25.03.2025 – Humpelpumpel, Klippenrundweg, Labskaus

Ich wache sehr früh auf, habe aber trotz Beinschiene und neuer Umgebung erstaunlich gut geschlafen – war wohl doch alles ganz schön viel gestern. Sobald es ans Aufstehen geht, wird die Schiene dann aber doch eine Herausforderung und verlangt einiges an Logistik und Koordinationsvermögen, vor allem, weil ich noch keine Schmerzmittel genommen habe, was ich sofort nachhole. Die Schuhe anziehen ist ein Akt, da das Leder vergleichsweise steif ist, die Treppe runter tut ordentlich weh. Aber dann bediene ich mich (langsam) am Frühstücksbüffet, bekomme ein Spiegelei gebraten und gucke aufs Wasser. Es wird.

Die Treppe hoch geht dann schon besser, ich muss also darauf achten, immer rechtzeitig die Tabletten einzuwerfen. Ich packe mir einen Rucksack für den Tag und gehe fast direkt wieder raus – erstmal zur Apotheke und somit das Wichtigste des Tages erledigen. Inzwischen laufe ich schon runder, ein Hoch auf die Pharmaindustrie. Mit dem Fahrstuhl geht es wieder hoch ins Oberland, die Apotheke ist offen, die Medikamente sind vorrätig, alles super. Und jetzt?

Ich beschließe, einfach auf Verdacht ein bisschen los zu laufen. Gefühlt alle 100 Meter steht eh eine Bank, auf der man sich ausruhen und aufs Meer gucken kann. Relativ schnell entdecke ich den Wegweiser zum „barrierearmen Rundwanderweg“ und damit ist mein Schicksal erstmal besiegelt.

Ein paar Stunden ist noch Sonne angesagt und gegen die Windböen hilft eine Windjacke. Langsam aber stetig arbeite ich mich den Klippenrundweg voran und begucke mir die See, die roten Felsen, die grüne Fauna und die vielen Vögel. Immer schön langsam und mit Pausen an vielen, aber nicht allen Bänken. Die Fotos sind nicht alle gerade, aber ich bin zu faul, das jetzt im Nachhinein zu korrigieren.

Und plötzlich bin ich schon fast um die Insel herum und stehe in einer Kleingartenkolonie, durch die der Weg wieder zurück in den Ort führt. Sogar Feigen wachsen hier!

Jetzt ist mir auch langsam nach längerem Sitzen. Ich kehre zum Hotel zurück und setze mich mit Buch und Kakao auf die Terrasse, bis die Sonne weg ist und es zu kühl wird.

Dann wechsle ich nach drinnen in den Frühstücksraum, trinke Tee, esse Jaffa Cakes und schaue mir weite Teile der Eröffnung des neuen Bundestags auf dem Handy an – Eröffnung der Sitzung, erster Antrag der AfD zur Tagesordnung, Rede von Gysi (hatte mir mehr erwartet), Wahl von Klöckner, Rede von Klöckner (in weiten Teilen weniger schlimm als erwartet). Dann zieht es mich nochmal nach draußen, die Schuhsituation braucht Optimierung. Im Schuhgeschäft lasse ich mich kompetent beraten und dann finden wir ein Paar einfache Sneaker, in die die Schiene besser reinpasst, als in meine ledernen und mit denen ich die nächsten Wochen hoffentlich gut überstehen werde. Trotz entfallender Mehrwertsteuer auf der Insel ein recht teurer Spaß, aber was will man machen, ich lasse sie gleich an.

Dann klettere ich wieder die Treppen hoch in mein Zimmer, warte den stärker werdenden Regen ab und lese ein wenig, bis der Abendbrothunger sich deutlich meldet. Gut verpackt mit Regenjacke geht es dann nochmal hoch ins Oberland, ins gleiche Restaurant wie gestern, auf den gleichen Platz an der Theke wie gestern. Die Bedienung ist auch die gleiche und erkennt mich natürlich wieder. Heute esse ich dann endlich den seit Tagen anberaumten Labskaus.

Schon witzig, wie dieses Gericht Kreise zieht. In Liverpool habe ich auch schon Scouse gegessen, dort heißt eine ganze Stadtbevölkerung samt Dialekt so. Fast die gleichen Komponenten, aber sehr andere Zubereitung:

Die Konsistenz der Liverpooler Variante sagt mir mehr zu, der norddeutsche Labskaus hat eher die von Babybrei. Selbst gemacht (und damit gestampft statt püriert) ist das aber auch sehr lecker, davon habe ich auch noch irgendwo ein Foto, das ich aber so schnell nicht finden werde.

Zum Nachtisch gibt es mit Zabaglione gratinierte Himbeeren in einer riesigen Portion, die überraschend lecker sind. Zabaglione gratinieren bringt eine ganz erstaunlich teigige Konsistenz, unbedingt nachahmenswert.

Nach dem Essen geht es langsam aber auf dem schnellsten Weg zurück ins Hotel, das Schrittziel ist trotz Humpelei wieder deutlich überschritten. Den Rest des Abends über schicken der Liebste und ich uns Pete-Hegseth-Memes hin und her und dann heißt es wieder sehr früh Schlafenszeit.

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