Mein Geisteszustand ist heute wunderbar ausbalanciert, angesichts der Weltlage kann man das ruhig mal erwähnen und feiern. Entspannter Morgen im Bett mit den üblichen Verrichtungen – Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätseleien – und dann mache ich mir erstmal Frühstück. Es gibt frisch gepressten Orangen-Mandarinen-Saft, eine cuppa tea mit Milch und den letzten Bagel mit Käse, Rührei mit veganem Schinken und Schnittlauch und etwas Gewürzketchup.

Hinterher habe ich noch etwas Zeit, telefoniere mit dem Liebsten und lege eine Runde Yoga ein, bevor mein einziger fester Termin ansteht – ein Telefonat mit der Freundin in Madrid. Sie nimmt mich auf einen Mittagsspaziergang durch ihr Viertel und den Retiro-Park mit, während wir uns unsere letzten Monate erzählen. So schön, aber jetzt ist es schon fast ein Jahr her, dass ich dort war! Während sie durch die Gegend läuft, habe ich es mir wieder im Bett gemütlich gemacht, so dass ich mir hinterher folgerichtig erstmal einen Kaffee mache, um ein zweites Mal in den Tag zu starten. Den Nachmittag verbringe ich mit einem Onlinekurs am Schreibtisch.
Abends mache ich mir dann die letzte Crowdfarming-Süßkartoffel und den Crowdfarming-Butternut-Kürbis als Ofengemüse, vermischt mit Sonnenblumenöl, einen Rest Kurkuma-Preserves (noch vom pakistanischen Ex-Mitbewohner), Salz, Pfeffer, Cumin und Koriandersamen. Dazu gibt es Joghurt mit Koriandergrün und grünem Chili. zum Essen schaue ich die Antrittspressekonferenz von Mark Carney, der heute als neuer Premierminister Kanadas vereidigt wurde, sein verkleinertes Kabinett vorstellt und sich ein kleines bisschen mit dem französischen Teil der Interviews quält. Beruhigend, dass doch nicht alle Politiker*innen Kanadas bilinguale Übermenschen sind. (Au revoir, Justin und danke für all den Fisch in den letzten zehn Jahren! Der Dating-Markt in Ottawa freut sich schon über einen attraktiven, charismatischen alleinerziehenden Vater, der plötzlich viel Zeit hat, munkelt man in den sozialen Netzwerken.)

Die Abendgestaltung ist dann mal völlig aus der Art geschlagen – ich mache mir ein Schüsselchen mit Gummibärchen (Sanddorn bzw. Rhabarber-Holunder) und Schokolade zurecht und lese Jonathan Garfinkels „Platz der Freiheit“ zu Ende, das gerade als ich heute einsteige ordentlich an Fahrt aufnimmt und die verschiedenen Handlungsstränge und Zeitebenen miteinander verbindet, inkl. realer Personen wie Noam Chomsky und Micheil Saakaschwili. Ein echter page turner. Als ich den Buchdeckel erschöpft zuklappe, ist es NULL UHR.