10.01.2023 – Endlich wieder zuhause arbeiten

Alle sind heute froh, dass ich zuhause bleiben kann – ich, die Katzen, die Wäsche, die Wohnung. Erst einmal schlafe ich bis zum später klingelnden Wecker um 8 (nachdem ich um 5 einmal kurz auf Klo war und sofort in den Arbeitsplanungsmodus geriet, den ich dann aber mit Hörbuch erfolgreich wieder unterdrücken konnte). Dann stehe ich so auf, dass ich mit Duschen, Frühstück machen für die Katzen und mich etc. pünktlich um 10 am Schreibtisch sitze. Das letzte Meeting ist heute für 18 Uhr geplant, deswegen auf keinen Fall früher. Allerdings gucke ich natürlich auch schon vorher aufs Handy, falls irgendwas hyperwichtiges ist. Dort sehe ich z. B. eine Nachricht der Kollegin aus Südengland in Teamchat, als es bei ihr erst halb 9 ist. Die letzten E-Mails von ihr werde ich bekommen haben, als es bei ihr kurz vor 23 Uhr ist, da schlafe ich aber schon längst.

Der Arbeitstag lässt sich vergleichsweise ruhig an, wegen des meetingfreien Mittwochs wähle ich mich nur in zwei Sessions zum Zuhören ein und das für 18 Uhr geplante Meeting wird am Ende noch auf Freitag verschoben, weil die Kollegin aus Südengland keine Zeit haben wird. Abgesehen telefoniere ich nur einmal mit einem Kollegen, kommuniziere viel per Chat und E-Mail und habe ansonsten einigermaßen Ruhe. Die nutze ich zum Sortieren – Tabs, Aufgaben, Gedanken – und zum Planen. Ich habe diesen Monat noch etwa 5 größere Aufgabenblöcke zusätzlich zu den vielen kleinen und die müssen einerseits sinnvoll angegangen werden und brauchen andererseits Zeit im Hinterkopf, um auf die richtigen Ideen zu kommen.

Nimbin lässt sich bei minus 2 Grad die Sonne auf den Pelz scheinen

Nebenbei heute auch eine Menge Live Admin. Ich wasche zwei Ladungen Wäsche und hänge sie auf, fotografiere Schimmelecken und melde sie der Hausverwaltung (denkmalgeschütztes Haus mit undichten Wänden und Fenstern plus richtiger Winter macht Kondenswasser macht Luftfeuchtigkeit macht Schimmel). Die Antwort wird wieder sein: Lüften, Lüften, Lüften, Schimmel wegputzen und im Frühling wird wieder gemalert. Der einzige Nachteil dieser Wohnung… Außerdem noch ein wenig privater Papier- und Orgakram, der auch endlich wegerledigt bzw. weitergebracht wird. Die Mittagspause, wieder sonnig mit blauem Himmel, verbringe ich draußen und spaziere einmal „um den Block“ und dabei in drei Läden – ein Supermarkt, zwei Drogeriemärkte – bis ich alles habe, was fehlt. Dann gibt es Schnittchen zum Mittag, dazu Fenchel und Radieschen zum Knabbern.

Ich mache dann schließlich doch schon um 18 Uhr Feierabend – man muss die Gelegenheiten nutzen. Eigentlich müsste ich noch mein Schrittziel vollmachen, aber mein Körper schreit heute nach Gemütlichkeit. Also verbringe ich eine Stunde in der Küche beim gemütlichen Gemüseeintopf kochen – Zwiebeln, Porree, Selleriegrün, Möhren, gelbe Bete, Kartoffeln, Cannelini-Bohnen und ganz zum Schluss noch zwei Bio-Wiener in Scheiben. Damit gehe ich dann auf die Couch und telefoniere mit dem Liebsten.

Hinterher schaue ich Nachrichten, viel davon. Ich will wissen, wie ernst diese Mini-Wannseekonferenz genommen wird, die heute durch die Correctiv-Recherche aufgeflogen ist. Dann bleibe ich irgendwie an einer Maischberger-Wiederholung von gestern hängen, danach nochmal Tagesschau… Und weil ich dann so drin bin, aber keine Lust mehr auf die echte Welt habe, gucke ich dann noch eine Folge „The West Wing“. Danach bin ich so müde, dass mir beim Aufräumen noch eine Teetasse samt Inhalt runterfällt und ich wischen und Scherben beseitigen muss. Witzigerweise ist das eine Teetasse, die mir ein Kollege mal gekauft hat, nachdem er mir eine kaputt gemacht hatte. So fügt sich alles. Gegen 23 Uhr liege ich im Bett und schlafe dann auch schnell ein.

09.01.2024 – Büro und Yoga

Der Wecker steht wieder auf früher und ich wache wieder noch früher auf, diesmal schon halb 7. Das bedeutet einen sehr müden Start in den Tag, aber dafür kann ich mich noch im Bett kurz um das Handyspiel kümmern. Bürotage machen wirklich, dass meine Alltagsroutinen ausfransen – ich komme wenig zu Haushaltsdingen, trinke zu wenig über den Tag und müsste auch mal wieder Wäsche waschen. Nun ja, morgen dann. Heute jedenfalls geht es wieder ins Büro, diesmal mit der Tram, denn ich werde abends noch easy auf mein Schrittziel kommen und mit der Tram geht es in der Hälfte der Zeit und eh nicht ohne Fußweg, so dass ich auch noch eine Ladung Vitamin D mitnehme. Diesmal streikt der Kopfhörer dann auch erst auf den letzten 100 Metern.

Im Büro angekommen kurze Begrüßungsrunde, Kaffee, Müsli, Obst schnippeln und dann an den Schreibtisch. Als erstes habe ich einen Call mit einem Kollegen von der IT in Indien, der mir bei einem technischen Problem hilft. Ich muss ein paar Mal ob der kulturellen Unterschiede schmunzeln. Zum Beispiel schreibt er mich eine Minute vor dem Call an, ob wir früher loslegen können und bis wir uns dann beide eingewählt haben, ist es sowieso 10. Ich nehme an, das liegt an der „Indian Standard Time“ und normalerweise wäre er erst fünf Minuten später da gewesen. Aber bei Terminen in meinem Arbeitskalender, von denen es so viele mit so vielen verschiedenen Menschen gibt, bin ich sehr deutsch und mindestens pünktlich wenn nicht überpünktlich, weil sonst das ganze Konstrukt ins Wanken gerät. Kommunikativ gab es auch ein paar Besonderheiten, aber da bin ich ja nach 2,5 Jahren mit einem pakistanischen Mitbewohner gestählt.

Als mein Problem gefixt ist und der Kollege nicht mehr per TeamViewer auf meinem Laptop zugange ist, lese ich meine E-Mails und Nachrichten, bevor es ins nächste Meeting geht – zu dritt vor Ort plus Biesdorf und Charlottenburg zugeschaltet. Eine Stunde lang geht es zügig und produktiv durch diverse Themen, danach noch etwas Smalltalk und Geplänkel und am Ende alles schriftlich eintüten. Damit bin ich dann fast bis 13 Uhr beschäftigt, als es wieder wie gestern zum Vietnamesen geht – heute nehme ich die Pho Ga und gerade merke ich, dass mein Fotografieren so unauffällig war, dass ich nichtmal richtig abgedrückt habe und kein Foto auf meinem Handy ist. Mist.

Nach dem Essen besprechen wir noch schnell etwas zu dritt, danach habe ich anderthalb Stunden Freiraum im Kalender. Eigentlich hatte ich vorgesehen, jetzt den Büro-Weihnachtsbaum abzuschmücken, die Deko wegzuräumen und den Baum nach unten zu bringen, aber das haben zwei liebe Kollegen schon am Vormittag erledigt. Also kann ich tatsächlich einfach meiner Arbeit nachgehen. Den Nachmittag verbringe ich damit, Feedback zu verschiedenen Projekten zu geben, zwei Übersetzungen fertigzustellen, Termine in verschiedenen Kalendern glattzuziehen, eine Präsentation für nächste Woche vorzubereiten und verschiedenen anderen Themen hinterherzujagen. Unterbrochen wir das Ganze nur von zwei Meetings – eins mit Chicago und eins mit Chicago und Madrid. Ein drittes, ebenfalls mit Chicago und Madrid, aber mit anderen Personen, wird auf Freitag verschoben.

Kurz nach 18 Uhr mache ich Feierabend, packe meine Sachen zusammen und fahre mit der U-Bahn zum Yoga. Die heutige Session ist ein bisschen anders aufgebaut, aber sehr gut und und nur ab und zu kurz ein wenig anstrengend. Beim Shavasana döse ich wieder eher weg, als richtig zu meditieren, aber das ist dann wohl nötig.

Dann laufe ich nach Hause und erreiche dabei mein Schrittziel. Gegen halb 10 angekommen gibt es erstmal Abendbrot für die Katzen und mich. Sie bekommen Truthahn in Gelee und ich Brot mit Leberkäse und Apfelmeerrettich, Fenchel zum Knabbern und Rucola mit Olivenöl-Zitrone-Ahornsirup-Dressing, dazu Pfefferminztee.

Ich telefoniere ausführlich mit dem Liebsten (davor heute nur dreimal kurz) und hänge dann müde auf dem Sofa rum. Kurz Italienisch-App-Streaks retten, Handy spielen, nebenbei Hörbuch hören… Gegen 23 Uhr schleppe ich mich müde ins Bett und stelle den Wecker für morgen auf eine halbe Stunde später als normal.

08.01.2023 – Hallo Büro

Montag also. Ich hatte mir den Wecker auf eine halbe Stunde früher gestellt, damit ich ohne Zeitdruck entspannt in den Tag und ins Büro komme. Das klappt soweit ganz gut, nur bin ich noch früher morgens nicht wirklich schneller und so muss ich sowohl das Italienische als auch die Morgenrunde durch mein Handyspiel auf später verschieben. Eigentlich hatte ich auch geplant, zukünftig erst später in die Montage zu starten, weil da vormittags immer so wenig los ist, aber dem ist heute leider nicht so. Immerhin beschließe ich, dass das zu erledigende bis 10 Uhr warten kann, ich also nicht schon zuhause losarbeiten muss. Draußen sind knackige -8 Grad, aber der Himmel blaut und die Sonne scheint und ich beginne die Woche also mit einem Spaziergang ins Büro. Wobei Spazieren bei etwa einer Stunde Weg mit schnellen Schritten auch etwas beschönigend ist.

Noch bei mir im Kiez erledige ich nebenbei ein privates Telefonat, dann möchte ich eigentlich Radio oder Hörbuch hören, aber die Kopfhörer melden sich schon nach weniger als 15 Minuten ab – es ist ihnen zu kalt. Also keine Audio-Untermalung, dafür mehr Konzentration aufs Visuelle. Vor dem Thälmann-Denkmal parken marodierende Landwirtschaftsvertreter*innen ihre verzierten Fahrzeuge, ihren Unmut über aktuelle Neuerungen, grüne Spitzenpolitiker*innen und eine Ampel ausdrückend. Unfassbar, was da alles schon wieder schiefläuft in den Köpfen bzw. wie gut die Instrumentalisierung von Rechts funktioniert. Außerdem gibt es den ganzen Weg über Wahlplakate, über deren Botschaften mein Blutdruck steigt. Eine angeblich liberale Partei wirbt mit Grenzen in der Migration, eine stark ideologische Partei, die für Energiequellen ist, die uns schon jetzt viel zu teuer zu stehen kommen, plakatiert „Preiswerte Energie statt teure Ideologie“. Was für ein Knoten im Hirn. Was kommt als Nächstes?

Immerhin bin ich warm genug angezogen und außer, dass mir in den Stiefeln zum Ende hin die Füße schwer werden, tut das Laufen gut. Im Büro angekommen habe ich Mühe, meine von der Mütze entgrenzten Haare zu bändigen, aber sonst alles tutti. Ich hole mir Kaffee, schnipple Apfel und Banane ins Müsli, fülle beides mit Hafermilch auf und schneide mir eine Kaki klein. Kurze Begrüßung der vier bereits anwesenden Kollegen (kein Gendern nötig) und dann sitze ich am Schreibtisch, frühstücke und verschaffe mir einen Überblick. Insgesamt vier Kommunikationen müssen heute zu bestimmten Zeitpunkten global rausgehen, davon ist eine fertig und kann direkt los, für drei andere brauche ich noch Zuarbeit von anderen, das leiere ich an. Nebenbei Absprachen im Team, E-Mails vom Wochenende nachlesen, Nachfassen.

Ab 11:30 dann Päsenzmeeting mit dem Geschäftsführer und einer neuen Kollegin, die heute anfängt. Viel Vorstellen, Erzählen, Erklären und Notizen für später zu erledigende Aufgaben. Die To-Do-Liste füllt sich. Zurück am Platz ein kurzes Meeting mit einem aus dem Urlaub zurückgekehrten Berliner Kollegen im Homeoffice. Wir versuchen, ein technisches Problem zu lösen, das klappt bisher noch nicht so gut. Workarounds sind wichtig. Dann kann ich die nächste Kommunikation losschicken, bevor der Geschäftsführer mich, die neue Kollegin und zwei andere zum Mittagessen einlädt. Wir gehen natürlich zum Stammvietnamesen um die Ecke.

Zurück im Büro schicke ich dann die nächsten beiden Kommunikationen raus, bevor das nächste Meeting mit dem Geschäftsführer und der neuen Kollegin ansteht – jetzt zu anderen Themen. Danach habe ich endlich mal ein bisschen Luft, um die neu entstandenen Aufgaben zu systematisieren. Aber nur kurz, denn dann ist Meeting mit Paris. Nach dem ist dann wirklich mal etwas Zeit und ich kann eine fünfte Kommunikation vorbereiten und verschicken, die ist diesmal nur für den deutschen Standort und um die neue Kollegin vorzustellen. Da unser Team-Meeting heute schon 16:30 anfängt statt wie sonst 17:00, komme ich ansonsten zu nicht mehr viel. Das Meeting dauert eine Stunde. Danach nochmal kurzer Check-in mit der neuen Kollegin, bevor ich meine Sachen zusammenpacke und kurz nach 18 Uhr das Büro verlasse – erst einmal zur Post, um noch ein berufliches Paket aufzugeben, und erst dann zur Tram.

In der Bahn lese ich dann erstmals wieder Nachrichten vom Tag – Bündnis Sarah Wagenknecht, Franz Beckenbauer, Bauernproteste. Hmmm tja. Gegen 19 Uhr bin ich zuhause, mache mir Sanddornsaft und die letzten Nudeln von letzter Woche heiß und gehe mit den Katzrn aufs Sofa.

Mit dem Liebsten telefonieren, Italienisch üben, mit dem Bruder telefonieren, Handyspiel spielen, mit dem Mitbewohner quatschen, mit Freundinnen schreiben… So vergeht der Abend während mein Geist langsam runterfährt. Gegen 22 Uhr siebe ich das Katzenklo durch und mache mich bettfertig, eine halbe Stunde später sage ich dem Liebsten „Gute Nacht“ und mache das Licht aus, bis ich wirklich einschlafe ist es dann trotzdem erst gegen Mitternacht. Heute fehlten eindeutig die Pausen zwischendrin.

07.01.2023 – Sonntagsfreuden

Ich bin mal wieder als erste wach, etwa zehn Minuten vor dem Teilzeitkind, aber heute erst kurz vor 9. Das ist sehr in Ordnung so. Bis etwa halb 11 verhalte ich mich möglichst still, dann erwacht auch der Liebste. Als er aufsteht, um Kaffee zu machen, kommt das Teilzeitkind herein und okkupiert mein Handy, das ist aber OK, denn ich bin gerade schon mit allem fertig und kann nahtlos zum Buch wechseln. Also, halb nahtlos, denn wenn man zu dritt im Bett liegt, hat immer eine*r was zu erzählen oder zu frotzeln, es bilden sich Lager – mal so mal so – und langweilig wird es jedenfalls nicht. Irgendwann gegen halb 12 beschließt der Liebste, dass wir jetzt alle aufstehen und so gibt es dann gegen 12 schließlich Frühstück. Das besondere Highlight heute ist, dass das Teilzeitkind und ich uns dazu eine Avocado teilen. Sie werden so schnell groß.

Es gibt einen fließenden Übergang vom Frühstück zum Sachkunde lernen, denn morgen geht die Schule wieder los und wahrscheinlich wird diese Woche der Test nachgeholt, der vor Weihnachten wegen Krankheit des Lehrers ausgefallen war. Also schnell ein wilder Ritt durch die Weltgeschichte – Steinzeit, Mozart, Erfindung des Automobils, Symptome der Pest, mittelalterliche Kleidung, Ackerbau und Viehzucht, Erfindung des Düsenflugzeugs. Was man so lernt für einen Sachkundetest in der vierten Klasse. Passend als wir fertig sind, klingelt das Nachbarskind und wir sind wieder zu viert, bzw. zu zweit, denn die beiden Kinder verschwinden sehr schnell nach draußen.

Der Liebste und ich liegen auf der Couch, erzählen uns das Internet und diskutieren über Filme aus den späten 90ern. Irgendwann wird es Zeit für den nächsten Programmpunkt und ich ziehe mich zu diesem Behufe endlich richtig an. Dann wird unter tatkräftiger Mithilfe der Kinder der Weihnachtsbaum abgeschmückt und nach draußen verbracht, Weihnachten in den Keller geräumt, die Wohnung bestmöglich von Nadeln befreit und weil wir gerade dabei sind noch Müll runtergebracht. Danach ordne ich Tee und Plätzchen für alle an, was dankend aufgenommen wird. Alle Plätzchen sind gekauft (vom Liebstenpapa, der sie zu uns bestellt hat) und eine Sorte ist grün (mit Kürbiskernen) und wird von allen außer mir kritisch beäugt bzw. verschmäht. Ganz zum Ende kostet das Teilzeitkind doch und isst dann einen ganzen Keks. Sie werden so schnell groß, sag ich doch. Oder ist das mein guter Einfluss?

Kinder ins Kinderzimmer, Liebster an den Computer, ich zurück zum Buch, bzw. darüber sehr schnell in den Mittagsschlaf. Gegen 6 werde ich wieder geweckt und es gibt Abendbrot – Nudeln mit der veganen Bolognese von gestern. Danach packe ich meine Sachen und fahre zurück nach Pberg. Unterwegs lese ich weiter und da ich erst noch fast zehn Minuten auf die U-Bahn warten muss, komme ich ziemlich weit. Zuhause angekommen hole ich Post aus dem Briefkasten – ein Schreiben für den Ex-Mitbewohner, dass ich ihm direkt abfotografiere – und eine Wahlbenachrichtigung für mich. Ich darf nachwählen, juhu. Per QR-Code beantrage ich direkt Briefwahlunterlagen. So habe ich dann ausreichend Zeit, zu recherchieren, was die Kandidat*innen von 2021 denn inzwischen so machen und eine informierte Wahlentscheidung zu treffen.

Ich esse einen improvisierten Schwedeneisbecher – wer keine Schlagsahne hat, muss mehr Eierlikör nehmen – telefoniere mit dem Liebsten und lese dann das Buch zu Ende. Viele kluge Gedanken und Anregungen darin, mal gucken, ob und wie ich die in meine Arbeit einfließen lassen kann. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, bis auf diesen großen multinationalen Apparat, in dem ich halt arbeite. Aber immerhin sitze ich an einigen Stellschrauben. Jedenfalls, gutes Buch!

Als ich ausgelesen habe ist es etwa 21 Uhr. Ich lege mich in die Badewanne und höre eine Podcast-Folge in dem die Autorin mit dem Psychologen Dr. Leon Windscheid darüber spricht, wie viel Arbeit gut für uns ist. Auch hier wieder gute Anregungen.

Gegen 10 liege ich im Bett, stelle mir den Wecker für morgen auch früher – denn ich muss ins Büro – und lese erst einmal einen Artikel, den eine Freundin über ihre Spurensuche nach ihrer schlesischen Oma in Jelenia Gora geschrieben hat (Print, daher kein Link, sie hat es mir abfotografiert), wir schreiben danach noch kurz. Dann beginne ich zur Einschlaflektüre das nächste Buch: Mary Taylor Simeti & Maria Grammatico – Bitter Almonds und reise damit ins arme ländliche Sizilien der Sechziger. Nach 50 Seiten lege ich es weg und schlafe danach schnell ein.

06.01.2023 – Endlich wieder Wasserzappeln

Sonnabend. Ich erwache für den Wochentag zu früh, aber immerhin ein paar Minuten später, als während der Woche der Wecker klingelt. Das Teilzeitkind wird kurz nach mir wach und aktiv, aber es ist ja jetzt groß und beschäftigt sich selbstständig bzw. versorgt sich mit Snacks und Getränken. So kann der Liebste noch eine ganze Weile weiterschlafen, während ich das Internet leer lese und blogge. Irgendwann wacht er auf und macht Kaffee – das Zeichen für das Teilzeitkind, jetzt mal gucken zu kommen, ob es vielleicht mein Handy zum Spielen bekommen kann. Allerdings habe ich gerade selbst mit Spielen angefangen und vertröste es auf später und da zieht es ohne zu murren ab und verabredet sich stattdessen mit dem Nachbarskind. Faszinierend. Nochmal etwas später stehen dann beide bei uns im Schlafzimmer und fragen, ob sie für uns auf den Markt gehen sollen, damit wir noch liegen bleiben können. Also, das ist der vorgeschobene Grund, tatsächlich wollen sie vermutlich einfach nur alleine unterwegs sein. Out on the town

Wir stimmen zu, haben einen virtuellen Einkaufszettel und sehr reales Bargeld mit und der Liebste macht uns einen zweiten Kaffee. Ungefähr zu der Zeit, wo die beiden ohne Bummeln langsam zurück sein könnten, rufen sie mit Video aus dem Supermarkt an, denn wir hatten auch noch davon gesprochen, dass der Kaffee alle ist. Das Kaffeeregal überfordert die beiden schlichtweg. Also gibt es wilde Kamerafahrten, bei denen uns beiden trotz Liegens schwindlig wird, bis wir die passende Packung identifiziert haben. Dann stehe ich langsam auf und als ich aus dem Bad komme, sind die beiden zurück. Wir vergleichen Einkäufe und Einkaufszettel – alles perfekt richtig gemacht. Hier zahlt sich aus, dass wir eigentlich immer die gleichen Dinge an den gleichen Ständen kaufen. Nur als ich nach dem Wechselgeld frage, stockt das Gespräch etwas und ich muss dann insistieren, um einen glaubwürdigen Betrag zurückzubekommen. Dann gibt es kurz vor 12:00 Wochenendfrühstück zu viert mit Eiern, Baguette, Aufstrichen, Obst, Börek und Quarkbällchen.

Nach dem Essen räume ich den Tisch ab und mache mich auf zu meinem Sportkurs, während sich die anderen drei fertig machen, um zu einem Freiteitbad nach Brandenburg zu fahren. Der Liebste wäre zwar gerne mit mir ins Fitnessstudio und in die Sauna gegangen, aber dann wären wir beide nicht erreichbar gewesen, während die Kids die Tour unbeaufsichtigt machen und das funktioniert so nicht (und das Nachbarskind hätte dann auch nicht gedurft). Also fährt er bei den beiden mit (in einem anderen S-Bahn-Waggon, denn sie sind ja schon groß und schaffen das inkl. Umsteigen alleine).

Ich laufe mit Podcast auf den Ohren zum Fitnessstudio, ziehe mich um, dusche und habe dann noch eine Viertelstunde, bis mein AquaFitness-Kurs losgeht. Also schwimme ich noch ein paar Bahnen (zwölf insgesamt). Es ist voll heute, wohl dem Wochenende und dem Jahresbeginn geschuldet. Der Trainer erfreut mich sehr, nachdem der andere neulich etwas anstrengend war und immer etwas von Drill Instructor hat, ist der heutige ganz entspannt, trägt lila Haare und Klamotten, lässt 90er-Girlpower-Musik laufen und motiviert uns wertschätzend, statt drohend. Sehr schön. Später google ich ihn und stelle fest, dass er Teil eines schwulen Podcast-Duos ist. Sehr sympathisch.

Nach dem Kurs geht es für 15 Minuten in die Recovery Sauna und dann in den gemütlichen Ruheraum, wo ich mein nächstes Papierbuch anfange: Sara Weber – Die Welt geht unter und ich muss trotzdem arbeiten? Die Einleitung fesselt mich gleich so, dass ich eine gute halbe Stunde dran bleibe, bevor ich den nächsten Sauna-Gang starte. Die zweite Sauna ist deutlich heißer und ich halte sie heute nur fünf Minuten lang aus, bevor ich mich kalt abdusche und wieder ruhen und lesen gehe. Die dritte schenke ich mir dann. Sobald sich mein Kreislauf normalisiert hat, gehe ich mich richtig sauber duschen und anziehen und mache mich auf den Heimweg.

Dort ist natürlich sonst noch niemand zurück. Ich mache die Kerzen am Adventskranz nochmal an – morgen wird ja abgeschmückt – und gehe mit Tee und Plätzchen auf die Couch. Erst Italienisch-Pensum, dann weiter lesen. Dabei schlafe ich irgendwann ein. Erst kommen die Kids nach Hause und hauen dann wieder ab, kurz danach der Liebste, der noch Besorgungen gemacht hat. Während er die vegane Bolognese für das Abendessen zubereitet, hören wir uns eine Wahlkampfrede von Joe Biden anlässlich des dritten Jahrestags des 6.-Januar-Aufstands an. In was für Zeiten wir leben!

Irgendwann hängen wir dann beide auf der Couch und warten, dass die Kinder wieder auftauchen, damit wir essen können. Es wird noch kurz aufregend, weil das Handy des Teilzeitkinds vom Freizeitbad noch im Flugmodus ist, aber schlussendlich waren sie nur nochmal Shoppen und sind jetzt beim Nachbarskind. Wir essen dann nur zu dritt und machen dann noch einen Filmabend auf der Couch. Hui, Dodgeball war ja vor 20 Jahren schon nicht gut, aber gealtert ist er erst recht nicht gut. Viel Cringe und problematische Witze, aber der Liebste und das Teilzeitkind können zumindest über die Slapstick-Anteile lachen.

Hinterher geht das Kindelein ins Bett und ich darf mir einen Film aussuchen. Ich entscheide mich für Elemental und der ist deutlich besser und wäre wohl auch pädagogisch wertvoller gewesen. Naja. Dann ist es kurz vor Mitternacht und ich gehe mit Buch ins Bett, während der Liebste noch eine Runde zockt und einen Katastrophenfilm aus den 90ern zu Ende guckt, den er neulich angefangen hatte. So verschieden sind die Menschen…

05.01.2024 – Erster Freitag des Jahres #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Trotz späten Einschlafens wache ich gegen 6:30 von alleine auf. Entweder waren da doch irgendwo Geräusche im Haus (Mitbewohner und Katzen schlafen tief und fest) oder es ist die innere Unruhe ob des Wissens, dass ich heute schon um 9:15 das erste Meeting habe. Das schaffe ich dann auch pünktlich – allerdings ohne Frühstücksvorbereitung vorher, dafür mal wieder das komplette Italienischpensum aus drei Apps schon vor der Arbeit absolviert. Das Meeting mit Berlin und Braunschweig geht eine halbe Stunde, dann direkt im Anschluss ein weiteres kurzes mit Berlin und danach noch ein Drittes. Kurz nach halb 11 kann ich durchatmen, mache den Katzen Frühstück und hole mir ein paar Litschis an den Schreibtisch, die ich den Tag über wegsnacke und dazu Weihnachtsschokolade, denn es ist ja bald schon Mittagszeit.

Es gibt heute noch eine ganze Menge Kleinkram fertigzustellen neben dem Wochenende, aber erstmal habe ich noch ein Meeting mit Südengland, das statt einer halben Stunde eine Stunde dauert und direkt hinterher noch eins mit Dortmund und Berlin. Im Laufe dieser beiden Meetings laufen auf: ein Anruf auf dem Diensthandy, 16 E-Mails, 2 Chat-Nachrichten und 11 Benachrichtigungen aus dem Projektmanagement-Tool. Bevor ich mir das anschaue, mache ich erstmal Mittagspause und treffe den Mitbewohner in der Küche. Bei ihm gibt es Risotto-Reste, ich habe noch Pasta von gestern. Als er zurück in sein Webinar geht, telefoniere ich beim Essen mit dem Liebsten.

Nach dem Essen geht es zurück an den Schreibtisch und ich arbeite nach Wichtigkeit alles aufgelaufene ab. Eine Änderung an der Corporate Website, eine im Intranet, einen E-Mail-Entwurf für den CEO, finale Endabnahme des Videos von gestern (nachdem meine Änderungswünsche eingearbeitet worden sind), Verteilung von eintrudelnden Aufgaben auf die nächsten Tage, Rückruf beim Kollegen, E-Mail an Helpdesk, E-Mail-Verlauf mit einem externen Provider, Entwurf eines Newsletters, der Montag rausgehen soll und Abstimmung mit zwei Stakeholderinnen, Beginn der Erstellung einer neuen Unterseite im Intranet…

Um 16:00 dann das nächste Meeting, diesmal mit Nordengland, Madrid und Paris, hinterher noch kurze Weiterarbeit am Intranet, dann um 17 Uhr schließlich Teammeeting, endlich wieder vollständig. 25 Minuten sind angesetzt, am Ende dauert es über eine Stunde. Kurz nach 18 Uhr sind wir fertig. Ich schreibe noch eine Chat-Nachricht und meinen Wochenbericht, dann mache ich Feierabend. Schnell Wassernäpfe auffüllen und Pflanzen gießen, Katzen füttern, Rucksack und Sporttasche packen, vom Mitbewohner verabschieden und dann bin ich mit Podcast auf den Ohren kurz nach halb 7 auf dem Weg nach Südberlin.

Kurz nach halb 8 komme ich beim Stammitaliener an und treffe dort auf den Liebsten und das Teilzeitkind, die finden, dass ich spät dran bin. Das Kind hat seinen letzten Ferientag und der Liebste seit 17 Uhr Feierabend… Wir bestellen Bruschetta und einen Sarti Spritz für mich und dann fährt mein Geist langsam in den Wochenendmodus. Zum Hauptgang (bei mir erstmals die Tagliata di manzo, ich glaube die bestelle ich jetzt öfter) besprechen wir Pläne für die Oster-, Sommer- und Herbstferien und kommen zumindest erstmal zu einem Grundkonsens. Jetzt ist es am Liebsten und mir, zu recherchieren, rechnen und auszuloten, ob das alles klappt.

Zum Gratis-Nachtisch gibt es Panna cotta für mich und Eis für die anderen. Nach Gratis-Limoncello bin ich so satt und zufrieden, dass ich mich überwinden muss, rauszugehen und die 100 Meter bis zur Liebstenwohnung zu gehen. Dort schaffe ich es auf die Couch, bekomme noch mit, dass das Teilzeitkind irgendwann ins Bett geht, die Mitbewohnerin irgendwann heimkommt und der Liebste nebenbei eine alte Folge Akte X guckt. Ansonsten dümpele ich so vor mich hin und döse langsam weg. Kurz vor 11 regt der Liebste an, dass ich schlafen gehen könnte und das tue ich dann auch.

04.01.2024 – Es geht wieder los

Mein Gefühl trügte mich nicht, der heutige Tag geht schon wieder stark in Richtung anstrengender Normalität, zumindest, was den Arbeitsteil angeht.

Ich erwache kurz vor dem Wecker halb 8 und bemühe mich um einen offiziellen Schreibtischstart um 10 (obwohl ich natürlich vorher im Bett schon auf dem Handy informiert habe, ob mehr Eile und Dringlichkeit geboten ist und mit einer Kollegin in Madrid geschrieben habe). Zum Frühstück mache ich mir Mohn-Vanille-Porridge mit Kaki, einen Apfel und nach der gestern bewährten Methode Grüntee mit Erdbeersirup (Bubble Tea ohne Bobas). Meine erste Amtshandlung ist der Versand einer geplanten E-Mail an die globale Belegschaft, der zweite die technische (Vor-)abnahme eines Videos, für das ich die KI-generierte Übersetzung des Audiokommentars lektoriert hatte und das jetzt von einem nichtmuttersprachlichen Cutter mit einer KI-generierten Audiospur ergänzt wurde. Erstaunlich, bis auf zwei drei Hakeligkeiten mit zu früh abgeschnittenen Wörtern oder merkwürdiger Betonung, kommt da etwas ganz ordentliches raus, zumindest für diesen Zweck.

Um 10:30 habe ich dann ein Meeting mit der Kollegin in Madrid, zum Video und einem anderen Projekt, an dem wir gemeinsam arbeiten, da geht es um die Organisation und den Kommunikationsplan zu einem Workshop mit externem Anbieter, den wir für die Belegschaft organisieren. Unser Smalltalk am Ende wird davon abgeschnitten, dass ein Kollege in Dortmund versucht, mich erst telefonisch und dann per Chat zu erreichen. Also telefoniere ich erst kurz mit ihm und danach in Telefonkonferenz mit zwei Kollegen hier in Berlin, alle im Homeoffice und dann formulieren wir gemeinsam eine E-Mail und warten gespannt auf die Antwort. Achja, am Anfang dieses Telefonats klingelt und klopft es noch an der Wohnungstür und ich muss jemanden abwimmeln/auf später vertrösten, der angeblich über eine Veränderung beim Ablesen von Strom- und Gaszählern reden will. Dass ich weder das eine noch das andere in der Wohnung habe, fällt mir erst später auf, aber der Typ kommt im Laufe des Tages auch nicht wieder.

An dem Punkt ist es dann ungefähr 12 Uhr und ich versuche, mein kaltes Porridge schnell aufzuessen, während ich mit einem Kollegen in Braunschweig und außerdem mit dem Team im Teamchat, das endlich wieder vollständig und heute recht guter Laune und witzig ist. Mit dem Liebsten telefoniere ich auch zwischendurch zum zweiten Mal heute, der hatte gerade einen aufregenden Vater-Moment, der ein recht selbständiges Teilzeitkind mit leerem Handy-Akku beinhaltete. Um 12:30 Meeting mit einer Chefin, die heute den ersten Tag wieder da ist. Wir brauchen die komplette halbe Stunde, um die dringendsten Themen durchzugehen. Während ich danach weiter auf Rückmeldung zu der E-Mail warte und die Deadline dazu unverrichteter Dinge verstreicht, runderneuere ich das Katzenklo, das ist mal wieder dran.

Kurz vor 14 Uhr telefoniere ich mit Nürnberg, dann gehe ich eine Runde ins Draußen, altes Katzenstreu und Kompost wegbringen, Tageslicht einfangen und Schritte machen. Dabei höre ich mich per Hörbuch nach Nordschweden. Kurz vor 15 Uhr sitze ich dann mit Stulle (Avocado-Kichererbsen-Aufstrich, Tilsiter, Wiener Würstchen) wieder am Laptop. Ich telefoniere mit einem Kollegen in Berlin, der sich am Ende mit „Hab noch einen schönen Abend“ verabschiedet und mein Zeitgefühl rutscht auseinander. Danach bekomme ich eine Liste der Feiertage aller Länder, in denen wir Standorte haben und gleiche die mit mehreren internen Kalendern ab. Um 16:00 dann ein kurzes globales Meeting, ausschließlich Spaß, aber ich nehme zumindest als Teil der Background-Crew teil. Kurzer Auswertung im Teamchat hinterher (erholte Kolleg*innen sind wirklich witzig).

Zwischendurch klingelt es wieder – diesmal ein Paket für mich und drei für Nachbar*innen. Und die Kollegin in Dublin, die ich während ihrer Elternzeit vertrete, meldet sich mit Baby-News und Fotos und wir schreiben kurz. Um kurz vor 16:30 wird das erste abgeholt, um Punkt 16:30 gehe ich ins nächste Meeting, diesmal mit Prag, Dublin und Chicago. Das Meeting ist zäh und es dauert lange, bis wir zu einem akzeptablen Ergebnis kommen, da ist es kurz vor 17 Uhr. Ich stelle noch die Sache mit den Kalendern fertig, dann versuche ich nochmal, in Dortmund anzurufen, erreiche aber erstmal niemanden mehr. Immer noch keine Antwort auf die E-Mail von vorhin, die doch so dringend war. Kurz vor 18 Uhr klappe ich resigniert den Laptop zu, nehme das Diensthandy aber mit.

Ich ziehe mich an, schnappe mir meinen Kopfhörer, ein alkoholfreies Radler und den Plastikmüll und gehe ins dunkle und ganz schön kalte Draußen. Für den Abendspaziergang (Schrittziel erfüllen!) ist ein Telefonat mit der Kollegin und Freundin in Frankreich angesetzt, die frisch aus ihrem Südkorea-Urlaub zurück und ganz begeistert und interessant davon erzählt. Wir drehen eine etwa einstündige Runde durch den Pberg, dann ist das Ziel erfüllt. Kurz nach 19 Uhr stehe ich telefonierend am Herd und mache mir eine Art schnelle Spaghetti alle vongole mit einer Dose „pikante Muscheln in Tomatensauce“ und einer Dose „geschälte Bio-Tomaten“, nebenbei kommt endlich eine Rückmeldung zu der E-Mail von vorhin, die nochmal auf viel Stress die nächsten Tage hindeutet. Damit beschäftige ich mich dann aber erst morgen aktiv. Als ich anfange zu essen, beenden wir das Telefonat.

Stattdessen erzähle ich dann kurz mit dem Mitbewohner, während ein Nachbar die beiden anderen Pakete abholt. Der Mitbewohner war das erste Mal seit Covid wieder Laufen und es ging erstaunlich gut. Dann kurzes Telefonat mit dem Liebsten, vor anderthalb Stunden Live-Workshop im Adulting Projekt. Hinterher telefoniere ich nochmal etwas länger mit dem Liebsten und setze danach das Gelernte aus dem Workshop um. Damit bin ich dann kurz vor Mitternacht fertig, dusche noch kurz und gehe dann schlafen. Bin schon beim Aufschreiben ganz außer Puste.

03.01.2024 – Den Alltag schön essen

Noch ein – womöglich schon der letzte – ruhiger Arbeitstag heute, das Team ist immer noch nicht wieder vollzählig und die Meetings halten sich in engen Grenzen. Daher schreibe ich zwar schon morgens im Bett ein paar E-Mails und Nachrichten, stehe aber erst deutlich später auf und sitze am Ende erst halb 11 am Schreibtisch. Projekt Work-Life-Balance und so. Meine Chefin betont ja selbst auch immer, wie egal es ihr ist, wo und wann wir arbeiten, solange die Arbeit gemacht wird. Ich nehme das jetzt ernst. Zum Frühstück gibt es einen Rest Zimt-Dingsis mit Joghurt, in den ich Sanddornsaft gerührt habe – sehr lecker! Und ich mache mir eine große Kanne Tee aus unbeschriftetem grünen Zeugs, dass sich dann nicht als Kräuter-, sondern als grüner Tee herausstellt. Viel Zeugs. Nach den ersten Schlucken seihe ich das Ganze ab in eine andere Kanne und mische mir dann tassenweise Tee – ein Teil Tee-Extrakt, ein Teil Wasser, ein Teil Sirup. So werden im Laufe des Tages meine Vorräte an Almdudler-Sirup und Johannisbeer-Sirup alle, morgen ist für den Rest Erdbeer-Sirup dran. Bubble Tea quasi, nur ohne Bobas.

Ich erledige am Vormittag Kleinkram, chatte mit einer Kollegin in Madrid (und schmiede direkt ein paar Workation-Reisepläne…) und fange dann mit einem Handbuch für das Team zu einem neuen Tool an, zu dem es demnächst Zugang erhalten wird. Dann habe ich um 12 das erste Meeting, mit Lichtenberg. In der Mittagspause hänge ich Wäsche ab und auf, bekämpfe ein paar Schimmelprobleme – die Freuden eines fast hundert Jahre alten Hauses mit Denkmalschutz, in dem die Fenster nicht modernisiert werden können, da müssen wohl im Frühling wieder die Maler kommen… und mache mir dann einen Blutorangen-Fenchel-Oliven-Salat zum Mittag, mit dem guten Olivenöl vom Mitbewohner und Vollkorntoast dazu.

Am Nachmittag geht es weiter mit dem Handbuch, außerdem gebe ich meinen Input zu einem Projekt, an dem die Kolleg*innen aus Chicago und Paris schon gearbeitet haben und treffe mich dann mit beiden zum Finetuning, damit wir der Chefin, wenn sie morgen zurückkommt, etwas vorzuweisen haben. Hinterher nochmal eine kurze Abstimmung mit Lichtenberg und eine daraus folgende E-Mail, dann gehe ich noch durch meine Wochenberichte vom letzten Jahr und schließe meine Selbstbewertung ab. Mal schauen, ob meine Chefin das alles ähnlich sieht. Zum frühen Feierabend (diesmal nehme ich das Diensthandy mit, falls noch was ist), gehe ich ins Draußen, Pfandgut wegbringen und dann Schritte machen. Ich muss dazu in zwei verschiedene Läden – im Discounter kann ich noch zwei Dinge mitnehmen, die über Nacht fast alle geworden sind, im Bioladen muss ich mich schon sehr umgucken, möchte mich aber weder wegen 15 Cent anstellen noch das Geld verfallen lassen, also hole ich mir am Ende noch einen veganen Brotaufstrich.

Dann heißt es, ordentlich Schritte schruppen. Da ich mittags nicht draußen war, habe ich einiges aufzuholen und muss diverse Schleifen durch den Kiez drehen. Dabei höre ich mein Hörbuch weiter, außer als der Liebste anruft. In einer spektakulären Aktion – ich draußen im Pberg, der Liebste warm und trocken an seinem Rechner in Südberlin, das Teilzeitkind in seinem Zimmer bei Mama in Brandenburg – videotelefonieren wir in Konferenz mit dem Nifftenkind in Bremen samt seinen Geburtstagsgästinnen (inkl. der eigens angereisten Liebstenmama/Oma) und gratulieren ihm zum 4. Geburtstag. Ein Screenshot davon geht als Zeitdokument zu meinen Eltern nach Kanada.

Als das Schrittziel erfüllt ist, gehe ich wieder rein und mache mir Abendbrot. Es gibt Restekartoffeln von gestern, selbstgemachten Krabbencocktail (Eismeergarnelen, Joghurt, Mayo, Ketchup, Zitrone, Dill), gekochte Eier mit Kaviar und Rucola. Der Mitbewohner hat witzigerweise ganz ähnliche Gelüste und isst heute Kartoffeln mit Lachs und Mozzarella. Ich gönne mir zum Essen ein Erdbeer-Radler, telefoniere beim Essen zum vierten (?) Mal heute mit dem Liebsten und lege dann die Füße hoch. Italienisch-Aufgaben, dann ein paar Folgen „The West Wing“ mit Second Screen und Katzengekuschel.

Schon gegen 10 mache ich mich bettfertig. Im Schlafzimmer hat Noosa einen kleinen Unfall mit ihrer Lieblingshöhle, aka meinem Kleiderständer und bleibe dann – halb verdattert, halb sich cool nichts anmerken lassen – einfach reglos sitzen. Ich lache, fotografiere und verscheuche sie dann, um den Originalzustand wieder herzustellen, schließlich muss die Wäsche ja trocken werden. Sie ist dann doch recht dankbar.

Im Bett lese ich dann. Und weil das Buch gegen Ende immer spannender wird, habe ich kurz nach Mitternacht das erste Buch meines Lesejahres ausgelesen – Paul Bokowski: Schlesenburg. Liest sich sehr gut und entführte mich in eine mir unbekannte Welt – Neubausiedlung in einer westdeutschen Kleinstadt mit mehrheitlich polnischen Einwohner*innen in den 80er Jahren, aus Kindersicht und in der erwachsenen Rückschau erzählt. Ob die Kaltmamsell das schon kennt? Und natürlich bin ich dann so aufgekratzt, dass es bestimmt noch bis 1 dauert, bis ich endlich einschlafen kann.

02.01.2024 – Ein Versuch von Alltag

Das war eine unruhige Nacht, weil die lieben Katzis so anhänglich und kuschelig waren, dass ich mich immer mal wieder aus den Knäuel befreien musste und dann direkt wieder eingekreist wurde. Ich bin jedenfalls ziemlich gerädert, als der Wecker klingelt. Zum Glück beginnt der erste Arbeitstag des Jahres aber recht entspannt, das erste Meeting ist um 11, und ich kann es also ruhig angehen lassen. E-Mails gab es über das lange Wochenende auch kaum, sehr schön. Also mache ich ein paar organisatorische Dinge, sende ein paar bereits letztes Jahr vorbereitete E-Mails an die gesamte globale Belegschaft, chatte mit einem italienischen Kollegen in Dublin und habe dann besagtes Meeting mit Berlin und Chemnitz, das auch gar nicht so lang wird, wie angesetzt. Danach nutze ich den ruhigen Restvormittag für möglichst stressfreies Einkaufen für die Woche.

Ich gehe erstmal nur in den Discounter und schaue, ob ich dort alles bekomme – siehe da: ja – und kaufe dabei auch allerlei saisonales ein: Litchis, Kakis, Blutorangen – dies als Hinweis an Herrn Buddenbohm, der sich letzte Woche fragte, ob vor Bärlauch noch Foodtrends anstehen – es ist Zitrus- und vor allem Blutorangensaison! Blöderweise sind Zitrusfrüchte Histaminliberatoren, aber da muss mein Körper jetzt wohl durch, Saison ist Saison. Außerdem kaufe ich viel Fischiges (alles zertifiziert aus nachhaltigem Fischfang), da ist mir gerade nach.

Wieder zurück gibt es dann aber erstmal Stulle – mit Avocado-Kichererbsen-Aufstrich, Tilsiter, Sardellenpaste, und die reifste der Kakis direkt aus der Schale gelöffelt. Danach habe ich ein langes, spannendes und produktives Meeting mit Prag. Danach tröpfelt der Nachmittag so vor sich hin (draußen wortwörtlich), bis zu meinem Call mit Paris. Die Kollegin hatten einige unserer regelmäßigen Meetings wegen dringenderer Dinge ausfallen lassen, dann hatte sie letzte Woche Urlaub – es gibt also viel zu erzählen. Direkt im Anschluss stößt der Kollege aus Chicago dazu und wir besprechen, was wir als immer noch reduziertes Team die nächsten Tage zu tun haben. Ab Donnerstag sind wir dann wieder vollzählig.

Weil das Dringende dann durch ist und ich für Weiteres auf Zuarbeit warten muss, mache ich gegen 17 Uhr Feierabend. Ein Vorsatz für dieses Jahr ist, meine Freizeit wieder mehr der Arbeit zu entreißen. Ich habe Vertrauensarbeitszeit und arbeite mit Menschen aus diversen Zeitzonen zusammen, das heißt, dass mich die Arbeit selten so richtig loslässt, weil halt immer noch irgendwo anders weitergemacht wird. Also habe ich mir vorgenommen, Phasen, in denen wenig zu tun ist, komplett auszukosten und sie aktiv für Anderes zu nutzen. Mal gucken, wie gut und wie lange das so klappt.

Ich sitze dann auf dem Sofa, mache Italienischaufgaben und spiele ein bisschen auf dem Handy, bevor es 18:30 Uhr Zeit ist, zum Yoga aufzubrechen. An dem Punkt schaue ich nochmal kurz auf das Diensthandy – alles OK – und lasse es dann einfach zuhause (!!!). Ich spaziere Hörbuch hörend durch den Regen zum Yoga. Wir sind heute zu viert und es macht Spaß, obwohl es anstrengend ist. Dann spaziere ich durch den Regen wieder nach Hause und stelle dabei fest, dass das FitBit den ganzen Tag noch an der Steckdose neben dem Bett hing – alle Schritte umsonst!

Zuhause ist der Mitbewohner fleißig am Kochen – Gnocchi mit Zucchini und gebratener Geflügelwiener. Ich nehme mir eine Kostprobe, habe aber eigene Pläne – bei mir gibt es Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Das perfekte Essen für das Jahresanfang-Reset-Verdauung-normalisieren-Comfort-Food-Gefühl, dazu eine Feierabend-Ingwerlimo. Nach dem Essen spiele ich noch ein wenig weiter und mache mich dann gegen elf bettfertig. Ich telefoniere noch zum dritten Mal oder so heute mit dem Liebsten, streite mich mit den Katzen um ausreichend Platz auf der Wärmedecke, lese noch ein paar Seiten Buch und schlafe dann ein.

01.01.2024 – Wohlan denn

Als ich endgültig aufwache ist es noch sehr ruhig im Partyhaus und kurz vor halb 9. Ich verschwinde kurz ins Bad und lege mich dann wieder zum Liebsten auf die Luftmatratze. Nach und nach wachen Menschen auf und tun Dinge und das macht dann auch den Liebsten wach. Wir halten es aber noch eine ganze Weile liegend und kuschelnd aus, bevor sein Kaffeedurst zu groß wird. Nach einer Weile kommt er wieder und gibt mir zwei Schlucke aus seiner Tasse ab – die Schlange an der Maschine war zu lang für eine zweite Tasse. Dann stehe ich auch auf und gehe nach unten. Hier gibt es einen Schwebezustand zwischen Partyaufräumung und Frühstückstischdeckung und diversen Personen in unterschiedlichsten Zuständen. Aufgeweckte Kinder mit Nutellabrötchen, recht zerstörte Erwachsene auf der Suche nach Kaffee, Ibuprofen und Heringssalat, schlafende Teenies (die Mädchen auf der Tanzfläche, die Jungs in der Höhle mit den Computern).

Der Liebste bietet mir einen weiteren Schluck Kaffee für ein halbes Salamibrötchen. Das mache ich ihm gerne und frühstücke dann selbst ganz normal – Käsebrötchen, Guacamolebrötchen, Marmeladenbrötchen, Käsekuchen, Gemüsehäppchen, Kaffee, Fanta (?!). Meinem Magen geht es gut, ich bin nur müde und leicht kopfschmerzig. Als auch die Teenies aufstehen, löst sich die Feiergemeinschaft langsam auf – alle räumen und packen und dann sitzen wir irgendwann mit drei anderen im Auto, bringen die noch nach Hause und dann mich. Der Liebste fährt nach Südberlin, ich bringe meine Sachen nach oben, herze und füttere die Katzen, nehme mir eine Limettenlimo und meine Kopfhörer und gehe dann wieder raus.

Neujahrsspaziergang. Ich höre Hörbuch und laufe durch die Gegend, eine gute Stunde oder mehr lang, bis das Schrittziel erreicht ist. Es ist zu warm für die Jahreszeit, überall gibt es Spuren der Nacht zu sehen. Durch Zufall komme ich auch an einer ausgebrannten Wohnung im Neubaublock vorbei. Später lese ich, dass sechs Menschen dort gerettet wurden, aber eine Katze starb. In meinem Hörbuch geht es um menschliche Abgründe in einer Kleinstadt in Nordschweden, das passt ganz gut zur optischen Stimmung des Spaziergangs.

Wieder drinnen packe ich meinen Rucksack aus, beziehe das Bett frisch und begebe mich dann aufs Sofa. Ich habe noch nicht gebloggt und noch nicht Italienisch gemacht, das hole ich jetzt nach. Dann bestelle ich mir mein Neujahrsessen – Samosas, Paneer Korma, Bhatura und gebackene Litschis mit Marzipanfüllung und gucke „The West Wing“.

Irgendwann telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten, plausche mit dem Mitbewohner, beantworte Neujahrsgrüße… Aber hauptsächlich besteht der Abend aus Sofa, Katzenkuscheln und beim Fernsehen einnicken.

Gegen 10 gebe ich auf und gehe einfach schlafen. Hallo, 2024!