Ein erneuter Bett-Tag, größtenteils, inzwischen mit mehr Husten. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, also wiederholt sich der Tag von gestern größtenteils.
Ein Unterschied ist, dass ich am Nachmittag (nach Gnocchi-Reste-Essen und anschließendem Mittagsschlaf) einmal aufstehe, um das Katzenklo durchzusieben und einkaufen zu gehen – vor allem für ein paar fehlende Medikamente und Ingwer, aber natürlich kaufe ich dann doch noch den Rest des Einkaufszettels leer. Hätte bestimmt noch eine ganze Weile mit meinen Vorräten durchgehalten, aber zwischendurch einfach mal ne Stulle essen hat schon auch was und Brot samt Belag waren weitgehend alle.
Abendbrot
Im Discounter übrigens die merkwürdige Situation, dass alle Self-Service-Kassen belegt sind, dafür die normale frei. Nehme also kurz den Kopfhörer ab und habe eine menschliche Interaktion. Ungewohnt, aber passt ja zum Vorsatz des Community Buildings im Alltag.
Und weil ich ja grad so Demokratie und Freiheit fangirle, gucke ich dann abends im rbb-Livestream die große Freiheitskaraokeshow vom ehemaligen Mauerstreifen und bin tatsächlich emotionalisiert von den Menschenmassen, die anlässlich von 35 Jahren Mauerfall zusammen „People have the Power“, „Keep on rocking in the free World“ und „z.B. Susann“ singen. Ein versöhnlicher Abschluss dieser Woche (wenn man ausblendet, dass kurz vorm Jubiläum der Reichspogromnacht antisemitische Übergriffe auf Fußballfans gab…). Der 9. November ist ja außerdem auch Republikgeburtstag, aber eben auch Jahrestag vom Hitlerputsch. Immerhin kam der damals noch in den Knast, aber später eben auch wieder. Und schon ist das Gedankenkarussell wieder bei Trump angelangt. Verflixte Welt.
Als ich vor mehr als 20 Jahren (waaaah) im Studium eine Arbeit über Winston Churchill schrieb, beeindruckte mich vor allem seine Tagesgestaltung. Sehr viel Bett und Badewanne, gerade auch während der Arbeitszeit, damit kann ich mich gut identifizieren und da sich meine seit Tagen formierenden Halsschmerzen inzwischen zu echtem Husten ausgeweitet haben und mich auch ansonsten nichts zwingt, bleibe ich heute einfach im Bett liegen.
Die Zeit reicht gerade für die Morgenroutine, das Liebstentelefonat und eine Schüssel Müsli mit Apfel und Banane, dann steht mein erster „Termin“ für heute an. Ein Online-Vortrag über die Aufholjagd der SPD im brandenburgischen Landtagswahlkampf (wer erinnert sich noch?) von einem Vertreter der führenden Agentur, die auch jetzt im anstehenden Bundestagswahlkampf mitspielen wird. Selten war ein Themen-Timing so passend. Spannende Einblicke, wie Wahlkampf an sich funktioniert, wie es zur Themensetzung kommt, wie gezielt bestimmte Personengruppen angesprochen werden (können) usw. Für die Bundestagswahl sei trotz aktueller Umfragewerte noch alles drin, sagt der Vortragende. Und: Schon aus logistischen Gründen wäre eine Wahl im Januar oder März nicht zu stemmen. Über die USA wird auch kurz gesprochen, darüber wie viel wichtiger der digitale Wahlkampf auch in Deutschland wird, es aber doch noch große Unterschiede zwischen den beiden Ländern gibt.
Auch im weiteren Tagesverlauf beschäftige ich mich weiter mit den beiden „Lagen“, lese, sehe, höre vieles dazu und teile interessantes in den sozialen Netzwerken. Zum späten Mittagessen mache ich mir Gnocchi mit Erbsen, Basilikum und Ricotta-Trüffel-Pfeffer-Sauce (war fertig ein Geschenk zum Geburtstag).
Zum frühen Abend hin baue ich gesundheitlich weiter ab und verschiebe einen eigentlich angesetzten Videocall auf nächste Woche. Das ist auch gut so, als der eigentlich hätte stattfinden sollen, schlafe ich gerade tief und fest ein und bin dann eine gute Stunde lang wie im Koma.
Als ich wieder wach bin, gehe ich zum „gemütlichen“ Teil des Abends über, schaue die zweite Staffel The Diplomat zu Ende und noch ein paar Folgen This is Us. Morgen kann ich ja (theoretisch) ausschlafen.
Besser (bzw. überhaupt) geschlafen, der Körper holt sich, was er braucht, zumindest das Minimum. Das Kindelein hat heut die erste Stunde Ausfall, der Morgen kann also geruhsam starten. Irgendwann ist das Kind aus der Tür, kurz danach hat der Liebste die ersten Meetings, ich liege im Bett und vergrabe mich in die Timelines. Dann stehe auch ich auf, bewege mich zumindest bis zum Sofa und frühstücke Brot mit Spekulatiuscremw und eine Clementine – Winter-Modus is on.
Ich schaue mir an, wie die Late Show Hosts die gestrigen Tag verarbeitet haben und bewundere, wie sie in der Situation immer noch lustig sein können. Dann gucke ich die Statements der deutschen Politik zu gestern Abend an. Lenkt wenigstens ein bisschen von dem globalen Drama ab. Später wähle ich mich in ein Webinar ein, in dem es um Kommunikationsstrategien und Zusammenarbeit mit noch unbekannten neuen Menschen/Gruppen geht. Das könnte demnächst wichtig werden, passt also überraschend gut in den Tag.
Als das Teilzeitkind aus der Schule kommt ist für mich dann Aufbruch angesagt, denn ich bin noch verabredet. Während der Pandemie habe ich online an einer Schulung teilgenommen und eine der Mitteilnehmenden von damals ist gerade für eine Konferenz in der Stadt. Wir treffen uns auf einen Kaffee in Mitte und machen daraus einen Walk & Talk an der Spree entlang. Historischer Hafen, Roland, Fischerinsel…
Dann verabschieden wir uns und ich ziehe zu meinen Eltern weiter, die seit Montag wieder im Lande sind. Dort dann erstmal schnell gucken, ob die Welt noch steht, schließlich war ich eine gute Stunde nicht in den sozialen Netzwerken unterwegs. Das Gespräch dreht sich dann natürlich auch viel um die Situation, hüben wie drüben, plus die Geschehnisse in Nova Scotia seit ich vor ziemlich genau einem Monat dort abgereist bin. Schließlich gibt es noch Pasta mit Pilzen und Reste-Shakshuka, bevor ich mich auf den Heimweg mache.
Da ich von Mitte aus komme, fahre ich mit der Tram an der Wohnung des parteilosen Verkehrsministers vorbei und laufe nicht wie sonst dort lang, so überblicke ich auf die Schnelle nicht, ob sich an der Polizeischutzstärke seit Dienstag etwas verändert hat – vermutlich nicht. Zuhause angekommen freuen sich zwei hungrige Katzen über mich, werden gefüttert und dann geht es wieder auf die Couch, mit Birnenlimo und Schokolade.
Abendunterhaltung dann erst das sehr gute Reel von AOC über den Wahlausgang, Faktoren die dazu beitrugen und was man jetzt tun sollte. Ganz am Ende ein erster wichtiger Tipp, den wir uns alle für den Alltag vornehmen sollten: Gemeinschaft aufbauen. Nachbarschaft, Buchclubs, Kochabende mit Freunden, Menschen zusammenbringen und Netzwerke schaffen, Solidarität aufbauen für die Zeit, wenn wir sie brauchen werden. Und ganz generell: Koalitionen formen mit denen, die auch gegen den Faschismus sind, auch gegen die Übermacht der Milliardäre, auch gegen den Klimawandel. Sie sagt, es kommt darauf an, wie immer in der Geschichte, eine vereinte Arbeiterklasse im Kampf gegen den Faschismus zu organisieren. Jetzt gehöre ich nicht zur Arbeiterklasse, aber man kann das sicherlich auch großzügiger denken. Viel Denkanstoß jedenfalls und gute Vorsätze bei mir.
Und dann ganz spät noch Habecks Video zur Ankündigung der Ankündigung. Witzige Social Media, Taylor-Swift-Referenz, Aufbruchstimmung et al. Noch Dienstagabend hätte mich das elektrisiert, ich sage ja schon seit Wochen, dass die Vernünftigen in dieser Welt sich viel von Kamala Harris‘ Kampagne abgucken können. Seit Dienstagnacht hat das jetzt einen schalen Beigeschmack. Ich hoffe, die neuesten Erkenntnisse aus dem Wahlergebnis fließen noch in die weitere Kampagne ein, Kanzler Robert wäre wahrscheinlich die beste Chance, die wir haben, um weiter zu kommen.
Gegen halb 7 habe ich die Augen zugemacht, bin kurz weggedöst und dann erscheinen vor meinem inneren Auge Tim Walz und seine Kinder und Douglas Emhoff und seine Kinder und dann bin ich wieder wach, gucke auf mein Handy und Trump hat Pennsylvania und damit rechnerisch endgültig gewonnen. An Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Der Liebste neben mir hat es zum Glück nicht mitbekommen und bekommt so zumindest ein-zwei Stunden mehr Schlaf als ich, während ich diverse sozialen Medien und Nachrichtenseiten doomscrolle und nicht fassen will, dass das wirklich die Welt ist, in der wir leben. Irgendwann schlägt der Liebste die Augen auf und fragt: „Wie schlimm ist es?“ „Sehr.“
Dann scrollen wir beide. Nebenbei schreibe ich teilnahmsvolle Nachrichten an meine Freund*innen in den Staaten, die teilweise gerade noch schlafen und erst viel später antworten werden – mit Dingen wie „Literally the worst. It makes me so sick to my stomach“, „Oh my god noooooo“ und „I want to fucking die“. Anderen schreibe ich nicht, die posten später glückliche Bilder vom Familienausflug und rote Herzen auf Instagram. Der Riss geht wirklich mitten durch da drüben, noch stärker als hier.
Gegen 10 stehe ich auf und lege mich direkt wieder in die Badewanne. Zum wirklichen Entspannen kommt es dabei natürlich nicht, aber die Wärme und das Wasser tun gut. Danach gehen der Liebste und ich an die frische Luft, ein bisschen Natur, Bäume, Wasser sehen, im Versuch, nicht vollends depressiv zu werden. Nebenbei telefonieren wir mit dem Liebstenpapa, dem es ähnlich geht wie uns.
Als wir zurück kommen, eskapiert der Liebste In die Welt des E-Sports, die zuverlässig heute wieder ein Live-Turnier liefern, das ihn ein wenig ablenken kann (auch wenn sein Team nicht so performt, wie von ihm gewünscht, aber das ist er ja gerade gewöhnt, höhö). Ich eskapiere ins Sprachen lernen und Handy spielen und „This is us“ gucken, bis das Teilzeitkind aus der Schule kommt. Es hat schon von seinen Lehrer*innen gehört, was passiert ist, versteht die Amerikaner*innen nicht und will jetzt erstmal Suppe. Also kocht es die, für sich und uns. Und Suppe hilft auch erstmal ein bisschen. Wir sprechen über die Schule und alles mögliche alltägliche und das tut auch gut.
Später gibt es Reste der Pasta von gestern zum Abendbrot, dazu besprechen wir dann weiter die Geschehnisse in der Welt und versuchen, die Fragen des Kindes zu beantworten. Warum wählen die Amerikaner*innen so jemanden? Warum findet Trump Putin gut? Warum glaubt er nicht an den Klimawandel? Warum ziehen die Leute nicht weg aus Amerika? Schwere Fragen, wir tun unser Bestes. Nur als das Kind dann der Meinung ist, dass es in Deutschland alles besser ist und hier sowas nicht passieren kann, halten wir uns zurück und sagen lieber nichts.
Später, als das Kind schon im Bett ist und wir uns auch zumindest hingelegt haben, verfolge ich das Geschehen in Deutschland. Der Kanzler kanzlert und hält eine beeindruckende Presseansprache, der Wahlkampf hat begonnen. Ein wenig Genugtuung verspüre ich über das Schicksal des Herrn CL, aber ansonsten verspricht das alles nichts Gutes. Wenig später dann die concession speech von Kamala Harris, auffallend kalt gegen Tim Walz, ansonsten aber wie erwartet eine gute Rede und eine, die Mut macht. Das brauche ich heute auch noch, um halbwegs schlafen zu können.
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.
Ich erwache früh und schlafe nochmal ein, bis der Liebste anruft, bevor er in sein erstes Meeting geht. Weil ich mich nach all der Kälte und dem Schlafmangel der letzten Tage leicht angeschlagen fühle, beschließe ich, so lange wie möglich im Bett zu bleiben. Ausführliche Morgenroutine, Katzenkuschelei, Frühstück (die erste Crowdfarming-Mango ist nachgereift), amerikanische Late Night Shows von gestern… Mittagessen auch noch (vertrocknetes Brot, das ich vom Liebsten gerettet hatte, eingeweicht und aufgebacken, mit Zeug drauf, u. a. mit Ziegenkäse überbacken, dazu Crowdfarming-Kaki).
Dann ist irgendwann doch dringend Aufstehzeit, eins meiner beiden WG-Castings heute findet nämlich tatsächlich statt (und das andere hat immerhin abgesagt). Die Kandidatin ist sehr nett und wir unterhalten uns lange, sie vor allem auch mit Nimbin, während Noosa scheu unterm Bett bleibt.
Als sie aufbricht, mache auch ich mich bereit, um nach Südberlin zu fahren und mit dem Liebsten den Wahlkrimi zu gucken. Unterwegs kaufe ich noch Snacks ein, wir werden viel Nervennahrung brauchen.
Der Liebste hat vorausschauend einen großen Pott vegane Bolognese gekocht. Vor dem Abendbrot jedoch lege ich mich nochmal kurz hin und versuche zu schlafen – bis die Mitbewohnerin des Liebsten klingelt, weil sie ihren Schlüssel vergessen hat. Das war es also mit Schlafen für die nähere Zukunft.
Ab 22 Uhr gucken wir intensiv CNN, erst noch hoffnungsvoll, später vorsichtig optimistisch, dann zunehmend pessimistischer und schließlich fassungslos. Zwischendurch schreibe ich mit der Freundin des Pittsburghers und wir sprechen uns gegenseitig Mut zu. Kurz nach 6 sieht alles furchtbar aus und wir beschließen, ins Bett zu gehen. Mit einem letzten Funken Hoffnung, dass nach dem Schlafen doch noch ein Wunder auf uns wartet…
In der Nacht ein bisschen Schlaf aufgeholt, aber noch lange nicht genug. Die lieben Katzen wecken mich früh und als ich dann endlich richtig wach bin, schlafen sie schon wieder tief und fest. Immerhin kann ich so dann lange im Bett liegen bleiben und langsam in den Tag finden. Ihr Frühstück bekommen sie trotzdem erst gegen 11, kurz vor meinem eigenen. Das besteht aus Porridge mit Banane, Apfel und Zimt.
Auch danach brauche ich noch eine Weile, um in Schwung zu kommen, aber dann geht es gegen 12 los:
Balkon winterfest machen (Liegestühle reinholen, Zitruspflanze reinholen, Getränkekästen an die Hauswand holen)
Katzenklo durchsieben
Bett neu beziehen
Ein wenig aus- und umräumen, ein großer schwarzer Müllsack wird mich noch die nächsten Tage begleiten
Staub saugen
Wäsche abnehmen, Geschirrspüler aus- und einräumen
Müll runterbringen
Dann habe ich Hunger und mache mir Stullen, Kohlrabi und Tomaten zum Mittagessen. Hinterher sitze ich pünktlich am Schreibtisch für einen Videocall. Danach bleibe ich gleich im Arbeitszimmer und vertreibe mir die Zeit mit Ablage (noch unvollendet, vor dem Urlaub war viel los und einiges ist liegengeblieben bzw. muss erst eine neue Ordnung geschaffen werden, in das sie einsortiert werden kann).
Ich wechsle dann aber wieder mit Tee ins Wohnzimmer, denn es stehen gleich zwei WG-Casting-Termine an. Spoiler: Beide Kandidat*innen tauchen nicht auf und sagen auch nicht ab. Das ist jetzt das dritte Mal in Folge, WG-Apps inzwischen schlimmer als Dating-Apps? Oder wie der Liebste meint: Scheint ja doch nicht so schwer zu sein, in Berlin eine Wohnung zu finden. Nun ja, morgen nächster Versuch.
Zum Abendbrot backe ich mir den kleinen Ein-Personen-Kürbis, den ich letzte Woche gekauft habe. Dazu gibt es Kräuterfrischkäse, Pflaumenchutney aus brüderlicher Herstellung und ein so genanntes Mojo Verde, das seinen Weg aus einem kanarischen Souvenirladen hierher gefunden hat, aber keinerlei Koriander enthält. Trotzdem lecker.
Bei der ganzen Wuselei vorhin habe ich That was us gehört, einen Podcast, bei dem drei Darstellerinnen von This is us die Serie rewatchen. Jetzt bin ich angefixt und verbringe den Rest des Abends damit, die bisher besprochenen Folgen nachzugucken. Eine gute Beschäftigung angesichts der Weltlage und zur Beruhigung vor dem morgen beginnenden Wahlkrimi.
Schlaftechnisch eine vernachlässigbare Nacht, findet auch das FitBit. Unbekannte Umgebung, fremdes Sofa, schmerzender Arm und zumindest am Anfang noch ordentlich Kälte in den Knochen… Das wurde nix. Vor halb 8 bin ich endgültig wieder wach und werfe mich mit Verve in die morgendliche Internetroutine – bloß nicht unterkriegen lassen. Nach Bloggen, Französisch und Italienisch drückt die Blase dann so, dass ich aufstehe und den Tag auch in der Kohlenstoffwelt offiziell beginne. Die gastgebende Familie ist ebenfalls wach, die Eltern bauen Möbel auf, das Baby sitzt auf seiner Decke und guckt zu.
Ich nehme dankbar einen Kaffee entgegen und geselle mich dann zum Baby. Es ist in einer sehr angenehmen Lebensphase, sehr genügsam, aber vielseitig interessiert und bereit, Dinge auszuprobieren. Wir beschäftigen uns eine ganze Weile miteinander und dabei macht es nicht nur fein- und grobmotorische Übungen sondern arbeitet auch an seiner Core Body Strength, dem räumlichen Vorstellungsvermögen und außerdem durchblättert es Erziehungsratgeber, Sudoku-Hefte und Ikea-Anleitungen. Nach so viel Stimulation wird es dann müde und legt passend zum Ende der Handwerkerei ein Schläfchen ein, so dass wir zu dritt in Ruhe frühstücken können.
Es gibt Brötchen, Marmelade, selbstgemachte Nuss-Aufstriche, Käse, Mango und importierte Wurstspezialitäten (Mettenden und Weißwurst, mit süßem Senf). Nach dem Essen wird das wieder wache Baby für die Welt draußen flottgemacht und dann ziehen die alte Freundin, das Baby und ich raus in den sonnigen Herbsttag. Wir nehmen die Straßenbahn nach Connewitz und schauen nochmal in der Galerie von gestern vorbei. Die alte Freundin bekommt von meinem Cousin nochmal eine individuelle Tour durch die Kunst während seine Freundin und ich Catch-up spielen bzw. ich als Babysofa fungiere.
Dann brechen meine beiden Hosts wieder auf und ich unterstütze meinen Cousin und seine Freundin seelisch und moralisch beim Abbau der Kunst – Ausstellung endgültig vorbei. Mit dem Auto fahren wir alles zurück in den Backstage-Bereich der gesammelten Aktivitäten der Beiden, wo ich dann auch noch einen kurze Führung durch die anderen Projekte bekomme.
This is where the magic happens
Dann bringen mich die beiden zum Bahnhof, wo ich mir schnell noch ein Sandwich hole und mich dann auf den langen Heimweg mache. Mit der S-Bahn nach Dessau, dort einen Tee gegen die Novemberkälte (ab morgen Winter- statt Barfußschuhe!), mit dem RegionalExpress zum Alex und dann mit der Tram nach Hause. Die Katzen haben sowohl mich als auch das Essen vermisst und sind erfreut, dass beides sich plötzlich materialisiert.
Ich koche mir Pappardelle mit Wildfenchelpesto und Rosinen, trinke dazu heißen Birnensaft mit Zimt und kuschele mich samt Decke und Katzen auf dem Sofa ein. Telefonat mit dem Liebsten, eine Folge „The Diplomat“ und dann eine RomCom mit Niveau zur Einstimmung auf Dienstag: „The American President“ – Bettgehzeit wieder gegen Mitternacht, das scheint sich einzupendeln, wenn morgens kein Wecker klingelt.
Morgens ist die Welt noch in Ordnung, es ist zwar kalt, aber wirklich schönstes Herbstwetter – ganz unnovembrig, mit blauem Himmel und bunten Blättern. Ich starte gemütlich in den Tag, mit einigen Extras zum sonstigen Morgenprogramm – erweiterte Katzenversorgung, Geschenkeinwickelung und Rucksackpackung. Dann geht es gegen halb 11 hinaus in die Welt. Die aktuelle ÖPNV-Situation in Berlin ist auch heute nervig. Die 15 Minuten Tram zum Alex muss ich komplett stehen, das kommt sonst nur morgens in der dichtesten Rush Hour vor, keinesfalls nach 9 Uhr und schon gar nicht am Wochenende. Heute schon.
Am Alex dann umsteigen in den RegionalExpress, dort immerhin mit etwas Glück (und Nachdruck) einen Sitzplatz ergattert. Auf dem geht es dann wieder entspannt quer durch Berlin und Brandenburg bis nach Sachsen-Anhalt. In Dessau dann fängt der November an. Der Anschlusszug hat Verspätung, es ist grau und windig und kalt und ich stehe eine halbe Stunde frierend auf dem Bahnsteig bevor ich in eine sehr volle Regionalbahn einsteige. Zum Glück trotzdem noch mit Sitzplatz für das letzte Stück nach Leipzig. Hallo Sachsen, altes Haus!
Am größten Sackbahnhof Europas werfe ich schnell eine Brezel mit Kürbiskernen ein (nicht regional, aber mein Körper braucht den Stoff) und fahre dann mit der S-Bahn bis zum MDR, wo ich auf die „alte Freundin“ samt Mann und Kind treffe, die gerade von einem Ausflug zurückkommen. Gemeinsam laufen wir zu ihrer Wohnung und kaufen unterwegs dann noch echt sächsisches Gebäck ein.
Dann erstmal Sofa, Chillen, Geschenk übergeben, Kind bespielen… Es ist seit März doch ein bisschen gewachsen und sitzend und brabbelnd und schäkernd kaum noch als Baby zu klassifizieren. Als die Eltern kurz beschäftigt sind vertreiben wir uns genügsam gemeinsam die Zeit. Während seine Mama dann Risotto fürs Abendbrot kocht, schläft das Kind auf meinem Schoß sogar ein. Sehr kooperativ. Nach dem Essen dann verabschiede ich mich und fahre mit dem Bus nach Connewitz, Kunst gucken.
Heute ist die Finissage der Ausstellung „50 Jahre Neue Sorbische Kunst“ von Bernhard Schipper. Ein wilder Ritt durch (Science) Fiktion, (sozialistischen) Realismus, sorbische Kolonialisationsgeschichte und heutige politische Konfliktlinien in Bautzen und der Lausitz, verknüpft mit ein bisschen Familiengeschichte (Disclaimer: Der Künstler ist mein Cousin).
Es gibt eine ausführliche Führung durch die Ausstellung mit Erklärungen, sozialhistorischen Kontexten und kunstgeschichtlicher Einordnung und hinterher vielen interessanten Gesprächen mit den anderen Besucher*innen (Programmteil: Saufen für die Kunst).
Später, als sich die Reihen langsam lichten, haben mein Cousin und ich dann noch Gelegenheit für Updates aus den letzten und Ausblicke auf die nächsten Monate. Ganz am Ende drehen sich die Gespräche in der letzten Gruppe Verbliebener um Klimawandel, kanadische Sekten und den Sinn und vor allem Unsinn von Bitcoin. Dann wird es Zeit, den Laden dicht zu machen (bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zu ne offener Tür stehen wir seit über drei Stunden in einem unbeheizten und unsanierten Altbau…) und wir fahren in der (wohlig warmen) Straßenbahn zurück ins Zentrum.
Am Südplatz verabschiede ich mich, laufe durch die Kälte zurück zur Wohnung der alten Freundin und schleiche mich gegen Mitternacht ins vorbereitete Bett.
Als ich vor Wochen (siebeneinhalb!) bei der besten Freundin in der Praxis saß und gerade einen neuen Termin (für vor zweieinhalb Wochen) ausmachte, kamen wir darauf, dass wir uns auch mal wieder in Zivil sehen sollten, überlegten kurz, wann das ginge und verabredeten uns dann für „Wellness“ am zweiten Freitag der Herbstferien, wie so Erwachsene halt. Es trifft sich dann jetzt also so, dass der zweite Freitag der Herbstferien der erste November ist und damit Wellness aus doppeltem Grunde angeraten. Gestern telefonierten wir kurz für die Details (die Freundin hat am Nachmittag spontan noch einen Termin reinbekommen, so dass uns nur der Vormittag bleibt und wir also früh starten müssen) und heute früh soll dann der Wecker rechtzeitig klingeln.
Die Katzen sind mal wieder noch zeitiger, so dass ich den Wecker gar nicht brauche. Ich absolviere fast die komplette Morgenroutine, frühstücke leicht (Banane, Kaki, Kekse, Birnensaft) und packe meine Tasche. Kurz nach halb 9 geht es aus dem Haus und dann mit Tram und S-Bahn nach irgendwo zwischen Mitte und Kreuzberg. Nach kurzer Suche finde ich den Eingang zum Spa, wenig später trifft auch die Freundin ein. Zum Glück haben wir einen Zeitslot reserviert und müssen nicht wie die Spontanbesucher*innen warten, ob und bis etwas frei wird.
Wir ziehen uns um und legen uns erstmal kurz in den Innenpool, der badewannenheiß ist. Die Freundin bleibt unentspannt, also wechseln wir in den salzigen, warmen Außenpool und bleiben da dann erstmal eine ganze Weile und erzählen uns, was so los ist in den letzten Monaten. Das hier wird unsere Base für den Vormittag! Wir unterbrechen das Prozedere immer wieder mal fürs Dampfbad, für die Salzsauna, für das Eisbecken (also, ich nur bis zu den Knien), für die Kräutersauna, für Ruheliegen und für einen kurzen Besuch an der Bar für Hummus, Feta, Oliven und getrocknete Tomaten mit Brot.
Ab 13 Uhr wird es dann langsam voller, aber da müssen wir uns auch schon wieder langsam anziehen – verkürzte Wellness mit hohem Erzählanteil. Aber auch ein guter Einstieg in den November, ich denke, ich mache sowas in den nächsten Monaten öfter, dann auch in der Luxusvariante mit Lesen/Schlafen zwischendrin. Wieder draußen verabschieden wir uns und ich laufe zur U-Bahn. Der Heimweg ist dann das Gegenteil von entspannend. Ich lasse eine U-Bahn (und später eine Tram) wegfahren, weil sie zu voll sind, muss dann in der U-Bahn trotzdem die ganze Zeit stehen und mich über öffiunerfahrene Berlin-Besuchende ärgern… Der Rückweg zieht sich dadurch über eine Stunde.
Zuhause telefoniere ich mit dem Liebsten. Eigentlich wollten wir uns heute Abend sehen, aber sein Arbeitstag zieht sich gerade so in die Länge, dass das nichts mehr werden wird. Immerhin spare ich mir so das Staubsaugen und Bett neu beziehen für den Allergiker. Ich mache mir mein Essen von gestern warm.
Dann höre ich einen Podcast mit meinem ehemaligen CEO (bin immer noch Fan) und schlafe dabei nachhaltig auf dem Sofa ein mit Unterbrechungen etwa zwei Stunden lang, bis es an der Tür klingelt und ein großes Paket Trockenfutter geliefert wird.
Dann gibt es noch ein leichtes Abendbrot (Sojajoghurt mit Apfel und TK-Himbeeren, Schokolade) und zwei Folgen der neuen Staffel The Diplomat, bevor ich mir die dicke Salzschicht aus dem Außenpool abdusche und ins Bett verschwinde. Wellness macht müde.
Der Wecker würde klingeln, aber die Katzen sind noch früher wach – möglicherweise haben sie einen Zeitumstellungsjetlag, der mir verwehrt blieb? Jedenfalls genügend Zeit zum Wachwerden, fast die gesamte Morgenroutine und ein schnelles Frühstück mit Haferflocken, Kokosjoghurt, kanarischer Banane und kanadischem Ahornsirup. Dann geht es hinaus in den letzten Oktobertag. Auf dem Weg zur Tram telefoniere ich mit dem Liebsten, in der Tram mache ich Italienisch – Tag kann beginnen. Am Alex steige ich dann ganz unzivilisiert in einen Bus um und lasse mich nach 61 bringen.
Hier im Kiez bin ich so selten, dass mir beim Laufen durch die Straßen direkt fast alle Male einfallen, bei denen ich schon hier war. Eine Freundin wohnte mal hier, da war ich ab und an, auch zum Katzensitten. Ein Mensch aus dem Internet lebte hier und schrieb von einem Kaffee aus. Mit anderen Menschen aus dem Internet traf ich mich mal in einem Restaurant, mit einer anderen Freundin in einem anderen. Und in der Kirche da war ich mal in einem Konzert, und apropos Konzerte, die Columbiahalle kommt da ja auch gleich – wen hab ich da alles gesehen? (Kellys, Franz Ferdinand, The National, Morrissey?) So in der Art…
Heute komme ich zum in die Röhre gucken, bzw. die Röhre in mich gucken lassen und muss dafür erst in einem riesigen Häuserkomplex (fünf Aufgänge, fünf Stockwerke, wenig Plan) die richtige Praxis finden, dann noch lange an der Anmeldung stehen, bis der Patient vor mir samt Tochterbegleitung versorgt ist. Dann im Wartezimmer warten und schließlich in der Röhre, die sich meine verstauchte Schulter in Ruhe betrachtet, welche nach wenigen Minuten höllisch zu schmerzen anfängt aber ICH DARF MICH JA NICHT BEWEGEN und empfinde schon meine Atmung als eigentlich zu raumgreifend. Immer wieder keine schöne Erfahrung, auch ohne Platzangst.
Hinterher spaziere ich dann durch schönstes Herbstberlin (trotz grauem Himmel) hinüber nach Mitte und versorge die Wohnung meiner Eltern. Leider liegt das FitBit zuhause an der Steckdose, so dass die vielen schönen Schritte ja eigentlich für die Katz sind.
Während des Spazierens schon bekomme ich Hunger und Appetit auf ein Gericht, das ich mir früher in Rostock immer beim Asia-Imbiss geholt habe – Reis mit Bambus, Tofu, Morcheln und anderen Pilzen, getränkt in Sojasauce und Glutamat. Der Jieper wird so groß, dass ich mir auf dem Heimweg in den Pberg (U-Bahn und Tram) eine 2024-, Foodie- und Berlin-gerechte Variante organisiere. Ich bestelle online zur Abholung im Streetfood-Laden um die Ecke hausgemachte chinesische Nudeln mit Chili, Aubergine und Koriander, außerdem gebratene Dumplings mit verschiedenen Saucen, in Mehrweg-Pfanddosen. Bis zur Abholzeit hüpfe ich noch schnell in den Supermarkt und kaufe vorsichtshalber ein paar Halloween-Süßigkeiten (aus leidvoller Erfahrung nicht zu viele und nur solche, die ich auch selbst essen würde). Dann geht’s nach Hause aufs Sofa und zum Mittagessen. Boah ist das lecker!!! Ich lasse knapp die Hälfte für morgen übrig, aber nur aus Vernunftgründen.
Danach ist es Zeit für Mittagsschlaf, und zwar ausgiebigst. Ich erwache wieder, als es draußen langsam zu dämmern beginnt – Sonnenuntergang schon halb 5! Zwischen 5 und halb 7 klingelt es dann fünfmal an der Tür und kleine Gruppen verkleideter Kinder fallen über meine Süßigkeitenschüssel her. Ich bekomme schon Angst, am Ende nichts übrig zu behalten. Zum Schluss sind alle Gummibonbons weg und mir bleibt nur noch Schokolade, immerhin leckere. Dazu mache ich mir noch ein gesundes leichtes Abendessen und dann verbringe ich den Rest des Abends mit den letzten Folgen der zweiten Staffel Kleo.