer.
Am frühen Nachmittag mache ich dann Pause, kümmere mich kurz um ein paar Haushaltsdinge und gehe dann ins Draußen. Meghan hat gestern in ihrer Netflix-Doku Korean Fried Chicken gemacht und seitdem will ich das essen (mit einer kurzen Unterbrechung als ich heute Morgen auf TikTok eine römische Pizza mit Kartoffeln und Rosmarin gesehen habe). Ich laufe also schnurstracks zum asiatischen Streetfood-Laden um die Ecke und gönne mir das Korean Fried Chicken und eine Yuzu-Limonade. Sehr lecker!
Danach mit Weglimo weiter durch den Sonnenschein – hier ist er noch – und Besorgungen machen und zwischendurch nochmal eine Runde in den Park setzen, wie der Rest vom Kiez.
Als ich wieder zuhause bin, die Einkäufe verräumt und meine Yoga-Matte mit Teebaumöl gereinigt habe, überfällt mich unheimliche Müdigkeit und ich schlafe erstmal komatös auf dem Sofa ein. Eine Stunde später fragt der Lieblingsnachbar, ob ich fit für noch einen Spaziergang wäre, aber das muss ich ablehnen. Hoffentlich erwischt mich jetzt k ihr der nächste Virus, denke ich. Stattdessen weiter Meghan gucken und eskapieren in eine Welt, in der Zeit und Energie allein für Essenszubereitung, Blumenarrangements und schöne Dinge da sind. Das bringt mich dann später am Abend noch zu meinem Abendbrot – Rosmarin-Bruschetta, Crudités, Oliven und Avocado-Dip. Viel weniger schön angerichtet als bei Sussexes, aber wirklich lecker.
Der Stein einer der Oliven knockt mir dann noch eine Füllung aus dem Zahn, was dem Abend irgendwie eine unschöne Wendung gibt. Morgen dann also auch noch zur Zahnärztin!
Der heutige Sonntag läuft größtenteils ab wie früher wobei „Früher“ hier einen Zeitraum in den ersten ein-zwei Jahren der Pandemie bezeichnet. Ich wache im Bett des Liebsten viel zu früh auf – nicht mehr, weil das Teilzeitkind nachts wach wird oder zu uns ins Bett klettert, sondern heute, weil der Arm weh tut und ich keine gute Position finde. Dann wacht der Liebste irgendwann auf und macht Kaffee und das Teilzeitkind kommt immerhin schon gegen 9 und mich fragt, ob ich auch Pancakes möchte.
Natürlich! Wir stehen also für einen Sonntag extrem früh auf und schon kurz vor 10 gibt es Frühstück. Pancakes vom Teilzeitkind zubereitet, die Äpfel habe ich in Butter gedünstet, die Würstchen hat der Liebste gebraten und den Ahornsirup haben wir aus Kanada mitgebracht.
Nach dem Essen wird eine ausführliche Aufräum- und Putz-Session eingelegt, wobei das Teilzeitkind (auch das eine sehr neue Entwicklung) das Bad übernimmt und auf Hochglanz bringt. Der Liebste kümmert sich um Müll, Wäsche und Fußböden, ich um die Küche. Danach ist erstmal eine Runde Chillen angesagt, bevor wir alle gemeinsam erst raus in den Park gehen und dann zur Stammkonditorei, wo wir wie damals in der Pandemie lange draußen in der Schlange stehen müssen. Es dürfen aber inzwischen mehr als 12 Kund*innen gleichzeitig im Laden sein.
Auf dem Heimweg läuft uns eine bekannte Internetpersönlichkeit über den Weg, die ich schon seit Ewigkeiten von „Twitter“, Blog, Medien, Buch, re:publica und Co. „kenne“. Sie mich jedoch eher nicht, meine Reichweite ist ein Bruchteil davon. Trotzdem ein weiteres nostalgisches Momentum heute.
Apfelsinensahnetorte und Himbeerpassionsfruchttorte
Dann gibt es Kaffee und Torte und Gespräche und noch ein bisschen mehr Aufräumen und Sommerurlaub planen, bevor ich mich am späten Nachmittag auf den Heimweg mache. In der Frühphase der Pandemie hätten die Beiden mich mit dem Auto gebracht, heute nehme ich ganz entspannt die S-Bahn. Zuhause dann Katzen begrüßen und versorgen und Rucksack auspacken, bevor es mit dem Laptop auf die Couch geht.
Ich habe nämlich noch einen Call mit meiner Mentorin, bei dem wir uns anderthalb Stunden über das Leben und die Entwicklungen der vergangenen und nächsten Wochen austauschen.
Kurz nach 9 noch ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten und dann gibt es bis nach Mitternacht den Livestream von der Liberal Convention in Ottawa, mit kurzen Ansprachen der vier Kandidat*innen für die Trudeau-Nachfolge, einer Abschiedsrede von Trudeau, einer Mutmach-Rede von Chrétien und dann dem Ergebnis der Abstimmung: Mark Carney ist erwartet aber mit überraschend hoher Zustimmung der neue Anführer der Partei und wird in den nächsten Tagen oder Wochen das Amt des Premierministers von Trudeau übernehmen. Bemerkenswert ist, dass in sämtlichen Ansprachen Trump viel mehr Raum einnimmt als Poilievre, der in der anstehenden Wahl Carneys Gegner sein wird. Die kanadische Seele ist in Aufruhr, die Gefahren sind real und jetzt werden wir alle beobachten können, ob (und hoffentlich dass!) sich Kanada behaupten wird. Elbows up!
Noch so ein Frühlingstag heute. Und Fe(ministischerKampftag)iertag ist auch. Zur Feier desselben lädt der Liebste das Teilzeitkind und mich erstmal zum Frühstück ein, was bedeutet, dass ich mich schon knapp (zwei Stunden) nach dem Aufwachen auf den Weg nach Südberlin mache.
Beim Essen schmieden wir Pläne. Ein Demogang wird vom Kind abgewählt, ebenso ein Ausflug ins Grüne/an den See. Aber Ausflug darf schon sein, also geht es nach einer kurzen Verdauungspause zuhause gemeinsam auf die größte innerstädtische Freifläche Europas (der Welt?), wo ganz eindeutig schon fast Sommer ist. Es wird gegrillt, gekubbt, geskatet usw.
Der Liebste zeigt uns seine ehemaligen Wirkungsstätten – die Landebahn, auf der er das Kindelein als Baby immer in den Schlaf geschaukelt hat, den Spielplatz, wo es zum ersten Mal von der Schaukel gefallen ist, die Eisdiele, wo es immer eine Kugel Vanille im Becher bekam und auch das Haus, wo es seine ersten Lebensjahre verbrachte.
Eine Katze wird Gassi geführt und hat sichtlich SpaßPopcorn-Honeycomb und Mohn-Kirsche
Nach zwei Runden übers Feld habe ich an beiden Füßen Blasen von den jahreszeitgemäßen Halbschuhen und alle sind ausreichend kaputt. Wieder zuhause gibt es eine ausführliche Chillung und das Teilzeitkind und ich schauen weite Teile des Eras-Konzerts von Taylor Swift und fachsimpeln über die feministischen Botschaften.
Zum Abendessen gibt es vom Liebsten gezauberte Pasta und eine Weltall-Doku, dann verschwinden alle erstaunlich schnell und müde in ihren Betten.
Entspanntes, ausgeschlafenes Aufwachen gegen 8, kurz das Internet leer lesen, mit dem Liebsten telefonieren und dann ist 9:15 schon ein Webinar, bei dem es um passende Alternativen für X in der Kommunikationsstrategie von wissenschaftlichen Institutionen geht. Gar nicht so trivial, denn obwohl die Reichweite von X in Deutschland z. B. nie sehr groß war, hing doch die gesamte Wissenschafts- und Medienbubble dran, und das weltweit. Ähnlich, wie man z. B. in der kanadischen Arktis (und anderswo) kaum ohne Facebook auskommt, weil das die die gesamte digitale Infrastruktur ist, die viele Menschen dort haben.
Für die Institutionen in Deutschland jedenfalls werden neben den üblichen Verdächtigen Mastodon, Bluesky und Threads auch YouTube und LinkedIn diskutiert (je nach Ziel und -gruppe) und teilweise auch Reddit und – „ganz neu“ – Substack. Ich fremdele mit letzterem ja ein bisschen, seit dort nicht mehr nur mir persönlich bekannte schreibende Menschen ihren Content parken, sondern plötzlich auch Journalist*innen, Politiker*innen und sonstige Personen des öffentlichen Lebens und es neben Text auch Video und Co. gibt. Alles etwas unübersichtlich, aber ja, vielleicht muss ich mir das nochmal genauer angucken. LinkedIn ist übrigens dezidiert apolitisch und der CEO hat sich grad bei Colbert recht deutlich gegen Trump und die Tech-Broligarchie ausgesprochen. Man wundert sich manchmal (positiv).
Nach dem Webinar die übliche morgendliche Churchillei im Bett. Bloggen und Sprachen lernen. Mein Duolingo-Score für Französisch wächst und wächst und wächst, ich habe schon die Hälfte von A2 durch (nachdem ich im September beim Urschleim angefangen habe). Im Italienischen immer direkt hinterher sehr ähnliche Themen, das macht es etwas kompliziert, die Vokabeln im Kopf zu sortieren. Als ich mit allem fertig bin, merke ich, dass draußen der Frühling ausgebrochen ist (nur echt mit diesem Ohrwurm – und diesem). Ich stelle die Heizungen ab und reiße die Balkontüren auf. Die Katzen chillen schon mal in der Sonne (und weihen die Saison des Draußenklos ein) und ich mache mir schnell noch das erste Balkonfrühstück.
Dieser vegane Schinken (auf Erbsenbasis) bedeutet, dass ich nie wieder gekochten Schweineschinken kaufen muss, nur ggf dicker belegen, da dünner geschnitten)
Ich sitze barfuß und im T-Shirt in der Sonne und friere nicht. Dazu läuft Immergut-Musik und gedanklich bin ich schon in der schönsten Jahreszeit, die bekanntlich mit der Erdbeersaison, diversen Feiertagen und Geburtstagen korreliert. Aber jetzt kommt ja erstmal noch Bärlauch, Rhabarber, Waldmeister und Holunderblüten. (Wobei anderswo ja gerade noch Blutorange und Artischocke ist, apropos, ich muss mir nächste Woche dann mal Artischocken kaufen, man kommt ja zu nix.) Instantan jedenfalls gute Laune und der ganze Mief von Winter und Weltpolitik ist aus dem Kopf verbannt.
Gegen 14 Uhr ist die Sonne um die Hausecke verschwunden, ich ziehe mir was über und bleibe trotzdem draußen. Erst packe ich den neuen Katzenbrunnen aus (ein schwieriges Unterfangen, weil der quasi von Styropor umschlossen ist, dem ich mit Schere, Messer und Gewalt zu Leibe rücken muss), baue ihn auf und beobachte die interessierte, aber ängstliche Reaktion der Katzen. Der stromsparende Bewegungsmelder macht, dass er für die Miezen unberechenbarer ist als der Vorgänger – und er sprudelt höher und lauter. Erst spät am Abend traut sich Noosa, daraus zu trinken. Nimbin bleibt skeptisch.
Nach dem Brunnen erste Arbeiten am Balkon als zweitem Wohnzimmer – alte Pflanzen und Pflanzenreste entsorgen, mehrjährigen Pflanzen Luft und Wasser geben und sie ggf. beschneiden, Getränkekästen von der warmen Hauswand wieder an die Brüstung stellen, weil sie da weniger Sonne abbekommen… Mit neuen Pflanzen und den Liegestühlen warte ich noch, bis das Wetter stabiler wird. Bis dahin bleibt auch der Zitrusbaum noch drinnen. Trotzdem hat es schon was heimeliges, verheißungsvolles.
Ich setze mich dann nochmal mit einer Mate raus und genieße die Rückkehr des zweiten Wohnzimmers, da ruft die beste Freundin an, die grad eine halbe Stunde zu vertrödeln hat und ebenfalls draußen ist und sich darüber freut und wundert, wie gut gelaunt plötzlich alles ist. Wir sparen die Weltpolitik aus und reden über Alltagsdinge, anstehende Augaben und Urlaubspläne. Demnächst werden wir zusammen essen gehen, das ist doch ein Plan!
Dieser ganze plötzliches Jahreszeitenwechsel hat meinen eigentlichen Plan für heute ganz schön durcheinandergewirbelt, daher beschließe ich, die eigentlich geplante Abendveranstaltung sausen zu lassen. Dann habe ich jetzt auch noch ein bisschen Zeit und mache mir Pellkartoffeln mit Leinölquark und „Schluppen“. Normalerweise wären das Frühlingszwiebeln (wie passend), aber die letzte Crowdfarming-Zwiebel treibt ausführlich aus, also schneide ich von der einen Trieb ab.
Die Kartoffeln selbst sind auch von Crowdfarming und sehr hell – ähnlich wie die, die man in kanadischen Supermärkten gemeinhin bekommt und schmecken ganz anders. Sind dann aber jetzt auch alle, demnächst dann wieder die Standardvariante (vermutlich Linda?)
Zum Essen gibt es das nächste Webinar, über ganzheitliche Ansätze, die Weltsituation zu verbessern. Achtsamkeit für sich selbst, die Menschen drumherum und die Umwelt insgesamt als Basis für Resilienz, Verständigung und konstruktives Handeln zum Klimaschutz und generell einer nachhaltigen Entwicklung in allen Lebensbereichen (Politik, Arbeit, Frieden usw.). Klingt alles bisschen abstrakt und esoterisch, aber wird von angesehenen wissenschaftlichen Institutionen gefördert. Die Basics klingen jedenfalls gut.
Hintendran schaue ich mir noch einen Vortrag von Angela Merkel von heute bei der WTO an, inklusive Diskussion danach. Es geht um den Frauentag, weibliche Führungspositionen in der Weltpolitik und -wirtschaft und immer wieder um die aktuelle Tagespolitik. Ich lerne, dass die aktuelle Chefin der WTO aus Nigeria kommt (und überhaupt eine Frau ist), finde den Moderator anstrengend und habe Mühe, den Ausführungen von Merkel zu folgen, da sie auf Deutsch spricht, aber mehr schlecht als recht simultan übersetzt wird und der Originalton komplett ausgeblendet wird.
Hinterher ist es Zeit für Buch und Badewanne – ich lese Thomas Kings „Indians on Vacation“ zu Ende. Im Bett dann noch kompletter Eskapismus mit Meghan Markle, Duchess of Sussex (Mountbatten-Windsor?) ihrseiner neuen Netflix-Show. Lifestyle, Deko, Essen, Trinken in unheimlich schön und wholesome und wäre sie nicht sie wäre es wahrscheinlich total langweilig, aber so ist es ein bisschen faszinierend – und macht schläfrig.
Viel zu früh aufgewacht und dann nochmal kurz eingeschlafen, als der Liebste schon arbeitend am Schreibtisch sitzt, aber nur kurz, denn dann klingelt eine Nachbarin und holt ein Paket ab. Ich nutze den Schwung zum Aufstehen.
Ein schnelles Frühstück mit Biscoff-Creme auf Brot und Tee, heute ist ein Tag mit vielen Zoom-Calls.
Call 1: Thema Intersektionalität anlässlich des kommenden Frauentags, sehr leidenschaftlicher Vortrag einer Schwarzen Deutschen. Macht nochmal sehr deutlich, was die aktuelle Situation (der globale Rechtsrutsch, ein Ruck ist es ja nicht, dafür stetig und wohl unaufhaltsam) mit von Rassismus und Migrantisierung Betroffenen macht. Der eigenen Privilegien wieder sehr bewusst geworden und gleichzeitig sehr wütend.
Call 2: Ein Workshop zu Empowerment und Selbstwahrnehmung – wie können wir uns selbst ermächtigen und stärken? Gute Ansätze und einiges an Inspiration. Erledige danach direkt Dinge, die schon eine Weile auf meiner To-Do-List sind.
Call 3: Die Partei diskutiert die Situation in Ostdeutschland und was man tun kann – einerseits für bessere Ergebnisse für die Partei selbst, andererseits gegen den Rechtsrutsch. Gute Beiträge, aber schade, dass die einladenden Westdeutschen extrem viel Redezeit haben und die zu befragenden Ostdeutschen für mein Empfinden zu wenig. Symptomatisch würde ich sagen, nicht für die Partei an sich (so gut kennen wir uns noch nicht), sondern für das Problem. Am Ende wird überzogen, um noch alle Wortmeldungen anhören zu können, da muss ich dann aber schon raus.
Zwischendurch gibt es für das heimgekehrte Schulkind und mich Avocadobrote und dann für uns alle drei je eine Ramen-Suppe – wir wissen zu leben.
Später bringen mich die beiden zur Bahn und fahren dann weiter zum Rettungsschwimmenkurs des Kindes.
Abends zuhause viel Katzenkuscheln und TikTok. Das erste Video ist gleich ein Rezept für in Olivenöl sautierte Datteln auf Vanilleeis mit mehr Olivenöl und Meersalz. Muss sofort nachgebaut werden und ist sehr, sehr lecker.
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihrhier.
Ich erwache Punkt halb 8, vielleicht weil das jahrelang meine Weckerzeit war, und bin ungewohnt ausgeschlafen und munter. Rein in die morgendliche Churchill-Phase – im Bett lesen, schreiben, lernen, telefonieren. Zwischendurch klingelt um 8 der Wecker, denn ich habe einen Termin. Gegen 10 stehe ich auf und mache erst den Katzen und dann mir Frühstück. Es gibt eine Blut- und eine Nichtblutorange, Brot und zwei hart gekochte Eier – eins auf dem Rest veganer Teewurst (Flashback wie das früher bei der Fleischersfrau Appetiter hieß, natürlich nicht vegan) und eins mit schwedischer Kaviarcreme und Schnittlauch. So hat das neulich eine schwedische Creatorin auf TikTok gemacht und mal wieder meine skandinavisch-Essen-Lust getriggert.
Wie man sieht scheint draußen die Sonne, also treiben sich die Katzen auf dem Balkon herum. Besonders Nimbin liegt ewig draußen rum und wärmt sich den Pelz. Noosa hat ja immer Angst, dass ich irgendwann die Tür zumache und sie draußen ausgesperrt ist. Nicht mehr lange und die Tür steht wieder 24/7 offen!
Kurz nach halb 11 mache ich mich dann auf den Weg und fahre mit S- und U-Bahn nach Südberlin. Ohne Winterjacke! Kurz nach 12 beginnt mein Wasserzappelkurs. Seit ich mein Abo downgegradet habe, kann ich nicht mehr in das Fitnessstudio im Hipsterviertel, sondern muss mir die Kurse entweder im poshen Mitte zusammensuchen oder halt hier, beim Liebsten um die Ecke. Das Zappeln klappt wieder ganz gut, der Arm macht mit – unter Protest, aber er tut es. Danach dann Dampfbad, Ruheraum, Recovery-Sauna, Ruheraum, Finnische Sauna, Ruheraum. Beim Ruhen lese ich weiter in meinem Buch.
Hinterher spaziere ich im schönsten Sonnenschein und bei offener Jacke schwitzend zum Liebsten, und höre dabei die neue Folge vom Kaulitz-Podcast. Als Bill gerade darüber spricht, dass er sich sehr wohl einen Politiker als Gatten vorstellen könnte und irgendwas über Lars Klingbeil sagt, komme ich an und muss stoppen. Das höre ich dann wohl morgen erst. Zunächst vom Teilzeitkind begrüßt werde, während der Liebste noch sein letztes Meeting beendet, dann geht es zu dritt weiter zur Stammeisdiele, wo sich am zweiten regulären Öffnungstag eine riesige Schlange gebildet hat.
Wir verbringen darin bestimmt eine halbe Stunde, während drinnen ein einziger junger Mensch in gemächlichem Tempo die Kundschaft bedient. Aber die Sonne scheint und gleich gibt’s Eis und wir sind es zufrieden. 17 Grad sind es plötzlich in Berlin – mit lieben Grüßen vom Klimawandel.
Sizilianische Pistazie und Wildblaubeere
Wieder zuhause zieht sich der Liebste ein seriöslicheres Outfit an und macht sich auf dem Weg zum Elternabend, während das Kindelein und ich uns ganz hobbylos eine gottlos große Variation an Fastfood bestellen. Ich habe vorher ewig nach einem Burgerladen gesucht, der Knoblauchmayo hat. Dann sitzen wir da und warten und hören Hörbuch und lesen und warten und warten und warten. Es dauert ewig, bis es klingelt und dann hat der Fahrer auch noch die Saucen vergessen. Zum Glück hat der Liebste einen Vorrat im Kühlschrank.
Loaded Pommes, Burger mit Bacon/Gorgonzola/Feigenmarmelade, Chili Cheese Nuggets, normaler Burger, normale Pommes, Chicken Nuggets – nicht im Bild. Man kann sich denken, welche Bestellung meine und welche vom Kind ist.
Kurz nach 8 kommt der Liebste nach Hause, kriegt auch noch etwas ab und berichtet vom Elternabend. Und dann ist auch schon bald Bettgehzeit für alle, denn morgen ist ein neuer Tag.
Schon fast wieder erholt vom Wahl-, Konferenz- und Oscar-Jetlag. Nach ausführlichem morgendlichen Churchilling gibt es die nächste Müsli-Sorte zum Frühstück (Erdbeere, Cranberry, Acai), außerdem Tee und Obst.
Dazu Rückschau auf die Late Nights von gestern, die mit etwas Verzögerung über die Shitshow im Oval Office berichten. Dann wieder das übliche Organisieren, Recherchieren, Koordinieren und Korrespondieren.
Am Nachmittag herrscht wieder eitel Sonnenschein und ich werde nach draußen gezogen. Es ist ja auch Faschingsdienstag, Zeit für Pfannkuchen! Dafür gehe ich zu einem der wenigen Handwerksbäcker in der Nähe und nehme bei der Gelegenheit gleich noch ein Brot mit. Verspeisung dann auf einer Bank in der Sonne, wo ich noch eine ganze Weile sitzen bleibe.
Unter anderem telefoniere ich mit dem Liebsten, der mich darauf hinweist, dass Fasching ja Faschi im Namen trägt – passt in die Zeit, würde ich sagen.
Dann spaziere ich zum Optiker und hole meine optimierte Brille wieder ab. Weiter in den Drogeriemarkt und den Supermarkt und dann erstmal wieder schön auf die Couch und die sehr gute Rede von Trudeau zu den Zöllen gucken.
Nach kurzem Ausruhen geht es in die Küche. Heute gibt es Jacket Potatoes mit mit Curry aufgepimpten Baked Beans (Reste), Ricotta salata und Salat (auch Reste). Dazu gucke ich mich durch Heute, Tagesschau in einfacher Sprache (spannend!), normale Tagesschau und dann den Brennpunkt zu Merz‘ neuestem Stunt.
Nachdem die Schuldenbremse jetzt monatelang das bestimmende Thema war, über das die Ampel schließlich zerbrochen ist und gegen das FM Wahlkampf gemacht hat, will er die jetzt mal eben schnell nächste Woche, noch im alten Bundestag und mit Stimmen von Grünen und FDP (??) reformieren. Achja, das Heizungsgesetz soll ja auch bleiben. Es ist alles nur noch eine Farce und die Begründung, dass das ja jetzt wegen Trump und der Ukraine doch sein müsste ist lachhaft – genau deswegen wollten die Grünen und die SPD das ja machen. Populismus fast wie von Trump.
Ich flüchte mich danach jedenfalls A) in die Badewanne und B) zu TikTok, wo sich die ganze Welt solidarisch zusammenrottet, gegen Trump, für Kanada und in Boston weiter fleißig gegen ICE. Wie eine Creatorin meint, in einer Welt voller Scheißhaufen muss man sich auf die Blumen dazwischen konzentrieren.
Insgesamt natürlich viel zu wenig geschlafen nach der Oscar-Nacht, schon kurz vor 10 telefoniere ich wieder mit dem Liebsten. Dann schaue ich die verpasste Stunde nach und beginne erst danach mit den üblichen morgendlichen Dingen.
Alles findet heute etwas später statt, nur die Mitbewohnerin steht ungewöhnlich früh auf, so dass es zu einem kleinen Plausch in der Küche kommt, als wir uns kurz nach 12 beide Frühstück machen. Bei mir gibt es Müsli, frisch gepressten Blutorangensaft und Kaffee – die Nachbarin brachte gestern netterweise das Müslipaket vorbei, nachdem ich vorher vergeblich geklingelt hatte, gleich neun Sorten sind jetzt wieder vorrätig.
Müsli u. a. mit Blaubeeren, schwarzen Johannisbeeren und Pekannüssen
Der Müdigkeitslage angemessen mache ich dann erstmal ausführlich Französisch und Italienisch und verbringe viel Zeit mit korrespondieren, koordinieren, recherchieren und organisieren, bevor ich mich irgendwann anziehe und ins helle, sonnige Fastfrühlingsdraußen gehe. Beim Spaziergang hin und um den See telefoniere ich erst mit der Freundin in Frankreich und dann mit den Ellis.
Dann gebe ich meine Brille zum Glasaustausch beim Optiker ab, hole den Katzen neues Gras und gehe wieder nach Hause. Kurz ausruhen, dann wird Abendbrot gekocht. Da ich eigentlich zu müde und hungrig bin, um wieder von der Couch aufzustehen, mache ich mir erstmal einen Aperitivo, um die Motivation beim Kochvorgang hochzuhalten.
Alkoholfreier Aperitif aus Zitronenmelissensirup, Tonic und Mineralwasser, dazu Kartoffelchips
Ich verarbeite eine kleine Süßkartoffel, eine mittelgroße Kartoffel und eine mittelgroße Aubergine, alles aus Crowdfarming-Lieferungen. Die Knollen werden klassisch im Ofen gebacken, die Frucht vorher noch „chines-ish“ mariniert – mit Sesamöl, Austernsauce, Knoblauch und Ingwer. Serviert mit einem Spritzer Zitrone und Koriander ist das ganz schön lecker!
Glasteller-Magie
Als Berieselung für den Abend fange ich mehrere neue Dinge auf Netflix an, aber nichts kann mich fesseln. Stattdessen gucke ich halt die nächste Staffel Schitt‘s Creek, mit besonders viel Verve ab der Folge wo Patrick auftaucht, die Lovestory zwischen Patrick und David gehört zu den besten, die die Fernsehgeschichte zu bieten hat. Und weil das so ist, liege ich dann auch erst wieder gegen 1 im Bett, nachdem die beiden sich gefunden haben.
Erstmal ordentlich ausschlafen, das Thema des Tages ist weiterhin Erholung von der Woche. Nachdem ich ja nun das fette geplante Frühstück zum Abendbrot schon gestern hatte und das Müsli alle ist (Nachschub liegt bei den Nachbar*innen oben), gibt es Smoothie – Reste-Banane, Blutorangen, Orangen, Reste-Joghurt, Honig, Haferflocken und zum Verdünnen Quittensaft. Schmeckt gut und macht satt.
Viel Gemütlichkeit auf dem Sofa, bis es Zeit wird, mich fürs Ausgehen fertig zu machen – die zwei Berliner Cousinen haben zur Nachfeier ihrer Geburtstage eingeladen, die in den letzten beiden Wochen stattfanden. Ich fahre mit Tram und U-Bahn nach Fhain zur Wohnung der einen Cousine. Wir beginnen die Feierlichkeiten mit Mate, Tee und Geschenkeverteilung, dann stoßen die Eltern mit Kuchen dazu und der Sekt wird geköpft.
Schaumkusskuchen
Nochmal etwas später geht es in die Trattoria um die Ecke, neben der Wohnung meines Bruders, der aber krank zuhause geblieben ist. Es gibt Lachs-Carpaccio, Panzerotti mit Ricotta-Artischockenfüllung und Orangenbutter und sizilianischen Weißwein (und später Ramazotti und Grappa).
Dunkel aber war lecker
Nach dem frühen Abendessen verabschieden wir uns – die Eltern fahren zurück aufs Land und wir Berliner*innen verteilen uns auf unsere Wohnungen. Ich habe noch einige Stunden bis zur Oscar-Verleihung herumzubringen und bewältige das mit viel YouTube und TikTok.
Ab 1 dann Oscar-Verleihung, im Bett, um die Mitbewohnerin nicht zu stören. Schöne Show und mit viel politischen Kommentaren der Beteiligten. Nach der In-Memoriam-Montage schlafe ich leider ein und wache erst eine Stunde später zum Abspann wieder auf (gegen halb 5). Das wird dann morgen nochmal nachgeguckt, jetzt schnell umdrehen und weiterschlafen!
Erstmal ein bisschen mehr schlafen, als die letzten Tage, aber dann klingelt der Wecker doch. Zwar fahre ich nicht schon wieder zur Konferenz, aber nur, weil ich einen anderen Termin habe. Vorher noch das Internet leer lesen, Bloggen und mit dem Liebsten telefonieren. Dann hole ich mir schnell etwas zu trinken und den Laptop und ab 10 sitze/liege ich für dreieinhalb Stunden in einem (Online-)Workshop. Ist aber interessant und eben bequemer, als vorher mit der Bahn durch die Gegend fahren zu müssen. In einer der Pausen koche ich Tee (Sencha mit Minze) und hole mir eine Mandarine und Nüsse als Frühstück ins Bett.
Hinterher dann Italienisch und Französisch machen und dann stehe ich gegen 14:30 auf und beginne mit kleineren Handgriffen im Haushalt die Versäumnisse der letzten Tage aufzuholen. Währenddessen steht auch die Mitbewohnerin auf und verlässt die Wohnung zur Nachtschicht. Es gibt wirklich wenig Berührungspunkte in unser beider Tagesabläufe, ich glaube ich habe sie die ganze Woche über nicht einmal von Angesicht zu Angesicht gesehen. Auch heute reicht es nur für ein paar wenige Worte zwischen Tür und Angel. Danach dann erstmal das richtige „Frühstück“ – Brot mit einer perfekt nachgereiften Crowdfarming-Avocado (angemacht mit Zitrone, Knoblauch, Salz, Pfeffer und Koriander, Guacamole kann man das nicht nennen).
Danach packe ich mir zwei Podcasts auf die Ohren und fange ernsthaft an mit Räumen und Putzen. Als die Fußböden dann trocknen lege ich mich auf die Couch und falle in einen komatösen „Mittagsschlaf“. Dann Wäsche aufhängen, wieder hinlegen und nochmal schlafen. Danach dämmere ich vor mich hin und gucke auf TikTok viele Videos zur aktuellen Situation. So langsam wachen die USA auf und es gibt Proteste nicht mehr nur online, sondern auch auf den Straßen – Solidaritätsbekundungen mit der Ukraine in den großen Städten, Skiurlaubsstörungen für JD Vance in Vermont und in Boston bereitet man sich auf die ICE Raids vor – natürlich mit Dropkick Murphys im Ohr und dem St. Patrick‘s Day in zwei Wochen vor der Brust.
Zwischendrin überlege ich, was ich morgen frühstücke und bekomme dann so Appetit darauf, dass ich gleich jetzt aufstehe und mir einen sehr buttrigen Bagel mache, mit gebratenen Würstchen und Baked Beans. Frühstück zum Abendbrot gegen halb 10.
Im Anschluss geht es erst in die Badewanne und dann mit Buch ins Bett – das erste Mal Buch lesen seit einer Woche, die letzten sechs Abende kam ich immer erst sehr spät und hundemüde nach Hause – gut tut das!