27.02.2025 – Indigenes

Der Wecker klingelt halb 7 und ich bin not amused. Hilft aber nix, so kann ich noch bloggen und meine Streaks in Duolingo und Babbel retten, bevor ich aufstehen muss. Schnelles Frühstück mit Banane und Mandarine und dann geht es mit einem Kaffee zum Gehen aus dem Haus. Auf dem Weg zur S-Bahn telefoniere ich mit dem Liebsten und klage mein Frühes-Aufstehen-Leid. Die Bahn ist um diese Zeit Rush-Hour-voll und wie unwürdig ist das bitte, da morgens gequetscht zwischen so vielen Menschen zu stehen? Das hatte ich zuletzt regelmäßig vor der Pandemie.

Anyway, ich komme rechtzeitig an der Botschaft an, um mich wieder durch den Sicherheitscheck zu begeben – inkl. Rucksacksdurchsuchung – und suche mir schnurstracks ein Plätzchen für den Eröffnungsvortrag. Die Tagung hat allgemein den kanadischen Norden zum Thema, in der Keynote geht es um die Ausbeutung von Rohstoffen und die dazugehörigen Folgen und Rechtsverletzungen für die verschiedenen indigenen Völker im Norden, auch vor dem Hintergrund, dass da jetzt mit kritischen Mineralien ein neuer Boom ansteht. Ich mag, wie der Vortragende sich als „settler scientist“ vorstellt, also direkt von Anfang an dazu sagt, dass er als Weißer zu den Kolonialisten gehört.

In der folgenden Kaffeepause ergänze ich mein spartanisches Frühstück um ein wenig Gebäck und schaue mich dann in der Bücher- und Posterausstellung um. Ein Buch über die Zusammenhänge zwischen Gender und Region nehme ich mit, in dem Romane von weiblichen Autorinnen untersucht werden, die in den Maritimes, den Atlantikprovinzen Kanadas spielen.

Als nächste folgt eine Doppel-Session mit einem polnischen Wissenschaftler, der über die Inuitpolitik Kanadas referiert und einer deutschen Wissenschaftlerin, die über die Zusammenhänge zwischen Sicherheitspolitik und Klimawandel forscht. Witzig ist dabei u. A., das auf den Folien des ersten Vortrags fast ohne Ausnahme immer der Cousin der Bekannten auftaucht, die uns im September in Nova Scotia besucht hat – er ist Präsident der NGO, die die Inuit repräsentiert.

Mittags gehe ich in den Foodcourt der Mall nebenan und esse Quesadillas, Tacos und Limonade, mit u. a. einem sehr leckereren Ananas-Chili-Dip. In diesem Foodcourt war ich früher recht regelmäßig mit ehemaligen Kolleg*innen, ich bin kurz versucht, ihnen ein Foto zu schicken.

Nach der Pause (und Sicherheitskontrolle) geht es mit einer Doppel-Session weiter, die so spannend ist, dass ich nebenbei nicht einmal aufs Handy gucke. Eine Gwichyà-Gwich’in-Wissenschaftlerin stellt ihr Dissertationsprojekt über Residential Schools vor und berichtet dazu über ihre Forschungen, ihre eigene Familiengeschichte und wie sie nach der Verteidigung und vor der Veröffentlichung des Buches noch ein wenig modifiziert hat – z. B. indem sie Hinweise auf westliche Denker entfernt hat und sich mehr auf die indigenen Stimmen konzentriert hat, die es braucht, um diese Geschichte zu erzählen. Im Anschluss sprechen die beiden Inuit-Schwestern von PIQSIQ über Kehlkopfgesang und dessen dunkle Kolonialgeschichte und Bedeutung für Identität und Kultur der Inuit, inkl. Hörproben.

Danach habe ich Luft, während die Mitglieder der Gesellschaft Treffen und andere Programmpunkte haben. Ich nehme einen Bus nach Kreuzberg, mache Besorgungen und setze mich dann in ein Café und tue Dinge auf meinem Handy, zu denen ich noch nicht gekommen bin.

Zitronenkuchen, Ingwer-Minz-Tee, Wassermeloneneistee

Später laufe ich mit Podcast auf den Ohren zurück nach Mitte, bis zur Staatsbibliothek unter den Linden, wo ich wieder auf die Konferenzteilnehmenden (und weiteres interessiertes Publikum) treffe und einem kompletten Konzert von PIQSIQ lausche.

Im Anschluss kaufe ich mir noch ein T-Shirt und dann fahre ich mit U-Bahn und Tram nach Hause, füttere die Katzen und lege mich direkt ins Bett. Der fünfte Auswärtsabend hintereinander fordert seinen Tribut, auch weil noch zwei weitere folgen werden…

26.02.2025 – Kanadamampf

Heute wache ich genau eine Minute, bevor der Liebste anruft, auf, das ist aber diesmal erst um 9. Hier wird sich eindeutiger fehlender Schlaf zurückgeholt! Morgendliche Churchilligkeit im Bett, bis ich mir rechtzeitig zum Webinar um 12 Frühstück mache. Nervig: Wenige Minuten vor Webinarbeginn klingeln Telekom-Menschen an der Tür, stellen eine technische Frage (Glasfaserausbau) und wollen mir dann lang und breit etwas erklären. Ich vertröste auf nach meinem Webinar.

Danach ziehe ich mich dann erstmal in Ruhe an und erledige Dinge und warte immer darauf, dass es wieder klingelt. Das passiert dann aber erst deutlich später und dann wird klar, dass der Erklärwunsch ein Verkaufswunsch ist, den ich dann umgehend abwimmele. Haustürgeschäfte, soweit ist es schon. Wird Zeit, dass das alles wieder verstaatlicht wird! Krückstockfuchtel. Der jugendliche Vertreter (in Ausbildung) ist sichtlich irritiert, als ich sage, dass ich bereits seit über 20 Jahren bei der Konkurrenz bin.

Jedenfalls ist das alles gerade rechtzeitig vorbei, bevor ich los muss – die nächsten Tage verbringe ich auf einer Konferenz in der kanadischen Botschaft. Ich fahre mit Tram und U-Bahn hin und muss dann noch kurz im Regen warten, bis der offizielle Einlass mit Sicherheitskontrolle beginnt.

Dann gibt es eine Eröffnungsveranstaltung mit diversen Honoratior*innen und Einblicken in das Programm der nächsten Tage. Dabei wird fleißig zwischen Englisch, Französisch und Deutsch hin und her gewechselt, schade dass die italienische Community in Quebec es nie zum offiziellen Sprachstatus gebracht hat. Ich bin in meinem Element. Und hinterher gibt es einen Empfang mit kanadischem Wein und Fingerfood. Ich treffe diverse junge Frauen, die gerade an Master- oder Doktorarbeiten schreiben, und fühle mich altersmäßig eigentlich gar nicht so weit von ihnen entfernt, bis sie mich nach meinem Forschungsgebiet fragen und ich erklären muss, dass meine letzte wissenschaftliche Arbeit zu einem kanadischen Thema 20 Jahre her ist. Zum Glück taucht kurz danach meine „Bachelor-Mutter“ auf, die eine der Initiatorinnen der Konferenz ist und obwohl sie nochmal ein bisschen älter als ich ist ganz offensichtlich keine alte Frau ist.

Wir umarmen uns herzlich, trinken Wein, essen Fingerfood und reden über die Geschehnisse, seit wir uns im Juni zuletzt sahen, über gemeinsame Bekanntschaften, über die politische Situation und was uns die nächsten Tage erwartet. Gegen 20 Uhr leert es sich langsam und ich fahre mit einer Weglimonade und zwei S-Bahnen wieder nach Hause. Morgen geht’s hier schon um 9 los!

25.02.2025 – Kreismampf

Der Liebste reißt mich gegen 8 mit einem Anruf aus dem Schlaf, danach muss ich erstmal ganz langsam zurück in den Tag und die Realität finden. Der Wahl-Jetlag ist immer noch stark in mir. Bis ich alles vor mich hin gechurchillt habe und mich ans Aufstehen und Frühstück zubereiten mache, ist es es fast mittags. Ich frühstücke kreisförmiges Gebäck – eins mit Schinken und eins mit Ei – trinke frisch gepressten Blutorangensaft und Kaffee und bin währenddessen in einem Webinar.

Danach ist ein bisschen was zu organisieren und erledigen, bevor ich mich Politikpodcasthörend in die Badewanne legen kann – Grundreinigung inkl. Haarewaschen passt heute ganz ausgezeichnet in den Zeitplan! Ich steige gerade rechtzeitig wieder heraus, um dann die Crowdfarming-Lieferung entgegenzunehmen – es gibt Orangen, Mandarinen und Avocados. Die werden durchsortiert, auf Obstschale bzw. Kühlschrank verteilt und die reifsten Mandarinen direkt gegessen.

Danach chille ich noch ein wenig weiter, vorgezogener Feierabend, bevor ich mich dann gegen halb 7 auf den Weg ins Draußen mache. In einem Kulturzentrum hinter dem Plattenbauviertel findet heute erst das Neumitgliedertreffen und dann das Kreisverbandstreffen der Partei statt, in die ich vor ein paar Monaten mit gemischten Gefühlen wieder eingetreten bin. Es dauerte fast drei Monate, bis mein Antrag bearbeitet wurde (wegen großen Andrangs) und in den letzten Wochen habe ich den Wahlkampf vor Ort von der Seitenlinie beobachtet, auch weil ich ja mit meiner Zweitstimme dann doch eine andere Partei gewählt habe und teilweise das Bashing dieser anderen Partei sehr unangenehm fand. Jetzt also erste tatsächliche Berührungspunkte.

Für die Neumitglieder gibt es ein Begrüßungsgetränk – ich entscheide mich für lokale Rhabarberschorle – und einen Stuhlkreis zum Aufbau des Kreisverbands und wie er im Gesamtgefüge aufgehängt ist. Ganz spannend: Er hat um die 2500 Mitglieder und der Stadtteil Pberg, in dem ich lebe, ist in diverse Stadtteilgruppen unterteilt, weil es hier so viele Mitglieder gibt. Und: In dem Kreisverband sind Abgeordnete aus der Bezirksverordnetenversammlung, dem Abgeordnetenhaus, dem Bundestag und dem Europaparlament, man hat also die Chance, überall ein bisschen mitzumischen, je nach Interessenslage.

Es folgt die monatliche Sitzung, mit Auswertung des Wahlkampfs (im Bundestag gehört der Verband zu zwei Wahlkreisen, das eine Direktmandat wurde verteidigt, das andere nicht, obwohl in beiden Wahlkreisen die absoluten Stimmzahlen hochgingen). Es folgt ein Vortrag von Gäst*innen, die über die bedrohlicher werdenden rechtsextremen Aktivitäten im Bezirk informieren und Möglichkeiten vorstellen, diesen entgegen zu treten. Dann kommen ein paar Formalitäten und Abstimmungen und am Ende berichtet die frisch gewählte Bundestagsabgeordnete von der heutigen gemeinsamen Fraktionssitzung der neuen und alten Abgeordneten, wo sie deutlich gemacht hat, dass sie immer wieder ihre beiden großen Themen – Klima/Umweltschutz und Ostdeutschland aufs Tapet bringen wird. Bin ganz zufrieden, dass ich sie „neulich“ ins Abgeordnetenhaus gewählt habe – für den Bundestag lebe ich in einem anderen Wahlkreis. Zur Feier des Direktmandats hat sie auch noch ein veganes Catering bestellt („Ohne Mampf kein Kampf“), dem wir uns dann ausführlich widmen.

Pilz-Burger, Polentawürfel, Quesadilla, Samosa und Brownie

Inhaltlich und mit dem Essen hat die Partei an diesem ersten Abend bei mir viel richtig gemacht, aber noch fremdele ich ein wenig und werde mir das weiter in Ruhe begucken, schauen, wie die nächsten Wochen und Monate sich so entwickeln, zu weiteren Veranstaltungen gehen und dann mal schauen, ob ich dabei bleibe und mich ggf. auch ins speziellen Gruppen und Arbeitsgemeinschaften engagiere… Nach Ende der Sitzung kurz nach 10 und noch vor dem Sekt mache ich mich auf den Heimweg, die Woche geht noch anspruchsvoll weiter.

24.02.2025 – How are you doing, Germany? Ich heiße superfantastisch, ich trinke Schampus mit Lachsfisch!

Man würde ja denken, nach 21 Stunden wach und davon 14 Stunden Wahlhelferei würde ich schlafen wie ein Stein. Stattdessen bleibe ich beim ersten Aufwachen gegen 7 (also nach etwa fünfeinhalb Stunden Schlaf) direkt hellwach und gucke nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis. Immerhin noch BSW draußen. Immerhin kriegt Fritze mit seinem Mist wirklich nur 28 Prozent. Immerhin hat die AfD nicht noch mehr bekommen als prognostiziert war. Immerhin/Noch ein Glück (mit Grüßen an die Kaltmamsell).

Ich beschäftige mich also erstmal ausführlich mit der Wahl und den Ergebnissen in Stimmbezirken, die mir wichtig sind. Bruder, und ich wohnen wie erwartet linksgrünversifft, werden aber ab jetzt nicht mehr von Grün sondern von Links vertreten. Die Ellis wohnen linksgrünversifft und weiterhin grün vertreten. Der Liebste wohnt in Schwarzrotgleichaufland, mit schwarzer Vertretung. Mein Kindheitsdorf ist stramm blau, mit 51,6 % und natürlich einem blauen Abgeordneten. Die Stadt Rostock ist links, aber da noch ein Stück Umland zum Wahlkreis gehört, geht der auch an die Schlümpfe. Achja, und „mein“ Wahllokal gestern ist wirklich eine blaue Insel im linksgrünen Bezirk – das Plattenbauviertel. War gestern eine wilde Mischung aus im doppelten Sinne Alteingesessenen, von denen es im Pberg sonst nur noch wenige gibt, ein paar jungen Migrantisierten, für die es teilweise die erste Wahl in der neuen Heimat war (andere von ihnen berlinerten entspannt drauf los) und eben insgesamt eher Leuten, die vermutlich nur wenig Geld zur Verfügung haben und im weitesten Sinne sozial abgehängt sind oder sich so fühlen.

Erst nach dieser ausführlichen Analyse kommt dann das normale morgendliche Prozedere dran – Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch. Dazu gibt es mehr Eiskaffee und die Stullen, die ich mir für gestern geschmiert hatte. Mir fällt wieder ein, dass auch beim letzten Einsatz das Abendbrot ausgefallen waren und die Stullen dann mein Frühstück wurden. Ich bin total platt und bleibe einfach weiter im Bett. Gucke die neue Last Week Tonight über Meta und Alternativen und dann einfach die letzten Folgen Parenthood zu Ende. Zwischendurch weiter Wahl-Nachklapp-Neuigkeiten, ein bisschen Austausch mit Freunden und dann ein Liebstentelefonat, als der vom Erste-Hilfe-Kurs nach Hause kommt.

Gegen 17 Uhr ist dann doch noch aufstehen, denn ich habe ja tatsächlich noch was vor. Schlechtes Timing von Fitness her, aber beim Ticketkauf wusste ja auch noch keiner, dass am Tag vorher Wahl ist. Ich stärke mich mit weiteren Stullen und Mate und fahre dann von meinem neulinken Bezirk in einen anderen neulinken Bezirk – in Neukölln spielen heute Franz Ferdinand!

Erstmal gibt es jedoch einen Support Act, nämlich Master Peace, der das Publikum mit „How are you doing, Germany?“ begrüßt. Die Antwort ist sehr verhalten, wird aber im Laufe der Songs etwas besser. Master Peace kann man sich auf jeden Fall merken, die fehlende Stimmung liegt an der Gesamtsituation, nicht an der Musik.

Um 21 Uhr dann endlich Franz Ferdinand. Ich muss daran denken, wie ich sie 2005 in Toronto das erste Mal live gesehen habe, als sie mit dem zweiten Album auf Tour waren. Damals war auch gerade eine rotgrüne Regierung nach einer Vertrauensfrage abgewählt worden und die CDU übernahm mal wieder für 16 bleierne Jahre. Ein Papstwechsel fand auch statt. Aber wenigstens saßen keine Nazis im Parlament. Kann es sein, dass ich zu viel über Politik nachdenke? Das nächste Mal sah ich Franz Ferdinand 2009 in Berlin, da war die CDU gerade wiedergewählt worden und hatte jetzt die unsägliche FDP im Gepäck und ich war gerade aus Wut bei den Grünen eingetreten. Irgendwas ist mit Franz Ferdinand und mir.

Egal, jetzt erstmal Konzert genießen, wa? Das klappt dann erstaunlich gut und nach und nach kann ich den ganzen Politikkram ein bisschen abschütteln (tanzen hilft) und stattdessen lieber darüber nachdenken, dass der kapriziöse Alex Kapranos da vorne ein Fahrrad fahrender, Kartoffeln anbauender und Grüntee trinkender Anglogrieche ist, der in Paris, London und Schottland lebt, eine französische Frau hat, ein kleines anglogriechischfranzösisches Kind und einen guten Freund in Berlin namens Michael. Alles nachzuhören in seiner Folge Und was machst Du am Wochenende.

Anderthalb Stunden lang gibt es Hit um Hit und Tanz um Tanz (ein paar Videos unten, andere auch in meiner heutigen Insta-Story). Große Liebe für „Take Me Out“, für „40‘“ mit Nostalgierührung, weil ich aus dem Intro damals das Jingle für meine Radiokolumne gebastelt habe, für „Michael“ (mit dem echten Michael im Publikum), für „Darts of Pleasure“ mit der legendären Zeile „Ich heiße superfantastisch, ich trinke Schampus mit Lachsfisch“, für „Do You Want To“, das 2005 in Toronto ständig im Radio lief, für „Hooked“, bei dem Master Peace mit auf die Bühne kommt, für „Black Eyelashes“, bei dem Alex Bouzouki spielt, für das große Finale mit „This Fire“…

Dann ist es auch schon wieder vorbei und ich bin ganz schön glücklich mit dem Abend. Noch schnell ein T-Shirt kaufen, dann geht es mit U- und S-Bahn nach Hause. Dort erwartet mich noch eine schöne Postkarte aus DDR-Beständen im Briefkasten. So endet der Tag versöhnlich kurz nach Mitternacht im Bett.

Neues T-Shirt und Zilles Berliner Gören

The Dark Of The Matinee
Do You Want To
40‘
No You Girls
Michael
Take Me Out
Audacious
Darts of Pleasure
This Fire

23.02.2025 – Der längste Tag

Ungefähr von halb 2 bis halb 5 geschlafen (unruhig), dann aus Gründen geweckt worden (Katzen unschuldig) und wachgehalten worden. So kommt es, dass ich schon vor 5 Uhr, dem eigentlich geplanten Weckerklingeln, mit Internet leer lesen und Bloggen fertig bin. Von 5 bis 6 dann ausführlich Französisch und Italienisch und dann ist die normal geplante Aufstehzeit. Ich dusche, ziehe mich neutral-bunt an (mit beigem Blazer, ich habe ja jetzt sowas), packe meinen Rucksack, versorge die Katzen und gehe 6:40 aus dem Haus, wo es schon ordentlich dämmert, außer mir aber nur zwei Pflegedienste und einzelne Menschen unterwegs sind, die auch eindeutig nach Wahlhelfenden aussehen. 5 vor 7 bin ich im Wahllokal in der Grundschule im nahen Plattenbaugebiet (wir haben ein Klassenzimmer, das mit vielen Clowns dekoriert ist) und treffe auf den Rest vom Wahlvorstand – alles Freiwillige, drei Männer, sechs Frauen plus drei Frauen als Unterstützungspersonen.

Wir richten das Wahllokal ein, ich hänge Flaggen auf (nicht meine Komfortposition) und beschäftige mich mit Wählerverzeichnis und Wahlniederschrift. Pünktlich um 8 stehen die ersten Wählenden in der Tür. Bis etwa 13 Uhr gibt es immer nur kurze Pausen zum Luftholen und ab und zu auch längere Schlangen. Dann mache ich eine knappe Stunde Pause, esse draußen auf einem Spielplatz meinen Kichererbsensalat und vertrete mir ein wenig die Füße.

Aus Gründen bleibt das bis auf ein paar Toilettengänge meine einzige Pause an diesem Wahltag – insgesamt bin ich also gut 14 Stunden im Einsatz. Ab 14 Uhr wird der Andrang dann merklich weniger (Zeit für Spaß mit begleitenden Kindern und Hunden), aber wir haben trotzdem insgesamt eine wahnsinnig hohe Wahlbeteiligung, von denen die nicht briefgewählt haben, tauchen etwa 70% auf. Interessant ist, dass wenige die Briefwahl beantragt haben zu uns wählen kommen, weil die Unterlagen zu spät ankamen oder sie es sich anders überlegt haben – davon hätte ich viel mehr erwartet, gerade bei der kurzen Frist und im Vergleich zum letzten Mal. Außerdem: Sehr viele Alte Menschen, denen man beim Setzen und wieder Aufstehen auf die Kinderstühle helfen muss. Und: Der überwiegende Teil ist extrem freundlich und gut gelaunt. Nur ein paar Wenige kommen mit zur Faust geballtem Gesicht rein.

Wir können pünktlich um 18 Uhr die Wahlhandlung beenden und mit dem Auszählen beginnen. Dabei haben wir Besuch von einem Bürger, der uns beobachtet – vor der Kneipe gegenüber sind auch den ganzen Tag Leute, die schauen und unsere Unterstützungspersonen kommen mehrmals und bringen neue politische Sticker, die im Laufe des Tages draußen und auf den Schulklos geklebt wurden. Eigentlich geht das Auszählen zügig voran und ich freue mich schon über einen frühen Feierabend. Dann gibt es doch noch eine Diskrepanz (es geht um einen einzigen Stimmzettel) und wir müssen einiges nochmal zählen, und nochmal, bis wir ein stimmiges Ergebnis haben. Dann noch alles verpacken, fertig dokumentieren und das Klassenzimmer wieder in den Originalzustand versetzen (alle Clowns wieder in der richtigen Reihenfolge aufhängen z. B. und die komplizierte Tischordnung wieder herstellen.

Gehen halb 10 verabschieden wir uns und der Wahlvorsteher und ich bringen die Wahlunterlagen mit dem Auto zum Wahlstützpunkt tief in Weißensee – dort werden wir als letztes zugeordnetes Wahllokal von den Helfer*innen vor Ort erleichtert empfangen. Alles sieht gut aus, wir dürfen gehen, fahren zurück in den Pberg und ich laufe die letzten Meter nach Hause, nochmal Kopf durchpusten und Füße vertreten. Meine Vorahnungen zum Wahllokal in der Platte haben sich bestätigt – bei uns vor Ort hat die AfD klar gewonnen, vor den Linken, dann SPD, CDU und BSW gleichauf und die Grünen, der Rest unter ferner liefen. Und das in „Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost“ – so divers ist Berlin. Einen knappen Kilometer westlich von dieser Schule, wo ich wohne, sieht das ganz anders aus, eher so, wie man es in diesem Wahlbezirk normalerweise erwarten würde.

Halb 11 sind die Katzen gefüttert und ich liege auf der Couch, beantworte die Nachrichten des Tages, lese den Wahlabend nach und schaue mir in der Mediathek die Elefantenrunde an. Noch bevor klar ist, dass das BSW wirklich raus ist, also wieder etwa gegen halb 2, liege ich im Bett und mache die Augen zu.

22.02.2025 – Die Ruhe vor dem Sturm

Das erste Mal wache ich kurz vor halb 5 auf, dann lese ich ein bisschen, mache ein paar Kreuzworträtsel und schlafe tatsächlich irgendwann nochmal ein, bis der Liebste gegen 9 aufsteht und uns Kaffee macht. Gemütliches im Bett rumschlumpern, aber irgendwann wird die Morgenroutine vom Teilzeitkind unterbrochen, das jetzt auf meinem Handy spielen will. Da heute sonst dafür nicht viel Zeit bleibt, gebe ich nach. Als ich mein Telefon wieder habe, kann ich gerade noch ein paar Blogposts lesen, dann ist auch schon Frühstückszeit.

Nach dem Essen packe ich direkt meinen Kram zusammen, verabschiede mich und mache mich auf den Heimweg. In der S-Bahn blogge ich dann endlich. Zurück im Pberg noch schnell in den Supermarkt – Proviant für morgen kaufen: Eiskaffee, Eistee, Schokolade, Nüsse und Brot für Stullen, außerdem Obst für die nächsten Tage, bis die nächste Crowdfarming-Kiste kommt.

Zuhause dann Katzen begrüßen und Französisch und Italienisch machen und ein bisschen Spielen. Danach ist es Zeit, die Schulungsunterlagen für den Wahlvorstand nochmal in aller Ruhe durchzugehen. Als das geschehen ist, ist schon später Nachmittag. Ich esse den letzten Rest Risotto und mache für morgen Kichererbsensalat und Stullen zurecht.

Dann noch ein bisschen Internet und Parenthood, erst auf der Couch und später in der Badewanne, zum Müdewerden. Gegen 21 Uhr liege ich im Bett, kurz vor halb 10 telefoniere ich ein letztes Mal mit dem Liebsten, dann will ich eigentlich schlafen, weil der Wecker morgen um 5 klingeln wird. „Will“ und „eigentlich“ sind dabei natürlich die Schlüsselwörter… Dass Fritze Merz heute nochmal verbalen Brechdurchfall hatte, trägt schon mal nicht zu einem rechtzeitigen Nachbeginn bei, die Aufregung vor der morgendlichen Aufgabe tut ein Übriges. Vor Mitternacht wird es jedenfalls dann nichts.

21.02.2025 – Streikschritte

Solidarity costs“ sagt der Liebste und heute kostet uns die ganz schön. Trotzdem sind wir natürlich solidarisch mit den Streikenden bei der BVG und beschweren uns nur ganz leise, weil wir heute sehr viel Zeit, Schritte und im Fall des Liebsten auch noch Taxigeld aufbringen müssen, um unseren freitäglichen Verpflichtungen nachzugehen. Proletarier*innen aller Länder und so.

Erstmal aber beginnt der Tag ganz normal, mit einer churchilligen Session im Bett. Internet leer lesen, bloggen, mit dem Liebsten telefonieren, Französisch leveln, Italienisch üben, Rätseln… Dann stehe ich auf, mache mir Marmeladen- und Pistaziencremestullen und Orange und setze mich an den Schreibtisch.

Bürokratiekram, Korrespondenz, Recher he und zwei Online-Kurse stehen an. Dann gibt es nochmal Krabbenrisotto, noch ein Liebstentelefonat und dann eins mit der Freundin in Frankreich, bevor es Zeit für mi h ist, den Streik zu unterstützen. Statt wie sonst mit Tram und U-Bahn zu den Ellis zu fahren (dauert eine gute halbe Stunde), fahre ich heute mit S-Bahnen und laufe dann noch ein ganzes Stück – Gesamtdauer knappe Stunde. Dort gibt es Tee, Kuchen und Besuch von meinem Leipziger Cousin und einem seiner Kinder. Es gibt wie immer viel zu erzählen – über Kunst, die Sorb*innen, die Arktis, Klimaforschung und natürlich Politik. Das 8-jährige Kind kennt sich schon ziemlich gut aus, fragt interessiert nach, weiß dass die AfD Nazis sind und der Merz „so ein Kanzler“ und dass „Indianer“-Kostüme rassistisch sind. Gutes Elternhaus. Schade, dass das Teilzeitkind heute Verpflichtungen hat, die beiden mögen sich trotz Altersunterschied sehr gern.

Nach guten zwei Stunden muss ich wieder los, laufe die sonstige Busstrecke (ca. 25 Minuten) bis zur S-Bahn und fahre dann nach Südberlin. Ich treffe den Liebsten und das Teilzeitkind am Bahnhof, die von einer Odyssee von drei S-Bahnen statt einem Bus zurück kommen und dann kehren wir beim Stammitaliener ein. Es gibt Sarti Spritz, Caponata, Bruschetta, Carpaccio und Focaccia und dann für mich Doradenfilet mit Spaghetti und Pesto, dazu Cattaratto und hinterher Limoncello.

Leicht angeheitert geht es dann nach Hause auf die Couch. Wir schauen noch ein paar lustige Videos, dann geht das Teilzeitkind ins Bett und bald danach auch wir. Um Mitternacht ist das Licht schon aus.

20.02.2025 – Sleepyhead

Ich wache völlig ungewohnt gegen halb 7 auf, das ist eindeutig zu wenig Schlaf aber jetzt gibt es erstmal keinen mehr, sagt mein Kopf. Beginnt der Morgen also früher mit allem, was morgens so dazugehört. Bin dann also auch deutlich früher fertig und mache mir in aller Ruhe einen Smoothie zum Frühstück – Rest Banane, TK-Wildheidelbeeren, Rest Kokoswasser, bisschen Joghurt, bisschen Quittensaft. Schmeckt gut und reicht für zwei große Gläser.

Gestärkter als letzten Donnerstag gehe ich dann los und durchs kalte Draußen und die S-Bahn bis zum Fitnessstudio. Kurz vor 11 bin ich im Wasser und dann gibt es 45 Minuten intensive angeleitete Zappelei mit nur wenig Armschmerzen dabei – yay! Anders als letzte Woche fühle ich mich allerdings dabei in eine Seniorengruppe versetzt. Der Trainer ist ein anderer und bei den Teilnehmenden entdecke ich (mit der Lupe) noch zwei, maximal drei andere unter 50. Der Rest scheint größtenteils über 60 wenn nicht über 70 zu sein. Na wenigstens kann ich so gut mithalten. Hinterher schwimme ich noch ein paar Bahnen, bin aber eigentlich schon rechtschaffen kaputt. Also weiter zum Erholungsprogramm.

Dampfbad, Dusche, Ruheraum, Bio-Sauna, Dusche, Ruheraum, Finnische Sauna, Dusche, Ruheraum. Im Ruheraum lese ich jeweils ein Kapitel eines nächsten Buches – von den Ellis in Vorbereitung auf eine anstehende Reise geliehen bekommen: Thomas King – Indians on Vacation. In der Bio-Sauna und beim zweiten Kapitel ratze ich jeweils ein bisschen weg, der Nachtschlaf fehlt. So ist es dann am Ende auch schon wieder 14:30, als ich das Studio verlasse und mich auf den Heimweg mache. Diesmal ohne Hiobsbotschaften, als ich das Handy aus dem Flugmodus hole. Kurzer Einkauf auf dem Heimweg, dann gibt es zuhause erstmal einen kleinen Snack – ein letztes Hot-Dog-Brötchen mit drei zugekauften Bio-Mini-Wienern, Senf, Ketchup und Röstzwiebeln.

Danach bin ich schon wieder so müde, dass ich erstmal anderthalb Stunden komatös auf dem Sofa einschlafe. Hmmm. Seit 1-2 Tagen melden sich Nase und Nebenhöhlen, heute Morgen gab es leichtes Halskratzen, jetzt diese Schlaferei… Hoffentlich brüte ich nichts aus, ich hätte da jetzt so gar keine Zeit für, der Terminkalender ist gut gefüllt.

Ich telefoniere mit dem Liebsten, gucke ein bisschen durchs Internet und dann ist es auch schon 19 Uhr und Zeit für ein Online-Podiumsgespräch mit Robert Habeck und Franziska Brantner, wo sie vor einem europäischen Publikum (es wird in sechs Sprachen gedolmetscht) zu aktuellen Entwicklungen Stellung nehmen und grüne Visionen präsentieren.

Etwa bei der Hälfte nehme ich hungrig den Laptop mit in die Küche und beginne zu kochen. Es wird ein Risotto mit Zucchini aus der Crowdfarming-Kiste und Krabben (und Safran, Dill, Knoblauch, Basilikum, Gemüsebrühe, Basilikum, Olivenöl, Salz, Pfeffer, Ricotta salata). Statt Weißwein nehme ich Apfelessig, ein bisschen zu viel, ansonsten sehr lecker alles).

Zum Essen schaue ich eine Folge Parenthood (hallo, letzte Staffel!) und dann ist es auch schon Zeit für die Schlussrunde mit allen acht im Bundestag vertretenen Parteien – Spitzenkandidat*in oder Generalsekretär. Statt Habeck ist Baerbock da; Reichinnek ist immer noch krank, also wieder van Aken, statt Merz und Scholz gibt es Linnemann und Miersch, dazu dann Wagenknecht, Lindner, Dobrindt und Weidel. Immerhin mal drei von acht Frauen. Aber hui, acht Leute plus zwei Moderator*innen ist viel zu viel und zu anstrengend, vor allem weil natürlich viel durch- und übereinander geredet wird. Interessant ist, wie links sich SPD und Grüne bei einigen Themen positionieren, wie Baerbock Lindner inzwischen eigentlich siezt, sich aber zwischendurch noch zu einem Du überwindet (für ein sehr gutes Zitat: „Du warst so damit beschäftigt, die Regierung zu sprengen, dass Du gar nicht mehr mitbekommen hast, dass wir noch Politik gemacht haben.“) und wie furchtbar stammtischig Dobrindt ist (und dass feministische Außenpolitik wohl immer noch nicht gut genug erklärt wurde, schon von Heiko Maas damals nicht).

Anstrengend ist das alles und ich bin ganz froh, als es vorbei ist und ich schon wieder hundemüde ins Bett verschwinden kann. Ein Kapitel noch und dann ist wieder Schlafenszeit.

19.02.2025 – Brrrrr, kalt

Grad ist so richtig Winter, das hat ja fast schon was beruhigendes in diesen Zeiten. Gut, dass unter meinem Laken im Winter eine Heizdecke liegt, mit der ich morgens und abends erstmal das Bett warm kriege, um es einschlafgemütlich oder aufstehangenehm zu haben. Aufwachen war gegen 8, ganz ohne äußere Einflüsse, dann liege ich im Warmwerdenden, trinke eiskalte Mate vom Balkon und begucke mir die Welt durch mein Telefon. All die üblichen morgendlichen Dinge kommen dran, danach noch ein Online-Kurs und bis ich dann aufstehe ist es gegen 11. Erstmal Porridge mit Blaubeeren, Zimt und Ahornsirup.

Dazu höre ich weiter im Harari, was interessant, aber ganz schön komplex ist und dann relativ monoton gelesen – die Gedanken schweifen immer wieder ab. Nach dem Essen räume ich lauter Sachen hin und her und um und dann geht es für den zweiten Start in den Tag unter die Dusche und frisch duftend und motiviert an den Schreibtisch, jetzt ohne Hörbuch. Dafür ein paar Dinge hin und her tippen und klicken und dann mache ich einen weiteren Online-Kurs. Kurz nach 16 Uhr dann Aufbruch, noch kein Zeichen von Dämmerung in Sicht aber es wird schon wieder kühler, fürchte ich.

Mit Tram und U-Bahn fahre ich Richtung Ellis, stelle einen Stapel Bücher in der dortigen Bücherzelle ab und kehre dann zu Tee und Kuchen in den Schoß der Familie ein. Letzte Geburtstagsgeschenkübergabe, ein wenig Organisatorisches, viel Gespräch und davon natürlich wieder viel Politik. Gegen Trump und Putin aktuell wirkt die deutsche Wahl schon wieder wie ein harmloses Wohlfühlthema und das will ja was heißen.

Nach knapp zwei Stunden muss ich wieder los und fahre mit der U-Bahn direkt bis in den Pberg, zur Physiotherapie. Die Therapeutin hat heute Geburtstag und ist besonders gut gelaunt. Es folgt eine lange Session auf der Liege mit viel politischer Diskussion, natürlich. Krieg und Frieden vor allem und wie die verschiedenen Parteien dazu stehen und das Phänomen Sahra Wagenknecht als Ganzes. Sehr spannend, wir sollten alle mit viel mehr Leuten über Politik reden. Nach der Diskussion dann nochmal 20 Minuten Wärmeliege und dann geht’s wieder hinaus in die inzwischen dunkle Kälte.

Kurz nach halb 10 bin ich zuhause und mache mir erstmal schnell einen warmen Tee und einen dick belegten Bagel – Butter, Salat, Prosciutto crudo, Ricotta salata – und dazu Radieschen und Apfel. Damit geht es auf die Couch, gucken, was ich im Internet verpasst habe und ein bisschen TikTok-Berieselung. Gegen Mitternacht fallen mir die Augen zu und ich wechsle auf die Heizdecke im Bett.

18.02.2025 – Heute kaum Politik

Zur morgendlichen Bettlektüre mache ich mir heute recht zeitnah einen Kaffee mit (Mandel-)Milch und Kakao und dann fühle ich mich wieder sehr churchillig, wie ich so die erste Tageshälfte liegend residiere, die Geschehnisse der Welt verfolge, mein Gestern aufschreibe, mit den Liebsten telefoniere, Französisch lerne und Italienisch lerne. Ich sinniere auch darüber, wie sich meine Stimme in diesen Sprachen verändert. Auf Englisch rede ich glaube ich ähnlich wie im Deutschen, vielleicht etwas schnodderiger in Aussprache und Wortwahl, das macht der große popkulturelle Einfluss. Auf Französisch klinge ich glaube ich sehr gewählt, weil ich so aufpassen muss, bei der Aussprache keine Fehler zu machen und dabei dann absolut nicht frei – wirkliches Reden auf Französisch habe ich seit der Uni nicht mehr gemacht und auch da immer mit der inneren Lehrerin im Hinterkopf. Auf Italienisch kann ich loslabern, mache dabei auch Fehler, die mir aber Wurscht sind, solange ich die Aussprache für richtig halte, die aber für meinen Sprechapparat leichter ist als beim Französischen. Dafür wird meine Stimme automatisch etwas höher und vor allem rauher, diese spezielle italienische Reibeisigkeit stellt sich ein, die neben Gianna Nannini auch eine ehemalige Kollegin und mein ehemaliger Mitbewohner haben (und noch viele andere mehr).

Weiter geht der Tag dann am Schreibtisch, mit quasi italienischem Frühstück – Obst und Kekse. Ich erledige ein paar Dinge am Laptop und habe dann ab 12 ein Webinar. Danach ist dann Zeit für Erledigungen in der Kohlenstoffwelt. Dabei fange ich ein neues Hörbuch an, das mir in der letzten Woche erst von meiner Physiotherapeutin und dann von Robert Habeck (bei „Alles gesagt“) empfohlen wurde. Wenn die zwei sich einig sind, wer bin ich zu widersprechen? Ich durchsiebe das Katzenklo, räume den Geschirrspüler aus, wasche ab und bringe Müll weg. Dann ist es Zeit für eine Runde durch den Kiez. Inzwischen sind die Temperaturen Richtung Gefrierpunkt geklettert, die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, die Wege sind größtenteils geräumt und am Rand glitzert der Schnee – schön.

Ich spaziere erst zu dem Wahllokal in dem ich Sonntag helfen werde und inspiziere die Gegend. Trotz Plattenbauviertel gibt es vor allem Wahlplakate von der SPD auf dem Weg, nur kurz vor dem Lokal hängt die Linke, das muss vielleicht am Wahltag weg, weil zu nah dran. Ansonsten gibt es ein Stück weiter weg dann auch die Grünen und erst ziemlich weit weg an der großen Straße auch CDU und BSW. Mal gucken, ob sich das in der Auszählung so widerspiegelt.

Die nächste Station ist der italienische Supermarkt (Ich bleibe im Thema), wo ich ein paar Vorräte wieder auffülle – Pasta, Olivenöl (zwei Sorten, ein günstigeres zum Braten und ein teureres für kalte Gerichte), Kakao, Bottarga, Ricotta salata, außerdem noch Crudo und Panna de cucina. Damit geht es dann wieder nach Hause. Ein kurzer Schnack mit der Mitbewohnerin, Einkäufe auspacken und dann erstmal spätes Mittagessen mit Stullen und dem Rest Salat von gestern.

Danach Papierkram, bis es Zeit für das nächste Webinar ist. Gegen 19 Uhr beschließe ich Feierabend, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und lese dann den Mike Gayle zu Ende. Kurz nach 9 habe ich genug Hunger fürs Abendbrot und mache mit den Rest Pasta alla Norma von gestern warm, heute dann komplett mit Ricotta salata.

Der Rest des Abends vergeht unter Chats mit Freund*innen und den letzten Folgen der vorletzten Staffel Parenthood. Bettzeit dadurch dann erst so halb 2.