09.06.2024 – Demokratiespaziergang

Bis nach 9 geschlafen, der Liebste kann noch eine ganze Weile länger. Ich beschäftige mich still mit meinem Telefon, bis er auch wach wird. Dann gibt es Kaffee im Bett und erste Gespräche, thematisch drehen sie sich viel um Essen. Wir kommen überein, dass Frühstück bestellt werden muss und suchen uns etwas aus. Gegen 12 gibt es dann für mich Brot mit Avocado und pochiertem Ei sowie ein Croissant mit Erdbeerbarmelade, dazu mehr Kaffee und O-Saft. Kurz darauf ziehen wir uns an und gehen ins Draußen – der Liebste muss noch wählen und ich bin mit einem Freund verabredet.

Der Liebste macht sein Kreuz für eine andere demokratische Partei als ich bei der Arbeitsagentur um die Ecke und kehrt dann in seine Höhle zurück, während ich nach Charlottenburg fahre und dort in einem kosheren Café den Freund aus der Heimat treffe, der heute ein paar Stunden in Berlin zu killen hat, bevor er in seiner Parteizentrale die Wahlprognosen und -hochrechnungen miterlebt. Ich esse ein Schokoladenrugela (Singular von Rugelach), während er seinen Kaffee austrinkt, und dann laufen wir los.

Es geht den Ku‘damm entlang bis zum Zoo, am Zoo vorbei in den Tiergarten, am „Rasen des 17. Juni“ vorbei bis zum Brandenburger Tor.

Die Gespräche drehen sich um die alte Heimat, Arbeit, Freund*innen, Familie und natürlich immer wieder Politik. Es ist vieles eher deprimierend, aber ansonsten auch sehr schön. Ein gutes Beispiel dafür, wie man mit Menschen befreundet sein kann, die einer Partei ganz am anderen Ende des demokratischen politischen Spektrums angehören, solange die Basis (Demokratie) stimmt.

Wir laufen unter den blühenden Linden zum Hackeschen Markt und holen uns ein Eis – für mich schwarze Johannisbeere und Mango. Damit geht es über die Museumsinsel und am Wasser entlang zu zweien meiner Lieblingslokale in der Gegend. Das eine hat zu, das andere macht gleich zu.

Suezkanal in Klein

Also gehen wir in ein Hipstercafé, das passt zu uns Beiden, und trinken noch einen Espresso Tonic, während wir durch unsere Timelines scrollen und unsere Social-Media-Kanäle befüllen.

Dann geht es auf 18 Uhr zu und wir verabschieden uns mit dunklen Vorahnungen und wünschen uns ein gutes demokratisches Ergebnis. Er geht weiter zur Parteizentrale der mir unsympathischsten demokratischen Partei (zumindest von den „Großen“), ich fahre mit S-Bahn und Tram nach Hause in den Pberg und sitze kurz nach 18 Uhr vom Fernseher.

Die Prognosen sind erwartbar gruselig, auch wenn es für die Partei des Freundes etwas weniger schlimm aussieht als befürchtet. Ich mache mir einen Schnittchenteller und Waldmeisterlimo und schaue mir die Berichterstattung etwa anderthalb Stunden lang an. Der Liebste und ich telefonieren zweimal, dann brauche ich dringend Eskapismus von meinen Timelines (nach und nach kommen die Ergebnisse einzelner Gegenden und es ist alles sehr doom ‘n’ gloom. In der alten Heimat haben die Blauen fast 40 Prozent bekommen, auch in Rostock sind sie größte Fraktion in der Bürgerschaft. Mein Kiez ist erwartbar stabil, aber was hilft das, wenn das ganze Land blau versumpft?

Immerhin bleiben die Ergebnisse hinter den Umfragen Anfang des Jahres zurück und das EU-Parlament insgesamt verändert sich auch noch nicht so stark. Irgendwo muss man sich ja kleine Hoffnungslichter zusammenklauben.

Jedenfalls eskapiere ich mit mehreren Folgen Succession, womit ich heute nochmal neu anfange, es ist schlicht zu lange her und zu viel passiert, seit ich das letzte Mal angefangen habe. Nach vier Folgen ist es halb 12 und ich mache mich bettfertig.

08.06.2024 – Ist das noch Punkrock?

Das erste Mal gegen 6 die Augen aufgemacht, dann aber nochmal bis halb 9 weitergeschlafen. Später fällt mir ein, dass ich auch gegen 3 mal wach war, als der Mitbewohner erzählt, dass er da mit seinem Besuch nach Hause gekommen ist und ihnen im Wohnzimmer was runtergefallen ist. Diese Schlaftabletten-Dingsis helfen super beim Einschlafen, das Durchschlafen hängt dann auch von der Müdigkeit und externen Faktoren ab. Anyway, halb 9 ist eine okaye Zeit zum Wachsein. Die nächsten anderthalb Stunden beschäftige ich mich mit der morgendlichen Internetrunde, dann mache ich mir Frühstück und esse es im Bett, während ich mit dem Liebsten telefoniere.

Irgendwann ist dann Zeit für Aufstehen, Anziehen, Packen und Losfahren nach Südberlin. Dort ist bereits helle Aufregung, der Liebste pendelt zwischen Aufräumen und ebenfalls Packen – wir haben heute schließlich noch was vor. Nach einer knappen Stunde brechen wir erstmal zum ersten bzw. zweiten Frühstück auf und gehen dazu in die schwedische Kaffeehauskette, vom Liebsten liebevoll als „der Hipsterladen“ bezeichnet.

Der Liebste frühstückt Latte Macchiato und eine Focaccia mit Hähnchen, Tomate und Mozzarella. Bei mir gibt es einen Vanilla Iced Latte mit Bobas, eine Frischkäsebrezel und eine obligatorische Kanelbulle (Kardamom ist leider aus)

Nach dem Essen fahren wir mit zwei U-Bahnen nach Spandau zur Zitadelle, wo heute ab 16 Uhr zum Pogo aufgespielt wird.

Wir drehen eine Runde über das Gelände, der Liebste ist zum ersten Mal hier, ich hingegen war einmal touristisch da (mit den Eltern von Il Professore) und ansonsten des Öfteren in musikalischer Mission. Ich erinnere mich an die Kelly Family, Neil Young, Morrissey, Mando Diao, Nada Surf und Feine Sahne Fischfilet. Wir setzen uns an den Stamm der Birke neben dem FOH, trinken ein erstes Bier (für mich Radler) und erleben den Großteil des Auftritts von Scheisse Minelli im Sitzen – nicht unser Ding. Danach kommen The Meffs, die deutlich besser und meine Neuentdeckung des Abends sind. „This song is for the British government, which we don‘t particularly like very much. Sing it with us – fuck Brexit!“. Ich überlege, mir ein T-Shirt der beiden zu kaufen, mag aber weder das weiße noch das schwarze und gelbe habe ich schon so viele.

Während des Auftritts der Codefendants (okay, aber irgendwie unrund und nicht wirklich mitreißend) holen wir uns zum frühen Abendbrot Gözleme und für mich das zweite Radler (der Liebste läuft zwischendurch in regelmäßigen Abständen zum Bierstand und zum Klo, einfach dazudenken). Während der Descendents (gut, aber im Sitzen reicht), sitzen wir auf einer Bierbank und beobachten die Menschen um uns herum. Dann kommen Pennywise und ab jetzt ist es halt richtig ein Konzerterlebnis, fuck authority und so.

Weil wir alt (Anfang und Ende 40, respectively) und müde sind, setzen wir uns in der Umbaupause aber nochmal hin. Und dann ist es Zeit für den eigentlichen Grund des Abends – das vorletzte Deutschland-Konzert von NOFX (das letzte ist morgen) und auch das fast letzte Konzert überhaupt. Der Liebste trägt regelmäßig ein T-Shirt der Band und ihr größter Hit ist in seiner Playlist (die Playlist, legendär, würde einen eigenen Blog-Artikel wert sein) und so habe ich ihm zu Weihnachten die Tickets für heute geschenkt. Er erzählt dann auch im Voraus, dass die noch ein-zwei andere gute Lieder haben. Komischerweise kann er dann aber doch fast alles mitsingen und dabei die Arme hochreißen und ist am Ende sehr emotionalisiert, weil eine Ära zu Ende gegangen ist. Alles richtig gemacht. Ich kenne auch mehr als das eine Lied und habe wirklich ein schönes Konzerterlebnis.

Leider ist der Auftritt insgesamt recht kurz – amerikanische Band halt und letzter Act des Mini-Festivals, in einer Location, in der 22:30 Schluss ist. Außerdem formuliere ich nebenbei im Geiste einen Rant gegen Konzertbesucher*innen und verspießere von Lied zu Lied mehr. Es gibt ja Gründe, warum ich nicht im Moshpit bin, sondern weiter hinten und ziemlich am Rand stehe bzw. tanze. Warum müssen gefühlt alle zehn Sekunden Völkerwanderungen an mir vorbei, von denen jede einzelne Person mich anrempelt? Warum können die Leute nicht auf der Stelle tanzen, sondern müssen mir ihre Rucksäcke in den Bauch oder ihre Füße auf den Fuß rammen? Sind die für die Musik oder zum Saufen da? Ach, ach, ach. Rant over.

Als es vorbei ist, lungern wir noch ein wenig ungläubig rum und machen uns dann von einem nahegelegen Feuerwerk begleitet auf den Heimweg. Die U-Bahn ist natürlich voll, aber nach ein paar Stationen ergattern wir Sitzplätze und am Ende sind wir gegen 12 schon wieder in Südberlin. Ich lege mich schlafen, der Liebste brät sich Maultaschen und setzt die Party noch ein paar Stunden fort. Meine Tabletten wirken hervorragend, ich schlafe bis nach 9 durch.

07.06.2024 – Sommerlicher Freitag

Wieder gut in den Tag gestartet und dann erst einmal schnell an den Laptop gesetzt, um die monatliche virtuelle Kaffeerunde zu hosten – noch nur mit einem Rest „frisch“ gepresstem (meine Finger haben gerade freudsch gestresster getippt) Orangensaft von gestern. Danach mache ich mir in Ruhe Frühstück (Brot mit Mandel-Tonka-Creme bzw. Feigenmarmelade, Aprikosen, Kaffee mit Hafermilch) und halte dabei einen Schwatz mit dem Mitbewohner.

Zurück am Schreibtisch geht es mit den Projekten weiter. Zwischendurch ein Meeting mit Ostfriesland und Paris, dann nur mit Ostfriesland. Dann ist es auch schon Mittagspause und ich gehe in einen Pasta-Laden um die Ecke und treffe mich mit einer ehemaligen Kollegin, die ich seit vier Jahren nicht gesehen habe. Wir haben uns viel zu erzählen. Ich esse Spaghetti mit Pesto, Avocado und Lachs, vergesse aber das Fotografieren.

Wieder zurück geht es weiter mit Projektarbeit, während der Besuch des Mitbewohners aus Italien eintrifft. Ich habe Nachmittagsmeetings mit Nordengland und Südengland, schreibe meinen Wochenbericht und klappe um 17 Uhr den Laptop für diese Woche zu.

Mit einem Feierabendradler geht es wieder nach draußen, auf einen langen Spaziergang durch schönstes, mildes Frühsommerwetter. Ich laufe bis zum nächstgelegenen Schloss und höre dabei den „Alles gesagt“-Podcast mit Birgit Lohmeyer.

Die Rosen blühen, die Kirschen an den Bäumen röten sich – es scheint eine gute Ernte zu geben, aber die Vögel sind schon fleißig dabei.

Ich nehme am Ende die S-Bahn zurück, nach fast zwei Stunden Laufen habe ich keine Lust mehr auf den Rückweg und das Schrittziel ist sowieso erreicht.

Zuhause mache ich mir zum gestern gekauften Krabbensalat Pellkartoffeln und verfeinere mit Dill und Zitronensaft, dazu Radieschen, Gurke, Holunderblütenschorle und den Rest von „The West Wing“ – Serie vorbei, nach sieben Staffeln à 22 Folgen.

06.06.2024 – Verteilter Tag

Wieder vor dem Weckerklingeln erholt aufgewacht, seit einer guten Woche benutze ich so pflanzliche Tabletten, die in zwei Phasen erst für rasches Einschlafen und dann für gutes Durchschlafen sorgen sollen. Das klappt erstaunlich gut, auch wenn Katzenkrallen trotzdem zuverlässig für mindestens einmal pro Nacht Aufwachen sorgen. Habe gelesen, dass Katzen überprüfen, ob man noch lebt, wenn man sich zu lange nicht bewegt. Ob aus Sorge oder Gier (totes Fleisch!) sei dahingestellt. Morgens bin ich dann oft noch etwas matschig, aber der viele, erholsame Schlaf ist Gold wert gerade.

Trotzdem komme ich nach Bloggen und Liebstentelefonat rechtzeitig aus dem Bett, gieße die Pflanzen, füttere die Katzen, packe den Bürorucksack und Sporttasche und mache mich auf den Weg.

Schöne Schuhe am U-Bahnhof, an insgesamt sehr rosa-blondem Ensemble

Im Büro ist ein emsiger Vormittag, zum Müsli mit Orange gibt es viel Gespräch, nebenbei weiter mit den Projekten von gestern. Ein Meeting vor Ort, Annahme einer Getränkebestellung und dann die Chance eines verschobenen Meetings genutzt, um früher Mittagspause zu machen. Ein Kollege und ich setzen uns auf eine Bank am Wasser, unter einen Baum. Plötzlich flatscht etwas und mein Shirt, meine Jacke, meine Hose, meine Hand und der Boden um mich herum sind voller schwarzblauer Flecken. Es ist eine zähflüssige Masse, die sich da ergossen hat, völlig undefinierbar und wir haben keine Vorstellung, was es sein könnte. Erst denken wir an Früchte vom Baum, ich auch an Vogelschiss, aber vermutlich hat irgendwer etwas aus einem der umstehenden Häuser geworfen – eine Paintball-Kugel, Wasserbombe… Sowas? Ich säubere mich notdürftig mit Wasser und Taschentüchern, mag aber so besudelt nicht weiter im Büro und später beim Sport sein und Aufsehen erregen.

Außerdem schrieb der Mitbewohner gerade: „habemus aquam calidam – finally! :)“ Ich kehre also schnell ins Büro zurück, packe meinen Kram zusammen, während fast alle noch in der Mittagspause sind, sage meiner Chefin Bescheid und fahre wieder nach Hause. Dort erstmal Waschen, Umziehen und die dreckigen Klamotten in die Waschmaschine (es geht alles rückstandlos raus). Dann geht es zurück an den Schreibtisch, weiter im Projekt. Zwischendurch bekomme ich Hunger und esse eine Stulle mit abruzzesischer Leber-Salsiccia und Apfel. Ich weise den Mitbewohner auf Berliner Leber mit Apfel und Zwiebel hin und empfehle ihm das passende Restaurant (Er liebt Innereien und kocht oft Leber, zum Glück bisher keine Nierchen.)

Am Nachmittag gibt es dann noch zwei weitere Meetings, das letzte dauert bis 18 Uhr. Danach sitze ich erstmal kurz auf dem Balkon, bevor ich mich zum Sport aufraffe – eine weitere Einheit im Kurs für Vielsitzende ist dran. Als ich fertig bin, besetzen die Katzen die Matte.

Währenddessen hat der Mitbewohner angefangen zu putzen – er bekommt ab morgen Besuch. Ich nutze den angeregten Kreislauf und bringe erst Müll weg (Kompost, Papier, Altglas) und dann die Pfandflaschen zum Supermarkt, inkl. hungrigem Einkauf. Wieder zuhause mache ich mir Gnocchi mit einer Knoblauch-Salbei-Butter-Zucchini-Sauce plus Parmesan, Pfeffer und Zitronenschale. Sehr lecker!

Den Rest des Abends verbringe ich mit drei Folgen „The West Wing“ – eine zum und nach dem Essen, eine in der Badewanne, eine im Bett zum Einschlafen (die nicht einmal halb).

05.06.2024 – Drinnie-Tag #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Wieder kurz vor dem Weckerklingeln erholt aufgewacht und erstmal durchgeschnauft: Es ist Mittwoch, also sowohl Homeoffice- als auch meetingfreier Tag. Da darf die Morgenroutine schonmal etwas länger dauern. Allerdings stelle ich dabei fest, dass es im Haus kein warmes Wasser gibt. Die App der Hausverwaltung sagt, dass schon mehrere Nachbar*innen die Störung gemeldet haben, dann muss ich ja nicht. Ich bleibe erstmal im Schlafanzug, ziehe mir was Wärmeres drüber und richte mir einen Arbeitsplatz auf dem Balkon ein – mit Müsli, Apfel und schwarzem Tee.

Allerdings ist es heute wirklich frisch draußen und es wird draußen viel handwerklicher Lärm gemacht, so dass die Gemütlichkeit sich nicht recht einstellen will und ich dann doch an den Schreibtisch wechsle. Hier gibt es heute zwei Videocalls (Meetings darf man die ja heute nicht nennen, es sind auch eher kurze Absprachen zu einem aktuellen Projekt), ein längeres Telefonat und dann eine ganze Menge anderes Zeug. Recherchieren, Texten, Materialien beschaffen, Organisieren, ein Video editieren… Der Arbeitstag ist reichlich gefüllt.

Zwischendurch Mittagspause auf dem Balkon (jetzt ruhiger und sonniger) mit Knoblauch-Naan und improvisierter Guacamole (Zitrone statt Limette, keine Tomaten, kein Koriander) und Plauderei mit dem Mitbewohner.

Auch nach Feierabend kommt es nur kalt aus dem Hahn. Der Mitbewohner beschließt, nicht laufen zu gehen und ich setze meine Sportrunde ebenfalls aus – kalt Duschen muss nicht sein. Stattdessen mache ich es mir auf dem Sofa bequem, trinke ein Feierabendradler, organisiere private Sachen, mache Norwegisch und Italienisch, telefoniere mit dem Liebsten… Irgendwann bekomme ich Abendbrothunger und mache mir ein schnelles „Girl Dinner“ – Brot mit Butter und Anchovis, Brot mit Apfel-Meerrettich-Aufstrich und Gurke, saure Gurke, getrocknete Tomaten, Oliven und Taralli.

Das esse ich dann wieder im Bett und schaue dazu und danach mehrere Folgen „The West Wing“ (bis zur Halbzeit der siebten und letzten Staffel), bis es plötzlich schon nach Mitternacht ist und ich schnell Zähneputzen gehe.

04.06.2024 – Viele Schritte und viele Worte

Kurz vorm Weckerklingeln erholt erwacht und in die Morgenroutine eingestiegen, inkl. Packen des Arbeitsrucksacks fürs Büro. Nebenbei telefoniere ich mit dem Liebsten und nehme ihn schließlich mit fast bis zur Tramhaltestelle. Heute bin ich etwas später dran als zuletzt und die Tram ist wieder ordentlich voll, nix mit Sitzplatz. Den gibt es dann aber wenigstens für das kurze Stück U-Bahn (halb so lang wie die Tramfahrt).

Im Büro heute vor allem viel organisatorischer Kleinkram und ein bisschen Textarbeit. Und viele, viele Schritte, denn ich soll für eine Kollegin in Valencia etwas ausdrucken und versenden, der Drucker ist aber anderer Meinung. Ich laufe bestimmt fünf Mal hin und zurück und zwischendurch um Hilfe zum Empfang. In der Mittagspause dann auch noch Spazieren an der Spree.

Zum Feierabend hole ich das neulich dort platzierte Fahrrad für den Liebsten aus dem Fahrradkeller und bringe es pünktlich zum Termin zum nahegelegenen Fahrradladen. Es folgt ein interessantes Fachgespräch, der Herr kann genau einschätzen, dass das Fahrrad etwa 30 Jahre alt ist, fragt, ob es ein Liebhaberstück ist, meint, wenn es die letzten 10 Tage nicht trocken, sondern nass gestanden hätte, könne man nichts mehr tun, so würde es auch relativ aufwendig. Er wird kalkulieren, was die Aufarbeitung kostet und mich anrufen, falls es mehr wird, als was ich als Obergrenze genannt habe. Aktuell sind wir noch bei einem Preis unter dem Kauf eines (guten) Neurads, aber schon deutlich über dem, was man auf dem berüchtigten Fahrradflohmarkt zahlt. Es bleibt spannend.

Als ich aus dem Laden komme und den Heimweg antrete, sind die 10.000 Schritte erreicht. Ich bin aber noch mit der Freundin in Frankreich zum Telefonieren verabredet, also laufe ich trotzdem los Richtung Heimat. Das Wetter ist gut, das Gespräch wie immer spannend und ehe ich’s mich versehe bin ich zuhause – nach knappen anderthalb Stunden und insgesamt über 18.000 Schritten. Das Gespräch geht immer noch weiter, ich bestelle mir zwischendurch Essen – Köttbullar mit Kartoffelbrei, Preiselbeeren und Gurkensalat – das in unter 25 Minuten geliefert wird.

Ich telefoniere essend weiter, inzwischen sind wir thematisch bei alternativer Geschichte, passenden Computerspielen, niederländischen Politik-Ikonen und dem erstarkendem Faschismus gelandet. Gegen halb 10 unterbreche ich das Telefonat kurz und spreche nochmal mit dem Liebsten, dann geht es weiter. Aufwachsen in den Niederlanden als zweite Generation, deutsch-niederländische Humorvergleiche, das französische Gesundheitssystem im Gegensatz zum Deutschen… Nach guten fünf Stunden netto legen wir dann gegen halb 12 auf und es ist Zeit, ins Bett zu gehen.

03.06.2024 – Monday Monday

Und plötzlich ist wieder Normalität eingekehrt nach dem Festival-Wochenende. Die Katzen wecken mich vor dem Weckerklingeln, aber nach ausreichend Schlaf – das FitBit bewertet ihn sogar als „gut“. Nach den üblichen morgendlichen Verrichtungen geht es an den Schreibtisch, wo zum Müsli die anderen üblichen Verrichtungen stattfinden. Mittags dann eine große Spazierrunde durch den Kiez, eine knappe Stunde, um am Schrittziel dran zu bleiben. Es ist frisch, ich ziehe eine dünne Jacke über das langärmlige Shirt.

Am Nachmittag wieder Schreibtisch, heute bis 18:20, dann fahre ich „in die Stadt“ und treffe gemeinsam mit meinem Bruder nochmal meine Eltern, bevor sie übermorgen Europa wieder den Rücken kehren. Um Müll zu vermeiden bestellen wir nicht wie geplant Essen, sondern gehen zum Inder um die Ecke. Es gibt Samosas, Aubergine mit Paneer, Rosinen und Mandeln, Knoblauch-Naan und Mangobier. Vor lauter Erzählen vergessen wir alle, Fotos zu machen. Erst beim Mangolikör am Ende fällt es uns auf.

Zurück bei meinen Eltern sitzen wir dann noch so 1-2 Stündchen, dann brechen wir – gerade noch so im Hellen – auf. An der U-Bahn trennen sich unsere Wege und dann geht es nach Hause und ziemlich direkt ins Bett.

02.06.2024 – Back to Reality

Am letzten Festivalmorgen am längsten geschlafen – das hat eine feine Ironie. Gegen halb 8 drehe ich mich nochmal um und als ich endgültig die Augen aufmache ist es halb 9 und draußen schon ordentlich Trubel. Die Blase drückt, aber gerade, als ich mich aufraffen will, fängt es zu regnen an. Ich bleibe also noch drinnen und frühstücke – die letzte Wurst, die beiden letzten Eier, ein Blaubeermüsli mit Hafermilch. Dann geht es ins wieder trockene Draußen – erst Richtung Klo, dann Richtung Waschen/Zähneputzen. Auf dem Rückweg zum Zelt verabschiede ich mich von den Nachbarn, die am Donnerstag das Selbige mitgebracht hatten.

Dann ziehe ich mich fertig an, packe meine Sachen, baue das Zelt ab und drehe eine erste Runde mit den Müllbeuteln über den Platz – gelber Sack, Papier und Restmüll wollen gefüllt werden. Klappt nicht sooo gut, weil einfach alle auch ihre Säcke voll machen müssen/wollen. Aber halbvoll ist am Ende auch OK. Wieder zurück am Zelt sind jetzt auch die anderen wach. Man frühstückt und plant die Abreisekoordination. Ich helfe schließlich beim Abbau eines anderen Zelts und des Pavillons, bringe meinen Müll weg und erhalte dafür ein Immergut-Handtuch, und dann ist es auch schon Aufbruchzeit.

Rucksack und Campingtasche wandern in ein Auto für den Transport zum Bahnhof, mit drei anderen laufe ich zum am weitesten entfernten Parkplatz und werde von dort mit einem anderen Auto zum Bahnhof gefahren (hätte ohne das Gepäck auch gut den Pendelzug nehmen können, aber so ist das Schrittziel früher erreicht und ich muss nicht warten, bis der kommt). Am Bahnhof steht schon der Zug nach Berlin und wir suchen uns zu sechst mit Gepäck schonmal einen guten Platz, bevor der Pendelzug eintrifft und es voller wird. Dann gibt es eine Stunde Zugfahrt, endlich wieder gutes Internet und außerdem witzige Unterhaltung durch einen nicht maulfaulen Zugbegleiter. Wir lachen Tränen und klatschen am Ende.

Am Gesundbrunnen dann raus und mit der Ringbahn nach Hause. Das letzte Stück zieht sich, schwer beladen, bei Wärme und mit schmerzenden Fersen in den Gummistiefeln, die ich angezogen habe, um sie nicht tragen zu müssen. Zuhause wandert die Camping-Ausrüstung direkt in den Keller, mit halbem Gepäck geht es nach oben zu erfreuten Katzen und fleißig lernendem Mitbewohner. Ich packe kurz aus und sitze dann mit einer Mate auf dem Balkon.

Der Rest des Tages vergeht dann ganz ruhig. Ich verschicke Einladungen zum Geburtstagspicknick in drei Wochen, hänge auf TikTok rum, telefoniere mehrmals mit dem Liebsten, höre immergute Musik (Crucchi Gang, Sam Vance-Law), schaue ein paar Folgen West Wing und das neue Advice Special von Matteo Lane und mache mir nochmal eine große Schüssel Zitronenpasta (Spaghetti und Capellini gemischt, damit es reicht), heute mit viel Knoblauch.

Gegen 22 Uhr geht es in die Badewanne, gegen 23 Uhr liege ich im Bett und schlafe schnell tief und fest. Das war ein gutes Festival!

01.06.2024 – Juhu, Juni

Und plötzlich ist es Juni, irgendwann passiert während des Konzerts der Crucchi Gang. Bester Monat, Geburtstagsmonat, hallo Du!

Der Monat beginnt dann erstmal mit Schlafen – allerdings nur bis halb 7 oder so, dank der vielen Kinder in den Zelten drumherum. Ich mache es mir im Schlafsack gemütlich, frühstücke Würstchen, hartgekochte Eier, Käsebrot… Dann traue ich mich raus – erst zum Kompostklo, dann zur Wasserstelle an den Duschen für Waschen, Zähneputzen und Flasche auffüllen. Wieder zurück ist der Rest auch langsam am Aufstehen. Ich melde mich freiwillig für den Gang an den Kaffeewagen, wo wir den armen Barista am Ende mit unserer umfangreichen Bestellung, verteilt auf drei Bezahlende, ganz schön verwirren. Dann aber gibt es zum zweiten Frühstück Heidelbeerstreuselkuchen und Cappucino Doppio mit Hafermilch.

11:30 geht es los zur Frühstücksrunde mit heute außer Sam Vance-Law u. a. auch Francesco Wilking, was sehr schön und wieder sehr lustig ist.

Zurück bei den Zelten ausgiebige Gespräche über cultural appropriation, den Rechtsruck, das Klima, Anti-Wokeness, Mehrfachprivilegien und vieles mehr.

Dann rauf aufs Gelände und mit Erdbeer- und Stachelbeereis in den Lesungen-Teil des Festivaltages. Beide Bücher (Paula Irmschler – Alles immer wegen damals und Stefanie Sargnagel – Iowa) wandern direkt auf den Wunschzettel.

Bei der zweiten Lesung esse ich schon eine libanesische Bowl.

Die darauffolgenden Konzerte verbringe ich dann großteils mit einer anderen Bezugsgruppe als der, mit der ich zelte. Beide sind Rostock-Berlin-Connections und auch untereinander miteinander verbandelt. Alles sehr bubbly hier auf dem Immergut, wie immer. Übrigens auch im Vergleich zu Berlin sehr weiß. Evtl. sind Festivals auch so ein weißes Privilegiendings und auch deshalb kein Free-Palestine-Spruch weit und breit? Dafür alles nachhaltig, bio, klimaneutral und vegetarisch oder vegan (außer auf dem Zeltplatz natürlich, da werden auch Tiere gegrillt).

Musikalischer Höhepunkt heute wahrscheinlich The Vaccines, zumindest gehe ich danach zufrieden ins Zelt und schlafe kurz danach sehr schnell ein.

31.05.2024 – Immergute Schönseiigkeiten

  • Gar nicht so schlecht geschlafen (sogar ohne Ohropax) und nachts kein bisschen gefroren
  • Frühstück im Zelt/Schlafsack
  • Kaffee und gute Gespräche bei Nachbars
  • Wunderhübsche Frühstücksrunde und dabei für nur 5 € eine alte Vinyl-Single von Sam Vance-Law entstanden und signieren lassen – sein Auftritt war mein Highlight beim Immergut 2018, meinem ersten nach längerer Pause
  • Unheimlich gutes Rhabarber- und Joghurt-Ingwer-Eis
  • Die Zeltbühne hat dieses Jahr keinen nervig schwingenden Holzboden, sondern steht einfach auf der Wiese
  • Schwelgen, Tanzen und Mitsingen beim wundertollen Konzert von Crucchi Gang & Amici, vermutlich mein Highlight dieses Immerguts (vor Paula Carolina und dem ersten Song von Royel Otis), aber es kommt ja noch ein Tag
  • Dass Sven Regener wie von mir erhofft wirklich (eine Strophe von) Azzurro gesungen hat
  • Ich bin auf einem progressiven, linken, grünen, in Teilen queerfeministischen Festival und habe noch keine einzige Palästina-Flagge, Wassermelone o. ä. gesehen. Politische Ansagen von der Bühne richteten sich bisher nur gegen Nazis und fürs Wählengehen