29.11.2024 – Harz 7

Erstaunlich gut geschlafen im fremden Bett, so kann das gerne weitergehen hier. Dreiviertel 10 bin ich mit allem fertig, was zum Morgen im Bett dazugehört und gehe nach unten, wo schon zwei von sieben Kaffee trinkend an ihren Laptops sitzen und arbeiten. Ich setze mich mit Tee und Orangen (she feeds you tea and oranges that have come all the way from China) und einem halben Spritzkuchen dazu. Nach und nach steht auch der Rest auf und dann gibt es eine große Frühstücksrunde mit allem Drum und Dran – Eier, Lachs, Tomate-Mozzarella usw.

Insgesamt drei von uns müssen heute arbeiten, aber am Ende haben wir alle fünf unsere Laptops vor uns und tun Dinge. Ich kümmere mich um ein paar Erledigungen, kommuniziere mit alten und voraussichtlich neuen Mitbewohnerinnen und bastle weiter am Weihnachtsgeschenk. Gegen 14 Uhr ist dann Aufbruch ins Draußen. Vier von fünf gehen spazieren/wandern – am Fluss entlang, durch den Borkenkäfer-geplagten Wald, vorbei an riesigen Felsen bis hin zu dem, was hier Wasserfall heißt.

Danach ist das Schrittziel erreicht und es gibt Kaffee, Kakao und Quarkbällchen. Zwei von fünf brechen zum Einkaufen auf, der Rest macht es sich auf den Sofas bzw. in der Badewanne gemütlich. Dann kehren die Beiden zu dritt zurück, mit einem Rostocker Cousin im Gepäck. Jetzt ist es an der Zeit, mit der Abendbrotzubereitung zu beginnen. Wir schnippeln Salat und belegen insgesamt vier ausgedehnte Fertig-Pizzateige mit allem was das Herz begehrt und mit der Ankunft des zweiten Rostocker Cousins sind wir dann auch für dieses Mal vollständig und schaffen die Pizzen fast – Grüße an den Münchener Cousin gehen raus, mit Dir hätten wir alles verputzt!

Zwei von vier Pizzen

Dazu gibt es dann noch diverse Getränke und Snacks und Gespräche – Familiäres, Politik, WG-Leben, Berufliches… Gegen Mitternacht verabschieden sich die Männer ins Bett, die Frauen sitzen noch. Kurz vor 2 mache ich den Abflug, am Ende bleiben die drei Schwestern übrig.

28.11.2024 – Schon wieder on the road

Ich wache unnötigerweise gegen 6 schon auf, über die Gründe breiten Noosa und ich den Mantel des Schweigens, beide Seiten haben sich da nicht mit Ruhm bekleckert. Dafür kuscheln wir dann aber ausgiebig, auch mit Nimbin, während ich noch lese, blogge, Italienisch und Französisch mache und zwischendurch mit dem Liebsten telefoniere. Gegen halb 10 stehe ich dann auf und mache für alle drei Frühstück, bevor eine Haushaltsrunde ansteht (und sowas kann ich besser als der schwarzrote Berliner Senat).

Geschirrspüler ausräumen, Katzenklo komplett entleeren und einweichen, zwei Runden Müll rausbringen (durch grauen Novemberregen), Wäsche zusammenlegen, Biomülleimer abwaschen und neu aufsetzen, Katzenklo wieder in Gang bringen, Pflanzen gießen, Katzenbrunnen auffüllen, abwaschen. Verschnaufen, verschnaufen, verschnaufen. Dann ist irgendwann auch die Mitbewohnerin wach und ich zeige ihr, was sie heute und morgen in meiner Abwesenheit noch mit den Katzen anstellen muss, bevor sie dann morgen Nachmittag auszieht.

Jetzt ist Laptop-Zeit angesagt, es gibt Dinge zu erledigen – Buchhaltung, Papierkram, Behördenschnickschnack. Und dann Arbeit am zweiten Weihnachtsgeschenk der Saison. Dann kommt sich die Mitbewohnerin verabschieden, die einen Termin außerhalb hat und erst zurück kommt, wenn ich schon weg bin. Herzliche Umarmung und beste Wünsche auf beiden Seiten.

Dann habe ich noch anderthalb Stunden Luft, da passen locker zwei Folgen This Is Us rein.

Und dann ist schon wieder Action-Mode: Durch die Wohnung wuseln, Sachen packen, Gepäck nochmal umpacken, um der Arm-Situation gerecht zu werden. Dreiviertel 4 verlasse ich die Wohnung mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken, einer schweren Tasche rechts und einer leichten Tasche links und laufe durch nasses Novemberwetter, das gerade auch schon richtig dunkel wird, zur S-Bahn. In Friedrichshain werde ich das Gepäck los – es wandert ins Auto – und gehe mit den beiden Berliner Cousinen noch in den Supermarkt. Dann sitzen auch wir im Auto und fahren dreieinhalb Stunden im Dunkeln und bei Regen erst durch die Stadt und dann über insgesamt fünf Autobahnen bis in den Harz. Dabei laufen viereinhalb CDs.

An unserem Ferienhaus angekommen machen wir erst einmal einen Rundgang und packen dann die Lebensmittel aus. Wir schnippeln zu dritt Gemüse, dann übernehme ich das Kochkommando und mache Tagliatelle mit einer Tomaten-Gemüse-Sauce, während die beiden nochmal losfahren und meinen Bruder und die Potsdamer Cousine vom Bahnhof abholen.

Großes Hallo, Pasta, Wein und Gespräche. Nach dem Essen spielen wir noch mehrere Runden Just One. Dann werden die Zimmer verteilt und gegen halb 1 liegen alle in den Betten. Hinter dem Fenster rauscht der Fluss und ich bin gespannt, wie das alles morgen aussieht, wenn es hell wird.

27.11.2024 – Vor und zurück

Nach dem es gestern so gut lief, muss heute natürlich ausgeglichen werden – das Universum im Gleichgewicht oder so. Die Nacht ist unruhig und kurz, weil Noosa und Nimbin finden, sie bräuchten gemeinsam genauso viel Platz im Bett wie der Liebste und ich dann eben zwischen beiden Parteien schlafe, mit dem wehen Arm. Ab 5 geht nichts mehr. Halb 7 stehe ich auf und mache dem Liebsten Kaffee, um 7 bricht er auf zur Arbeit und ich drehe mich nochmal um und schlafe komatös erst bis halb 9 und dann bis 10. Bis ich mich zum Aufstehen aufrappeln kann, ist es schon fast 12, da bin ich dann aber schon mit Italienisch, Französisch, Bloggen und Internet leer lesen durch. Die Katzen genießen die Sonne auf dem Balkon.

Frühstück Italian style – Kaffee, Kekse, Obst (Kaki und Apfel) und dann muss ich auch schon los. Mit der Tram geht es zu einem Bürgeramtstermin in Lichtenberg. Ich bin zwei Minuten vor Termin da, werde pünktlich aufgerufen und bin zwei Minuten später wieder draußen. Wenn man erst mal einen Termin hat, ist das System extrem effizient. Zum Mittag bin ich mit einem Freund verabredet, der in Lichtenberg wohnt. Ich laufe durch ein Plattenbauviertel. Wir treffen uns am Supermarkt und holen uns dort was. Dann geht es weiter zu ihm – ein moderner Neubau mitten und ganz versteckt zwischen der alten DDR-Platte.

Wir erzählen, während das Essen sich wärmt – ich habe Ofenkäse und Butterbrezel, der Freund macht sich Spiegeleier mit Chilis und ein Burger-Patty.

Kurz nach dem Essen ist dann schon wieder Aufbruch. Tram und S-Bahn bringen mich zurück in den Pberg, ich habe wieder Physiotherapie. Heute machen wir keine Übungen, sondern ich bekomme manuelle Therapie, ausführliche Gespräche und Tipps und liege dann hinterher wieder auf den Heizkissen, diesmal gleich 20 Minuten, weil ich keine Anschlusstermine mehr habe.

Auf dem Heimweg ist es schon stockdunkel. Ich halte an einem Späti an, bei dem ich auf dem Hinweg im Augenwinkel Quitten entdeckt habe, und nehme mir welche mit. Die dürfen jetzt erst einmal eine Weile die Wohnung parfümieren und dann habe ich auch schon Ideen, was ich noch damit anstellen kann.

Den Rest des Nachmittags und den Großteil des Abends liege ich platt auf der Couch – immer noch müde und nach wieder 10.000 Schritten ordentlich erschöpft. Ich schaue mir gleich zwei lange Interviews mit Angela Merkel zu ihrem Buch an, eins von Hazel Brugger (das Unterhaltsamere und Unerwartetere) und eins von Anne Will. Zwischendurch bastele ich mir schnell einen Reste-Kartoffelsalat mit Gurke, Dill, Zitrone und saurer Sahne. Kurzer Schnack mit der Mitbewohnerin und dann geht es gegen 10 mit This Is Us in die Badewanne und bald darauf ins Bett – heute mit zusätzlichem Wärmekissen für Schulter und Arm.

26.11.2024 – Ein sehr okayer Tag

Ich verwende „sehr okay“ hier wie der Liebste, wenn er ein Essen als „äußerst mittelmäßig“ bezeichnet. Er kommt aus Ostwestfalen, das ist quasi das größtmögliche Kompliment. Der Tag ist gelinde gesagt fantastisch, auch wenn die Erkältung natürlich immer noch nicht weg ist. Es fängt schon mal damit an, dass kein Wecker klingelt und dass die Sonne scheint (Ich wache trotzdem vor 7 auf, danke Katzis).

Ich hoppele fröhlich im Bett liegend durchs Internet und rolle dann irgendwann tatsächlich meine Yoga-Matte aus und gucke was geht.

Von den Übungen im Video kann ich nur einen Bruchteil richtig mitmachen, aber schon die Stimmung hilft mir, mich besser zu fühlen. In den Zeiten, wo ich nicht mitkomme, mache ich stattdessen Übungen, die mir die Physiotherapeutin gestern gezeigt hat. Nicht ohne Schmerzen, aber nach und nach gehen sie zumindest einfacher.

Danach gibt es Frühstück – „Peanut Butter & Jelly“-Brote mit Erdbeerkonfitüre und Sanddorngelee und eine reife Kaki. Mit Blick auf meinen Terminkalender und das Wetter beschließe ich, mein mittägliches Webinar über das Handy zu verfolgen und dabei eine stramme Runde spazieren zu gehen. Könnte man fast als Walking bezeichnen, was ich da mache, aber die Armbewegungen sind mir noch ein bisschen unangenehm und peinlich, die lasse ich weg, sobald irgendwo Menschen zu sehen sind. Tempo und Gang passen aber schonmal einigermaßen.

Das Webinar ist schon vorbei, aber ich kehre erst wieder nach Hause zurück, als das Schrittziel erreicht ist und die Sonne langsam hinter Wolken verschwindet. Dann kurz verschnaufen (keine 20 Minuten), bevor es klingelt und das dritte und wahrscheinlich letzte WG-Casting der Woche der Woche ansteht. Die Kandidatin und ich haben von Anfang an einen sehr guten Draht zueinander und quatschen nach den Formalitäten noch sehr lange mit einer Tasse Tee. Gut möglich, dass das klappt.

Als sie weg ist, mache ich mir Reste von gestern zum Mittagessen warm – nochmal Pellkartoffeln mit Blumenkohl, verfeinert mit Röstzwiebeln. Danach hätte ich eigentlich Platz im Zeitplan für weitere Produktivität, aber ich bin auch sehr müde und erschöpft von so viel frischer Luft und Bewegung. Ich packe noch die eben angekommene Crowdfarming-Kiste aus und lande dann auf dem Bett und ruhe mich aus, bis kurz vor 7 dann der Liebste klingelt.

Wir feiern das Wiedersehen nach knapp drei Wochen ordentlich. Es gibt Aperol Spritz, Käse, Oliven und Taralli zum Aperitif, dann klingelt der Lieferfahrer und bringt Carpaccio, Burrata, Tagliatelle alla Bolognese und Spaghetti mit Trüffelcreme und Steinpilzen. Das Restaurant packt uns noch eine Panna Cotta mit Karamellsauce und eine Handvoll Gianduia-Pralinen kostenlos mit drauf. Hachz.

Nach dem Essen machen wir es uns mit einem Fläschschen Primitivo und den Katzen auf dem Sofa gemütlich, erzählen und schmieden Pläne. Dann geht es schon gegen 23 Uhr ins Bett, denn morgen klingelt der Wecker wieder früh.

25.11.2024 – Okayness fast erreicht

Hui, die Nacht war kurz mit spät einschlafen und früh aufwachen, da hilft nur sehr viel Tee am Morgen – Weißer mit Himbeere in diesem Fall. Gestern scherzte ich noch mit der Freundin in Madrid, wie anstrengend mein Leben doch ist, weil ich morgen einen Physiotermin UND ein Seminar habe, aber seit dem Telefonat ist einiges passiert und mein Tag wird jetzt auch objektiv ganz schön voll und intensiv.

Zum Frühstück gibt es Müsli mit Restemango und Hafermilch und die letzte Bagel-Hälfte mit Erdbeermarmelade und dann geht es los mit Zeugs machen. Erstmal kurz die Küche auf Vordermann bringen, im Wohnzimmer aufräumen, das Bett neu beziehen und das Katzenklo durchsieben. Dann bricht die Mitbewohnerin zu einem Termin auf und ich wirbele einmal mit dem Staubsauger durch die Wohnung und wische hinterher noch Bad und Küche. Dann klingelt es auch schon und der erste WG-Casting-Termin der Woche findet statt. Immer wieder spannend, was für unterschiedliche Menschen und Lebensentwürfe man dabei so kennenlernt und was für Gemeinsamkeiten man plötzlich mit Leuten findet, wo auf den ersten Blick keine sind. Wir quatschen eine knappe Stunde, dann verabschiedet der Kandidat sich Richtung Büro, mit Restaurantempfehlungen fürs Mittagessen im Gepäck – sein Büro liegt nämlich da, wo meins zehn Jahre lang war.

So, erstmal tief durchatmen jetzt. Dann Mittagessen machen – es gibt weiter Reste. Syrisches Reisgericht von gestern mit Minzjoghurt und Baked Beans. Ungewohnte Kombination, aber ernährungswissenschaftlich ziemlich ausgewogen.

Kurzer Check-in mit der zurückgekehrten Mitbewohnerin. Ihr Abflug ist jetzt also am Freitag. WG-Dauer sechs Tage – das ist ein neuer, trauriger Negativrekord. Aber so ist das mit dem Leben, es schlägt oft unverhoffte Wendungen. Nochmal tief durchatmen und dann klingelt der zweite WG-Casting-Kandidat der Woche. Wieder ungefähr eine Stunde lang Wohnung zeigen, vorsichtiges Abklopfen und dann entspanntes Plaudern. Wieder ein völlig neuer Mensch und so ganz anders. Ich stelle mir dann immer eine Weile vor, die Person würde dann wirklich einziehen und wie das Zusammenleben so wäre und finde das kurz toll und dann wird’s irgendwann wieder normal und das kritische Abwägen der Fakten beginnt. Ein bisschen wie Dating und ähnlich anstrengend.

Wir abschieden uns, dann habe ich nochmal eine halbe Stunde Pause und dann muss ich los zum ersten Physiotermin. Endlich passiert da mal wieder was mit dem blöden Arm! Auch schön, die Yoga-Lehrerin/Physiotherapeutin wieder zu sehen, jetzt wo der Kurs erstmal geendet ist. Wir versuchen ein paar Übungen, mit denen ich jetzt Hausaufgaben machen werde. Außerdem gibt sie mir Tipps, wie und in welchem Rahmen ich mein Sportprogramm langsam wieder aufnehmen kann. Juhu! Zum Schluss noch 15 Minuten auf dem Wärmekissen liegen und dann laufe ich beflügelt durch das dunkle Berlin zurück. Die Aussicht darauf, bald wieder mehr so leben zu können, wie ich es mir für diese Lebensphase erträumt hatte, hebt meine seit Wochen miese Stimmung ungemein. Jetzt muss nur noch diese Dreckserkältung endlich richtig weg sein, aber das dauert wohl noch ein Weilchen.

Fast pünktlich um 18 Uhr bin ich zurück zu Hause und setze mich direkt für anderthalb Stunden Webinar an den Schreibtisch. Es gibt viel Input und Austausch und Anknüpfungspunkte für weitere Recherchen. Und Nimbin macht fleißig Katzenmeetingdienst und erfreut die anderen Teilnehmerinnen.

Nach dem Webinar wird dann endlich Abendbrot gekocht. Es gibt Blumenkohl mit Mehlschwitze an Pellkartoffeln.

Beim Kochen telefoniere ich mit dem Liebsten, beim Essen mit einem Freund – insgesamt dann auch wieder ne Stunde. Dann ist der Sozialakku endgültig alle.

Ich schaue noch die Doku zu Jamel rockt den Förster, die gerade durch alle meine Kanäle gereicht wird und in der ARD-Mediathek zu finden ist. Schwanke wie immer zwischen auch mal hinfahren wollen und der Angst, das genau dann was passiert.

Kurz nach 10 mache ich mich bettfertig und schaue dann zum Runterkommen noch ein bisschen This Is Us und dann ist endlich mal wieder vor Mitternacht Schlafenszeit.

Tagesbilanz: Schrittziel locker erreicht, Rotzelevel immer noch beachtlich, Hustenlevel außer abends händelbar. Onwards and upwards!

24.11.2024 – Noch okayer

Erstaunlich gut geschlafen, dafür dass eine neue Person im Haushalt ist. Mit explizitem Sonntagsgefühl aufgewacht und dann lese ich erstmal sehr ausführlich das Internet durch und folge auf der morgendlichen Blogrunde auch vielen Links und Querverweisen. Irgendwann knurrt dann aber doch der Magen – Nimbins lauter als meiner – und ich stehe auf. Zum Frühstück gibt es Spiegelei, einen Rest Wurst, Baked Beans, Brot, Sanddorngelee und die letzte Crowdfarming-Mango, dazu schwarzen Tee mit ebendieser. Die Mitbewohnerin schläft noch, freut sich aber später über Teile davon.

Ich selbst habe als einzigen Termin heute ein Telefonat mit der Freundin in Madrid stehen. Wir quatschen fast drei Stunden (brutto) und haben uns sehr viel zu erzählen und Ideen zu spinnen und Dinge zu feiern. Zwischendurch rufen dreimal andere Leute an – Sonntag ist wohl so ein Tag – und hinterher habe ich eine ziemlich lange To-Do-Liste, die sich aus den vier Gesprächen ergibt. Dann geht es hinaus ins Draußen, eine Runde für die mentale Gesundheit drehen, solange es draußen noch hell ist.

Wieder zurück kümmere ich mich um die ersten Punkte der neuen To-Do-Liste und dann um meine Sprachlern-Pflichten, bis die Mitbewohnerin ihrerseits von einer Verabredung zurückkommt. Wir bestellen uns syrisches Essen zum Abendbrot – Teigtaschen mit Schafskäse und Thymian, Rotkohl-Granatapfel-Salat, Reis mit Auberginen und Zeug, Minz-Joghurt – und besprechen die Lage.

Leider führt kein Weg dran vorbei – sie muss ungeplant aber final schon in den nächsten Tagen wieder zurück in ihre Heimat, das WG-Intermezzo bleibt ein kurzes. Schweren Herzens aktiviere ich mein Mitbewohner*innen-Gesuch wieder und erhalte dann den ganzen Abend über Anfragen, die es zu sichten und beantworten gilt. Erste Besichtigungstermine werden gemacht. Nebenbei unterhalten sich die Mitbewohnerin und ich weiter – viel über das Leben, den Alltag und die Politik in ihrem Heimatland, außerdem über ihre Katzen, ihren Freund und ihre Familie und am Ende sehr lange über Harry Potter.

Gemeinsam haben wir den dritten Band in insgesamt vier Sprachen zur Hand – Englisch, Italienisch, Niederländisch und Türkisch. Wir stecken die Köpfe über dem ersten Kapitel zusammen und versuchen uns zusammenzureimen, was was heißt – jeweils in der/den Sprache(n), die wir nicht können und mit der Englischen Ausgabe Ausgabe als Referenz. Ich stelle fest, dass ich im Türkischen außer den Eigennamen aus dem Harry-Potter-Reich nur die Lehnwörter aus dem Lateinischen verstehe, erkenne dann noch ein paar Substantive, weil ich sie als Namen kenne (Umut heißt Hoffnung!) und erschließe mir Onkel und Tante. Die Mitbewohnerin kommt mit Italienisch und Niederländisch noch weniger weit als ich. Aber hey, die Bücher lieben wir beide – auch wenn ich sie vor Jahren gelesen habe, als sie rauskamen, und sie erst jetzt richtig anfängt, aber dafür alle Filme mehrfach gesehen hat.

Die Katzen sind übrigens die ganze Zeit dabei und auch Noosa lässt sich inzwischen bereitwillig von ihrer neuen temporären Mitbewohnerin streicheln. Es ist schön und gleichzeitig ein Jammer. Ich gehe dann recht früh ins Bett und schaue noch recht lange This Is Us.

23.11.2024 – Dreiviertel OK

Heute morgen geht es noch ein Stückchen besser, auch wenn ich von einer Katzenkralle im Gesicht aufwache und deutlich vor dem gestellten Wecker. Ich nutze den Schwung und stehe gleich nach dem Bloggen (und einem etwas widerwilligen Partei-Wiedereintritt) auf und ziehe mich an. Dann wird Tee gekocht (mit Ingwer, Kurkuma, Zitrone und Honig) und Müsli gemacht (mit dem Rest Dickmilch, Kaki und Apfel) und dann geht es an den Schreibtisch für ein dreistündiges Webinar. Holla. Inklusive interaktivem Anteil mit Gruppenarbeit in Breakout-Rooms. Ist dann aber insgesamt weniger anstrengend als vorher befürchtet. Hinterher telefoniere ich endlich mit dem Liebsten, dann geht es eine kurze Runde einkaufen.

Wieder zurück bin ich dann rechtschaffen platt und gedenke, den Rest des Tages rekonvaleszent auf der Couch zu bleiben. Die Abendverabredung muss leider wieder abgesagt werden – immer noch Schodderei aus Nase und Rachen, es ist ein langwieriges Elend. Dafür gibt es dann aber erstmal Schnittchen mit Gurke und Ringelbete zum späten Mittagessen.

Ich höre die Nullerjahre zu Ende und lese mich durch einiges Liegengebliebenes der letzten Tage. Am späten Nachmittag dann Auftritt neue Mitbewohnerin. Nimbin ist hocherfreut über das Wiedersehen und begrüßt sie schon nach kurzer Karenzzeit, Noosa bleibt erstmal skeptisch, kommt aber dann recht schnell zumindest mal gucken und sitzt später geborgen auf meinem Schoß, während die Mitbewohnerin am anderen Sofaende hockt. Das lässt sich gut an mit den Dreien bzw. uns Vieren. Leider hat sich gestern ergeben, dass unsere gemeinsame Zeit wahrscheinlich sehr viel kürzer sein wird, als ursprünglich geplant. Widrige Umstände, act of god, wie es im Englischen heißt. Na mal gucken – one day at a time.

Die Mitbewohnerin geht noch mit ihren beiden Umzugshelfer*innen (wenn man zwei Koffer, einen Laptop, einen Rucksack und ein paar Beutel Umzug nennen kann) etwas essen, ich mache mir hingegen ein Seelen- und Bauchstreichelndes Abendbrot zuhause. Es gibt Grießbrei mit Rosinen und Orangenblütenwasser, dazu Pistazien und mehr Kaki.

Später am Abend schaue ich im Bett weiter This Is Us, während Nimbin munter zwischen beiden Zimmern (und Betten) hin und her wandert. Noosa bleibt bei mir, geht aber später auch nochmal gucken, wer da denn nun im anderen Zimmer liegt. Der Abend endet geradezu besinnlich gegen Mitternacht.

22.11.2024 – Halb OK

Ich fühle mich am Morgen zumindest ein winziges bisschen besser und da meine innere To-Do-Liste Panik schiebt helfe ich dem Gefühl mit Aspirin+C und einer Mate nach, nutze den geistigen Aufschwung für ein länger liegengebliebenes Anliegen im Internet, beantworte E-Mails, erledige Überweisungen und stehe dann auf. Die Katzenklos gehören durchgesiebt, der Biomüll lebt und droht über die Ufer zu treten, anderer Müll ist auch voll und ein bisschen Bad und Küche befrieden ist auch dringend vonnöten.

Dazu höre ich Hendrik Bolz – Nullerjahre und trete in eine teils vertraute, teils fremde Welt ein. Der Mann ist fünf Jahre später als ich ebenfalls in ostdeutscher Provinz aufgewachsen, aber in ganz anderen Kreisen und eben in Stralsund. Trotzdem erkenne ich so einiges wieder und sehe bei den Beschreibungen der Plattenbauten eben den Gesundbrunnen in Bautzen vor mir, auch wenn ich mit dem nie viel zu tun hatte. Google spontan nach alten Klassenkameraden, die damals zu uns an die Schule wechselten, als das Plattenbau-Gymnasium zumachte, und ahne, wie deren Leben so aussah.

Gegen Mittag erkläre ich den Haushaltspart des Tages für beendet, esse Restepasta und gehe dann nochmal ins Draußen, bis zum Copyshop und zurück, um etwas auszudrucken. Wieder zuhause geht es völlig kaputt zurück auf die Couch. Gesund ist anders, aber es fühlt sich gut an, etwas geschafft zu haben und mal was anderes gesehen zu haben.

Die Party heute Abend kann ich leider knicken und habe ich schon vormittags abgesagt. Auch andere Pläne werden durchkreuzt und das senkt die Stimmung weiter. Zur Aufhellung bestelle ich mir dann ein panasiatisches Abendessen bei dem ersten Laden, bei dem ich in Berlin je bestellt habe, damals 2007 als ich für ein paar Wochen zum Praktikum hier war. Es gibt Spinat-Ingwer-Wantans mit Erdnuss-Chili-Sauce, wie seit damals immer, außerdem Bun Tofu und ein Litschi-Lassi. Sehr lecker, wenn auch wieder sehr teuer (gestiegene Preise im Allgemeinen, Service-Gebühr, Liefergebühr… gab es damals alles nicht) und das Tofu enthält dann auch wieder genug Histamin für späte Bauchschmerzen, aber manchmal muss der Bauch da durch, für den Gaumen und die Seele.

21.11.2024 – Nochmal

Ein weiterer trüber Tag, der im Bett vor sich hin zerfasert. Kranksein ist dann doch irgendwann doof, vor allem, wenn es einen von schönen statt blöden Dingen abhält. Immerhin schon etwas weniger Rotz als gestern, aber das ist auch schon alles.

Highlights heute sind ein Bad, schöne Telefonate mit dem Liebsten, der Rückzug von Matt Gaetz und diese Pasta nach Marcella Hazan:

Achja und ich habe mein Buch ausgelesen, sehr zu empfehlen, auch um nochmal die nähere Vergangenheit (Pandemie) aufzuarbeiten. Und im Buch werden auch Serien erwähnt, die ich zu der Zeit gesehen habe – Transparent, Marvelous Mrs Maisel und Grace and Frankie. Ich mag, wenn alles so miteinander verwoben ist. Witzigerweise kommt die Pandemie jetzt auch gerade in This Is Us an (Ja, bin schon in Staffel 5.), neben George Floyd und Black Lives Matter und da landet man dann auch ganz schnell wieder in der Gegenwart.

20.11.2024 – Rotztag

Heute wache ich auf, weil Noosa neben mir laut schnarcht und ich dann direkt beim Umdrehen anfange zu husten und mir dann die Nase putzen muss und damit geht der Tag eigentlich genau passend los. Ich verbrauche Unmengen Taschentücher, verschiebe was ich verschieben kann auf später und richte mich aufs Kranksein ein. Schon wieder. Verdammter Mist, das macht keinen Spaß so.

Was nicht verschiebbar ist, ist ein Handwerkerbesuch, der zwar etwas Besserung und Klarheit bringt, aber mein Ungehaltensein über Immobilienkonzerne weiter verschärft – neuer Handlungsbedarf demnächst, wenn Kopf und Stimme wieder klar genug sind. Außerdem höre ich mir mittags noch ein Webinar zu Zivilcourage an – und zur Umsetzung derselben am Arbeitsplatz.

Davon ab besteht der Tag aus Liegen, Lesen, Serien gucken, mehrfach mit dem Liebsten telefonieren, Katzen kuscheln und Essenszufuhr.

Morgens gibt es das neue Nussmüsli mit Dickmilch und Birne – sehr lecker! Bei den Preisen für „Schwedenmilch“ werde ich mich aber wohl demnächst auf Mequitos Methode umstellen und das Zeug selber vermehren. Geht nur aktuell nicht, weil ich keine normale Milch im Haus habe. (In diesem Zusammenhang: Ich bin gespannt, was meine neue Mitbewohnerin ab dem Wochenende an kulinarischen Einflüssen mitbringt. In ihrer Heimat wird sehr viel Joghurt gegessen.)

Mittags gibt es den letzten Rest Eintopf, verlängert und verfeinert mit dänischen eingelegten Gurken, was dem Ganzen etwas osteuropäisches gibt.

Abends habe ich dann große Lust auf Fastfood-Bestellung, entweder Burger oder Burritos. Als ich die Preise sehe und ins Verhältnis zur voraussichtlichen Qualität und Befriedigung setze, entscheide ich mich dann doch für Selbermachen. Der letzte Mitbewohner hat einen Rest Tiefkühlpommes da gelassen, dazu fülle ich meine letzte Paprika mit Knoblauchfrischkäse und überbacke sie mit Ziegenkäse und Bergkäse. Das kommt dem „FettSalzZucker“ bzw. „Heiß & Fettig“-Bedürfnis schon sehr nahe. Burger und Burrito dann demnächst mal wieder vor Ort im Restaurant!