08.12.2024 – Erst wenig, dann viel Adventssonntag

Der Sonntag beginnt mit einem Weckerklingeln, das ist ja an sich schon ein Verbrechen an der Menschlichkeit. Allerdings klingelt der Wecker, damit ich genug Zeit für entspanntes im Bett Herumlümmeln, für Internet leer lesen, Bloggen, Französisch und Italienisch machen und mit dem Liebsten telefonieren habe, bevor ich dann ernsthafte Verpflichtungen habe. Es folgen Katzen füttern, Zähne putzen und Frühstück machen (Filmjölk, Müsli, Apfelsine. Heiße Schokolade mit Vanille aus dem Adventskalender. Mate.) und dann sitze ich nämlich kurz vor 10 am Schreibtisch und wähle mich in den heutigen Webinar-Workshop ein. Viereinhalb Stunden geht der. So.

Das fühlt sich ganz wenig sonntäglich oder adventlich an, sondern so richtig nach Arbeit, und ist es ja auch. Eine gute Gelegenheit mal auszuprobieren, wie so ein Leben ist, das nicht von Arbeitswoche und Wochenende geprägt ist, sondern in dem die Grenzen verschwimmen und beides nie ganz endet. Bin noch unschlüssig, aber es hat definitiv seinen Reiz. Danach jedenfalls muss dringend Adventssonntagsgefühl nachgeladen werden. Ich ziehe mich warm an und fahre mit der (viel zu vollen, es gibt Verzögerungen wegen „Personen im Gleis“) Ringbahn nach Neukölln und spaziere rund um den Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt. Schöne Gegend jedes Mal, man müsste mal wieder außerhalb des Weihnachtsmarkts hin. Der Weihnachtsmarkt ist auch schön, auch wenn er sich jetzt immer weiter füllt und ich träge Menschenmassen schwierig finde. Passenderweise bin ich in den nächsten Wochen schon zu mindestens zwei weiteren Weihnachtsmarktbesuchen verabredet. Uiuiui.

Meine Runde endet dann am Stand von Freund*innen, die hier Dinge verkaufen, um Gelder für ihr Projekt Afrika Rise zu sammeln, das mit Akteuren vor Ort Berufsschulen in Uganda aufbaut und so Vernetzung und Austausch zwischen Uganda und Deutschland fördert. Ich nasche Plätzchen, kaufe Kinderpunsch und gucke, ob ich etwas von den Produkten zu Weihnachten verschenken will. Die Kinderbücher wären vielleicht was, aber das Kind auf der Geschenkeliste, das altersmäßig in Frage kommt, ist bereits versorgt. Ich schwatze mit den Freund*innen und dann holen wir uns ein paar Stände weiter koreanisches Feuerfleisch im Brötchen.

Danach traue ich mich auch an den Glühwein, der genau wie der Kinderpunsch mit typischen ostafrikanischen Aromen verfeinert ist. Trinken für den guten Zweck und um weitere interessierte Besucher*innen anzulocken.

Irgendwann wird es dann trotz warmer Sachen und Glühwein ganz schön kalt. Ich verabschiede mich und mache mich auf den Heimweg. Diesmal ist die Ringbahn „nach einem Notarzteinsatz“ unregelmäßig und daher voll. Es läuft aber auch ein glücklicher kleiner Junge mit Syrienflagge durch die Gegend und die Stimmung ist allgemein auch besser als auf dem Hinweg.

Als ich wieder zuhause bin ist es gerade mal 18 Uhr, fühlt sich aber schon viel später an. Ich bleibe kulinarisch im Weihnachtsmarktthema und bestelle mir eine Raclette-Pizza und Apple Cinammon Bread und dazu einen Alibi-Salat. Davon esse ich jeweils die Hälfte, der Rest wird morgen mein Mittagessen.

Und dann heißt es ausgiebig Couchen und Weihnachtsfilme gucken. Erst das etwas merkwürdige Love The Coopers, das aber zumindest mit der Besetzung punkten kann und dann das jährliche Pflichtprogramm mit The Holiday. Kurz vor Mitternacht falle ich zufrieden ins Bett.

Hinterlasse einen Kommentar