17.12.2024 – Fifty-fifty

Ein ausgewogener Tag, würde ich sagen. Ich wache zu früh auf – hallo Katzis! – und hänge dafür dann noch lange im Bett herum. Soweit, so erwartbar. Zum späten Frühstück gibt es Müsli mit Apfel und Filmjölk, Adventskalender-Heiße-Schokolade (heute schon wieder Irish Chocolate, aber diesmal ohne Marshmallows… Ich verstehe die Dramaturgie des Kalenders nicht ganz) und mit leichter Zeitverzögerung die Vorstellung des Wahlprogramms der Grünen im Fernsehen. Natürlich keine hundertprozentige Zustimmung, aber in seiner Gesamtheit immer noch das Schlauste, was derzeit auf dem Markt zu finden ist. Direkt hintendran folgt das der Union, da bin ich aber schon auf dem Weg ins Draußen und nehme es nur auf den Ohren mit.

Herrje was regen mich diese beiden Herren auf. So viel Populismus, so viele kaum versteckte Spitzen gegen alles was nicht schon seit den 50ern in der BRD schon immer so war. Die bösen Syrer, die bösen Bürgergeld-Empfänger, die bösen Feminist*innen mit ihrem Genderwahn, die bösen Grünen mit ihrem Tempolimit, das ja ein Affront gegen deutsche Pendler (ohne Sternchen) ist, die bösen Grünen mit ihrer Milliardärssteuer (Wie kann ein deutscher Politiker eine globale Steuer fordern (wo doch die Entwicklung einer effektiven Besteuerung Superreicher bereits Konsens bei den G20 ist?!!!), Stammtischparole, Stammtischparole, unser schönes Vaterland.

Vielleicht ist es ja gut für die Demokratie, wenn es wieder klarere Lager gibt, aber vielleicht denken die beiden halt auch wirklich so und eine Mehrheit der Deutschen auch? Vielleicht waren Politiker (ungegendert) schon immer so, nur haben wir es früher nicht so mitbekommen, weil wir nicht den direkten Zugang hatten und die armen Journalist*innen tapfer für uns vorgefiltert haben? Wie erhalten sich die Journalist*innen ihren Glauben an die Politik?

Mir fällt das Gespräch von neulich wieder ein, in dem eine liebe Bekannte und CDU-Stammwählerin sagte, jetzt wo der Merz signalisieren würde, dass er mit den Grünen koalieren würde, könne sie ihn nicht mehr wählen. Wäre Söder der Kandidat, würde die CDU ihre Stimme kriegen, so aber wählt sie die Linke. Und schade, dass sie keine Koalition aus CDU und Linke haben könnte, das wäre ihr Favorit. Und das ist eine herzensgute Frau, die sich sozial engagiert und die in ihr neu gebautes Haus selbstverständlich eine Solarheizung einbaut und alles so nachhaltig wie möglich plant, weil die EU da so schön Fördergelder gibt. Wo kommt diese Schere im Kopf her?

Daneben saß übrigens ein anderer lieber Bekannter, der halt auf Crypto und Leistung steht und deshalb weiter FDP wählen wird, auch nachdem, was die abgezogen haben. Ein anderer, der zwischen Merz und Habeck schwankt und einer, der weiter SPD wählen wird, weil die ihn zumindest bisher am wenigsten enttäuscht haben. Wahnsinn, wie viel Bauchgefühl über unsere Zukunft entscheidet – Risiko, aber eben auch Chance. Immer zuversichtlich bleiben. Und vielleicht doch links wählen, damit die Grünen in einer schwarz-grünen Koalition nicht vergessen, dass sie mal links waren? Es ist kompliziert…

Im Draußen erledige ich übrigens Weihnachtliches, über das hier geschwiegen werden muss. Unterwegs ein kurzer Zwischenstopp im Park.

Harmloses Illustrationsfoto
Warum?

Dort erreicht mich dann die doofe Nachricht, dass es mit der avisierten neuen Mitbewohnerin nichts wird. Wieder mehrere Wochen potenziell erfolgreicherer Suche verschenkt. Ich stelle seufzend das Inserat wieder online und habe bis zum Abend drei neue Termine für diese Woche ausgemacht. So viel zur Besinnlichkeit in der Weihnachtszeit.

Der nächste Zwischenstopp ist dann tatsächlich der Weihnachtsmarkt, tagsüber, im Hellen, mit weniger Andrang. Allerdings lacht mich vom kulinarischen Angebot nichts wirklich an. Entweder nicht weihnachtlich genug oder nicht besonders genug. Die Gänsebratwurst klingt interessant, aber nur pur im Brötchen ist mir dann doch zu wenig ausgewogen (und dafür teuer). Also greife ich stattdessen zu einem schnellen unweihnachtlichen Burrito abseits vom Markt und fahre mit der Bahn wieder nach Hause.

Es ist gegen 15 Uhr und wird bewölkungsbedingt schon dunkel, obwohl der Sonnenuntergang noch aussteht. Ich esse den Burrito, der gut schmeckt, aber ich hätte doch lieber zum richtigen Burrito-Laden gehen sollen, selbst die angesagte Guacamole fehlt… Dann ist mein Körper mit Verarbeiten beschäftigt, ich werde müde und friere. Ich lege mich auf die Couch, höre Geschichten aus Zeiten als in der CDU Menschlichkeit noch eine wahrnehmbare Führungsrolle hatte und schlafe ein.

Ein knappes Stündchen später gibt es kaltes Wasser ins Gesicht und dann den heutigen Videocall, der wieder sehr anregend ist und wach macht. Danach mache ich mir einen Naschiteller und gucke der Fairness halber noch die Vorstellung des SPD-Wahlprogramms, das aber zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus geht ohne, dass inhaltlich groß was hängen bleibt außer „Rentner und Rentner“, „kein Marschflugkörper“ und „Schöndank“.

Gähn. Die Müdigkeit kehrt zurück, jetzt nur noch (noch) Belanglose(re)s bitte. Achja, Weihnachtsfilme. „Eine Buchhandlung zu Weihnachten“ (Teil 1 und Teil 2!) erfüllt die Kriterien sehr gut. Vielversprechender Titel, dann aber höchst belanglos, furchtbar simple Dialoge, kitschig, weihnachtlich und mit gut aussehenden Menschen. Als das gegen Mitternacht vorbei ist, kann ich gut ins Bett gehen.

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