16.12.2024 – Aufhol-Montag

Nochmal schön länglich geschlafen und dann zum Wachwerden ausgiebig von zwei Miezen bekuschelt worden. Mit etwas mehr Elan aufgestanden als auch schon und eine eisig kalte Mate vom Balkon direkt auf das Gefühl gekippt, um es zu bestärken. Dazu gibt es Adventskalender-Heiße-Schokolade, heute mit Zimt, und Filmjölk mit Müsli. Dann fix Duschen, Anziehen und weiter Dinge tun, gar nicht erst nochmal hinsetzen! Der Biomüll verlangt schon wieder Aufmerksamkeit, eine Ladung Wäsche wird gewaschen, der Luftentfeuchter wird von Raum zu Raum getragen und rödelt vor sich hin.

Dann doch setzen, und zwar an den Laptop, Dinge tun. Wenn so ein Thema erstmal ewig im Kopf hin und her gepingpongt ist, geht das Runterschreiben erstaunlich schnell. So gucke ich genau zu dem Zeitpunkt wieder in die sozialen Medien, als der Kanzler im Bundestag seine Rede zur Vertrauensfrage hält. Ich mache schnell den Fernseher an und gucke mir dann live die Rede sowie die Redebeiträge von Merz, Habeck, Lindner an – sehr interessant aus Kommunikatorinnensicht und mit anglistisch-amerikanistisch-politikwissenschaftlichem Hintergrund.

Zwischendurch mache ich mir fix die Reste von gestern zum Mittagessen warm. Während Lindner sich dann argumentatorisch langsam aber sicher in die rechte, libertäre Crypto-Bro-Szene von überm Teich eingliedert muss ich – leider leider – los. Ich höre noch eine halbe Stunde weiter zu, nach Lindner folgt Mützenich, dann Weidel, aber bevor die richtig in Fahrt kommt bin ich zum Glück bei der Physio angekommen. Heute gibt es ein paar Übungen, ein bisschen Massage und dann aktiviere Mobilisierungsversuche für meine Schulter. Also, aktiv von der Therapeutin, meine Aufgabe ist es, dabei passiv zu bleiben, was nicht mein strong suit ist.

Hinterher laufe ich zurück und höre weiter Corinna Harfouch zu, die aus Merkels Leben vorliest – im Bundestag findet derweil die Auszählung statt, das ist akustisch eher wenig stimulierend. Als ich zuhause ankomme ist die Vertrauensfrage wunschgemäß verloren. Ich hänge schnell noch die Wäsche auf und habe dann den Videocall, auf den ich mich am Morgen vorbereitet hatte. Genau als ich mich einwähle und bevor mein Gegenüber beitritt, klingelt es an der Tür und ein weiteres Weihnachtsgeschenk (nicht für mich) trifft ein. Das lockert dann gleich den Call-Beginn auf, vielleicht sollte ich das öfter so timen?

Nach dem Call telefoniere ich mit dem Liebsten und treffe endgültig die Entscheidung, heute doch nicht noch auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen um im Dunkeln und bei Gedränge Leute zu treffen, die ich gar nicht kenne. Stattdessen gehe ich nochmal fix in den Supermarkt und hole was fehlt, bzw. was ich möchte. Auf dem Rückweg ist das Schrittziel erreicht und es fängt an zu regnen. Sehr froh über meine Anti-Weihnachtsmarkt-Entscheidung mache ich mir zuhause Pasta – die Knoblauch-Zitronen-Öl-Reste vom gestrigen Lachs verlängert mit mehr Öl und Zitrone und verfeinert mit Peperoni, Oliven, Kapern und Tomatenmark zu Linguine und gerösteten Semmelbröseln plus Basilikum. Sehr lecker!

Das vorweihnachtliche Abendprogramm besteht heute statt hallmarkigen Netflix-Filmen aus dem moralisch fragwürdigen Nachgucken des gestrigen Hanson-Weihnachtskonzerts. Noch habe ich Zugang zum Bezahl-Content, auch wenn die Mitgliedschaft in der Community inzwischen gekündigt ist. Einige der Songs kriegen mich wieder, nicht umsonst habe ich das erste Weihnachtsalbum seit 1997 jedes Jahr gehört. Auch das zweite ist in meiner Weihnachtsplaylist komplett vertreten, aber emotional nicht ganz so nah an mir dran. Dazu aber wieder ambivalente Gefühle beim Ansehen der Drei und dem Zusammenbringen mit dem, was ich über ihre (politischen) Ansichten weiß. Nebenbei lese ich wieder im einschlägigen Reddit und schon macht das alles gleich weniger Spaß.

Dazu jedenfalls nasche ich weihnachtlich Quittenkonfekt, Dominosteine, Zimtsterne, Lebkuchen, Nougat, Clementinen und Litschis und kläre auch die letzten noch offenen Geschenke ab. Weihnachtsziel erreicht. Hinterher gucke ich noch eine Folge Only Connect und bereite mich dann kurz vorm Schlafengehen noch ein bisschen auf einen morgigen Call vor. Letzteres ist zwar gut für den Start in den Tag morgen, aber nicht so gut für das Ende heute – nach dem ins Bett gehen liege ich noch ewig wach und das Hörbuch hilft auch nicht durch besondere Fesselung und Ablenkung – Angie ist inzwischen Kanzlerin und wir in der Bankenkrise, das ist weniger spannend als die Zeit, an die ich mich nicht so aktiv aus eigener Beobachtung erinnere. Ich wechsle die Politikerin und höre Annalena Baerbock im Hotel Matze, das hilft dann im zweiten Anlauf irgendwann.

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