15.03.2025 – Samstag gehört der Partei

Diese viel zu kurze und zerstückelte Nacht wird ihnen präsentiert von Nimbin, dem Kotzekater. Als ich das Geräusch das dritte Mal höre und dann beim Umdrehen auch noch mit der Hand reinfasse, werde ich widerwillig richtig wach, mache das Licht an und ergreife Maßnahmen. Nun muss man so einem kleinen Kotzibert ja nicht die Haare halten, aber drei Kotzeflecken entfernen, überprüfen, dass die Wassernäpfe gefüllt sind, ein bisschen lüften, das Katzengras in Erinnerung rufen, Trockenfutter auffüllen und kurze Zeit später das Tierchen (bzw. beide) schnurrend an sich rankuscheln lassen, das wird schon gerne angenommen. Ab da schlafen beide Miezen tief und fest, nur ich wache etwa alle Stunde auf, weil ich so eingekesselt bin und wahlweise Rücken, Knie oder Nacken wehtun.

Um 8 klingelt eh der Wecker, so dass ich kurz davor das Schlafen aufgebe und den Tag beginne. Verkürzte Morgenroutine mit viel Kaffee und schnellem Müsli, dann geht es los zur Jahreshauptversammlung der Partei, die mich kürzlich als Mitglied aufgenommen hat. Ich hatte angesichts der vollen und eher trockenen Tagesordnung noch mit mir gerungen, aber spätestens die Freundin in Madrid hat mich gestern beim Telefonieren dann endgültig überredet, hinzugehen. Kurz nach 10 komme ich an, akkreditiere mich, um mit abstimmen zu können, und suche mir einen Platz am Rand.

Um 11 geht es los, mit Formalien und dann einem Gastredner vom Bundesvorstand. Bald darauf beginnen die Mühen der Ebene… Es müssen diverse Posten für das nächste Jahr besetzt werden, der Vorstand wird neu gewählt, andere Posten im Kreisverband selbst sind neu zu besetzen, außerdem Delegiertenposten für diverse andere Gremien. Für jeden Posten stellen sich (großteils) mehrere Kandidat*innen vor, es gibt Rückfragen, Abstimmungen (inkl. technischer Schwierigkeiten) und im Fall von Mehrfachbesetzungen und Delegiertenplätzen auch zwei bis vier Abstimmungen (Frauenplätze, Ersatzplätze für Frauen, offene Plätze, Ersatzplätze für die offenen Plätze)… Es zieht sich. Ich übe mich in Geduld und versuche, meine demokratische Teilhabe wahrzunehmen, in dem ich Kandidat*innen meine Stimme gebe, die eher jung, eher ostdeutsch, eher divers, eher progressiv sind und auch all jenen, die sich explizit für Demokratie und gegen Rechtsruck einsetzen wollen.

Die ganze Zeit über gibt es ein fliegendes Büffet, auf dem immer wieder neue Speisen auftauchen. Zum Mittag gibt es u.a. eine eher orientalisch-indische Linsensuppe und eine italienisch-mediterrane Kichererbsensuppe, außerdem den ganzen Tag über wechselnde Kuchen, Snacks, Obst, Gemüse etc., Wasser (mit Fruchtsirup), Kaffee und Tee. Verpflegung 1+.

Ich sehe einiges an Politikprominenz (aus Bundesvorstand, Bundestag und Abgeordnetenhaus), eine ehemalige Darstellerin aus dem Marienhof, die auch Mitglied des Kreisverbands ist, und dann auch noch einen echten Bekannten aus meinem eigenen Leben – einen Ex-Kommilitonen des Fräuleins, den ich vor sechs Jahren bei ihrer Beerdigung kennengelernt habe. Es gibt ein schönes Wiedersehen.

Im Verlauf des Nachmittags wird klar, dass wir den Zeitplan nicht einhalten werden und der neu gewählte Vorstand beschließt, einen der größten und langwierigsten Tagesordnungspunkte auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Erleichtert mache ich mich so schon gegen 18:20 auf den Heimweg.

Zuhause falle ich völlig erschöpft aufs Sofa, trinke mehr Tee und inhaliere eine Tüte Chips, während ich mich vom Abendprogramm berieseln lasse. Netflix hat eine dänische Dramedy über Liebe, Patchwork und Kinderwunsch für mich vorbereitet, die ziehe ich mir jetzt rein, und zwar richtig im Original mit Untertiteln. Danach noch fix die nächste Staffel Schitt‘s Creek zu Ende, mit nem Podcast mit Bodo Wartke in die Badewanne und dann fange ich im Bett das nächste Buch an, bis mir gegen Mitternacht die Augen zu fallen.

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