19.11.2024 – Infektbingo

Ich erwache kurz vor 5, wahrscheinlich hat sich eine Katze neu platziert oder so. Meine Nase läuft sehr – das ist neu. Eigentlich war meine Erkältung ja bis auf ein wenig Rest-Reizhusten so gut wie weg. Und jetzt das? Jedenfalls sind es nur noch anderthalb Stunden bis zum Weckerklingeln. Ich versuche daher nur kurz, wieder einzuschlafen und lese zu diesem Behufe in meinem Buch weiter. Als das nicht klappen will, wechsle ich schnell zur üblichen morgendlichen Runde durch die Blogs und sozialen Netzwerke. Darauf folgt dann ungewöhnlich früh mein eigenes Bloggen, dann Italienisch und Französisch und noch ein bisschen hier und da gucken. Dazu trinke ich eine Mate, schön kühl vom Balkon, und hui – wenn man nicht so oft Koffein zu sich nimmt, knallt die ordentlich! Ich bin wach und stehe dann pünktlich auf, um noch die Katzen zu füttern, selbst zu frühstücken, einen Tee für unterwegs zu kochen und gegen 8 das Haus zu verlassen.

Es ist kalt, es regnet, ich habe eine Kapuze über den Kopfhörern und lasse mich von Musik vorantreiben. Behördentermin in okayer 30-Minuten-Fußweg-Entfernung. Ich komme pünktlich an, der Termin geht angenehm schnell vorbei und gibt mir einige neuen To Dos auf die Liste. Dann laufe ich den gleichen Weg wieder zurück – andere Straßenseite wegen der Abwechslung – und mache kurz vor Schluss noch einen Schlenker zu Drogerie- und Baumarkt. Gegen 10 bin ich wieder zuhause und habe das Schrittziel erreicht.

Nächster Tagesordnungspunkt ist dann, mich eine Weile an den Schreibtisch zu setzen. Der Plan war Tee trinken, Musik hören und gemütlich Dinge erledigen. Stattdessen spielt der Router verrückt und der Laptop kommt nicht ins Internet. Getriggert von den Ereignissen dieses Sommers rufe ich erstmal in Panik den Liebsten an, der mich dann aber beruhigt und gezielt das Richtige ferndiagnostiziert und empfiehlt. Ein Anruf bei der Hotline des Internetanbieters wird fällig, ich hänge aber nicht ewig in der Warteschleife, sondern habe das Problem in unter zehn Minuten geklärt, bekomme einen Code per SMS und dann geht das Internet wieder. Puh. Und: Draußen schneit es! Nur kurz, aber ganz eindeutig. Winter jetzt also?

Dann also jetzt die Schreibtischeinheit und Dinge erledigen bis der Hunger anklopft. Zwischenzeitlich hatte sich der Fluss aus der Nase stetig verstärkt und der Taschentuchverbrauch gesteigert. Ist mir wohl doch nicht nur ein Katzenhaar in die Nase geraten, das hier ist eine ausgewachsene neue Erkältung! Gnaaaah. Auf den Schreck gibt es heißen Eintopf von gestern, mehr Tee und den Umzug aufs Sofa. Dann mache ich einen COVID-Schnelltest, der zuerst negativ ist, etwas später dann aber erschreckend verdächtig erscheint. Zwei weitere Tests (verschiedene Anbieter) zur Kontrolle bestätigen den Verdacht nicht.

Ich verbringe einige Zeit mit den Kreuzworträtseln aus der Rentner-Bravo von gestern und telefoniere nochmal mit dem Liebsten. Dann ein letztes Aufraffen zu dringenden To Dos: Die Wohnung muss gesaugt werden! Hinterher mache ich Salat und Stulle zum Abendbrot und dann lasse ich den Tag mit This Is Us ausklingen und gehe später als geplant aber früher als normal ins Bett und lese noch. Nase läuft.

18.11.2024 – Erleditag

So ein richtiger Montag, erst wird erledigt, dann bin ich erledigt. Es fängt alles noch harmlos an, mit einer weiteren guten Nacht und einem gemütlichen Morgen im Bett. Irgendwann postet auf Mastodon jemand einen Song von Nada Surf und das ist dann mein Zeichen fürs Aufstehen. Dann lange Liste abarbeiten…

  • Katzen füttern
  • Katzenklo säubern
  • Wäsche waschen
  • Frühstücken (Müsli mit Joghurt, Apfel und Kaki, Milchkaffee)
  • Aufräumen
  • Abwaschen
  • Untermietvertrag finalisieren und verschicken
  • Korrespondenz erledigen
  • Webinar besuchen
  • Altglas wegbringen
  • Medikament aus der Apotheke holen
  • Paket aus der Packstation holen
  • Mit einem Freund telefonieren und Sachen planen
  • Müll wegbringen
  • Einkaufen gehen
  • Eintopf kochen
  • Noch ein Paket entgegennehmen
  • Eintopf essen

Da ist es dann schon mitten am Nachmittag. Den Eintopf gibt es aus Kohlrabi, gelber Bete, Kartoffeln und Erbsen, verfeinert mit Tomatenmark, Parmesanrinde und Bio-Würstchen.

Beim und nach dem Essen durchblättere ich die Rentner-Bravo, die ich aus der Apotheke mitgenommen habe – ist spannender geworden, seit ich da das letzte Mal reingeguckt habe und hui, ganz schön viele Rätsel, die darf noch bleiben.

Danach dann nur noch intellektuelle Tätigkeiten – ich arbeite an einem Projekt weiter, das ich letzte Woche angefangen hatte. Inzwischen ist es stockdunkel. Nach einem Feierabend-Telefonat mit dem Liebsten wechsle ich in den gemütlichen Teil des Abends, schaue This Is Us und kämme währenddessen die Katzen ordentlich durch – Wahnsinn, wieviel da immer rauskommt.

Gegen dem Abendbrot Hunger gibt es dann eine Art Pflaumen-Crumble (Obst aus dem Tiefkühler, Haferflocken, Butter, Zucker, Zimt, Nelken, Kardamom) mit Vanilleeis.

Vorm Schlafengehen mache ich mir dann auch noch eine richtige frische Golden Milk – mit Hafermilch, Ingwer, Kurkuma, Zimt, schwarzem Pfeffer und Honig. Gute Nacht.

17.11.2024 – Heimelige Hansestadt

Dir zweite Nacht im fremden Bett läuft schon deutlich besser, auch wenn das erste Aufwachen sehr früh stattfindet. Das zweite dann kurz vor Weckerklingeln, das passt also soweit. Ich schaffe es noch, das Internet leer zu lesen und zu bloggen, dann ist Aufstehzeit. Die Gastgeberin serviert Kekse zum Husten- und Bronchialtee, dann verabschiede ich mich und fahre mit der Straßenbahn hinüber auf die andere Seite des Flusses (einmal um den Hafen herum), wo ich mit meinem Cousin zum Frühstücken verabredet bin. Ich begegne ihm auf der Rückkehr von der Hunderunde und gemeinsam laufen wir dann zu ihm nach Hause.

Hier ist schon ordentlich was los, Bonuskind und Besuchskind springen herum, seine Freundin bäckt Eierkuchen. Bald darauf sitzen wir alle am Tisch und lassen uns frische Brötchen, Croissants, Rührei und eben Eierkuchen schmecken. Dazu gibt es viele, auch selbst gemachte, Marmeladen, köstliche Aufstriche vom Markt und Saft aus eigenen Quitten. Wir erzählen uns die letzten Monate, haben uns ja fast vier davon nicht gesehen, und reden natürlich auch wieder viel über Politik und das Weltgeschehen. Inzwischen verziehen sich draußen die Wolken und es wird ein schöner Herbsttag mit blauem Himmel.

Nach guten zwei Stunden breche ich wieder auf und laufe dann zum Wasser und an diesem etwa eine Dreiviertelstunde entlang. Erst durch viel Natur, dann an den Segelclubs vorbei, wo allerorten Boote aufs Trockene gebracht werden und ein ordentliches Gewimmel herrscht – bis April ist jetzt Segelpause, Ausbesserungszeit auch, die Auftragsbücher des Cousins sind voll. Nach den Segelclubs kommen die Villen und dann schließlich der Fähranleger. Fünf Minuten vor Abfahrt lasse ich mich auf einen Sitz plumpsen – geschafft.

Die Überfahrt selbst dauert leider auch nur fünf Minuten. Dann bin ich wieder zurück in „meinem“ Teil von Rostock und spaziere zum Stammcafé. Mein Stammplatz, ein altes Bett, ist frei und so mache ich es mir mit Apfel-Ingwer-Tee und Schwarzwälder-Kirsch-Törtchen gemütlich und widme mich meinem Handyspiel. An den Nebentischen heute zum Beispiel eine Gruppe Kommiliton*innen, die zwischen Frühstück und Hausarbeit ein paar Runden Canasta spielen, ein einsamer Herr mit Buch und ein geschäftliches Treffen zwischen Kulturbranche und Controlling, mit herumtollendem Kleinkind.

Da auch heute wieder niemand von meinen Bekannten Dienst hat, entscheide ich mich schließlich, nicht noch eine zweite Lage zu bestellen, sondern einen früheren Zug zu nehmen und nicht so spät in Berlin anzukommen. Ich laufe die alten Wege zum Bahnhof (und komme auch noch an meiner dritten Rostocker Wohnung vorbei, die anderen beiden waren gestern schon dran) und steige in den schon bereit stehenden Zug. Ich nutze die Zeit für Französisch und Italienisch und schlafe dann ungefähr von Güstrow bis Waren. In Neustrelitz heißt es wieder umsteigen – ein bisschen nervig, aber dafür fährt jetzt wirklich jede Stunde ein Zug – und nochmal eine Stunde später bin ich wieder in Berlin.

Die Katzen empfangen mich freudig und hungrig. Ein kurzes Ausruhen auf der Couch und Nachlese zur Bundesdeligierenkonferenz der Grünen, dann mache ich mit Spaghetti mit Trüffelcreme und schaue zum Essen eine Folge This Is Us. Dann Badewanne zum Abwaschen der Rückstände aus zwei Tagen Raucherwohnung und kurz nach 21 Uhr liege ich bereits im Bett. Ich lese eine knappe Stunde in Adriana Altaras‘ „Besser allein als in schlechter Gesellschaft: Meine eigensinnige Tante“ bis mir die Augen zu fallen, nehme dann einen Hustenstiller und lasse mir von Günther Grass weiter aus „Ein weites Feld“ vorlesen, bis ich einschlafe.

16.11.2024 – 21.000 Schritte durch Rostock

Im fremden Bett recht unruhig geschlafen, da es sich trotz großer Breite nicht so gut mit dem Arm vertragen wollte. Dafür dann den Großteil der Morgenroutine noch im Bett erledigt, bevor es Zeit zum Aufstehen ist. Die Gastgeberin ist auch schon wach und kurz vor 10 sind wir beide bereit das Haus zu verlassen. Die avisierte Frühstückslocation ist leider schon proppevoll, so dass wir in der nächstbesten einmal quer über den Platz landen. Solides Frühstück, aber wenig spektakulär, bis auf den Hund am Nachbartisch, der uns zu langen Gesprächen über pelzige Haustiere führt.

Wir laufen weiter zum Stammcafé und treffen auf dem Weg witzigerweise meine Abendverabredung samt Gattin – die Großstadt ist in der Mitte ziemlich klein. Im Stammcafé sind keine der uns bekannten Gesichter hinterm Tresen, so dass wir das obligatorische Törtchen auf morgen verschieben. Meine Gastgeberin kehrt zurück nach Hause und an die Arbeit, ich hingegen laufe durch die Gegend. Zunächst einmal hinunter an den Stadthafen. Den entlanggehend, kann man einmal durch meine persönliche Historie durch die Stadt reisen – so viele Erinnerungen.

Da ist das Schiff, das mich ursprünglich auf die Idee brachte, hier zu studieren. Da der Club, in der ich so manche denkwürdige Nacht verbracht und so viele Konzerte gesehen habe. Dort war früher der Probenraum, in dem wir meinen 21. Geburtstag gefeiert haben und später eine Schokoladerie, die auch schon lange nicht mehr da ist. Da das Theater, davor der Platz auf dem wir Kubb gespielt haben, da die Treppe, auf der wir saßen und sangen und grillten… Da das Restaurant, in dem wir nach Opas Beerdigung saßen, hier stand früher das Zirkuszelt, da lag das Partyschiff, dort war der Pub wo wir bei der Weihnachtsfeier waren und später jemand Gläser geklaut hat. Dort die windgeschützte Stelle, wo ich letztes Jahr Rast gemacht habe… Heute auch.

Ich sitze eine Weile da, beende meine Italienisch-Aufgaben und gucke aufs Wasser, bis es zu kalt und windig wird. Dann überquere ich wieder die große Straße und laufe durch die Altstadt. Hier hat K. gewohnt, dort waren wir beim Mittelaltermahl, da gab es mein Abschlussessen nach dem Master, hier waren wir ein paar Mal frühstücken… Usw. usw. Auf dem Neuen Markt wird schon fleißig der Weihnachtsmarkt aufgebaut. Dann geht es durch die Kröpi, die immer noch dieselbe ist. An dieser Ecke hat Jimmy Kelly auf der Straße gespielt, dort in dem Kino waren wir oft… Nicht viel hat sich verändert, aber es gibt jetzt ein Denkmal für den Spielmannopi, das ist schön.

Bis zum nächsten Termin habe ich noch ordentlich Zeit, also setze ich mich in eines der sympathischeren Cafés zurück in der KTV und trinke einen Ingwer-Zitronen-Maracuja-Tee und esse Käsekuchen mit Brombeeren. (Sie hätten auch „Dubai Cheese Cake“ gehabt, aber für Cheesecake mit Schokoladensauce und ein paar Pistazien bezahle ich keine 5,50 €.

Ich lasse mir viel Zeit mit beidem, spiele nebenbei auf meinem Handy und lausche den wechselnden Gesprächen am Nachbartisch. Erst sitzen da zwei Kommilitoninnen jüngeren Semesters, die ich relativ schnell als entweder BWL oder Lehramt einsortiere. Sie reden über ihre Freundinnen, Heimfahrten und Frauentausch. Als Nächstes nehmen zwei ausgewachsene Frauen Platz, die sich unterhalten als wären sie auf einem ersten Date. Am Ende stellt es sich heraus, dass sie sich wohl aus sozialen Zusammenhängen kennen und ggf. füreinander katzensitten werden. Na gut. Dann kommt noch ein Hetero-Paar, das aber nicht so viel redet. So komme ich noch ein wenig zum Lesen.

Dann ist es Zeit und breche wieder auf, zu einer Vernissage in einer kleinen Galerie im Klosterhof. Die Gastgeberin hat die Begleittexte verfasst und ist auch da. Das winzige Häuschen platzt vor lauter Besucher*innen aus allen Nähten. Es gibt Kuchen und Glühwein und Live-Musik aus Saxofon und Klarinette. Dann versuche ich, ein wenig Kunst zu gucken, es fällt aber vor lauter Menschen schwer.

Witzig ist, dass der Besitzer des Hauses, in dem wir im Juli ein großes Fest gefeiert haben, auch da ist und mit ausstellt. Nichtsdestotrotz fliehe ich recht schnell wieder und habe wieder Zeit totzuschlagen bis zum nächsten Programmpunkt. Im Uni-Hauptgebäude ist eine Veranstaltung, so dass ich trotz Wochenende reinkomme und zum ersten Mal seit langem wieder in der Alma Mater stehe. Hui, die haben ganz schön modernisiert seit damals. Der eine große Hörsaal ist nicht mehr da, der andere leider abgeschlossen. Ich laufe ein wenig hin und her und gucke und nutze die Gelegenheit für einen kostenfreien Toilettengang.

Dann erinne ich mich an alte Studitricks und gehe um die Ecke in die Uni-Buchhandlung, die zu einer großen Kette gehört. Ich streife erst lange durch die verschiedenen Bereiche und schaue mir Bücher an, dann fläze ich mich in einen der Sessel, telefoniere kurz mit dem Liebsten und lese dann, bis es Zeit für die nächste Verabredung ist. Ich treffe meinen alten Freund M. draußen und wir holen uns nebenan einen Döner. Damit laufen wir zu seinem Zuhause, wo schon sein kleines Bonuskind wartet. Der Rest der Familie ist ausgeflogen. Wir essen zu dritt, dann verabschiedet sich das Kind ans Tablett und wir reden – hauptsächlich über Politik. Der allgemeine Rechtsruck, die USA, die FDP und wie soll man denn jetzt am besten weitermachen… Immerhin sind wir uns auch 20 Jahre später noch ziemlich einig.

Nach anderthalb Stunden muss ich wieder los, zurück in den Stadthafen, dahin wo ich schon so einige Konzerte gesehen und auch selbst auf der Bühne gestanden habe. Heute aber Kabarett, von zwei alten Bekannten.

Es wird sehr mecklenburgisch, sehr lustig und natürlich sehr linksprogressiv und topaktuell, wie zu erwarten. Hängen geblieben ist zum Beispiel das Grundgesetz in sehr leichter Sprache. Artikel 1: Fass mich nich‘ an. Artikel 2: Kannste machen, aber lass mich in Ruhe! Schön. Hinterher habe ich noch Gelegenheit mit den Beiden zu reden und wir fachsimpeln über Duolingo, Finnland, Kanada und das anstehende Immergut. Dann muss die Bank zurückgetragen werden und ich verabschiede mich und laufe zurück zur Gastgeberin. Dort gibt es noch einen Tee und Abgleich der Erlebnisse des Tages, dann liege ich kurz nach 23 Uhr im Bett, das sich heute gleich viel gemütlicher anfühlt.

15.11.2024 – Ans Meer

Heute kein Wecker, in der irrigen Hoffnung, dass ich vielleicht mal länger schlafe. Bin trotzdem vor 8 wach. Der Vorteil ist, dass ich damit den früheren der beiden ausgeguckten Züge schaffen werde. Ich lungere also weniger lange im Bett rum als sonst gerne und füge der halbierten Morgenroutine ein ausführliches Frühstück, Rucksack packen und Katzenextremversorging hinzu. Dann geht es kurz vor halb 10 aus dem Haus und mit der S-Bahn zum Zug. Der ist am Anfang ganz schön voll (Ich muss lange suchen um einen Sitzplatz zu finden, den dann aber sogar am Fenster.), leert sich aber nach wenigen Stationen.

Ich nutze die Zeit bis zum Umsteigen für Bloggen, Französisch und Italienisch. Die Zeit nach dem Umsteigen geht fast komplett für die Tagesaufgaben im Handyspiel drauf. Da habe ich dann aber den Kopfhörer ab und höre amüsiert dem Geplapper um mich herum. Eine Teenie-Schulklasse ist eingestiegen und kehrt nach zweiwöchiger Klassenfahrt nach Hause zurück. Alle freuen sich vor allem sehr auf ihre Handys und unterhalten sich über ihre Modelle, Apps, Bildschirmzeiten usw. Zwei Wochen Abstinenz, das klingt für mich ganz schön schrecklich, wie man sich denken kann. Die Teenies scheinen trotzdem eine gute Zeit gehabt zu haben und sind guter Laune. Dann heißt es Aussteigen und gerade noch rechtzeitig die S-Bahn erwischen. Kurz vor 13 Uhr stehe ich in Warnemünde am Strom.

Ich laufe den Strom entlang, beobachte die Möwen (Da gerade wenige Leute da sind und Fischbrötchen essen, ist die Beute begrenzt und noch heißer begehrt als sonst.) und atme tief durch. Dann geht es die Mole entlang bis ganz nach vorne – die Spitze wo früher der Leuchtturm stand. Hallo, Meer!

Ich spaziere ein Stück den Strand entlang, es ist grau, diesig und auch ganz schön windig. Meine Blase drückt und so verlasse ich den nassen Sand dann recht schnell wieder und suche mir erstmal ein Restaurant. Begleitet von anstrengender Schlagermusik gibt es ein leckeres, wenn auch teures Mittagessen.

Fischtopf mit Pernod und Safran, Sanddornschorle
Dorschfilet mit Wirsing und Kartoffelstampf

Nach dem Essen spaziere ich weiter herum, kaufe Sanddorn-, Holunder- und Rhabarbergummibärchen für zuhause und laufe dann die alten vertrauten Wege von früher. Vom Strom durchs Zentrum bis zum Haus von Oma und Opa, von dort durch den Park bis zur Promenade und dann die Promenade entlang, mit Blick aufs Meer, zurück bis zum Strom. Da dämmert es dann schon langsam. Ich nehme die S-Bahn zurück nach Rostock, steige wie in den ersten Jahren hier „Parkstraße raus“ und laufe zur Wohnung der Freundin, bei der ich dieses Wochenende übernachte.

Hier gibt es warmen Tee und viele Gespräche, wir haben eine ganze Menge Monate aufzuholen. Später kommt ihr Freund dazu, dann geht es um Musik, vergangene und geplante Konzerte und schließlich sehr viel Politik. Zum Abendbrot bestelle ich mir (die Freundin hat es mit dem Magen und speist Haferschleim) den mittags ausgelassenen Nachtisch. Es gibt Wareniki mit Kirschfüllung und Blini mit Apfelfüllung, dazu georgische Estragon-Limonade.

Dazu und danach gucken wir die Bundesdeligiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen und kommentieren fleißig. Wir freuen uns jedes Mal, wenn jemand Bündnis 90 sagt, schütteln den Kopf über eine Friedensbewegte, feiern gute Redebeiträge und erörtern, wie unsere Sympathien auf die verschiedenen progressiven Parteien verteilt sind und was daraus folgen sollte. Hinterher noch die Tagesthemen und dann falle ich todmüde ins Bett.

14.12.2024 – Recent History und Zukunftsweisendes

Heute morgen steht ein Besuch bei der Tagesklinik – bzw. der angeschlossenen Spezialpraxis – an, in der ich diesen Sommer so oft war. Ein komisches Gefühl, den gleichen Weg wieder zu gehen, nur diesmal nicht in Flip Flops und Flatterkleidchen, sondern in Stiefeln und Wintermantel. Als wäre das alles ewig her, dabei liegen nur gut drei Monate dazwischen. Zufriedenstellender Besuch jedenfalls, das ist alles auf einem guten Weg und wenn es keine gravierenden Entwicklungen zum Besseren oder Schlechteren gibt, muss ich da erstmal nicht mehr hin und kann in der normalen Fachpraxis weiter behandelt werden. Sehr schön, auch der Hinweis, dass mein Medikament wahrscheinlich gar nicht sooo immunsuppressiv ist – ich kriege jetzt vielleicht „statt vier Infekten im Jahr fünf“, aber die werden dadurch nicht schlimmer oder langwieriger. Na mal gucken.

Herbstflora im Pberg

Auf dem Heimweg noch in der Apotheke vorbei und dann ist erstmal wieder Couchen angesagt – der Termin war so früh, dass ich gar nicht alles von der Morgenroutine geschafft habe. Jetzt also Französisch, Italienisch und Handyspiel jeweils mit den Tagesaufgaben. Dann knurrt auch schon der Magen und ich bereite mir aus vorhanden Vorräten eine leckere Pasta zu.

Linguine mit Lachs, Spinat, Veggie-Sahne, Ingwer, Knoblauch und Apfelessig statt Weißwein – Olivenöl, Pfeffer und Salz sind auch dran

Beim Essen telefoniere ich nochmal ausführlicher mit dem Liebsten, der auch gerade Mittagspause macht, und wir schmieden Pläne. Danach ist mir nach Mittagsschlaf, so langsam holt mich der Restinfekt wieder ein. Ich sage meine heutige Italienischstunde ab, weil ich mich echt platt fühle und lege eine längere Siesta ein.

Auch ohne die Italienischstunde habe ich heute noch drei Termine im Kalender. Erst ein Webinar zu den US-Wahlen – wissenschaftlich erklärt – und etwaigen Lehren, die man für die anstehenden deutschen Wahlen ziehen kann. Danach ein langes Kennenlerngespräch mit einer Mentorin, die mich (mindestens) das nächste Jahr über begleiten wird. Ein sehr guter Einstieg, bei dem wir überraschend viele Gemeinsamkeiten feststellen! Diesen Termin überziehe ich dann so weit, dass ich erst später zum nächsten Treffen im Adulting-Projekt komme, was aber gar nicht so schlimm ist heute. Wir sind heute eine kleine Gruppe und so zeitlich recht flexibel. Kurz vor halb 10 ist Feierabend. Ich esse noch eine Portion Pasta, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und lege mich dann vor dem Schlafengehen nochmal in die Badewanne, den Input des Tages verarbeitend.

13.11.2024 – Augen auf in Brandenburg

Heute klingelt der Wecker, denn ich möchte ein vorhandenes Zeitfenster so gut wie möglich ausnutzen. Also beginne ich die Morgenroutine früher, frühstücke dann die Kokosmilchcouscousmangoreste von gestern und einen heißen Birnensaft und fahre dann mit der Tram zum Alex, um in den RegionalExpress zu steigen. Eine gute Stunde später steige ich im Brandenburgischen aus, in einer wirklich kleinen Kreisstadt. In diesem Kreis wohnen seit ich denken kann und auch schon ein wenig davor meine Tante und ihre Familie. Deshalb kenne ich die Gegend ganz gut, die Kreisstadt selbst jedoch vor allem aus Erzählungen – aus Zeiten, bevor sie vor 15 Jahren ein „Bad“ vorangehängt bekam. Deshalb heißt sie in meinem Kopf auch hartnäckig ohne Bad. Der Freund, der mich am Bahnhof abholt, ist erst seit letztem Jahr regelmäßig hier in Bad Kreisstadt.

Wir drehen zuerst eine kleine Sightseeing-Runde, steigen zur Burg hinauf und laufen durch die Altstadt. überraschend hügelig ist es hier, außerdem gibt es viel Kopfsteinpflaster und Backsteinbauten, aber das ist typisch für die ganze Gegend. In einer engen Innenstadtstraße steht dann das Haus des Freundes, an dem er seit letztem Jahr nun herumwerkelt. Verwandle 200 Jahre altes Haus, das viel Modernisierung und Verschlimmbesserung durchgemacht hat und zuletzt von Messie-Preppern bewohnt wurde in ein schönes, nachhaltiges Haus, das modernen Standards genügt und dabei die ursprüngliche Architektur wieder zum Glänzen bringt. Benutze dazu vor allem Deine einige Kraft, Ideen und Expertise, während Du eigentlich einen Akademiker-Vollzeitjob in Berlin hast und die Hälfte der Zeit über in Potsdam wohnst und Deine Kinder betreust. So ungefähr. Wo nehmen manche Leute bloß den Enthusiasmus und vor allem die Energie her?

Es ist total beeindruckend, was der Freund unter diesen Bedingungen schon alles geschafft hat und ich kann mir – durch viel Staub und Schutt watend – schon gut vorstellen, wie es hier einmal aussehen könnte.

Nach der Baustellenbesichtigung ist es Zeit für Mittagessen. Bad Kreisstadt hat 11.000 Einwohner*innen, aber die Restaurantauswahl ist beeindruckend und kann es (fast) mit meinem Kiez in Berlin aufnehmen. Statt Döner, Asia-Imbiss, Griechisch, Vietnamesisch, Steakhaus, gutbürgerlicher Gaststätte oder Chinesisch entscheiden wir uns erst für Nepalesisch, aber weil dieses Restaurant außer der Reihe zu hat, landen wir dann bei Indisch.

Hier gibt es Chai und Mango Lassi und dann für uns beide ein Lamm Curry mit Ananas, Ingwer und Co. Dazu unterhalten wir uns lang und breit über den Zustand der Welt, Deutschlands und unsere eigene Situation in dem allem. Es geht viel um Wahlen und Wahlkampf, berufliche Pläne, private Vorstellungen und auch vergangene (gemeinsame) Schulzeiten bzw. die alte „Heimat“ und ihre Bewohner*innen. Nach dem Essen haben wir noch ein wenig Zeit, bis mein Zug geht, setzen uns um die Ecke in ein libanesisches Café, trinken Tee mit Kardamom und knabbern Kekse. (11.000-Einwohner*innen, Brandenburg, plattes Land, Leute! Migration fetzt!)

Ich nehme einen recht frühen Nachmittagszug (die fahren hier zweimal die Stunde direkt nach Berlin) und überlasse den Freund wieder seiner Baustelle (Er hört beim Rackern gerade Vorlesungen aus Yale, hat er erzählt). Zurück am Alex steige ich wieder in die Tram, steige aber ein paar Stationen früher aus. Ich muss heute noch zwei Pfanddosen abgeben und gehe dazu in eins der italienischen Restaurants, in dem ich schon mal mit dem Liebsten gut gespeist hatte. Heute nur gucken und Dosen abgeben! Dann laufe ich die restliche Strecke nach Hause und erreiche mein Schrittziel.

Zuhause angekommen habe ich noch genau zehn Minuten bis mein heutiges Webinar beginnt. Ich mache mir etwas zu trinken und lege mich auf die Couch. Das Webinar ist leider thematisch nicht ganz, was ich brauche und verlangt zudem mehr Interaktivität, als ich heute noch in mir habe. Ich breche also ab, bevor ich in Breakout Rooms gesteckt werde um mich über Erfahrungen auszutauschen, die ich nicht habe, und geselle mich stattdessen virtuell zum Liebsten, der gerade ein Hearing aus dem US-Kongress live im Stream verfolgt. Sehr spannend und hat mal nix mit Trump zu tun!

Als es vorbei ist, telefonieren wir nochmal ausführlich und dann verbringe ich den Rest des Abends mit Nachlesen der politischen Entwicklungen des Tages (Das neue Kabinett Trump wird ein wahres Horrorkabinett.) und zum Runterkommen dann mit ein paar Folgen This Is Us.

12.11.2024 – Vom Sofa ins Draußen

Sooooo, ab heute werden hier wieder andere Seiten aufgezogen! Der Hals weht zwar noch ab und zu und manchmal huste ich, aber das ist alles auf einem guten Weg und fühlt sich stark abklingend an. Von daher heißt es heute raus aus den Federn und direkt mal Bett neu beziehen nach dem Liegemarathon (und nachdem Noosa ihr zu eilig heruntergeschlungenes Frühstück aufs Laken gekotzt hat). Mein eigenes Frühstück hingegen bekommt mir sehr gut (Müsli, Kaki, Tee) und dann geht es ins Draußen. Eine Runde zu Drogeriemarkt und Haustierbedarf (gestern Abend hatte es noch den Katzenstreueimer zerlegt).

Wieder zuhause dann das erste Webinar des Tages, das anderthalb Stunden geht, ziemlich inspirierend ist und mich einen guten Schritt weiter bringt. Danach mache ich mir Mittag (Stulle, Paprika, Tomaten) und gucke den zweiten Hanson-Abend nach. Ähnliches Gefühl wie gestern: Ist gut, aber wird vom Hintergrundwissen überschattet. Ich bin kurz davor, das Thema für mich abzuschließen, dann reißen die letzten Songs mich doch wieder mit. Es ist ein Kreuz. Das alles übrigens, nachdem nicht nur Joey Kelly (wie zu erwarten war), sondern auch Farin Urlaub sich an einem Album von Flake beteiligen. Joey kann ich verschmerzen, der ist lange mit Rammstein befreundet und kann wohl nicht aus seiner Haut (und ist nicht so zentral für mein Fandom) aber Farin?? Really??

Bevor es mir zu gemütlich wird, gehe ich wieder raus und drehe eine größere Runde bis zu meinem nächsten Termin. Wir besprechen die Ergebnisse vom MRT neulich, ich habe Krankengymnastik gewonnen und die Aussicht, dass sich das alles noch eine Weile hinziehen wird und wenn es sich zu lange hinzieht, müsse man vielleicht nochmal die Chirurgie hinzuziehen. Leider gibt es für meine Situation kein Wunder aus der Weltraumforschung, sagt der Orthopäde. Und, dass ich jetzt mit Gymnastik loslegen muss, notfalls unter Schmerzmittel. Aber auch: Wenn‘s wehtut, auf den Körper hören. Ja was denn nun?

Wieder zuhause (Schrittziel erreicht!) buche ich direkt Termine bei meiner Physiotherapeutin. Dann Telefonat mit dem Liebsten und eine Folge This Is Us, bevor es Zeit fürs nächste Webinar ist. Das ist ein bisschen weniger mitreißend als heute Mittag, weil es technische Probleme gibt und außerdem beim Urschleim anfängt. Ich höre zu und ziehe nebenbei meinen Social-Media-Profilen Herbstklamotten an.

Zum Abendbrot soll es dann die nächste reife Crowdfarming-Mango geben. Den ganzen Tag habe ich mich auf Milchreis aus Kokosmilch gefreut, aber die Reisbeutel sind leider mottenbefallen. Also nehme ich stattdessen Couscous, geht auch und sogar viel schneller.

Danach weitere Folgen This Is Us, bis es Zeit für einen Livestream aus Chicago ist. In dessen Folge schreibe ich noch ein paar Freund*innen in den USA und dann ist es auch schon Mitternacht und Bettgehzeit.

11.11.2024 – Vom Bett aufs Sofa

Es ist Montag und damit gedanklicher Neustart, zumindest ein bisschen. Erst einmal beginnt der Tag nach einem kurzen Plausch mit dem Liebsten mit einem Webinar um 8:30 (in Worten: acht Uhr dreißig – unchristliche Zeit!), das ich noch vom Bett aus verfolge. Ist dann aber dafür sehr spannend, es geht darum, wie man in Unternehmen „Haltung“ transportieren kann – nach innen und nach außen und kommt natürlich auch nicht ohne aktuelle Bezüge aus. Nach dem frühen Input bin ich einerseits geistig motiviert, lasse es aber körperlich noch ruhig angehen. Den eigentlich für heute geplanten Ausflug ins Brandenburgische sage ich ab, in der Hoffnung, ihn am Mittwoch nachholen zu können.

Stattdessen belege ich Bagel, koche Tee und schneide Obst und setze mich aufs Sofa. Zweiter Teil der Morgenroutine mit Bloggerei, Französisch, Italienisch, Rätseln usw. Dann schaue ich mir in Ruhe den Dokumentarfilm an, den ein Cousin am Wochenende geschickt hat, aus den frühen 70ern, Protagonist*innen größtenteils meine Familie. Ist schon verrückt, die jüngeren Versionen von Onkel, Tante (Papa war als Student laut Film gerade im Praktikum), Großeltern etc. zu sehen, die man so nur vom Foto kennt, in Mimik und Gestik aber trotzdem genau – und dazu die Stimmen und Dialekte von Uroma und Uropa, die ich beide nicht mehr kennengelernt habe. Tolles Erlebnis!

Als Nächstes (und völligen Kontrast) schaue ich mir die Aufzeichnung vom Live-Stream des gestrigen Hanson-Konzerts in Los Angeles an, die Akustik-Version, also im Prinzip das, was ich neulich in Toronto live gesehen habe. Schon erstaunlich, wie anders das aus der Nähe wirkt und wie stark das zwischenzeitlich angeeignete Wissen um die politischen Einstellungen der Band(e) den Genuss beeinflusst. Ich muss zwar immer noch viel mitsummen, gewinne aber langsam eine zynische Distanz, auch weil Taylor am Wahltag und am Morgen danach Posts auf Instagram hinterlassen hat, die an der tröstlichen Vorstellung zweifeln lassen, dass er als einziger der Drei stabil geblieben ist (und man sieht, dass auch er das Kreuz der georgisch-orthodoxen Kirche trägt, die wahnsinnig homophob ist). Ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Drang, (für mich) zu canceln (verkürzendes Buzzword) und dem Vorsatz der Ambiguitätstoleranz, an das Gute im Menschen glauben, Gemeinsamkeiten statt Unterschiede betonen, an das Gute im Menschen glauben und mich auf die positiven Aspekte konzentrieren. Morgen werde ich mir noch den heute stattfindenden zweiten, also elektrischen Teil anschauen und vielleicht bin ich dann soweit, das Kapitel für mich ad acta zu legen.

Schon während des Konzerts (es ist inzwischen früher Nachmittag), beschließe ich, mir zu Genesungsförderung eine Pho zu bestellen. Sissi Chen berichtete neulich auf TikTok über die ihrer Meinung nach beste Pho Berlins und ich wohne genau im Liefergebiet. Zur Pho bestelle ich noch vietnamesische Frühlingsrolle (leider überwürzt und langweilige) und vietnamesischen Kaffee (leider völlig unzureichend verpackt und durch zur Hälfte verkleckert). Dir Pho selbst hingegen ist sehr gut, auch wenn der von Sissi gepriesene Knoblauch leider nicht dabei ist, und liefert mir Mittag- und Abendessen in einem.

Der Kaffee sorgt dafür, dass ich heute zum ersten Mal seit Tagen keinen Mittagsschlaf brauche (gestern waren es sogar zwei Schlafe (?)), sondern stattdessen produktiv werde – Spülmaschine, zwei Waschmaschinengänge, Müllbeutel wechseln – bevor ich mich wieder auf geistige Tätigkeit zurückziehe und mich mehrere Stunden mit Recherche, Reflexion und Planung beschäftige. Als die Konzentration dann nachlässt, gönne ich dem Geist noch ein paar Folgen This is Us (inkl. der in der Jack stirbt, trotz Wissens kann man kaum hingucken), bis es Zeit ist ins Bett zu gehen.

10.11.2024 – Bett-Tag die Dritte

Der Hals, der Husten, der graue November. Gleich früh am Tag klären der Liebste und ich ab, das in beiden Haushalten noch Seuchenzelt ist (trotz negativer Tests) und alle im Bett bleiben, die nicht raus müssen. Somit fällt Kaffee und Kuchen bei den Ellis leider aus, ansonsten ist es aber für einen Novembersonntag nach einer Woche in der Trump zum Präsidenten gewählt wurde ein absolut valides Vorgehen. Vielleicht einfach die nächsten Monate im Bett bleiben?

Thematisch geht es auch heute wieder ähnlich weiter wie die letzten Tage – Weltpolitik, deutsche Politik, This is Us. Mit einer Ausnahme: Heute läuft mein Bibliotheksbuch Februar 33. Der Winter der Literatur von Uwe Wittstock ab, das lese ich also auch schnell noch zu Ende. Tag für Tag erzählt es, wie von der Wahl von Hitler zum Reichskanzler bis zur danach schnell angesetzten Reichstagswahl innerhalb weniger Wochen alles eskaliert und aus der Restdemokratie eine Diktatur wird, mit Gewalt, Folter, Mord und vielen, die fliehen müssen. Sehr erbauliche Lektüre in diesen Zeiten. Nicht. Aber wichtig und gut geschrieben und darum empfehlenswert!

Essenstechnisch wird es heute zweimal spannend. Zum Einen hat mich der Buddenbohmsche Hinweis auf finnische Suppe neulich auf die Kombination Lachs und Kartoffeln gebracht, die ich aber heute dann viel einfacher umgesetzt habe (kein Fischfond im Haus) – als lauwarmer Kartoffel-Räucherlachs-Romana-Salat mit einem Dressing aus vegetarischer Sahne, Forellenkaviar, süßem Senf, Apfelessig und Dill. Die richtige Suppe mache ich auch noch irgendwann, heute kommt mir die Inspiration der Schwester eines Ex-Freundes zu Hilfe, die uns an ihrem Küchentisch in Schöneberg vor ungefähr 20 Jahren Pellkartoffeln mit Butter, Pfeffer und Romanasalat zusammengerührt servierte. Danke K.! (Gleich mal gegoogelt, sie ist inzwischen verheiratet, trägt die Haare braun statt blond und lebt im fränkischen Thüringen, guck an.)

Zum Abendbrot später mache ich mir in Ermangelung des ausgefallen Kuchens die restlichen Pflaumenknödel von neulich warm, mit Butter und Zimtzucker.

Zum Ausklang des Abends noch eine Serienfolge in der Badewanne und dann ist auch dieser Sonntag Geschichte.