Der heutige Sonntag läuft größtenteils ab wie früher wobei „Früher“ hier einen Zeitraum in den ersten ein-zwei Jahren der Pandemie bezeichnet. Ich wache im Bett des Liebsten viel zu früh auf – nicht mehr, weil das Teilzeitkind nachts wach wird oder zu uns ins Bett klettert, sondern heute, weil der Arm weh tut und ich keine gute Position finde. Dann wacht der Liebste irgendwann auf und macht Kaffee und das Teilzeitkind kommt immerhin schon gegen 9 und mich fragt, ob ich auch Pancakes möchte.
Natürlich! Wir stehen also für einen Sonntag extrem früh auf und schon kurz vor 10 gibt es Frühstück. Pancakes vom Teilzeitkind zubereitet, die Äpfel habe ich in Butter gedünstet, die Würstchen hat der Liebste gebraten und den Ahornsirup haben wir aus Kanada mitgebracht.

Nach dem Essen wird eine ausführliche Aufräum- und Putz-Session eingelegt, wobei das Teilzeitkind (auch das eine sehr neue Entwicklung) das Bad übernimmt und auf Hochglanz bringt. Der Liebste kümmert sich um Müll, Wäsche und Fußböden, ich um die Küche. Danach ist erstmal eine Runde Chillen angesagt, bevor wir alle gemeinsam erst raus in den Park gehen und dann zur Stammkonditorei, wo wir wie damals in der Pandemie lange draußen in der Schlange stehen müssen. Es dürfen aber inzwischen mehr als 12 Kund*innen gleichzeitig im Laden sein.

Auf dem Heimweg läuft uns eine bekannte Internetpersönlichkeit über den Weg, die ich schon seit Ewigkeiten von „Twitter“, Blog, Medien, Buch, re:publica und Co. „kenne“. Sie mich jedoch eher nicht, meine Reichweite ist ein Bruchteil davon. Trotzdem ein weiteres nostalgisches Momentum heute.

Dann gibt es Kaffee und Torte und Gespräche und noch ein bisschen mehr Aufräumen und Sommerurlaub planen, bevor ich mich am späten Nachmittag auf den Heimweg mache. In der Frühphase der Pandemie hätten die Beiden mich mit dem Auto gebracht, heute nehme ich ganz entspannt die S-Bahn. Zuhause dann Katzen begrüßen und versorgen und Rucksack auspacken, bevor es mit dem Laptop auf die Couch geht.
Ich habe nämlich noch einen Call mit meiner Mentorin, bei dem wir uns anderthalb Stunden über das Leben und die Entwicklungen der vergangenen und nächsten Wochen austauschen.
Kurz nach 9 noch ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten und dann gibt es bis nach Mitternacht den Livestream von der Liberal Convention in Ottawa, mit kurzen Ansprachen der vier Kandidat*innen für die Trudeau-Nachfolge, einer Abschiedsrede von Trudeau, einer Mutmach-Rede von Chrétien und dann dem Ergebnis der Abstimmung: Mark Carney ist erwartet aber mit überraschend hoher Zustimmung der neue Anführer der Partei und wird in den nächsten Tagen oder Wochen das Amt des Premierministers von Trudeau übernehmen. Bemerkenswert ist, dass in sämtlichen Ansprachen Trump viel mehr Raum einnimmt als Poilievre, der in der anstehenden Wahl Carneys Gegner sein wird. Die kanadische Seele ist in Aufruhr, die Gefahren sind real und jetzt werden wir alle beobachten können, ob (und hoffentlich dass!) sich Kanada behaupten wird. Elbows up!