Spät geschlafen und dadurch trotz spätem Aufwachen ziemlich müde und dann völlig verrutschte Morgenroutine, auch weil um 10 gleich ein Webinar ansteht. Ich schaffe es aber gerade noch, vorher mit dem Liebsten zu telefonieren und mir ein Frühstück zuzubereiten.
Avocadotoast mit Tomate und Koriander, Sencha-Tee mit Quittensaft und Ingwer, frisch gepresster Blutorangensaft
Dann spannendes Webinar mit Vertreter*innen verschiedener Institutionen, die sich für Erinnerungskultur, politische Bildung etc. einsetzen. Ein Stückchen Hoffnung, als gesagt wird, dass die Anti-DEI-Geschehnisse in den USA bisher nicht verfangen. Immerhin bisher nicht…
Danach dann fertig Internet lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch. Ich bleibe einfach noch im Bett liegen und höre die aktuelle Lage der Nation. Am frühen Nachmittag erhebe ich mich, mache mich tagfein, führe das Katzenklo einer grundlegenden Sanierung zu, telefoniere mit den Ellis und dem Bruder und mache mir zum Mittag gebackenen Radicchio mit Gorgonzola-Frischkäse und Taralli.
Und dann geht es schon wieder zurück nach Südberlin, wo der Liebste und das Teilzeitkind schon freudig meine Rückkehr erwarten. Wir entscheiden uns schnell, den Einkauf sein zu lassen und uns zum Abend ein paar libanesische Köstlichkeiten zu bestellen.
Zum Essen gucken wir mit großer Freude Paddington 2 und dann lassen wir den Abend mit verschiedenen medialen Spezereien (Känguru-Comics, Wartke-Zungenbrecher, MaiLab…) ausklingen.
Halb 7 geht die Mitbewohnerin des Liebsten aus dem Haus und ich werde wach. Halb 8 klingelt sein Wecker und er wird auch wach. Kaffee im Bett, dann fängt er an zu arbeiten und ich tue die morgendlichen Internetdinge. Um 9 verlangt das Winterferienkind nach meinem Handy und ich stehe auf. Wir verziehen uns mit unseren Endgeräten ins Wohnzimmer, damit der Liebste ungestört arbeiten kann. Gegen 10 dann bereitet das Teilzeitkind uns Frühstück zu, während ich meinen Französisch-Aufgaben nachgehe.
Dann muss es los zu einem Kino-Termin und ich mache die Küche wieder sauber, bevor ich selbst ein Webinar habe. Hinterher stelle ich mir meinen Terminplan für die nächsten Woche zusammen, beende einen Onlinekurs und mache Italienisch.
Dann kommt das Kind auch schon aus dem Kino nach Hause und berichtet von einem augenscheinlich obdachlosen Menschen, der in der Einkaufsstraße den Leuten immer wieder den Hitlergruß gezeigt hat. Es wollte eigentlich filmen, weil es weiß, dass das verboten ist, war aber in Begleitung eines nichtweißen Kindes, das große Angst hatte, deswegen sind sie dann schnell weiter. Der Rechtsruck kommt im Kinderleben an…
Wir verbringen ein bisschen Zeit mit lustigen Videos, Spielen und den letzten Weihnachtsplätzchen, dann hat auch der Liebste Feierabend. Die beiden gehen fürs Abendessen einkaufen und bringen mich zur Bahn, denn ich habe einen Abendtermin.
Papas canarias, Pimientos de padrón, Fisch-Croquetas
In einem Tapas-Restaurant in Mitte nehme ich an einem Netzwerktreffen teil, lerne tolle Frauen kennen und tausche mich mit ihnen aus. Danach geht es zurück in den Pberg. Die Katzen heißen mich wieder auf der Couch willkommen und dann schauen wir zu dritt den „Schlagabtausch“, bei der die im Bundestag vertretenen Parteien, die nicht CDU oder SPD sind (und auch nicht der SVV) zu ihren Programmen befragt werden. Meine Gedanken dazu in loser Reihenfolge:
Bis auf den Anfangs- und Endapplaus bekommen nur die Grünen und die Linken Zwischenapplaus vom Publikum, populistische Parteien werden ein-zweimal ausgelacht, ansonsten eisiges Schweigen. Inhaltlich folgerichtig, aber es gibt bestimmt schon Verschwörungstheorien, wen das ZDF da ins Publikum gesetzt hat – meine Theorie: politikinteressierte junge Menschen
Warum darf die CSU dort auftreten, der SVV aber nicht? Ihre Argumente sind nur für Bayern relevant und sie haben die Union im Rücken
Schade, dass außer dem BSW nur Männer auftreten
Ein spannendes Format, um die politische Debatte gerade unter Leuten zu beleben, die sich nicht den ganzen Tag damit beschäftigen
Blöd, dass der Faktencheck erst hinterher zur Verfügung steht und also von den meisten Zuschauenden nicht mehr wahrgenommen wird – vielleicht wäre hier eine Aufzeichnung besser, die dann mit eingeblendetem Faktencheck gesendet wird?
Immer noch zu viel Schwerpunkt auf dem Thema Migration, aber immerhin werden auch viele andere Themen angeschnitten
Hätte ruhig länger gehen können
Sehr memefähig: Jan van Aken zu Tino Chrupalla: „Jetzt halten Sie doch mal ihren rechten Rand!“
Alexander Dobrindt bezeichnet die AfD als Gegner der CSU, die Grünen hingegen als Wettbewerber. Hat er das schon Markus Söder erklärt?
Ich brauche dann noch die letzten Folgen der vierten Staffel Parenthood, bis ich schlaffähig werde.
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihrhier.
Ich wache früh auf, gegen 7, die Katzen merken, dass es hell ist und schauen mal unverbindlich, ob ich noch lebe, lassen sich aber mit ein bisschen Kuschelei befrieden, so dass ich noch nicht aufstehen muss, um sie zu füttern. So kann ich erstmal in Ruhe die Runde durchs Internet drehen, bloggen, mit dem Liebsten telefonieren, Französisch und Italienisch pauken.
Seit ein paar Tagen scheint mein Parteimitgliedschaftsantrag bearbeitet worden zu sein (Der Ortsverband hatte in den letzten Wochen verständlicherweise anderes zu tun.) und jetzt bin ich in einer deutschlandweiten WhatsApp-Gruppe und diversen lokalen Signal-Gruppen gelandet und bekomme ein paar Hintergrunddiskussionen mit, Organisatorisches und Hinweise auf Social-Media-Posts und wie man ihnen je nach Medium am meisten Reichweite verschafft. Die Gruppen finde ich spannend, die Posts, die ich gut und/oder witzig finde, teile und amplifiziere ich. Haustürwahlkampf und Wahlkampfstände werden eher nicht meins, zumal ich bei dieser Wahl ja wahrscheinlich, zumindest bei der Zweitstimme, eine ganz andere Partei wählen werde, die mir nur eins weniger nahesteht aber dringend in den Bundestag gehört. Aber hinterher dann, nach der Wahl, da will ich schon zu lokalen Treffen gehen und mich im Kiez engagieren und so – Demokratiearbeit an der Basis und im Alltag eben. Jedenfalls kommt so noch ein „soziales Netzwerk“ in die tägliche Routine.
Als ich fertig bin und aufstehen könnte, telefoniere ich zu Planungszwecken nochmal mit dem Liebsten, der dann noch das Teilzeitkind dazuschaltet, das gerade Ferien hat und auf der Couch liegt und fernsieht. Wir koordinieren unsere weiteren Pläne für den Tag. Dann aber stehe ich endlich auf und mache Frühstück. Heute gibt es Bagel mit Mandelcreme und Kirschmarmelade, Ingwer-Zitronen-Tee und einen Smoothie aus Banane, Apfel, Orange, Ingwer und Kokoswasser. Beim Essen drehe ich die Rätselrunde durchs Netz und schließe dann direkt noch Organisatorisches am Laptop ab – E-Mail-Verkehr zur Vorbereitung von Behördlichem, das in nächster Zeit erledigt werden will.
Danach dann Duschen und Anziehen und dann bin ich schon um 12 so richtig auf den Beinen und bereit für den Tag. Ich rufe die Freundin in Frankreich an, die auch gerade Tagesfreizeit hat, und wir telefonieren, während ich in der Wohnung herumräume, Haushaltsmaintenance betreibe, im Arbeitszimmer Dinge sortiere und einiges entrümpele. Zwei defekte Klappstühle wandern direkt unten in den Müll, Elektroschrott wird in einer Kiste gesammelt. Währenddessen reden wir darüber, wie es uns in den letzten Wochen ergangen ist, wie wir mit unseren jeweiligen Tagesfreizeiten umgehen, was politisch so los ist in Frankreich, hier und in der Welt, was beruflich perspektivisch so ansteht und die eine oder andere philosophische Diskussion.
Nach zwei Stunden verabschieden wir uns und ich schaue, was ich in den letzten zwei Stunden so in der Welt verpasst habe. Dann letzte Absprachen mit dem Liebsten und mit der Mitbewohnerin, bevor ich meinen Kram zusammen packe und ins trübgraukalte Draußen marschiere. Mein Physiotherapietermin wurde leider heute morgen abgesagt, ich laufe aber trotzdem dorthin und daran vorbei, bis zum Recyclinghof. Da werfe ich meinen Elektroschrott in die entsprechenden Tonnen und laufe noch weiter, bis zum Bahnhof. Von dort nehme ich die S-Bahn nach Südberlin. Das Teilzeitkind ist inzwischen beim Liebsten eingetroffen und er macht jetzt auch Feierabend. Wir sichten kurz die Lebensmittelvorräte und schreiben eine Liste, dann ziehe ich nochmal los und gehe einkaufen.
Ich habe mich nämlich heute freiwillig zum Kochen gemeldet, das Teilzeitkind hilft mit großen Enthusiasmus. Wir basteln eine Version von Eton Mess aus Schlagsahne, TK-Sauerkirschen und verschiedenfarbigen Vogelhochzeitsbaiserschaumvögeln für den Nachtisch. Ansonsten gibt es Mini-Buletten mit Steinpilz-Sauce, Ofenkartoffeln und Erbsen, alles from scratch zubereitet.
Nicht schön aber lecker
Nach dem Essen machen wir es uns mit Chips und Limo (Apfelschorle für die beiden, Ananaslimo für mich) auf der Couch bequem. Wir gucken den ersten Paddington-Film, zur Vorbereitung weiterer Ferienpläne und um uns nochmal der Handlung zu entsinnen. Beim ersten Mal war das Kindelein noch viel kleiner und wir mussten mehrfach unterbrechen und beruhigen, weil Nicole Kidman einfach zu gruselig war. Dieses Mal keine Zwischenfälle, das Kind ist fast 12. Dafür unterbrechen wir das Programm für einen wichtigen Bildungsauftrag.
Mein Bruder hält online einen Vortrag über Permafrost im Allgemeinen und seine Arktis-Expeditionen in die Permafrostregion im Speziellen. Mit Fragestunde am Ende dauert das zwei Stunden und das ist ein ganzes Stück für ein Kind von fast 12 Jahren. Es hilft aber ganz fantastisch durch und lernt viele spannende Sachen. Hinterher gucken wir noch den Film zu Ende und dann geht es gegen 23 Uhr für alle ins Bett.
Die Katzen wecken mich erst, als es draußen schon hell wird, das gefällt mir ganz gut und so bleibe ich dann auch gleich wach. Das wird mich in den nächsten Wochen vermutlich irgendwann in den Hintern beißen, wenn es Früüüüühling wird, aber jetzt gerade ist Helligkeit zum Wachwerden super. Und nicht nur zum Wachwerden, für den ganzen Tag ist Sonnenschein angesagt. Ich plane mir direkt ungewohnte Aktivität in Sachen Hausarbeit in den Tag.
Zur Bestärkung der gefühlten Energie kippe ich noch ein bisschen Placebo hinterher. Auf TikTok bastelt sich eine Creatorin auf Hawaii immer „Adrenal Cocktails“, die angeblich die Nebennieren stärken und damit ein natürlicher Energydrink sein sollen. Ich betrachte das natürlich skeptisch, bin aber für kulinarische Experimente grundsätzlich zu haben, vor allem wenn mir die Zutaten zusagen. Ich presse also vier Crowdfarming-Orangen aus, rühre eine gute Prise Meersalz hinein und fülle 1:2 mit Kokoswasser auf. Die Creatorin rührt dann immer noch Weinstein und Kollagen mit rein, aber ich betreibe hier ja eine Küche und kein Labor. Es schmeckt ganz gut, gesund und interessant. Aber ich habe glaube ich etwas viel Salz dran. Ob es wirklich hilft, möchte ich nicht beurteilen (vermutlich nicht) aber alles fürs Placebo! Ansonsten gibt es Müsli mit Banane, Apfel, Zimt und Erbsenmilch und Ingwer-Zitrone-Tee.
Da die Mitbewohnerin noch schläft, gibt es energieliefernde Musik über Kopfhörer. Ich beziehe mein Bett neu, wasche Wäsche, bringe den Biomüll weg und räume auch sonst auf. Ansonsten erledige ich natürlich meine üblichen Sprachlektionen und die Rätselaufgaben des Tages, verfolge das Weltgeschehen und komme meinen Pflichten im Spiel nach. Um 12 höre ich einem Webinar zu und dann ist auch schon Zeit fürs Mittagessen. Da ich noch eine halbe Dose Baked Beans offen habe, denke ich an Beans on Toast. Es soll aber weniger matschig werden, deswegen gibt es Beans adjacent to Toast und auf den Toast noch vegane Salami und Bockshornklee-Käse, überbacken. Außerdem Romanasalat-Resteverwertung mit Zitronen-Kräuter-Dressing.
Danach lese ich (und nicke ein wenig ein), bis die Mitbewohnerin am Nachmittag dann aufbricht. Jetzt kommt meine Zeit mit dem Staubsauger! Leider habe ich davon nicht mehr allzu viel, so dass ich mich aufs Bad konzentriere und das dann auch direkt noch putze. Der Rest muss warten, denn ich habe ein Abschlussmeeting zu einem meiner Projekte.
Als das vorbei ist, ist mein Energielevel plötzlich komplett unten. Ich versuche es noch mit belgischen Schokomeeresfrüchten wieder hochzuziehen (lecker!), aber der Feierabend ist unumgänglich. Ich sage meine Telefonverabredung ab und lese Marc-Uwe Klings Views zu Ende. Hui, was für ein Buch. Deutschland gerät aufgrund von Empörung über einen Übergriff von migrantisierten Leuten auf ein weißes Mädchen an den Rand eines rechtsextremistischen Putsches. Bisschen sehr nah an der Realität gerade. Und dann geht’s um KI und Tech-Bros, auch viel zu nah an der Realität. Chapeau an Marc-Uwe (muss den duzen, wegen des Kängurus) für Weitsicht, wobei das Buch ja auch erst ein paar Monate alt ist.
Als ich das Buch zuklappe, habe ich noch ein bisschen TikTok-Zeit, bevor ich mich halb 10 nochmal in ein Webinar einwähle. Wieder viel internationaler und kanadischer Content für mich (Kanada, auch grad so ein Atemanhaltthema). Dann aber Webinar und zurück in den deutschen Alltag. Die heutige Lanz-Sendung wird auch angesprochen, die ziehe ich mir danach auch noch rein. Kein Wunder, dass das halbe Land über Migration redet statt der dringenden Themen, das Agenda-Setting in den Medien lässt ja kaum etwas anderes zu, auch wenn am Ende noch die Energiepolitik von Habeck gelobt wird.
Im Bett dann das nächste Buch anfangen, mein Gehirn braucht mehr feminine Energie. 😉
Ich wache vor dem Wecker des Liebsten auf, er selbst so richtig erst zehn Minuten, nachdem er ihn ausgemacht hat. Beneidenswert. Dann aber bringt er Kaffee ans Bett und der Tag beginnt gut. Facebook, Instagram, Mastodon, Bluesky, Threads, LinkedIn (wegen Benachrichtigung), Feedreader, Bloggen. Nachdem der Liebste aufgestanden und an die Arbeit gegangen ist Duolingo, Babbel, Handyspiel und Onlinekurs. Dann stehe ich auch auf. Kleine Zuckerwaffel zum Frühstück, Geschirrspüler aus- und einräumen, Pfanddosen von gestern abspülen, ab ins Bad.
Nach 12 gehe ich los, bringe die Pfanddosen im Thai-Restaurant am Platz weg und laufe dann die lange Einkaufsstraße entlang, in der Berlin wie eine westdeutsche mittelgroße Stadt aussieht, wenn da nicht der _gute_ Bubble-Tea-Laden wäre. Es geht ins Fitnessstudio. Dreiviertel 1 lasse ich mich ins Wasser gleiten und schwimme erstmal ein bisschen. Der Arm spielt heute erstaunlich gut mit – es wird, es wird. Eine gute Viertelstunde verbringe ich mit Arm- und Schultermobilisierung, klassischer Wassergymnastik und immer wieder Schwimmen. Dann wechsle ich hinüber ins Dampfbad.
Hinterher liege ich im Ruheraum und lese mich ein wenig in meinem nächsten Buch fest: Marc-Uwe Kling: Views. Passt inhaltlich erschreckend gut ins Tagesgeschehen. Als ich anfange zu frösteln, gehe ich in die Recovery Sauna und liege/sitze auch da meine 15 Minuten ab. Dann lese ich weiter. Beim nächsten Frösteln geht’s in die Finnische Sauna. Die 100 Grad gebe ich mir aber nur die Hälfte der Zeit, das ist mir heute zu viel. Danach gehe ich hinaus auf die Dachterrasse, wo bei 6 Grad die Sonne scheint, und lege mich dort kurz auf eine Liege.
Das nächste Frösteln ist dann auch ein Frieren, also schnell nach drinnen, duschen und anziehen. Dann fahre ich mit U- und S-Bahn zurück in den Pberg. Kurzer Einkaufsstopp weil ich Lust auf Aloe-Vera-Drink habe (gibts nur mit Erdbeergeschmack heute), ein babyarmgroßes Stück Ingwerwurzel kommt auch noch mit, außerdem Joghurt und Kokoswasser (will was ausprobieren). Dann schnell nach Hause, Katzen begrüßen und endlich was Richtiges essen.
Dinkelbrot mit: Sardellenaste und Gurke, Dattel-Curry-Aufstrich, Kräuterfrischkäse mit Gurke, Gorgonzola-Aufstrich, veganer Salami mit Tomate, Salat und Bockshornkleekäse. Dazu Crowdfarming-Banane und fancy Getränk
Danach kurzes Ausruhen mit Wordle, Connections, Strands, Spelling Bee und Past Puzzle, während ich (Manchmal bin ich masochistisch veranlagt) Caren Miosga von gestern nachgucke. Ähnlich wie bei Linnemann bei Illner letzte Woche wird diesmal Alice Weidel von drei Erwachsenen argumentativ zerlegt. Also, wenn man sich mit der Materie auskennt und für Vernunft zugänglich ist. Wenn man AfD wählt, war da vermutlich ein gelungener Auftritt der Kanzlerkandidatin, die sich um nichts schert und quasi den Trump gibt. Und deswegen sollte es diese Talkrunden nicht geben, aber der Drops ist wohl endgültig gelutscht.
Um 18 Uhr wähle ich mich in einen Online-Workshop ein, der zwei Stunden gehen soll. Ist dann aber doch nicht ganz, was ich erwartet habe, deshalb gehe ich nach einer halben Stunde wieder. Ich skippe mich einmal durch den Eras-Tour-Konzertmitschnitt auf Disney Plus und bin ein bisschen in awe über die Vielseitigkeit, Kreativität und Power von Taylor Swift (3,5 Stunden Konzert, gefühlt 20 verschiedene Shows), auch wenn ich weiterhin nur mit jedem fünften Song so richtig was anfangen kann. Dann noch eine Folge Parenthood und schon ist es 21 Uhr und die Book-Release-Party von Mike Gayle beginnt auf Facebook (die letzte war im Juli 23, sehe ich gerade).
Mike Gayle kenne und lese ich, seit mir die „alte Freundin“ damals sein erstes Buch in deutscher Übersetzung weitergegeben hat, nachdem sie es gelesen hatte. Da gingen wir noch zur Schule. Ich habe dann auch alle weiteren Bücher gelesen und zwei davon zehn Jahre später in meiner Master-Arbeit verwurstet. Daraufhin nahm ich Kontakt mit ihm auf (über MySpace) und seitdem sind wir (sehr lose) connected. Vor fünf Jahren begann er im ersten Lockdown, jeden Montag auf Facebook live zu gehen und jeweils aus einem seiner Bücher zu lesen und mit den Leuten darüber zu reden. So kam es, dass ich 2020 alle bis dahin erschienen Bücher nochmal gelesen habe und mir bei denen, die ich nur auf Deutsch oder als E-Book hatte, die englische Originalausgabe, von ihm signiert, zugelegt habe. Seit den Lockdown-Zeiten ist das nun heute das dritte Release, das wir alle zusammen feiern und es war sehr schön, die ganzen alten Gesichter (Namen) wieder zu sehen und die alten Insider-Witze zu machen. Die Zeiten fühlen sich ja auch ähnlich furchtbar an wie im Lockdown, passt also.
Gerade als die Party zu Ende geht, kommt meine Mitbewohnerin nach Hause. Wir sitzen ein Stündchen zusammen und erzählen (auf dem Fußboden sitzend, wie so junge Menschen), bis ich müde werde und alles Wesentliche besprochen ist. Dann verabschiede ich mich Richtung Bett, telefoniere noch ein letztes Mal heute mit dem Liebsten und verbringe dann noch ein wenig Zeit auf TikTok, wo aufgrund der aktuellen Ereignisse gerade kanadische Creators noch einen Zahn zulegen und sich generell die Nicht-USA-Welt weiter verbündet, während mit US-amerikanischen Creators Solidarität geübt wird und sich in Deutschland die linke Bubble weiter verdichtet und bestärkt.
Kurz nach Mitternacht ist dann endgültig Schlafenszeit, also bis Noosa neben mir ihr Trockenfutter auf Kissen, Laken und an die Tapete kotzt. Das mache ich im Halbschlaf noch weg und dann heißt es wirklich „Gute Nacht“.
2. Februar – Lichtmess, Murmeltiertag, für uns vor allem: Demotag.
Der Morgen beginnt wie immer ruhig und im Bett, bis ich mit allem durch bin, was am Vormittag so ansteht und der Hunger mich aus dem Bett treibt, ist es schon nach 11. Dann aber Frühstück, für mich heute mit ausführlich gekochtem Chai nach dem Rezept des pakistanischen Ex-Mitbewohners (Zimt, Nelken, Kardamom, Sternanis, Fenchelsamen, schwarzer Tee, Zucker, Erbsenmilch) und Müsli mit Wildheidelbeeren, Crowdfarming-Banane, Crowdfarming-Kiwi, Wildfeigen und Joghurt.
Nebenbei gibt es Podcasts und Koordinierungen, Einrichten des neuen WLAN-Repeaters und dann noch ein bisschen Herumgammeln, zum Kräfte sparen. Kurz vor halb 3 verlasse ich dann das Haus und treffe schon in der Tram die ersten Menschen, die Schilder dabei haben.
An der Friedrichstraße treffe ich den Liebsten und eine Freundin mit ihrem Kind. Gemeinsam laufen wir an der Spree entlang bis zur Reichstagswiese, die noch gar nicht so voll wirkt. Da ist es aber auch noch 20 Minuten vor Start und es hört nicht auf, sich zu füllen. Wir hören den ersten Redner*innen zu, außerdem Mine und Nina Chuba und machen uns dann während Luisa Neubauer spricht schonmal langsam auf den Weg in den Demonstrationszug zum Konrad-Adenauer-Haus „damit wir da z. B. vor der Tagesschau ankommen“. Der ergießt sich sehr, sehr langsam in den Tiergarten, was wohl daran liegt, dass am Ende zwischen 160.000 und 250.000 Menschen dabei sind.
Im Vergleich zu letztem Wochenende kommt bei der Demo weniger zuversichtliche Stimmung auf. Die Menschen sind wütender und enttäuschter. Es wird mehr skandiert als gesungen. Und kälter ist es auch. „Alle zusammen gegen den Faschismus“ wird immer wieder auf die Siegessäule projiziert und von den Massen fleißig aufgenommen. „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here“ kommt auch einmal. Mehrmals auch „Ganz Berlin hasst die AfD“, wobei ich mit immer denke „Ganz Berlin (innerhalb des S-Bahn-Rings)“. Ab der Siegessäule hängen an den Laternen AfD-Plakate, von denen nicht wenige von engagierten Demo-Teilnehmenden entfernt werden – jeweils unter großem Jubel und „Runter mit den Anti-Demokraten“-Rufen.
Schon weit vor dem Konrad-Adenauer-Haus geht es nicht mehr weiter, es ist zu voll und die Polizei versucht, die Menschenmassen zu verteilen. Wir nutzen die Gelegenheit, uns langsam Richtung S-Bahn zu bewegen, an diversen Botschaften vorbei. An einer Stelle werden drei offensichtliche rechte Schlägertypen von vier Polizisten bewacht und liefern sich mit den vorbeiziehenden Demonstrant*innen heftige Wortgefechte. Danke Polizei, an dieser Stelle.
Wir fahren mit der S-Bahn nach Südberlin und landen dann auf der Couch des Liebsten. Zum Abendbrot bestellen wir uns antifaschistische Dumplings, linksradikale Nudelsuppe und kommunistische Pekingente und grünem Algensalat (oder so). Den Rest des Abends verbringen wir mit Nachrichtenverfolgung und ein paar Folgen What We Do In The Shadows, bevor es früh ins Bett geht. Schrittziel übererfüllt.
Okay geschlafen, aber früher aufgewacht als nötig gewesen wäre. Gegen 11 wäre ich mit dem Morgenprogramm fertig und könnte aufstehen für Teil 2, rufe aber nochmal den Liebsten an und dann wird es einfach nochmal ne halbe Stunde später. Dann aber wirklich: Aufstehen und Frühstück machen. Ich brate vegane Schinkenwürfel an und mache aus dem letzten Ei ein Rührei. Dazu gibt es Baked Beans, einen Acocado-Bagel aus der letzten Crowdfarming-Avocado und letzten Tomaten, einen Apfel, eine Crowdfarming-Banane, eine Crowdfarming-Orange und eine Blutorange. Und Ingwer-Zitronen-Tee, selbstgemacht. Angemessene Mahlzeit!
Wenig überraschend könnte ich danach direkt schon wieder Mittagsschlaf, reiße mich aber zusammen und mache stattdessen Haushaltsdinge und Körperpflegedinge. Dann geht es nach ins Draußen – Altglas wegbringen, Pfand wegbringen, ein paar Kleinigkeiten einkaufen.
Es gibt endlich wieder richtiges Katzengras, das Selbstgezogene fanden die Miezen wenig interessant
Wieder zurück mache ich den Gönnjamin und esse als Nachmittagssüß einen kompletten Becher Eis (Salted Caramel Brownie) und DANN ist es wirklich Zeit für den Mittagsschlaf. Als ich wieder wach bin, kümmere ich mich ums Abendbrot. In diesem Video von Uyen Yinh habe ich gestern ein Rezept für vietnamesischen gebratenen Kohl gesehen, das ich heute ungefähr nachbaue – mit leichten Abwandlungen, die ich aber auch aus dem Video habe. Erstmal Zwiebeln anbraten, dann Tomaten (nachgekauft) dazu, dann Kohl (immer noch vom Crowdfarming-Kohl), mit Salz, Pfeffer und Fischsauce würzen. Ingwer und Zitrone gehören auch noch dazu, da ich keinen Ingwer mehr habe, nehme ich den Rest vom Ingwer-Zitronen-Tee heute morgen. Dann noch Schnittlauch (statt Frühlingszwiebeln), Koriander und Sriracha dazu und fertig ist die Gartenlaube. Dazu esse ich die letzten Reisnudeln aus dem Regal. Boah ist das lecker, schmeckt wirklich wie im Restaurant!
Nach dem Essen mache ich was ganz verrücktes: Ich verbringe den Abend mit Lesen. Ein Buch. Aus Papier. Kelly Bishops Biographie The Third Gilmore Girl habe ich schon gestern oder vorgestern angefangen, bin aber aus Einschlafgründen nicht weit gekommen. Heute dann aber, und zwar bis zum Schluss. Sehr schönes Buch. Möchte direkt nochmal A Chorus Line sehen (Wobei die nur den Tony für die Bühnenversion bekommen hat und ich nur den Film gesehen habe, in dem sie nicht mitspielt. Aber sie hat den Stoff mit entwickelt.), nochmal Dirty Dancing gucken und dabei auf Majorie achten, nochmal Bunheads gucken (mit dem Wissen, was zu der Zeit in ihrem Leben los war). Gilmore Girls habe ich oft genug gesehen, aber vielleicht ist demnächst nochmal A Year In The Life dran. Und natürlich ihre Szenen aus Marvelous Mrs Maisel. Uuuund wir warten natürlich alle auf die neue Amy-Sherman-Palladino-Serie, richtig?
Nachdem gestern genug für drei Tage los war, sind heute die Akkus leer, aber ich habe auch keine Termine. Also bleibe ich einfach im Bett liegen. Am Morgen nach der üblichen Internetrunde Nachbereitung der gestrigen Termine, Kontaktanbahnungen nachfassen, Verbindungen intensivieren, Teilnahme an einer Veranstaltung organisieren, Termine machen… Nebenbei Frühstück.
Kaffee mit Kakao und Erbsenmilch, Pfefferminztee, Brot mit Curry-Dattelaufstrich, Brot mit Sauerkirschmarmelade, Crowdfarming-Banane, Apfel, letztes Vogelhochzeitsnest
Dann trudelt des Teilzeitkindes Zeugnis ein, das erste auf dem Gymnasium, das verlangt umgehend Glückwünsche. Ähnlich wie bei mir damals sind aus einigen Einsen Zweien geworden, aber alles nicht dramatisch, vor allem wenn man sich die Anzahl der Tests etc. anguckt, die diesen kleinen Menschen zugemutet werden.
Und dann verfolge ich die Reden mit mal mehr, mal weniger Blutdruck. Am Ende ergebe ich mich in das Schicksal, dass das unbedachte, unnötige, ineffiziente und rassistische Gesetz wohl durchkommen wird, nur um dann völlig überrascht eines Besseren belehrt zu werden. Dann erstmal Abendbrot.
Sandwich mit Frischkäse, Salat, letztem Kochschinken, letztem Käse, Apfelmeerrettich, dazu Tomaten und Crowdfarming-Avocado mit Forellenkaviarcreme bzw. Mojo verde
Den Rest des Abends Nachberichterstattung, Durchsehen der namentlichen Abstimmung, Verwunderung, dass so wenige Abgeordnete der FDP mit Nein stimmten (und bei der CDU keine). Ich gucke heute, Tagesschau, Brennpunkt, Tagesthemen, sogar die heute Show. Nebenbei schaue ich, was das Netz schreibt und wie konservative Medien über das Geschehen berichten (Spoiler: Merz hat’s nicht geschafft, aber das liegt an den bösen Grünen und der SPD) und bereite mich seelisch und moralisch auf die Demo am Sonntag vor.
Irgendwann dann Wechsel zu Parenthood um Runterzukommen, aber es dauert dann doch wieder bis 2 oder so, bis ich einschlafen kann. Da ist dann schon Februar.