27.10.2024 – Sonntägliches

Vom Gefühl her schön viel geschlafen (und ja auch eine Stunde mehr als der Blick auf die Uhr vermuten lässt), aber das FitBit sieht das anders und zählt weniger Stunden als mein Gefühl. Nun denn. Glauben wir dem Gefühl. Übliche Morgendinge, irgendwann Telefonat mit dem Liebsten, dann aufstehen und Sonntagsfrühstück, mit Ei und so.

Arbeitsames lasse ich heute bleiben, der Rest vom Haushalt kommt morgen dran, heute ist Sonntagsruhe. Überhaupt habe ich alles, was nach Produktivität, Erledigung und Organisation klingt innerlich auf „ab Montag“ geschoben, um ein bisschen Struktur in das Ganze zu bringen. Eine richtig scharfe Trennung gibt das Leben aber natürlich nicht her, Kleinigkeiten an Organisiertheit schleichen sich doch immer wieder ein. So telefoniere ich mit dem Bruder und wir verabreden uns für den Nachmittag, außerdem reserviere ich einen Tisch für Dienstag (das Essen mit Hausaufgaben mit der Liebstenmama) und trage Konzert- und Ferientermine in den Kalender ein.

Am späten Mittag (?) gehe ich nach draußen. Bis hierhin war draußen blauer Himmel gewesen, jetzt zieht es sich zu. Trotzdem sind die Straßen voller Menschen und vor den gastronomischen Einrichtungen wird gesessen und erzählt – vielsprachig, wir sind hier in Berlin. Trotz der vielen Sprachen aber wirkt das alles optisch sehr homogen. Berlin so white und das nicht nur im Prenzlauer Berg. Habe das schon mehrmals in Podcasts thematisiert gehört und auch von der Freundin des Pittsburghers, die beim Spazieren durch Toronto anmerkte, dass sie sich dort wohler fühle als in Berlin, weil dort die Nichtweißen sichtbar nicht die Minderheit sind. Berlin als divers, offen und multikulturell zu empfinden ist also auch so ein weißes Privileg.

Am Altglascontainer interessante Begegnung mit Obstkonserven aus den letzten zwanzig Jahren, sauber beschriftet und sortiert nach Pflaume oder Pfirsich – vermutlich nach einer Haushaltsauflösung? Sollen sich das Leute hier mitnehmen, die sie gebrauchen können oder war jemand nicht in der Lage, sie entweder zu leeren und das Glas zu entsorgen oder das Ganze in den Restmüll zu geben? Bin unschlüssig, wie ich das finde.

Berlin schön herbstlich zu finden ist wahrscheinlich auch ein Privileg materieller Art – keine Angst vor Kälte zu haben und außerdem Zeit, am Sonntag zu flanieren.

Dort, wo der Prenzlauer Berg am vollsten und hipsterigsten ist – voller Touristen, Expats und (ehemaligen) Partyberliner*innen mit Kinderwägen – treffe ich den Bruder und seine Freundin, die in der Gegend zu tun hatten. Wir laufen schnell weiter in ruhigere Gefilde und kehren in dem Café ein, in dem ich neulich mit dem Pittsburgher und seiner Freundin war. War Cheesecake und Peach Pie Latte bekommt der Bruder endlich seine verspäteten Geburtstagsgeschenke und dann erzählen wir uns die letzten Wochen und planen die nächsten.

Hinterher gehen wir noch ein Stück gemeinsam, bis sie zur Tram abbiegen, und dann laufe ich wieder nach Hause. Ich mache mir einen Tee, verziehe mich auf die Couch und schaue eine Weile in das nächste Jens-Wonneberger-Buch rein. Nach etwa einem Drittel (es ist ja zum Glück wieder sehr dünn) habe ich genug für heute und telefoniere stattdessen „kurz“ mit der Freundin in Frankreich. Kurz bei uns heißt immerhin eine Stunde und 38 Minuten. Dann sind wir wieder auf dem neuesten Stand und haben beide sowas wie einen Plan.

Zur Belohnung gibt es die letzten drei Folgen der zweiten Staffel „And Just Like That…“ (Fünf Jahre? Really??) und danach schaue ich noch „Inside Out 2“, bis es Zeit wird, ins Bett zu gehen – die nächsten Jahre mit dem Teilzeitkind werden spannend, es wird ja „bald“ schon 12. ZWÖLF!!!!! (In zwölf Jahren übrigens wird der Liebste 60, das fiel uns neulich auf und beschäftigt ihn noch mehr als mich.)

Hinterlasse einen Kommentar