03.09.2024 – All Friedrichshain, all day

Ziemlich furchtbar geschlafen wieder wegen einer Mischung aus Armweh und Kopfchaos, unterstützt von den Katzen, die so kuschelig sind, dass sie jede Position in der der Arm halbwegs gut liegt in kürzester Zeit zunichte machen. Konsequenterweise dann von 4 bis 6 wachgelegen und danach nur noch bis kurz nach 7 weiter gedöst, halb 8 hätte eh der Wecker geklingelt, denn dieser Tag ist pickepackevoll durchgeplant.

Kurz nach 9 verlasse ich das Haus und fahre mit Tram und Tram zu einer Arztpraxis, die Fahrt nutze ich zum Schreiben und Beantworten organisatorischer Nachrichten. In der Praxis muss ich kurz warten, werde dann untersucht und hole mein nächstes Rezept ab, dann Terminabsprachen für nächste Woche und in 7 Wochen und Einscannen der Unterlagen aus der Tagesklinik. Nächste Station Apotheke und Medikament abholen. Großer Punkt von der To-Do-Liste dieser Woche abgehakt.

Dann habe ich knapp zwei Stunden Zeit bis zum nächsten Arzttermin und fahre mit der nächsten Tram weiter ins Herz von Friedrichshain, wo es einen Laden meines Internetproviders gibt, der allerdings abweichend von den regulären Öffnungszeiten zu hat. Also laufe ich weiter und nehme die S-Bahn zum Ostbahnhof, wo der nächste solche Laden ist. Dort muss ich kurz warten, dann kann ich mit jemand Kompetenten sprechen – nur unterbrochen vom Baustellenlärm und von einem weiteren Kunden, der nach mir ankommt und mehrfach meint, er könnte sein Anliegen ja irgendwie zwischen meinem unterbringen und mehrfach zurechtgewiesen und vertröstet werden muss.

Wir sprechen etwa eine halbe Stunde über die Dilemmata, die ich nun seit Juni mit dem Provider habe und ich komme zumindest mit etwas mehr Durchblick und einem Plan wieder raus. Der beinhaltet das Schreiben zweier Briefe, was ich auf morgen vertagen muss, und ein weiteres Telefonat mit der Hotline, das jetzt eigentlich noch vor den Arzttermin passen könnte. Ich nehme die S-Bahn zurück und laufe dann Richtung Arztpraxis, statt wieder die Tram zu nehmen. Laufend rufe ich die Hotline an, beim ersten Versuch werde ich nach Durchspielen der Eingangsfragen und einigen Minuten Warteschleifenmusik aus der Leitung gekickt.

Beim zweiten Versuch erreiche ich jemanden und schildere mein Problem, er verbindet mich mit der vermeintlich richtigen Abteilung und schiebt mich zurück in die Warteschleife. Der nächste Kandidat kann eine meiner Fragen beantworten und schiebt mich dann in die Warteschleife zur nächsten Abteilung. Der dritte schließlich bearbeitet kompetent auch mein anderes Anliegen. Dieses Trara werde ich jetzt möglicherweise regelmäßig haben (alle zwei Wochen, außer während ich in Kanada bin), bis mein neuer Internetanschluss steht. Das könnte schon in drei Wochen sein, evtl. zieht es sich aber auch noch monatelang hin, meinte der Mitarbeiter im Laden. So viel Liebe, nicht.

Ich lege auf, als ich an der Praxis ankomme und bin zwei Minuten vor Termin drin. Der dauert etwa eine Viertelstunde, dann laufe ich weiter zu meinem Bruder – inzwischen übrigens von der Hitze und den vielen Schritten schon das erste Mal heute komplett durchgeschwitzt. Der Bruder wohnt im fünften Stock Altbau unterm Dach, ohne Fahrstuhl. Ich schaffe es nur mit Pausen nach oben und brauche dann erstmal kalte Cola und Luft zufächeln. Wir erzählen uns erstmal, was die letzten drei Wochen während meines Urlaubs so passiert sind, dann bekomme ich eine kurze Pause, genieße das kostenlose WLAN und telefoniere mit dem Liebsten.

Schließlich machen wir uns ans Werk und erledigen gute drei Stunden lang gemeinsam Papierkram, den wir jedes Jahr erledigen müssen. Einiges davon können wir ganz gut, bei anderen werden wir heute ein bisschen schlauer. Die Frage ist nur, ob die Schläue bis nächstes Jahr vorhält, oder ob wir das bis dahin wieder vergessen haben. Danach ist wieder eine gute Stunde Pause, die mit Chillen und Internetnutzung vertrieben wird. Die Wohnung ist inzwischen ebenso heiß wie das Draußen, aber immerhin kann man dann die Fenster öffnen und mit einem Ventilator frischere Luft durch die Zimmer wirbeln lassen.

Um 18 Uhr sitzen wir zur Belohnung fürs Tagwerk beim Stammitaliener meines Bruders. Ich bin schon wieder durchgeschwitzt und außerdem müde, viel passt heute nicht rein. Wir teilen uns Antipasti und einen halben Liter sizilianischen Weißwein (von dem ich aber nur ein Glas trinke), dann gibt es mit Lachs gefüllte Mezzelune mit Pfifferlingen, ich schaffe die Portion nicht ganz. Hitze, Müdigkeit, Histamin und meine Medikamente scheinen da zusammenzuwirken.

Nach dem Essen (und einem eisgekühlten Limoncello aufs Haus) spazieren wir noch durch den früh und schnell dunkel werdenden Kiez (eine Stunde früher als zuletzt in Norwegen), bis ich mit Tram und Tram zurück in den Pberg fahre. Dort Katzen füttern, Medikament einwerfen, chillen, bis der Besuch von seinem Tagesausflug aus Potsdam zurückkehrt. Der Pittsburgher jetzt mit Maske, da er sich erkältet fühlt. Morgen früh wird getestet. Wir erzählen uns unseren Tag, trinken Tee (die Beiden) bzw. Wasser mit Melissensirup (ich), reden über Politik in Berlin, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA und gegen halb 11 fange ich an, mich bettfertig zu machen.

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