10.01.2025 – Nass und kalt und kurz

Kurz nach 9 aufgewacht, immerhin. Nach der zweiten echt kurzen Nacht bemerke ich langsam die Folgen – mit mir ist heute nicht viel los. Zum Glück habe ich auch nicht viel im Kalender stehen. Zum Frühstück mache ich mir Tee mit (Erbsen-)Milch, frisch gepressten Orangen- und Mandarinensaft und Banane mit Granatapfel – alles Resteverwertung.

Der geplante Besuch der neuen Mitbewohnerin verzögert sich aus guten Gründen, so dass ich noch ein bisschen raus in den Schnee gucken und außerdem herumräumen kann. Als sie ankommt, gibt es erstmal Tee und Updates. Dann gehen wir gemeinsam raus ins Schneegestöber und drucken den finalen Untermietvertrag aus. Wieder zuhause nasse Klamotten aufhängen, mehr Tee, Vertrag unterschreiben und dann ein bisschen Orga und Logistik. Dann verabschiedet sich die Mitbewohnerin wieder, jetzt mit eigenem Schlüssel in der Hand, und ich esse ein spätes Mittagessen – Restenudeln von gestern.

Dann ein bisschen Onlinekurs-Hausaufgaben, komatösen Nachmittagsschlaf, Abendessen (der letzte Rest Nudeln mit der letzten Crowdfarming-Avocado) und dann ist endgültig Schicht im Schacht. Den Rest des Abends verbringe ich mit weihnachtlichem Süßkram und erst zwei Folgen A Man On The Inside und dann ein paar Folgen Parenthood auf der Couch. Aktivität und kluge Gedanken dann morgen wieder.

09.01.2025 – Ein sehr langer Tag

Ich wache kurz nach 5 auf und schlafe dann auch nicht mehr ein, zum Glück klingelt der Wecker schon halb 7 und dann steht der Liebste auf und bringt Kaffee ans Bett. Wir beobachten die Weltlage durch unsere Endgeräte und überwachen nebenbei, wie und dass das Teilzeitkind sich rechtzeitig für die Schule fertig macht. Halb 8 verlässt es das Haus, der Liebste verabschiedet es noch gebührend und kommt dann mit O-Saft zurück ins Bett. Um 8 muss er dann selbst anfangen zu arbeiten. Ich erledige meinen morgendlichen Online-Kram, bis er das erste Mal telefoniert und wechsle dann ins Wohnzimmer.

Erstes Frühstück mit Mandarine und Dubai-Schokolade, dazu Französisch und Italienisch. Dann macht der Liebste Frühstückspause und uns Spiegelei mit Würstchen. Nach dem Essen beschäftige ich mich mit Online-Kursen.

Gegen Mittag dann mache ich mich bereit für den Rest des Tages und verlasse dann Südberlin wieder. Erstmal geht es ans Ostkreuz. Werktäglich tagsüber ins Fitnessstudio zu gehen ist total gut, sogar Anfang Januar ist es angenehm leer. Ich schwimme zwei Bahnen – ohne den linken Arm, was es anstrengender macht – und mache dann diverse Übungen im Wasser, auch für den Arm und mit diesen Schaumstoff-Hanteln. In einen Kurs traue ich mich noch nicht wieder, ich könnte zu viel nicht mitmachen und bekäme komische Reaktionen.

Nach der Gymnastik geht ins Dampfbad, das heute erstaunlich heiß ist, ich sitze aber auch direkt neben dem Ofen. Danach Ruheraum und weiter lesen. Es folgen die Bio-Sauna, wieder lesen, finnische Sauna, wieder lesen. Bei jeder Ruhephase schaffe ich mehrere Kapitel.

Dann Duschen, Eincremen, Föhnen, Anziehen und raus. Im Friedrichshain prasselt der Regen hinunter. Ich fahre mit der S-Bahn zurück nach Prenzlauer Berg. Hier oben ist es kälter, Statt Regen gibt es Schnee. Viel davon. Ich laufe etwa sieben Minuten nach Hause und danach sind Mütze, Haare, Jacke und Tasche weiß.

Zuhause raus aus den nassen Klamotten, Katzen füttern und dann gibt es Stollen und heißen Quittensaft mit Zimt. Der Schnee hat mich in gelöste Winterstimmung versetzt und evtl habe ich einen „Let it Snow“-Ohrwurm. Ab 17 Uhr geht es nochmal für die Bildung an den Schreibtisch, aber nach einer Stunde ist im Kopf dann Sense. Bin ja auch schon über zwölf Stunden wach. Ich verziehe mich aufs Sofa und lasse mich von TikTok berieseln. Dort sprechen Drew Barrymore und Lisa Kudrow über den Film „Romy und Michele“ und dann gucke ich den eben direkt. Überraschend witzig!

Zum Abendbrot versuche ich, die zu scharfen Nudeln von gestern zu retten. Ich verlängere sie mit einer Dose Baked Beans, etwas Erbsenmilch, Parmesan und Zitronensaft. Immer noch scharf, aber jetzt durchaus essbar, etwa so, wie ein mittelscharfes Thai-Curry. Es bleiben natürlich noch Reste für morgen.

Zum und nach dem Essen gucke ich „Wendy and Lucy“ – einen sehr beeindruckenden Art-House-Film mit Michelle Williams. Und weil es vom Namen her so gut passen würde, überlege ich danach, direkt auch noch (mal wieder) „Thelma and Louise“ zu gucken, verschiebe das aber mit Blick auf die Uhr. Es ist schon halb 11, jetzt nichts langes mehr.

Zwischendurch habe ich übrigens mit einem Auge auch aktuelle Geschehnisse verfolgt. Die großartige Annika Brockschmidt hat auf Bluesky über den unsäglichen Talk von Elon Mask und Alice Weidel berichtet. Los Angeles brennt weiter ab. Jimmy Carter erhält ein Staatsbegräbnis. Ich will ja keinen Film mehr angucken, also schaue ich das jetzt in Teilen auf YouTube nach. Auch mal wieder einen großartigen Stand-up-Auftritt von Josh Johnson zu Elon Musk, der vielleicht mit erklärt, warum Musk gerade so massiv den Nazi gibt.

Beim Carter-Begräbnis dann viele interessante Begegnungen zwischen aktuellen und ehemaligen (Vize-)Präsident*innen und -kandidat*innen. Großartige Reden, teilweise von den Söhnen derjenigen, die sie geschrieben haben und schon lange selber tot sind. Schöne Musik. Und das Gefühl, dass hier nicht nur Jimmy Carter zu Grabe getragen wird, sondern auch die politische Kultur Amerikas. Viele viele Seitenblicke der Sprecher*innen nach ganz rechts, wo The Donald in der zweiten Reihe sitzt, wenn es um die Grundsätze von Carters Präsidentschaft geht – die Wahrheit sagen, Gesetze befolgen, den Frieden wahren.

Und dann ist es irgendwie plötzlich schon 3 und ich sollte jetzt wirklich mal schlafen gehen…

08.01.2025 – Con calma

Mit Ruhe, bzw. ganz langsam. Italienisch ist das. Ab und an kommen sie hoch, die Phrasen von damals, die bei Babbel eher nicht vorkommen (Da geht es hingegen gerade um die Berliner Babbel-Band und ihre Auftritte – Siete pronto per un po‘ di Rock‘n‘Roll?). Ganz mit Ruhe beginnt der Tag sowieso nicht, ich werde vom Wecker aus dem Schlaf gerissen, obwohl ich doch so früh im Bett war. Aber auch heute ist wieder viel zu tun. Nur der Termin, den ich eigentlich um 9 gehabt hätte, der verschiebt sich blöderweise nach hinten.

Ich nutze die Zeit und Gelegenheit und mache mir einen Chai from scratch. So richtig mit Tee und Gewürze (Zimt, Nelken, Kardamom, Ingwer, Kurkuma) ewig köcheln lassen, dann (Erbsen-)Milch dazu, ganz am Ende Zucker, weil der so stark gezogene Tee dann doch ganz schön bitter ist. Es riecht in der Küche wie früher, als der pakistanische Mitbewohner noch hier wohnte. Dazu gibt es Porridge mit Blaubeeren – Tiefkühl-Wildblaubeeren aus Kanada, im deutschen Supermarkt gekauft. Scheinen aber echt zu sein, schön beim Aufreißen der Tüte riecht es verführerisch und es färbt auch ordentlich auf der Küchentheke.

Ich esse und sitze dann noch eine Weile auf dem Sofa, lasse mir den Rücken von Massagekissen wärmen und kümmere mich um Duolingo und Babbel, während die Katzen sich draußen an der Januarsonne erfreuen. Diese Momente festhalten und verbreiten, gegen das allgegenwärtige Gefühl des grauen Berliner Winters, der nie endet. Alles eine Frage der Wahrnehmung. Überhaupt muss man sich dieser Tage vieler schöner Dinge bewusst werden, sonst versinkt man.

Die Ringelblumen blühen seit Anfang Dezember tapfer durch.

Wie ich da so sitze, ruft ein Freund an und wir telefonieren bestimmt eine halbe Stunde. Danach beschäftige ich mich mit ein wenig Räumerei, dem Abwasch und dem Müll, bevor um 12 ein Webinar beginnt. Eine Stunde lang geht es um menschenbasierte vs. leistungsbasierte Unternehmenskultur. Spannende Ansätze und eine gute Diskussion. Danach mache ich mir zum Mittagessen einen Bagel mit Crowdfarming-Avocado, Wildlachs und Reste-Salat. Noosa ist interessiert.

Dann kommt die neue Mitbewohnerin in spe vorbei und wir besprechen ein paar Dinge. Nach den Erlebnissen der letzten Wochen nenne ich sie erst uneingeschränkt Mitbewohnerin, wenn sie wirklich eingezogen ist und dann auch nicht gleich wieder das Land verlassen muss. Ich bin aber ganz optimistisch, dass das klappt.

Als sie wieder weg ist, absolviere ich nochmal eine gute Stunde Online-Kurs, bevor ich meine Sachen packe und mich auf den Weg nach Südberlin mache. Dort erwarten mich bereits der Liebste und das Teilzeitkind. Kurze Planungsrunde, dann gehen das Kindelein und ich einkaufen (ich) und Pfand wegbringen (es). Mit dem Pfandgeld, das das Kind behalten darf, beteiligt es sich anteilig an einer Tafel Dubai-Schokolade, die wir uns teilen wollen – allerdings bezahle ich immer noch den Löwenanteil, so viel Pfand war gar nicht da.

Wieder zuhause schmücken wir zu dritt den Weihnachtsbaum ab und bugsieren ihn an den Straßenrand, übermorgen wird abgeholt und morgen Abend ist keine Zeit. Immerhin soll es nicht mehr so windig werden, gestern Abend auf dem Heimweg von der Physiotherapie wurde ich mehrfach von marodierenden Weihnachtsbäumen überfallen, die sich mir in den Weg warfen.

Ich koche Nudeln mit einer Gewürz-Fertigmischung, die der Liebste sich aus dem Italien-Urlaub mitgebracht hat, und getrockneten Tomaten. Weil ich der Anweisung auf der Packung nicht vertraue, schütte ich deutlich mehr Gewürze in die Pfanne als angegeben, nicht bedenkend, dass eines der Gewürze Peperoncino ist. Im Ergebnis ist das Ganze so scharf, dass der Liebste nur eine Gabel voll schafft, das Teilzeitkind zwei und ich einen halben Teller voll. Zum Glück hat der Liebste noch einen Salat gemacht und wir haben Brot.

Nach der Hälfte brennt alles und ich gebe auf
Besser

Nach dem Essen teilen das Kind und ich uns die Hälfte der Dubai-Schokolade und wir hängen noch zu dritt auf dem Sofa herum, bis das Kind Bettgehzeit hat.

Danach schauen der Liebste und ich noch drei Folgen What We Do In The Shadows und dann geht auch für uns der Tag zu Ende.

07.01.2025 – Tief einatmen

Obwohl ich das Handy heute Nacht extra komplett lautlos gestellt habe, um nicht um 9 von Erinnerungen geweckt zu werden, wache ich schon kurz vor 9 auf, als zwei nicht näher benannte Katzen mich daran erinnern, dass sie auch noch da sind und bekuschelt werden wollen. Das passt mir so gar nicht, denn gestern Abend wurde es richtig spät und ich bin wirklich noch müde. Aber wat mutt dat mutt. Ich erledige die morgendlichen Dinge und mache mir dann zum Frühstück ein Porridge mit viel Trockenfrüchten (Feigen, Cranberries, Rosinen) und Nüssen.

Einen Großteil des Tages verbringe ich dann am Schreibtisch und lerne Dinge. Dabei probiere ich unter anderem viel spielerisch mit ChatGPT herum und wende verschiedene Anwendungsbeispiele auf Text aus diesem Blog an. Besonders viel Spaß habe ich aber am Generieren eines Bildes, das ich der werten Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Direkt Fernweh, Meeressehnsucht, Reiselust.

„Hier ist die Katze an der Amalfi-Küste, die Pasta mit Muscheln und Zitronen genießt, im Stil von Franz Marc. Ist das Bild so, wie du es dir vorgestellt hast?“

Außer auf dem Bild heute kein Mittagessen, das Porridge kam spät und sättigt noch. Nach dem Zuklappen des Laptops geht es dann durch die Dämmerung und einsetzenden Regen zur Physiotherapie. Die Therapeutin und ich haben uns viel zu erzählen, während sie Arm und Schulter bearbeitet. Es geht natürlich mal wieder um die politische Lage, im Globalen und im Lokalen, und wie man damit umgehen kann und sollte, mit der Lage im Allgemeinen und im Speziellen dann mit den Menschen, die anderer Meinung sind. Am Ende liege ich noch 20 Minuten auf der Wärmeliege und nutze die Zeit zum Meditieren und Veratmen.

Auf dem Heimweg regnet es mehr und es gesellen sich wieder Schneeflocken dazu. Ich höre Radio und bin neben allem Ärgernis über die politischen Entwicklungen positiv überrascht darüber, wie beim Stammsender über die aktuellen Nachrichten von Zuckerberg, Musk und AfD berichtet wird – nüchtern die Fakten nennend, nicht offen parteiisch aber mit klarer, durchscheinender Haltung. Es läuft u. a. ein O-Ton von einem brandenburgischen AfD-Menschen, der sich darüber beschwert, dass seine Partei im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht stattfinden darf, was dann launig nochmal damit eingeordnet wird, dass der O-Ton eben im öffentlich-rechtlichen Rundfunk lief. Außerdem ein Interview mit Markus Beckedahl und dann ein Song von Peter Fox mit der Zeile „Elon Musk, fick Dein Marsprojekt“.

Es ist aber grad echt auch alles furchtbar. Entgegen aller progressiven Trends und wissenschaftlicher Erkenntnisse fordern Menschen unbezahlte Krankheitstage und wegrationalisierte Feiertage, wozu sich dann Politiker*innen äußern und das zu Themen machen. Fritze Merz fordert die verfassungsfeindliche Entziehung von Staatsbürgerschaften, gegen die wir vor einem Jahr alle entsetzt auf die Straße gegangen sind. Mark Zuckerberg will Infos zu Migration und „Gender“ nicht mehr faktenchecken lassen, weil sich die „öffentliche Meinung“ dazu in eine andere Richtung entwickelt habe und mehr X wagen. Die Welt dreht sich an allen Enden nach Rechts und Zurück und dabei soll man jetzt den Kopf obenhalten und aufs Miteinander pochen und das Atmen nicht vergessen.

Ich denke darüber nach, wie schwer es wäre, Meta den Rücken zu kehren. Auf Facebook hält mich vor allem der Fakt, dass ich dort sporadischen, mitlesenden Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern habe, meist der älteren Generation. Threads verlassen ginge ohne große Verluste. Ob es wieder eine große Welle von Menschen gibt, die sich andere Messenger als WhatsApp zulegen? Ich habe ja auch alle anderen, aber viele haben nur WhatsApp und wollen nur WhatsApp… Und dann ist da Instagram, das auch irgendwie total in die Infrastruktur von allem integriert ist. Vor allem, wenn in den USA TikTok wirklich verboten werden sollte, ist das der Kanal, den US-Creators dann vor allem nutzen werden. Vielleicht nach und nach noch mehr auf Substack rumhängen, wie Lukas Heinser heute in seiner Insta Story vorschlägt. Und natürlich auf Mastodon, wie immer.

Wieder zuhause telefoniere ich zum wiederholten Male heute mit dem Liebsten und mache mir nebenbei Abendbrot. Es gibt zwei Hot Dogs mit vegetarischen Würstchen (Hunger!!) und dazu Möhrensalat mit Zitrone, Olivenöl und eingelegter Kurkuma.

Dazu und danach schaue ich endlich Olaf Jagger, den es gerade in der ZDF-Mediathek gibt. Wirklich großes Kino zwischen Aberwitzigem und echten Informationen über DDR-Geschichte. Außerdem erfahre ich erst jetzt, dass es in Bautzen ein Rolling-Stones-Museum gibt, warum?! Schmunzeln muss ich über „Die Stones und die Sorben“ und laut lachen über „Das ist dem Jagger sein Bäcker“. Einen heftigen Cringe-Moment gibt es beim Auftritt von Flake. Die Dreharbeiten fanden wohl vor dem Rammstein-Skandal statt (hoffe ich?), trotzdem ist es ein bisschen eklig, wie er die Stones dafür bewundert, dass bei ihnen die Frauen für Sex angestanden haben. Dazu aber auch wieder die neue Erkenntnis, dass Feeling B wahrscheinlich wirklich gemeinsame Auftritte mit DEKADance hatte und dass Olaf Schubert also tatsächlich jemanden kennt, der ihm ziemlich sicher den Kontakt zu Mick Jagger besorgen könnte. Wie klein die Welt ist. Der Olaf, den ich in den 90ern abgefeiert habe und der heute berühmter Mainstream ist, ist nur wenige Ecken vom Superstardom entfernt. (Wahrscheinlich erklärt auch Flakes Auftritt hier Olafs Auftritt im Flake-Video?)

Nach dem Film geht es in die Badewanne und dann früh ins Bett, weiter lesen und dann ganz dringend Schlaf nachholen.

06.01.2025 – Wandel allüberall

Ich habe das Handy nicht ausreichend lautlos gestellt und werde so um 9 geweckt, als die ganzen Erinnerungen für Dinge kommen, die im Laufe des Tages zu erledigen sind. Noch ganz schön müde mache ich mich auf den Weg in die morgendliche Routine. Fertig werde ich damit allerdings nicht, denn um 11 muss ich schon aufstehen – Termine, Termine. Es gibt ein italienisches Frühstück: Kaffee, Kekse und Obst und dann bin ich halb 12 aus dem Haus und latsche durch 12 Grad warmes Wetter, der Schnee von gestern ist natürlich komplett weg und mir reicht eine Übergangsjacke. Mein Weg führt mich zu einem Optikertermin.

Ich bin – eigentlich – Brillenträgerin, seit ich ein halbes Jahr alt war. Irgendwann pendelten sich meine Werte auf einem sehr stabilen Niveau ein, das so nah an Normalnull war, dass ich die Brille immer öfter weg ließ – auch aus kosmetischen Gründen – mir aber auch keine Kontaktlinsen machen ließ. Meine allerletzte Brille habe ich mir dann 2008 geholt. Auf den Bewerbungsfotos aus dieser Zeit ist sie noch drauf und auch 2010 trug ich sie laut meinen Fotos noch regelmäßiger. Bald danach hörte das aber auf. In den letzten Jahren hatte ich immer wieder das Gefühl, dass sich die Werte langsam ändern und so nahm ich mir eher halbherzig vor, das Thema nochmal anzugehen. Der Augenarzttermin vor ein paar Monaten war in der Hinsicht unbefriedigend, weil die Werte dort nur „ungefähr“ gemessen wurden und ich an einen Optiker verwiesen wurde, wo man das „genauer“ machen würde. Kopfschütteln.

Jedenfalls ist es heute soweit und ich trete zum Sehtest an. Mein Gefühl trügt mich nicht – ich habe die alten Werte zwar nicht mehr exakt im Kopf, aber sie haben sich rechts ein wenig und links deutlicher verschlechtert. Ich hätte ja bereits vor einer Weile wieder angefangen, meine 2008er Brille zu tragen, aber die ist sowas von außer Mode, das kann ich nicht verantworten. Aber einer neuen bin ich nicht abgeneigt und so verbringe ich die nächsten bestimmt 20 Minuten damit, die vorhandenen Modelle zu scannen, Möglichkeiten einzugrenzen und mich durch das Sortiment zu probieren. Ergebnisoffen übrigens, die Brille soll ja langfristig gefallen, da darf sie auch was kosten. Und obwohl ich mir Mühe gebe und auch die teuersten Marken anprobiere, lande ich am Ende bei einem Modell aus dem günstigsten Preissegment. Das ist dann, mit allen technischen Schikanen ausgerüstet, aufgrund einer aktuellen Rabattaktion nur unwesentlich teurer als die Brille von 2008 – trotz aller Inflation – so dass ich mir das gleiche Modell direkt auch noch als Sonnenbrille ausfertigen lasse. Später am Abend recherchiere ich dann noch online und stelle fest, dass der Rahmen auch noch aus nachhaltigen Materialien produziert ist und mit Bio-Acetat aus Italien – die musste mich ja finden. Nächste Woche kann ich sie abholen.

Nächster Programmpunkt ist der Copyshop, ich habe für einen meiner Kurse etwas in Farbe auszudrucken, das es dann gilt, an Stellen aufzuhängen, wo ich es tagtäglich wahrnehmen kann. Ich hänge es später neben mein Bett, über meinen Schreibtisch, an meine Pinnwand und an den Kühlschrank, bin aber sicher, dass die Version, die ich als meinen Desktop-Hintergrund gesetzt habe, diejenige sein wird, die am Ende den Unterschied machen wird. Egal, der Gedanke zählt.

Als letzten Punkt vor meiner Heimkehr geht es zur Post, endlich das Päckchen abholen, das mir Freitag angeblich nicht zugestellt werden konnte. Darin ist ein neues Fitness-Armband. Für mein bisheriges wird bald der Support eingestellt und es hat auch schon einige Macken. Das neue soll stabiler sein, berechnet mein Schrittziel intelligent statt nach von mir festgelegten starren Zahlen und kann nicht vibrieren, wenn jemand was von meinem Handy will. Evtl. tut das meinem Stresslevel gut? Für den Übergang und um zu gucken, wie sich die Messwerte evtl. unterscheiden, trage ich jetzt erstmal beide parallel.

Wieder zuhause habe ich jetzt endlich Zeit für meine Sprachübungen. Mehr als eine Stunde widme ich der französischen und der italienischen Sprache heute. Danach ist es Zeit für Stollen, Tee und Mandarine. Außerdem breche ich endlich den großen Kanister Quittensaft an, der hier schon seit Wochen steht aber offiziell erst gestern mit der verspäteten Bescherung in meinen Besitz übergegangen ist. Sehr lecker!

Nach dem Essen ist es draußen jetzt richtig sonnig, so dass ich nochmal einen ausführlichen Spaziergang mache, bis es dämmrig wird und danach die Schrittziele beider Armbänder erreicht sind.

Wieder zuhause widme ich mich zweien meiner Kurse, für die Hausaufgaben anstehen, meditiere eine Runde, koordiniere Termine mit der neuen Mitbewohnerin und gucke dann live die Pressekonferenz, die Justin Trudeau zu seinem Rücktritt gibt. Das ist aus diversen Gründen interessant, nicht nur, weil mir die politische Situation da drüben aus Gründen am Herzen liegt und ich zumindest 2015 sehr begeistert von seinem diversen und progressiven Kabinett war. Auch, weil da möglicherweise bald der nächste Trumpist an die Macht kommt und das nächste große Land in den nächsten Wochen, pünktlich zur Trump-Amtseinführung, politisch wenig handlungsfähig sein wird, ausgerechnet auch noch während Kanada den G7-Vorsitz innehat.

Es ist auch sprachlich spannend. Trudeau grüßt und verabschiedet sich auf Quebecois, seine Rede ist in Abschnitte unterteilt, die er erst auf Englisch und dann auf Quebecois vorträgt und die Fragen der Journalist*innen werden in jeweils einer der Sprachen gestellt und von ihm dann erst in dieser, dann in der anderen Sprache beantwortet. Die Fragen selbst werden nicht übersetzt. Ich bin beeindruckt, wie komplett seine Übersetzungen sind. Ich habe sowas ja auch schon gemacht, mit Deutsch und Englisch, und weiß, wie leicht man in der zweiten Sprache dann Abkürzungen nimmt oder etwas vergisst, weil es zu viel Text auf einmal ist. Entweder ist er wirklich sehr schlau (und natürlich geübt), oder seine Antworten werden in Echtzeit übersetzt und ihm dann auf den Teleprompter geschoben. Auf jeden Fall gehört zur kanadischen Spitzenpolitik eine ganze Menge mehr sprachliches Können, als zur deutschen.

(Sidenote: Meine Französisch-Auffrischung zahlt sich aus, ich verstehe zwar nicht jedes Wort, kann aber verfolgen, dass er inhaltlich auf Quebecois wirklich genau das Gleiche sagt, wie auf Englisch. Und mich herrlich über diesen Dialekt amüsieren – Bonn matteng!)

Zwischen Abtritt Trudeau und Wahlbestätigung Trump passt das Kochen des Abendessens. Heute gibt es Pappardelle mit (getrockneten) Steinpilzen.

Beim Essen gucke ich den Livestream aus dem Capitol. Vor vier Jahren guckten der Liebste und ich das auch parallel und waren dann live dabei, als sich die Ereignisse vom 6. Januar zutrugen. Danach war für uns klar, dass Trump nie wieder antreten, geschweige denn gewählt werden kann. Tja. Heute läuft alles geordnet und nach Vorschrift ab und Kamala Harris zertifiziert mit viel Würde das Wahlergebnis. Man würde sich ja eine kleine Spitze oder so eine Mini-Insurrection wünschen, aber natürlich sind die Demokrat*innen brav und der Faschismus kann einkehren. Einzig schön ist, wie Amy Klobuchar und die anderen, die die Ergebnisse aus den einzelnen Staaten vorlesen, Kamala Harris dabei immer mit „Madam President“ ansprechen, Frau Klobuchar tut das mit trotzigem Enthusiasmus.

Den Rest des Abends verbringe ich dann eskapistisch mit diversen Folgen Parenthood und gehe wieder viel zu spät ins Bett.

05.01.2025 – Endlich Weihnachten #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Nimbin miaut gegen 8 Uhr sehr laut und braucht meine Aufmerksamkeit. Streicheln ist dabei wichtiger als Futter, wenigstens das. Ein bisschen blöd ist jedoch, dass ich erst nach 2 im Bett war und so definitiv zu wenig geschlafen habe. Ich füttere die Katzen und mache mir einen grünen Tee, bevor ich mich wieder ins Bett lege und die übliche Runde durchs morgendliche Internet drehe, dann blogge, dann Französisch lerne, dann Italienisch, dann kommen Wordle, Connections, Strands, Past Puzzle, Bandle und mein langjähriges Handyspiel dran. Kurz nach 10 bin ich dann durch und kümmere mich um mein eigenes Frühstück.

Der Plan waren erst Pancakes, dann normale Eierkuchen, dann entscheide ich mich, das Eiweiß vorher zu schlagen, damit es fluffiger wird. Evtl. stimmt auch das (Erbsen-)Milch-Mehl-Verhältnis nicht ganz und weil ich zuerst die falsche Pfanne nehme werden dann beide Eierkuchen keine normtypischen Eierkuchen, so dass ich spontan umdisponiere, die Kuchen in Fetzen reiße und mit Zimtzucker karamellisiere. Hallo Kaiserschmarrn! Dazu gibt es den letzten Rest Quark (Warum wird Quark eigentlich nicht mit wiederverschließbarem Deckel verkauft?) und Sauerkirschmarmelade.

Nach dem Essen telefoniere ich mit dem Liebsten und weil danach noch viel Zeit ist und ich wirklich immer noch sehr müde bin, schlafe ich einfach nochmal ein gutes halbes Stündchen auf dem Sofa. Danach zweiter Versuch, in den Tag zu kommen. Ich rolle die Yoga-Matte raus und gehe das nächste Video an. Heute ist es recht anspruchsvoll, so dass ich nicht nur wegen des kaputten Arms nicht mitkomme, sondern auch einige andere Asanas selbst mit gesundem Arm an mangelnder Flexibilität meines Körpers scheitern würden. Ich überbrücke diese teils mit anderen Übungen, teils mit einer neuen Variante: Von so einer Matte aus sieht man ja den Raum aus ganz anderer Perspektive. Unter anderem fallen einem die vielen Katzenstreukrümel auf, die bereits einen Tag nach dem Staubsaugen schon wieder überall verteilt sind. Statt Mermaid-Posereien laufe ich also zwischendurch mit Kehrschaufel und Besen gebückt durch die Wohnung – das macht auch Flexibilität und Bewegung!

Nach dem Yoga wird geduscht, dann setze ich mich nochmal kurz hin und atme tief durch, bevor es auch schon Zeit ist, zusammenzupacken und loszulegen. Heute ist, nach zwei wegen COVID abgesagten Versuchen, nämlich endlich Weihnachten – also das mit meiner Familie, wir hatten ja schon das mit der Liebstenfamilie und unser Kernfamilienweihnachten. Ich fahre mit Tram und U-Bahn nach Mitte und treffe als erstes bei meinen Eltern ein. Erst Mitbringsel übergeben (Fenchelsamen-Taralli, Crowdfarming-Grapefruits, ein ausgeliehenes Buch), dann Beutel mit Geschenken in die Ecke stellen und Platz nehmen zu Stollen, Plätzchen, Äpfeln und Tee. Der Adventskranz wird nochmal entzündet, aber wir entscheiden uns gegen Weihnachtsmusik.

Wenig später trifft der Liebste ein und bald darauf auch mein Bruder mit seiner Freundin. Jetzt gibt es auch Kaffee und außerdem machen wir zur Feier des Tages eine Flasche vom guten Bellini auf. Und dann ist auch schon Bescherung, die größtenteils daraus besteht, dass wir uns gegenseitig Bücher über den Tisch reichen. Nachdem ich bisher diese Weihnachtssaison erst ein Buch eingeheimst habe, kommen heute nochmal sieben dazu. Außerdem Nachschub meines Lieblingsparfüms, Katzensocken, Dubai-Schokolade, Schokoladen-Meeresfrüchte, Trüffel-Popcorn, Quittensaft und eine Tasche für zukünftige Konzertbesuche (in den 90ern hießen sie Bauchtaschen, heute bestimmt viel cooler) in strahlendem Mangogelb.

Dann legen Mama und mein Bruder letzte Hand ans Abendessen. Es gibt schwedisches Rentierkalb (von meinen kanadophilen Eltern liebevoll Caribou genannt) und mit Bacon gespickte Pute (also quasi Turkey) mit Klößen, Apfelrotkraut, Sauce und einem Auberginensoufflé (das es bei der ehemaligen Parteichefin der kanadischen Grünen auch immer zu Weihnachten gibt), dazu italienischen Primitivo.

Portion 1, später kommt noch ein zweiter Kloß und ein zweites Stück Caribou dazu
Portion 2, auch hier gefolgt vom zweitem Kloß

Pappsatt geht es dann vom Esstisch zurück aufs Sofa, wo erstmal italienischer Grappa und kanadischer Rhabarbergeist gereicht werden. Nach einer Verdauungspause folgt noch ein kanadisches Blaubeer-Joghurt-Sahne-Dessert, das ich leider vergesse zu fotografieren.

Bald darauf macht sich der Liebste auf den Weg, der den längsten Heimweg hat und morgen als erster aufstehen muss. Als er nach anderthalb Stunden witterungsbedingter S-Bahnprobleme angekommen ist, gehen auch mein Bruder, seine Freundin und ich los. Da schmilzt der im Laufe des Abends angenommene Schnee schon langsam wieder. Wir nehmen gemeinsam die U-Bahn und verabschieden uns am Alex. Ich fahre mit der Tram zurück den Berg hinauf. Hier liegt noch mehr Schnee, es ist halt sowohl höher als auch nördlicher und östlicher (kontinentaler)…

Gegen Mitternacht bin ich zuhause und setze mich nochmal kurz mit den Katzen und TikTok auf die Couch, bis ich die nötige Bettschwere erreicht habe. Gegen 1 schlafen wir alle drei tief und fest.

04.01.2025 – Jetzt aber Grund

Nach dem späten Einschlafen schlafe ich heute tatsächlich bis deutlich nach 9. Schön, wenn das so läuft (und die Katzen auch mitspielen). Etwa eine Stunde später bin ich eigentlich gerade am Bloggen, als der Liebste anruft und wir dann erst das Teilzeitkind und dann seine Schwester in die Konferenz holen, um nochmal ausführlich dem Nifftenkind zum Geburtstag zu gratulieren. Das hatte eigentlich gestern schon, aber gestern hatte das Teilzeitkind keine Zeit und zweimal gratulieren ist ja auch besser als einmal. Danach telefonieren der Liebste und ich noch weiter und verschieben dann unser für heute angedachtes Treffen auf morgen.

Das gibt mir die Gelegenheit, meinen für heute vorher gesetzten Plan – ein bisschen Grund in den Haushalt bringen – zu entzerren und ohne Zeitdruck anzugehen. Konsequenterweise bleibe ich also erstmal liegen und bis ich mit Bloggen, Sprachen lernen und Spielen fertig bin und Frühstück mache, ist es konservativ betrachtet schon längst Nachmittag. Aus dem Frühstück wird daher ein ausgiebiger Brunch.

Bagels mit Avocado & Wildlachs, Paprikacreme & Gouda, Quark & Sauerkirschmarmelade (selbstgekocht noch vom Hasen, Früchte vom Baum im Hof) und Maple Spread, dazu Apfel

Die drei Stunden (großzügig ausgelegt) danach verbringe ich dann mit besagtem Haushalt – nicht ohne zwischendurch immer wieder Pausen einzulegen. Am Ende ist alles aufgeräumt, neue Wäsche hängt zum Trocknen da, der Staub ist weitestgehend weg, Küche und Bad sind hygienisch rein und selbst die restlichen Böden sind gewischt. Zwischendrin war ich auch noch Müll wegbringen und neue Putzschwämme kaufen. Katzengras gibt es auch beim zweiten Versuch diese Woche noch kein Neues, wir hoffen auf die Lieferung am Montag.

Irgendwann nach 17 Uhr also ist das Tagwerk geschafft und ich kann mich wieder dem wichtigen Couchen zuwenden. (Während der ganzen Aktivität habe ich weiter Menschen beim Reden über ihr Wochenende zugehört und bin jetzt voller Inspiration.) Ich gucke, was in der Welt passiert ist, werfe unter anderem einen besorgten Blick nach Österreich (Gibt es irgendwo noch stabile Regierungen und/oder integre Politiker*innen?) und konzentriere mich dann doch lieber wieder darauf, das nun ausfallende chinesische Abendessen zu ersetzen. Ausführliche Recherchen führen mich zu einem Dumpling-Lieferdienst. Ich kann mich nicht zwischen den verschiedenen Sorten entscheiden und nehme dann die Einmal-Alles-Variante plus drei Saucen: Rindfleisch, Hühnchen mit Kimchi, Garnelen, Gemüse und Apfel mit Gerösteter-Sesam-Dip, Chili-Mayo und Ponzu-Zitrus-Sauce. Soooo lecker, das kommt auf Wiedervorlage. Komisch nur, dass man mir für die 25 Dumplings gleich dreimal Stäbchen geliefert hat – so schnell gehen die nun auch nicht kaputt…

Dazu und danach gibt es einen Mocktail aus Apfel-Birnen-Saft und Tonic und den Rest der aktuellen Staffel Virgin River – etwa ab Mitte der Staffel ist es wieder interessanter. Als das durch ist, ist es schon Mitternacht aber ich bin noch nicht bettschwer und schaue daher noch in die erste Staffel von Parenthood hinein, das es endlich auf Netflix gibt. Hatte schon seit langem Lust auf einen Rewatch und habe immer wieder geschaut, ob es irgendwo gestreamt wird. Drei Folgen gebe ich mir noch – objektiv eine viel bessere Serie als Virgin River – und dann liege ich kurz nach 2 im Bett und lese noch, bis mir die Augen zu fallen.

03.01.2025 – Zurück ins Weekend-Feeling, mit Politik, Essen und einem Liefer-Rant

Nach dem so produktiven Donnerstag fühlt sich dieser Tag wirklich wie ein Freitag an. Ich wache leider zu früh auf, aber danach wird es ganz angenehm. Allerdings steht nach gemütlicher Morgenroutine (samt Wiedereinnicken beim Versuch zu meditieren), Liebstentelefonat und Müslifrühstück erstmal ein Gang ins kalte Draußen an. Ich packe mich warm ein, nehme Tee im Thermobecher mit und stapfe dann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch leicht müde Richtung Behörde in der Nähe. Hier habe ich um 11 einen Termin. Entspanntes, hilfreiches Gespräch mit einer freundlichen Dame, die sich nicht anmerken lässt, wie unangenehm es ist, heute arbeiten zu müssen – und dann noch in Präsenz.

Danach stapfe ich wieder zurück und setze mich gleich noch an den Schreibtisch und klicke mich durch Formulare der Behörde. Dazu trinke ich Glüh-Cider aus heißem Apfel-Birnen-Saft – in dem ich eine Gewürzmischung ziehen ließ, die mich einst aus einem Weihnachtspaket aus Nordengland erreichte – und höre Gwen Stefanis neues Album. Und weil ich dann schon wieder so im Flow bin, erledige ich gleich noch andere Dinge, schiebe Papiere hin und her und mache die Nacharbeit zu einem Webinar von vor Weihnachten. Dann ist es auch schon wieder fast 15 Uhr und ich mache mir Mittagessen und telefoniere das nächste Mal mit dem Liebsten, der auch Feierabend hat.

Vegane Teewurst, Gouda mit Forellenkaviar, Avocado mit Paprika-Creme, Karotten

Und weil dann so dieses Freitags-Feiertags-Wochenend-Gefühl einsetzt, entscheide ich mich, das Putzen auf morgen zu verschieben. Es wird ja auch schon langsam dunkel draußen.

Kurzer Einschub: Der Liefer-Rant

Ich habe in den letzten Tagen zwei Bestellungen getätigt, eine letztes Wochenende, in der Annahme, dass sie nach Neujahr ankommt, eine am Neujahrstag, die laut Händler dann am Sonnabend ankommen sollte. Es passierten die folgenden Dinge in chronologischer Reihenfolge.

  1. Montagmorgen: Bestellung 1 wird auf zwei Sendungen aufgeteilt, die jetzt schon am Montag kommen sollen.
  2. Montagabend: Am Montag wird die Zustellung nicht mehr geschafft, jetzt sollen sie am Dienstag kommen. Stresst mich, weil Silvester ist und ich nicht den ganzen Tag zuhause sein werde.
  3. Silvesternachmittag: Sendungen können heute nicht mehr zugestellt werden.
  4. Neujahr: Sendungsstatus unverändert – ist ja auch Feiertag.
  5. Donnerstag: Sendung 1 soll heute kommen, Sendung 2 wurde beschädigt und muss unverpackt werden. Bestellung 2 soll morgen schon kommen.
  6. Freitag: Sendung 1 wird zugestellt, Sendung 2 selber Status wie gestern (nachdem zwischendurch keine Informationen mehr verfügbar waren). Bestellung 2 konnte leider nicht zugestellt werden und wird in die Postfiliale gebracht. Dort kann ich sie mir abholen. Ab Montag. Nachmittag.

Jetzt weiß ich nicht, was da logistisch dahinter steckt, aber boah ist das nervig. Wenigstens kam die wichtigste Sendung an und die Katzen haben gerade rechtzeitig noch Futternachschub bekommen. Trotzdem unklar warum Bestellung 2 nicht zugestellt werden konnte, während ich zeitgleich Sendung 1 angenommen habe.

Einschub Ende

Es klingelt jedenfalls an der Tür während ich gerade den zweiten Meditationsversuch des Tages unternehme, bei dem ich wieder fast einnicke. Ich nehme beduselt ein vom Schnee leicht angeweichtes Paket Katzenfutter entgegen und gehe dann auf die Couch zurück. Jetzt dringend Schlaf nachholen!

Anderthalb Stunden später bin ich wieder wach und kann mich so langsam mit der Abendplanung beschäftigen. Unterhaltungsmäßig steht viel zur Auswahl. Ich habe mir den Film American Honey herausgesucht, meine Cousine spielt ein Neujahrskonzert, das man im Livestream verfolgen kann und im US-Repräsentantenhaus wird der neue Sprecher gewählt. Ich unterbreche den Film nach einer Weile, um kurz in das Neujahrskonzert reinzugucken, bevor es im Repräsentantenhaus spannend wird. Die namentliche Abstimmung nehme ich mir dann mit in die Küche, während ich aus den Kartoffelresten von gestern mein Abendessen koche.

Es wird eine Art pakistanisch-nepalesisches Kartoffelcurry – inspiriert sowohl von diesem oft erprobten Rezept als auch von den Kochgewohnheiten des ehemaligen pakistanischen Mitbewohners. Statt frischen Tomaten gibt es welche aus der Dose, statt frischem Dill weniger und gefrorenen. Ansonsten:

  • Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Kurkuma in Öl anbraten
  • Gemörserte Koriandersamen und grüne Chili hinzugeben (bei mir aus dem Glas und ein bisschen zu viel)
  • Gekochte Kartoffeln und Tomaten in Stückchen dazugeben und alles ziehen lassen
  • Mit Salz und Zitrone abschmecken, mit Joghurt (bei mir Quark) servieren.

Sehr lecker, ordentlich scharf, der Quark ist nötig. Nachtisch eine Orange und ein wenig Weihnachtsnaschi.

Johnson erhält im ersten Wahlgang nicht genügend Stimmen, es wird spannend. Während des Wartens auf weitere Entwicklungen springe ich wieder rüber zum Neujahrskonzert und bekomme da noch das Finale mit. Dann zurück ins Repräsentantenhaus. Doch nicht mehr so spannend, Johnson konnte zwei Abgeordnete überreden, ihre Abstimmung zu ändern und wird jetzt doch im ersten Wahlgang Speaker (unvergessen die 15 Wahlgänge letztes Mal).

Dann spricht aber erstmal Hakeem Jeffries für die Demokraten und hält eine gute Rede. Beachtlich, dass er jetzt davon redet, die Arbeiterklasse beschützen zu wollen, nachdem es im Wahlkampf nur um die Mittelschicht ging. Doch was gelernt, die Dems. Dann die Rede von Johnson – Amerika ist das einzigartigste und tollste Land der Welt, weil es so amerikanisch ist und wenn die Amerikaner nur weiter so amerikanisch wie möglich sind, wird die Welt am amerikanischen Wesen genesen oder so ähnlich. Wiederholung sämtlicher Wahlkampfversprechen von Trump, die man jetzt umzusetzen gedenkt, Mauer zu, fossile Brennstoffe, dazu viel Gott und Gebet. Christo-Faschismus endgültig an der Macht, nur wird Angst und Bange. Dann werden erst Johnson und dann die Abgeordneten eingeschworen (unspektakulär) und fertig ist das Gartenhäuschen.

Ich kehre zurück zum Film, der teilweise ein anderes Amerika zeigt. Aber auch wieder nicht so mitreißend. Nebenbei mache ich Kreuzworträtsel und weil das noch nicht fertig ist, als der Film zu Ende ist, läuft danach noch eine Folge Virgin River. Auch das holt mich nicht so wirklich ab. Gegen 1 gehe ich ins Bett und lese dann noch eine halbe Stunde in Weiches Begräbnis. Erstaunlich, dass ich mich aktuell besser auf Bücher als auf Bewegtbilder einlassen kann!

02.01.2025 – Auf, auf

Verrückt, ganz plötzlich sind die selbst auferlegten Ferien mental wieder vorbei und ich habe tatsächlichen Tatendrang. Ganz merkwürdig, wie stark das eigene Empfinden von äußerlichen Faktoren und gemeinschaftlicher Stimmung abhängt. Das Kindelein muss wieder in die Schule, das Jahr ist frisch und los geht’s. Es hilft vielleicht auch, dass ich ganz von allein und ziemlich ausgeruht kurz vor halb 8 aufwache, also direkt bevor jahrelang mein Wecker zur Sicherheit klingelte. Da heute kein Termin ansteht, klingelt er nicht, aber ich bin trotzdem wach und kann mich ganz entspannt der morgendlichen Internetrunde, dem Bloggen, dem Spielen, dem Sprachen lernen hingeben. Mit dem Liebsten wird natürlich auch telefoniert und dann stehe ich gegen 10 auf und koche mir ganz selbstfürsorglich erstmal ein Porridge mit gedünsteten Äpfeln und Rosinen, Zimt, Kardamom und Sternanis, dazu Kräutertee für das sanfte Aufwecken des Magens.

Erst danach schiebe ich das Koffein hinterher, heute in Form von einem Espresso Tonic, werfe die erste Waschmaschine an und sitze dann um 11 mit Getränk, Musik und Kater auf dem Schoß am Schreibtisch. Ich arbeite gute zwei Stunden konzentriert an einem Dokument, das ich für einen Termin morgen benötige. Zwischendrin Wäsche aufhängen, nächste Waschmaschine, nochmal aufhängen. Dann ist es kurz nach 1 und draußen lacht die Sonne.

Ich werfe mich also in Außenuniform, schnappe mir meinen Rucksack und gehe ins Draußen. Spaziergang durch den teils noch silvesterbemüllten Kiez – es scheint allerdings schon ordentlich aufgeräumt worden zu sein – und dann Einkäufe im Drogeriemarkt und im Supermarkt (heute mal ein anderer, das dortige Angebot checken). Schwer beladen kehre ich etwa eine Stunde später zurück. Dann nochmal fix ohne Rucksack hinüber zum Lieblingsnachbarn, der zwischenzeitlich das Dokument für mich gedruckt hat und dann ist es Zeit fürs Mittagessen. Jetzt weniger magenschonend, denn ich hatte neulich die Vision eines selbst gebastelten Hot Dogs und habe eben die passenden Brötchen und vegane Würstchen besorgt. Senf, Röstzwiebeln und saure Gurken hatte ich noch. Schmeckt sehr gut und einer reicht völlig, um das mittägliche Loch zu stopfen.

Irgendwo darunter ist ein Würstchen

Danach wusele ich ein wenig durch den Haushalt – hier wird die nächsten Tage ein bisschen Grund reingebracht werden, und als das Hot-Dog-Koma vorüber ist, setze ich mich wieder an den Schreibtisch. Ich schließe meine Buchhaltung fürs letzte Jahr ab und fange die für dieses Jahr an. Dann beschäftige ich mich nochmal knappe zwei Stunden mit einem Online-Kurs und friemele mir danach Erinnerungen für die Hausaufgaben und die nächsten Einheiten in den Kalender.

Hinterher ist es schon nach 7, aber irgendwie habe ich immer noch Schwung übrig und mache dann halt noch eine halbe Stunde Yoga. Bei dieser Einheit kann ich sogar fast alles mitmachen, wobei ich bei einigen Asanas halt mit dem linken Arm weniger weit komme, als angesagt. Läuft heute einfach. Danach ist endlich Zeit für Abendbrot und Feierabend. Ich mache mir Pellkartoffeln mit Leinölquark und Salat, suche mir einen Film für den Abend aus und telefoniere zum dritten oder vierten Mal heute mit dem Liebsten.

Gegen halb 9 gibt es Essen und dazu und danach gucke ich endlich mal Nomadland. Fängt gut an, aber leider reicht meine Konzentration dann nicht mehr, um den ganzen Film über oben zu bleiben, in der zweiten Hälfte habe ich wieder den Second Screen in der Hand, bzw. wird der Fernseher zum Second Screen. Als der Film vorbei ist, ist es fast 11 und nach einem letzten kleinen Ausflug zu TikTok und einem Dominostein als Betthupferl geht es dann rechtzeitig vor Mitternacht ins Bett, wo ich noch ein paar Seiten im Buch schaffe, bevor mir die Augen zu fallen.

01.01.2025 – Anfang

Ich wache zu früh auf, natürlich. Auf einer Luftmatratze neben dem Liebsten, das Teilzeitkind liegt anderthalb Meter weiter auf dem Bett. Daneben liegt sein Handy und das spielt leise, aber laut genug, Harry Potter und der Feuerkelch, gelesen von Rufus Beck. Irgendwann in der Nacht hat das Kind sich das angemacht und wie fast immer vergessen, einen Sleeptimer einzustellen. Ich schleiche mich schnell aufs Klo und mache auf dem Rückweg das Hörbuch aus. Dann lege ich mich nochmal hin und versuche, wieder einzuschlafen. Das klappt mehr schlecht als recht, aber ich muss doch wieder weggewesen sein, als der Liebste sich nochmal Stunden später das erste Mal rührt. Wenig später steht er auf und gesellt sich zu den anderen erwachsenen Frühaufstehern in der Küche. Alle Kinder und Teenager schlafen noch.

Bald darauf krabbelt das Teilzeitkind zu mir auf die Luftmatratze und schnappt sich mein Handy zum Spielen, ich lade derweil sein eigenes wieder auf, das nur noch 1 % Akku hat. Der Liebste kommt, bringt mir Kaffee und dem Kind O-Saft, und geht wieder nach unten. Ich folge ihm bald, denn ohne Handy habe ich hier oben nicht mehr viel zu tun. Unten werden noch Spuren der Nacht beseitigt, diverse Kaffees zubereitet und nach und nach die Leckereien fürs Frühstück herausgeholt. Alle sehen ein wenig lädiert aus, können aber schon wieder Witze machen.

Graved Lachs, Heringssalat, viele Vitamine

Nach und nach wird es in der Küche voller. Das Frühstück zieht sich angenehm lange hin und als wir irgendwann die Tafel aufheben ist es schon gegen 14 Uhr. Wir packen unsere Siebensachen, verabschieden uns und fahren zurück nach Berlin. Die Beiden setzen mich zuhause ab und ich wünsche den Katzen ein gesundes neues Jahr. Sie scheinen die Nacht gut überstanden zu haben, freuen sich aber über Futternachschub und Kuscheleien.

Ich versorge mich mit Getränken und Unterhaltung und begebe mich auf die Couch. Für einen Neujahrsspaziergang bin ich heute zu müde, außerdem dämmert es schon. Ich blogge, mache Italienisch und Französisch, schreibe mir statt Vorsätzen je eine „Need To Do“- und eine „Want To Do“-Notiz ins Handy. Einen der Want-Punkte gehe ich gleich an, mit Online-Recherchen und Termin-Abgleichen mit einer Freundin. Dann lege ich mich in die Badewanne, wasche den Dreck des alten Jahres ab, meditiere und schmiede weiter Pläne fürs Neue. Alles nur willkürlich, dieses Jahreswechsel- und Neuanfangsgefühl, aber weil so viele mitmachen, gibt es doch ein bisschen Extraschwung, den man ja mitnehmen kann.

Frisch gewaschen geht es zurück aufs Sofa, wo ich das erste Buch des Jahres auslese: Johanna Adorján: Ciao. Eine schöne Satire, bei der ich immer wieder schmunzeln muss und obwohl das Buch schon drei Jahre oder so alt ist, passt es immer noch sehr gut in aktuelle Debatten, etwa um alternde blondgelockte Moderatoren.

Dann esse ich aus Vernunftsgründen noch etwas, bleibe aber bei leichter Kost. Es gibt Couscous mit Spinat, nur mit Salz, Estragon und gutem Olivenöl gewürzt. Optisch kein Bringer, aber schmeckt gut und tut dem Verdauungsapparat auch gut.

Ich telefoniere noch einmal mit dem Liebsten, der das Kind heute früh ins Bett stecken muss, weil die Ferien schon wieder vorbei ist – ganz Berlin und Brandenburg sind empört über diesen Unfug. Dann fange ich direkt das nächste Buch an, den Schwung mitnehmen und so. Es wird Fang Fangs „Weiches Begräbnis“, das in der Onleihe gerade verfügbar ist. Ich lese bis etwa 11 auf der Couch, mache mich dann bettfertig, schaffe noch ein paar Seiten im Bett und mache dann kurz vor Mitternacht das Licht aus.