Schlaftechnisch eine vernachlässigbare Nacht, findet auch das FitBit. Unbekannte Umgebung, fremdes Sofa, schmerzender Arm und zumindest am Anfang noch ordentlich Kälte in den Knochen… Das wurde nix. Vor halb 8 bin ich endgültig wieder wach und werfe mich mit Verve in die morgendliche Internetroutine – bloß nicht unterkriegen lassen. Nach Bloggen, Französisch und Italienisch drückt die Blase dann so, dass ich aufstehe und den Tag auch in der Kohlenstoffwelt offiziell beginne. Die gastgebende Familie ist ebenfalls wach, die Eltern bauen Möbel auf, das Baby sitzt auf seiner Decke und guckt zu.

Ich nehme dankbar einen Kaffee entgegen und geselle mich dann zum Baby. Es ist in einer sehr angenehmen Lebensphase, sehr genügsam, aber vielseitig interessiert und bereit, Dinge auszuprobieren. Wir beschäftigen uns eine ganze Weile miteinander und dabei macht es nicht nur fein- und grobmotorische Übungen sondern arbeitet auch an seiner Core Body Strength, dem räumlichen Vorstellungsvermögen und außerdem durchblättert es Erziehungsratgeber, Sudoku-Hefte und Ikea-Anleitungen. Nach so viel Stimulation wird es dann müde und legt passend zum Ende der Handwerkerei ein Schläfchen ein, so dass wir zu dritt in Ruhe frühstücken können.
Es gibt Brötchen, Marmelade, selbstgemachte Nuss-Aufstriche, Käse, Mango und importierte Wurstspezialitäten (Mettenden und Weißwurst, mit süßem Senf). Nach dem Essen wird das wieder wache Baby für die Welt draußen flottgemacht und dann ziehen die alte Freundin, das Baby und ich raus in den sonnigen Herbsttag. Wir nehmen die Straßenbahn nach Connewitz und schauen nochmal in der Galerie von gestern vorbei. Die alte Freundin bekommt von meinem Cousin nochmal eine individuelle Tour durch die Kunst während seine Freundin und ich Catch-up spielen bzw. ich als Babysofa fungiere.

Dann brechen meine beiden Hosts wieder auf und ich unterstütze meinen Cousin und seine Freundin seelisch und moralisch beim Abbau der Kunst – Ausstellung endgültig vorbei. Mit dem Auto fahren wir alles zurück in den Backstage-Bereich der gesammelten Aktivitäten der Beiden, wo ich dann auch noch einen kurze Führung durch die anderen Projekte bekomme.

Dann bringen mich die beiden zum Bahnhof, wo ich mir schnell noch ein Sandwich hole und mich dann auf den langen Heimweg mache. Mit der S-Bahn nach Dessau, dort einen Tee gegen die Novemberkälte (ab morgen Winter- statt Barfußschuhe!), mit dem RegionalExpress zum Alex und dann mit der Tram nach Hause. Die Katzen haben sowohl mich als auch das Essen vermisst und sind erfreut, dass beides sich plötzlich materialisiert.
Ich koche mir Pappardelle mit Wildfenchelpesto und Rosinen, trinke dazu heißen Birnensaft mit Zimt und kuschele mich samt Decke und Katzen auf dem Sofa ein. Telefonat mit dem Liebsten, eine Folge „The Diplomat“ und dann eine RomCom mit Niveau zur Einstimmung auf Dienstag: „The American President“ – Bettgehzeit wieder gegen Mitternacht, das scheint sich einzupendeln, wenn morgens kein Wecker klingelt.