24.03.2025 – Überfahrt mit Hindernissen

Also, dieses Gummibärchen gestern (Der Freundeskreis Spannungsbogen darf sich heute über mehrere Bogenschleifen freuen…), das hat mir doch tatsächlich wieder die Teilkrone aus dem Gebiss gezogen, die wir doch gerade erst wieder mühsam eingesetzt hatten. Natürlich nach 21 Uhr an einem Sonntagabend in einer fremden Stadt, bevor ich am Morgen auf eine Fähre steige, um wo hinzufahren, wo es gar keinen Zahnarzt gibt. Hier ein paar Flüche vorstellen. Ich recherchierte schnell, stellte fest, dass ich den eigentlich vorhandenen Notdienst um zwei Stunden verpasst habe und dass aber eine Praxis zwischen mir und dem Fähranlieger liegt und die in der Theorie früh genug aufmacht, schrieb da eine E-Mail hin, schmiss meine Planung für den Morgen um und ging sehr früh schlafen.

Der Wecker hätte dann um 6 geklingelt, aber unter den Voraussetzungen bin ich natürlich vorher wach. Schnell die Nachrichtenlage checken, bloggen, anziehen, Koffer packen und dann tapere ich zum Frühstück hinunter. Schon wieder an ein Loch im Zahn angepasstes Essen – ich entscheide mich für ein gekochtes Ei, Rosinenstuten mit Käse, eine Banane, einen doppelten Espresso, einen Kräutertee und Apfelsaft. Die Getränke gehen alle nur in kleinen Schlucken und am besten eher lauwarm vong Temperatur her. Ich brauche aber auch dringend was in den Magen für die Überfahrt nachher. Also rin damit, dann auschecken und rüber zur Zahnarztpraxis.

Ich bin eine Viertelstunde vor Öffnung da und damit die erste Patientin. Man hat meine E-Mail gelesen und es wird alles klappen – allerdings gibt es vorher noch ein paar Patient*innen mit Termin. Ich warte dann aber nichtmal eine halbe Stunde, dann werde ich kompetent und schnell verarztet – anders als bei meiner Zahnärztin neulich sogar ohne Zuzahlung. Hoffentlich hält es diesmal länger, wenigstens, bis ich wieder in Berlin bin wäre schön. Wieder draußen telefoniere ich erleichtert mit dem Liebsten und rollkoffere dann freudig zum Fähranleger. Den Deich hoch ist noch kein Problem, den Deich entlang auch nicht, die Treppe den Deich hinunter ist dann wieder für den Spannungsbogen. Bei der vorletzten Stufe rutsche ich irgendwie ab, oder vielleicht auch nur der Koffer und ich hinterher – es ist unklar – und verdrehe mir irgendwie den Fuß. Hätte ich mal die Wanderschuhe angezogen, denke ich mir.

Ich sitze kurz und sammle mich und horche in den Fuß hinein. Der tut ein bisschen weh. Ich beruhige mehrere besorgte Menschen um mich herum und stehe dann wieder auf, als ich genug Kraft verspüre, um den Rucksack auf dem Rücken mit hochzukriegen und mich dabei auf den Koffer zu stützen. Die letzten Meter zur Fähre gehen ganz OK, aber mit zunehmenden Schmerzen. Verdammte Axt. Bei meinen Recherchen gestern habe ich gesehen, dass es auf der Insel keinen Zahnarzt gibt, aber zumindest eine Klinik. Von daher ziehe ich jetzt durch. Koffer abgeben, die Gangway hoch humpeln und dann erstmal einen bequemen Platz mit Blick aufs Wasser suchen, an dem ich den Fuß hochlegen kann (der wehe Arm wurde auch wieder in Mitleidenschaft gezogen, aber beruhigt sich dann relativ schnell wieder).

Bis die Fahrt losgeht, habe ich noch Zeit, mir in der Kombüse ein Kühlpack zu besorgen. Damit behandle ich den Fuß so gut es geht während der Überfahrt, bequem ist aber anders. Wenigstens ist die See sehr viel ruhiger als befürchtet. Nach einer Weile habe ich mich soweit beruhigt, dass ich erst Duolingo und Babbel machen kann und dann sogar mein Buch weiterlese. Die Schmerzen halten sich auch in Grenzen, vielleicht ist ja alles nur halb so schlimm.

Nope, es ist doch ganz schön schlimm, merke ich, als ich nach dem Anlegen in Helgoland plötzlich wieder laufen muss. Jetzt ist wirklich jeder Schritt eine Tortur und außerdem kann ich nicht rund laufen, sondern muss mich in kleinen schmerzhaften Tippelschritten voranbewegen. 750 m sind es zum Hotel, ich mache einige Pausen zwischendurch.

Beim Einchecken kurze Verzweiflung, dass mein Zimmer im zweiten Stock ist (kein Fahrstuhl), aber die Inhaberin bringt mir immerhin den Koffer hoch. Jetzt bin ich auch etwas traurig, dass ich um Geld zu sparen auf ein Zimmer mit Meerblick verzichtet habe. Ich sehe mich schon viel Zeit im Liegen verbringen. Wenigstens gibt es den Meerblick aus dem Frühstücksraum und von der Terrasse. Ich ruhe mich kurz aus, besehe die Füße (der linke ist deutlich dicker und färbt sich langsam blau), telefoniere nochmal mit dem Liebsten, optimiere die Schuhsituation packe mir ein Täschchen für das nächste Abenteuer: Besuch in der Inselklinik.

Die ist zum Glück nur vier Minuten zu Fuß entfernt (also mit gesunden Füßen), allerdings geht es ein Stück bergauf. Ich erwische den diensthabenden Arzt noch in Zivil, er kam eben mit mir auf dem Schiff rüber, und werde ausführlich untersucht, inklusive Röntgen. Ein Pfleger schiebt mich im Rollstuhl ins Röntgenzimmer, das ist mal ein Service! Leider kommt dabei raus, dass wohl doch ein Stück vom Sprunggelenk abgesplittert ist, scheinbar bin ich doch mit dem Knöchel an die Treppenstufe gekommen. Ich kriege eine Schiene ungelegt, die ich die nächsten 4-6 Wochen tragen soll, und außerdem genug Schmerzmittel, um bis morgen Vormittag versorgt zu sein, wenn ich es in die Apotheke schaffen muss. Der Arzt verbietet mir Sport, erlaubt aber alles andere. Ich soll bei meinen Gängen über die Insel langsam machen, Pausen einlegen und es nicht übertreiben.

Tolle Wurst, so habe ich mir den Inseltrip nicht vorgestellt! Wieder draußen hole ich mir erstmal ein Krabbenbrötchen – das spartanische Frühstück ist jetzt mehr als sieben Stunden her und die Schmerzmittel brauchen ja auch eine Grundlage. Damit sitze ich in der Sonne, gucke aufs Wasser und update die Familie. Der Liebste sagt nicht zu Unrecht, dass ich wohl einfach nicht für das Draußen gemacht bin und vielleicht zukünftig besser drinnen bleiben sollte. Mal gucken.

Mit Schiene und Schmerzmitteln geht der Rückweg etwas leichter. In meinem Zimmer angekommen lege ich mich erstmal bockig hin und ragenappe ein wenig, ich bin total erschöpft. Am späten Nachmittag dann beschäftigt mich, dass ich noch irgendwann Abendbrot essen muss und dass die nächsten beiden Tage weniger sonnig werden sollen. Also raffe ich mich nochmal auf, taste mich vorsichtig die Treppe hinunter (bergab tut mehr weh als bergauf) und gehe nochmal nach draußen. Vorsichtig laufe ich am Wasser entlang und komme am Fallersleben-Denkmal vorbei (das Deutschlandlied hat er hier geschrieben).

Bald entdecke ich den Fahrstuhl, der ins Oberland fährt. Enthusiastisch kaufe ich mir gleich eine Zwölferkarte und fahre hoch. Hier oben ist gleich die Apotheke, das ist schon mal super. Allerdings hat sie schon zu, aber ich muss ja eh erst oben hin. Daneben ist ein kleiner Lebensmittelladen (der Supermarkt hat eben schon zugemacht) und ich hole mir Snacks und Limo für den Abend und ggf. einen langen Betttag morgen – man muss ja vorbereitet sein. Wenig später sehe ich eins der bestbewertetsten Restaurants der Insel und versuche auf gut Glück einen Tisch zu kriegen. Ich darf am Tresen Platz nehmen.

Ich bestelle mir Mangosaft und Knieper und arbeite mich dann langsam aber stetig durch den Berg Krebsscheren durch. Allerdings merke ich nach der guten Hälfte, wie meine Aufnahmekapazitäten geringer werden. Das Histamin von Krabben gestern, Krabben vorhin und Knieper jetzt macht sich auch bemerkbar. Schweren Herzens lasse ich den Rest zurückgehen, werfe die nächste Dosis Schmerztabletten ein, zahle und mache mich auf den Heimweg. Das Laufen geht jetzt schon immer besser, vielleicht kann ich ja doch noch ein wenig die Insel erkunden in den nächsten Tagen. Jetzt aber erstmal ab ins Bett!

2 Kommentare zu „24.03.2025 – Überfahrt mit Hindernissen

  1. Also sowas, wie gemein! Trotzdem gute Erholung. Meinem Mann ist soeben in Berlin in Vorbereitung einer Fortbildung ähnliches passiert. Am Schulungsort im 4. Stock war dann natürlich der Aufzug defekt…. Trotzdem schönen Urlaub!

    1. Danke danke!! Ui, 4. Stock ist ja richtig fies. Wahrscheinlich wäre ich auch gar nicht gestürzt wenn ich die Nacht vorher vernünftig geschlafen hätte und nicht so düsig durch die Gegend getapert wäre… Verkettung unglücklicher Umstände und so…

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