Der Wecker klingelt schon halb 6, damit ich genug Zeit habe, wach zu werden, Schmerzmittel zu nehmen, mich anzuziehen und meine Sachen zu packen – alles mit Handicap. Halb 7 klettere ich die Treppe runter und bin die Erste beim Frühstück – aber nur kurz, es reisen noch andere Gäste heute ab und die nächste Fähre geht erst morgen Nachmittag. Alle sind bemüht freundlich trotz der frühen Stunde, aber alle lehnen das angebotene Spiegelei ab. Während ich esse, wird mir mein Koffer runtergetragen.

Kurz nach 7 breche ich dann auf zum Kai, der Weg kommt mir ganz schön lang vor – den bin ich vor ein paar Tagen mit noch viel Schmerzen als jetzt echt gegangen? Uiuiui. Ich gebe den Koffer ab, schlurfe die Gangway hoch und setze mich auf den gleichen Platz wie auf der Hinfahrt. Bis die Fahrt losgeht und das Internet weg ist, schaffe ich es noch zu bloggen, Französisch und Italienisch zu machen. Dann höre ich die ganze Fahrt über Bela B. im Hotel Matze zu und gucke einfach aufs Wasser.


Nach dem Anlegen in Cuxhaven, das früher stattfindet als erwartet, habe ich genügend Zeit bis mein Zug fährt und ich nehme den langen Weg um den Deich herum zum Bahnhof – nochmal einen tadelnden Blick auf die Treppe werfend, die meinen Fuß kaputt gemacht hat. Am Bahhof sitze ich noch eine Weile in der Sonne und telefoniere dann auch zum ersten Mal heute mit dem Liebsten. Dann kommt der Zug, der mich von der Elbe an die Weser, zunächst einmal nach Bremerhaven bringt. Hier schließe ich mein Gepäck weg und setze mich dann erstmal in ein Restaurant mit typischen lokalen Spezialitäten und bestelle mir einen riesigen Grillteller mit Şiş Kebap, Hähnchen, Lamm, mit Schafskäse gefüllten Pide, Lahmacun, Couscous, Salat, Reisnudeln, Cacık und Co, dazu Tee.

Eine knappe Stunde nach mir kommt mein Bruder an. Wir fahren mit dem Bus Richtung Altstadt und Hafen, legen sein Gepäck in seiner Unterkunft ab und spazieren dann an Hafen und Weser entlang.




Als ich eine Pause brauche, setzen wir uns erst auf eine Bank und später in ein Café – draußen, denn es ist schönstes Frühlingswetter und etwa doppelt so warm, wie zuletzt auf Helgoland. Irgendwann verabschieden wir uns und ich nehme den Bus zurück zum Bahnhof, schnappe mir meinen Koffer und nehme den nächsten Zug nach Bremen. Hier ist der Aufzug am Gleis kaputt, aber eine nette Dame trägt mir den Koffer nach unten, als sie sieht, wie ich mich mit der Schiene und dem restlichen Gepäck abkämpfe. Dann geht es mit der Tram zum Zuhause der Liebstenschwester. Ihr Mann trägt mir den Koffer hoch und dann bin ich für heute angekommen.

Es gibt Burger und Pommes zum Abendbrot, das Nifftenkind zeigt mir sein neues, fertiges Kinderzimmer, wir erzählen viel und als das Kindelein gebettet ist, öffnen wir die mitgebrachte Flasche Helgoländer Gin aus Nordseewasser, trinken einen Gin Tonic und schauen ein paar Folgen Richard Osman‘s House of Games, das einen ähnlichen Stil hat wie Only Connect, aber mit mehr Abwechslung in den Kategorien. Möglicherweise hat mich die Liebstenschwester hier schon wieder mit etwas angefixt… Gegen 11 falle ich dann aber todmüde ins Bett.